Intuition: Unterschied zwischen den Versionen

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(Intuition ist die Hauptgrundlage der Erkenntnis)
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Bosanquet sagt: “Die Wahrheit ist üblich für den Geist und Irrtümer sind die Ausnahme. Wenn man das Denken des Geistes reinigen kann, so wird man durch ihn eine wahre Beschreibung der Wirklichkeit besitzen. Dieses Erkennen ist nicht abstrakt, es ist dem Geist innewohnend.“ „Die innere Stimme des Menschen“ zählte für Sokrates mehr als die äußere Wahrnehmung oder logisches Denken. Platon schreibt dieser Fähigkeit den Begriff „Rückerinnerung“ zu. Er sagt, dass alles Lernen dem Prozess des Erinnerns ähnelt, da alle Wahrheit gleichzeitig neu und alt ist. Sie ist gleichzeitig Erkennen und Wiedererkennen. Aristoteles ‚Nous’ [griechisch: Vernunft, Geist A.d.Ü.] stellt das intuitive Begreifen der „ersten Prinzipien“ dar. Er sagt: „Wie kann e seine Wissenschaft der ersten Prinzipien geben?” Deren Wahrheit ist für jeden erwiesen. Wir kennen diese Prinzipien mittels ‚Nous’, mittels direktem Kontakt. Spinoza erklärt: “Um die Essenz der Dinge von innen zu kennen -so wie Gott dies tut, brauchen wir ein höheres Wissen, die Intuition.“ Spinoza zieht eine klare Grenze zwischen Vorstellung, Vernunft und Intuition. In einer kurzen Abhandlung sagt er: „Intuitives Wissen besteht nicht darin, von der Vernunft überzeugt zu sein, sondern in der unmittelbaren Verbindung mit der Sache an sich.“ „Beim intuitiven Wissen offenbart sich das Objekt selbst auf direktem Wege seinem Verständnis.“ „Der größte Frieden des Geistes geht aus seiner intuitiven Eigenschaft hervor.“ Pascal sagt: „Die Vernunft selbst räumt ein, dass es einen unbegrenzten Raum jenseits der Vernunft gibt. Der Verstand denkt auf zweierlei Weise, der mathematischen Weise sowie der feineren Weise. Letztere Weise lässt uns die Wahrheit fühlen.“
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Bosanquet sagt: “Die [[Wahrheit]] ist für den [[Geist]] gewöhnlich, und Irrtümer sind die Ausnahme. Wenn man das Denken des Geistes reinigen kann, so wird man durch ihn eine wahre Beschreibung der Wirklichkeit besitzen. Dieses Erkennen ist nicht abstrakt, es ist dem Geist innewohnend.“ „Die innere [[Stimme]] des [[Mensch]]en“ besaß für [[Sokrates]] größere Bedeutung als die äußere [[Wahrnehmung]] oder logisches Denken. Platon schreibt dieser Fähigkeit den Begriff „Rück[[erinnerung]]“ zu. Er sagt, dass alles Lernen dem Prozess des Erinnerns ähnelt, da alle Wahrheit gleichzeitig neu und alt ist. Sie ist gleichzeitig Erkennen und Wiedererkennen. Aristoteles ‚Nous’ [griechisch: Vernunft, Geist A.d.Ü.] stellt das intuitive Begreifen der „ersten Prinzipien“ dar. Er sagt: „Wie kann es eine [[Wissenschaft]] der ersten [[Prinzip]]ien geben?” Deren Wahrheit ist für jeden erwiesen. Wir kennen diese Prinzipien mittels ‚Nous’, mittels direktem Kontakt.
  
Beide, der Intellekt und die Intuition, sind Fähigkeiten desselben Geistes. Es gibt keine Unterbrechung des Zusammenhanges zwischen ihnen. Die Intuition steht der Vernunft nicht entgegen. Sie erfüllt sie. Sie schließen sich nicht gegenseitig aus. Die Intuition lässt uns das Ganze erkennen. Der Intellekt kann nur ein konzeptionelles Wissen des Ganzen haben. Die Intuition besitzt ein direktes Wissen des Ganzen, der Intellekt analysiert einzelne Teile. Intuition bedeutet Weisheit, Aristoteles Nous, die alles umarmende Intelligenz Dantes.
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Pratt bestätigt: „Die mystische Ekstase ist in ihrer Form erkennend. Sie offenbart dem Mystiker die Wirklichkeit genauso wie seine Sehkraft und sein Hörvermögen dies tun.“ „Seine Erfahrung ist eins mit der Intuition. Es ist das Gefühl, der Wirklichkeit von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen.“ (James Bissett Pratt, The Religious Consciousness)
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[[Spinoza]] erklärt: “Um die [[Essenz]] der Dinge von innen zu kennen - so wie [[Gott]] dies tut, brauchen wir ein höheres [[Wissen]], die Intuition.“ Spinoza zieht eine klare Grenze zwischen Vorstellung, [[Vernunft]] und Intuition. In einer kurzen Abhandlung sagt er: „Intuitives Wissen besteht nicht darin, von der Vernunft überzeugt zu sein, sondern in der unmittelbaren Verbindung mit der Sache an sich.“ „Beim intuitiven Wissen offenbart sich das [[Objekt]] selbst auf direktem [[Weg]]e seinem [[Verständnis]].“ „Der größte [[Frieden]] des [[Geist]]es geht aus seiner intuitiven [[Eigenschaft]] hervor.“ Pascal sagt: „Die Vernunft selbst räumt ein, dass es einen unbegrenzten [[Raum]] jenseits der Vernunft gibt. Der [[Verstand]] denkt auf zweierlei Weise, der mathematischen Weise sowie der feineren Weise. Letztere Weise lässt uns die Wahrheit fühlen.“
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Beide, der [[Intellekt]] und die Intuition, sind [[Fähigkeit]]en desselben [[Geist]]es. Es gibt keine Unterbrechung des Zusammenhanges zwischen ihnen. Die Intuition steht der Vernunft nicht entgegen. Sie erfüllt sie. Sie schließen sich nicht gegenseitig aus. Die Intuition lässt uns das [[Ganze]] erkennen. Der Intellekt kann nur ein konzeptionelles [[Wissen]] des Ganzen besitzen. Die Intuition besitzt ein direktes Wissen des Ganzen, der Intellekt analysiert einzelne Teile. Intuition bedeutet [[Weisheit]], Aristoteles Nous, die alles umarmende Intelligenz [[Dante]]s.
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Pratt bestätigt: „Die mystische [[Ekstase]] ist in ihrer Form erkennend. Sie offenbart dem [[Mystik]]er die Wirklichkeit genauso wie seine Sehkraft und sein Hörvermögen dies tun.“ „Seine [[Erfahrung]] ist eins mit der Intuition. Es ist das [[Gefühl]], der Wirklichkeit von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen.“ (James Bissett Pratt, The Religious Consciousness)
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==Siehe auch==
 
==Siehe auch==

Version vom 6. August 2014, 14:39 Uhr

Intuition (Latein: intueri "betrachten, erwägen"; Sanskrit: Sakshatkara) ist die Schau der Realität, "die direkte Wahrnehmung oder die Ahnung der göttlichen Wirklichkeit". Intuition ist eine innere spirituelle Erfahrung. Meditation unterstützt die Entwicklung der persönlichen intuitiven Fähigkeiten.

Das dritte Auge - Ajna Chakra - Sitz der Intuition

Swami Sivananda über Intuition

Der indische Weise Swami Sivananda schreibt in seinem Buch „How to Cultivate Virtues und Eradicate Vice“ über Intuition Divine Life Society:

Intuition ist das direktes supermentale Wissen von Atman, durch direkte Selbsterkenntnis. Hier gibt es kein Denken. Der Geist hört hier auf zu funktionieren. Hier gibt es keine Empfindung. Intuition ist oberhalb der Relativität. Es ist eine innere spirituelle Erfahrung, die nicht adäquat mit Worten beschreibbar ist. Die Sprache ist unzureichend, auch kann sie nicht die ganze unbeschreibbare transzendentale Erfahrung ausdrücken. Worte sind nur konventionell.

Du kannst Gott oder Atman nur durch Intuition erkennen.

In der Intuition ist alles klar. Alle Zweifel vergehen im Ganzen.

  • Intuition ist unmittelbares Wissen im Gegensatz zu mittelbaren Wissen. Durch die Intuition erkennt der Aspirant die Wahrheit der Dinge ohne Begründung und Analyse.
  • Intuition ist Wissen von Innen heraus. Intuition kommt wie ein Blitz. Daraufhin ist der Aspirant vereint mit seinem eigenen Atman, seiner individuelle Seele, mit dem Selbst, oder der Höchsten Seele.
  • Intuition ist das unmittelbare Wissen des Absoluten durch das Auge der Weisheit im Gegensatz zu den Gegenständen der Sinne und des Geistes.
  • Intuition übertrifft den Verstand, aber sie steht ihm nicht entgegen.
  • Intuition ist Wahrheit erlangt durch innere Ahnung ohne die Hilfe der Wahrnehmung oder der Kraft des Verstandes und der Logik.
  • Intuition ist die direkte Wahrnehmung oder die Ahnung der göttlichen Wirklichkeit, die dem offenbarten und dem unoffenbarten Universum zugrundeliegt.

Der Weise in seien Flügen der Intuition steigt auf zu der supramentalen Region wo er die göttliche Wirklichkeit oder das Absolute erlebt. Die überbewusste Erfahrung ist sehr klar, lebendig und strahlend, Es ist für den Weisen äußerst wirklich. Er lebt in ihr, er bewegt sich in ihr, und er atmet in ihr. Die intuitive Erfahrung ist großartig, außergewöhnlich und tief. Das Wissen von Gott würde für die Menschheit verloren sein, gäbe es die Intuition und Offenbarung der Propheten und Weisen nicht.

Intuition ist der einzige Weg, durch den man das Absolute erkennen und in all seiner Gesamtheit und Vollständigkeit erfahren kann.

  • Der Geist und die Sinne benötigen Zeit und Raum, um zu funktionieren, aber die Wirklichkeit, die hinter der zeitlich, räumlichen und kausal Ordnung der Dinge steht, kann nur Intuition begriffen und erfasst werden.
  • Der Verstand kann dir nur gedankliches Wissen geben, und gedankliches Wissen kann dir nicht das Wissen der Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit geben, es ist die Absolutheit, aber sie teilt, zerfällt in Bruchstücke, und bricht Dinge in Stücke.
  • Die innenwohnende Seele dieses irdischen Universums ist reines Bewusstsein. Indische Weise und Seher haben diese Wirklichkeit in all ihren Vollständigkeit erahnt und gaben der Menschheit diese reiche und kostbares Perle der Weisheit des Selbst.

Intuition ist der Goldene Schlüssel zur Glückseligkeit

Swami Sivananda

Auszug aus dem Buch "Jnana Yoga" von Swami Sivananda (Hrsg.: Divine Life Society, 2007), S. 38-42

Intuition ist eine lebendige innere Achtsamkeit in Bezug auf das innewohnende unsterbliche und glückseligmachende Selbst. Sie ist das Auge der Weisheit, durch das der Weise in allem dessen unsichtbare Gegenwart wahrnimmt. Es ist Divya Chakshu (Prajna Chakshu, Jnana Chakshu), durch das der Yogi die höchste Erfahrung des alldurchdringenden Brahmans erfährt. Es ist der Brahmakara Vritti der Vedantins gleich. Es ist das dritte, das spirituelle Auge der Yogis und Weisen.

Instinkt ist den Tieren, Intellekt den Menschen, Intuition den Yogis und Weisen eigen. Höchste Einsicht, Vishuddhabuddhi, führt den Aspirant zum Tor der Intuition. Intuition steht der Einsicht nicht im Wege. Sie transzendiert Einsicht. Das Auge der Intuition öffnet sich, wenn durch die Praxis von Yama und Niyama das Herz geläutert ist und wenn Geist, Intellekt und Sinne zur Ruhe gekommen sind.

Sanjaya erhielt sein Auge der Intuition durch die Gnade von Sri Vyasa. Arjuna erhielt es durch die Gnade von Krishna und erfuhr dessen Vishvarupa Darshan.

Bergson erkannte Intuition als eine mögliche Methode, das transzendente ‚Ich‘ und das ‚Ding an sich‘ zu erkennen. Doch das Werk ist nur eine Theorie zu dem Thema Intuition, es ist rein methodisch aufgebaut. Bergson konnte nicht erklären, wie die Methode in die Praxis umgesetzt werden kann. Er konnte nicht den Weg zum ‚Selbst‘ erklären.

Es war Bergson überlassen zuzugeben, dass er ein Mann der Geometrie war. Er verstand die Welt in Bezug auf Zeit und Raum. So sie sich von der Konzeption der äußeren Welt befreit und sich auf das `Noumenon‘ ausrichtet, werden Raum und Zeit transzendiert und das Noumenon auf ganz anderem Weg wahrgenommen. Diesen Weg nannte er Intuition, der sich von der Wahrnehmung durch die Sinne unterscheidet. Doch wie die Befreiung von der phänomenalen Welt geschieht, das ist der Indischen Methode des Yogas überlassen, die da ist: Entwicklung von Intuition durch Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) und Samadhi (Befreiung).

Intuition ist die einzige Methode der Wissenschaft des Yogas oder der Wissenschaft der Seele (Brahma Vidya). Der Yoga, wie ihn die Indischen Yogis praktizieren, ist im Wesentlichen wissenschaftlich. Er ist universell anwendbar und garantiert universelle Ergebnisse für den durchschnittlichen Menschen, der sich in der Methode der Intuition weiterentwickeln möchte.

Das Ziel des Lebens ist die intuitive Erkenntnis des Atman, der das Fundament und die Seele von allem ist, der Urgrund allen Seins. Was ist das Ziel des Lebens? Was ist das höchste Gut? Warum bin ich auf dieser Welt? Die westliche Philosophie gibt keine zuverlässigen Antworten. Ihre Antworten beziehen sich lediglich auf das Leben. Was das Leben an sich ist, beschreibt sie durch die Logik der Physik, die wiederum von Menschen formuliert ist.

Intuition, intuitive Wahrnehmung in Bezug auf das höchste Gut, ist der einzige Prüfstein der Philosophie. Die Methode der Intuition ist die einzige Methode, die letztendliche Wahrheit zu erkennen. Intuition ist die Methode. Erkenntnis des Selbst ist das Ziel. Ohne Intuition zu entwickeln, bleibt der intellektuelle Mensch unvollkommen und blind für die Wahrheit hinter der Erscheinungswelt.

Himalaya

Um den wichtigen Punkt nochmals in Erinnerung zu rufen: Die Lösung des Problems von Religion, Philosophie und Wissenschaft ist das Entwickeln von Intuition, wie es uns die Weisen des Himalayas lehren. Das Ziel des Lebens, wie es diese Weisen aufzeigen, ist die Wahrheit an sich. Das Ziel wurde wahrgenommen im klaren Licht der vollkommenen Erkenntnis, unmittelbar und direkt (Aparoksha Anubhuti, Aparoksha Brahma Jnana). Es bedarf keiner Ahnung, keiner Vermutung, keines Rückschlusses. Intuition eröffnet neue Gebiete, die mühsam bewältigt werden müssen. Keine Bestätigung ist herrlicher als der Siegespreis für den inneren Kampf.

Im Licht der Entwicklung der Intuition scheinen alle anderen Philosophien interessante Tischgespräche, fröhliche Essays, humorvolle Versuche eines Blinde-Kuh-Spiels. Sie können keiner ernsthaften Kritik standhalten. Nur die intuitive Methode allein ist die Methode der Philosophie.

Es gibt auch niedere Formen der Intuition. In Realität sind sie keine Intuition. Die kreative Kraft des unbewussten Geistes ist derart, dass manchmal die rationalen Aktivitäten des Geistes unter das unterbewusste Niveau sinken. Im Schlaf und im Traum gehen sie weit unter die Schwelle des Bewusstseins. Coleridge verfasste ‚Kublai Khan‘, eine lange Dichtung, im Traum. Das Problem, eine geeignete Nadel für eine Nähmaschine zu finden, hatte sich für seinen Erfinder im Traum gelöst. Shelley entströmte fertige Dichtung. Mathematische Genies fanden fertige Formeln. Doch hier spricht man nicht von Intuition im spirituellen Sinn. Diese Aktivitäten bedürfen keines bewussten Willens, außer in der begrenzten Form, in der sie sich darstellen. Intuition, die die spirituelle Wissenschaft entwickelt hat, erweitert den Horizont und macht bewusstes Wollen auf höchstmöglicher Ebene in jede Richtung möglich.

Die Indische Philosophie der Entwicklung von Intuition kommt den höchsten Bestrebungen der westlichen Philosophie gleich. Ohne die Philosophie der Intuition, wie sie im Osten praktiziert wird, erscheint die Philosophie des Westens gleich der Wissenschaft bevor das Teleskop, das Mikroskop und andere wissenschaftliche Instrumente entwickelt wurden. Vor der Entwicklung des Mikroskopes wusste man nichts über Mikroben. Alle Mutmaßungen über die mikroskopischen Zellen des Lebens müssen offensichtlich falsch gewesen sein. Das Sprichwort von dem Philosophen, der in einem dunklen Raum nach einer nicht vorhandenen schwarzen Katze sucht, spricht für sich – sofern keine Intuition entwickelt ist.

Intuition ist der goldene Schlüssel zur Glückseligkeit. Intuition ist die Wissenschaft des Erfolges. Sie ist die Wissenschaft der Wahrheit. Sie befähigt den Menschen zu ewigem Wissen und unbegrenzter Erkenntnis. Sie eröffnet Bereiche der Schönheit und der Glückseligkeit und zeigt die Methode, beide zu betreten. Sie gibt dem Menschen wunderbare Kräfte, die Welt zu bewegen, wie er möchte. Mögen alle in diesem Leben Intuition entwickeln und das Selbst erkennen!

Intuition ist die Hauptgrundlage der Erkenntnis

Auszug aus dem Buch "Jnana Yoga" von Swami Sivananda (Hrsg.: Divine Life Society, 2007), S. 42-45

Die Quelle aller Beweise ist direktes Verstehen allein. Die Schriften und der Guru können uns Gott nicht zeigen. Das Indische Gedankengut besagt: 'Es ist das Selbst allein, das sich sieht, wenn der klare Geist zur Ruhe gekommen ist.' Bergson sagt aus: "Das Absolute kann nur durch Intuition erfasst werden." "Die tiefsten Geheimnisse der Natur, die großen Strukturen des Universums sind nicht Gegenstand von Physik and Chemie, sondern lebendige Einflüsse, schicksalhaft verwoben mit dem Leben eines jeden Individuums. Sie gilt es zu erfahren, nicht nachzuweisen. Sie sind nicht intellektuell zu verstehen, sondern durch lebendigen Kontakt mit ihnen." (Kingsland - Rational Mysticism).

„Wie unbestimmt, unermesslich und empfindsam auch immer sie ist, so können wir doch der Schlussfolgerung nicht widerstehen, dass wir durch persönliche Intuition Einsichten in die Tiefen der Wahrheit bekommen, die von der Wissenschaft unentdeckt bleiben.“ (Walter Grierson, The Conclusions of Modern Science)

„Immer mehr ist der Westen darauf vorbereitet, die Existenz und Gültigkeit der Fähigkeit der Intuition als eine ergänzende Methode, die Wirklichkeit zu begreifen, anzuerkennen.“ „Sie ist direkt und unverzüglich in ihrer Arbeit. Sie ist ihre eigene Autorität.“ „Anstatt sich außerhalb zu befinden, tritt die Intuition in ihr Objekt ein und wird durch Mitgefühl eins mit ihm.” „Es ist letztendlich und vor allem diese Fähigkeit, die uns der Bedeutung und Wichtigkeit der Dinge versichert – einer göttlichen Bedeutung und persönlichen Wichtigkeit.“ (C. E. M. Joad, Counter Attack from the East)

Platon-Büste

Für Platon ist Noesis die höchste Art des Wissens, unverzüglich und hochintelligent. Platon glaubte an die Kommunikation der Seele mit sich selbst. Aristoteles spricht von der absoluten Selbsterkenntnis Gottes, einer reinen Handlung, die kein Gesetz außerhalb ihrer selbst und keine Begrenzung kennt. Plotin und die Neuplatoniker waren davon überzeugt, dass Logik allein unzureichend sei. Nach Bradley ist jegliche intellektuelle Analyse, die die Einheit der Wirklichkeit in ein System getrennter Begriffe und Beziehungen aufteilt, eine Fälschung der Wirklichkeit. „Wie weit nach innen das „was“ auch reichen möge, es kann niemals die Gesamtheit der existierenden Wirklichkeit umarmen.“ „Die einheitliche Struktur der Wirklichkeit wird mehr im Fühlen als im Denken offenbar, in der höheren Einheit, in der Denken, Fühlen und Wollen zu einem Ganzen zusammenfügt werden.“ (Bradley)

Bergson schlägt auch die Intuition als geeignetes Mittel absoluten Erkennens vor. Cloce ist der Meinung, dass uns logisches Wissen vom Individuum entfernt, während das intuitive Wissen uns Einblicke in das Individuum schenkt. Bradley, Bergson und Cloce mahnen auf unterschiedliche Weisen, dass es dem Intellekt gelingt, das Leben zu verfestigen und es an Konzepte zu binden. „Der Mensch zieht nur das begründend in Betracht, was er noch nicht besitzt. Eine vollkommene Vernunft sucht nicht weiter, sie ruht auf den Beweisen für das, womit sie gefüllt ist.“ (Enneads)

Die großartige Beschreibung der Hindu-Denker über das intuitive Wissen ist das Wissen vom Selbst. Das Wissen vom Selbst ist untrennbar von der Existenz des Selbst. Es ist das einzige wahre und unmittelbare Wissen. Jedes andere Wissen ist schlussfolgernd. Das Wissen vom Selbst ist die Voraussetzung für jede andere Art von Wissen. Es ist die Grundlage aller Beweise. Das „Ich“ ist dem Bewusstsein implizit. Descartes “Ich bin” ähnelt dem “Ich bin” der frühen Seher. Sogar John Locke räumt die Tatsächlichkeit der Intuition ein. Er sagt: “Da wir sie an unserer eigenen Existenz so deutlich und gewiss wahrnehmen, braucht sie weder Beweise, noch ist sie dazu fähig.“ Bei Kant geht das „Ich denke“ mit allen Bedeutungen einher. Es ist im Allgemeinen der Träger aller Konzepte. Richte vertritt den Standpunkt, dass das Wissen über das Selbst auf der Intuition beruht. Schopenhauer sagt, dass wir uns einer Sache bewusst werden, die mehr als nur eine Erscheinung unseres Innenlebens ist. Bergson sagt, dass wir mittels unmittelbarer Bewusstheit Erkenntnis über die Wirklichkeit erlangen. „Können wir wirklich an Allwissenheit denken – getrennt von der Allmacht? Wenn ich eine andere Person durch und durch kenne, wäre ich diese Person.” (Richte) Theophrastos erklärt: “Diejenigen, die für alles eine Ursache suchen, bringen die Vernunft schlichtweg zu Fall.“

Bosanquet sagt: “Die Wahrheit ist für den Geist gewöhnlich, und Irrtümer sind die Ausnahme. Wenn man das Denken des Geistes reinigen kann, so wird man durch ihn eine wahre Beschreibung der Wirklichkeit besitzen. Dieses Erkennen ist nicht abstrakt, es ist dem Geist innewohnend.“ „Die innere Stimme des Menschen“ besaß für Sokrates größere Bedeutung als die äußere Wahrnehmung oder logisches Denken. Platon schreibt dieser Fähigkeit den Begriff „Rückerinnerung“ zu. Er sagt, dass alles Lernen dem Prozess des Erinnerns ähnelt, da alle Wahrheit gleichzeitig neu und alt ist. Sie ist gleichzeitig Erkennen und Wiedererkennen. Aristoteles ‚Nous’ [griechisch: Vernunft, Geist A.d.Ü.] stellt das intuitive Begreifen der „ersten Prinzipien“ dar. Er sagt: „Wie kann es eine Wissenschaft der ersten Prinzipien geben?” Deren Wahrheit ist für jeden erwiesen. Wir kennen diese Prinzipien mittels ‚Nous’, mittels direktem Kontakt.

Platon und Aristoteles - Gemälde von Raphael 1509

Spinoza erklärt: “Um die Essenz der Dinge von innen zu kennen - so wie Gott dies tut, brauchen wir ein höheres Wissen, die Intuition.“ Spinoza zieht eine klare Grenze zwischen Vorstellung, Vernunft und Intuition. In einer kurzen Abhandlung sagt er: „Intuitives Wissen besteht nicht darin, von der Vernunft überzeugt zu sein, sondern in der unmittelbaren Verbindung mit der Sache an sich.“ „Beim intuitiven Wissen offenbart sich das Objekt selbst auf direktem Wege seinem Verständnis.“ „Der größte Frieden des Geistes geht aus seiner intuitiven Eigenschaft hervor.“ Pascal sagt: „Die Vernunft selbst räumt ein, dass es einen unbegrenzten Raum jenseits der Vernunft gibt. Der Verstand denkt auf zweierlei Weise, der mathematischen Weise sowie der feineren Weise. Letztere Weise lässt uns die Wahrheit fühlen.“

Beide, der Intellekt und die Intuition, sind Fähigkeiten desselben Geistes. Es gibt keine Unterbrechung des Zusammenhanges zwischen ihnen. Die Intuition steht der Vernunft nicht entgegen. Sie erfüllt sie. Sie schließen sich nicht gegenseitig aus. Die Intuition lässt uns das Ganze erkennen. Der Intellekt kann nur ein konzeptionelles Wissen des Ganzen besitzen. Die Intuition besitzt ein direktes Wissen des Ganzen, der Intellekt analysiert einzelne Teile. Intuition bedeutet Weisheit, Aristoteles Nous, die alles umarmende Intelligenz Dantes.

Pratt bestätigt: „Die mystische Ekstase ist in ihrer Form erkennend. Sie offenbart dem Mystiker die Wirklichkeit genauso wie seine Sehkraft und sein Hörvermögen dies tun.“ „Seine Erfahrung ist eins mit der Intuition. Es ist das Gefühl, der Wirklichkeit von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen.“ (James Bissett Pratt, The Religious Consciousness)

Siehe auch

Literatur

  • Swami Sivananda, Die Kraft der Gedanken (2012)
  • Swami Sivananda, Götter und Göttinnen im Hinduismus (2008)
  • Swami Sivananda, Jnana Yoga, Hrsg.: Divine Life Society, 2007
  • Swami Sivananda, Inspirierende Geschichten (2005)
  • Swami Sivananda, Japa Yoga (2003)
  • Swami Sivananda, Göttliche Erkenntnis (2001)
  • Swami Sivananda, Autobiographie von Swami Sivananda (1999)
  • Swami Sivananda, Shrimad Bhagavad Gita. Erläuternder Text und Kommentar von Swami Sivananda (1998)
  • Swami Sivananda, Gedanken zur Kontemplation (1996)
  • Swami Sivananda, Hatha-Yoga. Der sichere Weg zu guter Gesundheit, langem Leben und Erweckung der höheren Kräfte (1964)
  • Swami Sivananda, Sadhana – Ein Lehrbuch mit Techniken zur spirituellen Vollkommenheit
  • Swami Sivananda: Feste und Fastentage im Hinduismus, Yoga Vidya Verlag

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