Harvard-Kyoto

Aus Yogawiki

Harvard-Kyoto ist ein System der Transliteration von Devanagari bzw. des Sanskrit Alphabets in die Römische Schrift, also die Schrift, in der auch das Deutsche geschrieben wird. In der Harvard-Kyoto Umschrift werden nur Buchstaben verwendet, die auch auf einer normalen westlichen Computer Tastatur und damit in ASCII zu finden sind. Wann immer in der wissenschaftlichen Transkription, der IAST Konvention, Punkte oder Striche unter oder über die römischen Buchstaben geschrieben werden, um die Devanagari Schriftzeichen darzustellen, die keine direkte Entsprechung im römischen bzw. deutschen/englischen Alphabeth haben, werden Großbuchstaben verwendet. Eine Besonderheit ist noch, dass ñ als J und ś als z geschrieben wird.

Sanskrit wird auf Devanagari geschrieben. Harvard-Kyoto ist eine der Umschriften, um Devanagari auf normaler Computer-Tastatur zu schreiben

Harvard-Kyoto Umschrift hat den Vorteil, dass sie sehr schnell lernbar ist. Wer das Sanskrit Alphabet in IAST kennt, kann innerhalb von 15 Minuten Harvard-Kyoto verstehen und begreifen.

Harvard-Kyoto wird gerne verwendet in Emails oder Internet Dokumenten. In früheren Zeiten konnten Computer typischerweise keine Devanagari oder IAST Schriftzeichen schreiben. Daher hatt man Velthuis oder Harvard-Kyoto Umschrift verwendet. Da heutzutage die meisten PCs IAST Umschrift beherrschen, werden modernere Dokumente fast nicht mehr in Harvad-Kyoto geschrieben. Ein Vorteil von Harvard-Kyoto bleibt: Man kann in der normalen Computer Tastatur (oder auf Smartphone/Iphone/Tablet/Ipad) Harvard-Kyoto eingeben, das dann in ein Transliterations-Tool kopieren - sofort hat man dann Devanagari oder IAST Text. Einfacher geht es kaum.

Bei Yoga Vidya werden Texte oft auch in Harvard-Kyoto in den PC eingetippt und dann über ein Transliterations-Tool in Devanagari/IAST umgewandelt.

Harvard-Kyoto, Velthuis und Itrans

Harvard-Kyoto, Velthuis und Itrans sind drei Methoden, um Sanskrit Texte in römischen Schriftzeichen/westliche Computer Tastatur eingeben zu können und eineindeutige Lautzeichen zu haben. Velthuis hat den Vorteil, dass es leichter direkt lesbar ist, weil es keine Großbuchtstaben innerhalb eines Wortes gibt. Auch Itrans ist auch für den Uneingeweihten leichter lesbar. Harvard-Kyoto hat den Vorteil, dass es schneller zu lernen und schneller zu schreiben ist.

Wer sowieso Sanskrit Texte in IAST mittels Webtool umwandeln will, fährt am besten mit Harvard-Kyoto.

Textbeispiel mit Harvard-Kyoto, Devanagari, IAST, Velthuis und Itrans

Hier das Patanjali Mantra in verschiedenen Schreibweisen - so bekommst du den besten Überblick, wie die verschiedenen Umschriften aussehen:


  • Devanagari
योगेन चित्तस्य पदेन वाचां ऽ मलं शरीरस्य च वैद्यकेन /
योऽपाकरोत्तं प्रवरं मुनीनां ऽ पतञ्जलिं प्राञ्जलिरानतोऽस्मि //
  • IAST Wissenschaftliche Transkription mit diakritischen Zeichen
yogena cittasya padena vācāṃ ' malaṃ śarīrasya ca vaidyakena /
yo'pākarot taṃ pravaraṃ munīnāṃ ' patañjaliṃ prāñjalir ānato'smi //
  • Harvard-Kyoto
yogena cittasya padena vAcAṃ ' malaṃ zarIrasya ca vaidyakena /
yo'pAkarot taṃ pravaraṃ munInAṃ ' pataJjaliṃ prAJjalir Anato'smi //
  • Velthuis
yogena cittasya padena vaacaaṃ .a malaṃ "sariirasya ca vaidyakena /
yo.apaakarot taṃ pravaraṃ muniinaaṃ .a pata~njaliṃ praa~njalir aanato.asmi //
  • Itrans
yogena chittasya padena vAchAṃ .a malaṃ sharIrasya cha vaidyakena /
yo.apAkarot taṃ pravaraṃ munInAṃ .a pata~njaliṃ prA~njalir Anato.asmi //
  • In vereinfachter Umschrift

Und hier das Patanjali Mantra in vereinfachter Schrift, wie man es in Indien findet (wenn nicht gleich Devanagari verwendet wird):

yogena chittasya padena vacham ' malam sharirasya cha vaidyakena /
yo'pakarot tam pravaram muninam ' patanjalim pranjalir anato'smi //

Harvard Kyoto Umschrift System

Hierf findest du das Harvard-Kyoto Umschrift-System, Devanagari oben, Harvard-Kyoto unten:

Vokale

a A i I u U e ai o au

Sonoranten

R RR lR lRR

Anusvāra/Visarga

अं अः
M H

Konsonanten

Gutturale/Velare*
k kh g gh G
Palatale
c ch j jh J
Retroflexe/Zerebrale
T Th D Dh N
Dentale
t th d dh n
Labiale
p ph b bh m
Halbvokale
y r l v
Zischlaute
z S s h

*Anmerkung: Strenggenommen wird क (ohne Virama) als ka und क् (mit Virama) als k transliteriert usw. Der besseren Übersichtlichkeit wegen wurde in der Tabelle auf den Virama genannten Strich unterhalb des Konsonanten in der Devanagarischrift verzichtet.

Geschichte und Entwicklung der Harvard-Kyoto Transliteration

Harvard-Kyoto wird benannt nach zwei Städten mit Universitäten mit großen Indologie-Abteilungen. 1990 fand in Kyoto ein Indologen-Kongess, eine Convention statt. Dabei wurde die Harvard-Kyoto-Convention für die Transliteration der Devanagari Buchstaben auf ASCII 7-Bit Computer Tastatur und Federführung von Harvard Indologen beschlossen. Daher der Name Harvard-Kyoto-Convention: Die Einigung wurde in Kyoto erzielt und beschlossen, aber unter Federführung von Harvard Indologen.

Harvard-Kyoto-Convention-Transliteration basiert im Wesentlichen auf den Vorarbeiten von Andrea van Arkel von der Universität in Leiden, Niederlande, welche Paippalada Samhita digitalisiert hat, eine Ausgabe des Atharva Veda, und dabei das Transliterations-Schema entwickelte, das dann 6 Jahre später als Harvard-Kyoto-Convention beschlossen wurde, im Deutschen auch als Harvard-Kyoto-Protokoll oder einfach als Harvard-Kyoto bekannt wurde.

Siehe auch