Handlung

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Version vom 16. September 2020, 13:47 Uhr von Sanatani (Diskussion | Beiträge) (Viveka Chudamani - Identifiziere dich nicht mit deinen Handlungen)

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Handlung ist eine auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtete Tätigkeit. Die ausgeführte Handlung hat immer auch eine Konsequenz oder ein Ergebnis. Jede Handlung entsteht als erstes in den Gedanken, die dann das Tun steuern. Da der Mensch aber einen unabhängigen Willen hat, kann er seine Gedanken kontrollieren und dadurch seine Handlungen beeinflussen.

Caspar David Friedrich: Der Wanderer über dem Nebelmeer. Handlung - erläutert vom Yoga Standpunkt aus

Es gibt gute und schlechte Handlungen, deren Bewertung sehr von der jeweiligen Kultur abhängig ist, in der man lebt. Nach dem Gesetz des Karma, also der Ursache und Wirkung, werden alle Handlungen wieder erfahren, sowohl die guten als auch die schlechten. Der Mensch muss handeln, es ist nicht möglich, nicht zu handeln, da der Mensch essen, trinken und schlafen muss und auch die Entscheidung, nicht zu handeln zu wollen, letzlich eine Handlung ist.

Meditation und Handlung

Meditation und Handlung gehören zusammen. Meditation ermöglicht verhaftungsloses Handeln und Freude im Alltag. Verhaftungsloses Handeln ermöglicht die Vertiefung der Meditation.

Swami Sivananda über Meditation und Handlung

Swami Sivananda schrieb über die Beziehung von Meditation und Handlung:

Der Mensch besteht aus Atman, Bewusstsein und Körper. Atman hat zwei Aspekte, einen unveränderlichen und einen veränderlichen. Der letztere heißt Welt, der erstere Gott. Die Welt aber ist nichts anderes als der geoffenbarte Gott, ist Gott in Bewegung. Die Welt ist zwar vorhanden, ihr Sein aber ist ein relatives.

Atman ist allesdurchdringend, ewig, vollkommen und rein, ist All-Seligkeit, All-Macht, All-Wissen. Er nimmt von sich aus Namen und Formen an, die der Welt angehören (Nama Rupa Jagat). Er kennt kein Begehren, da es für ihn keinen Gegenstand außerhalb seiner selbst gibt. Sein Wille heißt Shakti. Er ist Atman in Bewegung. Im Nirguna Atman ist Shakti statisch, im Saguna dynamisch.

Atman hat keinen Wunsch, weil es für ihn nichts Gegenständliches gibt und er vollkommen ist. Wunsch bedeutet Anziehung, die Unvollkommenheit voraussetzt. Negation des Willens bedeutet, dass die Entscheidung zur Handlung im Innern erfolgt. Wenn Atman will, entsteht ein Weltall. Der Wille Atmans hält und beherrscht das Weltall. Der Mensch wird durch Egoismus, Begierde und Furcht hin- und hergetrieben, weil er sich mit der Begrenzung durch Bewusstsein und Körper identifiziert. Die Idee dieser Begrenzung heißt Egoismus.

Ziel des menschlichen Lebens ist die wirkliche Erfahrung der Einheit in allem offenbarten und nicht offenbarten Dasein. Diese Einheit, die von jeher vorhanden ist, hat der Mensch in seiner Unwissenheit vergessen. Deshalb ist die hauptsächlichste Aufgabe auf dem geistigen Weg (Sadhana), den Schleier zu heben und sich von dem Gedanken zu befreien, dass man in Körper und Bewusstsein begrenzt ist. Es ist die selbstverständliche Voraussetzung, daß man die Verschiedenheit aufgeben muß, um die Einheit zu erlangen. Es ist ungenau, von einem Wunsch nach Befreiung zu sprechen. Denn Befreiung bedeutet nur die Erlangung des Zustands der Unendlichkeit, der schon besteht, der unsere wahre Natur ist und deshalb nicht Gegenstand unseres Wunsches sein kann. Dies Verlangen sollte ebenso wie das nach Nachkommen, Reichtum und Glück in dieser oder der nächsten Welt ausgelöscht und alle Handlungen sollten nur von reinem, keine Vorteile suchenden Streben nach dem einen Ziel bestimmt werden.

Diese geistige Schulung (Sadhana) - der unaufhörliche Versuch, sich als das All zu fühlen - kann und sollte sogar inmitten intensivster Tätigkeit geübt werden. Das ist die hauptsächlichste Lehre der Gita. Sie ist einleuchtend, da Gott Saguna und Nirguna zugleich ist, mit und ohne Form. Wenn Gedanken und Körper ihre Arbeit verrichten, sollte der Mensch sich über diese erhaben fühlen und sie als Zeuge kontrollieren. Er soll sich nicht mit Adhar (der Kristallisierung von Bewusstsein und Körper) identifizieren, auch nicht, wenn dieses tätig ist. Dazu bedarf es zu Beginn der Zuflucht in die Meditation. Ohne diese kann nur ein außergewöhnlich willensstarker Mensch auskommen. In der Meditation wird Adhar beherrscht und dadurch Sadhana, der Versuch, die Einheit zu erfahren, erleichtert. Inmitten des tätigen Lebens aber ist dies schwer zu erreichen. Deshalb ist Karma Yoga schwerer als reiner Jnana Yoga. Um so wichtiger ist es, ihn zu jeder Zeit zu üben. Sonst wird der Fortschritt sich nur langsam einstellen.

Besser ist es, mit der Idee das Wortsymbol Om zu verbinden, das seit undenklichen Zeiten die Idee der Einheit ausdrückt. Deshalb ist es die beste Methode, immer wieder dieses Wort OM zu wiederholen und über seine Bedeutung zu meditieren. Einige Stunden am Morgen und Abend müssen trotzdem der reinen und einfachen Meditation gewidmet bleiben.

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Handlungen sattwig, rajasig, tamasig

Was ist das Motiv deiner Handlung?

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2020 -

Handlungen und die drei Gunas.

Kommentar zur Bhagavad Gita, 18. Kapitel ab Vers 23:

Darüber spricht Krishna ab dem 23. Vers. Ich rezitiere diesen Vers und dann die Verse 23-25 in der Übersetzung.

Handlungen ohne Ich-Gedanken

niyataṃ saṅgarahitam arāgadveṣataḥ kṛtam
aphalaprepsunā karma yattatsāttvikamucyate

Eine Handlung die geboten ist, keine Verhaftung bringt und ohne Zu- oder Abneigung von einem Menschen ausgeführt wird, der keinen Lohn dafür wünscht – diese Handlung wird als sattwig bezeichnet.

Und hier wird es ganz praktisch: Wenn Du also wissen willst, hast Du eine sattwige Handlung gemacht, die Dich also zu Sat – zur Wahrheit führt kannst Du gerade überlegen: War es eine Handlung, von der Du wusstest, es ist Deine Verantwortung, Deine Aufgabe. Hast Du sie gemacht, ohne Identifikation – ohne gedacht zu haben: Ich mach das. Hast Du sie gemacht ohne Zu- und Abneigung, ohne sie zu wollen oder nicht zu wollen und hast Du dabei auch keinen Lohn gewünscht? Dann hast Du eine sattwige Handlung vollbracht.

Handlungen zur Erfüllung von Wünschen

Vers 24:

Die Handlung jedoch, die im Verlangen nach Erfüllung von Wünschen oder nach Gewinn getan wird, mit „Ich Gedanken“ und viel Mühe, wird als rajasig betrachtet.

Hier hat Krishna einige Kriterien. Zunächst einmal, wenn Du etwas tust um Deine Wünsche zu erfüllen, das ist automatisch rajasig. Wenn Du dafür Dir einen Gewinn Dir erhoffst – ist auch wieder rajasig, wenn Du Dich damit identifizierst und sagst: Ich muss das machen und ich hoffe, ich kann das machen und ich muss das alles machen – „Ich Gedanken“. Und dann ist natürlich auch Mühe dabei. Wenn Du denkst: Ich muss es machen und es hängt alles an mir und ich hoffe, ich krieg das was ich will und ich hoffe, ich krieg all das, dann ist dort viel Mühe dabei. Das ist rajasig. Letztlich eine sattwige Handlung, selbst wenn sie mal körperlich anstrengend ist, ist ohne Mühe. Du tust, was getan werden soll, Du fühlst Dich als Instrument Gottes: ES geschieht. Und damit ist dort keine geistige Anstrengung dabei.

Handlungen aus Täuschung

Vers 25:

Handlung aus Täuschung, ohne Rücksicht auf Folgen, Nachteile, Verletzungen und die eigenen Fähigkeiten wird als tamasig bezeichnet.

Also wenn Du etwas tust, das irgendwo aus Täuschung heraus getan wird und denkst, jemand erwartet etwas von Dir und er erwartet es gar nicht oder Du denkst, das müsste Dir irgendwie helfen und in Wahrheit führt es Dich in Dein Verderben, Du denkst und so weiter und es ist einfach getäuscht, oder ohne Rücksicht auf Folgen wie: Dem werde ich es zeigen und Dir ist egal, was anschließend passiert, oder Du bist gekränkt – er hat Dich vielleicht gar nicht gekränkt, aber Du fühlst Dich gekränkt und jetzt willst Du es dem zeigen, eine Lektion erteilen und so weiter, ohne Rücksicht, welche Folgen das für Dich hat.

Oder Dir kommt irgendwo so ein Gedanke in den Kopf und Du führst ihn aus ohne Rücksicht auf Folgen – das ist alles tamasig. Oder Du willst irgendetwas tun, das Deinen Fähigkeiten nicht entspricht. Ja es ist gut die eigenen Fähigkeiten auszubauen, aber zum Beispiel Du hast nur ein rudimentäres Geigen Wissen und Du bestehst darauf, dass Du jetzt ein Konzert gibst, das wäre auch tamasig. Also schon auch eigene Fähigkeiten beachten und dann tun was Du tun kannst.

Schlussworte

Ja, jetzt kannst Du vielleicht analysieren, was Du heute oder die letzten Tage gemacht hast. Welche Deiner Handlungen waren sattwig? Welche waren rajasig? Welche waren tamasig? Und nimm Dir vor dann heute oder morgen mehr sattwige Handlungen zu tun, weniger rajasige und auf tamasige weitestgehend zu verzichten. Ja, das war es für heute. Beim nächsten Mal spricht Krishna über den Handelnden, also was der Mensch selbst ist, wie er ist wenn er sattwig, rajasig und tamasig ist. Im Grunde läuft es auf ähnliches hinaus, aber es ist wichtig, dieses Sattwa, Rajas und Tamas von verschiedener Warte aus zu beleuchten, denn hier wird es wirklich sehr praktisch. Karma Yoga im Alltag, Spiritualität im Alltag heißt sattwa ohne Verhaftung.

Video - Handlungen - sattwig, rajasig, tamasig

Viveka Chudamani - Identifiziere dich nicht mit deinen Handlungen

Gott wirkt durch dich zum Wohle aller

- Kommentar zum Viveka Chudamani Vers 305 von Sukadev Bretz -

Gib die Identifikation des Ichs mit dem Handelnden unverzüglich auf. Diese Denkweise, als eine schwache Reflexion der Seele – beraubt dich der Verankerung im Selbst. Als Folge der Verwechslung des begrenzten Ichs mit dem Selbst widerfährt dir das wiederholte Erdenleben, eine verkörperte Existenz voll von Leid von Geburt, Alter und Tod – obwohl du im Wesentlichen der Zeuge bist, die Essenz von Sat-Chid-Ananda, Sein-Wissen- Glückseligkeit.

Om Namah Shivaya und herzlich willkommen zum Viveka Chudamani Vortrag. Ich spreche über Viveka Chudamani, einem der wichtigsten Vedantatexte geschrieben von Shankaracharya, einem Yoga Meister um 800 nach Christus. Wir sind gerade im 305. Vers. Er gehört zu einer ganzen Versreihe, in der es darum geht, die Identifikation zu überwinden.

Wie, die Vorstellung der Handelnde zu sein, loslassen

Er sagt jetzt hier, dass du dich nicht mit dem Handelnden identifizieren sollst. Er sagt, Ahankara - das Ego - sollte sich nicht mit Kartari, dem Handelnden, identifizieren. Das ist nur Mati, eine Meinung. Munca, lass das los. Sahasa, sofort.

Wie kannst du die Vorstellung, der Handelnde zu sein, loslassen? Du kannst überlegen, wodurch alles geschieht. Letztlich geschieht es durch den Körper. Ich bewege jetzt den Mund, die Hände und so weiter. Aber bewege wirklich ich die Hände und den Mund? Sei dir bewusst, dass dieser Körper Teil dieser Erde ist. Er besteht aus Nahrung, Luft und Flüssigkeiten, die ich zu mir nehme. Daraus ist der Körper gemacht. Und dann kann er nur das tun, was im Rahmen der Erde möglich ist.

Ich bin ein Instrument in Gottes Händen

Die Vedantins sind auch Bhaktas, das heißt Gottesverehrer. Das heißt du kannst dir bewusst sein, dass nicht du handelst, sondern Gott handelt. Ishvara handelt. Es geschieht, was geschehen soll. Ich bin nur ein Instrument. Ich bin ein Instrument in den Händen Gottes. Denke darüber nach. Wenn du morgens anfängst, etwas zu tun, dann sage: „Was auch immer ich tue, ich tue es durch dich.“ Was auch immer getan wird, geschieht durch Gott. So wie es auch im Twameva Mata heißt: „Oh Gott, du bist meine Mutter, mein Vater, meine Freundin, meine Verwandten, du bist alles, was ich besitze, du bist mein Intellekt, mein Körper, meine Psyche.“

Du könntest sagen, dass dein Körper Teil des Kosmischen Körpers ist. Du bist eine Zelle im Göttlichen Körper. Deine Psyche ist ein Teil der kosmischen Psyche. Und letztlich geschieht, was geschehen soll. Du bist sein Instrument in den Händen des Karmas. Du kannst auch sagen, dass nicht du etwas tun willst, sondern Gott möge durch diesen Körper und durch diese Psyche wirken. Und wenn du so handelst, dass du immer sagst: „Oh Gott, ich bin dein Diener und du wirkst durch mich. Bitte wirke durch mich und lass mich dieses Gefühl haben“, dann verschwinden die Identifikationen und dann erfährst du dich selbst als das Höchste Selbst.

Überwinde die Identifikation mit dem Handelnden

Überwinde die Identifikation mit dem Handelnden, indem du dich zum Instrument machst und loslässt. Vielleicht noch am Rande bemerkt: In der Bhagavad Gita zeigt Krishna dem Arjuna im elften Kapitel die kosmische Gestalt. Und Arjuna sieht in die Vergangenheit und in die Zukunft und er sieht, dass letztlich alles schon geschehen ist. Dass er eigentlich nichts tut. Gott macht alles. Scheinbar hat Arjuna jetzt eine wichtige Aufgabe. Scheinbar hat er eine wichtige Entscheidung zu treffen. Aber in Wahrheit hat Gott schon alles gemacht. Es geschieht, du brauchst dich nicht zu identifizieren.

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Siehe auch

Seminare

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