Übung der Meditation

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Swami Sivananda schreibt über die Übung der Meditation

Artikel von Swami Sivananda

Diese Welt ist voller Elend und Leiden. Um sich von den Anfechtungen dieses Lebens (samsara) zu befreien, bedarf es der Meditationsübungen, die zur Selbsterkenntnis und damit zum ewigen Frieden und zur höchsten Glückseligkeit führen. Meditation ist die Vorbereitung für eine umfassende Erfahrung und eine unmittelbare, intuitive Erkenntnis. Sie schafft einen ununterbrochenen fluß der Gedanken zu Gott oder Atman hin. Sie ist der Pfad zum Göttlichen, der königliche Pfad zum Königreich Brahmas, die mystische Leiter, die von der Erde zum Himmel (vaikunthakailasha-Brahman), vom Irrtum zur Wahrheit, von der Dunkelheit zum Licht, von der Unruhe zum ewigen Frieden, vom Nichtwissen zur Weisheit, von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit führt. Wahrheit ist Brahma, ist Atman. Zur Wahrheit kann man nicht ohne Meditation gelangen, deren Art je nach dem gewählten Pfad verschieden ist. Ein Bhakta-Yogi, ein Mystiker, wird sich bei der Meditation auf das Bild seiner erwählten Gottheit (Ishta Devata) mit ihren Attributen (Saguna Dhyana) konzentrieren. Ein Hatha-Yogi, der auf dem Wege körperlicher Übungen vorgeht, meditiert über die Chakras, die Energie- Zentren. Ein Jnana-Yogi, der dem philosophischen Weg folgt, meditiert über sein wirkliches Selbst, die Übung des ahamgra upasana. Ein Raja-Yogi meditiert über die Weltseele (purusha), die unberührbar ist für Schmerz wie Begierde.

Das Bewußtsein nimmt die Form des Gegenstandes an, den es erfaßt. Nur so ist Wahrnehmung möglich. Ein Bhakta-Yogi meditiert unaufhörlich über die Gestalt seiner Schutz-Gottheit, seiner Ishta Devata. Seine Gedanken umfangen immer wieder diese Gestalt. Ist seine Meditation erfolgreich und erlangt er den Zustand höchster Hingabe (para bhakti), erblickt er in allem nur noch seine Ishta Devata. Namen und Formen schwinden. Der Anbeter Krishnas erblickt überall nur Krishna und erfährt den Zustand, der in der Gita beschrieben wird: "Vasudeva sarvam it; - Alles ist nur vasudeva (Krishna)." Ein Vedanta-Anhänger erblickt überall nichts als das eigene Selbst, Atman. Die Welt der Worte und Formen entschwindet seinem Blick. Er erfährt - wie es in den Upanishaden heißt - "sarvam kalvidam Brahma - Alles in der Tat ist Brahma."

Nur ein reines Bewußtsein vermag das Selbst zu erkennen. Hat es nicht alle Wünsche, Begierden, allen Kummer, Stolz, Täuschung und Lust, Bindung, Anziehung und Abstoßung von sich geworfen, kann es nicht in den Bereich des Höchsten Friedens, der Ungestörten Seligkeit, in die Ewige Heimat eingehen. Ein sinnlicher oder träger Mensch kann nicht Meditation üben. Wer aber seine Zunge und seine Organe beherrscht, wer einen durchdringenden Geist besitzt, wer mit Maß ißt, trinkt und schläft, wer Selbstsucht, Lust, Begierde und Ärger vernichtet hat, kann durch Meditation samadhi erlangen. Solange Zerstreuung und innere Unruhe (vikshepa) vorherrschen, vermag man nicht zu meditieren und den Frieden des Geistes zu erfahren. Solange wohnt Unruhe der Gedanken (rajas) neben der Begierde. Will man sie wirklich überwinden, muß man auch alle irdischen Wünsche und Begierden durch inneren Frieden und völlige Hingabe an Gott zerstören. Grünes Holz kann nicht brennen, während trockenes sofort Feuer fängt. Wer seine Gedanken nicht geläutert hat, wird das Feuer der Meditation nicht anzünden können. Während der Meditation wird er einschlafen, träumen oder Luftschlösser bauen. Wer aber durch Japam, durch Opfer, Erbarmen und Atemübungen alle Unreinheiten aus seinem Bewußtsein entfernt hat, wird, sobald er eine Stellung eingenommen hat, schnell in Meditation fallen. Das gereinigte, gereifte Bewußtsein wird im Augenblick vom Feuer der Meditation erfaßt.

Das Bewußtsein ist einem Garten zu vergleichen. Wie durch Pflügen und Düngen, durch Unkraut jäten und Bewässerung schöne Blumen und Früchte gezogen werden können, so kann auch im Garten des Bewußtsteins die Blume der Hingabe blühen, wenn die Unreinheiten des Denkens, wenn Lust, Ärger, Begierde, Täuschung, Stolz usw. ausgerissen wurden und der Garten mit göttlichen Gedanken begossen wird. Der Samen von Unkraut und Dornen aber bleibt weiter in der Erde, um wieder aufzugehen, wenn er nicht bekämpft wird. Ebenso werden Gedankenformen (vrittis) einmal an die Oberfläche des Bewußtseins steigen, dann wieder verschwinden, aber immer als feinste Keime (samskara) im Unterbewußten wirksam bleiben. Wenn sie von außen oder innen angeregt sind, werden sie wieder zu (vrittis) Gedankenwellen. Ist der Garten gesäubert, frei von Unkraut und Dornen, können gute Früchte geerntet werden. Ist das Bewußtsein rein, bringt die Meditation guten Erfolg. Darum müssen die Gedanken zuerst von allen Unreinheiten befreit werden, damit der Strom der Meditation von selbst fließen kann. Soll der Garten auf lange Zeit sauber bleiben, muß man nicht nur Unkraut und Dornen entfernen, sondern auch den Sam~n, der unter der Erde liegt und immer erneut, lange Jahre hindurch, Unkraut hervorbringt. So muß auch der Schüler nicht nur die starken Wellen unruhiger Gedanken (vrittis), sondern auch die unterbewußten Eindrücke (samskaras) zerstören, den Samen für Tod und Wiedergeburt, der unaufhörlich neue Gedanken und Wellen (vrittis) entstehen läßt, wenn er den Zustand des samadhi, das heißt Befreiung und vollkommene Freiheit erlangen will.

Ohne Meditation ist Selbsterkenntnis nicht möglich, ohne sie kann man sich von den geistigen Begrenzungen nicht befreien, den göttlichen Zustand nicht erreichen, der Unsterblichkeit gewährt. Ohne Meditation bleibt die strahlende Schönheit, die unvergängliche Herrlichkeit Atmans vor den Augen des Schülers verborgen, ohne sie kann er die Schleier, die die Seele verdecken, kann er die fünf Hüllen (koshas), die Atman umschließen, nicht zerreißen, und das Leben der Seligen erlangen.

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