Aparigraha

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Yoga fordert Gelassenheit und Loslassen

Aparigraha (Sanskrit: अपरिग्रह aparigraha m.) Nichtannehmen, Zurückweisen von Geschenken, Unbestechlichkeit, Nicht-Besitzen-Wollen; einer der fünf Yamas des Yogasutra des Patanjali. Aparigraha wird gerne mit Unbestechlichkeit übersetzt.

Aparigraha im Yoga Sutra

Unbestechlichkeit bewahren

- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2019 -

Kommentar zum 2.Kapitel des Yoga Sutra von Patanjali, 39.Vers

Patanjali schreibt, ist Aparigraha fest begründet, versteht man den Sinn des Lebens.

  • Aparigraha heißt Unbestechlichkeit.
  • Aparigraha heißt auch nicht annehmen von Geschenken.
  • Heißt das Aufgeben von Gewinnsucht,
  • auch das nicht horten von Dingen, letztlich auf Englisch non covetousness, das heißt den Nichtwunsch immer mehr an zu horten.

Aber im engeren Sinne ist Aparigraha Unbestechlichkeit. Unbestechlichkeit kann in vielen Kontexten vieles bedeuten. Ich habe ja auch schon einige Vorträge darüber gegeben, auch schon Videovorträge, Audiovorträge. Auch schon darüber gesprochen im Rahmen der Yoga Vidya Schulungsreihe. Deshalb erstmal eine kurze Wiederholung.

Geschenke aus Liebe sind willkommen

Bestechung im engeren Sinne heißt jetzt nicht, dass du keine Geschenke annehmen darfst. Also im Grunde genommen um Liebe zu haben gilt es natürlich auch anderen etwas Gutes zu tun. Wenn du anderen etwas Gutes tust, dann werden auch andere dir etwas Gutes tun wollen. Wenn du Geburtstag hast, werden andere als Zeichen ihrer Liebe und Respekt dir etwas geben. Wenn andere Geburtstag haben gibst du ihnen etwas. Das heißt letztlich zwischenmenschliche Beziehungen zu vertiefen und Liebe zu haben.

Geschenke, die dich vom ethisch korrekten abhalten

Bestechlichkeit heißt, es kann zwei Dinge bedeuten, erstens das du in deinem ethischen Verhalten eingeschränkt wirst, weil du etwas bekommen hast. Du bist also nachher nicht mehr in der Lage das ethisch korrekte zu machen. Es gibt zum Beispiel viele Beispiele von Mafiosis. Irgendjemand war in der Not und dann kommt irgendein Mafiosi zu dir und sagt ich kann dir die Not lindern, du musst jetzt nichts mehr tun aber irgendwann werde ich kommen und dich um einen Gefallen bitten. Wenn du so etwas tust, dann hast du gegen Aparigraha verstoßen. Oder wenn dir jemand etwas gibt aber eine starke Bedingung daran knüpft und die nachher nicht mehr ethisch ist. Also nimm keinen Gefallen an, der dich nachher zu etwas verpflichtet, was gegen deine ethischen Prinzipien ist. Das ist der eine Aspekt von Aparigraha.

Verschaffe keinem Vorteile auf Grund von Geschenken

Zweiter Aspekt von Aparigraha heißt nimm keine persönlichen Geschenke an um jemand anderen im Namen einer Institution die du vertrittst Vorteile zu verschaffen. Das ist ja die klassische Definition von Bestechlichkeit.

Klassisches Beispiel:

Jemand auf dem Bauamt im Kreis oder in der Stadt bekommt einen persönlichen Gefallen, ein Geldgeschenk von einer Firma und deshalb bekommt diese Firma den Auftrag. Oder diese Firma bekommt auch weniger Auflagen um den Auftrag auszuführen.

Zweites Beispiel:

Ein Einkäufer in einem Unternehmen bekommt vergünstigte Kleidung oder wird zum Urlaub eingeladen und so weiter und dafür gibt er der Firma, die ihn diese Vergünstigungen gibt, im Namen seiner Firma vermehrt Aufträge. Also jemand gibt einem Menschen zum Beispiel etwas das 5.000 EURO wert ist und dafür kriegt diese Firma einen Auftrag über 500.000 EURO. Das ist ein typisches Beispiel für Bestechlichkeit. Diese Art von Bestechlichkeit solltest du nicht haben.

Abwesenheit von Gier

Abwesenheit von Gier

Ein dritter Aspekt von Aparigraha, den Swami Sivananda gerne beschreibt ist auch die Abwesenheit von der Gier immer mehr für dich zu haben. Und damit bis du relativ nah, warum? Er sagt, dann versteht man den Sinn des Lebens. Patanjali sagt ja, wenn du in diesem Aparigraha irgendwo verankert bist, wenn du also nicht ständig mehr für dich haben willst, dann verstehst du auch was deine Aufgabe ist, was der Sinn deines Lebens ist, was deine Pflicht ist. So wie du aufhörst zu überlegen, was du brauchst, was du willst, weist du was zu tun ist.

Aber das gilt sogar im beschränkten Sinn. Wenn du niemanden bestichst und selbst nicht bestochen werden kannst, dann fällt es dir leichter, das ethisch Richtige zu tun. Und dann verstehst du leichter den Sinn, warum das was geschieht auch geschieht. Jetzt kannst du selbst nochmal darüber nachdenken, was dieser Vers alles bedeutet. Ist Aparigraha fest begründet, versteht man den Sinn des Lebens.

Ich will noch mit Om und Shanti schließen, dazwischen das Patanjali Mantra wiederholen und danach kannst du ja selbst nochmal nachdenken, wo verstößt du vielleicht gegen Aparigraha und wie könntest du Aparigraha noch mehr umsetzen.

Om. Om. Om.
Yogena Chittasya Padena Vacham
Malam Sharirasya Cha Vaidyakena
Yo'pakarot Tam Pravaram Muninam
Patanjalim Pranjalir Anato'smi
Om Shanti, Shanti, Shanti.
Om Frieden, Frieden, Frieden.

Video - Aparigraha im Yoga Sutra

Das Sanskritwort Aparigraha

Aparigraha (Sanskrit: अपरिग्रह aparigraha adj. u. m.) besitzlos; keine Ehefrau besitzend; von niemand abhängig; niemandem gehörend; nicht zu umspannen mit; das Nichtumfassen, Nichteinschließen; Besitzlosigkeit; Nichtannahme, Zurückweisung; bei den Jaina das Sichenthalten von jeglicher Verblendung in bezug auf alles Unreale.

Sukadev zu Aparigraha

Niederschrift eines Vortragsvideos (2014) von Sukadev über Aparigraha

Wörtlich heißt Aparigraha nicht umfassen, nicht gierig sein. Parigraha heißt eben umfassen, heißt etwas festhalten und heißt, etwas mehr festhalten zu wollen, daher heißt es auch Gier. Und Aparigraha ist das Nicht-Festhalten-Wollen, das Nicht-Gierig-Sein. In diesem Sinne ist Aparigraha auch der geistige Zustand der Zufriedenheit. Allerdings folgt ja auch Zufriedenheit noch in den Niyamas, Santosha. Aber Aparigraha heißt eben, das Nicht-Festhalten, es heißt, das Loslassen, es heißt letztlich auch, gelassen zu sein.

In einem engeren Sinn ist aber Aparigraha das Zufriedensein mit dem, was rechtmäßig kommt. Aparigraha heißt deshalb eben auch Unbestechlichkeit. Bestechlichkeit ist in vielerlei Hinsicht ein Problem. Es ist ein Problem für die Wirtschaft, es ist ein Problem für die Politik, es ist ein Problem in zwischenmenschlichen Beziehungen. Lasse dich nicht bestechen. Unbestechlichkeit, Aparigraha, heißt, dass du keine Geschenke und Gefallen annimmst, die gegeben werden, um etwas von dir zu erreichen, was ethisch nicht korrekt ist.

Natürlich, man sagt, kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Um Liebe zu einem anderen Menschen zu empfinden, willst du sie auch ausdrücken. Deshalb ist nur natürlich, dass du anderen kleine Geschenke oder Gefallen tust, wobei unterschiedliche Menschen, unterschiedlich das sehen. Wenn das aber Geschenke sind, die vom Herzen her kommen, um etwas zu geben, um einfach Liebe auszudrücken, Freundlichkeit auszudrücken, das ist etwas Gutes. Aber wenn jemand dir ein Geschenk macht, das dich anschließend in der ethischen Freiheit behindert, dann verstößt das gegen Aparigraha.

Angenommen, du bist Yogalehrer und du hast einen Onkel. Und der Onkel sagt: "Ja, ich zahle dir dein Yogastudio, aber du darfst keinen indischen Gott aufhängen und du darfst auch kein "Om" singen, nur dann mache ich das für dich." Diesen Gefallen solltest du nicht annehmen. Oder angenommen, jemand sagt: "Ich zahle dir 1000 Euro dafür, dass du ein Taube isst." Das solltest du nicht tun. Oder angenommen, du bist in der öffentlichen Verwaltung und dort bietet dir ein Unternehmer einen gewissen Gefallen an, vielleicht sogar, dein Yogastudio zu finanzieren, wenn du ihm nur den öffentlichen Auftrag gibst."

Also viele Dinge, wo Möglichkeiten sind, gegen Aparigraha zu verstoßen. Eine Gesellschaft braucht es, dass Menschen sich an Aparigraha halten. Und der spirituelle Fortschritt braucht es auch. Nimm Geschenke an, die aus Liebe gegeben werden, lasse dich nicht abhängig machen durch Gefallen. Und umgekehrt, mache auch andere Menschen nicht abhängig von dir. Du willst zur Freiheit kommen, andere wollen auch zur Freiheit kommen. Daher achte Aparigraha die Unbestechlichkeit, das Nicht-Gierig-Sein, das Nicht-Umfassen.

Raja Yoga Sutras von Patanjali

अहिंसासत्यास्तेयब्रह्मचर्यापरिग्रहा यमाः ||2.30||

ahiṃsā-satyāsteya-brahmacaryāparigrahā yamāḥ ||2.30||

Die Regeln der äußeren Disziplin (yama) bestehen aus Nichtverletzen (ahimsa), Wahrhaftigkeit (satya), Nichtstehlen (asteya), Enthaltsamkeit (brahmacarya) und Unbestechlichkeit (aparigraha).


Die fünf Yamas und Niyamas


Aparigraha अपरिग्रह aparigraha Aussprache

Hier kannst du hören, wie das Sanskritwort Aparigraha, अपरिग्रह, aparigraha ausgesprochen wird:

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Seminare

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Neben der eigenen Praxis, dem eigenen Bemühen, geschieht vieles auf dem spirituellen Weg einfach durch Einstimmen auf das Göttliche, durch „Satsang“ im Sinne von „Zusammensein mit Weisheit…
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Sukadev über Aparigraha