Khari

Aus Yogawiki
Khari

Khari (Sanskrit: खरी kharī f.) = hart, rau oder scharf, Eselin; Mauleselin, weibliches Maultier.

Der Sanskrit-Ausdruck Khari (खरी) ist vielschichtig und hängt stark vom Kontext ab, in dem er verwendet wird. Grundsätzlich bedeutet Khari so viel wie „Eselin“ oder „Lasttier“, aber auch „hart, rau oder scharf“ im übertragenen Sinne. In der indischen Spiritualität und im Yoga wird Khari oft als Symbol für das Ego oder den ungezähmten Geist verstanden, der wie ein störrischer Esel immer wieder eigene Wege geht und sich nur schwer lenken lässt. Es geht dabei um die Eigenschaft des „Auf-sich-nehmens“ – ähnlich wie ein Lasttier, das schwere Bürden trägt, trägst du im Alltag oft die Last deiner Gewohnheiten, deiner Ängste und deiner Identifikationen mit dir herum.

Im Hinduismus taucht Khari auch in Geschichten und Gleichnissen auf. Eine bekannte Erzählung handelt von einem Weisen, der seinen Schüler fragt: „Warum bist du so erschöpft?“ Der Schüler antwortet: „Ich trage die Sorgen der Welt auf meinen Schultern.“ Daraufhin lächelt der Weise und sagt: „Du bist wie eine Khari, die sich freiwillig die schwersten Steine auflädt, obwohl der Weg leicht wäre. Lass los, und du wirst merken, dass du gar nichts zu tragen brauchst.“ Diese Geschichte zeigt, wie Khari als Metapher für die unnötigen Lasten dient, die du dir selbst auferlegst – sei es durch Perfektionismus, durch das Festhalten an Vergangenem oder durch das ständige Vergleichen mit anderen.

In der Yogapraxis kannst du Khari auf deiner Matte direkt erfahren. Stell dir vor, du übst eine stehende Haltung wie den Krieger (Virabhadrasana) und spürst, wie deine Beine brennen und dein Geist unruhig wird. Dein innerer „Esel“ möchte vielleicht aufgeben oder die Position wechseln. Genau hier liegt die Einladung: Anstatt dich von diesem Drang treiben zu lassen, bleibst du ruhig und atmest in die Anspannung hinein. Du erkennst, dass die Härte (Khari) des Moments nur eine vorübergehende Empfindung ist. Der indische Yogi und Lehrer B.K.S. Iyengar hat einmal gesagt: „Der Körper ist dein erster Schüler. Wenn du lernst, seine Härte mit Sanftmut zu umarmen, wirst du auch die Härte des Lebens mit Anmut tragen.“ Indem du die Khari in dir – das Störrische, das Widerständige – nicht bekämpfst, sondern liebevoll annimmst, verwandelst du sie in eine Quelle der Stärke und Gelassenheit.

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