Klima

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Der Indologe Heinrich Zimmer schildert in seinem Buch "Altindisches Leben: Die Cultur der vedischen Arier" Klima und Boden Indiens zur Zeit der Veden.

Klima und Boden in Indien zur Zeit der Veden

Aus dem Buch "Altindisches Leben: Die Cultur der vedischen Arier", nach den Samhita dargestellt von Heinrich Zimmer, Berlin 1879

Nach dem Charakter der Quellen, auf denen unsere Darstellung fusst, wird man es begreiflich finden, dass über Klima und Bodenverhältnisse des Landes, zwei Grundbedingungen für die Entwicklung eines Volkes, die Angaben nur sehr dürftig sind. Sie reichen eben hin, um uns erkennen zu lassen, dass beide Factoren vor mehr als 3000 Jahren in jenen Gegenden fast dieselben gewesen sein müssen wie heutigen Tages. Eine kurze Schilderung der jetzigen klimatischen und Bodenverhältnisse Indiens findet man bei Lassen Alterth. 1', 247 ff.

Wenn in einer Zauberformel (Rv. 10, 161) einem vom Rajayakshma (Lungenschwindsucht) befallenen zugerufen wird, zu erstarken und hundert çaradah, hundert hemantah, hundert vasantah zu leben, so führt uns diese Eintheilung des Jahres in Erntezeit (d. h. Mittsommer — Herbst), Winter, Frühling - Vorsommer deutlich in die nordwestlichen Sitze der Arier an den Fuss des Himalaya. Hier mag im Winter (hemanta) auch Schneefall nicht ungewöhnlich gewesen sein; am Fusse schneebedeckter Berge lebt der Sänger von Rv. 10, 121, 4 : »Er, dessen Grösse die schneebedeckten Berge verkünden.« Fröste traten ein und richteten Schaden an: »Wie die durch Frost ihres Gefieders (Blätterschmuckes) beraubten Wälder, so trauerte Vala um die von Brhaspati geraubten Kühe« Rv. 10, 68, 10. Die Nacht ist der Kälte Mutter nach Av. 19, 49, 5.

Wie verschieden sind hiervon die klimatischen Verhältnisse, in die uns Rv. 7, 103 und 10, 90 führen, zwei Lieder freilich, die wegen ihrer sonstigen Bezüge nicht mehr in die eigentlich vedische Periode fallen. An ersterer Stelle (Rv. 7, 103) heisst es von dem muntern Fröschevölklein: »Sie halten ein die göttliche Ordnung des Jahres, nicht vergessen sie den richtigen Zeitpunkt, die Männer, sobald im Jahreslaufe die Regenzeit herbeigekommen, dann findet die heisse Gluth (tapta gharmah) ihr Ende« Vers 9. Im Purushasukta (Rv. 10, 90, 6) werden vasanta, grishma, çarad, pravrsh als Jahreszeiten genannt, hima der Winter fehlt ganz: als die Götter das Urwesen Purusha als Opfer darbrachten, da diente vasanta (Frühling) als Opferbutter, grishma (Sommer) als Brennholz, çarad (Herbst) als Opfergabe und mit der pravrsh (Regenzeit) besprengten sie das Opfer.

In einem nahezu tropischen Klima sind diese Lieder entstanden: heisse, versengende Sonnengluth (tapta gharmah) macht den Menschen und die ganze Natur nach Regen verlangend (Rv. 7, 103, 2, 3) ; endlich beginnt er, der erste Regentag bricht an, die fast erstorbene Natur wird wieder belebt.

Mitten ins eigentliche Hindostan weisen die klimatischen Verhältnisse der Yajustexte. "Zwölf Monate gibt es, fünf Jahreszeiten" heisst es T.S. 5, I, 10, 3; 5, 4, 12, 2: vasanta, grishma, varsha, çarada, hemanta T.S. 5, 6, 10, 1: 5, 7, 2, 4 ; vasanta, grishma, varsha, çarada, hemanta-çiçirau T.S. 1, 6, 2, 3; 7, 1, 18, 1-2. Gewöhnlicher wird die letzte Jahreszeit in zwei besondere getheilt und dann sechs gezählt wie in Folgezeit immer (shadva rtavah T.S. 5, 1, 5, 2; 5, 1, 7, 3; 5, 1, 9, 1; 5, 2, 6, 1) : vasanta, grishma, varsha, çarada, hemanta, çiçira V. S. 21, 23 ff.; 13, 25 ¬15, 56; T.S. 7, 5, 14, 1. Der Atharvaveda, am wenigsten Anspruch machend uns ein Bild eines relativ einheitlichen Culturzustandes zu liefern, führte mit seinen geographischen Daten bald in den äussersten Winkel arischer Cultur im Nordwesten, bald an die südöstlichen Grenzen Madhyadeças ; dieselbe Verschiedenheit zeigen die in ihm erwähnten klimatischen Verhältnisse. Drei Jahreszeiten sind Av. t0, 8, 4 gekannt; »sechs kalte Monate und sechs warme nennen sie, die Zeit nennt uns, welche überschüssig (atirikta) ist« Av. 8 9, 17 ; fünf Jahreszeiten (carad, hemanta, vasanta, grishma, varsha) werden Av. 8, 2, 22 aufgezählt. Sechs — mit Hinzufügung von çiçira - Av. 6, 55, 2; cf. 9, 5, 31-36; 12, 1, 36 ; 15, 4 : sieben Jahreszeiten gibt es nach Av. 6, 61. 2.*

Eine der eiuflussreichsten Ursachen der klimatischen Eigen¬thümlichkeit des heutigen Indien liegt in den periodischen Winden, die Monsune genannt werden. Ihrer sind vorzüglich zwei: Der eine von Südwest webend, der andere von Nordost. Der stärkste und einflussreichste ist der Südwest-Monsun: »Schwarze, stets wachsende Wolkenmassen thürmeii sich allmählich am Horizonte zusammen und kündigen die herannahende grosse Naturerscheinung an. Nach einigen 'ragen angedrohten Logbruches bricht in der Nacht gewöhnlich der Monsun unter unaufhörlichen Blitzen und majestätischen Donnerschlägen ein , die Fluth der Gewässer stürzt sich über das Land. Der Iümmel bleibt mehrere Tage in Nacht gehüllt und giesst fortwährend Regen herunter; dann zerreist das Gewölk. die Luft ist heiter und gereinigt. die ganze Natur wie durch ein Wunder umgewandelt; statt des ausgetrock¬neten Bodens. der wasserlosen Strombetten, der stauberfüllten. trübschimtnernden Atmosphäre ist plötzlich üppiges Grün, kein Bach ohne überströmende Fülle.« »So ist«, nach Lassen Alterth. 12, 251 tf. »der Südwest-Monsun im grössten Theile Indiens, nur bringen die höhere Breite, die grössere Entfernung vom Meer und die Höhe der vorgelagerten 'Berge örtliche Aenderungen hervor.e "* •

  • Der Wechsel der klimatischen Verhältnisse, der auf dein Wechsel der Wohnsitze beruht, wird am prägnantesten ausgedrückt durch die wechselnde Benennung des Jahres: hinnû (Winter), farad (Herbst), varsha (Regenzeit), sind die vediscben Namen für Jahr in chronologischer Reihenfolge.
  • • Siehe hoch Elphinstone Account of the kingdom of Cabool p. 146 IT., woran Lassend Darstellung sich anlehnt; besonders wichtig ist p. 130, wo Ober den Monsun im Norden des Penjäh unter den Gipfeln des Himavant ge¬sprochen wird. Im Süden des Penjäb, der von der See und den Bergen ah-liegt, fallt sehr wenig Regen.

KLIMA UND BODEN. Hören wir nun Atri's, des Sohnes des Bhtimi Schil 5, 83: 1. Mit diesen Lobgesi;ngen preis den starken, erheb Parjanya andachtsvoll ihn suchend. Laut brüllend spritzt der Stier den raschen Samen, legt Lebenskeim in Pflanzen und Gewächse; Y. Er spaltet Bäume, schlägt zerschmetternd die Rakshas, jedwede Kreatur flieht zitternd seil) Geschoss. Vorm Regenspender weicht selbst der von Frevel rein, wenn er Parjanya donnernd trifft die Uebelthat. 3. Gleichwie ein Wagenlenker treibt mit reschem Hieb er sein Gespann, die Regenschwangern, her zu uns: Von fern erhebt sich schon des Leuen laut Gebrüll, wenn er, Parjanya, Wolken regenschwanger macht. 4. Die Stürme brausen, zuckend schiesst herab der Blitz, Gewächse spriessen auf, der Himmel strotzend schwillt, Für jede Kreatur wird Labung, Trank geschaffen, wenn sein, Parjanya's Same, der Erde Schoos erquickt. 3. Vor dessen Macht der Erde Grund erbebet, bei dessen Wirken scheu entflieht die Heerde, Durch dessen Werk der Kräuter bunte Menge: Du, du Parjanya, starken Schutz gewähre. 6. Des Himmels Nass, o Marut, spendet reichlich, lasst schwellend strömen des kräftigen Hengstes Güsse. Eil her zu uns auf jener Donnerwolke mit Wasser giessend; du bist unser Vater. 7. Auf donnre, brüll' heran und spende Samen, umfliege uns auf deinem Wasserwagen; Nach unten zieh den Schlauch mit offner Mündung: es sollen Höhen und Tiefen eben werden. B. Heb hoch die grosse Kufe, giesse nieder, entfesselt sollen strömen die Gewässer. Mit fettem Nass durchtränke Erd und Himmel, es werde herrliches Getränk den Kühen. 9. Du gabst uns Regen, halt jetzt an die Spende; die öden Striche machtest du uns gangbar, Du liessest spriessen zur Erquickung Kräuter, dafür ertönte dir der Preis der Wesen. Können wir noch zweifeln in diesem hochpoetischen Sängers eine Schilderung des gewaltigen Naturerei, uns zu haben? Honnte es überhaupt nach dem Idee Anschauungen eines naturwüchsigen Menschen tre eben werden? Zweifelsohne hat man noch manche


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