Gedanke

Aus Yogawiki
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Ein Gedanke ist ein Akt mentaler Tätigkeit, ein Akt des Denkens und erfolgt unter Einbeziehung des Bewusstseins; das Wort Gedanke wird aber auch im Sinn von "Idee, Einfall" gebraucht ("Mir kommt da gerade ein Gedanke"). Raja Yoga legt besonderen Wert auf die Entwicklung von Gedankenkraft. Ein Gedanke kann uns selbst und die Entwicklung unserer Umwelt nachhaltig beeinflussen. Wir bestimmen selbst, was geschieht. Der Einfluss des Beobachters und seiner Erwartungen auf Ereignisse wurde von der Quantenphysik experimentell nachgewiesen.

Überbewerte die Gedankenkraft nicht

Aus einem Artikel von Sukadev Bretz im Frühjahr 2010

Hier sollte man sich auch vor der Überbewertung von Gedankenkraft hüten. Mir hat einmal eine Frau gesagt – ich war auf Besuch in einem Zentrum – „Ich würde ja gerne in den Ashram kommen, aber ich kann nicht.“ Ich habe sie gefragt, warum nicht. Sie hat erst herumgedruckst und dann gesagt, ja, sie sei so negativ, das könne sie nicht machen. Dann habe ich weiter geforscht: „Was soll das heißen?“ – Ja, wenn sie in den Ashram käme, dann würde sie die ganze Atmosphäre stören. Dann habe ich gesagt: „Überschätze dich mal nicht.“ Schließlich hat sie gesagt, sie hätte jemanden umgebracht. Da habe ich gedacht: Was mache ich denn jetzt? Fällt das unter das Beichtgeheimnis, obgleich ich kein Pfarrer bin oder gehört das zur staatsbürgerlichen Pflicht, muss ich es dem Staatsanwalt übergeben? Aber jetzt wollte ich es trotzdem wissen. Irgendwie ist mir dann etwas flapsig herausgerutscht: „Wie hast Du das denn angestellt?“ Manchmal rutscht einem ja das heraus, was in einer Situation gerade angebracht ist. Dann hat sie gesagt, sie hätte einen Chef gehabt, der ein richtiger Fiesling gewesen sei und eines Morgens hätte sie gedacht: „Wenn er nur bei einem Autounfall umkommen würde.“ Und am Nachmittag hat sie gehört, dass er an einem Autounfall ums Leben gekommen ist. – Es hat einiges an Überredungskunst gekostet, ihr klar zu machen, dass man mit einfachen Gedanken keinen Menschen umbringt. Wenn er so ein Fiesling war, haben vermutlich viele Menschen diese Gedanken gehabt und außerdem haben solche Gedanken nicht diese Kraft. Es war ein zufälliges Einhergehen von negativen Gedanken, die man hatte, Aggressionsgedanken und äußeren Ereignissen. So machtvoll sind Gedanken nicht. Man braucht sich da kein schlechtes Gewissen zu machen.

Umgang mit negativen Gedanken

Man sollte natürlich positive Gedanken kultivieren. Positive Gedanken zu entwickeln ist gut, aber man braucht sich kein schlechtes Gewissen zu machen, wenn man ab und zu negative Gedanken hat. Allerdings kann man mit negativen Gedanken auf eine andere Weise umgehen. Man kann sich bewusst machen, dass, wenn sie kommen, vermutlich ein bestimmter Geisteszustand damit einhergeht. Und anstatt sich über die negativen Gedanken ein schlechtes Gewissen zu machen und zu überlegen, was man noch alles tun könnte, um sie abzustellen, könnte man eher überlegen: Was ist sonst los? Vielleicht brauche ich ein wenig mehr Ruhe? Vielleicht sollte ich lernen, meine Aggressivität anders zu leben. Vielleicht gibt es jemanden, der Dinge tut, die nicht gut sind und ich sollte mich geschickt zur Wehr setzen. Wie auch immer, man kann sie als Zeichen ansehen. Man braucht sich deshalb keine Vorwürfe zu machen, sondern kann sie als ein Zeichen sehen, um aktiv zu werden.

Beherrschung der Gedanken

Der indische Yoga Meister Swami Sivananda schrieb über das Thema „Gedankenkontrolle“:

Wer seine Gedanken in der Hand hat, kann die Natur beherrschen. Wenn man nach Jahren einen guten Freund wiedersieht, entspringt die Freude (Ananda), die man empfindet, nicht seinem Dasein, sondern den eigenen innersten Tiefen. Alle Gedanken konzentrieren sich auf diesen Augenblick. Ananda erwacht in dir.

Wenn die Gedanken nach verschiedenen Richtungen zerstreut sind, empfindet man Unbehagen. Werden sie durch Übungen zusammengefasst und vereinigt, erwächst aus dieser Konzentration Glückseligkeit (Ananda) in deinem Inneren. Im gleichen Ausmaß, in dem sich das Bewusstsein entwickelt, tritt der Schüler in bewusste Beziehung zu den geistigen Strömen, zu dem Bewusstsein der anderen, seien sie nah oder fern, lebendig oder tot. Ist sein Glaube stark genug, vermögen sich seine Gedanken mit Leichtigkeit auf den Gegenstand zu konzentrieren, den er erkennen will, und hieraus erwächst die Erkenntnis.

Bereitet die Konzentration im Herzen, zwischen den Augenbrauen (Trikuta) oder am Scheitel des Kopfes Schwierigkeiten, kann man sich auch auf irgendeinen Gegenstand im Außen konzentrieren, auf den blauen Himmel, auf das Sonnenlicht, die alles durchdringende Luft, auf Sonne, Mond oder Sterne. Dies soll man insbesondere tun, wenn man Kopfweh oder Schmerzen im Schädel spürt. Hat der Schüler gleiche Beschwerden, wenn er sich auf den Zwischenraum zwischen beiden Augenbrauen (Trikuta) oder durch Aufwärtsrichten der Augen konzentriert, soll er diese Übung sofort aufgeben und sich im Herzen konzentrieren. Gewöhnliches Denken beschäftigt sich mit Worten und ihrer Bedeutung, bisweilen auch mit dem Gegenstand selbst. Will man die Gedanken auf einen Punkt ausrichten, darf man weder an den Gegenstand noch an Worte und ihre Bedeutung denken.

Es gibt Medizinstudenten, die die medizinischen Kollegs sehr schnell nach Beginn ihres Studiums wieder verlassen, da es sie ekelt, Eitergeschwüre zu reinigen und Tote zu sezieren. Sie begehen einen ernsten Fehler. Mag das Studium auch zunächst abstoßend sein, nach Pathologie, Chirurgie, pathologischer Anatomie und Bakteriologie wird es bald sehr interessant. In gleicher Weise geben auch viele Schüler des geistigen Wegs nach kurzer Zeit die Konzentrationsübungen auf, weil sie ihnen zu schwer erscheinen, und begehen damit den gleichen Fehler wie die Medizinstudenten. Wenn du am Anfang darum kämpfen musst, das körperliche Bewusstsein zu überwinden, wird dieser physische Kampf unangenehm und peinlich sein. Erregungen und Gedanken (Sankalpas) werden übermächtig erscheinen.

Nach zwei Jahren der Übung aber sind die Gedanken unbeteiligt, rein und stark geworden. Der Schüler wird darüber unendliche Freude (Ananda) empfinden, der gegenüber die Freuden der ganzen Welt nichts sind. Deshalb darf er unter keinen Umständen die Übungen aufgeben, sondern muss weitergehen und durchhalten. Geduld (Dhriti), Fröhlichkeit (Utsaha), Zähigkeit und Ausdauer (Sahasa) sind erforderlich, um Erfolg zu erzielen. Ernste Einsicht wird dazu beitragen, die verschiedenen Hindernisse zu erkennen, die den Weg der Konzentration hemmen. Der Schüler kann sie nun geduldig mit aller Anstrengung nacheinander entfernen, darf aber nicht neue Begriffe (Sankalpas) oder unbewußte Erinnerungen (Vasanas) wieder Wurzel schlagen lassen. Durch Unterscheidung (Viveka, Vichara) und Meditation (Dhyana) muss er sich im Keim vernichten.

Aufgabe des Menschen ist es, seine Stimme zu beherrschen und seine Gedanken zu konzentrieren. Es gab einmal einen Bogenmacher. Eines Tages war er so eifrig in seine Arbeit versunken, dass er nicht einmal des festlichen Zugs des Königs gewahr wurde, der vor seinem Laden vorbeizog. So stark muss die Konzentration sein, wenn man seine Gedanken auf Gott richtet. Man darf nur die Idee von Gott und diese allein haben. Zweifellos bedarf es Zeit und harten Kampfes, bis man eine solche vollkommene Konzentration (Ekagrata) erlangt hat. Diesen Bogenmacher ernannte Sri Dattatreya zu einem seiner geistigen Lehrer (Guru).

Selbst wenn die Gedanken während der Meditationsübung entweichen, soll der Schüler sich nicht beunruhigen. Er soll sie laufen lassen und sie dann langsam wieder zur Mitte (Lakshya) zurückführen. Durch wiederholte Übungen wird er es erreichen, sich in seinem Herzen zu konzentrieren, im Atman, der in seinem Herzen wohnt und der das Endziel des Lebens ist. Zu Anfang werden die Gedanken achtzigmal entlaufen, nach sechs Monaten vielleicht siebzigmal, nach einem Jahr mögen es noch fünfzigmal sein, nach zwei Jahren dreißigmal. Nach fünf Jahren werden sie sich endlich vollkommen auf das göttliche Bewusstsein konzentrieren und nicht mehr entweichen, selbst nicht, wenn der Schüler sich die größte Mühe gibt, sie fortzulassen. Sie werden dem Stier gleichen, der die Angewohnheit hatte, in die Gärten der Nachbarn einzudringen, um in ihnen zu weiden, und der nun Gras und Leinsamen wiederkaut, ohne seinen Ruheplatz zu verlassen. Das ist die immer wiederkehrende Erfahrung all derer, die die Beherrschung ihres Bewusstseins erreicht haben.

Sammelt eure Gedanken. Mit der gleichen Sorgfalt und Anstrengung, mit der man seine Jacke, die auf eine stachlige Pflanze gefallen ist, hochhebt und die Dornen langsam einzeln herauszieht, muss man die zerstreuten Gedanken einsammeln, die sich viele Jahre lang über die Gegenstände sinnlicher Wahrnehmung verstreut hatten.

Hat man einen stark entzündeten, schmerzhaften Furunkel auf dem Rücken, so wird man nachts nach dem Einschlafen den Schmerz nicht mehr spüren. Denn nur, wenn das Bewusstsein durch Nerven und Gedanken mit der schmerzhaften Stelle in Verbindung steht, empfindet man Schmerz. Zieht man die Gedanken bewusst von der kranken Stelle fort und konzentriert sie auf Gott oder ein anderes geeignetes Objekt, wird man keinen Schmerz mehr empfinden, auch nicht, wenn man wach ist. Das gleiche gilt, wenn man über einen starken Willen und große Ausdauer (Titiksha) verfügt. Denkt man dagegen unaufhörlich an Sorgen oder Krankheit, wird man Qual und Leiden noch verstärken.

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Siehe auch

Literatur

Weblinks

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Multimedia

Westley Eckhardt: Positive thinking through unusual means