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	<title>Yogawiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-04-25T01:27:26Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://wiki.yoga-vidya.de/index.php?title=Sadhana&amp;diff=39589</id>
		<title>Sadhana</title>
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		<updated>2012-12-30T13:07:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Karli: /* Sri Swami Chidananda über Sadhana */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Sadhana&#039;&#039;&#039; ([[Sanskrit]]: साधन sādhana &#039;&#039;n.&#039;&#039; und साधना sādhanā &#039;&#039;f.&#039;&#039;) spirituelle [[Praxis|Praktiken]]; geistige [[Übung]]en. Der männliche bzw. weibliche Übende von Sadhana heißt [[Sadhaka]] bzw. [[Sadhika]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==[[Swami Sivananda]] über Sadhana==&lt;br /&gt;
===&amp;quot;Sadhana-Kursus&amp;quot;, Auszug aus dem Buch &#039;&#039;Die Botschaft&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#Du musst imstande sein, drei Stunden hintereinander mit erhobenem Haupt in einer [[Asana]] zu verharren.&lt;br /&gt;
#Übe täglich eine halbe Stunde [[Pranayama]] (Atemkontrolle).&lt;br /&gt;
#Du musst um 4 Uhr morgens aufstehen und zuerst meditieren. Dann kannst du Asana und Pranayama üben. Das Wichtigste ist die &#039;&#039;&#039;Meditation&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
#Beginne mit einer bestimmten Meditation in irgendeiner Form, die dir am besten liegt. Fühle die innere Gegenwart in dieser Form und denke an die Eigenschaften der Reinheit, Vollkommenheit, alldurchdringenden [[Intelligenz]], [[Glückseligkeit]], Allmacht usw. Wenn die [[Gedanke]]n davonlaufen, bringe sie immer wieder zu diesem Punkt zurück. Meditiere noch einmal am Abend und halte die Übungen regelmäßig ein. &lt;br /&gt;
#Entwickle richtiges Denken, Fühlen, Handeln und Sprechen. &lt;br /&gt;
#Rotte die [[Laster]] aus, wie [[Zorn]], Sinnenlust, [[Gram]], [[Selbstsucht]], [[Hass]] usw.&lt;br /&gt;
#Halte die [[Indriya]]s (Sinnesorgane) im Zaum. Beachte das Gelübde des täglichen zweistündigen Schweigens. &lt;br /&gt;
#Entwickle [[Tugend]]en: [[Vergebung]], [[Dankbarkeit]], [[Liebe]], [[Freundlichkeit]], [[Geduld]], [[Beständigkeit]], [[Mut]], [[Wahrhaftigkeit]] usw. &lt;br /&gt;
#Führe regelmäßig ein geistiges [[Tagebuch]] und halte an der Praxis deiner geistigen Übungen fest, koste es , was es wolle.&lt;br /&gt;
#Schreibe dein Ischta-Mantra „[[Hari]] Om“ Shri [[Rama]]“ usw. täglich eine Stunde lang in dein Notizbuch und sende es mir am Ende jedes Monats zusammen mit dem geistigen Tagebuch.&lt;br /&gt;
#Werde ein reiner Vegetarier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;Zwanzig geistige Belehrungen&amp;quot;, Auszug aus dem Buch &#039;&#039;Die Botschaft&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#Stehe täglich um 4 Uhr morgens auf. Mache [[Japa]] und meditiere.&lt;br /&gt;
#Nimm sattwischen [[Ahara]],reine Nahrung, zu dir. Überlade nicht deinen Magen.&lt;br /&gt;
#Sitze im [[Padma]] oder [[Siddha Asana]] für Japa und [[Dhyana]] (Wiederholung eines Namens Gottes oder [[Mantra]]s und tiefe [[Meditation]]).&lt;br /&gt;
#Habe einen besonderen verschließbaren Raum für die Meditation.&lt;br /&gt;
#Übe [[Barmherzigkeit]]. Gib ein Zehntel deines Einkommens den Armen.&lt;br /&gt;
#Studiere systematisch ein Kapitel der [[Bhagavad Gita]] oder der [[Bibel]].&lt;br /&gt;
#Erhalte dir Virya (die sexuelle Energie oder Lebenskraft). Schlafe getrennt von anderen.&lt;br /&gt;
#Gib das Rauchen, den Genuss berauschender und rajasischer Nahrung auf.&lt;br /&gt;
#An Ekadashi Tagen (jeweils der 11. Tag des Halbmonats) faste oder lebe nur von Milch und Früchten.&lt;br /&gt;
#Übe [[Mauna]] (Schweigen), täglich zwei Stunden lang und außerdem während den Mahlzeiten.&lt;br /&gt;
#Sprich um jeden Preis die Wahrheit. Sprich wenig. &lt;br /&gt;
#Schränke deine [[Wunsch|Wünsche]] ein. Führe ein glückliches und zufriedenes [[Leben]].&lt;br /&gt;
#Verletze niemals die [[Gefühl]]e anderer. Sei freundlich zu allen. &lt;br /&gt;
#Denke über die Fehler nach, die du selbst gemacht hast. (Selbstanalyse) Mache dich nicht abhängig von Dienstboten. Verlasse dich auf dich selbst.&lt;br /&gt;
#Denke an Gott, sobald du erwachst und bevor du einschläfst.&lt;br /&gt;
#Habe immer eine [[Japa Mala]] (Rosenkranz) unter dem Kopfkissen oder in deiner Tasche.&lt;br /&gt;
#Nimm dir als Motto: „Einfach leben und edel denken.“&lt;br /&gt;
#Diene Sadhus, Sannyasins sowie den Armen und Kranken.&lt;br /&gt;
#Schreibe täglich in dein geistiges Tagebuch. Halte dich an diese deine [[Gewohnheit]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;Empfehlungen für die Praxis&amp;quot;, Auszug aus dem Buch &#039;&#039;Die Botschaft&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#Diene, liebe, gib, läutere dich, meditiere, verwirkliche.&lt;br /&gt;
#Passe dich an. Harmonisiere dich. &lt;br /&gt;
#Sei gut, tue Gutes. Sei freundlich und mitfühlend. Sei ehrlich und aufrichtig. Sei wahrhaftig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Struktur der Yoga-Sadhana===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für eine erfolgreiche Yogapraxis ist ethische [[Disziplin]] unentbehrlich. Ethische Disziplin bedeutet Führung eines guten Lebens. Die beiden moralischen Dreh- und Angelpunkte, die jeder [[Yoga]]-Übende in sein tägliches Leben einbinden sollte, sind [[Yama]] und [[Niyama]]. Sie sind etwa vergleichbar mit den zehn Geboten des Christentums oder dem achtfachen Pfad [[Buddha]]s. Die [[Tugend]]en des Yama sind Gewaltlosigkeit ([[Ahimsa]]), Wahrhaftigkeit ([[Satya]]), Nichtstehlen ([[Asteya]]), Mäßigkeit ([[Brahmacharya]]) und Begierdelosigkeit ([[Aparigraha]]). Innere und äußere Reinheit ([[Saucha]]), Zufriedenheit ([[Santosha]]), Askese ([[Tapas]]), Studium religiöser und philosophischer Literatur ([[Swadhyaya]]) und Hingabe an Gott ([[Ishwarapranidhana]]) sind die Gebote des Niyama. Yama und Niyama bilden die Grundpfeiler der Yoga-[[Philosophie]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber allen anderen Tugenden hat die Gewaltlosigkeit absoluten Vorrang. Es gilt, diese Regel gegenüber allen lebenden Kreaturen gedanklich, sprachlich und hinsichtlich deiner Handlungen (Ahisma) einzuhalten. Die Tugend der Gewaltlosigkeit besitzt oberste Priorität, auch, weil sie eine Grundlage der folgenden Regeln darstellt. Die Ausübung von universeller Liebe und Brüderlichkeit ist ein essentieller Teil der Gewaltlosigkeit. Ebenfalls forsche Worte und unfreundliche Blicke gilt es zu unterbinden. Der Praktizierende muss guten Willen und Freundlichkeit zeigen, wie auch Respekt gegenüber allem Leben. Er sollte immer daran denken, dass den Herzen aller Wesen ein universelles [[Selbst]] entspringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tugend der Wahrhaftigkeit (Satya) ist direkt an Ahimsa angegliedert. Auch hier ist wichtig, dass sich Gedanken, Worte und Taten auf einer Ebene befinden. Nur Menschen, die frei von egoistischen Eigenschaften sind, können die Tugend der Wahrhaftigkeit umsetzen. Die Wahrheit kann nur schwer ans [[Licht]] treten, wenn die Tat nicht von einem reinen Motiv begleitet wird. Das Wort eines [[Yogi]]s sollte ein Segen für andere sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin spielt das Gebot des Nicht-Stehlens eine Rolle im Yama. Es fordert den Praktizierenden auf, aus tiefstem Herzen mit dem zufrieden zu sein, was er besitzt. Das Gesetz des Karmas ist unerbittlich. Jeder muss für seine unrichtigen Handlungen einstehen. Aktionen und Reaktionen sind gleichrangig und bedingen sich gegenseitig. Ebenfalls zum Stehlen zählt die Anhäufung von Reichtum. Der gesamte Reichtum aller drei Welten ist Eigentum Gottes. Du selbst bist nur ein kleiner Bestandteil dieses Wohlstandes. Teile mit allen, was Dir gehört und gib voller [[Nächstenliebe]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vierte Tugend ist die [[Mäßigkeit]] (oder auch Enthaltsamkeit). [[Brahmacharya]] ist der Grundbaustein für das Leben im [[Atman]]. Die Enthaltsamkeit ist eine geladene Waffe im unerbitterlichen Kampf gegen innere Monster. Hierzu zählt unter anderem [[Leidenschaft]], [[Gier]], [[Zorn]], [[Geiz]], [[Heuchelei]]. Ein gemäßigtes Leben führt dich zu andauernder [[Freude]] und [[Glückseligkeit]]. Du wirst [[Energie]], einen klaren [[Kopf]], [[Willensstärke]], klaren [[Verstand]], ein gutes [[Gedächtnis]] und Forschergeist haben ([[Vichara Shakti]]) .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziel ist ein tiefes und bewusstes Dasein und ein ruhiger, entspannter Geist. Dies beinhaltet, dich selbst für eine höhere [[Spiritualität]] zu öffnen. Die göttliche Gegenwart und Führung zu spüren. &amp;quot;Fix your mind at the lotus-feet of the Lord.&amp;quot; Vernakere deinen Geist an den Lotus-Füßen Gottes. Sei wie ein Kind. Spreche frei und unbefangen zu [[Krishna]] und sei absolut aufrichtig. Verstecke deine Gedanken nicht. Es wird dir nicht gelingen, denn Gott ist der innere Herrscher. Er beobachtet all deine Gedanken. Bete um [[Gnade]], Licht, Reinheit, [[Stärke]], [[Frieden]] und [[Erkenntnis]]. Du wirst sie ganz sicher erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Yoga-Übender sollte nicht geizig sein. Er sollte von niemanden luxuriöse Geschenke annehmen. Geschenke beeinträchtigen den Geist des Empfängers. Der Yogi sollte diese fünf Gebote in seinem Herzen tragen und in Gedanken, Worten und Taten umsetzen. Sie sind nicht nur Gebote, sie beeinflussen auch den Charakter des Übenden, indem sie ihm innere Stärke und Reinheit verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Dinge sind notwendig, um eine erfolgreiche Kontrolle über den Geistes zu erlangen, die Yogapraxis ([[Abhyasa]]) und Leidenschaftslosigkeit ([[Vairagya]]). Versuche dein Bestes, dich von jeglichem Verlangen und Vergnügen, sichtbar oder unsichtbar, zu befreien. Dies kannst du erreichen, indem du dir das schlechte in diesen Dingen ständig vor Augen führst. Leidenschaftslosigkeit bedeutet die Entsagung dessen, was es zu erreichen gilt. Es ist die Entsagung sinnlicher Genüsse im Dies- und Jenseits.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt zwei Arten von Leidenschaftslosigkeit oder Ablösung – die Niedrige und die Höhere. [[Vijnana Bhikshu]] unterscheidet zwischen unter- und übergeordneten Typen der Vairagya: Der erstere ist ein Widerstehen der schönen Dinge im Leben, hier und im Jenseits, denn diese können nicht ohne Probleme erlangt und erhalten werden. Ihr Verlust kann [[Schmerz]] verursachen und das Streben nach ihnen ist nie frei von egoistischen Gefühlen. Der zweite Typ jedoch, basiert auf der klaren Erkenntnis des Unterschiedes zwischen der Intelligenz und den Gegenständen die in ihrem Licht erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt verschiedene Stadien der Entsagung. Der Entschluss, sich von allen Arten sinnlicher Objekte zu distanzieren ist das erste Stadium. Im zweiten Schritt verlieren bestimmte dingliche Objekte ihren Charme in den Augen des Praktizierenden. Derjenige strebt außerdem danach, dass anderen Menschen eine gleiche Leidenschaftslosigkeit gegenüber der dinglichen Welt erfahren. Im Dritten Stadium unterliegen die Sinne des Yogis seiner Kontrolle. Allerdings verspürt der Praktizierende nach wie vor eine leichte Sehnsucht nach sinnlichen Freuden. Im vierten Stadium verliert der [[Yogi]] komplett sein Interesse an allen externen Objekten. Das finale Stadium ist jenes mit dem höchsten Maß an Leidenschaftslosigkeit. Es ist diese Art der Entsagung, die dem Yogi einen Zustand der absoluten Unabhängigkeit versetzt. Auf diesem Level verzichtet der Praktizierende auf alle Arten psychischer Kräfte. Hierin ist sogar die Allwissenheit eingeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob man in der Lage ist, in geistige Distanz von externen Objekten zu treten, hängt stark von der Fähigkeit zur Entsagung jedes einzelnen ab. Bloße Gleichgültigkeit wird diesem Zweck nicht dienen. Weiterhin ist es notwendig zu üben. Hierzu zählt auch, dass man Gott stets in seine Gedanken einschließt. [[Krishna]] sagt zu [[Arjuna]] (er bezieht sich auf die Praxis der Kontrolle des Geistes): &amp;quot;Verbanne ohne zu zögern all deine Wünsche, die dir die Vorstellungskraft deines Geistes zeigt und die überall von deinen Sinnen wahrgenommen werden. Lass den Geist nach und nach ruhiger werden, kontrtolliere deinen Verstand immer wieder. Lasse deinen Geist im Selbst verweilen. Lass ihn über nichts nachdenken. Immer wenn dein bewegter und unruhiger Geist sich von dir wegbewegt, fange ihn wieder ein, lasse das Selbst ihn kontrollieren.&amp;quot;(Bhagavad Gita, Ch. VI-24, 25, 26) Man kann einen in sich ruhenden Geist erlangen, indem man das gesamte Verlangen nach materiellen Objekten einstellt und mittels Vernunft und Stetigkeit den Zustand des Geistes mehrseitig schult und ihn nicht in Gedanken verfallen lässt. Der ruhelose Geist sollte so häufig gereinigt werden, wie er in Unruhe verfällt, nur so kann [[Selbstbeherrschung]] stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Geist wird geleitet durch das Verlangen nach externen Objekten. Wenn man sich selbst von der Illusion sinnlicher Objekte überzeugt, indem man ihre Natur genauer erforscht und eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber weltlichen Dingen entwickelt, kann der Geist gebändigt werden um schließlich beim Selbst zu verweilen. Der Wert dieser Yogapraxis liegt darin, dass die Seele des Übenden Frieden im Selbst findet. Die Yogapraxis wird ausgeübt indem man ein und denselben Gedanken immer wieder rezitiert. Durch konstante gedankliche Wiederholung wird die  [[Willenskraft]] gestärkt. Die rezitierten Worte werden an das Unterbewusstsein weitergeleitet. Damit suggeriert man dem Unterbewussten nicht nach Vergnügungen im Außen zu suchen, sondern sich auf das Unveränderliche im Inneren einzustimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übe dich in [[Wachsamkeit]]. Wenn du merkst, dass dein Geist sich sinnlichen Objekten hingibt, finde neue Möglichkeiten der Bedeutungsfindung und Interpretation. Verhilf deinem Geist dazu, seine Einstellung gegenüber diesen Dingen zu ändern, so dass er sich diesen schließlich vollständig entziehen kann. Dies bezeichnet man als Praxis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Haupteigenschaft des Geistes in der erwachenden Phase ist, ein Objekt verinnerlicht zu haben, mit dessen Hilfe er erwachen kann. Er kann nie ganz leer bleiben. Er kann sich stattdessen auf eine bestimmte Sache zu einem Zeitpunkt konzentrieren. Die Gedanken, die ihm innewohnen ändern sich stets, dies macht den Geist rastlos. Sein Charakter ist ungestüm, stark und kann nur schwer gezügelt werden. Aus diesem Grund sagt [[Patanjali]] Maharshi, die Praxis müsse unbeirrt und ständig vollzogen werden, begleitet von unerschütterlichem Glaube and ihre regenerierende und belebende Wirkung. Daher solltest du in keiner Phase deiner Praxis Nachlässigkeit zeigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess der [[Entsagung]] wird nicht an einem Tag vollzogen. Es bedarf einer andauernden und kontinuierlichen Praxis, die von Eifer und Enthusiasmus begleitet wird. Der Fortschritt im [[Yoga]] geht nur graduell vonstatten. Viele Menschen unterbrechen nach einer gewissen Zeit ihre Praxis, weil sie keine Fortschritte ihrer psychischen Kräfte bemerken. Sie werden ungeduldig. Sie tun wenig und erwarten viel. Das ist nicht gut. Wird die Praxis nur unregelmäßig vollzogen, trägt sie am Ende nicht die gewünschten Früchte. Direkte Erfahrung ist das zentrale Ziel im Leben. Auch wenn die Yogapraxis zu Anfang sehr beschwerlich sein kann, bringt sie schließlich höchste Freude. Krishna sagt zu Arjuna: „Höchste Freude wird derjenige Yogi erlangen, dessen Geist friedlich, dessen leidenschaftliche Natur unter Kontrolle ist, welcher frei von Sünde ist, und derjenige, dessen Natur dem Ewigen entspringt!“ ([[Bhagavad Gita]], Ch. VI-27)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Einzig der Geist des Menschen ist Ursache für Unfreiheit oder Befreiung, verloren im Genuss, führt es zur Gefangenschaft; frei von Leidenschaften, führt er zur Befreiung. Ist der Geist einmal befreit von der materiellen Welt, muss der Praktizierende stets darauf bedacht sein, materielle Gedanken aus zu verbannen, um nicht in die alten Zwänge zurückzufallen. Wenn sich der Geist nicht in Verbindung mit materiellen Objekten befindet, sondern mit dem Herzen, ist er in einem Zustand der Ekstase. Dann, so heißt es, habe er seinen Höhepunkt erreicht. Man sollte den Verstand davon abhalten zu funktionieren, bis er vollkommen im Herzen aufgegangen ist, das ist Gnosis, der Rest ist reine [[Konzentration]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verlangen kann beschrieben werden als Sehnsucht nach Dingen, die eine große Herrschaft über den Geist erlangt und, die sogar die Suche nach Ursache und Wirkungen von Dingen zu unterbinden vermag. Der Mensch ist das, womit er sich selbst identifiziert, durch den Zwang einer starken und tiefen Bindung und den Verlust der Erinnerung an alles andere. Da der Mensch, der durch sein Verlangen angetrieben wird, sein Auge auf alles Materielle wirft, beginnt er, dieses Objekt für das einzig Wahre zu halten. Der Mensch verliert die Kontrolle und sieht alles hinter einem täuschenden Schleier, vergleichbar mit einem starken Rauschmittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verlangen entsteht aus Unwissenheit ([[Avidya]]). Bindung, Sehnsucht und Vorliebe sind Bestandteile des Verlangens. Bemühe dich nicht, deinem Verlangen nachzugehen. Versuche stattdessen, es so weit wie möglich zu reduzieren. Die Sehnsucht nach Befriedigung der materiellen Sehnsüchte ist der Treibstoff des Verlangens, der entzogen werden sollte. Das Feuer des Verlangens wird so von selbst erlöschen. Wie eine Lampe, die kein Öl mehr hat, erlischt, so erlischt ein Feuer ohne Brennstoff. Wenn die Sehnsucht nach Objekten unterbunden wurde, wird das Verlangen von selbst vergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein Mensch versucht, etwas zu bekommen, begeht er Sünden und verletzt seine Mitmenschen. Als Folge muss er die Früchte seiner Handlungen ernten und  wird wieder und wieder Bestandteil des Kreislaufes von Leben und Tod sein. Erhöht sich die Anzahl der begehrten Objekte um nur eins, so wächst das Verlangen nach ihnen um das zehnfache. Je mehr weltliche Objekte du besitzt, desto größer ist die Distanz zu Gott. Der Geist wird immer unruhig sein und sich damit beschäftigen, wie er mehr Sachen bekommen und behalten kann, beispielsweise, wie er eine große Menge an Geld anhäufen und sparen kann. Wenn die erwobenen Objekte verlorengehen, ist deine Seele aufgebracht. Sorgen, Ängste und andere Arten seelischer Probleme wachsen mit der Anzahl von Objekten, mit denen man sich umgibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Befreie dich von der Tyrannei des Geistes, die dich so lange gnadenlos unterdrückt hat. Du hast deinem Geist erlaubt, sich auf sinnliche Freuden zu berufen und seine eigenen Wege zu gehen. Nun ist die Zeit gekommen, ihn zu zügeln wie ein wildes Pferd. Halte durch und sei geduldig. Übe täglich Meditation und die Zurückhaltung deiner Gedanken. Am Anfang könnte diese Aufgabe schwierig sein, ja sogar widerwärtig und ermüdend erscheinen, am Ende jedoch steht ein riesiger Erfolg. Du wirst Unsterblichkeit, höchste [[Freude]], ewigen [[Frieden]] und unendliche Glückseligkeit erlangen. Es ist ein lohnender Schritt. Aber sei auf der Hut. Wenn dir dein Wunsch ernst ist, und du gehst deinen Weg mit starkem Geist, dann wird nichts auf der Welt unmöglich sein. Nichts wird dich aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand deines geistigen Zustandes, deiner Gefühle und deines Verhaltens kannst du die Natur deiner Handlungen in deinen früheren Leben sehr gut verstehen. Du kannst den Folgen schlechter Handlungen durch gute Taten, also [[Tapas]], [[Disziplin]] und [[Meditation]], entgegenstehen. Versuche, ein Leben ohne Verhaftungen zu führen. Diszipliniere deinen Geist mit Sorgfalt. Es gibt niemanden, der frei von [[Schmerz]]en, [[Krankheit]]en, [[Problem]]en und Schwierigkeiten ist. Gib deiner unruhigen [[Seele]] Rast. Dann wirst nur du die Stärke finden, den Problemen des Lebens ins Antlitz zu schauen. Dann wirst nur du ein ausgeglichenes [[Leben]] führen. Nur du wirst nicht beeinträchtigt sein durch morbide äußere Einflüsse und ungleichförmige Vibrationen. Regelmäßige Meditation am Morgen wird dir Freude, Glückseligkeit und innere [[Stärke]] verleihen. Übe Meditation. Erfahre, auch wenn die äußeren Umstände ungünstig sind, Glückseligkeit und Freude. Du wirst Stück für Stück spirituell wachsen und deine [[Selbstverwirklichung]] erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sri Swami Chidananda über Sadhana==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strahlender und unsterblicher atman (das Selbst, die Seele)! Geliebte und gesegnete Kinder Gottes, jijnasus und mumukshus! Ein jijnasu ist jemand auf der Suche nach Wahrheit – jnana. Ein mumukshu ist jemand, der sehnlich nach Befreiung,  moksha, strebt. Mit dieser Suche, der Sehnsucht nach Wahrheit, dem Strebem nach Wahrheit, und zwar Wahrheit über den Sinn des Lebens und wie man dies erfolgreich umsetzt, über dharma (Ethik, Moral, Pflicht) und adhyatma (was diese Pflicht auf das Selbst bezogen bedeutet). Durch sravana (hören) und durch satsanga (das Treffen von Menschen unter Leitung eines Gurus) möchte man sich das Wissen aneignen, das einem helfen kann, das eigene Leben wirksamer und erfolgreicher zu gestalten. Daher bist Du ein jijnasu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du möchtest dieses Wissen, weil Dir gesagt wurde und Du das auch glaubst, dass solch ein Wissen Dir helfen könnte, Befreiung von Schmerz, Kummer, Leiden, Angst und Furcht zu erreichen – von all den unangenehmen, negativen Erfahrungen, denen ein Mensch im Laufe eines Erdenlebens ausgesetzt ist. Während dieser Lebensspanne ist man sowohl Leid als auch Freude unterworfen, Schmerz und Vergnügen, Kummer und Glückseligkeit. Während jeder Freude, Vergnügen und Glückseligkeit möchte und danach strebt, möchte niemand Leid, Schmerz und Kummer. Der Mensch sucht nach Befreiung von diesen unerwünschten, schmerzhaften Erfahrungen, die ihm Leiden bescheren. Gleichzeitig sucht der Mensch aber, all die positiven, angenehmen Erfahrungen zu erlangen: sukha (Freude), ananda (Wonne), santi (Frieden), tripti und santosha (Zufriedenheit), Trost, Bequemlichkeit,  Glück und Vergnügen.  Und in dem Glauben, dass das Wissen, welches Du Dir hier aneignen kannst, Dir helfen kann bei Deinem zentralen Streben, nämlich Befreiung zu erlangen von allem, was schmerzhaft und unerwünscht ist, bist Du hierher gekommen. Weil Anleitung, Führung, Inspiration, Studium und Einkehr Dir helfen können. Daher seid Ihr mumukshus. Ihr seid sadhakas (jemand, der spirituelle Praktiken ausführt), ihr bemüht euch sehr aktiv um sadhana (spirituelle Praxis).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als solche wollt Ihr wissen, wie Ihr Euer sadhana verbessern könnt, auch die Konzentration, wie Ihr vikshepa (Zerstreutheit des Geistes) überwinden könnt. Nun, in der Absicht, die Bedürfnisse der sadhakas, jijnasus, mumukshus und satsangas wie Ihr zu erfüllen, hat Gurudev vor langem entschieden, ein praktisches Handbuch bereitzustellen, das alle nötigen Informationen über ein spirituelles Leben, Yoga und sadhana enthält. So dass diejenigen, die sich leidenschaftlich nach einem Leben des sadhana sehnen, alles Wesentliche, alle nötigen Bestandteile finden, um unverzüglich ein Leben des sadhana beginnen zu können, um sofort ein zweckmäßiges, spirituelles Leben leben zu können, erfüllt von täglicher, spiritueller Praxis. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gurudev wollte nichts auslassen, alles sollte inbegriffen sein. Und dieses kompakte Handbuch gibt daher die Essenz aller Yogapfade – Hatha Yoga, Karma Yoga, Bhakti Yoga, Raja Yoga, Jnana Yoga, Japa Yoga, Laya Yoga usw. Und es gibt unschätzbare praktische Anweisungen und Tips, wie man sadhana erfolgreich fortführen kann – wie man es plant, wie man sich den Tag einteilt vom Morgen bis zur Nacht, welche Zeit man für welches sadhana einteilt, wie man es sorgsam auf systematische Weise aufbaut. Und dann natürlich, wie man das alles überwachen kann und auf einen Blick in der Lage ist zu wissen, wie gut man vorankommt. Du kannst Dich dadurch selber regelmäßig überprüfen, Vorsätze und Entschlüsse fassen, um die Intensität des sadhana auf der gewünschten Ebene zu halten, damit es nicht erlahmt und verflacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser geliebter Gurudev hat für uns in diesem kompakten Handbuch alles bereitgestellt das nützlich, hilfreich und zweckdienlich für einen sadhaka ist. Und dieses Handbuch wird jedem neuen Mitglied der Divine Life Society bei der Registrierung überreicht als Teil des Paketes, das jedes Mitglied erhält. Dieses Paket hat den bedeutungsvollen Namen „sadhana set“, und der Name des Handbuches ist „Essence of Yoga“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der eigentliche Zweck einer Mitgliedschaft in der Divine Life Society ist, ein aktives, praktisches und fortschreitendes spirituelles Leben zu beginnen. Man muss alles über spirituelles sadhana wissen und über die Kernaussagen der verschiedenen Yoga-Arten. Wenn Du also mehr über sadhana wissen möchtest, besorge Dir dieses Buch und studiere es sorgfältig und eifrig. Du wirst Dich selbst, Deinen Geist und die feineren Aspekte des spirituellen Lebens und dem Geheimnis von yoga sadhana vestehen. Das Handbuch ist kurz und bündig gefasst – nicht in komplizierter Weise, sondern ganz präzise, kompakt und kurz und lässt keinen wesentlichen Punkt aus. Daher rüste Dich aus mit dem Wissen über richtiges sadhana und mache Fortschritte auf diesem Weg!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sadhana leitet all Deine Aktivitäten hin zu der höchsten Erfahrung der Wirklichkeit – sat - darshana(erfahren des Seins).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das höchste Ziel von sadhana ist sat-darshana, und dafür beten wir immer: asato ma sat gamaya. Wir wissen, dass wir hier mitten unter flüchtigen und vorübergehenden Wirklichkeiten leben, und dass dies alles ist, das wir wissen. Seit der Geburt haben wir nur inmitten dieser veränderlichen Wirklichkeiten,  den sich stets ändernden Erscheinungen gelebt. Das ist unsere einzige Erfahrung, unser einziges Wissen. Aber uns wurde gesagt, dass es etwas Höheres gibt, etwas, das sich nicht verändert, das nitya (ewig) ist. Weil es nitya ist, ist es satya (wahr).  Deshalb wollen wir darshan (Schau) des sat (Seins). Dieses uralte Gebet lautet daher: führe uns von der Unwirklichkeit zur großen, ewigen Wirklichkeit, zur Kosmischen Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist sehr schwer zu glauben, dass das, was wir wahrnehmen, in dessen Mitte wir leben, was wir Tag für Tag erfahren, nicht die Wirklichkeit ist; wohingegen das, was wir nie wahrnehmen konnten, über das wir keine Kenntnis haben, was wir nie erfahren haben – weder hat die Nase es gerochen, noch die Augen haben es gesehen, die Hände es berührt, haben es die Ohren gehört oder die Zunge geschmeckt – das ist die Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher wird Glauben (shradda) benötigt in die apta vakya (Worte einer vertrauenswürdigen Person), in die sruti vakya (Worte der Veden), in die guru vakya (Worte des Guru).  Denn die srutis, die Heiligen, die Weisen, Mystiker und weltlichen Lehrer und Dein eigener Guru  verfolgen keine eigennützigen Zwecke, sie haben keine Hintergedanken, sie haben nichts davon, Dich in die Irre zu leiten, Dir etwas zu erzählen, das nicht wahr ist. Sie haben keine eigennützigen Interessen, sie haben nichts zu gewinnen oder verlieren. Daher musst Du glauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die srutis verkünden, was Deinem höchsten Wohlergehen nützlich und förderlich ist. Sie verkünden dies ohne irgendeine Motivation, ohne  Absicht, außer Dir zu nützen. Glaube daher die apta vakya, glaube an die sruti vakya und glaube an die guru vakya. Wenn also irgend etwas im ganzen menschlichen Universum vollständig selbstlos ist, dann sind es die srutis, die großen unsterblichen Lehrer, die alles erreicht haben, was erreicht werden kann, die all ihre Pflichtenn erfüllt haben, die alles getan haben, was getan werden muss. Ihre Herzen sind voll; sie haben keine Wünsche mehr. Solche Menschen können Dich nicht fehl leiten. Daher glaube, habe Glauben, sraddha. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du solltest nicht denken, dass eine logische und rationale Herangehensweise auf jeden Fall Glauben ausschließt, dass sie unvereinbar sind. – „Wir, die vernünftigen Leute, wollen wissen, wir wollen, dass alles überprüft und erwiesen wird - Glauben ist blind.“  Vor langer Zeit haben unsere Vorfahren eine super rationale Methode entdeckt, um der großen Wahrheit näher zu kommen. Es waren Menschen mit scharfsinnigem Verstand, leidenschaftlich und kühn, gründlich forschend und analytisch. Sie waren hundert mal logischer, vernünftiger und wissenschaftlicher vom Denken her als jeder von uns. Und trotzdem waren es diese jnanis, die vichara marga, jnanayoga und vedanta praktizierten, die sagten: „sraddhavan labhate jnanam (derjenige, der voller Glauben ist, erlangt Kenntnis).“  Sie verkündeten auch: wenn Du die Auslegungen der vedantischen Weisheiten hören möchtest, musst Du mit der Tugend des Glaubens und Vertrauens (sraddha) ausgerüstet sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lese die „Essenz des Yoga“ inniglich und andachtsvoll. Swami Sivanandaji, mit seinem großen Herzen, hatte nur einen Wunsch, ein Ziel, nämlich Dein eigenes höchstes Wohlergehen, Deinen höchsten Nutzen. An Dich hat er gedacht, als er all diese großartige Literatur hervorbrachte. Er dachte nicht an sich selbst. Er dachte zuallererst an Dich, zweitens auch an Dich und drittens ebenso nur an Dich.  Er wollte sich Dir zu Nutze machen, er dachte an Dein Gedeihen, Deinen Erfolg im Leben. Er dachte an Dein Wohlergehen und Dein Glück. Daher mache mit Glauben und Hingabe einen aufrichtigen Versuch, die weisen Lehren von Gurudev Swami zu studieren. Das ist die beste Investition. Du kannst nichts Weiseres tun als dies.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber Du musst Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit besitzen; Du darfst nicht oberflächlich und leichtfertig sein, Du darfst nicht nur neugierig auf Yoga und  ein spirituelles Leben sein. Es sollte eine tiefe Ernsthaftigkeit da sein, das Wissen aufzusaugen und ein neues Leben zu beginnen, in die Praxis einzutauchen. Das ist das Notwendige. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von  Gurudevs  verehrungswürdigen Lehren war sadhana  das wichtigste, das Leitmotiv. Sadhana ist das zentrale Thema all seiner Schriften. Er wollte, dass Du sadhana ganz aktiv in Deinem täglichen Leben lebst; er wollte, dass Du sadhana einen zentralen Platz einräumst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie macht man sadhana? In welcher Weise  beginnt man damit? Welche hilfreichen Praktiken gibt es, um voranzukommen?  Um Dir dieses Wissen zu vermitteln, schrieb er mit großer Sorgfalt „20 wichtige spirituelle Anweisungen“. Sie wurden in alle indischen Sprachen übersetzt und haben sich über die ganze Welt ausgebreitet. Er hat auch „Sadhana Tattva“ zusammengestellt und produziert, die Wissenschaft der Sieben Kulturen, die eine sorgsam abgestufte Reihe von 32 Anweisungen enthält, die Gesundheit, Energie, Ethik, Willen, Herz, Psyche und Spiritualität abdecken. Er erarbeitete „Twenty Hints on Meditation“, Resolve Form, Daily Routine Timetable und das Spirituelle Tagebuch. Er hat die Essensz von all diesem im Universellen Gebet zusammengefasst. Und fast alles, das ich gerade erwähnt habe, findest Du in „Essence of Yoga“, welches Du nicht kaufen kannst, denn es wird nicht verkauft. Es wird nur an echte sadhakas weitergegeben, die ganz ernsthaft mit spirituellen Praktiken in ihrem Leben beginnen wollen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher, wenn Du wissen möchtest, wie man ein Leben des spirituellen sadhana lebt, kannst Du nichts Besseres machen als ein Mitglied der Divine Life Society zu werden und dieses Buch zu bekommen. Dann kannst Du beginnen, ein praktikables, spirituelles Leben auf systematische und wissenschaftliche Weise zu leben. Aus diesem Grunde kam und lebte Gurudev. Darum hinterließ er den Sivananda Ashram. Daher hinterließ er die Divine Life Society – damit Du spirituellen sadhana machen kannst, damit Du Dich auf Gott zubewegen kannst. Suche das Unsterbliche und sei gesegnet!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bedeutet die Mitgliedschaft in der Divine Life Society? Ein Mitglied ist ein sadhaka, der sich der spirituellen Praxis mit dem aufrichtigem Wunsche verpflichtet, mit der tiefer Sehnsucht, sein Leben zu verbessern, seine Handlungen zu spiritualisieren, auf yogische Weise zu leben, so dass das ganze Leben ein Prozess des stufenweisen Anstiegs zum höchsten Ziel ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überdenke diesen Aspekt Deiner Persönlichkeit gut und prüfe, ob Du fest gegründet bist in dieser großen Sehnsucht, in diesem großen Ideal, ein sadhaka zu sein. Wäge gut ab und prüfe, ob Du all die Qualifikationen eines sadhakas erfüllst, ob Du Tag für Tag diese Qualifikationen verbesserst und ein wahrer mumukshu, ein wahrer jijnasu wirst. Schau, ob Du einer wirst, der fest auf yama (5 ethische Regeln für das Leben in der Gemeinschaft) und niyama (5 ethische Regeln für das Privatleben), viveka (Unterscheidungskraft), vairagya (Wunschlosigkeit, Verhaftungslosigkeit), in den shat-sampat (6 edle Tugenden) und mumukshutva (Wunsch nach Befreiung) gegründet  ist. Und schaue, ob Du fest gegründet bist in all diesen wichtigen Aspekten des vorbereitenden sadhana. Analysiere beständig Dein Leben.  Sei davon so in Anspruch genommen, dass Du keine Zeit hast für anderweitiges Denken und Handeln. Das ist so, weil Du ernsthaft bist, aufrichtig und ehrlich, Du konzentrierst Dich auf Deine wichtigste Berufung: Dein spirituelles sadhana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist solche eine Einstellung der Ehrlichkeit, Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit, die Früchte trägt. Letztendlich wird es Dir höchsten Segen bringen, es wird Dein Leben mit der Verwirklichung von Frieden, Glückseligkeit, Furchtlosigkeit und Freiheit krönen. Das ist der Zweck, das ist das Ziel von sadhana. Sei daher ein aufrichtiger, erfahrener sadhaka. Verbessere Dich von Tag zu Tag. Immer mehr in Richtug Perfektion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Möge Gurudevs kostbarster Segen mit Dir sein in diesem großen Abenteuer! Möge Gottes Gnade Dir stetigen und ungehinderten Fortschritt, Erfüllung und Erfolg in Deinem sadhana gewähren!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Siehe auch==&lt;br /&gt;
* [[Sadhana Chatushtaya]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [https://www.yoga-vidya.de/shop/product_info.php?info=p62_Sadhana---Ein-Lehrbuch-mit-Techniken-zur-spirit--Vollkommenheit// Sadhana - Ein Lehrbuch mit Techniken zur spirituellen Vollkommenheit von Swami Sivananda]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [https://www.yoga-vidya.de/ Offizielle Homepage von Yoga Vidya]&lt;br /&gt;
* [http://www.sivananda.org/ Divine Life Society - Sivananda Ashram]&lt;br /&gt;
* [http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/Art-Artikel/art_sadhana.html &amp;quot;Sadhana&amp;quot; aus &#039;&#039;Göttliche Erkenntnis&#039;&#039; von Swami Sivananda]&lt;br /&gt;
* [https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/sivananda/sadhana/ &#039;&#039;Sadhana&#039;&#039; von Swami Sivananda]&lt;br /&gt;
* [https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/vishnu-devananda/der-yogi/sadhana-tattwa/ &amp;quot;Sadhana Tattwa&amp;quot; aus &#039;&#039;Der Yogi&#039;&#039; von Swami Vishnu-Devananda]&lt;br /&gt;
* [http://www.yoga-vidya.de/de/service/blog/vorbereitung-und-tipps-fur-ein-erfolgreiches-sadhana/ Vorbereitung und Tipps für ein erfolgreiches Sadhana]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Seminare==&lt;br /&gt;
* [https://www.yoga-vidya.de/ausbildung-weiterbildung/yogalehrer-weiterbildung/spirituelle-persoenliche-entwicklung/sadhana-intensiv-fortgeschrittene-praxis-fuer-den-erfahrenen-uebenden/ Sadhana Intensiv - Fortgeschrittene Praxis für den erfahrenen Übenden]&lt;br /&gt;
* [https://www.yoga-vidya.de/seminare/stichwortsuche/ Seminare zum Thema &amp;quot;Sadhana Intensiv&amp;quot;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Videos==&lt;br /&gt;
=== Sadhana, der spirituelle Weg ===&lt;br /&gt;
{{#ev:youtube|bdIdGDFmOmE}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Multimedia ==&lt;br /&gt;
=== Paradoxien auf dem spirituellen Weg, Spirituelle Entwicklung ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;mp3player&amp;gt;http://sukadev.podspot.de/files/16_Spirituelles_Retreat_Fr_8h_Paradoxien_Vairagya.mp3&amp;lt;/mp3player&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Japa Sadhana bei der Arbeit===&lt;br /&gt;
&amp;lt;mp3player&amp;gt;http://yoga-inspirationen.podspot.de/files/730-Japa-Sadhana-bei-der-Arbeit.MP3&amp;lt;/mp3player&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sadhana – Hindernisse überwinden===&lt;br /&gt;
&amp;lt;mp3player&amp;gt;http://yoga-inspirationen.podspot.de/files/271_Sadhana-Hindernisse_ueberwinden.MP3&amp;lt;/mp3player&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sadhana und Sinn des Lebens===&lt;br /&gt;
&amp;lt;mp3player&amp;gt;http://yoga-inspirationen.podspot.de/files/184_Sadhana-Sinn-des-Lebens.MP3&amp;lt;/mp3player&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Glossar]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artikel von Swami Sivananda]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Karli</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.yoga-vidya.de/index.php?title=Sadhana&amp;diff=39587</id>
		<title>Sadhana</title>
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		<updated>2012-12-30T13:02:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Karli: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Sadhana&#039;&#039;&#039; ([[Sanskrit]]: साधन sādhana &#039;&#039;n.&#039;&#039; und साधना sādhanā &#039;&#039;f.&#039;&#039;) spirituelle [[Praxis|Praktiken]]; geistige [[Übung]]en. Der männliche bzw. weibliche Übende von Sadhana heißt [[Sadhaka]] bzw. [[Sadhika]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==[[Swami Sivananda]] über Sadhana==&lt;br /&gt;
===&amp;quot;Sadhana-Kursus&amp;quot;, Auszug aus dem Buch &#039;&#039;Die Botschaft&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#Du musst imstande sein, drei Stunden hintereinander mit erhobenem Haupt in einer [[Asana]] zu verharren.&lt;br /&gt;
#Übe täglich eine halbe Stunde [[Pranayama]] (Atemkontrolle).&lt;br /&gt;
#Du musst um 4 Uhr morgens aufstehen und zuerst meditieren. Dann kannst du Asana und Pranayama üben. Das Wichtigste ist die &#039;&#039;&#039;Meditation&#039;&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
#Beginne mit einer bestimmten Meditation in irgendeiner Form, die dir am besten liegt. Fühle die innere Gegenwart in dieser Form und denke an die Eigenschaften der Reinheit, Vollkommenheit, alldurchdringenden [[Intelligenz]], [[Glückseligkeit]], Allmacht usw. Wenn die [[Gedanke]]n davonlaufen, bringe sie immer wieder zu diesem Punkt zurück. Meditiere noch einmal am Abend und halte die Übungen regelmäßig ein. &lt;br /&gt;
#Entwickle richtiges Denken, Fühlen, Handeln und Sprechen. &lt;br /&gt;
#Rotte die [[Laster]] aus, wie [[Zorn]], Sinnenlust, [[Gram]], [[Selbstsucht]], [[Hass]] usw.&lt;br /&gt;
#Halte die [[Indriya]]s (Sinnesorgane) im Zaum. Beachte das Gelübde des täglichen zweistündigen Schweigens. &lt;br /&gt;
#Entwickle [[Tugend]]en: [[Vergebung]], [[Dankbarkeit]], [[Liebe]], [[Freundlichkeit]], [[Geduld]], [[Beständigkeit]], [[Mut]], [[Wahrhaftigkeit]] usw. &lt;br /&gt;
#Führe regelmäßig ein geistiges [[Tagebuch]] und halte an der Praxis deiner geistigen Übungen fest, koste es , was es wolle.&lt;br /&gt;
#Schreibe dein Ischta-Mantra „[[Hari]] Om“ Shri [[Rama]]“ usw. täglich eine Stunde lang in dein Notizbuch und sende es mir am Ende jedes Monats zusammen mit dem geistigen Tagebuch.&lt;br /&gt;
#Werde ein reiner Vegetarier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;Zwanzig geistige Belehrungen&amp;quot;, Auszug aus dem Buch &#039;&#039;Die Botschaft&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#Stehe täglich um 4 Uhr morgens auf. Mache [[Japa]] und meditiere.&lt;br /&gt;
#Nimm sattwischen [[Ahara]],reine Nahrung, zu dir. Überlade nicht deinen Magen.&lt;br /&gt;
#Sitze im [[Padma]] oder [[Siddha Asana]] für Japa und [[Dhyana]] (Wiederholung eines Namens Gottes oder [[Mantra]]s und tiefe [[Meditation]]).&lt;br /&gt;
#Habe einen besonderen verschließbaren Raum für die Meditation.&lt;br /&gt;
#Übe [[Barmherzigkeit]]. Gib ein Zehntel deines Einkommens den Armen.&lt;br /&gt;
#Studiere systematisch ein Kapitel der [[Bhagavad Gita]] oder der [[Bibel]].&lt;br /&gt;
#Erhalte dir Virya (die sexuelle Energie oder Lebenskraft). Schlafe getrennt von anderen.&lt;br /&gt;
#Gib das Rauchen, den Genuss berauschender und rajasischer Nahrung auf.&lt;br /&gt;
#An Ekadashi Tagen (jeweils der 11. Tag des Halbmonats) faste oder lebe nur von Milch und Früchten.&lt;br /&gt;
#Übe [[Mauna]] (Schweigen), täglich zwei Stunden lang und außerdem während den Mahlzeiten.&lt;br /&gt;
#Sprich um jeden Preis die Wahrheit. Sprich wenig. &lt;br /&gt;
#Schränke deine [[Wunsch|Wünsche]] ein. Führe ein glückliches und zufriedenes [[Leben]].&lt;br /&gt;
#Verletze niemals die [[Gefühl]]e anderer. Sei freundlich zu allen. &lt;br /&gt;
#Denke über die Fehler nach, die du selbst gemacht hast. (Selbstanalyse) Mache dich nicht abhängig von Dienstboten. Verlasse dich auf dich selbst.&lt;br /&gt;
#Denke an Gott, sobald du erwachst und bevor du einschläfst.&lt;br /&gt;
#Habe immer eine [[Japa Mala]] (Rosenkranz) unter dem Kopfkissen oder in deiner Tasche.&lt;br /&gt;
#Nimm dir als Motto: „Einfach leben und edel denken.“&lt;br /&gt;
#Diene Sadhus, Sannyasins sowie den Armen und Kranken.&lt;br /&gt;
#Schreibe täglich in dein geistiges Tagebuch. Halte dich an diese deine [[Gewohnheit]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;Empfehlungen für die Praxis&amp;quot;, Auszug aus dem Buch &#039;&#039;Die Botschaft&#039;&#039;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
#Diene, liebe, gib, läutere dich, meditiere, verwirkliche.&lt;br /&gt;
#Passe dich an. Harmonisiere dich. &lt;br /&gt;
#Sei gut, tue Gutes. Sei freundlich und mitfühlend. Sei ehrlich und aufrichtig. Sei wahrhaftig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Struktur der Yoga-Sadhana===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für eine erfolgreiche Yogapraxis ist ethische [[Disziplin]] unentbehrlich. Ethische Disziplin bedeutet Führung eines guten Lebens. Die beiden moralischen Dreh- und Angelpunkte, die jeder [[Yoga]]-Übende in sein tägliches Leben einbinden sollte, sind [[Yama]] und [[Niyama]]. Sie sind etwa vergleichbar mit den zehn Geboten des Christentums oder dem achtfachen Pfad [[Buddha]]s. Die [[Tugend]]en des Yama sind Gewaltlosigkeit ([[Ahimsa]]), Wahrhaftigkeit ([[Satya]]), Nichtstehlen ([[Asteya]]), Mäßigkeit ([[Brahmacharya]]) und Begierdelosigkeit ([[Aparigraha]]). Innere und äußere Reinheit ([[Saucha]]), Zufriedenheit ([[Santosha]]), Askese ([[Tapas]]), Studium religiöser und philosophischer Literatur ([[Swadhyaya]]) und Hingabe an Gott ([[Ishwarapranidhana]]) sind die Gebote des Niyama. Yama und Niyama bilden die Grundpfeiler der Yoga-[[Philosophie]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber allen anderen Tugenden hat die Gewaltlosigkeit absoluten Vorrang. Es gilt, diese Regel gegenüber allen lebenden Kreaturen gedanklich, sprachlich und hinsichtlich deiner Handlungen (Ahisma) einzuhalten. Die Tugend der Gewaltlosigkeit besitzt oberste Priorität, auch, weil sie eine Grundlage der folgenden Regeln darstellt. Die Ausübung von universeller Liebe und Brüderlichkeit ist ein essentieller Teil der Gewaltlosigkeit. Ebenfalls forsche Worte und unfreundliche Blicke gilt es zu unterbinden. Der Praktizierende muss guten Willen und Freundlichkeit zeigen, wie auch Respekt gegenüber allem Leben. Er sollte immer daran denken, dass den Herzen aller Wesen ein universelles [[Selbst]] entspringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tugend der Wahrhaftigkeit (Satya) ist direkt an Ahimsa angegliedert. Auch hier ist wichtig, dass sich Gedanken, Worte und Taten auf einer Ebene befinden. Nur Menschen, die frei von egoistischen Eigenschaften sind, können die Tugend der Wahrhaftigkeit umsetzen. Die Wahrheit kann nur schwer ans [[Licht]] treten, wenn die Tat nicht von einem reinen Motiv begleitet wird. Das Wort eines [[Yogi]]s sollte ein Segen für andere sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin spielt das Gebot des Nicht-Stehlens eine Rolle im Yama. Es fordert den Praktizierenden auf, aus tiefstem Herzen mit dem zufrieden zu sein, was er besitzt. Das Gesetz des Karmas ist unerbittlich. Jeder muss für seine unrichtigen Handlungen einstehen. Aktionen und Reaktionen sind gleichrangig und bedingen sich gegenseitig. Ebenfalls zum Stehlen zählt die Anhäufung von Reichtum. Der gesamte Reichtum aller drei Welten ist Eigentum Gottes. Du selbst bist nur ein kleiner Bestandteil dieses Wohlstandes. Teile mit allen, was Dir gehört und gib voller [[Nächstenliebe]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vierte Tugend ist die [[Mäßigkeit]] (oder auch Enthaltsamkeit). [[Brahmacharya]] ist der Grundbaustein für das Leben im [[Atman]]. Die Enthaltsamkeit ist eine geladene Waffe im unerbitterlichen Kampf gegen innere Monster. Hierzu zählt unter anderem [[Leidenschaft]], [[Gier]], [[Zorn]], [[Geiz]], [[Heuchelei]]. Ein gemäßigtes Leben führt dich zu andauernder [[Freude]] und [[Glückseligkeit]]. Du wirst [[Energie]], einen klaren [[Kopf]], [[Willensstärke]], klaren [[Verstand]], ein gutes [[Gedächtnis]] und Forschergeist haben ([[Vichara Shakti]]) .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziel ist ein tiefes und bewusstes Dasein und ein ruhiger, entspannter Geist. Dies beinhaltet, dich selbst für eine höhere [[Spiritualität]] zu öffnen. Die göttliche Gegenwart und Führung zu spüren. &amp;quot;Fix your mind at the lotus-feet of the Lord.&amp;quot; Vernakere deinen Geist an den Lotus-Füßen Gottes. Sei wie ein Kind. Spreche frei und unbefangen zu [[Krishna]] und sei absolut aufrichtig. Verstecke deine Gedanken nicht. Es wird dir nicht gelingen, denn Gott ist der innere Herrscher. Er beobachtet all deine Gedanken. Bete um [[Gnade]], Licht, Reinheit, [[Stärke]], [[Frieden]] und [[Erkenntnis]]. Du wirst sie ganz sicher erlangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Yoga-Übender sollte nicht geizig sein. Er sollte von niemanden luxuriöse Geschenke annehmen. Geschenke beeinträchtigen den Geist des Empfängers. Der Yogi sollte diese fünf Gebote in seinem Herzen tragen und in Gedanken, Worten und Taten umsetzen. Sie sind nicht nur Gebote, sie beeinflussen auch den Charakter des Übenden, indem sie ihm innere Stärke und Reinheit verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Dinge sind notwendig, um eine erfolgreiche Kontrolle über den Geistes zu erlangen, die Yogapraxis ([[Abhyasa]]) und Leidenschaftslosigkeit ([[Vairagya]]). Versuche dein Bestes, dich von jeglichem Verlangen und Vergnügen, sichtbar oder unsichtbar, zu befreien. Dies kannst du erreichen, indem du dir das schlechte in diesen Dingen ständig vor Augen führst. Leidenschaftslosigkeit bedeutet die Entsagung dessen, was es zu erreichen gilt. Es ist die Entsagung sinnlicher Genüsse im Dies- und Jenseits.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt zwei Arten von Leidenschaftslosigkeit oder Ablösung – die Niedrige und die Höhere. [[Vijnana Bhikshu]] unterscheidet zwischen unter- und übergeordneten Typen der Vairagya: Der erstere ist ein Widerstehen der schönen Dinge im Leben, hier und im Jenseits, denn diese können nicht ohne Probleme erlangt und erhalten werden. Ihr Verlust kann [[Schmerz]] verursachen und das Streben nach ihnen ist nie frei von egoistischen Gefühlen. Der zweite Typ jedoch, basiert auf der klaren Erkenntnis des Unterschiedes zwischen der Intelligenz und den Gegenständen die in ihrem Licht erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt verschiedene Stadien der Entsagung. Der Entschluss, sich von allen Arten sinnlicher Objekte zu distanzieren ist das erste Stadium. Im zweiten Schritt verlieren bestimmte dingliche Objekte ihren Charme in den Augen des Praktizierenden. Derjenige strebt außerdem danach, dass anderen Menschen eine gleiche Leidenschaftslosigkeit gegenüber der dinglichen Welt erfahren. Im Dritten Stadium unterliegen die Sinne des Yogis seiner Kontrolle. Allerdings verspürt der Praktizierende nach wie vor eine leichte Sehnsucht nach sinnlichen Freuden. Im vierten Stadium verliert der [[Yogi]] komplett sein Interesse an allen externen Objekten. Das finale Stadium ist jenes mit dem höchsten Maß an Leidenschaftslosigkeit. Es ist diese Art der Entsagung, die dem Yogi einen Zustand der absoluten Unabhängigkeit versetzt. Auf diesem Level verzichtet der Praktizierende auf alle Arten psychischer Kräfte. Hierin ist sogar die Allwissenheit eingeschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob man in der Lage ist, in geistige Distanz von externen Objekten zu treten, hängt stark von der Fähigkeit zur Entsagung jedes einzelnen ab. Bloße Gleichgültigkeit wird diesem Zweck nicht dienen. Weiterhin ist es notwendig zu üben. Hierzu zählt auch, dass man Gott stets in seine Gedanken einschließt. [[Krishna]] sagt zu [[Arjuna]] (er bezieht sich auf die Praxis der Kontrolle des Geistes): &amp;quot;Verbanne ohne zu zögern all deine Wünsche, die dir die Vorstellungskraft deines Geistes zeigt und die überall von deinen Sinnen wahrgenommen werden. Lass den Geist nach und nach ruhiger werden, kontrtolliere deinen Verstand immer wieder. Lasse deinen Geist im Selbst verweilen. Lass ihn über nichts nachdenken. Immer wenn dein bewegter und unruhiger Geist sich von dir wegbewegt, fange ihn wieder ein, lasse das Selbst ihn kontrollieren.&amp;quot;(Bhagavad Gita, Ch. VI-24, 25, 26) Man kann einen in sich ruhenden Geist erlangen, indem man das gesamte Verlangen nach materiellen Objekten einstellt und mittels Vernunft und Stetigkeit den Zustand des Geistes mehrseitig schult und ihn nicht in Gedanken verfallen lässt. Der ruhelose Geist sollte so häufig gereinigt werden, wie er in Unruhe verfällt, nur so kann [[Selbstbeherrschung]] stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Geist wird geleitet durch das Verlangen nach externen Objekten. Wenn man sich selbst von der Illusion sinnlicher Objekte überzeugt, indem man ihre Natur genauer erforscht und eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber weltlichen Dingen entwickelt, kann der Geist gebändigt werden um schließlich beim Selbst zu verweilen. Der Wert dieser Yogapraxis liegt darin, dass die Seele des Übenden Frieden im Selbst findet. Die Yogapraxis wird ausgeübt indem man ein und denselben Gedanken immer wieder rezitiert. Durch konstante gedankliche Wiederholung wird die  [[Willenskraft]] gestärkt. Die rezitierten Worte werden an das Unterbewusstsein weitergeleitet. Damit suggeriert man dem Unterbewussten nicht nach Vergnügungen im Außen zu suchen, sondern sich auf das Unveränderliche im Inneren einzustimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übe dich in [[Wachsamkeit]]. Wenn du merkst, dass dein Geist sich sinnlichen Objekten hingibt, finde neue Möglichkeiten der Bedeutungsfindung und Interpretation. Verhilf deinem Geist dazu, seine Einstellung gegenüber diesen Dingen zu ändern, so dass er sich diesen schließlich vollständig entziehen kann. Dies bezeichnet man als Praxis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Haupteigenschaft des Geistes in der erwachenden Phase ist, ein Objekt verinnerlicht zu haben, mit dessen Hilfe er erwachen kann. Er kann nie ganz leer bleiben. Er kann sich stattdessen auf eine bestimmte Sache zu einem Zeitpunkt konzentrieren. Die Gedanken, die ihm innewohnen ändern sich stets, dies macht den Geist rastlos. Sein Charakter ist ungestüm, stark und kann nur schwer gezügelt werden. Aus diesem Grund sagt [[Patanjali]] Maharshi, die Praxis müsse unbeirrt und ständig vollzogen werden, begleitet von unerschütterlichem Glaube and ihre regenerierende und belebende Wirkung. Daher solltest du in keiner Phase deiner Praxis Nachlässigkeit zeigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess der [[Entsagung]] wird nicht an einem Tag vollzogen. Es bedarf einer andauernden und kontinuierlichen Praxis, die von Eifer und Enthusiasmus begleitet wird. Der Fortschritt im [[Yoga]] geht nur graduell vonstatten. Viele Menschen unterbrechen nach einer gewissen Zeit ihre Praxis, weil sie keine Fortschritte ihrer psychischen Kräfte bemerken. Sie werden ungeduldig. Sie tun wenig und erwarten viel. Das ist nicht gut. Wird die Praxis nur unregelmäßig vollzogen, trägt sie am Ende nicht die gewünschten Früchte. Direkte Erfahrung ist das zentrale Ziel im Leben. Auch wenn die Yogapraxis zu Anfang sehr beschwerlich sein kann, bringt sie schließlich höchste Freude. Krishna sagt zu Arjuna: „Höchste Freude wird derjenige Yogi erlangen, dessen Geist friedlich, dessen leidenschaftliche Natur unter Kontrolle ist, welcher frei von Sünde ist, und derjenige, dessen Natur dem Ewigen entspringt!“ ([[Bhagavad Gita]], Ch. VI-27)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Einzig der Geist des Menschen ist Ursache für Unfreiheit oder Befreiung, verloren im Genuss, führt es zur Gefangenschaft; frei von Leidenschaften, führt er zur Befreiung. Ist der Geist einmal befreit von der materiellen Welt, muss der Praktizierende stets darauf bedacht sein, materielle Gedanken aus zu verbannen, um nicht in die alten Zwänge zurückzufallen. Wenn sich der Geist nicht in Verbindung mit materiellen Objekten befindet, sondern mit dem Herzen, ist er in einem Zustand der Ekstase. Dann, so heißt es, habe er seinen Höhepunkt erreicht. Man sollte den Verstand davon abhalten zu funktionieren, bis er vollkommen im Herzen aufgegangen ist, das ist Gnosis, der Rest ist reine [[Konzentration]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Verlangen kann beschrieben werden als Sehnsucht nach Dingen, die eine große Herrschaft über den Geist erlangt und, die sogar die Suche nach Ursache und Wirkungen von Dingen zu unterbinden vermag. Der Mensch ist das, womit er sich selbst identifiziert, durch den Zwang einer starken und tiefen Bindung und den Verlust der Erinnerung an alles andere. Da der Mensch, der durch sein Verlangen angetrieben wird, sein Auge auf alles Materielle wirft, beginnt er, dieses Objekt für das einzig Wahre zu halten. Der Mensch verliert die Kontrolle und sieht alles hinter einem täuschenden Schleier, vergleichbar mit einem starken Rauschmittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verlangen entsteht aus Unwissenheit ([[Avidya]]). Bindung, Sehnsucht und Vorliebe sind Bestandteile des Verlangens. Bemühe dich nicht, deinem Verlangen nachzugehen. Versuche stattdessen, es so weit wie möglich zu reduzieren. Die Sehnsucht nach Befriedigung der materiellen Sehnsüchte ist der Treibstoff des Verlangens, der entzogen werden sollte. Das Feuer des Verlangens wird so von selbst erlöschen. Wie eine Lampe, die kein Öl mehr hat, erlischt, so erlischt ein Feuer ohne Brennstoff. Wenn die Sehnsucht nach Objekten unterbunden wurde, wird das Verlangen von selbst vergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein Mensch versucht, etwas zu bekommen, begeht er Sünden und verletzt seine Mitmenschen. Als Folge muss er die Früchte seiner Handlungen ernten und  wird wieder und wieder Bestandteil des Kreislaufes von Leben und Tod sein. Erhöht sich die Anzahl der begehrten Objekte um nur eins, so wächst das Verlangen nach ihnen um das zehnfache. Je mehr weltliche Objekte du besitzt, desto größer ist die Distanz zu Gott. Der Geist wird immer unruhig sein und sich damit beschäftigen, wie er mehr Sachen bekommen und behalten kann, beispielsweise, wie er eine große Menge an Geld anhäufen und sparen kann. Wenn die erwobenen Objekte verlorengehen, ist deine Seele aufgebracht. Sorgen, Ängste und andere Arten seelischer Probleme wachsen mit der Anzahl von Objekten, mit denen man sich umgibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Befreie dich von der Tyrannei des Geistes, die dich so lange gnadenlos unterdrückt hat. Du hast deinem Geist erlaubt, sich auf sinnliche Freuden zu berufen und seine eigenen Wege zu gehen. Nun ist die Zeit gekommen, ihn zu zügeln wie ein wildes Pferd. Halte durch und sei geduldig. Übe täglich Meditation und die Zurückhaltung deiner Gedanken. Am Anfang könnte diese Aufgabe schwierig sein, ja sogar widerwärtig und ermüdend erscheinen, am Ende jedoch steht ein riesiger Erfolg. Du wirst Unsterblichkeit, höchste [[Freude]], ewigen [[Frieden]] und unendliche Glückseligkeit erlangen. Es ist ein lohnender Schritt. Aber sei auf der Hut. Wenn dir dein Wunsch ernst ist, und du gehst deinen Weg mit starkem Geist, dann wird nichts auf der Welt unmöglich sein. Nichts wird dich aufhalten können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand deines geistigen Zustandes, deiner Gefühle und deines Verhaltens kannst du die Natur deiner Handlungen in deinen früheren Leben sehr gut verstehen. Du kannst den Folgen schlechter Handlungen durch gute Taten, also [[Tapas]], [[Disziplin]] und [[Meditation]], entgegenstehen. Versuche, ein Leben ohne Verhaftungen zu führen. Diszipliniere deinen Geist mit Sorgfalt. Es gibt niemanden, der frei von [[Schmerz]]en, [[Krankheit]]en, [[Problem]]en und Schwierigkeiten ist. Gib deiner unruhigen [[Seele]] Rast. Dann wirst nur du die Stärke finden, den Problemen des Lebens ins Antlitz zu schauen. Dann wirst nur du ein ausgeglichenes [[Leben]] führen. Nur du wirst nicht beeinträchtigt sein durch morbide äußere Einflüsse und ungleichförmige Vibrationen. Regelmäßige Meditation am Morgen wird dir Freude, Glückseligkeit und innere [[Stärke]] verleihen. Übe Meditation. Erfahre, auch wenn die äußeren Umstände ungünstig sind, Glückseligkeit und Freude. Du wirst Stück für Stück spirituell wachsen und deine [[Selbstverwirklichung]] erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sri Swami Chidananda über Sadhana==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strahlender und unsterblicher atman (das Selbst, die Seele)! Geliebte und gesegnete Kinder Gottes, jijnasus und mumukshus! Ein jijnasu ist jemand auf der Suche nach Wahrheit – jnana. Ein mumukshu ist jemand, der sehnlich nach Befreiung,  moksha, strebt. Mit dieser Suche, der Sehnsucht nach Wahrheit, dem Strebem nach Wahrheit, und zwar Wahrheit über den Sinn des Lebens und wie man dies erfolgreich umsetzt, über dharma (Ethik, Moral, Pflicht) und adhyatma (was diese Pflicht auf das Selbst bezogen bedeutet). Durch sravana (hören) und durch satsanga (das Treffen von Menschen unter Leitung eines Gurus) möchte man sich das Wissen aneignen, das einem helfen kann, das eigene Leben wirksamer und erfolgreicher zu gestalten. Daher bist Du ein jijnasu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du möchtest dieses Wissen, weil Dir gesagt wurde und Du das auch glaubst, dass solch ein Wissen Dir helfen könnte, Befreiung von Schmerz, Kummer, Leiden, Angst und Furcht zu erreichen – von all den unangenehmen, negativen Erfahrungen, denen ein Mensch im Laufe eines Erdenlebens ausgesetzt ist. Während dieser Lebensspanne ist man sowohl Leid als auch Freude unterworfen, Schmerz und Vergnügen, Kummer und Glückseligkeit. Während jeder Freude, Vergnügen und Glückseligkeit möchte und danach strebt, möchte niemand Leid, Schmerz und Kummer. Der Mensch sucht nach Befreiung von diesen unerwünschten, schmerzhaften Erfahrungen, die ihm Leiden bescheren. Gleichzeitig sucht der Mensch aber, all die positiven, angenehmen Erfahrungen zu erlangen: sukha (Freude), ananda (Wonne), santi (Frieden), tripti und santosha (Zufriedenheit), Trost, Bequemlichkeit,  Glück und Vergnügen.  Und in dem Glauben, dass das Wissen, welches Du Dir hier aneignen kannst, Dir helfen kann bei Deinem zentralen Streben, nämlich Befreiung zu erlangen von allem, was schmerzhaft und unerwünscht ist, bist Du hierher gekommen. Weil Anleitung, Führung, Inspiration, Studium und Einkehr Dir helfen können. Daher seid Ihr mumukshus. Ihr seid sadhakas (jemand, der spirituelle Praktiken ausführt), ihr bemüht euch sehr aktiv um sadhana (spirituelle Praxis).&lt;br /&gt;
Als solche wollt Ihr wissen, wie Ihr Euer sadhana verbessern könnt, auch die Konzentration, wie Ihr vikshepa (Zerstreutheit des Geistes) überwinden könnt. Nun, in der Absicht, die Bedürfnisse der sadhakas, jijnasus, mumukshus und satsangas wie Ihr zu erfüllen, hat Gurudev vor langem entschieden, ein praktisches Handbuch bereitzustellen, das alle nötigen Informationen über ein spirituelles Leben, Yoga und sadhana enthält. So dass diejenigen, die sich leidenschaftlich nach einem Leben des sadhana sehnen, alles Wesentliche, alle nötigen Bestandteile finden, um unverzüglich ein Leben des sadhana beginnen zu können, um sofort ein zweckmäßiges, spirituelles Leben leben zu können, erfüllt von täglicher, spiritueller Praxis. &lt;br /&gt;
Gurudev wollte nichts auslassen, alles sollte inbegriffen sein. Und dieses kompakte Handbuch gibt daher die Essenz aller Yogapfade – Hatha Yoga, Karma Yoga, Bhakti Yoga, Raja Yoga, Jnana Yoga, Japa Yoga, Laya Yoga usw. Und es gibt unschätzbare praktische Anweisungen und Tips, wie man sadhana erfolgreich fortführen kann – wie man es plant, wie man sich den Tag einteilt vom Morgen bis zur Nacht, welche Zeit man für welches sadhana einteilt, wie man es sorgsam auf systematische Weise aufbaut. Und dann natürlich, wie man das alles überwachen kann und auf einen Blick in der Lage ist zu wissen, wie gut man vorankommt. Du kannst Dich dadurch selber regelmäßig überprüfen, Vorsätze und Entschlüsse fassen, um die Intensität des sadhana auf der gewünschten Ebene zu halten, damit es nicht erlahmt und verflacht.&lt;br /&gt;
Unser geliebter Gurudev hat für uns in diesem kompakten Handbuch alles bereitgestellt das nützlich, hilfreich und zweckdienlich für einen sadhaka ist. Und dieses Handbuch wird jedem neuen Mitglied der Divine Life Society bei der Registrierung überreicht als Teil des Paketes, das jedes Mitglied erhält. Dieses Paket hat den bedeutungsvollen Namen „sadhana set“, und der Name des Handbuches ist „Essence of Yoga“.&lt;br /&gt;
Der eigentliche Zweck einer Mitgliedschaft in der Divine Life Society ist, ein aktives, praktisches und fortschreitendes spirituelles Leben zu beginnen. Man muss alles über spirituelles sadhana wissen und über die Kernaussagen der verschiedenen Yoga-Arten. Wenn Du also mehr über sadhana wissen möchtest, besorge Dir dieses Buch und studiere es sorgfältig und eifrig. Du wirst Dich selbst, Deinen Geist und die feineren Aspekte des spirituellen Lebens und dem Geheimnis von yoga sadhana vestehen. Das Handbuch ist kurz und bündig gefasst – nicht in komplizierter Weise, sondern ganz präzise, kompakt und kurz und lässt keinen wesentlichen Punkt aus. Daher rüste Dich aus mit dem Wissen über richtiges sadhana und mache Fortschritte auf diesem Weg!&lt;br /&gt;
Sadhana leitet all Deine Aktivitäten hin zu der höchsten Erfahrung der Wirklichkeit – sat-darshana (erfahren des Seins).&lt;br /&gt;
Das höchste Ziel von sadhana ist sat-darshana, und dafür beten wir immer: asato ma sat gamaya. Wir wissen, dass wir hier mitten unter flüchtigen und vorübergehenden Wirklichkeiten leben, und dass dies alles ist, das wir wissen. Seit der Geburt haben wir nur inmitten dieser veränderlichen Wirklichkeiten,  den sich stets ändernden Erscheinungen gelebt. Das ist unsere einzige Erfahrung, unser einziges Wissen. Aber uns wurde gesagt, dass es etwas Höheres gibt, etwas, das sich nicht verändert, das nitya (ewig) ist. Weil es nitya ist, ist es satya (wahr).  Deshalb wollen wir darshan (Schau) des sat (Seins). Dieses uralte Gebet lautet daher: führe uns von der Unwirklichkeit zur großen, ewigen Wirklichkeit, zur Kosmischen Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
Es ist sehr schwer zu glauben, dass das, was wir wahrnehmen, in dessen Mitte wir leben, was wir Tag für Tag erfahren, nicht die Wirklichkeit ist; wohingegen das, was wir nie wahrnehmen konnten, über das wir keine Kenntnis haben, was wir nie erfahren haben – weder hat die Nase es gerochen, noch die Augen haben es gesehen, die Hände es berührt, haben es die Ohren gehört oder die Zunge geschmeckt – das ist die Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
Daher wird Glauben (shradda) benötigt in die apta vakya (Worte einer vertrauenswürdigen Person), in die sruti vakya (Worte der Veden), in die guru vakya (Worte des Guru).  Denn die srutis, die Heiligen, die Weisen, Mystiker und weltlichen Lehrer und Dein eigener Guru  verfolgen keine eigennützigen Zwecke, sie haben keine Hintergedanken, sie haben nichts davon, Dich in die Irre zu leiten, Dir etwas zu erzählen, das nicht wahr ist. Sie haben keine eigennützigen Interessen, sie haben nichts zu gewinnen oder verlieren. Daher musst Du glauben.&lt;br /&gt;
Die srutis verkünden, was Deinem höchsten Wohlergehen nützlich und förderlich ist. Sie verkünden dies ohne irgendeine Motivation, ohne  Absicht, außer Dir zu nützen. Glaube daher die apta vakya, glaube an die sruti vakya und glaube an die guru vakya. Wenn also irgend etwas im ganzen menschlichen Universum vollständig selbstlos ist, dann sind es die srutis, die großen unsterblichen Lehrer, die alles erreicht haben, was erreicht werden kann, die all ihre Pflichtenn erfüllt haben, die alles getan haben, was getan werden muss. Ihre Herzen sind voll; sie haben keine Wünsche mehr. Solche Menschen können Dich nicht fehl leiten. Daher glaube,  habe Glauben, sraddha. &lt;br /&gt;
Du solltest nicht denken, dass eine logische und rationale Herangehensweise auf jeden Fall Glauben ausschließt, dass sie unvereinbar sind. – „Wir, die vernünftigen Leute, wollen wissen, wir wollen, dass alles überprüft und erwiesen wird - Glauben ist blind.“  Vor langer Zeit haben unsere Vorfahren eine super rationale Methode entdeckt, um der großen Wahrheit näher zu kommen. Es waren Menschen mit scharfsinnigem Verstand, leidenschaftlich und kühn, gründlich forschend und analytisch. Sie waren hundert mal logischer, vernünftiger und wissenschaftlicher vom Denken her als jeder von uns. Und trotzdem waren es diese jnanis, die vichara marga, jnanayoga und vedanta praktizierten, die sagten: „sraddhavan labhate jnanam (derjenige, der voller Glauben ist, erlangt Kenntnis).“  Sie verkündeten auch: wenn Du die Auslegungen der vedantischen Weisheiten hören möchtest, musst Du mit der Tugend des Glaubens und Vertrauens (sraddha) ausgerüstet sein.&lt;br /&gt;
Lese die „Essenz des Yoga“ inniglich und andachtsvoll. Swami Sivanandaji, mit seinem großen Herzen, hatte nur einen Wunsch, ein Ziel, nämlich Dein eigenes höchstes Wohlergehen, Deinen höchsten Nutzen. An Dich hat er gedacht, als er all diese großartige Literatur hervorbrachte. Er dachte nicht an sich selbst. Er dachte zuallererst an Dich, zweitens auch an Dich und drittens ebenso nur an Dich.  Er wollte sich Dir zu Nutze machen, er dachte an Dein Gedeihen, Deinen Erfolg im Leben. Er dachte an Dein Wohlergehen und Dein Glück. Daher mache mit Glauben und Hingabe einen aufrichtigen Versuch, die weisen Lehren von Gurudev Swami zu studieren. Das ist die beste Investition. Du kannst nichts Weiseres tun als dies.&lt;br /&gt;
Aber Du musst Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit besitzen; Du darfst nicht oberflächlich und leichtfertig sein, Du darfst nicht nur neugierig auf Yoga und  ein spirituelles Leben sein. Es sollte eine tiefe Ernsthaftigkeit da sein, das Wissen aufzusaugen und ein neues Leben zu beginnen, in die Praxis einzutauchen. Das ist das Notwendige. &lt;br /&gt;
Von  Gurudevs  verehrungswürdigen Lehren war sadhana  das wichtigste, das Leitmotiv. Sadhana ist das zentrale Thema all seiner Schriften. Er wollte, dass Du sadhana ganz aktiv in Deinem täglichen Leben lebst; er wollte, dass Du sadhana einen zentralen Platz einräumst. &lt;br /&gt;
Wie macht man sadhana? In welcher Weise  beginnt man damit? Welche hilfreichen Praktiken gibt es, um voranzukommen?  Um Dir dieses Wissen zu vermitteln, schrieb er mit großer Sorgfalt „20 wichtige spirituelle Anweisungen“. Sie wurden in alle indischen Sprachen übersetzt und haben sich über die ganze Welt ausgebreitet. Er hat auch „Sadhana Tattva“ zusammengestellt und produziert, die Wissenschaft der Sieben Kulturen, die eine sorgsam abgestufte Reihe von 32 Anweisungen enthält, die Gesundheit, Energie, Ethik, Willen, Herz, Psyche und Spiritualität abdecken. Er erarbeitete „Twenty Hints on Meditation“, Resolve Form, Daily Routine Timetable und das Spirituelle Tagebuch. Er hat die Essensz von all diesem im Universellen Gebet zusammengefasst. Und fast alles, das ich gerade erwähnt habe, findest Du in „Essence of Yoga“, welches Du nicht kaufen kannst, denn es wird nicht verkauft. Es wird nur an echte sadhakas weitergegeben, die ganz ernsthaft mit spirituellen Praktiken in ihrem Leben beginnen wollen.  &lt;br /&gt;
Daher, wenn Du wissen möchtest, wie man ein Leben des spirituellen sadhana lebt, kannst Du nichts Besseres machen als ein Mitglied der Divine Life Society zu werden und dieses Buch zu bekommen. Dann kannst Du beginnen, ein praktikables, spirituelles Leben auf systematische und wissenschaftliche Weise zu leben. Aus diesem Grunde kam und lebte Gurudev. Darum hinterließ er den Sivananda Ashram. Daher hinterließ er die Divine Life Society – damit Du spirituellen sadhana machen kannst, damit Du Dich auf Gott zubewegen kannst. Suche das Unsterbliche und sei gesegnet!&lt;br /&gt;
Was bedeutet die Mitgliedschaft in der Divine Life Society? Ein Mitglied ist ein sadhaka, der sich der spirituellen Praxis mit dem aufrichtigem Wunsche verpflichtet, mit der tiefer Sehnsucht, sein Leben zu verbessern, seine Handlungen zu spiritualisieren, auf yogische Weise zu leben, so dass das ganze Leben ein Prozess des stufenweisen Anstiegs zum höchsten Ziel ist. &lt;br /&gt;
Überdenke diesen Aspekt Deiner Persönlichkeit gut und prüfe, ob Du fest gegründet bist in dieser großen Sehnsucht, in diesem großen Ideal, ein sadhaka zu sein. Wäge gut ab und prüfe, ob Du all die Qualifikationen eines sadhakas erfüllst, ob Du Tag für Tag diese Qualifikationen verbesserst und ein wahrer mumukshu, ein wahrer jijnasu wirst. Schau, ob Du einer wirst, der fest auf yama (5 ethische Regeln für das Leben in der Gemeinschaft) und niyama (5 ethische Regeln für das Privatleben), viveka (Unterscheidungskraft), vairagya (Wunschlosigkeit, Verhaftungslosigkeit), in den shat-sampat (6 edle Tugenden) und mumukshutva (Wunsch nach Befreiung) gegründet  ist. Und schaue, ob Du fest gegründet bist in all diesen wichtigen Aspekten des vorbereitenden sadhana. Analysiere beständig Dein Leben.  Sei davon so in Anspruch genommen, dass Du keine Zeit hast für anderweitiges Denken und Handeln. Das ist so, weil Du ernsthaft bist, aufrichtig und ehrlich, Du konzentrierst Dich auf Deine wichtigste Berufung: Dein spirituelles sadhana.&lt;br /&gt;
Es ist solche eine Einstellung der Ehrlichkeit, Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit, die Früchte trägt. Letztendlich wird es Dir höchsten Segen bringen, es wird Dein Leben mit der Verwirklichung von Frieden, Glückseligkeit, Furchtlosigkeit und Freiheit krönen. Das ist der Zweck, das ist das Ziel von sadhana. Sei daher ein aufrichtiger, erfahrener sadhaka. Verbessere Dich von Tag zu Tag. Immer mehr in Richtug Perfektion.&lt;br /&gt;
Möge Gurudevs kostbarster Segen mit Dir sein in diesem großen Abenteuer! Möge Gottes Gnade Dir stetigen und ungehinderten Fortschritt, Erfüllung und Erfolg in Deinem sadhana gewähren! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Siehe auch==&lt;br /&gt;
* [[Sadhana Chatushtaya]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [https://www.yoga-vidya.de/shop/product_info.php?info=p62_Sadhana---Ein-Lehrbuch-mit-Techniken-zur-spirit--Vollkommenheit// Sadhana - Ein Lehrbuch mit Techniken zur spirituellen Vollkommenheit von Swami Sivananda]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [https://www.yoga-vidya.de/ Offizielle Homepage von Yoga Vidya]&lt;br /&gt;
* [http://www.sivananda.org/ Divine Life Society - Sivananda Ashram]&lt;br /&gt;
* [http://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/Art-Artikel/art_sadhana.html &amp;quot;Sadhana&amp;quot; aus &#039;&#039;Göttliche Erkenntnis&#039;&#039; von Swami Sivananda]&lt;br /&gt;
* [https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/sivananda/sadhana/ &#039;&#039;Sadhana&#039;&#039; von Swami Sivananda]&lt;br /&gt;
* [https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/vishnu-devananda/der-yogi/sadhana-tattwa/ &amp;quot;Sadhana Tattwa&amp;quot; aus &#039;&#039;Der Yogi&#039;&#039; von Swami Vishnu-Devananda]&lt;br /&gt;
* [http://www.yoga-vidya.de/de/service/blog/vorbereitung-und-tipps-fur-ein-erfolgreiches-sadhana/ Vorbereitung und Tipps für ein erfolgreiches Sadhana]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Seminare==&lt;br /&gt;
* [https://www.yoga-vidya.de/ausbildung-weiterbildung/yogalehrer-weiterbildung/spirituelle-persoenliche-entwicklung/sadhana-intensiv-fortgeschrittene-praxis-fuer-den-erfahrenen-uebenden/ Sadhana Intensiv - Fortgeschrittene Praxis für den erfahrenen Übenden]&lt;br /&gt;
* [https://www.yoga-vidya.de/seminare/stichwortsuche/ Seminare zum Thema &amp;quot;Sadhana Intensiv&amp;quot;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Videos==&lt;br /&gt;
=== Sadhana, der spirituelle Weg ===&lt;br /&gt;
{{#ev:youtube|bdIdGDFmOmE}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Multimedia ==&lt;br /&gt;
=== Paradoxien auf dem spirituellen Weg, Spirituelle Entwicklung ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;mp3player&amp;gt;http://sukadev.podspot.de/files/16_Spirituelles_Retreat_Fr_8h_Paradoxien_Vairagya.mp3&amp;lt;/mp3player&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Japa Sadhana bei der Arbeit===&lt;br /&gt;
&amp;lt;mp3player&amp;gt;http://yoga-inspirationen.podspot.de/files/730-Japa-Sadhana-bei-der-Arbeit.MP3&amp;lt;/mp3player&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sadhana – Hindernisse überwinden===&lt;br /&gt;
&amp;lt;mp3player&amp;gt;http://yoga-inspirationen.podspot.de/files/271_Sadhana-Hindernisse_ueberwinden.MP3&amp;lt;/mp3player&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sadhana und Sinn des Lebens===&lt;br /&gt;
&amp;lt;mp3player&amp;gt;http://yoga-inspirationen.podspot.de/files/184_Sadhana-Sinn-des-Lebens.MP3&amp;lt;/mp3player&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Glossar]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artikel von Swami Sivananda]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Karli</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.yoga-vidya.de/index.php?title=Sch%C3%BCler&amp;diff=39570</id>
		<title>Schüler</title>
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		<updated>2012-12-30T12:03:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Karli: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Swami Venkatesananda über Schülerschaft==&lt;br /&gt;
Sri [[Swami Venkatesananda]], *29.12.1921 in [[Tanjore]], [[Südindien]], †2.12.1982 in Johannesburg, Südafrika, war ein Schüler von Swami Sivananda. Einige Jahrzehnte lebte er mit dem Meister - und beobachtete, wie Swami Sivananda seine Schüler ausbildete. In einem Divine Life Magazine der [http://www.sivanandaonline.org Divine Life Society] schrieb er unteren Artikel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Meister und Schüler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen [[Buch|Büchern]] hat [[Swami]]ji das Wesentliche des traditionellen [[Lehre]]ns vermittelt, und in diesen [[Unterweisung]]en hat er die geheime [[Botschaft]] preisgegeben, wie man mit der [[Wahrheit ]] in [[Verbindung]] bleiben kann und wie man sie zu einem ganzheitlichen Aspekt seines [[Leben]]s machen kann. Er verkörperte dieses Lehren.  Zum  Beispiel, obwohl sein ganzes Leben im wahrsten [[Sinn]]e des [[Wort]]es aus [[Karma Yoga]] bestand, waren seine Schriften zu Karma Yoga sehr spärlich. Obwohl er nicht viel unterrichtete, waren die wenigen Worte der Unterweisung, die seine Schüler von ihm hörten, unvergesslich. Er selbst war meistens die lebendige Wahrheit.  Durch seine Taten sprach er lauter als durch einen  Lautsprecher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erleuchtete [[Guru]] kann seine wesentlichen [[Erfahrung]]en nicht in Worte fassen. Was niedergeschrieben wurde oder was in Worten ausgedrückt wurde,  ist nur ein Bruchstück der Erfahrung des Weisen. Da ist etwas, das er erfahren hat, das unaussprechlich ist. Sogar der kleine Teil, den er ausdrücken kann, geht bei der Übermittlung verloren, da der Schüler nicht achtsam ist. Daher hat Swamiji nur selten die Zuhörer aufgefordert, eigene Notizen zu machen, sondern sie sollten den [[Dialog]] oder die Unterhaltung hinterher aufschreiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kommunikation]] ist fast immer non-verbal. Oft hat man gemerkt, dass ein hoch inspirierender Dialog, wenn er schnell niedergeschrieben wurde, nicht mehr so inspirierend war, weil Swamijis „hm“, ein Lächeln und ein Ausdruck von Gesicht und Augen eine gewaltige Wirkung und [[Bedeutung]] hatten. In diesem Bereich fand die Kommunikation statt! Kommunikation kann nur stattfinden, wenn Meister und Schüler miteinander verschmelzen, wenn sie auf der gleichen Ebene und Wellenlänge sind. Dann wird die Lehre aufgenommen, ohne dass ein Wort nötig wäre. In den [[Katha Upanishad]] heißt es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uttishtata jagrata prapya varan nibodhata. (Arise, awake, be vigilant; then approach a great master and attain enlightment = erhebe Dich, erwache,  sei achtsam; dann trete an einen großen Meister heran und erlange [[Erleuchtung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erheben und Erwachen sind Sache des Schülers und nicht des Meisters; aber Swamiji wich von dieser Regel ab und gewährte auch [[Mensch]]en Zugang zum Ashram, die nicht all diese Qualifikationen aufwiesen. Er verbarg die spirituelle Weisheit nicht – sie war da, öffentlich – und er stellte sie nicht zur Schau. Das war ein außergewöhnlicher Wesenszug an ihm.  Viele Swamis und [[Yogi]]s würden auf eine einfache Frage wie „Kann man im [[Winter]] im [[Ganges]] baden?“  eine lange Rede über [[Vedanta]] halten: „Du bist nicht der [[Körper]], Du bist nicht der [[Geist]]. Du bist das unsterbliche [[Selbst]]. Es ist nicht das unsterbliche Selbst, das die [[Kälte]] spürt, es sind Körper und Geist, die die Kälte fühlen!“ Swamiji sprach nie so. If at all, he erred on the other side. Er war mehr an dem körperlichen und intellektuellen Wohlergehen der [[Aspirant]]en interessiert, anstatt bei jedem Husten oder Niesen jedesmal irgendwelche religiösen Anweisungen auszusprechen. Er wartete darauf, dass der Aspirant eine spirituelle Frage stellt, und wenn der Fragende eifrig und begeistert war, kommunizierte er Wissen auf unerklärliche Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals war es für Heilige [[Tradition]], sich in einer [[Höhle]] zu verbergen und zu warten, bis ein qualifizierter Aspirant sich nähern würde. Ein Aspirant, der schon ein inneres Erwachen erfahren hatte, der aufmerksam und begeistert war und der unter Einsatz von viel [[Kraft]] und [[Zeit]] sich die Mühe gemacht hat, zu ihm zu gelangen, um den Heiligen um Unterweisung zu bitten. Im Großen und Ganzen übernahm Swami Sivananda diese Tradition, indem er „seine Weisheit unter einem großen Mantel verbarg“. Die Menschen, die zu ihm kamen,  erinnerten sich an seine [[Zuneigung]] und [[Liebe]] und seine großen [[Sorge]] um ihr körperliches und materielles Wohlergehen. Dies waren seine Hauptsorgen – Weisheit oder atma jnana kamen zu ihrer [[Zeit]]. Wenn aber ein Schüler in vollkommener [[Hingabe]] und Liebe mit ihm verschmolz, konnte non-verbale Kommunikation sehr leicht geschehen. Dies war sein [[Geheimnis]]. Denn er hatte erkannt, dass keine mündlichen Unterweisungen irgendwie fruchten würden, solange der Aspirant nicht Weisheit, Leidenschaftslosigkeit, edle und tugendhafte Eigenschaften und ein beständiges Streben nach [[Befreiung]] hat – und somit die non-verbale Kommunikation unmöglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Schülerschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Leute in der Anfangszeit nach [[Rishikesh]] kamen, fanden sie [[Swami Sivananda]], wie er [[Glückseligkeit]], Frieden und [[Freude]] verströmte, obwohl all die Dinge fehlten, von denen man denkt, dass sie für Frieden, Freude und Wohlstand  nötig sind. Es gab absolut nichts. Unter solchen Umständen lebend verströmte er trotzdem Freude. Wie konnte er so leben? Der Blick in seinen [[Auge]]n verriet, das er die Wahrheit gefunden hatte. Wenn man in seine Augen schaute erkannte man, dass er die Wahrheit gefunden hatte und man selber nicht.  Das allein machte demütig und man warf sich nieder zu seinen [[Fuß|Füß]]en. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang 1947 saß Swami Sivananda in seinem Büro. Ein junger [[Mann]] aus [[Südafrika]], der im Ashram für 2 oder 3 Monate gelebt hatte, musste an diesem [[Tag]] abreisen. Er trat ein, fiel vor Swami Sivananda auf die [[Knie]] und begann zu weinen. Mit höchster Liebe und Zuneigung schaute Swamiji ihn an. Der junge Mann sagte: „Swamiji, ich muss heute abreisen. Aber wo in [[Afrika]] werde ich einen [[Meister]] wie Dich finden?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich veränderte sich Swamijis Gesichtsausdruck, und mit einem unheimlich schönen, vielsagenden und verschmitztem Lächeln sagte er: „Hm, Du findest keinen Meister in Afrika?“ In diesem Moment verschwand der Kummer des jungen Mannes und seine Tränen trockneten. Swamiji lachte, blickte ihn fest an und sagte: „Es ist sehr leicht, einen Meister zu finden, aber es ist schwer, einen Schüler zu finden. Sei ein Schüler! Vom Scheitel bis zur Sohle sei ein Schüler! Dann wirst Du einen Meister finden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji sagte niemals „Ich bin Dein Meister“. Manchmal pflegte er zu sagen „Du bist mein Schüler“  oder „er ist mein Schüler“. Seinen ersten Schülern schrieb er: „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen, ich werde Dir dienen und Dich leiten.“ Wenn er sagte „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen“, dachten die Schüler, sie dürften Swamiji in Anspruch nehmen und könnten ihm freizügig schreiben. Genau das wollte er auch. Der nächste Satz war „ich werde Dir dienen“. Der Schüler sollte eigentlich dem Meister dienen! In dieser Formulierung hob er die [[Vorstellung]] von ihm als Guru auf. Er betrachtete sich selbst nie als Guru. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Meister zu dienen ist besonders wichtig. Indem man dem Meister dient, entdeckt man seine Wellenlänge und wie man sich zu ihr erheben kann. Der Schüler macht etwas auf bestimmte Weise, in einer bestimmten Geisteshaltung – aber der Meister macht es anders, es mag sogar seine Eigenart sein. Aber wenn es der Schüler nicht lernt, Dinge in der Art und Weise des Meisters zu tun, wird er sich nicht auf die Wellenlänge des Meisters einstellen können. Trotzdem ist sein [[Dienst]] wertvoll. Auch wenn Swamiji den Schülern das [[Gefühl]] gab, dass ihre [[Arbeit]] ein wichtiger Beitrag für die [[Mission]] war, wollte er ihnen  tatsächlich nur Möglichkeiten bieten, sich auf ihn einzustimmen und an ihm auszurichten, - und nicht, weil er ihren [[Dienst]] benötigt hätte. Er arbeitete hart daran, Arbeitsbereiche zu erstellen, in denen sie ihre Talente ausüben konnten, um ihnen so zu helfen, innerlich zu wachsen, damit die Kommunikation stattfinden könnte. Zum Beispiel kamen einige [[Musik]]er in den Ashram. Zu ihrem [[Segen]] organisierte Swamiji Musikunterricht, kaufte die nötigen Instrumente, stellte einen Raum bereit usw. Auf diese Weise verwandelte sich der [[Sender]] in einen [[Empfänger]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji betonte immer wieder, dass sich der Schüler dem Meister unterwerfen sollte, aber er wusste auch, dass dies weder von Seiten des Schülers noch von Seiten des Meisters erzwungen werden konnte. Es musste geschehen; aber auch dies begünstigte er, indem er die notwendigem Umstände schuf für das Üben der [[Unterwerfung]]. Er könnte zum Beispiel ein Anliegen vorbringen, das er gerne erledigt hätte und dann eine ganze Reihe von Alternativen aufzählen. Selbstverständlich würde der Schüler sich für etwas entscheiden, und daran konnte Swamiji genau erkennen, wo der Schüler stand – war er arrogant oder nur eitel, gleichgültig oder heuchlerisch demütig oder war er wahrhaftig demütig im Geiste der Unterwerfung. Gleichzeitig ermöglichte er es dem Schüler wahrzunehmen, wo er wirklich stand und gab ihm die Gelegenheit, sich selbst in der Situation zu studieren. Somit war der Schüler in die Lage versetzt, sein [[Ego]] und dessen [[Spiel]] zu erkennen. Wenn ihm dann das hässliche Treiben des Egos bewusst wurde, erwachte Unterwerfung in ihm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten [[Jahr]]en, war Swamiji sehr streng in der Zulasssung von Aspiranten im Ashram; denn sie mussten ein sehr hartes Leben leben. Er erläuterte Anwärtern in ganz klaren Worten, was die Bedingungen für ein Leben dort waren. Aber nachdem er den Ashram aufgebaut hatte und das leibliche Wohl der [[Sadhaka]]s sichergestellt war, bemühte er sich eifrig darum, mehr und mehr Menschen im Ashram zuzulassen, damit alle eine Möglichkeit zu spirituellem [[Wachstum]] haben könnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji arbeitete ohne Unterlass, damit die Aspiranten, die zu seinen Füßen [[Zuflucht]] gesucht hatten, vor den Schwierigkeiten bewahrt würden, denen er in der ersten Zeit in Rishikesh ausgesetzt war. Mit aller Macht wollte er verhindern, dass sie kostbare, mentale [[Energie]] vergeuden in Gedanken an das leibliche Wohl  - Essen, [[Kleidung]], [[Unterkunft]] und medizinische [[Versorgung]]. Sie sollten frei sein, den Weg zu verfolgen, den sie eingeschlagen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da er selbst die [[Gefahr]] von [[Extrem]]en erfahren hatte, sagte er: „Es ist gut, wenn ihr [[Luxus]] ablehnt, aber zögert nicht, einfachen [[Komfort]] anzunehmen, der die Mindestnotwendigkeit  der physischen, menschlichen [[Existenz]] abdeckt.  Wenn Du für eine gewisse Zeit tüchtig arbeiten musst, dann versage Dir nicht die notwendige, nahrhafte Nahrung. Während Du geistig arbeitest, halte etwas kühlendes Öl wie brahmi amla oil für Deinen [[Kopf]] parat . Lehne nicht das [[Obst]] ab, wenn ich es Dir anbiete.“  Daher drängte Swamiji die Sadhakas, die mit Studier- und Schreibarbeiten beschäftigt waren, eine kleine Extraportion Milch und Ghee zu nehmen und bot ihnen auch [[Mandel]]n und [[Nuss|Nüsse]] an. Wenn sie es ablehnten, war Swamijis Rat: „Das ist keine Weisheit. Wollt Ihr [[Diabetes]] und Nervenkrankheit herausfordern? Schaut her, was meine Entsagung bewirkt hat. Trockenes [[Brot]] und einfaches [[Dhal]] sind nicht der einzige Test für „sadhuism“.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemand im [[Ashram]] hatte größere Gebrechen als [[Swami]]ji selbst, und trotzdem war da niemand, der härter gearbeitet hätte als er. Wenn er einen [[Aspirant]]en traf, dem es gerade nicht gut ging, und wenn es auch nur ein wenig Kopfweh war, sagte er: „Bitte geh‘ und ruhe dich aus!“ und er würde einen [[Arzt]] schicken und noch ein halbes Dutzend andere, die ihm beistehen sollten. Wenn aber er jedoch krank war, fegte er streng des Doktors Bitte beiseite, er solle doch dem [[Körper]] ein wenig [[Ruhe]] gönnen. In diesem einen Aspekt war ein riesiger Unterschied zwischen Swamijis Grundsatz und seiner eigenen Praxis. Er lebte selbst aufopfernden [[Dienst]] vor und predigte anderen: „Bitte kümmert Euch um Eure [[Gesundheit]]!“ Seine [[Liebe]]zu aufrichtigen sprirituellen Aspiranten war unvergleichlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1946 war der Ashram ziemlich arm und es gab nur wenige Zimmer und keine Annehmlichkeiten und keinen Komfort. Es gab noch nicht einmal einen Schutz vor den [[Affe]]n, die regelmäßig den Ashram überfielen. Ein sehr kleiner Raum  mit klapprigen Türen wurde „das Büro“ genannt, daran schloss sich ein kleiner Raum an mit niedriger Decke und niedrigem Eingang (Swamiji nannte diesem Raum Demuts-Eingang). Wenn man sich nicht niederbeugen würde, verlöre man den [[Kopf]]. An einem Mittag im Hoch[[sommer]] war es so heiß, dass drei oder vier der Büroarbeiter sowohl die Bürotüre als auch die Verbindungstüren geschlossen hatten, und sich im hinteren Teil aufhielten. Wenn Swamiji zu Mittag aß, fragte er immer nach einem extra Teller. Darauf legte er dann einen Teil seines Essens. Nachdem er seine Mahlzeit gegessen hatte, bedeckte er seinen kahlen Schädel mit einem dünnen Stück [[Stoff]] und ging  unverzüglich mit dem Teller los, von Raum zu Raum und gab jedem seiner Schüler etwas von seiner Speise (In diesen Tagen war dies eine außergewöhnliche Sache, denn viele Swamis würden weder ihren Schülern noch sonst jemanden wissen lassen, was sie gegessen hatten).  Er riet ihnen mit mütterlicher [[Zuneigung]]: „Kommt bitte nicht raus, es ist zu heiß.“ An diesem besonderen [[Tag]] so gegen 1 Uhr mittags ging er in der sengenden [[Sonne]] zum Büro, den Teller in der Hand.  Als er sah, dass alle Türen geschlossen waren, nahm er an, die Schüler würden schlafen. So ging er in die Küche, die nebenan war, und fand dort einen Swami. Er gab ihm Essen und sagte: „Die drei Jungs ruhen sich im Büro aus. Bitte störe sie nicht, aber wenn sie aufwachen, gib ihnen dies hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein ganzes [[Leben]] lang war Swamiji mehr um andere besorgt als um sich selbst. Vielleicht bekam sein Körper dadurch so viele [[Krankheit]]en. Wie er nach seinen Schülern schaute,  die mütterliche Liebe, die seine Einstellung zu ihnen prägte, darin könnten sich sogar die warmherzigsten [[Eltern ]] von ihm unterweisen lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal, als Swamiji aus seiner Hütte heraustrat, kam ein Ashram-Arbeiter auf seinem Fahrrad vorbei. Sobald er Swamiji bemerkte, stieg er vom Fahrrad ab und ging zu Fuß weiter. Swamiji sagte: „All diese Formalitäten sind nicht nötig für mich. Liebe und [[Respekt]] haben ihren Sitz ihm [[Herz]]en; und Du solltest immer Liebe und Respekt für Ältere in Deinem Herzen haben. Dies werde ich wissen! Diese äußeren Formalitäten haben keine große Bedeutung für mich. Du gehst in der heißen Sonne umher, machst Einkäufe in [[Rishikesh]] und überwachst die Bauarbeiten. Zögere nicht, an Dich zu denken. Du musst jetzt etwas Kaltes trinken, und in einer halben Stunde solltest Du etwas Heißes trinken. Und wenn Du gerne etwas [[Obst]] vom [[Bazar]] hättest, so nimm gerne! Du hast die absolute [[Freiheit]] alles zu tun, um Deinen Körper in bester Gesundheit zu erhalten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji betrachtete das Leben an den [[Ufer]]n des heiligen [[Fluss]]es [[Ganges]] zu Füßen des [[Himalya]] als einen [[Segen]] – mit ein wenig [[Mantra]]-Wiederholung ([[japa]]), [[Meditaiton]] und selbstlosem Dienst, und er war eifrig bemüht, die Tore dazu allen zu öffnen. Unzählige junge Männer suchten [[Schutz]] zu Swamijis Füßen als  Zuflucht in ihrer Not und Verzweiflung.  Swamiji hat niemanden nach seiner Vorgeschichte ausgefragt. In dem Moment, wenn Swamiji auch nur den Hauch von Verzweiflung in den Augen eines Neuankömmlings sah, bekam dieser das Gefühl, dass Swamiji genau auf ihn gewartet hat und dass er ihm einen großen Gefallen tun könnte, dem Ashram beizutreten. Welche psychologische [[Kraft]] dies gab ist nicht vorstellbar. Der notleidenden Person wurde das Gefühl von Größe gegeben und unmittelbar fühlte dieser Mensch, dass seine Vergangenheit ein schlechter [[Traum]] gewesen war und dass eine wunderbare [[Zukunft]] vor ihm läge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1945 ersuchte eine [[Frau]] Zuflucht im Ashram, die von ihrem [[Mann]] misshandelt worden war und die [[Familie ]] verlassen hatte. Selbst die leitenden Personen des Ashrams, die von Swamiji geschult waren, zögerten, der Frau [[Asyl]] zu gewähren.  Aber Swamiji blieb fest entschlossen, dass sie bleiben durfte. Allein der [[Gedanke]] daran, dass diese Frau ansonsten ihr Leben verlieren könnte reichte ihm aus, die ganze [[Welt]] zu ignorieren und nur diesem einen Menschen zu dienen. Ganze Bücher könnten damit gefüllt werden, auf welch wunderbare Weise Swamiji sie lehrte, ihre Leiden zu vergessen, ihren Geist zu beherrschen und letztendlich auf ihren eigenen Füßen zu stehen als eine unabhängige [[Stimme]] unter den Frauen Indiens. Von einer Belastung verwandelte Swamiji sie zu einer Bereicherung der [[Gesellschaft]]: ein wahrhaftiges Beispiel der [[Rehabilitation]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1955 begrüßte Swamiji einen [[Koch]] im Ashram. Der Koch hatte gar nicht vor, da zu bleiben und war überrascht, dass Swamiji bei der ersten Begegnung sagte: „Bitte bleibe hier. Du kannst ein Hotel in der Nachbarschaft eröffnen. Ich werde alles tun, Dich zu unterstützen.“   Er verfolgte die Sache weiterhin und bat den Sekretär, dem Koch einen Raum und die nötigen Utensilien für das Kochen zu besorgen, damit dieser seine Unternehmung starten könnte. Und er bot ihm sogar an: „Du kannst Lebensmittel vom Ashram nehmen und zu Deinem eigenen Gewinn verwenden.“  Etwas später verdeutlichte er seine Einstellung: „Es ist ein Segen, hier an den Ufern des Ganges, in Rishikesh, zu leben. Eines Tages könnte er die [[Sehnsucht]] verspüren, zu entsagen. Bis dahin ist es gut, ihn zu ermutigen, auch in seinem Streben nach [[Geld]]. Als erstes sorgen wir dafür, dass er hier bleibt, und dann bringen wir ihn langsam zu [[sadhana]].“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau hatte ihren Mann verloren und war rastlos. Daher kam sie nach Rishikesh und blieb in der Nähe des Ashrams. Sie sagte zu Swamiji: „Ich habe Juwelen im Wert von vier- bis fünftausend [[Rupie]]n und dazu noch ein [[Haus]]. Ich möchte für immer hier bleiben. Wenn Du mir das erlaubst, werde ich das Haus und die Juwelen verkaufen.“ Swamiji antwortete: „Behalte das Haus und die Juwelen. Du kannst in [[Brindavan]] bleiben.“ Er gab ihr ein Empfehlungsschreiben mit für einen guten [[Sadhu]] in Brindavan und schickte sie dorthin. Und er wies sie an: „Bereise die umliegenden Ortschaften. Verbreite den Ruhm von Gottes Namen. Leite [[Kirtan]]s an in jedem Haus. Unterrichte die kleinen [[Kind]]er.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einige Zeit folgte sie Swamijis Anweisungen. Dann wurde sie psychisch krank. Sie kam zurück nach Rishikesh und machte verliebte Annäherungsversuche an Swamiji. Durch das Fenster warf sie Parfüm auf Swamijis Bett. Und wenn Swamiji die Tür zu seiner Hütte öffnete, kam sie herein um bei ihm zu sitzen. Er fuhr einfach fort mit seiner Arbeit, ohne auch nur daran zu denken, dass sie da war. Nach einer Weile ging sie dann aus eigenen Stücken wieder weg. Swamiji hätte sie auch auffordern können zu gehen; aber nein, er würde nie jemanden auch nur die kleinste Verletzung zufügen. Er war erfüllt von Liebe zu allen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem die Belästigungen heftiger wurden, bat uns Swamiji, einen Stacheldrahtzaun um seine Hütte zu errichten. Wenn sie den Zaun um Swamijis Hütte sah, verfiel sie oft in Raserei. Dann warf sie Steine auf Swamijis Hütte. Auch da bewahrte er seine Ruhe. Nach einiger Zeit verschwand sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Jahren kehrte sie im Mönchsgewand nach Rishikesh zurück. Sie war alt geworden. Swamiji wurde nie von einem Vorurteil  beeinflusst. „Sie könnte sich geändert haben. Jede Sekunde entwickelt man sich. Wir sollten niemanden nach seiner Vergangenheit beurteilen.“, sagte er. Das war sein Leitprinzip. Er erlaubte ihr, in der Nähe des Ashrams zu bleiben. Normalerweise ging sie täglich in den Bazar von Rishikesh, und eine zeitlang sang sie irgendwelchen Unsinn über Swami Sivananda vor jedem Geschäft. Sie beschimpfte und beleidigte ihn sogar in der Öffentlichkeit. Abends kam sie dann in den Ashram. Swamiji sandte ihr Früchte und Mandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Saat säen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen, die sich inmitten von Zwietracht, Streit und Angst nach Frieden und Glück sehnten, fanden in „Sivananda Swami of Ananda Kutir“ (wie er von den Leuten in und um Rishikesh normalerweise genannt wurde) eine Vater-Figur, lieber als der eigene. Diejenigen  von religiösem und spirituellem Temperament , die sadhana zu ihrem einzigen Lebensziel gemacht hatten, fanden in ihm eine immerwährende [[Quelle]] der [[Weisheit]] und des [[Licht]]es. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit unterschiedlichen Menschen hatte Swamiji auch unterschiedliche Beziehungen. Einige weit entwickelte Aspiranten kamen zu ihm und in ihnen loderte das Feuer der Entsagung, der [[Verhaftungslosigkeit]] und der Unterscheidung. Sie zu lehren geschah auf anderen Kanälen. Swamiji wurde nur sehr selten mit ihnen gesehen, auch zogen sie nicht sehr nah zu ihm. Ihre Beziehung zu Swamiji war auf einer völlig anderen Ebene – der spirituellen Ebene. Es gab nur wenige solche Schüler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Mehrheit der anderen, mit denen Swamiji arbeitete und dichtauf lebte, waren unreife Aspiranten.  (Einige hatten nicht die geringste spirituelle Sehnsucht. Sie hatten bei Swamiji Unterschlupf gefunden, weil materielles Versagen sie von zu Hause vertrieben hatte und sie sonst umgekommen wären.)  Swamiji musste oft ihn ihnen den [[Samen]] von [[vairagya]] (Wunschlosigkeit, Verhaftungslosigkeit,Leidenschaftslosigkeit) säen! „Ihn abzuweisen, das kann ich nicht. Gebt ihm wenigstens die Möglichkeit, sich in einen besseren und glücklicheren Menschen zu verwandeln. Falls er versagt – macht nichts. Ein Versuch muss in jedem Fall gemacht werden.“ Solcher Art waren Swamijis Bemerkungen, wenn ein verstörter junger Mann dem Ashram beitreten durfte. So wurde von keinem Aspiranten eine Qualifikation gefordert. Es war eine Art Witz: wenn ein junger Mann sein Examen nicht bestanden hat oder sein Geschäft ruiniert hat – sucht nach ihm im Sivananda Ashram! Swamiji nahm sie großzügig auf und versuchte, sie zum [[Erwachen]] zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht alle Menschen, die bei Swamiji Zuflucht suchten, waren gute Menschen; aber er sah nur das Gute in ihnen; gegenüber dem Bösen war er blind. Wenn jemand einen schlechten [[Charakter]]zug hatte, würde er ihn nie verurteilen oder hart zu ihm sein. Normalerweise sagte er: „Macht Euch nichts daraus, wenn dieser Mann sogar bösartig ist; indem ich ihn herkommen lasse und ihm Obdach gewähre stelle ich sicher, dass es einen Schurken weniger gibt in [[Delhi]]!“ Das war seine [[Philosophie]]! „Allein die Tatsache, dass  derjenige hergekommen ist, zeigt, dass da eine kleine Öffnung ist, egal wie klein, durch die ein wenig [[Kommunikation]] stattfinden kann.  Lasst ihn hier bleiben, ich werde einen Samen säen. Während dieser [[Geburt]], der nächsten Geburt, kümmert Euch nicht; diese Saat wird jetzt oder viele Jahre später aufgehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji sagte, dass es wohl zu viel verlangt ist von einer Person, die in der modernen Welt lebt und von allen Seiten mit Ablenkungen und Versuchungen überflutet wird, Leidenschaftslosigkeit und Unterscheidungsvermögen zu entwickeln. Er meinte, dass es möglich sein muss bei einem Menschen, der vor seinem eigenen [[Scheitern]] davonläuft,  einen Funken zu finden den man anfachen kann zu einer großen [[Flamme]]. Sogar wenn gar kein Funken vorhanden war, konnte er eine Flamme entfachen. Das war das Einmalige an Swami Sivananda. Er pflanzte die Samen der [[Güte]], er nährte sie, goss sie und ließ sie wachsen und gedeihen; auch wenn dies ihm selbst ungeheure Schwierigkeiten bereitete, ihm machte das alles gar nichts aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht leicht nachzuvollziehen, was die Suchenden in den frühen 1940-er Jahren empfanden, wenn sie in den Ashram kamen. Einige hatten wohl Swami Sivanandas leidenschaftliche [[Wort]]e in seinen Original[[schriften]] gelesen, die so inspirierend waren, dass man auf der Stelle seine Kleider ablegen  wollte, um zum Himalaya zu eilen und dort [[Enthaltsamkeit]] zu praktizieren und sofort [[Selbstverwirklichung]] zu erreichen! Das war das Besondere an seinem Stil. Viele auf diese Weise inspirierte Menschen kamen in den Ashram. Oft liefen sie los, ohne sich umzuziehen, denn in Swami Sivanandas „How to Get Vairagya“ hatten sie gelesen „renounce everything“ (entsage allem) – und so entsagten sie allem. „seek solitude“ (suche die [[Einsamkeit]], Abgeschiedenheit) – und so suchten sie Abgeschiedenheit im Ashram. Einige von ihnen könnten beim Betreten des Ashrams  entdeckt haben, dass andere, die schon vor ihnen angekommen sind, einen schönen Mantel trugen. Und dann dachten sie manchmal: „Aha, sie sind vom Wege abgekommen, sie sind gescheitert. Seht her, wie leidenschaftslos ich bin. Meine Sehnsucht ist viel größer als die Sehnsucht von diesen Leuten, die schon seit so langem mit Swami Sivananda zusammen sind. Sie wissen nicht, was [[tapas]] ([[Askese]]), vairagya (Wunschlosigkeit) und brennendes Verlangen ist. Jeden Morgen sitze ich hier um 4 Uhr und meditiere. Schau all die alten Ashrambewohner an!“  Swamiji beobachtete sie und schätzte sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Egal, was der Aspirant machte, zuerst kam die Ermutigung. Danach würde er ein wenig antreiben. „[[Enthusiasmus]] ist sehr gut. Du hat eine wunderbare Sehnsucht. Du bist großartig, Du bist wie [[Sukadeva]]. Aber jugendlicher Enthusiasmus ist nicht gut.“ Zuerst eine große Menge [[Lob]], danach eine kleine bittere Pille, das war seine Methode. Niemand sollte entmutigt werden oder das [[Gefühl]] bekommen dass das, was er tat, völlig falsch sei. Seine Einstellung war: „Nein, mach das, es ist wunderbar, aber stelle sicher, dass es nicht nur jugendlicher Enthusiasmus ist, etwas, das später ein Rückschlag sein könnte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Aspiraten nicht nur noch ganz roh waren, sondern auch noch in keiner Weise erwacht, musste auch das Erwachen vom Meister beeinflusst werden. Bei einer Gelegenheit gingen sehr erfahrene Schüler mit allerhand Beschwerden zu Swamiji. Er musste auch sie zufriedenstellen, also gab er vor, wirkllch ärgerlich zu sein. Sehr zufrieden gingen die erfahrenen Schüler davon und dachten, dass Swamiji sich nun den jungen Aspiranten vornehmen würde. Genau das Gegenteil geschah: der Mann, über den sie sich beschwert hatten, bekam als erstes einige [[Banane]]n.  Damals gab es im Ashram einen kleinen Jungen, der Swami Sivananda diente, und der kam dann angelaufen und sagte: „Swamiji gibt dir Früchte“. Eine halbe Stunde später würde jemand anderes kommen: „Swamiji lässt Dir [[Kaffee]] bringen.“ Und eine Stunde später würde er persönlich erscheinen und sagen: „Du bist hervorragend und glänzend. Meditierst Du gut? Machst Du Japa (Mantrawiederholung)? Gut. Studierst Du [[vedanta]]? Sehr gut“ Was wurde nun aus all den Beschwerden?  Swamiji würde beobachten, ob all die Ermunterungen wirken würden. Anstatt zu sagen: „Du bist ein schlechter Kerl.“ Bestand Swamiji darauf, sich auf die guten Eigenschaften in Dir zu konzentrieren, Dir zu sagen, dass Du ein guter Arbeiter bist, auch wenn Du kein spirituelles [[Verlangen]] und keine [[Hingabe]] hattest. Er würde sagen: „Du bist ein großartiger Arbeiter. Da ist niemand, der so hart arbeitet wie Du.“  Dann würde er freundlich hinzufügen: „Immer, wenn Du arbeitest, sehe [[Gott]] in allem. Warum hilfst Du nicht in der Küche und gibst Essen aus? Du bist ein großartiger Mann, Du hast einen hübschen Körper und eine schöne [[Stimme]]. Wenn Du roti servierst, sage [[Bhagavan]] roti, roti Narayan, roti Maharaj.“  In diesem Moment wurde die [[Saat]] der spirituellen Sehnsucht gesät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji tat für Aspiranten, was sogar die liebevollsten Eltern nicht immer tun würden. In dem Moment, in dem sich auch nur die leiseste Spur eines [[Talent]]es bei einem Aspiranten zeigen würde, widmete er sich persönlich dem [[Erwecken]] und vollen [[Entfaltung]] dieses Talentes des Aspiranten. Tag und Nacht würde er  über Mittel und Wege  nachsinnen, wie der sadhaka sich entfalten könnte;  letztendlich zum [[Segen]] der ganzen Menschheit. Auf diese Weise wurden einige Abteilungen im [[Ananda Kutir]] gegründet und fortgeführt. 1948  trat ein junger Mann dem Ashram bei; er sagte, dass er sich mit Papierherstellung auskennen würde. Am folgenden Morgen ließ Swamiji eine Grube ausheben und ließ Rohmaterialien anliefern, damit dieser junge Mann, der keinerlei Qualifikationen (Swamiji fragte auch niemals danach) nachweisen konnte, seine Ideen verwirklichen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji nahm so ein aufrichtiges Interesse in all diese Unternehmungen, dass man denken könnte, er hätte gerade darauf gewartet, dass eine Person kommt und ihm genau bei dieser Arbeit hilft. So umfassend und gründlich war seine Begeisterung, dass er in kurzer Zeit Vorschläge machen konnte, wie man diese Arbeit, in der der Aspirant ja eigentlich der Experte war, besser erledigen könnte. So war es auch mit dem Fotostudio im Ashram.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Läuterung/Reinigung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji hat manchmal betont, dass [[atma jnana]] (Selbstverwirklichung) denkbar einfach ist. Es ist ganz einfach, ABER die vorbereitende [[Reinigung]], die eine Voraussetzung ist, ist extrem schwierig. Wenn die Reinigungsübungen anstanden, wendete er sehr einfache Methoden an, die aber sehr tiefgreifend in ihrer Wirkung waren. Die Übungen mussten kontinuierlich gemacht werden (im Sinne von Wiederholung). Swamiji musste sie wieder und wieder und wieder machen. Er hatte eine solche Geduld, dass er niemals jemanden als hoffnungslosen Fall betrachtete. Wenn ein Schüler den Sinn auf die eine Weise nicht einsehen konnte, würde Swamiji es so oder so abwandeln. Swamiji drehte und wendete es, bis eines Tages, so hoffte er, der Schüler einsehen würde, was er ihm versuchte beizubringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jemand eine Schwäche hatte, war Swamiji demgegenüber blind und sagte: „Er hat einige Schwächen, aber er hat auch einige großartigen [[Fähigkeit]]en.“  Er wählte die Methode, niemals die Fehler einer Person hervorzuheben, es sei denn, dass es nötig wäre.  – Zum Beispiel im Falle einer Konfrontation  mit einem anderen Schüler, wenn man Swamiji  die Angelegenheit vorgetragen hatte und beide vor ihm erscheinen mussten. Und wenn er einen Tadel aussprechen musste, tat er es ganz liebenswürdig. Als erstes würde er den Aspiranten loben. „Du hast diese und jene gute Eigenschaft. Als erstes ist es  Dein größtes Glück, dass Du der Welt entsagt hast, hierher gekommen bist und im Ganges gebadet hast. Du musst in hunderten von vergangenen Leben spirituell praktiziert haben, um so spirituell veranlagt zu sein. Und Du musst Dir die [[Gnade]] von Tausenden von [[Heiliger|Heilige]]n verdient haben, um hierher in den Ashram geführt zu werden, damit Du ein spirituelles Leben leben kannst.“  Dann würde er hinzufügen: „Warum möchtest Du streiten? Es ist nur ein kleiner Fehler. Werde nicht gereizt. Wenn Du gereizt bist, könntest es all Deine Bemühungen vereiteln. Hast Du schon gefrühstückt? Was hattest Du? Kaffee oder Tee? Soll ich Dir noch etwas besorgen?“ Ein Bündel Bananen kamen zuerst, dann ein klein wenig Prick gefolgt von Butter und Honig.  Nachdem die Bananen verdaut waren und auch die Butter und der Honig gegessen, dämmerte Erkenntnis: „DIES wollte mir Swamiji sagen!“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji hielt seine Schüler nie in einem Zustand der Anspannung. Er machte Druck, sein Training voranzutreiben, aber sobald er merkte, dass ein Schüler zusammenbrach, lockerte er alle Regeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das grundlegende Prinzip in all dem war, dass niemand jemals von Swamiji kritisiert wurde. Kritik hätte alles ineffektiv gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Wohlergehen der Schüler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tag und Nacht hatte Swamiji nur einen Gedanken: Wohlergehen, Wachstum und [[Fortschritt]] (weltlich und spirituell) seiner Schüler. Oftmals erhob er sich zu einem leidenschaftlichen Appell an seine geliebten Schüler, er drängte sie mit feurigen Worten, alle Spuren von persönlicher Wichtigkeit auszurotten und sich der edlen [[Idee]] des Dienstes an der Welt hinzugeben. Er schilderte ihnen auf packende und mitreißende Weise die Herrlichkeit des selbstlosen Dienens und der Verehrung Gottes als das Größte und Großartigste von allem Yoga. Wie alle Aspiranten fühlten sie sich manches mal bestürzt über die Endlosigkeit und  Weite der menschlichen Probleme und des Leidens. Dann munterte Swamiji sie auf mit der ausdrücklichen Versicherung, dass ein Leben des selbstlosen Dienens nie ein Misserfolg sei. Er rüttelte sie auf mit Worten wie diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kümmert Euch nicht darum, ob Selbstverwirklichung kommt oder nicht. Strengt Euch größtmöglich an, Euch ethisch zu verbessern und macht Euch perfekt für den Dienst an der Menschheit. Seht Gott in jedem Menschen. Betrachtet jeden Menschen als Gott. Wenn Eure Vorstellung von Gott beinhaltet, dass ER alldurchdringend ist, warum könnt Ihr IHN dann nicht in allen Wesen erkennen? Was hindert Euch daran, Euren Glauben in die Tat umzusetzen? Ihr müsst die Vorstellung aufgeben, dass ER nur hinter geschlossenen Augen und Türen vorhanden ist. Fühle SEINE Gegenwart in jedem und allem während Du dienst; und schaue dann, ob ER nicht im Grunde Deines Herzens strahlt in SEINEM eigenen [[Klang]].  Wenn das Herz noch nicht frei ist von allen Unreinheiten und die niedere Natur nicht befreit ist von Schmutz, wie kann dann spirituelle Erfahrung zu Dir kommen? Bevor Du nicht Deine eigene [[Natur]] perfekt gemacht hast, kannst Du unmöglich die Wahrheit eines Wesens erkennen, das die reine Essenz der Vollendung ist. Rotte zuerst Egoismus, Ärger, Hass, Gier und Doppelzüngigkeit aus und sei aufrichtig und von ganzem Herzen  bei Deinem selbstlosen  Dienst. Wenn  Du es schaffst, zehn Menschen ein klein wenig Gutes zu tun, wenn Du erfolgreich einen schlechten Charakterzug  völlig ausrotten kannst und dafür eine einzige edle [[Tugend]] vollständig entwickeln kannst, sei sicher, dass Dein Leben nicht umsonst gelebt wurde. Und sogar nur zehn Menschen von einer Million erreichen kaum jemals dies. Was soll’s, wenn Du nicht [[samadhi]] und Selbstverwirkllichung erreichst?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kopf hoch, sei guten Mutes! Sei mit Leib und [[Seele]] bei der Arbeit. Ich garantiere Dir, dass Du Dich gesegnet und glücklich fühlen wirst. Sei nicht unzufrieden mit Deinem Los oder niedergeschlagen wegen Deinem Fortschritt. Handle nach meinem Wort. Habe ich nicht über Dein spirituelles Wohl nachgedacht? Dann, wenn Du nur könntest, würdest Du sehen, dass Tag und Nacht, in jedem Augenblick, mein Herz in Sorge über Dein Wohlergehen schlägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer dem „direkten Familienkreis“ von Aspiranten, [[Student]]en und Arbeitern gab es viele Suchende in anderen [[Land|Ländern]], die große Zuneigung zu Swami Sivananda hatten und ihn verehrten. Ihnen war er ein spiritueller Führer und Meister. Swamiji beantwortete ihre Briefe prompt, ging auf alle ihre Fragen ein und leitete sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungsbericht eines Schülers===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dazu schrieb Swami Sahajanandaji aus Durban, Südafrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Anhänger und Verehrer von Swamiji muss erfahren haben, dass man die grenzenlose Gnade und Barmherzigkeit nur stillen Herzens und nicht mit Worten ausdrücken kann. Irgendwo habe ich gelesen, dass Swamijis Wohltätigkeit als „unbesonnen“ bezeichnet wurde. Aber ich denke, dass seine Gnade und Liebe sogar noch reichlicher vorhanden waren als die Wohltätigkeit.  Es ist nicht bemerkenswert, wenn ein Erster-Klasse-Aspirant die Gnade eines Meisters erhält. Aber wenn jemand sich qualvoll abmüht auf dem Weg zur Gottverwirklichung und erfährt dann ganz direkt die liebevolle Beachtung eines großen Heiligen, wird dieser Mensch sicherlich vor [[Ehrfurcht]] erzittern und eine unausprechliche Dankbarkeit wird ihn erfüllen. Leider war ich auch jemand, der nicht „rein“ geboren wurde oder mit einer großen Portion spiritueller [[samskaras]] (= geistige Eindrücke aus dem jetzigen und den früheren Leben, die im [[Unterbewusstsein|Unterbewussten]] liegen) ausgestattet war. Aber durch Swamijis Gnade erreicht man langsam aber sicher das [[Ziel]]. Die Liebe und Fürsorge, die Swamiji einem fünftklassigen Aspiranten wie mir hat angedeihen lassen, weist ihn als gottverwirklichten Heiligen aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl wir tausende von Meilen entfernt von seiner physischen Gegenwart lebten, kümmerte sich Swamiji um uns auf die gleiche Weise, wenn nicht noch besser, als um diejenigen, die in seiner Umgebung im Ashram lebten. Hier einige Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor einiger Zeit schrieb ich ihm einen dringenden Brief wegen physischer Beschwerden. Das war gerade zu der Zeit, als Swamiji von seiner „All-[[Indien|India]]“-Reise zurückgekehrt war. Obwohl er sicherlich hunderte von Briefen zu beantworten hatte, war er so gütig, mir noch am selben Tag zu antworten. Neulich schrieb ich ihm von einer Veränderung meiner sadhana Praxis. Zurück kam eine zweiseitige Antwort in seiner eigenen Handschrift. Und noch bemerkenswerter war, dass Swamiji selbst den Brief adressiert und zur Post gebracht hatte; und das rührte mein Herz und ließ es zutiefst erbeben. Stellt Euch einen  bedeutungslosen Menschen vor wie mich, der mit so viel von seiner Liebe überschüttet wird! Und was für aufmunternde und tröstende Worte sein Brief erhielt! Jedes Wort ist durchtränkt mit der Wärme seiner grenzenlosen Liebe. Es ist diese Liebe, die dazu führt, das wir uns unwürdig fühlen, seinen kostbaren Segen zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamijis Buchgeschenke erreichten uns dutzendweise. Wenn ich ihn um ein Buch bat, schickte er sechs. Auch wenn beantragt war, dass die Bücher erst nach der Bezahlung geschickt werden sollten, kamen sie mit unverzagter Beharrlichkeit an. Nicht nur die Geschenk-Bücher erreichten die Gestade meines Landes, sondern auch herrlich frisches, süßes [[Prasad]] kam, in Dosen verpackt, hier an. Es ist sicherlich nicht fehl am Platze, hier eine Erfahrung widerzugeben, die mein Freund, Sri G.V. Naidoo, bei einem Ashram-Besuch gemacht hat. Sobald er Swamiji traf, wurde er buchstäblich mit Liebe überschüttet. Swamiji widmete sich ihm persönlich, und mein Freund ging dann mit einem Stapel Bücher in den Händen. Dann erzählte er noch, wie er ein Bild von Swamiji bewunderte, das an der Wand hing – eine Ansicht von Swamijis tapas (Askese-Übungen) - und Swamiji hatte es von der Wand abgenommen und ihm geschenkt. Welch eine außerordentlich seltene Großzügigkeit strahlt aus Swamijis Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamijis [[Heilkraft|Heilkräfte]] wurden auch im entfernten Südafrika bewiesen. Zwei Fälle habe ich persönlich erlebt. Einer meiner Freunde, der ein Patient im T.B. Settlement war, litt an einer schweren [[Schlafstörung]]. Ich schrieb deswegen an Swamiji. Seine sofortige Antwort enthielt Anweisungen, wie man das Problem beseitigen könnte. Obwohl der Patient nicht den Anweisungen folgte, schlief er daraufhin gut. Nach einigen Wochen, wurde er wieder von Schlaflosigkeit geplagt. Es ist ein Jammer, dass die Anweisungen nicht befolgt wurden. Das andere Beispiel betraf einen persönlichen Freund von mir, der an schlimmen und schmerzhaften Leberflecken auf den Händen litt. Wieder schrieb ich an Swamiji. Das von ihm empfohlene einfache Mittel wurde angewendet und die Leberflecken meines Freundes gingen vollkommen zurück. Das ist nun Monate her und die Probleme sind nicht wieder aufgetaucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie löst Swamiji die Alltagsprobleme der Aspiranten, die nicht in der glücklichen Lage sind, seine mündlichen Anweisungen zu hören? Das geschieht auf eigentümliche Weise. Wenn ich manchmal mit einem schwerwiegenden Problem konfrontiert bin, nehme ich einfach eins von Swamijis Büchern in die Hand und schlage irgend eine Seite auf – und schon springt mir die genaue Lösung für meine Probleme in die Augen! Manchmal vielleicht erreicht mich Swamijis innere Führung während der Meditation; oder es kann passieren, dass ein Ereignis oder eine Person mir die richtige Antwort gibt. Man muss allerdings wachsam sein, die richtige Führung zu empfangen. Aber in den meisten Fällen würden Swamijis Bücher uns helfen. Dies war auch die Erfahrung der anderen Anhänger hier. Es passiert so oft, dass wir keinen Zweifel daran haben, dass Swamiji all unsere Schwierigkeiten kennt  und dass seine Führung immer bei uns ist, egal wie viele Meilen uns von ihm trennen. Swamiji hat auch vollkommene Einsicht in unsere Herzen und unseren Geist, und niemand kann ihm etwas vormachen. Einmal schrieb ich ihm einen Brief und suchte Antworten auf einige Fragen spiritueller Natur. Swamiji fand die Wahrheit heraus, dass nämlich die Antworten dafür benötigt wurden, jemand anderes herabzuwürdigen – und er gab keine direkte Antwort. Von da an traute ich mich nicht mehr, irgendwas vor ihm zu verheimlichen. Wir haben auch festgestellt, dass alles, was er sagte, früher oder später auch eintreffen würde. Seine Worte waren unfehlbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Geheimnis, wie man Swamijis Gnade erreichen kann, ist ihm von ganzem Herzen zu dienen. Ein kleiner Dienst an Kranken hier oder das Verteilen von einigen Schriften  dort – und schon hast Du einen Platz in seinem großen Herzen eingenommen. Jeder einzelne von den Tausenden von Schülern und [[Anhänger]]n kennt diese Wahrheit. Dienst an Swamiji (ich nenne das Sivayoga) ist der großartigste Yoga dieser Zeit. Lass all diejenigen, die den vielen Wegen zu Gott folgen wollen, dies tun. Aber meine größte [[Freude]] ist es, Swamiji zu dienen, egal, ob es zur Gottesverwirklichung führt oder nicht.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Karli</name></author>
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	<entry>
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		<title>Schüler</title>
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		<updated>2012-12-30T11:43:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Karli: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Swami Venkatesananda über Schülerschaft==&lt;br /&gt;
Sri [[Swami Venkatesananda]], *29.12.1921 in [[Tanjore]], [[Südindien]], †2.12.1982 in Johannesburg, Südafrika, war ein Schüler von Swami Sivananda. Einige Jahrzehnte lebte er mit dem Meister - und beobachtete, wie Swami Sivananda seine Schüler ausbildete. In einem Divine Life Magazine der [http://www.sivanandaonline.org Divine Life Society] schrieb er unteren Artikel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Meister und Schüler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen [[Buch|Büchern]] hat [[Swami]]ji das Wesentliche des traditionellen [[Lehre]]ns vermittelt, und in diesen [[Unterweisung]]en hat er die geheime [[Botschaft]] preisgegeben, wie man mit der [[Wahrheit ]] in [[Verbindung]] bleiben kann und wie man sie zu einem ganzheitlichen Aspekt seines [[Leben]]s machen kann. Er verkörperte dieses Lehren.  Zum  Beispiel, obwohl sein ganzes Leben im wahrsten [[Sinn]]e des [[Wort]]es aus [[Karma Yoga]] bestand, waren seine Schriften zu Karma Yoga sehr spärlich. Obwohl er nicht viel unterrichtete, waren die wenigen Worte der Unterweisung, die seine Schüler von ihm hörten, unvergesslich. Er selbst war meistens die lebendige Wahrheit.  Durch seine Taten sprach er lauter als durch einen  Lautsprecher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erleuchtete [[Guru]] kann seine wesentlichen [[Erfahrung]]en nicht in Worte fassen. Was niedergeschrieben wurde oder was in Worten ausgedrückt wurde,  ist nur ein Bruchstück der Erfahrung des Weisen. Da ist etwas, das er erfahren hat, das unaussprechlich ist. Sogar der kleine Teil, den er ausdrücken kann, geht bei der Übermittlung verloren, da der Schüler nicht achtsam ist. Daher hat Swamiji nur selten die Zuhörer aufgefordert, eigene Notizen zu machen, sondern sie sollten den [[Dialog]] oder die Unterhaltung hinterher aufschreiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kommunikation]] ist fast immer non-verbal. Oft hat man gemerkt, dass ein hoch inspirierender Dialog, wenn er schnell niedergeschrieben wurde, nicht mehr so inspirierend war, weil Swamijis „hm“, ein Lächeln und ein Ausdruck von Gesicht und Augen eine gewaltige Wirkung und [[Bedeutung]] hatten. In diesem Bereich fand die Kommunikation statt! Kommunikation kann nur stattfinden, wenn Meister und Schüler miteinander verschmelzen, wenn sie auf der gleichen Ebene und Wellenlänge sind. Dann wird die Lehre aufgenommen, ohne dass ein Wort nötig wäre. In den [[Katha Upanishad]] heißt es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uttishtata jagrata prapya varan nibodhata. (Arise, awake, be vigilant; then approach a great master and attain enlightment = erhebe Dich, erwache,  sei achtsam; dann trete an einen großen Meister heran und erlange [[Erleuchtung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erheben und Erwachen sind Sache des Schülers und nicht des Meisters; aber Swamiji wich von dieser Regel ab und gewährte auch [[Mensch]]en Zugang zum Ashram, die nicht all diese Qualifikationen aufwiesen. Er verbarg die spirituelle Weisheit nicht – sie war da, öffentlich – und er stellte sie nicht zur Schau. Das war ein außergewöhnlicher Wesenszug an ihm.  Viele Swamis und [[Yogi]]s würden auf eine einfache Frage wie „Kann man im [[Winter]] im [[Ganges]] baden?“  eine lange Rede über [[Vedanta]] halten: „Du bist nicht der [[Körper]], Du bist nicht der [[Geist]]. Du bist das unsterbliche [[Selbst]]. Es ist nicht das unsterbliche Selbst, das die [[Kälte]] spürt, es sind Körper und Geist, die die Kälte fühlen!“ Swamiji sprach nie so. If at all, he erred on the other side. Er war mehr an dem körperlichen und intellektuellen Wohlergehen der [[Aspirant]]en interessiert, anstatt bei jedem Husten oder Niesen jedesmal irgendwelche religiösen Anweisungen auszusprechen. Er wartete darauf, dass der Aspirant eine spirituelle Frage stellt, und wenn der Fragende eifrig und begeistert war, kommunizierte er Wissen auf unerklärliche Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals war es für Heilige [[Tradition]], sich in einer [[Höhle]] zu verbergen und zu warten, bis ein qualifizierter Aspirant sich nähern würde. Ein Aspirant, der schon ein inneres Erwachen erfahren hatte, der aufmerksam und begeistert war und der unter Einsatz von viel [[Kraft]] und [[Zeit]] sich die Mühe gemacht hat, zu ihm zu gelangen, um den Heiligen um Unterweisung zu bitten. Im Großen und Ganzen übernahm Swami Sivananda diese Tradition, indem er „seine Weisheit unter einem großen Mantel verbarg“. Die Menschen, die zu ihm kamen,  erinnerten sich an seine [[Zuneigung]] und [[Liebe]] und seine großen [[Sorge]] um ihr körperliches und materielles Wohlergehen. Dies waren seine Hauptsorgen – Weisheit oder atma jnana kamen zu ihrer [[Zeit]]. Wenn aber ein Schüler in vollkommener [[Hingabe]] und Liebe mit ihm verschmolz, konnte non-verbale Kommunikation sehr leicht geschehen. Dies war sein [[Geheimnis]]. Denn er hatte erkannt, dass keine mündlichen Unterweisungen irgendwie fruchten würden, solange der Aspirant nicht Weisheit, Leidenschaftslosigkeit, edle und tugendhafte Eigenschaften und ein beständiges Streben nach [[Befreiung]] hat – und somit die non-verbale Kommunikation unmöglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Schülerschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Leute in der Anfangszeit nach [[Rishikesh]] kamen, fanden sie [[Swami Sivananda]], wie er [[Glückseligkeit]], Frieden und [[Freude]] verströmte, obwohl all die Dinge fehlten, von denen man denkt, dass sie für Frieden, Freude und Wohlstand  nötig sind. Es gab absolut nichts. Unter solchen Umständen lebend verströmte er trotzdem Freude. Wie konnte er so leben? Der Blick in seinen [[Auge]]n verriet, das er die Wahrheit gefunden hatte. Wenn man in seine Augen schaute erkannte man, dass er die Wahrheit gefunden hatte und man selber nicht.  Das allein machte demütig und man warf sich nieder zu seinen [[Fuß|Füß]]en. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang 1947 saß Swami Sivananda in seinem Büro. Ein junger [[Mann]] aus [[Südafrika]], der im Ashram für 2 oder 3 Monate gelebt hatte, musste an diesem [[Tag]] abreisen. Er trat ein, fiel vor Swami Sivananda auf die [[Knie]] und begann zu weinen. Mit höchster Liebe und Zuneigung schaute Swamiji ihn an. Der junge Mann sagte: „Swamiji, ich muss heute abreisen. Aber wo in [[Afrika]] werde ich einen [[Meister]] wie Dich finden?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich veränderte sich Swamijis Gesichtsausdruck, und mit einem unheimlich schönen, vielsagenden und verschmitztem Lächeln sagte er: „Hm, Du findest keinen Meister in Afrika?“ In diesem Moment verschwand der Kummer des jungen Mannes und seine Tränen trockneten. Swamiji lachte, blickte ihn fest an und sagte: „Es ist sehr leicht, einen Meister zu finden, aber es ist schwer, einen Schüler zu finden. Sei ein Schüler! Vom Scheitel bis zur Sohle sei ein Schüler! Dann wirst Du einen Meister finden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji sagte niemals „Ich bin Dein Meister“. Manchmal pflegte er zu sagen „Du bist mein Schüler“  oder „er ist mein Schüler“. Seinen ersten Schülern schrieb er: „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen, ich werde Dir dienen und Dich leiten.“ Wenn er sagte „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen“, dachten die Schüler, sie dürften Swamiji in Anspruch nehmen und könnten ihm freizügig schreiben. Genau das wollte er auch. Der nächste Satz war „ich werde Dir dienen“. Der Schüler sollte eigentlich dem Meister dienen! In dieser Formulierung hob er die [[Vorstellung]] von ihm als Guru auf. Er betrachtete sich selbst nie als Guru. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Meister zu dienen ist besonders wichtig. Indem man dem Meister dient, entdeckt man seine Wellenlänge und wie man sich zu ihr erheben kann. Der Schüler macht etwas auf bestimmte Weise, in einer bestimmten Geisteshaltung – aber der Meister macht es anders, es mag sogar seine Eigenart sein. Aber wenn es der Schüler nicht lernt, Dinge in der Art und Weise des Meisters zu tun, wird er sich nicht auf die Wellenlänge des Meisters einstellen können. Trotzdem ist sein [[Dienst]] wertvoll. Auch wenn Swamiji den Schülern das [[Gefühl]] gab, dass ihre [[Arbeit]] ein wichtiger Beitrag für die [[Mission]] war, wollte er ihnen  tatsächlich nur Möglichkeiten bieten, sich auf ihn einzustimmen und an ihm auszurichten, - und nicht, weil er ihren [[Dienst]] benötigt hätte. Er arbeitete hart daran, Arbeitsbereiche zu erstellen, in denen sie ihre Talente ausüben konnten, um ihnen so zu helfen, innerlich zu wachsen, damit die Kommunikation stattfinden könnte. Zum Beispiel kamen einige [[Musik]]er in den Ashram. Zu ihrem [[Segen]] organisierte Swamiji Musikunterricht, kaufte die nötigen Instrumente, stellte einen Raum bereit usw. Auf diese Weise verwandelte sich der [[Sender]] in einen [[Empfänger]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji betonte immer wieder, dass sich der Schüler dem Meister unterwerfen sollte, aber er wusste auch, dass dies weder von Seiten des Schülers noch von Seiten des Meisters erzwungen werden konnte. Es musste geschehen; aber auch dies begünstigte er, indem er die notwendigem Umstände schuf für das Üben der [[Unterwerfung]]. Er könnte zum Beispiel ein Anliegen vorbringen, das er gerne erledigt hätte und dann eine ganze Reihe von Alternativen aufzählen. Selbstverständlich würde der Schüler sich für etwas entscheiden, und daran konnte Swamiji genau erkennen, wo der Schüler stand – war er arrogant oder nur eitel, gleichgültig oder heuchlerisch demütig oder war er wahrhaftig demütig im Geiste der Unterwerfung. Gleichzeitig ermöglichte er es dem Schüler wahrzunehmen, wo er wirklich stand und gab ihm die Gelegenheit, sich selbst in der Situation zu studieren. Somit war der Schüler in die Lage versetzt, sein [[Ego]] und dessen [[Spiel]] zu erkennen. Wenn ihm dann das hässliche Treiben des Egos bewusst wurde, erwachte Unterwerfung in ihm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten [[Jahr]]en, war Swamiji sehr streng in der Zulasssung von Aspiranten im Ashram; denn sie mussten ein sehr hartes Leben leben. Er erläuterte Anwärtern in ganz klaren Worten, was die Bedingungen für ein Leben dort waren. Aber nachdem er den Ashram aufgebaut hatte und das leibliche Wohl der [[Sadhaka]]s sichergestellt war, bemühte er sich eifrig darum, mehr und mehr Menschen im Ashram zuzulassen, damit alle eine Möglichkeit zu spirituellem [[Wachstum]] haben könnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji arbeitete ohne Unterlass, damit die Aspiranten, die zu seinen Füßen [[Zuflucht]] gesucht hatten, vor den Schwierigkeiten bewahrt würden, denen er in der ersten Zeit in Rishikesh ausgesetzt war. Mit aller Macht wollte er verhindern, dass sie kostbare, mentale [[Energie]] vergeuden in Gedanken an das leibliche Wohl  - Essen, [[Kleidung]], [[Unterkunft]] und medizinische [[Versorgung]]. Sie sollten frei sein, den Weg zu verfolgen, den sie eingeschlagen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da er selbst die [[Gefahr]] von [[Extrem]]en erfahren hatte, sagte er: „Es ist gut, wenn ihr [[Luxus]] ablehnt, aber zögert nicht, einfachen [[Komfort]] anzunehmen, der die Mindestnotwendigkeit  der physischen, menschlichen [[Existenz]] abdeckt.  Wenn Du für eine gewisse Zeit tüchtig arbeiten musst, dann versage Dir nicht die notwendige, nahrhafte Nahrung. Während Du geistig arbeitest, halte etwas kühlendes Öl wie brahmi amla oil für Deinen [[Kopf]] parat . Lehne nicht das [[Obst]] ab, wenn ich es Dir anbiete.“  Daher drängte Swamiji die Sadhakas, die mit Studier- und Schreibarbeiten beschäftigt waren, eine kleine Extraportion Milch und Ghee zu nehmen und bot ihnen auch [[Mandel]]n und [[Nuss|Nüsse]] an. Wenn sie es ablehnten, war Swamijis Rat: „Das ist keine Weisheit. Wollt Ihr [[Diabetes]] und Nervenkrankheit herausfordern? Schaut her, was meine Entsagung bewirkt hat. Trockenes [[Brot]] und einfaches [[Dhal]] sind nicht der einzige Test für „sadhuism“.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemand im [[Ashram]] hatte größere Gebrechen als [[Swami]]ji selbst, und trotzdem war da niemand, der härter gearbeitet hätte als er. Wenn er einen [[Aspirant]]en traf, dem es gerade nicht gut ging, und wenn es auch nur ein wenig Kopfweh war, sagte er: „Bitte geh‘ und ruhe dich aus!“ und er würde einen [[Arzt]] schicken und noch ein halbes Dutzend andere, die ihm beistehen sollten. Wenn aber er jedoch krank war, fegte er streng des Doktors Bitte beiseite, er solle doch dem [[Körper]] ein wenig [[Ruhe]] gönnen. In diesem einen Aspekt war ein riesiger Unterschied zwischen Swamijis Grundsatz und seiner eigenen Praxis. Er lebte selbst aufopfernden [[Dienst]] vor und predigte anderen: „Bitte kümmert Euch um Eure [[Gesundheit]]!“ Seine [[Liebe]]zu aufrichtigen sprirituellen Aspiranten war unvergleichlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1946 war der Ashram ziemlich arm und es gab nur wenige Zimmer und keine Annehmlichkeiten und keinen Komfort. Es gab noch nicht einmal einen Schutz vor den [[Affe]]n, die regelmäßig den Ashram überfielen. Ein sehr kleiner Raum  mit klapprigen Türen wurde „das Büro“ genannt, daran schloss sich ein kleiner Raum an mit niedriger Decke und niedrigem Eingang (Swamiji nannte diesem Raum Demuts-Eingang). Wenn man sich nicht niederbeugen würde, verlöre man den [[Kopf]]. An einem Mittag im Hoch[[sommer]] war es so heiß, dass drei oder vier der Büroarbeiter sowohl die Bürotüre als auch die Verbindungstüren geschlossen hatten, und sich im hinteren Teil aufhielten. Wenn Swamiji zu Mittag aß, fragte er immer nach einem extra Teller. Darauf legte er dann einen Teil seines Essens. Nachdem er seine Mahlzeit gegessen hatte, bedeckte er seinen kahlen Schädel mit einem dünnen Stück [[Stoff]] und ging  unverzüglich mit dem Teller los, von Raum zu Raum und gab jedem seiner Schüler etwas von seiner Speise (In diesen Tagen war dies eine außergewöhnliche Sache, denn viele Swamis würden weder ihren Schülern noch sonst jemanden wissen lassen, was sie gegessen hatten).  Er riet ihnen mit mütterlicher [[Zuneigung]]: „Kommt bitte nicht raus, es ist zu heiß.“ An diesem besonderen [[Tag]] so gegen 1 Uhr mittags ging er in der sengenden [[Sonne]] zum Büro, den Teller in der Hand.  Als er sah, dass alle Türen geschlossen waren, nahm er an, die Schüler würden schlafen. So ging er in die Küche, die nebenan war, und fand dort einen Swami. Er gab ihm Essen und sagte: „Die drei Jungs ruhen sich im Büro aus. Bitte störe sie nicht, aber wenn sie aufwachen, gib ihnen dies hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein ganzes [[Leben]] lang war Swamiji mehr um andere besorgt als um sich selbst. Vielleicht bekam sein Körper dadurch so viele [[Krankheit]]en. Wie er nach seinen Schülern schaute,  die mütterliche Liebe, die seine Einstellung zu ihnen prägte, darin könnten sich sogar die warmherzigsten [[Eltern ]] von ihm unterweisen lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal, als Swamiji aus seiner Hütte heraustrat, kam ein Ashram-Arbeiter auf seinem Fahrrad vorbei. Sobald er Swamiji bemerkte, stieg er vom Fahrrad ab und ging zu Fuß weiter. Swamiji sagte: „All diese Formalitäten sind nicht nötig für mich. Liebe und [[Respekt]] haben ihren Sitz ihm [[Herz]]en; und Du solltest immer Liebe und Respekt für Ältere in Deinem Herzen haben. Dies werde ich wissen! Diese äußeren Formalitäten haben keine große Bedeutung für mich. Du gehst in der heißen Sonne umher, machst Einkäufe in [[Rishikesh]] und überwachst die Bauarbeiten. Zögere nicht, an Dich zu denken. Du musst jetzt etwas Kaltes trinken, und in einer halben Stunde solltest Du etwas Heißes trinken. Und wenn Du gerne etwas [[Obst]] vom [[Bazar]] hättest, so nimm gerne! Du hast die absolute [[Freiheit]] alles zu tun, um Deinen Körper in bester Gesundheit zu erhalten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji betrachtete das Leben an den [[Ufer]]n des heiligen [[Fluss]]es [[Ganges]] zu Füßen des [[Himalya]] als einen [[Segen]] – mit ein wenig [[Mantra]]-Wiederholung ([[japa]]), [[Meditaiton]] und selbstlosem Dienst, und er war eifrig bemüht, die Tore dazu allen zu öffnen. Unzählige junge Männer suchten [[Schutz]] zu Swamijis Füßen als  Zuflucht in ihrer Not und Verzweiflung.  Swamiji hat niemanden nach seiner Vorgeschichte ausgefragt. In dem Moment, wenn Swamiji auch nur den Hauch von Verzweiflung in den Augen eines Neuankömmlings sah, bekam dieser das Gefühl, dass Swamiji genau auf ihn gewartet hat und dass er ihm einen großen Gefallen tun könnte, dem Ashram beizutreten. Welche psychologische [[Kraft]] dies gab ist nicht vorstellbar. Der notleidenden Person wurde das Gefühl von Größe gegeben und unmittelbar fühlte dieser Mensch, dass seine Vergangenheit ein schlechter [[Traum]] gewesen war und dass eine wunderbare [[Zukunft]] vor ihm läge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1945 ersuchte eine [[Frau]] Zuflucht im Ashram, die von ihrem [[Mann]] misshandelt worden war und die [[Familie ]] verlassen hatte. Selbst die leitenden Personen des Ashrams, die von Swamiji geschult waren, zögerten, der Frau [[Asyl]] zu gewähren.  Aber Swamiji blieb fest entschlossen, dass sie bleiben durfte. Allein der [[Gedanke]] daran, dass diese Frau ansonsten ihr Leben verlieren könnte reichte ihm aus, die ganze [[Welt]] zu ignorieren und nur diesem einen Menschen zu dienen. Ganze Bücher könnten damit gefüllt werden, auf welch wunderbare Weise Swamiji sie lehrte, ihre Leiden zu vergessen, ihren Geist zu beherrschen und letztendlich auf ihren eigenen Füßen zu stehen als eine unabhängige [[Stimme]] unter den Frauen Indiens. Von einer Belastung verwandelte Swamiji sie zu einer Bereicherung der [[Gesellschaft]]: ein wahrhaftiges Beispiel der [[Rehabilitation]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1955 begrüßte Swamiji einen [[Koch]] im Ashram. Der Koch hatte gar nicht vor, da zu bleiben und war überrascht, dass Swamiji bei der ersten Begegnung sagte: „Bitte bleibe hier. Du kannst ein Hotel in der Nachbarschaft eröffnen. Ich werde alles tun, Dich zu unterstützen.“   Er verfolgte die Sache weiterhin und bat den Sekretär, dem Koch einen Raum und die nötigen Utensilien für das Kochen zu besorgen, damit dieser seine Unternehmung starten könnte. Und er bot ihm sogar an: „Du kannst Lebensmittel vom Ashram nehmen und zu Deinem eigenen Gewinn verwenden.“  Etwas später verdeutlichte er seine Einstellung: „Es ist ein Segen, hier an den Ufern des Ganges, in Rishikesh, zu leben. Eines Tages könnte er die [[Sehnsucht]] verspüren, zu entsagen. Bis dahin ist es gut, ihn zu ermutigen, auch in seinem Streben nach [[Geld]]. Als erstes sorgen wir dafür, dass er hier bleibt, und dann bringen wir ihn langsam zu [[sadhana]].“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau hatte ihren Mann verloren und war rastlos. Daher kam sie nach Rishikesh und blieb in der Nähe des Ashrams. Sie sagte zu Swamiji: „Ich habe Juwelen im Wert von vier- bis fünftausend [[Rupie]]n und dazu noch ein [[Haus]]. Ich möchte für immer hier bleiben. Wenn Du mir das erlaubst, werde ich das Haus und die Juwelen verkaufen.“ Swamiji antwortete: „Behalte das Haus und die Juwelen. Du kannst in [[Brindavan]] bleiben.“ Er gab ihr ein Empfehlungsschreiben mit für einen guten [[Sadhu]] in Brindavan und schickte sie dorthin. Und er wies sie an: „Bereise die umliegenden Ortschaften. Verbreite den Ruhm von Gottes Namen. Leite [[Kirtan]]s an in jedem Haus. Unterrichte die kleinen [[Kind]]er.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einige Zeit folgte sie Swamijis Anweisungen. Dann wurde sie psychisch krank. Sie kam zurück nach Rishikesh und machte verliebte Annäherungsversuche an Swamiji. Durch das Fenster warf sie Parfüm auf Swamijis Bett. Und wenn Swamiji die Tür zu seiner Hütte öffnete, kam sie herein um bei ihm zu sitzen. Er fuhr einfach fort mit seiner Arbeit, ohne auch nur daran zu denken, dass sie da war. Nach einer Weile ging sie dann aus eigenen Stücken wieder weg. Swamiji hätte sie auch auffordern können zu gehen; aber nein, er würde nie jemanden auch nur die kleinste Verletzung zufügen. Er war erfüllt von Liebe zu allen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem die Belästigungen heftiger wurden, bat uns Swamiji, einen Stacheldrahtzaun um seine Hütte zu errichten. Wenn sie den Zaun um Swamijis Hütte sah, verfiel sie oft in Raserei. Dann warf sie Steine auf Swamijis Hütte. Auch da bewahrte er seine Ruhe. Nach einiger Zeit verschwand sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Jahren kehrte sie im Mönchsgewand nach Rishikesh zurück. Sie war alt geworden. Swamiji wurde nie von einem Vorurteil  beeinflusst. „Sie könnte sich geändert haben. Jede Sekunde entwickelt man sich. Wir sollten niemanden nach seiner Vergangenheit beurteilen.“, sagte er. Das war sein Leitprinzip. Er erlaubte ihr, in der Nähe des Ashrams zu bleiben. Normalerweise ging sie täglich in den Bazar von Rishikesh, und eine zeitlang sang sie irgendwelchen Unsinn über Swami Sivananda vor jedem Geschäft. Sie beschimpfte und beleidigte ihn sogar in der Öffentlichkeit. Abends kam sie dann in den Ashram. Swamiji sandte ihr Früchte und Mandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Saat säen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen, die sich inmitten von Zwietracht, Streit und Angst nach Frieden und Glück sehnten, fanden in „Sivananda Swami of Ananda Kutir“ (wie er von den Leuten in und um Rishikesh normalerweise genannt wurde) eine Vater-Figur, lieber als der eigene. Diejenigen  von religiösem und spirituellem Temperament , die sadhana zu ihrem einzigen Lebensziel gemacht hatten, fanden in ihm eine immerwährende [[Quelle]] der [[Weisheit]] und des [[Licht]]es. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit unterschiedlichen Menschen hatte Swamiji auch unterschiedliche Beziehungen. Einige weit entwickelte Aspiranten kamen zu ihm und in ihnen loderte das Feuer der Entsagung, der [[Verhaftungslosigkeit]] und der Unterscheidung. Sie zu lehren geschah auf anderen Kanälen. Swamiji wurde nur sehr selten mit ihnen gesehen, auch zogen sie nicht sehr nah zu ihm. Ihre Beziehung zu Swamiji war auf einer völlig anderen Ebene – der spirituellen Ebene. Es gab nur wenige solche Schüler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Mehrheit der anderen, mit denen Swamiji arbeitete und dichtauf lebte, waren unreife Aspiranten.  (Einige hatten nicht die geringste spirituelle Sehnsucht. Sie hatten bei Swamiji Unterschlupf gefunden, weil materielles Versagen sie von zu Hause vertrieben hatte und sie sonst umgekommen wären.)  Swamiji musste oft ihn ihnen den [[Samen]] von [[vairagya]] (Wunschlosigkeit, Verhaftungslosigkeit,Leidenschaftslosigkeit) säen! „Ihn abzuweisen, das kann ich nicht. Gebt ihm wenigstens die Möglichkeit, sich in einen besseren und glücklicheren Menschen zu verwandeln. Falls er versagt – macht nichts. Ein Versuch muss in jedem Fall gemacht werden.“ Solcher Art waren Swamijis Bemerkungen, wenn ein verstörter junger Mann dem Ashram beitreten durfte. So wurde von keinem Aspiranten eine Qualifikation gefordert. Es war eine Art Witz: wenn ein junger Mann sein Examen nicht bestanden hat oder sein Geschäft ruiniert hat – sucht nach ihm im Sivananda Ashram! Swamiji nahm sie großzügig auf und versuchte, sie zum [[Erwachen]] zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht alle Menschen, die bei Swamiji Zuflucht suchten, waren gute Menschen; aber er sah nur das Gute in ihnen; gegenüber dem Bösen war er blind. Wenn jemand einen schlechten [[Charakter]]zug hatte, würde er ihn nie verurteilen oder hart zu ihm sein. Normalerweise sagte er: „Macht Euch nichts daraus, wenn dieser Mann sogar bösartig ist; indem ich ihn herkommen lasse und ihm Obdach gewähre stelle ich sicher, dass es einen Schurken weniger gibt in [[Delhi]]!“ Das war seine [[Philosophie]]! „Allein die Tatsache, dass  derjenige hergekommen ist, zeigt, dass da eine kleine Öffnung ist, egal wie klein, durch die ein wenig [[Kommunikation]] stattfinden kann.  Lasst ihn hier bleiben, ich werde einen Samen säen. Während dieser [[Geburt]], der nächsten Geburt, kümmert Euch nicht; diese Saat wird jetzt oder viele Jahre später aufgehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji sagte, dass es wohl zu viel verlangt ist von einer Person, die in der modernen Welt lebt und von allen Seiten mit Ablenkungen und Versuchungen überflutet wird, Leidenschaftslosigkeit und Unterscheidungsvermögen zu entwickeln. Er meinte, dass es möglich sein muss bei einem Menschen, der vor seinem eigenen [[Scheitern]] davonläuft,  einen Funken zu finden den man anfachen kann zu einer großen [[Flamme]]. Sogar wenn gar kein Funken vorhanden war, konnte er eine Flamme entfachen. Das war das Einmalige an Swami Sivananda. Er pflanzte die Samen der [[Güte]], er nährte sie, goss sie und ließ sie wachsen und gedeihen; auch wenn dies ihm selbst ungeheure Schwierigkeiten bereitete, ihm machte das alles gar nichts aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht leicht nachzuvollziehen, was die Suchenden in den frühen 1940-er Jahren empfanden, wenn sie in den Ashram kamen. Einige hatten wohl Swami Sivanandas leidenschaftliche [[Wort]]e in seinen Original[[schriften]] gelesen, die so inspirierend waren, dass man auf der Stelle seine Kleider ablegen  wollte, um zum Himalaya zu eilen und dort [[Enthaltsamkeit]] zu praktizieren und sofort [[Selbstverwirklichung]] zu erreichen! Das war das Besondere an seinem Stil. Viele auf diese Weise inspirierte Menschen kamen in den Ashram. Oft liefen sie los, ohne sich umzuziehen, denn in Swami Sivanandas „How to Get Vairagya“ hatten sie gelesen „renounce everything“ (entsage allem) – und so entsagten sie allem. „seek solitude“ (suche die [[Einsamkeit]], Abgeschiedenheit) – und so suchten sie Abgeschiedenheit im Ashram. Einige von ihnen könnten beim Betreten des Ashrams  entdeckt haben, dass andere, die schon vor ihnen angekommen sind, einen schönen Mantel trugen. Und dann dachten sie manchmal: „Aha, sie sind vom Wege abgekommen, sie sind gescheitert. Seht her, wie leidenschaftslos ich bin. Meine Sehnsucht ist viel größer als die Sehnsucht von diesen Leuten, die schon seit so langem mit Swami Sivananda zusammen sind. Sie wissen nicht, was [[tapas]] ([[Askese]]), vairagya (Wunschlosigkeit) und brennendes Verlangen ist. Jeden Morgen sitze ich hier um 4 Uhr und meditiere. Schau all die alten Ashrambewohner an!“  Swamiji beobachtete sie und schätzte sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Egal, was der Aspirant machte, zuerst kam die Ermutigung. Danach würde er ein wenig antreiben. „[[Enthusiasmus]] ist sehr gut. Du hat eine wunderbare Sehnsucht. Du bist großartig, Du bist wie [[Sukadeva]]. Aber jugendlicher Enthusiasmus ist nicht gut.“ Zuerst eine große Menge [[Lob]], danach eine kleine bittere Pille, das war seine Methode. Niemand sollte entmutigt werden oder das [[Gefühl]] bekommen dass das, was er tat, völlig falsch sei. Seine Einstellung war: „Nein, mach das, es ist wunderbar, aber stelle sicher, dass es nicht nur jugendlicher Enthusiasmus ist, etwas, das später ein Rückschlag sein könnte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Aspiraten nicht nur noch ganz roh waren, sondern auch noch in keiner Weise erwacht, musste auch das Erwachen vom Meister beeinflusst werden. Bei einer Gelegenheit gingen sehr erfahrene Schüler mit allerhand Beschwerden zu Swamiji. Er musste auch sie zufriedenstellen, also gab er vor, wirkllch ärgerlich zu sein. Sehr zufrieden gingen die erfahrenen Schüler davon und dachten, dass Swamiji sich nun den jungen Aspiranten vornehmen würde. Genau das Gegenteil geschah: der Mann, über den sie sich beschwert hatten, bekam als erstes einige [[Banane]]n.  Damals gab es im Ashram einen kleinen Jungen, der Swami Sivananda diente, und der kam dann angelaufen und sagte: „Swamiji gibt dir Früchte“. Eine halbe Stunde später würde jemand anderes kommen: „Swamiji lässt Dir [[Kaffee]] bringen.“ Und eine Stunde später würde er persönlich erscheinen und sagen: „Du bist hervorragend und glänzend. Meditierst Du gut? Machst Du Japa (Mantrawiederholung)? Gut. Studierst Du [[vedanta]]? Sehr gut“ Was wurde nun aus all den Beschwerden?  Swamiji würde beobachten, ob all die Ermunterungen wirken würden. Anstatt zu sagen: „Du bist ein schlechter Kerl.“ Bestand Swamiji darauf, sich auf die guten Eigenschaften in Dir zu konzentrieren, Dir zu sagen, dass Du ein guter Arbeiter bist, auch wenn Du kein spirituelles [[Verlangen]] und keine [[Hingabe]] hattest. Er würde sagen: „Du bist ein großartiger Arbeiter. Da ist niemand, der so hart arbeitet wie Du.“  Dann würde er freundlich hinzufügen: „Immer, wenn Du arbeitest, sehe [[Gott]] in allem. Warum hilfst Du nicht in der Küche und gibst Essen aus? Du bist ein großartiger Mann, Du hast einen hübschen Körper und eine schöne [[Stimme]]. Wenn Du roti servierst, sage [[Bhagavan]] roti, roti Narayan, roti Maharaj.“  In diesem Moment wurde die [[Saat]] der spirituellen Sehnsucht gesät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji tat für Aspiranten, was sogar die liebevollsten Eltern nicht immer tun würden. In dem Moment, in dem sich auch nur die leiseste Spur eines [[Talent]]es bei einem Aspiranten zeigen würde, widmete er sich persönlich dem [[Erwecken]] und vollen [[Entfaltung]] dieses Talentes des Aspiranten. Tag und Nacht würde er  über Mittel und Wege  nachsinnen, wie der sadhaka sich entfalten könnte;  letztendlich zum [[Segen]] der ganzen Menschheit. Auf diese Weise wurden einige Abteilungen im [[Ananda Kutir]] gegründet und fortgeführt. 1948  trat ein junger Mann dem Ashram bei; er sagte, dass er sich mit Papierherstellung auskennen würde. Am folgenden Morgen ließ Swamiji eine Grube ausheben und ließ Rohmaterialien anliefern, damit dieser junge Mann, der keinerlei Qualifikationen (Swamiji fragte auch niemals danach) nachweisen konnte, seine Ideen verwirklichen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji nahm so ein aufrichtiges Interesse in all diese Unternehmungen, dass man denken könnte, er hätte gerade darauf gewartet, dass eine Person kommt und ihm genau bei dieser Arbeit hilft. So umfassend und gründlich war seine Begeisterung, dass er in kurzer Zeit Vorschläge machen konnte, wie man diese Arbeit, in der der Aspirant ja eigentlich der Experte war, besser erledigen könnte. So war es auch mit dem Fotostudio im Ashram.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Läuterung/Reinigung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji hat manchmal betont, dass [[atma jnana]] (Selbstverwirklichung) denkbar einfach ist. Es ist ganz einfach, ABER die vorbereitende [[Reinigung]], die eine Voraussetzung ist, ist extrem schwierig. Wenn die Reinigungsübungen anstanden, wendete er sehr einfache Methoden an, die aber sehr tiefgreifend in ihrer Wirkung waren. Die Übungen mussten kontinuierlich gemacht werden (im Sinne von Wiederholung). Swamiji musste sie wieder und wieder und wieder machen. Er hatte eine solche Geduld, dass er niemals jemanden als hoffnungslosen Fall betrachtete. Wenn ein Schüler den Sinn auf die eine Weise nicht einsehen konnte, würde Swamiji es so oder so abwandeln. Swamiji drehte und wendete es, bis eines Tages, so hoffte er, der Schüler einsehen würde, was er ihm versuchte beizubringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jemand eine Schwäche hatte, war Swamiji demgegenüber blind und sagte: „Er hat einige Schwächen, aber er hat auch einige großartigen [[Fähigkeit]]en.“  Er wählte die Methode, niemals die Fehler einer Person hervorzuheben, es sei denn, dass es nötig wäre.  – Zum Beispiel im Falle einer Konfrontation  mit einem anderen Schüler, wenn man Swamiji  die Angelegenheit vorgetragen hatte und beide vor ihm erscheinen mussten. Und wenn er einen Tadel aussprechen musste, tat er es ganz liebenswürdig. Als erstes würde er den Aspiranten loben. „Du hast diese und jene gute Eigenschaft. Als erstes ist es  Dein größtes Glück, dass Du der Welt entsagt hast, hierher gekommen bist und im Ganges gebadet hast. Du musst in hunderten von vergangenen Leben spirituell praktiziert haben, um so spirituell veranlagt zu sein. Und Du musst Dir die [[Gnade]] von Tausenden von [[Heiliger|Heilige]]n verdient haben, um hierher in den Ashram geführt zu werden, damit Du ein spirituelles Leben leben kannst.“  Dann würde er hinzufügen: „Warum möchtest Du streiten? Es ist nur ein kleiner Fehler. Werde nicht gereizt. Wenn Du gereizt bist, könntest es all Deine Bemühungen vereiteln. Hast Du schon gefrühstückt? Was hattest Du? Kaffee oder Tee? Soll ich Dir noch etwas besorgen?“  Ein Bündel Bananen kamen zuerst, dann ein klein wenig prick gefolgt von Butter und Honig.  Nachdem die Bananen verdaut waren und auch die Butter und der Honig gegessen, dämmerte Erkenntnis: „DIES wollte mir Swamiji sagen!“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji hielt seine Schüler nie in einem Zustand der Anspannung. Er machte Druck, sein Training voranzutreiben, aber sobald er merkte, dass ein Schüler zusammenbrach, lockerte er alle Regeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das grundlegende Prinzip in all dem war, dass niemand jemals von Swamiji kritisiert wurde. Kritik hätte alles ineffektiv gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Wohlergehen der Schüler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tag und Nacht hatte Swamiji nur einen Gedanken: Wohlergehen, Wachstum und Fortschritt (weltlich und spirituell) seiner Schüler. Oftmals erhob er sich zu einem leidenschaftlichen Appell an seine geliebten Schüler, er drängte sie mit feurigen Worten, alle Spuren von persönlicher Wichtigkeit auszurotten und sich  der edlen Idee des Dienstes an der Welt hinzugeben. Er schilderte ihnen auf packende und mitreißende Weise die Herrlichkeit des selbstlosen Dienens und der Verehrung Gottes als das Größte und Großartigste von allem Yoga. Wie alle Aspiranten fühlten sie sich manches mal bestürzt über die Endlosigkeit und  Weite der menschlichen Probleme und des Leidens. Dann munterte Swamiji sie auf mit der ausdrücklichen Versicherung, dass ein Leben des selbstlosen Dienens nie ein Misserfolg sei. Er rüttelte sie auf mit Worten wie diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kümmert Euch nicht darum, ob Selbstverwirklichung kommt oder nicht. Strengt Euch größtmöglich an, Euch ethisch zu verbessern und macht Euch perfekt für den Dienst an der Menschheit. Seht Gott in jedem Menschen. Betrachtet jeden Menschen als Gott. Wenn Eure Vorstellung von Gott beinhaltet, dass ER alldurchdringend ist, warum könnt Ihr IHN dann nicht in allen Wesen erkennen? Was hindert Euch daran, Euren Glauben in die Tat umzusetzen? Ihr müsst die Vorstellung aufgeben, dass ER nur hinter geschlossenen Augen und Türen vorhanden ist. Fühle SEINE Gegenwart in jedem und allem während Du dienst; und schaue dann, ob ER nicht im Grunde Deines Herzens strahlt in SEINEM eigenen Klang.  Wenn das Herz noch nicht frei ist von allen Unreinheiten und die niedere Natur nicht befreit ist von Schmutz, wie kann dann spirituelle Erfahrung zu Dir kommen? Bevor Du nicht Deine eigene Natur perfekt gemacht hast, kannst Du unmöglich die Wahrheit eines Wesens erkennen, das die reine Essenz der Vollendung ist. Rotte zuerst Egoismus, Ärger, Hass, Gier und Doppelzüngigkeit aus und sei aufrichtig und von ganzem Herzen  bei Deinem selbstlosen  Dienst. Wenn  Du es schaffst, zehn Menschen ein klein wenig Gutes zu tun, wenn Du erfolgreich einen schlechten Charakterzug  völlig ausrotten kannst und dafür eine einzige edle Tugend vollständig entwickeln kannst, sei sicher, dass Dein Leben nicht umsonst gelebt wurde. Und sogar nur zehn Menschen von einer Million erreichen kaum jemals dies. Was soll’s, wenn Du nicht samadhi und Selbstverwirkllichung erreichst?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kopf hoch, sei guten Mutes! Sei mit Leib und Seele bei der Arbeit. Ich garantiere Dir, dass Du Dich gesegnet und glücklich fühlen wirst. Sei nicht unzufrieden mit Deinem Los oder niedergeschlagen wegen Deinem Fortschritt. Handle nach meinem Wort. Habe ich nicht über Dein spirituelles Wohl nachgedacht?  Dann, wenn Du nur könntest, würdest Du sehen, dass Tag und Nacht, in jedem Augenblick, mein Herz in Sorge über Dein Wohlergehen schlägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer dem „direkten Familienkreis“ von Aspiranten, Studenten und Arbeitern gab es viele Suchenden in anderen Ländern, die große Zuneigung  zu Swami Sivananda hatten und ihn verehrten. Ihnen war er ein spiritueller Führer und Meister. Swamiji beantwortete ihre Briefe prompt, ging auf alle ihre Fragen ein und leitete sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungsbericht eines Schülers===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dazu schrieb Swami Sahajanandaji  aus Durban, Südafrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Anhänger und Verehrer von Swamiji muss erfahren haben, dass man die grenzenlose Gnade und Barmherzigkeit nur stillen Herzens und nicht mit Worten ausdrücken kann. Irgendwo habe ich gelesen, dass Swamijis Wohltätigkeit als „unbesonnen“ bezeichnet wurde. Aber ich denke, dass seine Gnade und Liebe sogar noch reichlicher vorhanden waren als die Wohltätigkeit.  Es ist nicht bemerkenswert, wenn ein Erster-Klasse-Aspirant die Gnade eines Meisters erhält. Aber wenn jemand sich qualvoll abmüht auf dem Weg zur Gottverwirklichung und erfährt dann ganz direkt die liebevolle Beachtung eines großen Heiligen, wird dieser Mensch sicherlich vor Ehrfurcht erzittern und eine unausprechliche Dankbarkeit wird ihn erfüllen. Leider war ich auch jemand, der nicht „rein“ geboren wurde oder mit einer großen Portion spiritueller samskaras  (= geistige Eindrücke aus dem jetzigen und den früheren Leben, die im Unterbewussten liegen) ausgestattet war. Aber durch Swamijis Gnade erreicht man langsam aber sicher das Ziel. Die Liebe und Fürsorge , die Swamiji einem fünftklassigen Aspiranten wie mir hat angedeihen lassen,  weist ihn als gottverwirklichten Heiligen aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl wir tausende von Meilen entfernt von seiner physischen Gegenwart lebten, kümmerte sich Swamiji um uns auf die gleiche Weise, wenn nicht noch besser, als um diejenigen, die in seiner Umgebung im Ashram lebten.  Hier einige Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor einiger Zeit schrieb ich ihm einen dringenden Brief wegen physischer Beschwerden. Das war gerade zu der Zeit, als Swamiji von seiner „All-India“-Reise zurückgekehrt war. Obwohl er sicherlich hunderte von Briefen zu beantworten hatte, war er so gütig, mir noch am selben Tag zu antworten. Neulich schrieb ich ihm von einer Veränderung meiner sadhana Praxis. Zurück kam eine zweiseitige Antwort in seiner eigenen Handschrift. Und noch bemerkenswerter war, dass Swamiji selbst den Brief adressiert und zur Post gebracht hatte; und das rührte mein Herz und ließ es zutiefst erbeben. Stellt Euch einen  bedeutungslosen Menschen vor wie mich, der mit so viel von seiner Liebe überschüttet wird! Und was für aufmunternde und tröstende Worte sein Brief erhielt! Jedes Wort ist durchtränkt mit der Wärme seiner grenzenlosen Liebe. Es ist diese Liebe, die dazu führt, das wir uns unwürdig fühlen, seinen kostbaren Segen zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamijis Buchgeschenke erreichten uns dutzendweise. Wenn ich ihn um ein Buch bat, schickte er sechs. Auch wenn beantragt war, dass die Bücher erst nach der Bezahlung geschickt werden sollten, kamen sie mit unverzagter Beharrlichkeit an. Nicht nur die Geschenk-Bücher erreichten die Gestade meines Landes, sondern auch herrlich frisches, süßes prasad kam, in Dosen verpackt, hier an. Es ist sicherlich nicht fehl am Platze, hier eine Erfahrung widerzugeben, die mein Freund, Sri G. V. Naidoo, bei einem Ashram-Besuch gemacht hat. Sobald er Swamiji traf, wurde er buchstäblich mit Liebe überschüttet. Swamiji widmete sich ihm persönlich, und mein Freund ging dann mit einem Stapel Bücher in den Händen. Dann erzählte er noch, wie er ein Bild von Swamiji bewunderte, das an der Wand hing – eine Ansicht von Swamijis tapas (Askese-Übungen) -   und Swamiji hatte es von der Wand abgenommen und ihm geschenkt. Welch eine außerordentlich seltene Großzügigkeit strahlt aus Swamijis Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamijis Heilkräfte wurden auch im entfernten Südafrika bewiesen. Zwei Fälle habe ich persönlich erlebt. Einer meiner Freunde, der ein Patient im T. B. Settlement war, litt an einer schweren Schlafstörung. Ich schrieb deswegen an Swamiji. Seine sofortige Antwort enthielt Anweisungen, wie man das Problem beseitigen könnte. Obwohl der Patient nicht den Anweisungen folgte, schlief er daraufhin gut. Nach einigen Wochen, wurde er wieder von Schlaflosigkeit geplagt. Es ist ein Jammer, dass die Anweisungen nicht befolgt wurden.  Das andere Beispiel betraf einen persönlichen Freund von mir, der an schlimmen und schmerzhaften Leberflecken auf den Händen litt. Wieder schrieb ich an Swamiji. Das von ihm empfohlene einfache Mittel wurde angewendet und die Leberflecken meines Freundes gingen vollkommen zurück. Das ist nun Monate her und die Probleme sind nicht wieder aufgetaucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie löst Swamiji die Alltagsprobleme der Aspiranten, die nicht in der glücklichen Lage sind, seine mündlichen Anweisungen zu hören? Das geschieht auf eigentümliche Weise. Wenn ich manchmal mit einem schwerwiegenden Problem konfrontiert bin, nehme ich einfach eins von Swamijis Büchern in die Hand und schlage irgend eine Seite auf – und schon springt mir die genaue Lösung für meine Probleme in die Augen! Manchmal vielleicht erreicht mich Swamijis innere Führung während der Meditation; oder es kann passieren, dass ein Ereignis oder eine Person mir die richtige Antwort gibt. Man muss allerdings wachsam sein, die richtige Führung zu empfangen. Aber in den meisten Fällen würden Swamijis Bücher uns helfen. Dies war auch die Erfahrung der anderen Anhänger hier. Es passiert so oft, dass wir keinen Zweifel daran haben, dass Swamiji all unsere Schwierigkeiten kennt  und dass seine Führung immer bei uns ist, egal wie viele Meilen uns von ihm trennen. Swamiji hat auch vollkommene Einsicht in unsere Herzen und unseren Geist, und niemand kann ihm etwas vormachen. Einmal schrieb ich ihm einen Brief und suchte Antworten auf einige Fragen spiritueller Natur. Swamiji fand die Wahrheit heraus, dass nämlich die Antworten dafür benötigt wurden, jemand anderes herabzuwürdigen – und er gab keine direkte Antwort. Von da an traute ich mich nicht  mehr, irgendwas vor ihm zu verheimlichen. Wir haben auch festgestellt, dass alles, was er sagte, früher oder später auch eintreffen würde. Seine Worte waren unfehlbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Geheimnis, wie man Swamijis Gnade erreichen kann, ist ihm von ganzem Herzen zu dienen. Ein kleiner Dienst an Kranken hier oder das Verteilen von einigen Schriften  dort – und schon hast Du einen Platz in seinem großen Herzen eingenommen. Jeder einzelne von den Tausenden von Schülern und Anhängern kennt diese Wahrheit. Dienst an Swamiji (ich nenne das Sivayoga) ist der großartigste Yoga dieser Zeit. Lass all diejenigen, die den vielen Wegen zu Gott folgen wollen, dies tun. Aber meine größte Freude ist es, Swamiji zu dienen, egal, ob es zur Gottesverwirklichung führt oder nicht.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Karli</name></author>
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		<title>Schüler</title>
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		<updated>2012-12-30T11:22:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Karli: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Swami Venkatesananda über Schülerschaft==&lt;br /&gt;
Sri [[Swami Venkatesananda]], *29.12.1921 in [[Tanjore]], [[Südindien]], †2.12.1982 in Johannesburg, Südafrika, war ein Schüler von Swami Sivananda. Einige Jahrzehnte lebte er mit dem Meister - und beobachtete, wie Swami Sivananda seine Schüler ausbildete. In einem Divine Life Magazine der [http://www.sivanandaonline.org Divine Life Society] schrieb er unteren Artikel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Meister und Schüler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen [[Buch|Büchern]] hat [[Swami]]ji das Wesentliche des traditionellen [[Lehre]]ns vermittelt, und in diesen [[Unterweisung]]en hat er die geheime [[Botschaft]] preisgegeben, wie man mit der [[Wahrheit ]] in [[Verbindung]] bleiben kann und wie man sie zu einem ganzheitlichen Aspekt seines [[Leben]]s machen kann. Er verkörperte dieses Lehren.  Zum  Beispiel, obwohl sein ganzes Leben im wahrsten [[Sinn]]e des [[Wort]]es aus [[Karma Yoga]] bestand, waren seine Schriften zu Karma Yoga sehr spärlich. Obwohl er nicht viel unterrichtete, waren die wenigen Worte der Unterweisung, die seine Schüler von ihm hörten, unvergesslich. Er selbst war meistens die lebendige Wahrheit.  Durch seine Taten sprach er lauter als durch einen  Lautsprecher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erleuchtete [[Guru]] kann seine wesentlichen [[Erfahrung]]en nicht in Worte fassen. Was niedergeschrieben wurde oder was in Worten ausgedrückt wurde,  ist nur ein Bruchstück der Erfahrung des Weisen. Da ist etwas, das er erfahren hat, das unaussprechlich ist. Sogar der kleine Teil, den er ausdrücken kann, geht bei der Übermittlung verloren, da der Schüler nicht achtsam ist. Daher hat Swamiji nur selten die Zuhörer aufgefordert, eigene Notizen zu machen, sondern sie sollten den [[Dialog]] oder die Unterhaltung hinterher aufschreiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kommunikation]] ist fast immer non-verbal. Oft hat man gemerkt, dass ein hoch inspirierender Dialog, wenn er schnell niedergeschrieben wurde, nicht mehr so inspirierend war, weil Swamijis „hm“, ein Lächeln und ein Ausdruck von Gesicht und Augen eine gewaltige Wirkung und [[Bedeutung]] hatten. In diesem Bereich fand die Kommunikation statt! Kommunikation kann nur stattfinden, wenn Meister und Schüler miteinander verschmelzen, wenn sie auf der gleichen Ebene und Wellenlänge sind. Dann wird die Lehre aufgenommen, ohne dass ein Wort nötig wäre. In den [[Katha Upanishad]] heißt es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uttishtata jagrata prapya varan nibodhata. (Arise, awake, be vigilant; then approach a great master and attain enlightment = erhebe Dich, erwache,  sei achtsam; dann trete an einen großen Meister heran und erlange [[Erleuchtung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erheben und Erwachen sind Sache des Schülers und nicht des Meisters; aber Swamiji wich von dieser Regel ab und gewährte auch [[Mensch]]en Zugang zum Ashram, die nicht all diese Qualifikationen aufwiesen. Er verbarg die spirituelle Weisheit nicht – sie war da, öffentlich – und er stellte sie nicht zur Schau. Das war ein außergewöhnlicher Wesenszug an ihm.  Viele Swamis und [[Yogi]]s würden auf eine einfache Frage wie „Kann man im [[Winter]] im [[Ganges]] baden?“  eine lange Rede über [[Vedanta]] halten: „Du bist nicht der [[Körper]], Du bist nicht der [[Geist]]. Du bist das unsterbliche [[Selbst]]. Es ist nicht das unsterbliche Selbst, das die [[Kälte]] spürt, es sind Körper und Geist, die die Kälte fühlen!“ Swamiji sprach nie so. If at all, he erred on the other side. Er war mehr an dem körperlichen und intellektuellen Wohlergehen der [[Aspirant]]en interessiert, anstatt bei jedem Husten oder Niesen jedesmal irgendwelche religiösen Anweisungen auszusprechen. Er wartete darauf, dass der Aspirant eine spirituelle Frage stellt, und wenn der Fragende eifrig und begeistert war, kommunizierte er Wissen auf unerklärliche Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals war es für Heilige [[Tradition]], sich in einer [[Höhle]] zu verbergen und zu warten, bis ein qualifizierter Aspirant sich nähern würde. Ein Aspirant, der schon ein inneres Erwachen erfahren hatte, der aufmerksam und begeistert war und der unter Einsatz von viel [[Kraft]] und [[Zeit]] sich die Mühe gemacht hat, zu ihm zu gelangen, um den Heiligen um Unterweisung zu bitten. Im Großen und Ganzen übernahm Swami Sivananda diese Tradition, indem er „seine Weisheit unter einem großen Mantel verbarg“. Die Menschen, die zu ihm kamen,  erinnerten sich an seine [[Zuneigung]] und [[Liebe]] und seine großen [[Sorge]] um ihr körperliches und materielles Wohlergehen. Dies waren seine Hauptsorgen – Weisheit oder atma jnana kamen zu ihrer [[Zeit]]. Wenn aber ein Schüler in vollkommener [[Hingabe]] und Liebe mit ihm verschmolz, konnte non-verbale Kommunikation sehr leicht geschehen. Dies war sein [[Geheimnis]]. Denn er hatte erkannt, dass keine mündlichen Unterweisungen irgendwie fruchten würden, solange der Aspirant nicht Weisheit, Leidenschaftslosigkeit, edle und tugendhafte Eigenschaften und ein beständiges Streben nach [[Befreiung]] hat – und somit die non-verbale Kommunikation unmöglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Schülerschaft===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Leute in der Anfangszeit nach [[Rishikesh]] kamen, fanden sie [[Swami Sivananda]], wie er [[Glückseligkeit]], Frieden und [[Freude]] verströmte, obwohl all die Dinge fehlten, von denen man denkt, dass sie für Frieden, Freude und Wohlstand  nötig sind. Es gab absolut nichts. Unter solchen Umständen lebend verströmte er trotzdem Freude. Wie konnte er so leben? Der Blick in seinen [[Auge]]n verriet, das er die Wahrheit gefunden hatte. Wenn man in seine Augen schaute erkannte man, dass er die Wahrheit gefunden hatte und man selber nicht.  Das allein machte demütig und man warf sich nieder zu seinen [[Fuß|Füß]]en. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang 1947 saß Swami Sivananda in seinem Büro. Ein junger [[Mann]] aus [[Südafrika]], der im Ashram für 2 oder 3 Monate gelebt hatte, musste an diesem [[Tag]] abreisen. Er trat ein, fiel vor Swami Sivananda auf die [[Knie]] und begann zu weinen. Mit höchster Liebe und Zuneigung schaute Swamiji ihn an. Der junge Mann sagte: „Swamiji, ich muss heute abreisen. Aber wo in [[Afrika]] werde ich einen [[Meister]] wie Dich finden?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich veränderte sich Swamijis Gesichtsausdruck, und mit einem unheimlich schönen, vielsagenden und verschmitztem Lächeln sagte er: „Hm, Du findest keinen Meister in Afrika?“ In diesem Moment verschwand der Kummer des jungen Mannes und seine Tränen trockneten. Swamiji lachte, blickte ihn fest an und sagte: „Es ist sehr leicht, einen Meister zu finden, aber es ist schwer, einen Schüler zu finden. Sei ein Schüler! Vom Scheitel bis zur Sohle sei ein Schüler! Dann wirst Du einen Meister finden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji sagte niemals „Ich bin Dein Meister“. Manchmal pflegte er zu sagen „Du bist mein Schüler“  oder „er ist mein Schüler“. Seinen ersten Schülern schrieb er: „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen, ich werde Dir dienen und Dich leiten.“ Wenn er sagte „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen“, dachten die Schüler, sie dürften Swamiji in Anspruch nehmen und könnten ihm freizügig schreiben. Genau das wollte er auch. Der nächste Satz war „ich werde Dir dienen“. Der Schüler sollte eigentlich dem Meister dienen! In dieser Formulierung hob er die [[Vorstellung]] von ihm als Guru auf. Er betrachtete sich selbst nie als Guru. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Meister zu dienen ist besonders wichtig. Indem man dem Meister dient, entdeckt man seine Wellenlänge und wie man sich zu ihr erheben kann. Der Schüler macht etwas auf bestimmte Weise, in einer bestimmten Geisteshaltung – aber der Meister macht es anders, es mag sogar seine Eigenart sein. Aber wenn es der Schüler nicht lernt, Dinge in der Art und Weise des Meisters zu tun, wird er sich nicht auf die Wellenlänge des Meisters einstellen können. Trotzdem ist sein [[Dienst]] wertvoll. Auch wenn Swamiji den Schülern das [[Gefühl]] gab, dass ihre [[Arbeit]] ein wichtiger Beitrag für die [[Mission]] war, wollte er ihnen  tatsächlich nur Möglichkeiten bieten, sich auf ihn einzustimmen und an ihm auszurichten, - und nicht, weil er ihren [[Dienst]] benötigt hätte. Er arbeitete hart daran, Arbeitsbereiche zu erstellen, in denen sie ihre Talente ausüben konnten, um ihnen so zu helfen, innerlich zu wachsen, damit die Kommunikation stattfinden könnte. Zum Beispiel kamen einige [[Musik]]er in den Ashram. Zu ihrem [[Segen]] organisierte Swamiji Musikunterricht, kaufte die nötigen Instrumente, stellte einen Raum bereit usw. Auf diese Weise verwandelte sich der [[Sender]] in einen [[Empfänger]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji betonte immer wieder, dass sich der Schüler dem Meister unterwerfen sollte, aber er wusste auch, dass dies weder von Seiten des Schülers noch von Seiten des Meisters erzwungen werden konnte. Es musste geschehen; aber auch dies begünstigte er, indem er die notwendigem Umstände schuf für das Üben der [[Unterwerfung]]. Er könnte zum Beispiel ein Anliegen vorbringen, das er gerne erledigt hätte und dann eine ganze Reihe von Alternativen aufzählen. Selbstverständlich würde der Schüler sich für etwas entscheiden, und daran konnte Swamiji genau erkennen, wo der Schüler stand – war er arrogant oder nur eitel, gleichgültig oder heuchlerisch demütig oder war er wahrhaftig demütig im Geiste der Unterwerfung. Gleichzeitig ermöglichte er es dem Schüler wahrzunehmen, wo er wirklich stand und gab ihm die Gelegenheit, sich selbst in der Situation zu studieren. Somit war der Schüler in die Lage versetzt, sein [[Ego]] und dessen [[Spiel]] zu erkennen. Wenn ihm dann das hässliche Treiben des Egos bewusst wurde, erwachte Unterwerfung in ihm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten [[Jahr]]en, war Swamiji sehr streng in der Zulasssung von Aspiranten im Ashram; denn sie mussten ein sehr hartes Leben leben. Er erläuterte Anwärtern in ganz klaren Worten, was die Bedingungen für ein Leben dort waren. Aber nachdem er den Ashram aufgebaut hatte und das leibliche Wohl der [[Sadhaka]]s sichergestellt war, bemühte er sich eifrig darum, mehr und mehr Menschen im Ashram zuzulassen, damit alle eine Möglichkeit zu spirituellem [[Wachstum]] haben könnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji arbeitete ohne Unterlass, damit die Aspiranten, die zu seinen Füßen [[Zuflucht]] gesucht hatten, vor den Schwierigkeiten bewahrt würden, denen er in der ersten Zeit in Rishikesh ausgesetzt war. Mit aller Macht wollte er verhindern, dass sie kostbare, mentale [[Energie]] vergeuden in Gedanken an das leibliche Wohl  - Essen, [[Kleidung]], [[Unterkunft]] und medizinische [[Versorgung]]. Sie sollten frei sein, den Weg zu verfolgen, den sie eingeschlagen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da er selbst die [[Gefahr]] von [[Extrem]]en erfahren hatte, sagte er: „Es ist gut, wenn ihr [[Luxus]] ablehnt, aber zögert nicht, einfachen [[Komfort]] anzunehmen, der die Mindestnotwendigkeit  der physischen, menschlichen [[Existenz]] abdeckt.  Wenn Du für eine gewisse Zeit tüchtig arbeiten musst, dann versage Dir nicht die notwendige, nahrhafte Nahrung. Während Du geistig arbeitest, halte etwas kühlendes Öl wie brahmi amla oil für Deinen [[Kopf]] parat . Lehne nicht das [[Obst]] ab, wenn ich es Dir anbiete.“  Daher drängte Swamiji die Sadhakas, die mit Studier- und Schreibarbeiten beschäftigt waren, eine kleine Extraportion Milch und Ghee zu nehmen und bot ihnen auch [[Mandel]]n und [[Nuss|Nüsse]] an. Wenn sie es ablehnten, war Swamijis Rat: „Das ist keine Weisheit. Wollt Ihr [[Diabetes]] und Nervenkrankheit herausfordern? Schaut her, was meine Entsagung bewirkt hat. Trockenes [[Brot]] und einfaches [[Dhal]] sind nicht der einzige Test für „sadhuism“.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemand im [[Ashram]] hatte größere Gebrechen als [[Swami]]ji selbst, und trotzdem war da niemand, der härter gearbeitet hätte als er. Wenn er einen [[Aspirant]]en traf, dem es gerade nicht gut ging, und wenn es auch nur ein wenig Kopfweh war, sagte er: „Bitte geh‘ und ruhe dich aus!“ und er würde einen [[Arzt]] schicken und noch ein halbes Dutzend andere, die ihm beistehen sollten. Wenn aber er jedoch krank war, fegte er streng des Doktors Bitte beiseite, er solle doch dem [[Körper]] ein wenig [[Ruhe]] gönnen. In diesem einen Aspekt war ein riesiger Unterschied zwischen Swamijis Grundsatz und seiner eigenen Praxis. Er lebte selbst aufopfernden [[Dienst]] vor und predigte anderen: „Bitte kümmert Euch um Eure [[Gesundheit]]!“ Seine [[Liebe]]zu aufrichtigen sprirituellen Aspiranten war unvergleichlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1946 war der Ashram ziemlich arm und es gab nur wenige Zimmer und keine Annehmlichkeiten und keinen Komfort. Es gab noch nicht einmal einen Schutz vor den [[Affe]]n, die regelmäßig den Ashram überfielen. Ein sehr kleiner Raum  mit klapprigen Türen wurde „das Büro“ genannt, daran schloss sich ein kleiner Raum an mit niedriger Decke und niedrigem Eingang (Swamiji nannte diesem Raum Demuts-Eingang). Wenn man sich nicht niederbeugen würde, verlöre man den [[Kopf]]. An einem Mittag im Hoch[[sommer]] war es so heiß, dass drei oder vier der Büroarbeiter sowohl die Bürotüre als auch die Verbindungstüren geschlossen hatten, und sich im hinteren Teil aufhielten. Wenn Swamiji zu Mittag aß, fragte er immer nach einem extra Teller. Darauf legte er dann einen Teil seines Essens. Nachdem er seine Mahlzeit gegessen hatte, bedeckte er seinen kahlen Schädel mit einem dünnen Stück [[Stoff]] und ging  unverzüglich mit dem Teller los, von Raum zu Raum und gab jedem seiner Schüler etwas von seiner Speise (In diesen Tagen war dies eine außergewöhnliche Sache, denn viele Swamis würden weder ihren Schülern noch sonst jemanden wissen lassen, was sie gegessen hatten).  Er riet ihnen mit mütterlicher [[Zuneigung]]: „Kommt bitte nicht raus, es ist zu heiß.“ An diesem besonderen [[Tag]] so gegen 1 Uhr mittags ging er in der sengenden [[Sonne]] zum Büro, den Teller in der Hand.  Als er sah, dass alle Türen geschlossen waren, nahm er an, die Schüler würden schlafen. So ging er in die Küche, die nebenan war, und fand dort einen Swami. Er gab ihm Essen und sagte: „Die drei Jungs ruhen sich im Büro aus. Bitte störe sie nicht, aber wenn sie aufwachen, gib ihnen dies hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein ganzes [[Leben]] lang war Swamiji mehr um andere besorgt als um sich selbst. Vielleicht bekam sein Körper dadurch so viele [[Krankheit]]en. Wie er nach seinen Schülern schaute,  die mütterliche Liebe, die seine Einstellung zu ihnen prägte, darin könnten sich sogar die warmherzigsten [[Eltern ]] von ihm unterweisen lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal, als Swamiji aus seiner Hütte heraustrat, kam ein Ashram-Arbeiter auf seinem Fahrrad vorbei. Sobald er Swamiji bemerkte, stieg er vom Fahrrad ab und ging zu Fuß weiter. Swamiji sagte: „All diese Formalitäten sind nicht nötig für mich. Liebe und [[Respekt]] haben ihren Sitz ihm [[Herz]]en; und Du solltest immer Liebe und Respekt für Ältere in Deinem Herzen haben. Dies werde ich wissen! Diese äußeren Formalitäten haben keine große Bedeutung für mich. Du gehst in der heißen Sonne umher, machst Einkäufe in [[Rishikesh]] und überwachst die Bauarbeiten. Zögere nicht, an Dich zu denken. Du musst jetzt etwas Kaltes trinken, und in einer halben Stunde solltest Du etwas Heißes trinken. Und wenn Du gerne etwas [[Obst]] vom [[Bazar]] hättest, so nimm gerne! Du hast die absolute [[Freiheit]] alles zu tun, um Deinen Körper in bester Gesundheit zu erhalten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji betrachtete das Leben an den [[Ufer]]n des heiligen [[Fluss]]es [[Ganges]] zu Füßen des [[Himalya]] als einen [[Segen]] – mit ein wenig [[Mantra]]-Wiederholung ([[japa]]), [[Meditaiton]] und selbstlosem Dienst, und er war eifrig bemüht, die Tore dazu allen zu öffnen. Unzählige junge Männer suchten [[Schutz]] zu Swamijis Füßen als  Zuflucht in ihrer Not und Verzweiflung.  Swamiji hat niemanden nach seiner Vorgeschichte ausgefragt. In dem Moment, wenn Swamiji auch nur den Hauch von Verzweiflung in den Augen eines Neuankömmlings sah, bekam dieser das Gefühl, dass Swamiji genau auf ihn gewartet hat und dass er ihm einen großen Gefallen tun könnte, dem Ashram beizutreten. Welche psychologische [[Kraft]] dies gab ist nicht vorstellbar. Der notleidenden Person wurde das Gefühl von Größe gegeben und unmittelbar fühlte dieser Mensch, dass seine Vergangenheit ein schlechter [[Traum]] gewesen war und dass eine wunderbare [[Zukunft]] vor ihm läge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1945 ersuchte eine [[Frau]] Zuflucht im Ashram, die von ihrem [[Mann]] misshandelt worden war und die [[Familie ]] verlassen hatte. Selbst die leitenden Personen des Ashrams, die von Swamiji geschult waren, zögerten, der Frau [[Asyl]] zu gewähren.  Aber Swamiji blieb fest entschlossen, dass sie bleiben durfte. Allein der [[Gedanke]] daran, dass diese Frau ansonsten ihr Leben verlieren könnte reichte ihm aus, die ganze [[Welt]] zu ignorieren und nur diesem einen Menschen zu dienen. Ganze Bücher könnten damit gefüllt werden, auf welch wunderbare Weise Swamiji sie lehrte, ihre Leiden zu vergessen, ihren Geist zu beherrschen und letztendlich auf ihren eigenen Füßen zu stehen als eine unabhängige [[Stimme]] unter den Frauen Indiens. Von einer Belastung verwandelte Swamiji sie zu einer Bereicherung der [[Gesellschaft]]: ein wahrhaftiges Beispiel der [[Rehabilitation]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1955 begrüßte Swamiji einen [[Koch]] im Ashram. Der Koch hatte gar nicht vor, da zu bleiben und war überrascht, dass Swamiji bei der ersten Begegnung sagte: „Bitte bleibe hier. Du kannst ein Hotel in der Nachbarschaft eröffnen. Ich werde alles tun, Dich zu unterstützen.“   Er verfolgte die Sache weiterhin und bat den Sekretär, dem Koch einen Raum und die nötigen Utensilien für das Kochen zu besorgen, damit dieser seine Unternehmung starten könnte. Und er bot ihm sogar an: „Du kannst Lebensmittel vom Ashram nehmen und zu Deinem eigenen Gewinn verwenden.“  Etwas später verdeutlichte er seine Einstellung: „Es ist ein Segen, hier an den Ufern des Ganges, in Rishikesh, zu leben. Eines Tages könnte er die [[Sehnsucht]] verspüren, zu entsagen. Bis dahin ist es gut, ihn zu ermutigen, auch in seinem Streben nach [[Geld]]. Als erstes sorgen wir dafür, dass er hier bleibt, und dann bringen wir ihn langsam zu [[sadhana]].“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau hatte ihren Mann verloren und war rastlos. Daher kam sie nach Rishikesh und blieb in der Nähe des Ashrams. Sie sagte zu Swamiji: „Ich habe Juwelen im Wert von vier- bis fünftausend [[Rupie]]n und dazu noch ein [[Haus]]. Ich möchte für immer hier bleiben. Wenn Du mir das erlaubst, werde ich das Haus und die Juwelen verkaufen.“ Swamiji antwortete: „Behalte das Haus und die Juwelen. Du kannst in [[Brindavan]] bleiben.“ Er gab ihr ein Empfehlungsschreiben mit für einen guten [[Sadhu]] in Brindavan und schickte sie dorthin. Und er wies sie an: „Bereise die umliegenden Ortschaften. Verbreite den Ruhm von Gottes Namen. Leite [[Kirtan]]s an in jedem Haus. Unterrichte die kleinen [[Kind]]er.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einige Zeit folgte sie Swamijis Anweisungen. Dann wurde sie psychisch krank. Sie kam zurück nach Rishikesh und machte verliebte Annäherungsversuche an Swamiji. Durch das Fenster warf sie Parfüm auf Swamijis Bett. Und wenn Swamiji die Tür zu seiner Hütte öffnete, kam sie herein um bei ihm zu sitzen. Er fuhr einfach fort mit seiner Arbeit, ohne auch nur daran zu denken, dass sie da war. Nach einer Weile ging sie dann aus eigenen Stücken wieder weg. Swamiji hätte sie auch auffordern können zu gehen; aber nein, er würde nie jemanden auch nur die kleinste Verletzung zufügen. Er war erfüllt von Liebe zu allen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem die Belästigungen heftiger wurden, bat uns Swamiji, einen Stacheldrahtzaun um seine Hütte zu errichten. Wenn sie den Zaun um Swamijis Hütte sah, verfiel sie oft in Raserei. Dann warf sie Steine auf Swamijis Hütte. Auch da bewahrte er seine Ruhe. Nach einiger Zeit verschwand sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Jahren kehrte sie im Mönchsgewand nach Rishikesh zurück. Sie war alt geworden. Swamiji wurde nie von einem Vorurteil  beeinflusst. „Sie könnte sich geändert haben. Jede Sekunde entwickelt man sich. Wir sollten niemanden nach seiner Vergangenheit beurteilen.“, sagte er. Das war sein Leitprinzip. Er erlaubte ihr, in der Nähe des Ashrams zu bleiben. Normalerweise ging sie täglich in den Bazar von Rishikesh, und eine zeitlang sang sie irgendwelchen Unsinn über Swami Sivananda vor jedem Geschäft. Sie beschimpfte und beleidigte ihn sogar in der Öffentlichkeit. Abends kam sie dann in den Ashram. Swamiji sandte ihr Früchte und Mandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Saat säen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen, die sich inmitten von Zwietracht, Streit und Angst nach Frieden und Glück sehnten, fanden in „Sivananda Swami of Ananda Kutir“ (wie er von den Leuten in und um Rishikesh normalerweise genannt wurde) eine Vater-Figur, lieber als der eigene. Diejenigen  von religiösem und spirituellem Temperament , die sadhana zu ihrem einzigen Lebensziel gemacht hatten, fanden in ihm eine immerwährende [[Quelle]] der [[Weisheit]] und des [[Licht]]es. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit unterschiedlichen Menschen hatte Swamiji auch unterschiedliche Beziehungen. Einige weit entwickelte Aspiranten kamen zu ihm und in ihnen loderte das Feuer der Entsagung, der [[Verhaftungslosigkeit]] und der Unterscheidung. Sie zu lehren geschah auf anderen Kanälen. Swamiji wurde nur sehr selten mit ihnen gesehen, auch zogen sie nicht sehr nah zu ihm. Ihre Beziehung zu Swamiji war auf einer völlig anderen Ebene – der spirituellen Ebene. Es gab nur wenige solche Schüler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Mehrheit der anderen, mit denen Swamiji arbeitete und dichtauf lebte, waren unreife Aspiranten.  (Einige hatten nicht die geringste spirituelle Sehnsucht. Sie hatten bei Swamiji Unterschlupf gefunden, weil materielles Versagen sie von zu Hause vertrieben hatte und sie sonst umgekommen wären.)  Swamiji musste oft ihn ihnen den [[Samen]] von [[vairagya]] (Wunschlosigkeit, Verhaftungslosigkeit,Leidenschaftslosigkeit) säen! „Ihn abzuweisen, das kann ich nicht. Gebt ihm wenigstens die Möglichkeit, sich in einen besseren und glücklicheren Menschen zu verwandeln. Falls er versagt – macht nichts. Ein Versuch muss in jedem Fall gemacht werden.“ Solcher Art waren Swamijis Bemerkungen, wenn ein verstörter junger Mann dem Ashram beitreten durfte. So wurde von keinem Aspiranten eine Qualifikation gefordert. Es war eine Art Witz: wenn ein junger Mann sein Examen nicht bestanden hat oder sein Geschäft ruiniert hat – sucht nach ihm im Sivananda Ashram! Swamiji nahm sie großzügig auf und versuchte, sie zum [[Erwachen]] zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht alle Menschen, die bei Swamiji Zuflucht suchten, waren gute Menschen; aber er sah nur das Gute in ihnen; gegenüber dem Bösen war er blind. Wenn jemand einen schlechten [[Charakter]]zug hatte, würde er ihn nie verurteilen oder hart zu ihm sein. Normalerweise sagte er: „Macht Euch nichts daraus, wenn dieser Mann sogar bösartig ist; indem ich ihn herkommen lasse und ihm Obdach gewähre stelle ich sicher, dass es einen Schurken weniger gibt in Delhi!“ Das war seine Philosophie! „Allein die Tatsache, dass  derjenige hergekommen ist, zeigt, dass da eine kleine Öffnung ist, egal wie klein, durch die ein wenig Kommunikation stattfinden kann.  Lasst ihn hier bleiben, ich werde einen Samen säen. Während dieser Geburt, der nächsten Geburt, kümmert Euch nicht; diese Saat wird jetzt oder viele Jahre später aufgehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji sagte, dass es wohl zu viel verlangt ist von einer Person, die in der modernen Welt lebt und von alles Seiten mit Ablenkungen und Versuchungen überflutet wird, Leidenschaftslosigkeit und Unterscheidungsvermögen zu entwickeln. Er meinte, dass es möglich sein muss bei einem Menschen, der vor seinem eigenen Scheitern davonläuft,  einen Funken zu finden den man anfachen kann zu einer großen Flamme. Sogar wenn gar kein Funken vorhanden war, konnte er eine Flamme entfachen. Das war das Einmalige an Swami Sivananda. Er pflanzte die Samen der Güte, er nährte sie, goss sie und ließ sie wachsen und gedeihen; auch wenn dies ihm selbst ungeheure Schwierigkeiten bereitete, ihm machte das alles gar nichts aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht leicht nachzuvollziehen, was die Suchenden in den frühen 1940-er Jahren empfanden, wenn sie in den Ashram kamen. Einige hatten wohl Swami Sivanandas leidenschaftliche Worte in seinen Originalschriften gelesen, die so inspirierend waren, dass man auf der Stelle seine Kleider ablegen  wollte, um zum Himalaya zu eilen und dort Enthaltsamkeit zu praktizieren und sofort Selbstverwirklichung zu erreichen! Das war das Besondere an seinem Stil. Viele auf diese Weise inspirierte Menschen kamen in den Ashram. Oft liefen sie los, ohne sich umzuziehen, denn in Swami Sivanandas „How to Get Vairagya“ hatten sie gelesen „renounce everything“ (entsage allem) – und so entsagten sie allem. „seek solitude“ (suche die Einsamkeit, Abgeschiedenheit) – und so suchten sie Abgeschiedenheit im Ashram. Einige von ihnen könnten beim Betreten des Ashrams  entdeckt haben, dass andere, die schon vor ihnen angekommen sind, einen schönen Mantel trugen. Und dann dachten sie manchmal: „Aha, sie sind vom Wege abgekommen, sie sind gescheitert. Seht her, wie leidenschaftslos ich bin. Meine Sehnsucht ist viel größer als die Sehnsucht von diesen Leuten, die schon seit so langem mit Swami Sivananda zusammen sind. Sie wissen nicht, was tapas (Askese), vairagya (Wunschlosigkeit) und brennendes Verlangen ist. Jeden Morgen sitze ich hier um 4 Uhr und meditiere. Schau all die alten Ashrambewohner an!“  Swamiji beobachtete sie und schätzte sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Egal, was der Aspirant machte, zuerst kam die Ermutigung. Danach würde er ein wenig antreiben. „Enthusiasmus ist sehr gut. Du hat eine wunderbare Sehnsucht. Du bist großartig, Du bist wie Sukadeva. Aber jugendlicher Enthusiasmus ist nicht gut.“ Zuerst eine große Menge Lob, danach eine kleine bittere Pille, das war seine Methode. Niemand sollte entmutigt werden oder das Gefühl bekommen dass das, was er tat, völlig falsch sei. Seine Einstellung war: „Nein, mach das, es ist wunderbar, aber stelle sicher, dass es nicht nur jugendlicher Enthusiasmus ist, etwas, das später ein Rückschlag sein könnte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Aspiraten nicht nur noch ganz roh waren, sondern auch noch in keiner Weise erwacht, musste auch das Erwachen vom Meister beeinflusst werden. Bei einer Gelegenheit gingen sehr erfahrene Schüler mit allerhand Beschwerden zu Swamiji. Er  musste auch sie zufriedenstellen, also gab er vor, wirkllch ärgerlich zu sein. Sehr zufrieden gingen die erfahrenen Schüler davon und dachten, dass Swamiji sich nun den jungen Aspiranten vornehmen würde. Genau das Gegenteil geschah: der Mann, über den sie sich beschwert hatten, bekam als erstes einige Bananen.  Damals gab es im Ashram einen kleinen Jungen, der Swami Sivananda diente, und der kam dann angelaufen und sagte: „Swamiji gibt Dir Früchte“. Eine halbe Stunde später würde jemand anderes kommen: „Swamiji lässt Dir Kaffee bringen.“ Und eine Stunde später würde er persönlich erscheinen und sagen: „Du bist hervorragend und glänzend. Meditierst Du gut? Machst Du Japa (Mantrawiederholung)?  Gut. Studierst Du vedanta? Sehr gut“  Was wurde nun aus all den Beschwerden?  Swamiji würde beobachten, ob all die Ermunterungen wirken würden. Anstatt zu sagen: „Du bist ein schlechter Kerl.“ Bestand Swamiji darauf, sich auf die guten Eigenschaften in Dir zu konzentrieren, Dir zu sagen, dass Du ein guter Arbeiter bist, auch wenn Du kein spirituelles Verlangen und keine Hingabe hattest. Er würde sagen: „Du bist ein großartiger Arbeiter. Da ist niemand, der so hart arbeitet wie Du.“  Dann würde er freundlich hinzufügen: „Immer, wenn Du arbeitest, sehe Gott in allem. Warum hilfst Du nicht in der Küche und gibst Essen aus? Du bist ein großartiger Mann, Du hast einen hübschen Körper und eine schöne Stimme. Wenn Du roti servierst, sage Bhagavan roti, roti Narayan, roti Maharaj.“  In diesem Moment wurde die Saat der spirituellen Sehnsucht gesät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji tat für Aspiranten, was sogar die liebevollsten Eltern nicht immer tun würden. In dem Moment, in dem sich auch nur die leiseste Spur eines Talentes bei einem Aspiranten zeigen würde, widmete er sich persönlich dem Erwecken und vollen Entfaltung dieses Talentes des Aspiranten. Tag und Nacht würde er  über Mittel und Wege  nachsinnen, wie der sadhaka sich entfalten könnte;  letztendlich zum Segen der ganzen Menschheit. Auf diese Weise wurden einige Abteilungen im Ananda Kutir gegründet und fortgeführt. 1948  trat ein junger Mann dem Ashram bei; er sagte, dass er sich mit Papierherstellung auskennen würde. Am folgenden Morgen ließ Swamiji eine Grube ausheben und ließ Rohmaterialien anliefern, damit dieser junge Mann, der keinerlei Qualifikationen (Swamiji fragte auch niemals danach) nachweisen konnte, seine Ideen verwirklichen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji nahm so ein aufrichtiges Interesse in all diese Unternehmungen, dass man denken könnte, er hätte gerade darauf gewartet, dass eine Person kommt und ihm genau bei dieser Arbeit hilft. So umfassend und gründlich war seine Begeisterung, dass er in kurzer Zeit Vorschläge machen konnte, wie man diese Arbeit, in der der Aspirant ja eigentlich der Experte war, besser erledigen könnte. So war es auch mit dem Fotostudio im Ashram.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Läuterung/Reinigung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji hat manchmal betont, dass atma jnana (Selbstverwirklichung) denkbar einfach ist. Es ist ganz einfach, ABER die vorbereitende Reinigung, die eine Voraussetzung ist, ist extrem schwierig. Wenn die Reinigungsübungen anstanden, wendete er sehr einfache Methoden an, die aber sehr tiefgreifend in ihrer Wirkung waren. Die Übungen mussten kontinuierlich gemacht werden (im Sinne von Wiederholung). Swamiji musste sie wieder und wieder und wieder machen. Er hatte eine solche Geduld, dass er niemals jemanden als hoffnungslosen Fall betrachtete. Wenn ein Schüler den Sinn auf die eine Weise nicht einsehen konnte, würde Swamiji es so oder so abwandeln. Swamiji drehte und wendete es, bis eines Tages, so hoffte er, der Schüler einsehen würde, was er ihm versuchte beizubringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jemand eine Schwäche hatte, war Swamiji demgegenüber blind und sagte: „Er hat einige Schwächen, aber er hat auch einige großartigen Fähigkeiten.“  Er wählte die Methode, niemals die Fehler einer Person hervorzuheben, es sei denn, dass es nötig wäre.  – Zum Beispiel im Falle einer Konfrontation  mit einem anderen Schüler, wenn man Swamiji  die Angelegenheit vorgetragen hatte und beide vor ihm erscheinen mussten. Und wenn er einen Tadel aussprechen musste, tat er es ganz liebenswürdig. Als erstes würde er den Aspiranten loben. „Du hast diese und jene gute Eigenschaft. Als erstes ist es  Dein größtes Glück, dass Du der Welt entsagt hast, hierher gekommen bist und im Ganges gebadet hast. Du musst in hunderten von vergangenen Leben spirituell praktiziert haben, um so spirituell veranlagt zu sein. Und Du musst Dir die Gnade von Tausenden von Heiligen verdient haben, um hierher in den Ashram geführt zu werden, damit Du ein spirituelles Leben leben kannst.“  Dann würde er hinzufügen: „Warum möchtest Du streiten? Es ist nur ein kleiner Fehler. Werde nicht gereizt. Wenn Du gereizt bist, könntest es all Deine Bemühungen vereiteln. Hast Du schon gefrühstückt? Was hattest Du? Kaffee oder Tee? Soll ich Dir noch etwas besorgen?“  Ein Bündel Bananen kamen zuerst, dann ein klein wenig prick gefolgt von Butter und Honig.  Nachdem die Bananen verdaut waren und auch die Butter und der Honig gegessen, dämmerte Erkenntnis: „DIES wollte mir Swamiji sagen!“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji hielt seine Schüler nie in einem Zustand der Anspannung. Er machte Druck, sein Training voranzutreiben, aber sobald er merkte, dass ein Schüler zusammenbrach, lockerte er alle Regeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das grundlegende Prinzip in all dem war, dass niemand jemals von Swamiji kritisiert wurde. Kritik hätte alles ineffektiv gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Wohlergehen der Schüler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tag und Nacht hatte Swamiji nur einen Gedanken: Wohlergehen, Wachstum und Fortschritt (weltlich und spirituell) seiner Schüler. Oftmals erhob er sich zu einem leidenschaftlichen Appell an seine geliebten Schüler, er drängte sie mit feurigen Worten, alle Spuren von persönlicher Wichtigkeit auszurotten und sich  der edlen Idee des Dienstes an der Welt hinzugeben. Er schilderte ihnen auf packende und mitreißende Weise die Herrlichkeit des selbstlosen Dienens und der Verehrung Gottes als das Größte und Großartigste von allem Yoga. Wie alle Aspiranten fühlten sie sich manches mal bestürzt über die Endlosigkeit und  Weite der menschlichen Probleme und des Leidens. Dann munterte Swamiji sie auf mit der ausdrücklichen Versicherung, dass ein Leben des selbstlosen Dienens nie ein Misserfolg sei. Er rüttelte sie auf mit Worten wie diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kümmert Euch nicht darum, ob Selbstverwirklichung kommt oder nicht. Strengt Euch größtmöglich an, Euch ethisch zu verbessern und macht Euch perfekt für den Dienst an der Menschheit. Seht Gott in jedem Menschen. Betrachtet jeden Menschen als Gott. Wenn Eure Vorstellung von Gott beinhaltet, dass ER alldurchdringend ist, warum könnt Ihr IHN dann nicht in allen Wesen erkennen? Was hindert Euch daran, Euren Glauben in die Tat umzusetzen? Ihr müsst die Vorstellung aufgeben, dass ER nur hinter geschlossenen Augen und Türen vorhanden ist. Fühle SEINE Gegenwart in jedem und allem während Du dienst; und schaue dann, ob ER nicht im Grunde Deines Herzens strahlt in SEINEM eigenen Klang.  Wenn das Herz noch nicht frei ist von allen Unreinheiten und die niedere Natur nicht befreit ist von Schmutz, wie kann dann spirituelle Erfahrung zu Dir kommen? Bevor Du nicht Deine eigene Natur perfekt gemacht hast, kannst Du unmöglich die Wahrheit eines Wesens erkennen, das die reine Essenz der Vollendung ist. Rotte zuerst Egoismus, Ärger, Hass, Gier und Doppelzüngigkeit aus und sei aufrichtig und von ganzem Herzen  bei Deinem selbstlosen  Dienst. Wenn  Du es schaffst, zehn Menschen ein klein wenig Gutes zu tun, wenn Du erfolgreich einen schlechten Charakterzug  völlig ausrotten kannst und dafür eine einzige edle Tugend vollständig entwickeln kannst, sei sicher, dass Dein Leben nicht umsonst gelebt wurde. Und sogar nur zehn Menschen von einer Million erreichen kaum jemals dies. Was soll’s, wenn Du nicht samadhi und Selbstverwirkllichung erreichst?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kopf hoch, sei guten Mutes! Sei mit Leib und Seele bei der Arbeit. Ich garantiere Dir, dass Du Dich gesegnet und glücklich fühlen wirst. Sei nicht unzufrieden mit Deinem Los oder niedergeschlagen wegen Deinem Fortschritt. Handle nach meinem Wort. Habe ich nicht über Dein spirituelles Wohl nachgedacht?  Dann, wenn Du nur könntest, würdest Du sehen, dass Tag und Nacht, in jedem Augenblick, mein Herz in Sorge über Dein Wohlergehen schlägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer dem „direkten Familienkreis“ von Aspiranten, Studenten und Arbeitern gab es viele Suchenden in anderen Ländern, die große Zuneigung  zu Swami Sivananda hatten und ihn verehrten. Ihnen war er ein spiritueller Führer und Meister. Swamiji beantwortete ihre Briefe prompt, ging auf alle ihre Fragen ein und leitete sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungsbericht eines Schülers===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dazu schrieb Swami Sahajanandaji  aus Durban, Südafrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Anhänger und Verehrer von Swamiji muss erfahren haben, dass man die grenzenlose Gnade und Barmherzigkeit nur stillen Herzens und nicht mit Worten ausdrücken kann. Irgendwo habe ich gelesen, dass Swamijis Wohltätigkeit als „unbesonnen“ bezeichnet wurde. Aber ich denke, dass seine Gnade und Liebe sogar noch reichlicher vorhanden waren als die Wohltätigkeit.  Es ist nicht bemerkenswert, wenn ein Erster-Klasse-Aspirant die Gnade eines Meisters erhält. Aber wenn jemand sich qualvoll abmüht auf dem Weg zur Gottverwirklichung und erfährt dann ganz direkt die liebevolle Beachtung eines großen Heiligen, wird dieser Mensch sicherlich vor Ehrfurcht erzittern und eine unausprechliche Dankbarkeit wird ihn erfüllen. Leider war ich auch jemand, der nicht „rein“ geboren wurde oder mit einer großen Portion spiritueller samskaras  (= geistige Eindrücke aus dem jetzigen und den früheren Leben, die im Unterbewussten liegen) ausgestattet war. Aber durch Swamijis Gnade erreicht man langsam aber sicher das Ziel. Die Liebe und Fürsorge , die Swamiji einem fünftklassigen Aspiranten wie mir hat angedeihen lassen,  weist ihn als gottverwirklichten Heiligen aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl wir tausende von Meilen entfernt von seiner physischen Gegenwart lebten, kümmerte sich Swamiji um uns auf die gleiche Weise, wenn nicht noch besser, als um diejenigen, die in seiner Umgebung im Ashram lebten.  Hier einige Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor einiger Zeit schrieb ich ihm einen dringenden Brief wegen physischer Beschwerden. Das war gerade zu der Zeit, als Swamiji von seiner „All-India“-Reise zurückgekehrt war. Obwohl er sicherlich hunderte von Briefen zu beantworten hatte, war er so gütig, mir noch am selben Tag zu antworten. Neulich schrieb ich ihm von einer Veränderung meiner sadhana Praxis. Zurück kam eine zweiseitige Antwort in seiner eigenen Handschrift. Und noch bemerkenswerter war, dass Swamiji selbst den Brief adressiert und zur Post gebracht hatte; und das rührte mein Herz und ließ es zutiefst erbeben. Stellt Euch einen  bedeutungslosen Menschen vor wie mich, der mit so viel von seiner Liebe überschüttet wird! Und was für aufmunternde und tröstende Worte sein Brief erhielt! Jedes Wort ist durchtränkt mit der Wärme seiner grenzenlosen Liebe. Es ist diese Liebe, die dazu führt, das wir uns unwürdig fühlen, seinen kostbaren Segen zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamijis Buchgeschenke erreichten uns dutzendweise. Wenn ich ihn um ein Buch bat, schickte er sechs. Auch wenn beantragt war, dass die Bücher erst nach der Bezahlung geschickt werden sollten, kamen sie mit unverzagter Beharrlichkeit an. Nicht nur die Geschenk-Bücher erreichten die Gestade meines Landes, sondern auch herrlich frisches, süßes prasad kam, in Dosen verpackt, hier an. Es ist sicherlich nicht fehl am Platze, hier eine Erfahrung widerzugeben, die mein Freund, Sri G. V. Naidoo, bei einem Ashram-Besuch gemacht hat. Sobald er Swamiji traf, wurde er buchstäblich mit Liebe überschüttet. Swamiji widmete sich ihm persönlich, und mein Freund ging dann mit einem Stapel Bücher in den Händen. Dann erzählte er noch, wie er ein Bild von Swamiji bewunderte, das an der Wand hing – eine Ansicht von Swamijis tapas (Askese-Übungen) -   und Swamiji hatte es von der Wand abgenommen und ihm geschenkt. Welch eine außerordentlich seltene Großzügigkeit strahlt aus Swamijis Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamijis Heilkräfte wurden auch im entfernten Südafrika bewiesen. Zwei Fälle habe ich persönlich erlebt. Einer meiner Freunde, der ein Patient im T. B. Settlement war, litt an einer schweren Schlafstörung. Ich schrieb deswegen an Swamiji. Seine sofortige Antwort enthielt Anweisungen, wie man das Problem beseitigen könnte. Obwohl der Patient nicht den Anweisungen folgte, schlief er daraufhin gut. Nach einigen Wochen, wurde er wieder von Schlaflosigkeit geplagt. Es ist ein Jammer, dass die Anweisungen nicht befolgt wurden.  Das andere Beispiel betraf einen persönlichen Freund von mir, der an schlimmen und schmerzhaften Leberflecken auf den Händen litt. Wieder schrieb ich an Swamiji. Das von ihm empfohlene einfache Mittel wurde angewendet und die Leberflecken meines Freundes gingen vollkommen zurück. Das ist nun Monate her und die Probleme sind nicht wieder aufgetaucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie löst Swamiji die Alltagsprobleme der Aspiranten, die nicht in der glücklichen Lage sind, seine mündlichen Anweisungen zu hören? Das geschieht auf eigentümliche Weise. Wenn ich manchmal mit einem schwerwiegenden Problem konfrontiert bin, nehme ich einfach eins von Swamijis Büchern in die Hand und schlage irgend eine Seite auf – und schon springt mir die genaue Lösung für meine Probleme in die Augen! Manchmal vielleicht erreicht mich Swamijis innere Führung während der Meditation; oder es kann passieren, dass ein Ereignis oder eine Person mir die richtige Antwort gibt. Man muss allerdings wachsam sein, die richtige Führung zu empfangen. Aber in den meisten Fällen würden Swamijis Bücher uns helfen. Dies war auch die Erfahrung der anderen Anhänger hier. Es passiert so oft, dass wir keinen Zweifel daran haben, dass Swamiji all unsere Schwierigkeiten kennt  und dass seine Führung immer bei uns ist, egal wie viele Meilen uns von ihm trennen. Swamiji hat auch vollkommene Einsicht in unsere Herzen und unseren Geist, und niemand kann ihm etwas vormachen. Einmal schrieb ich ihm einen Brief und suchte Antworten auf einige Fragen spiritueller Natur. Swamiji fand die Wahrheit heraus, dass nämlich die Antworten dafür benötigt wurden, jemand anderes herabzuwürdigen – und er gab keine direkte Antwort. Von da an traute ich mich nicht  mehr, irgendwas vor ihm zu verheimlichen. Wir haben auch festgestellt, dass alles, was er sagte, früher oder später auch eintreffen würde. Seine Worte waren unfehlbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Geheimnis, wie man Swamijis Gnade erreichen kann, ist ihm von ganzem Herzen zu dienen. Ein kleiner Dienst an Kranken hier oder das Verteilen von einigen Schriften  dort – und schon hast Du einen Platz in seinem großen Herzen eingenommen. Jeder einzelne von den Tausenden von Schülern und Anhängern kennt diese Wahrheit. Dienst an Swamiji (ich nenne das Sivayoga) ist der großartigste Yoga dieser Zeit. Lass all diejenigen, die den vielen Wegen zu Gott folgen wollen, dies tun. Aber meine größte Freude ist es, Swamiji zu dienen, egal, ob es zur Gottesverwirklichung führt oder nicht.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Karli</name></author>
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		<title>Schüler</title>
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		<updated>2012-12-28T16:59:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Karli: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Zusammengestellt von Sri [[Swami Venkatesananda]]   (*29.12.1921 in [[Tanjore]], [[Südindien]], †2.12.1982 in Johannesburg, Südafrika)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Meister]] und Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen [[Buch|Büchern]] hat [[Swami]]ji das Wesentliche des traditionellen [[Lehre]]ns vermittelt, und in diesen [[Unterweisung]]en hat er die geheime [[Botschaft]] preisgegeben, wie man mit der [[Wahrheit ]] in [[Verbindung]] bleiben kann und wie man sie zu einem ganzheitlichen Aspekt seines [[Leben]]s machen kann. Er verkörperte dieses Lehren.  Zum  Beispiel, obwohl sein ganzes Leben im wahrsten [[Sinn]]e des [[Wort]]es aus [[Karma Yoga]] bestand, waren seine Schriften zu Karma Yoga sehr spärlich. Obwohl er nicht viel unterrichtete, waren die wenigen Worte der Unterweisung, die seine Schüler von ihm hörten, unvergesslich. Er selbst war meistens die lebendige Wahrheit.  Durch seine Taten sprach er lauter als durch einen  Lautsprecher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erleuchtete [[Guru]] kann seine wesentlichen [[Erfahrung]]en nicht in Worte fassen. Was niedergeschrieben wurde oder was in Worten ausgedrückt wurde,  ist nur ein Bruchstück der Erfahrung des Weisen. Da ist etwas, das er erfahren hat, das unaussprechlich ist. Sogar der kleine Teil, den er ausdrücken kann, geht bei der Übermittlung verloren, da der Schüler nicht achtsam ist. Daher hat Swamiji nur selten die Zuhörer aufgefordert, eigene Notizen zu machen, sondern sie sollten den [[Dialog]] oder die Unterhaltung hinterher aufschreiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kommunikation]] ist fast immer non-verbal. Oft hat man gemerkt, dass ein hoch inspirierender Dialog, wenn er schnell niedergeschrieben wurde, nicht mehr so inspirierend war, weil Swamijis „hm“, ein Lächeln und ein Ausdruck von Gesicht und Augen eine gewaltige Wirkung und [[Bedeutung]] hatten. In diesem Bereich fand die Kommunikation statt! Kommunikation kann nur stattfinden, wenn Meister und Schüler miteinander verschmelzen, wenn sie auf der gleichen Ebene und Wellenlänge sind. Dann wird die Lehre aufgenommen, ohne dass ein Wort nötig wäre. In den [[Katha Upanishad]] heißt es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uttishtata jagrata prapya varan nibodhata. (Arise, awake, be vigilant; then approach a great master and attain enlightment = erhebe Dich, erwache,  sei achtsam; dann trete an einen großen Meister heran und erlange [[Erleuchtung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erheben und Erwachen sind Sache des Schülers und nicht des Meisters; aber Swamiji wich von dieser Regel ab und gewährte auch [[Mensch]]en Zugang zum Ashram, die nicht all diese Qualifikationen aufwiesen. Er verbarg die spirituelle Weisheit nicht – sie war da, öffentlich – und er stellte sie nicht zur Schau. Das war ein außergewöhnlicher Wesenszug an ihm.  Viele Swamis und [[Yogi]]s würden auf eine einfache Frage wie „Kann man im [[Winter]] im [[Ganges]] baden?“  eine lange Rede über [[Vedanta]] halten: „Du bist nicht der [[Körper]], Du bist nicht der [[Geist]]. Du bist das unsterbliche [[Selbst]]. Es ist nicht das unsterbliche Selbst, das die [[Kälte]] spürt, es sind Körper und Geist, die die Kälte fühlen!“ Swamiji sprach nie so. If at all, he erred on the other side. Er war mehr an dem körperlichen und intellektuellen Wohlergehen der [[Aspirant]]en interessiert, anstatt bei jedem Husten oder Niesen jedesmal irgendwelche religiösen Anweisungen auszusprechen. Er wartete darauf, dass der Aspirant eine spirituelle Frage stellt, und wenn der Fragende eifrig und begeistert war, kommunizierte er Wissen auf unerklärliche Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals war es für Heilige [[Tradition]], sich in einer [[Höhle]] zu verbergen und zu warten, bis ein qualifizierter Aspirant sich nähern würde. Ein Aspirant, der schon ein inneres Erwachen erfahren hatte, der aufmerksam und begeistert war und der unter Einsatz von viel [[Kraft]] und [[Zeit]] sich die Mühe gemacht hat, zu ihm zu gelangen, um den Heiligen um Unterweisung zu bitten. Im Großen und Ganzen übernahm Swami Sivananda diese Tradition, indem er „seine Weisheit unter einem großen Mantel verbarg“. Die Menschen, die zu ihm kamen,  erinnerten sich an seine [[Zuneigung]] und [[Liebe]] und seine großen [[Sorge]] um ihr körperliches und materielles Wohlergehen. Dies waren seine Hauptsorgen – Weisheit oder atma jnana kamen zu ihrer [[Zeit]]. Wenn aber ein Schüler in vollkommener [[Hingabe]] und Liebe mit ihm verschmolz, konnte non-verbale Kommunikation sehr leicht geschehen. Dies war sein [[Geheimnis]]. Denn er hatte erkannt, dass keine mündlichen Unterweisungen irgendwie fruchten würden, solange der Aspirant nicht Weisheit, Leidenschaftslosigkeit, edle und tugendhafte Eigenschaften und ein beständiges Streben nach [[Befreiung]] hat – und somit die non-verbale Kommunikation unmöglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Anhängerschaft&#039;&#039;&#039; (discipleship)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Leute in der Anfangszeit nach [[Rishikesh]] kamen, fanden sie [[Swami Sivananda]], wie er [[Glückseligkeit]], Frieden und [[Freude]] verströmte, obwohl all die Dinge fehlten, von denen man denkt, dass sie für Frieden, Freude und Wohlstand  nötig sind. Es gab absolut nichts. Unter solchen Umständen lebend verströmte er trotzdem Freude. Wie konnte er so leben? Der Blick in seinen [[Auge]]n verriet, das er die Wahrheit gefunden hatte. Wenn man in seine Augen schaute erkannte man, dass er die Wahrheit gefunden hatte und man selber nicht.  Das allein machte demütig und man warf sich nieder zu seinen [[Fuß|Füß]]en. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang 1947 saß Swami Sivananda in seinem Büro. Ein junger [[Mann]] aus [[Südafrika]], der im Ashram für 2 oder 3 Monate gelebt hatte, musste an diesem [[Tag]] abreisen. Er trat ein, fiel vor Swami Sivananda auf die [[Knie]] und begann zu weinen. Mit höchster Liebe und Zuneigung schaute Swamiji ihn an. Der junge Mann sagte: „Swamiji, ich muss heute abreisen. Aber wo in [[Afrika]] werde ich einen [[Meister]] wie Dich finden?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich veränderte sich Swamijis Gesichtsausdruck, und mit einem unheimlich schönen, vielsagenden und verschmitztem Lächeln sagte er: „Hm, Du findest keinen Meister in Afrika?“ In diesem Moment verschwand der Kummer des jungen Mannes und seine Tränen trockneten. Swamiji lachte, blickte ihn fest an und sagte: „Es ist sehr leicht, einen Meister zu finden, aber es ist schwer, einen Schüler zu finden. Sei ein Schüler! Vom Scheitel bis zur Sohle sei ein Schüler! Dann wirst Du einen Meister finden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji sagte niemals „Ich bin Dein Meister“. Manchmal pflegte er zu sagen „Du bist mein Schüler“  oder „er ist mein Schüler“. Seinen ersten Schülern schrieb er: „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen, ich werde Dir dienen und Dich leiten.“ Wenn er sagte „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen“, dachten die Schüler, sie dürften Swamiji in Anspruch nehmen und könnten ihm freizügig schreiben. Genau das wollte er auch. Der nächste Satz war „ich werde Dir dienen“. Der Schüler sollte eigentlich dem Meister dienen! In dieser Formulierung hob er die [[Vorstellung]] von ihm als Guru auf. Er betrachtete sich selbst nie als Guru. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Meister zu dienen ist besonders wichtig. Indem man dem Meister dient, entdeckt man seine Wellenlänge und wie man sich zu ihr erheben kann. Der Schüler macht etwas auf bestimmte Weise, in einer bestimmten Geisteshaltung – aber der Meister macht es anders, es mag sogar seine Eigenart sein. Aber wenn es der Schüler nicht lernt, Dinge in der Art und Weise des Meisters zu tun, wird er sich nicht auf die Wellenlänge des Meisters einstellen können. Trotzdem ist sein [[Dienst]] wertvoll. Auch wenn Swamiji den Schülern das [[Gefühl]] gab, dass ihre [[Arbeit]] ein wichtiger Beitrag für die [[Mission]] war, wollte er ihnen  tatsächlich nur Möglichkeiten bieten, sich auf ihn einzustimmen und an ihm auszurichten, - und nicht, weil er ihren [[Dienst]] benötigt hätte. Er arbeitete hart daran, Arbeitsbereiche zu erstellen, in denen sie ihre Talente ausüben konnten, um ihnen so zu helfen, innerlich zu wachsen, damit die Kommunikation stattfinden könnte. Zum Beispiel kamen einige [[Musik]]er in den Ashram. Zu ihrem [[Segen]] organisierte Swamiji Musikunterricht, kaufte die nötigen Instrumente, stellte einen Raum bereit usw. Auf diese Weise verwandelte sich der [[Sender]] in einen [[Empfänger]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji betonte immer wieder, dass sich der Schüler dem Meister unterwerfen sollte, aber er wusste auch, dass dies weder von Seiten des Schülers noch von Seiten des Meisters erzwungen werden konnte. Es musste geschehen; aber auch dies begünstigte er, indem er die notwendigem Umstände schuf für das Üben der [[Unterwerfung]]. Er könnte zum Beispiel ein Anliegen vorbringen, das er gerne erledigt hätte und dann eine ganze Reihe von Alternativen aufzählen. Selbstverständlich würde der Schüler sich für etwas entscheiden, und daran konnte Swamiji genau erkennen, wo der Schüler stand – war er arrogant oder nur eitel, gleichgültig oder heuchlerisch demütig oder war er wahrhaftig demütig im Geiste der Unterwerfung. Gleichzeitig ermöglichte er es dem Schüler wahrzunehmen, wo er wirklich stand und gab ihm die Gelegenheit, sich selbst in der Situation zu studieren. Somit war der Schüler in die Lage versetzt, sein [[Ego]] und dessen [[Spiel]] zu erkennen. Wenn ihm dann das hässliche Treiben des Egos bewusst wurde, erwachte Unterwerfung in ihm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten [[Jahr]]en, war Swamiji sehr streng in der Zulasssung von Aspiranten im Ashram; denn sie mussten ein sehr hartes Leben leben. Er erläuterte Anwärtern in ganz klaren Worten, was die Bedingungen für ein Leben dort waren. Aber nachdem er den Ashram aufgebaut hatte und das leibliche Wohl der [[Sadhaka]]s sichergestellt war, bemühte er sich eifrig darum, mehr und mehr Menschen im Ashram zuzulassen, damit alle eine Möglichkeit zu spirituellem [[Wachstum]] haben könnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji arbeitete ohne Unterlass, damit die Aspiranten, die zu seinen Füßen [[Zuflucht]] gesucht hatten, vor den Schwierigkeiten bewahrt würden, denen er in der ersten Zeit in Rishikesh ausgesetzt war. Mit aller Macht wollte er verhindern, dass sie kostbare, mentale [[Energie]] vergeuden in Gedanken an das leibliche Wohl  - Essen, [[Kleidung]], [[Unterkunft]] und medizinische [[Versorgung]]. Sie sollten frei sein, den Weg zu verfolgen, den sie eingeschlagen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da er selbst die [[Gefahr]] von [[Extrem]]en erfahren hatte, sagte er: „Es ist gut, wenn ihr [[Luxus]] ablehnt, aber zögert nicht, einfachen [[Komfort]] anzunehmen, der die Mindestnotwendigkeit  der physischen, menschlichen [[Existenz]] abdeckt.  Wenn Du für eine gewisse Zeit tüchtig arbeiten musst, dann versage Dir nicht die notwendige, nahrhafte Nahrung. Während Du geistig arbeitest, halte etwas kühlendes Öl wie brahmi amla oil für Deinen [[Kopf]] parat . Lehne nicht das [[Obst]] ab, wenn ich es Dir anbiete.“  Daher drängte Swamiji die Sadhakas, die mit Studier- und Schreibarbeiten beschäftigt waren, eine kleine Extraportion Milch und Ghee zu nehmen und bot ihnen auch [[Mandel]]n und [[Nuss|Nüsse]] an. Wenn sie es ablehnten, war Swamijis Rat: „Das ist keine Weisheit. Wollt Ihr [[Diabetes]] und Nervenkrankheit herausfordern? Schaut her, was meine Entsagung bewirkt hat. Trockenes [[Brot]] und einfaches [[Dhal]] sind nicht der einzige Test für „sadhuism“.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemand im Ashram hatte größere Gebrechen als Swamiji selbst, und trotzdem war da niemand, der härter gearbeitet hätte als er. Wenn er einen Aspiranten traf, dem es gerade nicht gut ging, und wenn es auch nur ein wenig Kopfweh war, sagte er: „Bitte geh‘ und ruhe dich aus!“ und er würde einen Arzt schicken und noch ein halbes Dutzend andere, die ihm beistehen sollten. Wenn aber er jedoch krank war, fegte er streng des Doktors Bitte beiseite, er solle doch dem Körper ein wenig Ruhe gönnen. In diesem einen Aspekt war ein riesiger Unterschied zwischen Swamijis Grundsatz und seiner eigenen Praxis. Er lebte selbst aufopfernden Dienst vor und predigte anderen: „Bitte kümmert Euch um Eure Gesundheit!“ Seine Liebe zu aufrichtigen sprirituellen Aspiranten war unvergleichlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1946 war der Ashram ziemlich arm und es gab nur wenige Zimmer und keine Annehmlichkeiten und keinen Komfort. Es gab noch nicht einmal einen Schutz vor den Affen, die regelmäßig den Ashram überfielen. Ein sehr kleiner Raum  mit klapprigen Türen wurde „das Büro“ genannt, daran schloss sich ein kleiner Raum an mit niedriger Decke und niedrigem Eingang (Swamiji nannte diesem Raum Demuts-Eingang). Wenn man sich nicht niederbeugen würde, verlöre man den Kopf. An einem Mittag im Hochsommer war es so heiß, dass drei oder vier der Büroarbeiter sowohl die Bürotüre als auch die Verbindungstüren geschlossen hatten, und sich im hinteren Teil aufhielten. Wenn Swamiji zu Mittag aß, fragte er immer nach einem extra Teller. Darauf legte er dann einen Teil seines Essens. Nachdem er seine Mahlzeit gegessen hatte, bedeckte er seinen kahlen Schädel mit einem dünnen Stück Stoff und ging  unverzüglich mit dem Teller los, von Raum zu Raum und gab jedem seiner Schüler etwas von seiner Speise (In diesen Tagen war dies eine außergewöhnliche Sache, denn viele Swamis würden weder ihren Schülern noch sonst jemanden wissen lassen, was sie gegessen hatten).  Er riet ihnen mit mütterlicher Zuneigung: „Kommt bitte nicht raus, es ist zu heiß.“ An diesem besonderen Tag so gegen 1 Uhr mittags ging er in der sengenden Sonne zum Büro, den Teller in der Hand.  Als er sah, dass alle Türen geschlossen waren, nahm er an, die Schüler würden schlafen. So ging er in die Küche, die nebenan war, und fand dort einen Swami. Er gab ihm Essen und sagte: „Die drei Jungs ruhen sich im Büro aus. Bitte störe sie nicht, aber wenn sie aufwachen, gib ihnen dies hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein ganzes Leben lang war Swamiji mehr um andere besorgt als um sich selbst. Vielleicht bekam sein Körper dadurch so viele Krankheiten. Wie er nach seinen Schülern schaute,  die mütterliche Liebe, die seine Einstellung zu ihnen prägte, darin könnten sich sogar die warmherzigsten Eltern  von ihm unterweisen lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal, als Swamiji aus seiner Hütte heraustrat, kam ein Ashram-Arbeiter auf seinem Fahrrad vorbei. Sobald er Swamiji bemerkte, stieg er vom Fahrrad ab und ging zu Fuß weiter. Swamiji sagte: „All diese Formalitäten sind nicht nötig für mich. Liebe und Respekt haben ihren Sitz ihm Herzen; und Du solltest immer Liebe und Respekt für Ältere in Deinem Herzen haben. Dies werde ich wissen! Diese äußeren Formalitäten haben keine große Bedeutung für mich. Du gehst in der heißen Sonne umher, machst Einkäufe in Rishikesh und überwachst die Bauarbeiten. Zögere nicht, an Dich zu denken. Du musst jetzt etwas Kaltes trinken, und in einer halben Stunde solltest Du etwas Heißes trinken. Und wenn Du gerne etwas Obst vom Bazar hättest, so nimm gerne! Du hast die absolute Freiheit alles zu tun, um Deinen Körper in bester Gesundheit zu erhalten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji betrachtete das Leben an den Ufern des heiligen Flusses Ganges zu Füßen des Himalya als einen Segen – mit ein wenig Mantra-Wiederholung (japa), Meditaiton und selbstlosem Dienst, und er war eifrig bemüht, die Tore dazu allen zu öffnen. Unzählige junge Männer suchten Schutz zu Swamijis Füßen als  Zuflucht in ihrer Not und Verzweiflung.  Swamiji hat niemanden nach seiner Vorgeschichte ausgefragt. In dem Moment, wenn Swamiji auch nur den Hauch von Verzweiflung in den Augen eines Neuankömmlings sah, bekam dieser das Gefühl, dass Swamiji genau auf ihn gewartet hat und dass er ihm einen großen Gefallen tun könnte, dem Ashram beizutreten. Welche psychologische Kraft dies gab ist nicht vorstellbar. Der notleidenden Person wurde das Gefühl von Größe gegeben und unmittelbar fühlte dieser Mensch, dass seine Vergangenheit ein schlechter Traum gewesen war und dass eine wunderbare Zukunft vor ihm läge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1945 ersuchte eine Frau Zuflucht im Ashram, die von ihrem Mann misshandelt worden war und die Familie  verlassen hatte. Selbst die leitenden Personen des Ashrams, die von Swamiji geschult waren, zögerten, der Frau Asyl zu gewähren.  Aber Swamiji blieb fest entschlossen, dass sie bleiben durfte. Allein der Gedanke daran, dass diese Frau ansonsten ihr Leben verlieren könnte reichte ihm aus, die ganze Welt zu ignorieren und nur diesem einen Menschen zu dienen. Ganze Bücher könnten damit gefüllt werden, auf welch wunderbare Weise Swamiji sie lehrte, ihre Leiden zu vergessen, ihren Geist zu beherrschen und letztendlich auf ihren eigenen Füßen zu stehen als eine unabhängige Stimme unter den Frauen Indiens. Von einer Belastung verwandelte Swamiji sie zu einer Bereicherung der Gesellschaft: ein wahrhaftiges Beispiel der Rehabilitation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1955 begrüßte Swamiji einen Koch im Ashram. Der Koch hatte gar nicht vor, da zu bleiben und war überrascht, dass Swamiji bei der ersten Begegnung sagte: „Bitte bleibe hier. Du kannst ein Hotel in der Nachbarschaft eröffnen. Ich werde alles tun, Dich zu unterstützen.“   Er verfolgte die Sache weiterhin und bat den Sekretär, dem Koch einen Raum und die nötigen Utensilien für das Kochen zu besorgen, damit dieser seine Unternehmung starten könnte. Und er bot ihm sogar an: „Du kannst Lebensmittel vom Ashram nehmen und zu Deinem eigenen Gewinn verwenden.“  Etwas später verdeutlichte er seine Einstellung: „Es ist ein Segen, hier an den Ufern des Ganges, in Rishikesh, zu leben. Eines Tages könnte er die Sehnsucht verspüren, zu entsagen. Bis dahin ist es gut, ihn zu ermutigen, auch in seinem Streben nach Geld. Als erstes sorgen wir dafür, dass er hier bleibt, und dann bringen wir ihn langsam zu sadhana.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau hatte ihren Mann verloren und war rastlos. Daher kam sie nach Rishikesh und blieb in der Nähe des Ashrams. Sie sagte zu Swamiji: „Ich habe Juwelen im Wert von vier- bis fünftausend Rupien und dazu noch ein Haus. Ich möchte für immer hier bleiben. Wenn Du mir das erlaubst, werde ich das Haus und die Juwelen verkaufen.“ Swamiji antwortete: „Behalte das Haus und die Juwelen. Du kannst in Brindavan bleiben.“ Er gab ihr ein Empfehlungsschreiben mit für einen guten Sadhu in Brindavan und schickte sie dorthin. Und er wies sie an: „Bereise die umliegenden Ortschaften. Verbreite den Ruhm von Gottes Namen. Leite Kirtans an in jedem Haus. Unterrichte die kleinen Kinder.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einige Zeit folgte sie Swamijis Anweisungen. Dann wurde sie psychisch krank. Sie kam zurück nach Rishikesh und machte verliebte Annäherungsversuche an Swamiji. Durch das Fenster warf sie Parfüm auf Swamijis Bett. Und wenn Swamiji die Tür zu seiner Hütte öffnete, kam sie herein um bei ihm zu sitzen. Er fuhr einfach fort mit seiner Arbeit, ohne auch nur daran zu denken, dass sie da war. Nach einer Weile ging sie dann aus eigenen Stücken wieder weg. Swamiji hätte sie auch auffordern können zu gehen; aber nein, er würde nie jemanden auch nur die kleinste Verletzung zufügen. Er war erfüllt von Liebe zu allen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem die Belästigungen heftiger wurden, bat uns Swamiji, einen Stacheldrahtzaun um seine Hütte zu errichten. Wenn sie den Zaun um Swamijis Hütte sah, verfiel sie oft in Raserei. Dann warf sie Steine auf Swamijis Hütte. Auch da bewahrte er seine Ruhe. Nach einiger Zeit verschwand sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Jahren kehrte sie im Mönchsgewand nach Rishikesh zurück. Sie war alt geworden. Swamiji wurde nie von einem Vorurteil  beeinflusst. „Sie könnte sich geändert haben. Jede Sekunde entwickelt man sich. Wir sollten niemanden nach seiner Vergangenheit beurteilen.“, sagte er. Das war sein Leitprinzip. Er erlaubte ihr, in der Nähe des Ashrams zu bleiben. Normalerweise ging sie täglich in den Bazar von Rishikesh, und eine zeitlang sang sie irgendwelchen Unsinn über Swami Sivananda vor jedem Geschäft. Sie beschimpfte und beleidigte ihn sogar in der Öffentlichkeit. Abends kam sie dann in den Ashram. Swamiji sandte ihr Früchte und Mandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Saat säen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen, die sich inmitten von Zwietracht, Streit und Angst nach Frieden und Glück sehnten, fanden in „Sivananda Swami of Ananda Kutir“ (wie er von den Leuten in und um Rishikesh normalerweise genannt wurde) eine Vater-Figur, lieber als der eigene. Diejenigen  von religiösem und spirituellem Temperament , die sadhana zu ihrem einzigen Lebensziel gemacht hatten, fanden in ihm eine immerwährende Quelle der Weisheit und des Lichtes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit unterschiedlichen Menschen hatte Swamiji auch unterschiedliche Beziehungen. Einige weit entwickelte Aspiranten kamen zu ihm und in ihnen loderte das Feuer der Entsagung, der Verhaftungslosigkeit und der Unterscheidung. Sie zu lehren geschah auf anderen Kanälen. Swamiji wurde nur sehr selten mit ihnen gesehen, auch zogen sie nicht sehr nah zu ihm. Ihre Beziehung zu Swamiji war auf einer völlig anderen Ebene – der spirituellen Ebene. Es gab nur wenige solche Schüler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Mehrheit der anderen, mit denen Swamiji arbeitete und dichtauf lebte, waren unreife Aspiranten.  (Einige hatten nicht die geringste spirituelle Sehnsucht. Sie hatten bei Swamiji Unterschlupf gefunden, weil materielles Versagen sie von zu Hause vertrieben hatte und sie sonst umgekommen wären.)  Swamiji musste oft ihn ihnen den Samen von vairagya (Wunschlosigkeit, Verhaftungslosigkeit,Leidenschaftslosigkeit) säen! „Ihn abzuweisen, das kann ich nicht. Gebt ihm wenigstens die Möglichkeit, sich in einen besseren und glücklicheren Menschen zu verwandeln. Falls er versagt – macht nichts. Ein Versuch muss in jedem Fall gemacht werden.“ Solcher Art waren Swamijis Bemerkungen, wenn ein verstörter junger Mann dem Ashram beitreten durfte. So wurde von keinem Aspiranten eine Qualifikation gefordert. Es war eine Art Witz: wenn ein junger Mann sein Examen nicht bestanden hat oder sein Geschäft ruiniert hat – sucht nach ihm im Sivananda Ashram! Swamiji nahm sie großzügig auf und versuchte, sie zum Erwachen zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht alle Menschen, die bei Swamiji Zuflucht suchten, waren gute Menschen; aber er sah nur das Gute in ihnen; gegenüber dem Bösen war er blind. Wenn jemand einen schlechten Charakterzug hatte, würde er ihn nie verurteilen oder hart zu ihm sein. Normalerweise sagte er: „Macht Euch nichts daraus, wenn dieser Mann sogar bösartig ist; indem ich ihn herkommen lasse und ihm Obdach gewähre stelle ich sicher, dass es einen Schurken weniger gibt in Delhi!“ Das war seine Philosophie! „Allein die Tatsache, dass  derjenige hergekommen ist, zeigt, dass da eine kleine Öffnung ist, egal wie klein, durch die ein wenig Kommunikation stattfinden kann.  Lasst ihn hier bleiben, ich werde einen Samen säen. Während dieser Geburt, der nächsten Geburt, kümmert Euch nicht; diese Saat wird jetzt oder viele Jahre später aufgehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji sagte, dass es wohl zu viel verlangt ist von einer Person, die in der modernen Welt lebt und von alles Seiten mit Ablenkungen und Versuchungen überflutet wird, Leidenschaftslosigkeit und Unterscheidungsvermögen zu entwickeln. Er meinte, dass es möglich sein muss bei einem Menschen, der vor seinem eigenen Scheitern davonläuft,  einen Funken zu finden den man anfachen kann zu einer großen Flamme. Sogar wenn gar kein Funken vorhanden war, konnte er eine Flamme entfachen. Das war das Einmalige an Swami Sivananda. Er pflanzte die Samen der Güte, er nährte sie, goss sie und ließ sie wachsen und gedeihen; auch wenn dies ihm selbst ungeheure Schwierigkeiten bereitete, ihm machte das alles gar nichts aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht leicht nachzuvollziehen, was die Suchenden in den frühen 1940-er Jahren empfanden, wenn sie in den Ashram kamen. Einige hatten wohl Swami Sivanandas leidenschaftliche Worte in seinen Originalschriften gelesen, die so inspirierend waren, dass man auf der Stelle seine Kleider ablegen  wollte, um zum Himalaya zu eilen und dort Enthaltsamkeit zu praktizieren und sofort Selbstverwirklichung zu erreichen! Das war das Besondere an seinem Stil. Viele auf diese Weise inspirierte Menschen kamen in den Ashram. Oft liefen sie los, ohne sich umzuziehen, denn in Swami Sivanandas „How to Get Vairagya“ hatten sie gelesen „renounce everything“ (entsage allem) – und so entsagten sie allem. „seek solitude“ (suche die Einsamkeit, Abgeschiedenheit) – und so suchten sie Abgeschiedenheit im Ashram. Einige von ihnen könnten beim Betreten des Ashrams  entdeckt haben, dass andere, die schon vor ihnen angekommen sind, einen schönen Mantel trugen. Und dann dachten sie manchmal: „Aha, sie sind vom Wege abgekommen, sie sind gescheitert. Seht her, wie leidenschaftslos ich bin. Meine Sehnsucht ist viel größer als die Sehnsucht von diesen Leuten, die schon seit so langem mit Swami Sivananda zusammen sind. Sie wissen nicht, was tapas (Askese), vairagya (Wunschlosigkeit) und brennendes Verlangen ist. Jeden Morgen sitze ich hier um 4 Uhr und meditiere. Schau all die alten Ashrambewohner an!“  Swamiji beobachtete sie und schätzte sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Egal, was der Aspirant machte, zuerst kam die Ermutigung. Danach würde er ein wenig antreiben. „Enthusiasmus ist sehr gut. Du hat eine wunderbare Sehnsucht. Du bist großartig, Du bist wie Sukadeva. Aber jugendlicher Enthusiasmus ist nicht gut.“ Zuerst eine große Menge Lob, danach eine kleine bittere Pille, das war seine Methode. Niemand sollte entmutigt werden oder das Gefühl bekommen dass das, was er tat, völlig falsch sei. Seine Einstellung war: „Nein, mach das, es ist wunderbar, aber stelle sicher, dass es nicht nur jugendlicher Enthusiasmus ist, etwas, das später ein Rückschlag sein könnte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Aspiraten nicht nur noch ganz roh waren, sondern auch noch in keiner Weise erwacht, musste auch das Erwachen vom Meister beeinflusst werden. Bei einer Gelegenheit gingen sehr erfahrene Schüler mit allerhand Beschwerden zu Swamiji. Er  musste auch sie zufriedenstellen, also gab er vor, wirkllch ärgerlich zu sein. Sehr zufrieden gingen die erfahrenen Schüler davon und dachten, dass Swamiji sich nun den jungen Aspiranten vornehmen würde. Genau das Gegenteil geschah: der Mann, über den sie sich beschwert hatten, bekam als erstes einige Bananen.  Damals gab es im Ashram einen kleinen Jungen, der Swami Sivananda diente, und der kam dann angelaufen und sagte: „Swamiji gibt Dir Früchte“. Eine halbe Stunde später würde jemand anderes kommen: „Swamiji lässt Dir Kaffee bringen.“ Und eine Stunde später würde er persönlich erscheinen und sagen: „Du bist hervorragend und glänzend. Meditierst Du gut? Machst Du Japa (Mantrawiederholung)?  Gut. Studierst Du vedanta? Sehr gut“  Was wurde nun aus all den Beschwerden?  Swamiji würde beobachten, ob all die Ermunterungen wirken würden. Anstatt zu sagen: „Du bist ein schlechter Kerl.“ Bestand Swamiji darauf, sich auf die guten Eigenschaften in Dir zu konzentrieren, Dir zu sagen, dass Du ein guter Arbeiter bist, auch wenn Du kein spirituelles Verlangen und keine Hingabe hattest. Er würde sagen: „Du bist ein großartiger Arbeiter. Da ist niemand, der so hart arbeitet wie Du.“  Dann würde er freundlich hinzufügen: „Immer, wenn Du arbeitest, sehe Gott in allem. Warum hilfst Du nicht in der Küche und gibst Essen aus? Du bist ein großartiger Mann, Du hast einen hübschen Körper und eine schöne Stimme. Wenn Du roti servierst, sage Bhagavan roti, roti Narayan, roti Maharaj.“  In diesem Moment wurde die Saat der spirituellen Sehnsucht gesät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji tat für Aspiranten, was sogar die liebevollsten Eltern nicht immer tun würden. In dem Moment, in dem sich auch nur die leiseste Spur eines Talentes bei einem Aspiranten zeigen würde, widmete er sich persönlich dem Erwecken und vollen Entfaltung dieses Talentes des Aspiranten. Tag und Nacht würde er  über Mittel und Wege  nachsinnen, wie der sadhaka sich entfalten könnte;  letztendlich zum Segen der ganzen Menschheit. Auf diese Weise wurden einige Abteilungen im Ananda Kutir gegründet und fortgeführt. 1948  trat ein junger Mann dem Ashram bei; er sagte, dass er sich mit Papierherstellung auskennen würde. Am folgenden Morgen ließ Swamiji eine Grube ausheben und ließ Rohmaterialien anliefern, damit dieser junge Mann, der keinerlei Qualifikationen (Swamiji fragte auch niemals danach) nachweisen konnte, seine Ideen verwirklichen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji nahm so ein aufrichtiges Interesse in all diese Unternehmungen, dass man denken könnte, er hätte gerade darauf gewartet, dass eine Person kommt und ihm genau bei dieser Arbeit hilft. So umfassend und gründlich war seine Begeisterung, dass er in kurzer Zeit Vorschläge machen konnte, wie man diese Arbeit, in der der Aspirant ja eigentlich der Experte war, besser erledigen könnte. So war es auch mit dem Fotostudio im Ashram.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Läuterung/Reinigung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji hat manchmal betont, dass atma jnana (Selbstverwirklichung) denkbar einfach ist. Es ist ganz einfach, ABER die vorbereitende Reinigung, die eine Voraussetzung ist, ist extrem schwierig. Wenn die Reinigungsübungen anstanden, wendete er sehr einfache Methoden an, die aber sehr tiefgreifend in ihrer Wirkung waren. Die Übungen mussten kontinuierlich gemacht werden (im Sinne von Wiederholung). Swamiji musste sie wieder und wieder und wieder machen. Er hatte eine solche Geduld, dass er niemals jemanden als hoffnungslosen Fall betrachtete. Wenn ein Schüler den Sinn auf die eine Weise nicht einsehen konnte, würde Swamiji es so oder so abwandeln. Swamiji drehte und wendete es, bis eines Tages, so hoffte er, der Schüler einsehen würde, was er ihm versuchte beizubringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jemand eine Schwäche hatte, war Swamiji demgegenüber blind und sagte: „Er hat einige Schwächen, aber er hat auch einige großartigen Fähigkeiten.“  Er wählte die Methode, niemals die Fehler einer Person hervorzuheben, es sei denn, dass es nötig wäre.  – Zum Beispiel im Falle einer Konfrontation  mit einem anderen Schüler, wenn man Swamiji  die Angelegenheit vorgetragen hatte und beide vor ihm erscheinen mussten. Und wenn er einen Tadel aussprechen musste, tat er es ganz liebenswürdig. Als erstes würde er den Aspiranten loben. „Du hast diese und jene gute Eigenschaft. Als erstes ist es  Dein größtes Glück, dass Du der Welt entsagt hast, hierher gekommen bist und im Ganges gebadet hast. Du musst in hunderten von vergangenen Leben spirituell praktiziert haben, um so spirituell veranlagt zu sein. Und Du musst Dir die Gnade von Tausenden von Heiligen verdient haben, um hierher in den Ashram geführt zu werden, damit Du ein spirituelles Leben leben kannst.“  Dann würde er hinzufügen: „Warum möchtest Du streiten? Es ist nur ein kleiner Fehler. Werde nicht gereizt. Wenn Du gereizt bist, könntest es all Deine Bemühungen vereiteln. Hast Du schon gefrühstückt? Was hattest Du? Kaffee oder Tee? Soll ich Dir noch etwas besorgen?“  Ein Bündel Bananen kamen zuerst, dann ein klein wenig prick gefolgt von Butter und Honig.  Nachdem die Bananen verdaut waren und auch die Butter und der Honig gegessen, dämmerte Erkenntnis: „DIES wollte mir Swamiji sagen!“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji hielt seine Schüler nie in einem Zustand der Anspannung. Er machte Druck, sein Training voranzutreiben, aber sobald er merkte, dass ein Schüler zusammenbrach, lockerte er alle Regeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das grundlegende Prinzip in all dem war, dass niemand jemals von Swamiji kritisiert wurde. Kritik hätte alles ineffektiv gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Wohlergehen der Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tag und Nacht hatte Swamiji nur einen Gedanken: Wohlergehen, Wachstum und Fortschritt (weltlich und spirituell) seiner Schüler. Oftmals erhob er sich zu einem leidenschaftlichen Appell an seine geliebten Schüler, er drängte sie mit feurigen Worten, alle Spuren von persönlicher Wichtigkeit auszurotten und sich  der edlen Idee des Dienstes an der Welt hinzugeben. Er schilderte ihnen auf packende und mitreißende Weise die Herrlichkeit des selbstlosen Dienens und der Verehrung Gottes als das Größte und Großartigste von allem Yoga. Wie alle Aspiranten fühlten sie sich manches mal bestürzt über die Endlosigkeit und  Weite der menschlichen Probleme und des Leidens. Dann munterte Swamiji sie auf mit der ausdrücklichen Versicherung, dass ein Leben des selbstlosen Dienens nie ein Misserfolg sei. Er rüttelte sie auf mit Worten wie diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kümmert Euch nicht darum, ob Selbstverwirklichung kommt oder nicht. Strengt Euch größtmöglich an, Euch ethisch zu verbessern und macht Euch perfekt für den Dienst an der Menschheit. Seht Gott in jedem Menschen. Betrachtet jeden Menschen als Gott. Wenn Eure Vorstellung von Gott beinhaltet, dass ER alldurchdringend ist, warum könnt Ihr IHN dann nicht in allen Wesen erkennen? Was hindert Euch daran, Euren Glauben in die Tat umzusetzen? Ihr müsst die Vorstellung aufgeben, dass ER nur hinter geschlossenen Augen und Türen vorhanden ist. Fühle SEINE Gegenwart in jedem und allem während Du dienst; und schaue dann, ob ER nicht im Grunde Deines Herzens strahlt in SEINEM eigenen Klang.  Wenn das Herz noch nicht frei ist von allen Unreinheiten und die niedere Natur nicht befreit ist von Schmutz, wie kann dann spirituelle Erfahrung zu Dir kommen? Bevor Du nicht Deine eigene Natur perfekt gemacht hast, kannst Du unmöglich die Wahrheit eines Wesens erkennen, das die reine Essenz der Vollendung ist. Rotte zuerst Egoismus, Ärger, Hass, Gier und Doppelzüngigkeit aus und sei aufrichtig und von ganzem Herzen  bei Deinem selbstlosen  Dienst. Wenn  Du es schaffst, zehn Menschen ein klein wenig Gutes zu tun, wenn Du erfolgreich einen schlechten Charakterzug  völlig ausrotten kannst und dafür eine einzige edle Tugend vollständig entwickeln kannst, sei sicher, dass Dein Leben nicht umsonst gelebt wurde. Und sogar nur zehn Menschen von einer Million erreichen kaum jemals dies. Was soll’s, wenn Du nicht samadhi und Selbstverwirkllichung erreichst?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kopf hoch, sei guten Mutes! Sei mit Leib und Seele bei der Arbeit. Ich garantiere Dir, dass Du Dich gesegnet und glücklich fühlen wirst. Sei nicht unzufrieden mit Deinem Los oder niedergeschlagen wegen Deinem Fortschritt. Handle nach meinem Wort. Habe ich nicht über Dein spirituelles Wohl nachgedacht?  Dann, wenn Du nur könntest, würdest Du sehen, dass Tag und Nacht, in jedem Augenblick, mein Herz in Sorge über Dein Wohlergehen schlägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer dem „direkten Familienkreis“ von Aspiranten, Studenten und Arbeitern gab es viele Suchenden in anderen Ländern, die große Zuneigung  zu Swami Sivananda hatten und ihn verehrten. Ihnen war er ein spiritueller Führer und Meister. Swamiji beantwortete ihre Briefe prompt, ging auf alle ihre Fragen ein und leitete sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dazu schrieb Swami Sahajanandaji  aus Durban, Südafrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Anhänger und Verehrer von Swamiji muss erfahren haben, dass man die grenzenlose Gnade und Barmherzigkeit nur stillen Herzens und nicht mit Worten ausdrücken kann. Irgendwo habe ich gelesen, dass Swamijis Wohltätigkeit als „unbesonnen“ bezeichnet wurde. Aber ich denke, dass seine Gnade und Liebe sogar noch reichlicher vorhanden waren als die Wohltätigkeit.  Es ist nicht bemerkenswert, wenn ein Erster-Klasse-Aspirant die Gnade eines Meisters erhält. Aber wenn jemand sich qualvoll abmüht auf dem Weg zur Gottverwirklichung und erfährt dann ganz direkt die liebevolle Beachtung eines großen Heiligen, wird dieser Mensch sicherlich vor Ehrfurcht erzittern und eine unausprechliche Dankbarkeit wird ihn erfüllen. Leider war ich auch jemand, der nicht „rein“ geboren wurde oder mit einer großen Portion spiritueller samskaras  (= geistige Eindrücke aus dem jetzigen und den früheren Leben, die im Unterbewussten liegen) ausgestattet war. Aber durch Swamijis Gnade erreicht man langsam aber sicher das Ziel. Die Liebe und Fürsorge , die Swamiji einem fünftklassigen Aspiranten wie mir hat angedeihen lassen,  weist ihn als gottverwirklichten Heiligen aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl wir tausende von Meilen entfernt von seiner physischen Gegenwart lebten, kümmerte sich Swamiji um uns auf die gleiche Weise, wenn nicht noch besser, als um diejenigen, die in seiner Umgebung im Ashram lebten.  Hier einige Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor einiger Zeit schrieb ich ihm einen dringenden Brief wegen physischer Beschwerden. Das war gerade zu der Zeit, als Swamiji von seiner „All-India“-Reise zurückgekehrt war. Obwohl er sicherlich hunderte von Briefen zu beantworten hatte, war er so gütig, mir noch am selben Tag zu antworten. Neulich schrieb ich ihm von einer Veränderung meiner sadhana Praxis. Zurück kam eine zweiseitige Antwort in seiner eigenen Handschrift. Und noch bemerkenswerter war, dass Swamiji selbst den Brief adressiert und zur Post gebracht hatte; und das rührte mein Herz und ließ es zutiefst erbeben. Stellt Euch einen  bedeutungslosen Menschen vor wie mich, der mit so viel von seiner Liebe überschüttet wird! Und was für aufmunternde und tröstende Worte sein Brief erhielt! Jedes Wort ist durchtränkt mit der Wärme seiner grenzenlosen Liebe. Es ist diese Liebe, die dazu führt, das wir uns unwürdig fühlen, seinen kostbaren Segen zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamijis Buchgeschenke erreichten uns dutzendweise. Wenn ich ihn um ein Buch bat, schickte er sechs. Auch wenn beantragt war, dass die Bücher erst nach der Bezahlung geschickt werden sollten, kamen sie mit unverzagter Beharrlichkeit an. Nicht nur die Geschenk-Bücher erreichten die Gestade meines Landes, sondern auch herrlich frisches, süßes prasad kam, in Dosen verpackt, hier an. Es ist sicherlich nicht fehl am Platze, hier eine Erfahrung widerzugeben, die mein Freund, Sri G. V. Naidoo, bei einem Ashram-Besuch gemacht hat. Sobald er Swamiji traf, wurde er buchstäblich mit Liebe überschüttet. Swamiji widmete sich ihm persönlich, und mein Freund ging dann mit einem Stapel Bücher in den Händen. Dann erzählte er noch, wie er ein Bild von Swamiji bewunderte, das an der Wand hing – eine Ansicht von Swamijis tapas (Askese-Übungen) -   und Swamiji hatte es von der Wand abgenommen und ihm geschenkt. Welch eine außerordentlich seltene Großzügigkeit strahlt aus Swamijis Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamijis Heilkräfte wurden auch im entfernten Südafrika bewiesen. Zwei Fälle habe ich persönlich erlebt. Einer meiner Freunde, der ein Patient im T. B. Settlement war, litt an einer schweren Schlafstörung. Ich schrieb deswegen an Swamiji. Seine sofortige Antwort enthielt Anweisungen, wie man das Problem beseitigen könnte. Obwohl der Patient nicht den Anweisungen folgte, schlief er daraufhin gut. Nach einigen Wochen, wurde er wieder von Schlaflosigkeit geplagt. Es ist ein Jammer, dass die Anweisungen nicht befolgt wurden.  Das andere Beispiel betraf einen persönlichen Freund von mir, der an schlimmen und schmerzhaften Leberflecken auf den Händen litt. Wieder schrieb ich an Swamiji. Das von ihm empfohlene einfache Mittel wurde angewendet und die Leberflecken meines Freundes gingen vollkommen zurück. Das ist nun Monate her und die Probleme sind nicht wieder aufgetaucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie löst Swamiji die Alltagsprobleme der Aspiranten, die nicht in der glücklichen Lage sind, seine mündlichen Anweisungen zu hören? Das geschieht auf eigentümliche Weise. Wenn ich manchmal mit einem schwerwiegenden Problem konfrontiert bin, nehme ich einfach eins von Swamijis Büchern in die Hand und schlage irgend eine Seite auf – und schon springt mir die genaue Lösung für meine Probleme in die Augen! Manchmal vielleicht erreicht mich Swamijis innere Führung während der Meditation; oder es kann passieren, dass ein Ereignis oder eine Person mir die richtige Antwort gibt. Man muss allerdings wachsam sein, die richtige Führung zu empfangen. Aber in den meisten Fällen würden Swamijis Bücher uns helfen. Dies war auch die Erfahrung der anderen Anhänger hier. Es passiert so oft, dass wir keinen Zweifel daran haben, dass Swamiji all unsere Schwierigkeiten kennt  und dass seine Führung immer bei uns ist, egal wie viele Meilen uns von ihm trennen. Swamiji hat auch vollkommene Einsicht in unsere Herzen und unseren Geist, und niemand kann ihm etwas vormachen. Einmal schrieb ich ihm einen Brief und suchte Antworten auf einige Fragen spiritueller Natur. Swamiji fand die Wahrheit heraus, dass nämlich die Antworten dafür benötigt wurden, jemand anderes herabzuwürdigen – und er gab keine direkte Antwort. Von da an traute ich mich nicht  mehr, irgendwas vor ihm zu verheimlichen. Wir haben auch festgestellt, dass alles, was er sagte, früher oder später auch eintreffen würde. Seine Worte waren unfehlbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Geheimnis, wie man Swamijis Gnade erreichen kann, ist ihm von ganzem Herzen zu dienen. Ein kleiner Dienst an Kranken hier oder das Verteilen von einigen Schriften  dort – und schon hast Du einen Platz in seinem großen Herzen eingenommen. Jeder einzelne von den Tausenden von Schülern und Anhängern kennt diese Wahrheit. Dienst an Swamiji (ich nenne das Sivayoga) ist der großartigste Yoga dieser Zeit. Lass all diejenigen, die den vielen Wegen zu Gott folgen wollen, dies tun. Aber meine größte Freude ist es, Swamiji zu dienen, egal, ob es zur Gottesverwirklichung führt oder nicht.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Karli</name></author>
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		<title>Schüler</title>
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		<updated>2012-12-28T16:49:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Karli: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Zusammengestellt von Sri [[Swami Venkatesananda]]   (*29.12.1921 in [[Tanjore]], [[Südindien]], †2.12.1982 in Johannesburg, Südafrika)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Meister]] und Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen [[Buch|Büchern]] hat [[Swami]]ji das Wesentliche des traditionellen [[Lehre]]ns vermittelt, und in diesen [[Unterweisung]]en hat er die geheime [[Botschaft]] preisgegeben, wie man mit der [[Wahrheit ]] in [[Verbindung]] bleiben kann und wie man sie zu einem ganzheitlichen Aspekt seines [[Leben]]s machen kann. Er verkörperte dieses Lehren.  Zum  Beispiel, obwohl sein ganzes Leben im wahrsten [[Sinn]]e des [[Wort]]es aus [[Karma Yoga]] bestand, waren seine Schriften zu Karma Yoga sehr spärlich. Obwohl er nicht viel unterrichtete, waren die wenigen Worte der Unterweisung, die seine Schüler von ihm hörten, unvergesslich. Er selbst war meistens die lebendige Wahrheit.  Durch seine Taten sprach er lauter als durch einen  Lautsprecher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erleuchtete [[Guru]] kann seine wesentlichen [[Erfahrung]]en nicht in Worte fassen. Was niedergeschrieben wurde oder was in Worten ausgedrückt wurde,  ist nur ein Bruchstück der Erfahrung des Weisen. Da ist etwas, das er erfahren hat, das unaussprechlich ist. Sogar der kleine Teil, den er ausdrücken kann, geht bei der Übermittlung verloren, da der Schüler nicht achtsam ist. Daher hat Swamiji nur selten die Zuhörer aufgefordert, eigene Notizen zu machen, sondern sie sollten den [[Dialog]] oder die Unterhaltung hinterher aufschreiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kommunikation]] ist fast immer non-verbal. Oft hat man gemerkt, dass ein hoch inspirierender Dialog, wenn er schnell niedergeschrieben wurde, nicht mehr so inspirierend war, weil Swamijis „hm“, ein Lächeln und ein Ausdruck von Gesicht und Augen eine gewaltige Wirkung und [[Bedeutung]] hatten. In diesem Bereich fand die Kommunikation statt! Kommunikation kann nur stattfinden, wenn Meister und Schüler miteinander verschmelzen, wenn sie auf der gleichen Ebene und Wellenlänge sind. Dann wird die Lehre aufgenommen, ohne dass ein Wort nötig wäre. In den [[Katha Upanishad]] heißt es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uttishtata jagrata prapya varan nibodhata. (Arise, awake, be vigilant; then approach a great master and attain enlightment = erhebe Dich, erwache,  sei achtsam; dann trete an einen großen Meister heran und erlange [[Erleuchtung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erheben und Erwachen sind Sache des Schülers und nicht des Meisters; aber Swamiji wich von dieser Regel ab und gewährte auch [[Mensch]]en Zugang zum Ashram, die nicht all diese Qualifikationen aufwiesen. Er verbarg die spirituelle Weisheit nicht – sie war da, öffentlich – und er stellte sie nicht zur Schau. Das war ein außergewöhnlicher Wesenszug an ihm.  Viele Swamis und [[Yogi]]s würden auf eine einfache Frage wie „Kann man im [[Winter]] im [[Ganges]] baden?“  eine lange Rede über [[Vedanta]] halten: „Du bist nicht der [[Körper]], Du bist nicht der [[Geist]]. Du bist das unsterbliche [[Selbst]]. Es ist nicht das unsterbliche Selbst, das die [[Kälte]] spürt, es sind Körper und Geist, die die Kälte fühlen!“ Swamiji sprach nie so. If at all, he erred on the other side. Er war mehr an dem körperlichen und intellektuellen Wohlergehen der [[Aspirant]]en interessiert, anstatt bei jedem Husten oder Niesen jedesmal irgendwelche religiösen Anweisungen auszusprechen. Er wartete darauf, dass der Aspirant eine spirituelle Frage stellt, und wenn der Fragende eifrig und begeistert war, kommunizierte er Wissen auf unerklärliche Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals war es für Heilige [[Tradition]], sich in einer [[Höhle]] zu verbergen und zu warten, bis ein qualifizierter Aspirant sich nähern würde. Ein Aspirant, der schon ein inneres Erwachen erfahren hatte, der aufmerksam und begeistert war und der unter Einsatz von viel [[Kraft]] und [[Zeit]] sich die Mühe gemacht hat, zu ihm zu gelangen, um den Heiligen um Unterweisung zu bitten. Im Großen und Ganzen übernahm Swami Sivananda diese Tradition, indem er „seine Weisheit unter einem großen Mantel verbarg“. Die Menschen, die zu ihm kamen,  erinnerten sich an seine [[Zuneigung]] und [[Liebe]] und seine großen [[Sorge]] um ihr körperliches und materielles Wohlergehen. Dies waren seine Hauptsorgen – Weisheit oder atma jnana kamen zu ihrer [[Zeit]]. Wenn aber ein Schüler in vollkommener [[Hingabe]] und Liebe mit ihm verschmolz, konnte non-verbale Kommunikation sehr leicht geschehen. Dies war sein [[Geheimnis]]. Denn er hatte erkannt, dass keine mündlichen Unterweisungen irgendwie fruchten würden, solange der Aspirant nicht Weisheit, Leidenschaftslosigkeit, edle und tugendhafte Eigenschaften und ein beständiges Streben nach [[Befreiung]] hat – und somit die non-verbale Kommunikation unmöglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Anhängerschaft&#039;&#039;&#039; (discipleship)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Leute in der Anfangszeit nach [[Rishikesh]] kamen, fanden sie [[Swami Sivananda]], wie er [[Glückseligkeit]], Frieden und [[Freude]] verströmte, obwohl all die Dinge fehlten, von denen man denkt, dass sie für Frieden, Freude und Wohlstand  nötig sind. Es gab absolut nichts. Unter solchen Umständen lebend verströmte er trotzdem Freude. Wie konnte er so leben? Der Blick in seinen [[Auge]]n verriet, das er die Wahrheit gefunden hatte. Wenn man in seine Augen schaute erkannte man, dass er die Wahrheit gefunden hatte und man selber nicht.  Das allein machte demütig und man warf sich nieder zu seinen [[Fuß|Füß]]en. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang 1947 saß Swami Sivananda in seinem Büro. Ein junger Mann aus Südafrika, der im Ashram für 2 oder 3 Monate gelebt hatte, musste an diesem Tag abreisen. Er trat ein, fiel vor Swami Sivananda auf die Knie und begann zu weinen. Mit höchster Liebe und Zuneigung schaute Swamiji ihn an. Der junge Mann sagte: „Swamiji, ich muss heute abreisen. Aber wo in Afrika werde ich einen Meister wie Dich finden?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich veränderte sich Swamijis Gesichtsausdruck, und mit einem unheimlich schönen, vielsagenden und verschmitztem Lächeln sagte er: „Hm, Du findest keinen Meister in Afrika?“ In diesem Moment verschwand der Kummer des jungen Mannes und seine Tränen trockneten. Swamiji lachte, blickte ihn fest an und sagte: „Es ist sehr leicht, einen Meister zu finden, aber es ist schwer, einen Schüler zu finden. Sei ein Schüler! Vom Scheitel bis zur Sohle sei ein Schüler! Dann wirst Du einen Meister finden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji sagte niemals „Ich bin Dein Meister“. Manchmal pflegte er zu sagen „Du bist mein Schüler“  oder „er ist mein Schüler“. Seinen ersten Schülern schrieb er: „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen, ich werde Dir dienen und Dich leiten.“ Wenn er sagte „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen“, dachten die Schüler, sie dürften Swamiji in Anspruch nehmen und könnten ihm freizügig schreiben. Genau das wollte er auch. Der nächste Satz war „ich werde Dir dienen“. Der Schüler sollte eigentlich dem Meister dienen! In dieser Formulierung hob er die Vorstellung von ihm als Guru auf. Er betrachtete sich selbst nie als Guru. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Meister zu dienen ist besonders wichtig. Indem man dem Meister dient, entdeckt man seine Wellenlänge und wie man sich zu ihr erheben kann. Der Schüler macht etwas auf bestimmte Weise, in einer bestimmten Geisteshaltung – aber der Meister macht es anders, es mag sogar seine Eigenart sein. Aber wenn es der Schüler nicht lernt, Dinge in der Art und Weise des Meisters zu tun, wird er sich nicht auf die Wellenlänge des Meisters einstellen können. Trotzdem ist sein Dienst wertvoll. Auch wenn Swamiji den Schülern das Gefühl gab, dass ihre Arbeit ein wichtiger Beitrag für die Mission war, wollte er ihnen  tatsächlich nur Möglichkeiten bieten, sich auf ihn einzustimmen und an ihm auszurichten, - und nicht, weil er ihren Dienst benötigt hätte. Er arbeitete hart daran, Arbeitsbereiche zu erstellen, in denen sie ihre Talente ausüben konnten, um ihnen so zu helfen, innerlich zu wachsen, damit die Kommunikation stattfinden könnte.   Zum Beispiel kamen einige Musiker in den Ashram. Zu ihrem Segen organisierte Swamiji Musikunterricht, kaufte die nötigen Instrumente, stellte einen Raum bereit usw. Auf diese Weise verwandelte sich der Sender in einen Empfänger. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji betonte immer wieder, dass sich der Schüler dem Meister unterwerfen sollte, aber er wusste auch, dass dies weder von Seiten des Schülers noch von Seiten des Meisters erzwungen werden konnte. Es musste geschehen; aber auch dies begünstigte er, indem er die notwendigem Umstände schuf für das Üben der Unterwerfung. Er könnte zum Beispiel ein Anliegen vorbringen, das er gerne erledigt hätte und dann eine ganze Reihe von Alternativen aufzählen. Selbstverständlich würde der Schüler sich für etwas entscheiden, und daran konnte Swamiji genau erkennen, wo der Schüler stand – war er arrogant oder nur eitel, gleichgültig oder heuchlerisch demütig oder war er wahrhaftig demütig im Geiste der Unterwerfung.  Gleichzeitig ermöglichte er es dem Schüler wahrzunehmen, wo er wirklich stand und gab ihm die Gelegenheit, sich selbst in der Situation zu studieren. Somit war der Schüler in die Lage versetzt, sein Ego und dessen Spiel zu erkennen. Wenn ihm dann das hässliche Treiben des Egos bewusst wurde, erwachte Unterwerfung in ihm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren, war Swamiji sehr streng in der Zulasssung von Aspiranten im Ashram; denn sie mussten ein sehr hartes Leben leben. Er erläuterte Anwärtern in ganz klaren Worten, was die Bedingungen für ein Leben dort waren. Aber nachdem er den Ashram aufgebaut hatte und das leibliche Wohl der Sadhaks sichergestellt war, bemühte er sich eifrig darum, mehr und mehr Menschen im Ashram zuzulassen, damit alle eine Möglichkeit zu spirituellem Wachstum haben könnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji arbeitete ohne Unterlass, damit die Aspiranten, die zu seinen Füßen Zuflucht gesucht hatten, vor den Schwierigkeiten bewahrt würden, denen er in der ersten Zeit in Rishikesh ausgesetzt war. Mit aller Macht wollte er verhindern, dass sie kostbare, mentale Energie vergeuden in Gedanken an das leibliche Wohl  - Essen, Kleidung, Unterkunft und medizinische Versorgung. Sie sollten frei sein, den Weg zu verfolgen, den sie eingeschlagen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da er selbst die Gefahr von Extremen erfahren hatte, sagte er: „Es ist gut, wenn ihr Luxus ablehnt, aber zögert nicht, einfachen Komfort anzunehmen, der die Mindestnotwendigkeit  der physischen, menschlichen Existenz abdeckt.  Wenn Du für eine gewisse Zeit tüchtig arbeiten musst, dann versage Dir nicht  die notwendige, nahrhafte Nahrung. Während Du geistig arbeitest, halte etwas kühlendes Öl wie brahmi amla oil für Deinen Kopf parat . Lehne nicht das Obst ab, wenn ich es Dir anbiete.“  Daher drängte Swamiji die sadhakas, die mit Studier- und Schreibarbeiten beschäftigt waren, eine kleine Extraportion Milch und Ghee zu nehmen und bot ihnen auch Mandeln und Nüsse an. Wenn sie es ablehnten, war Swamijis Rat: „Das ist keine Weisheit. Wollt Ihr Diabetes und Nervenkrankheit herausfordern? Schaut her, was meine Entsagung bewirkt hat. Trockenes Brot und einfaches dhal sind nicht der einzige Test für „sadhuism“.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemand im Ashram hatte größere Gebrechen als Swamiji selbst, und trotzdem war da niemand, der härter gearbeitet hätte als er. Wenn er einen Aspiranten traf, dem es gerade nicht gut ging, und wenn es auch nur ein wenig Kopfweh war, sagte er: „Bitte geh‘ und ruhe dich aus!“ und er würde einen Arzt schicken und noch ein halbes Dutzend andere, die ihm beistehen sollten. Wenn aber er jedoch krank war, fegte er streng des Doktors Bitte beiseite, er solle doch dem Körper ein wenig Ruhe gönnen. In diesem einen Aspekt war ein riesiger Unterschied zwischen Swamijis Grundsatz und seiner eigenen Praxis. Er lebte selbst aufopfernden Dienst vor und predigte anderen: „Bitte kümmert Euch um Eure Gesundheit!“ Seine Liebe zu aufrichtigen sprirituellen Aspiranten war unvergleichlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1946 war der Ashram ziemlich arm und es gab nur wenige Zimmer und keine Annehmlichkeiten und keinen Komfort. Es gab noch nicht einmal einen Schutz vor den Affen, die regelmäßig den Ashram überfielen. Ein sehr kleiner Raum  mit klapprigen Türen wurde „das Büro“ genannt, daran schloss sich ein kleiner Raum an mit niedriger Decke und niedrigem Eingang (Swamiji nannte diesem Raum Demuts-Eingang). Wenn man sich nicht niederbeugen würde, verlöre man den Kopf. An einem Mittag im Hochsommer war es so heiß, dass drei oder vier der Büroarbeiter sowohl die Bürotüre als auch die Verbindungstüren geschlossen hatten, und sich im hinteren Teil aufhielten. Wenn Swamiji zu Mittag aß, fragte er immer nach einem extra Teller. Darauf legte er dann einen Teil seines Essens. Nachdem er seine Mahlzeit gegessen hatte, bedeckte er seinen kahlen Schädel mit einem dünnen Stück Stoff und ging  unverzüglich mit dem Teller los, von Raum zu Raum und gab jedem seiner Schüler etwas von seiner Speise (In diesen Tagen war dies eine außergewöhnliche Sache, denn viele Swamis würden weder ihren Schülern noch sonst jemanden wissen lassen, was sie gegessen hatten).  Er riet ihnen mit mütterlicher Zuneigung: „Kommt bitte nicht raus, es ist zu heiß.“ An diesem besonderen Tag so gegen 1 Uhr mittags ging er in der sengenden Sonne zum Büro, den Teller in der Hand.  Als er sah, dass alle Türen geschlossen waren, nahm er an, die Schüler würden schlafen. So ging er in die Küche, die nebenan war, und fand dort einen Swami. Er gab ihm Essen und sagte: „Die drei Jungs ruhen sich im Büro aus. Bitte störe sie nicht, aber wenn sie aufwachen, gib ihnen dies hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein ganzes Leben lang war Swamiji mehr um andere besorgt als um sich selbst. Vielleicht bekam sein Körper dadurch so viele Krankheiten. Wie er nach seinen Schülern schaute,  die mütterliche Liebe, die seine Einstellung zu ihnen prägte, darin könnten sich sogar die warmherzigsten Eltern  von ihm unterweisen lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal, als Swamiji aus seiner Hütte heraustrat, kam ein Ashram-Arbeiter auf seinem Fahrrad vorbei. Sobald er Swamiji bemerkte, stieg er vom Fahrrad ab und ging zu Fuß weiter. Swamiji sagte: „All diese Formalitäten sind nicht nötig für mich. Liebe und Respekt haben ihren Sitz ihm Herzen; und Du solltest immer Liebe und Respekt für Ältere in Deinem Herzen haben. Dies werde ich wissen! Diese äußeren Formalitäten haben keine große Bedeutung für mich. Du gehst in der heißen Sonne umher, machst Einkäufe in Rishikesh und überwachst die Bauarbeiten. Zögere nicht, an Dich zu denken. Du musst jetzt etwas Kaltes trinken, und in einer halben Stunde solltest Du etwas Heißes trinken. Und wenn Du gerne etwas Obst vom Bazar hättest, so nimm gerne! Du hast die absolute Freiheit alles zu tun, um Deinen Körper in bester Gesundheit zu erhalten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji betrachtete das Leben an den Ufern des heiligen Flusses Ganges zu Füßen des Himalya als einen Segen – mit ein wenig Mantra-Wiederholung (japa), Meditaiton und selbstlosem Dienst, und er war eifrig bemüht, die Tore dazu allen zu öffnen. Unzählige junge Männer suchten Schutz zu Swamijis Füßen als  Zuflucht in ihrer Not und Verzweiflung.  Swamiji hat niemanden nach seiner Vorgeschichte ausgefragt. In dem Moment, wenn Swamiji auch nur den Hauch von Verzweiflung in den Augen eines Neuankömmlings sah, bekam dieser das Gefühl, dass Swamiji genau auf ihn gewartet hat und dass er ihm einen großen Gefallen tun könnte, dem Ashram beizutreten. Welche psychologische Kraft dies gab ist nicht vorstellbar. Der notleidenden Person wurde das Gefühl von Größe gegeben und unmittelbar fühlte dieser Mensch, dass seine Vergangenheit ein schlechter Traum gewesen war und dass eine wunderbare Zukunft vor ihm läge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1945 ersuchte eine Frau Zuflucht im Ashram, die von ihrem Mann misshandelt worden war und die Familie  verlassen hatte. Selbst die leitenden Personen des Ashrams, die von Swamiji geschult waren, zögerten, der Frau Asyl zu gewähren.  Aber Swamiji blieb fest entschlossen, dass sie bleiben durfte. Allein der Gedanke daran, dass diese Frau ansonsten ihr Leben verlieren könnte reichte ihm aus, die ganze Welt zu ignorieren und nur diesem einen Menschen zu dienen. Ganze Bücher könnten damit gefüllt werden, auf welch wunderbare Weise Swamiji sie lehrte, ihre Leiden zu vergessen, ihren Geist zu beherrschen und letztendlich auf ihren eigenen Füßen zu stehen als eine unabhängige Stimme unter den Frauen Indiens. Von einer Belastung verwandelte Swamiji sie zu einer Bereicherung der Gesellschaft: ein wahrhaftiges Beispiel der Rehabilitation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1955 begrüßte Swamiji einen Koch im Ashram. Der Koch hatte gar nicht vor, da zu bleiben und war überrascht, dass Swamiji bei der ersten Begegnung sagte: „Bitte bleibe hier. Du kannst ein Hotel in der Nachbarschaft eröffnen. Ich werde alles tun, Dich zu unterstützen.“   Er verfolgte die Sache weiterhin und bat den Sekretär, dem Koch einen Raum und die nötigen Utensilien für das Kochen zu besorgen, damit dieser seine Unternehmung starten könnte. Und er bot ihm sogar an: „Du kannst Lebensmittel vom Ashram nehmen und zu Deinem eigenen Gewinn verwenden.“  Etwas später verdeutlichte er seine Einstellung: „Es ist ein Segen, hier an den Ufern des Ganges, in Rishikesh, zu leben. Eines Tages könnte er die Sehnsucht verspüren, zu entsagen. Bis dahin ist es gut, ihn zu ermutigen, auch in seinem Streben nach Geld. Als erstes sorgen wir dafür, dass er hier bleibt, und dann bringen wir ihn langsam zu sadhana.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau hatte ihren Mann verloren und war rastlos. Daher kam sie nach Rishikesh und blieb in der Nähe des Ashrams. Sie sagte zu Swamiji: „Ich habe Juwelen im Wert von vier- bis fünftausend Rupien und dazu noch ein Haus. Ich möchte für immer hier bleiben. Wenn Du mir das erlaubst, werde ich das Haus und die Juwelen verkaufen.“ Swamiji antwortete: „Behalte das Haus und die Juwelen. Du kannst in Brindavan bleiben.“ Er gab ihr ein Empfehlungsschreiben mit für einen guten Sadhu in Brindavan und schickte sie dorthin. Und er wies sie an: „Bereise die umliegenden Ortschaften. Verbreite den Ruhm von Gottes Namen. Leite Kirtans an in jedem Haus. Unterrichte die kleinen Kinder.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einige Zeit folgte sie Swamijis Anweisungen. Dann wurde sie psychisch krank. Sie kam zurück nach Rishikesh und machte verliebte Annäherungsversuche an Swamiji. Durch das Fenster warf sie Parfüm auf Swamijis Bett. Und wenn Swamiji die Tür zu seiner Hütte öffnete, kam sie herein um bei ihm zu sitzen. Er fuhr einfach fort mit seiner Arbeit, ohne auch nur daran zu denken, dass sie da war. Nach einer Weile ging sie dann aus eigenen Stücken wieder weg. Swamiji hätte sie auch auffordern können zu gehen; aber nein, er würde nie jemanden auch nur die kleinste Verletzung zufügen. Er war erfüllt von Liebe zu allen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem die Belästigungen heftiger wurden, bat uns Swamiji, einen Stacheldrahtzaun um seine Hütte zu errichten. Wenn sie den Zaun um Swamijis Hütte sah, verfiel sie oft in Raserei. Dann warf sie Steine auf Swamijis Hütte. Auch da bewahrte er seine Ruhe. Nach einiger Zeit verschwand sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Jahren kehrte sie im Mönchsgewand nach Rishikesh zurück. Sie war alt geworden. Swamiji wurde nie von einem Vorurteil  beeinflusst. „Sie könnte sich geändert haben. Jede Sekunde entwickelt man sich. Wir sollten niemanden nach seiner Vergangenheit beurteilen.“, sagte er. Das war sein Leitprinzip. Er erlaubte ihr, in der Nähe des Ashrams zu bleiben. Normalerweise ging sie täglich in den Bazar von Rishikesh, und eine zeitlang sang sie irgendwelchen Unsinn über Swami Sivananda vor jedem Geschäft. Sie beschimpfte und beleidigte ihn sogar in der Öffentlichkeit. Abends kam sie dann in den Ashram. Swamiji sandte ihr Früchte und Mandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Saat säen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen, die sich inmitten von Zwietracht, Streit und Angst nach Frieden und Glück sehnten, fanden in „Sivananda Swami of Ananda Kutir“ (wie er von den Leuten in und um Rishikesh normalerweise genannt wurde) eine Vater-Figur, lieber als der eigene. Diejenigen  von religiösem und spirituellem Temperament , die sadhana zu ihrem einzigen Lebensziel gemacht hatten, fanden in ihm eine immerwährende Quelle der Weisheit und des Lichtes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit unterschiedlichen Menschen hatte Swamiji auch unterschiedliche Beziehungen. Einige weit entwickelte Aspiranten kamen zu ihm und in ihnen loderte das Feuer der Entsagung, der Verhaftungslosigkeit und der Unterscheidung. Sie zu lehren geschah auf anderen Kanälen. Swamiji wurde nur sehr selten mit ihnen gesehen, auch zogen sie nicht sehr nah zu ihm. Ihre Beziehung zu Swamiji war auf einer völlig anderen Ebene – der spirituellen Ebene. Es gab nur wenige solche Schüler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Mehrheit der anderen, mit denen Swamiji arbeitete und dichtauf lebte, waren unreife Aspiranten.  (Einige hatten nicht die geringste spirituelle Sehnsucht. Sie hatten bei Swamiji Unterschlupf gefunden, weil materielles Versagen sie von zu Hause vertrieben hatte und sie sonst umgekommen wären.)  Swamiji musste oft ihn ihnen den Samen von vairagya (Wunschlosigkeit, Verhaftungslosigkeit,Leidenschaftslosigkeit) säen! „Ihn abzuweisen, das kann ich nicht. Gebt ihm wenigstens die Möglichkeit, sich in einen besseren und glücklicheren Menschen zu verwandeln. Falls er versagt – macht nichts. Ein Versuch muss in jedem Fall gemacht werden.“ Solcher Art waren Swamijis Bemerkungen, wenn ein verstörter junger Mann dem Ashram beitreten durfte. So wurde von keinem Aspiranten eine Qualifikation gefordert. Es war eine Art Witz: wenn ein junger Mann sein Examen nicht bestanden hat oder sein Geschäft ruiniert hat – sucht nach ihm im Sivananda Ashram! Swamiji nahm sie großzügig auf und versuchte, sie zum Erwachen zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht alle Menschen, die bei Swamiji Zuflucht suchten, waren gute Menschen; aber er sah nur das Gute in ihnen; gegenüber dem Bösen war er blind. Wenn jemand einen schlechten Charakterzug hatte, würde er ihn nie verurteilen oder hart zu ihm sein. Normalerweise sagte er: „Macht Euch nichts daraus, wenn dieser Mann sogar bösartig ist; indem ich ihn herkommen lasse und ihm Obdach gewähre stelle ich sicher, dass es einen Schurken weniger gibt in Delhi!“ Das war seine Philosophie! „Allein die Tatsache, dass  derjenige hergekommen ist, zeigt, dass da eine kleine Öffnung ist, egal wie klein, durch die ein wenig Kommunikation stattfinden kann.  Lasst ihn hier bleiben, ich werde einen Samen säen. Während dieser Geburt, der nächsten Geburt, kümmert Euch nicht; diese Saat wird jetzt oder viele Jahre später aufgehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji sagte, dass es wohl zu viel verlangt ist von einer Person, die in der modernen Welt lebt und von alles Seiten mit Ablenkungen und Versuchungen überflutet wird, Leidenschaftslosigkeit und Unterscheidungsvermögen zu entwickeln. Er meinte, dass es möglich sein muss bei einem Menschen, der vor seinem eigenen Scheitern davonläuft,  einen Funken zu finden den man anfachen kann zu einer großen Flamme. Sogar wenn gar kein Funken vorhanden war, konnte er eine Flamme entfachen. Das war das Einmalige an Swami Sivananda. Er pflanzte die Samen der Güte, er nährte sie, goss sie und ließ sie wachsen und gedeihen; auch wenn dies ihm selbst ungeheure Schwierigkeiten bereitete, ihm machte das alles gar nichts aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht leicht nachzuvollziehen, was die Suchenden in den frühen 1940-er Jahren empfanden, wenn sie in den Ashram kamen. Einige hatten wohl Swami Sivanandas leidenschaftliche Worte in seinen Originalschriften gelesen, die so inspirierend waren, dass man auf der Stelle seine Kleider ablegen  wollte, um zum Himalaya zu eilen und dort Enthaltsamkeit zu praktizieren und sofort Selbstverwirklichung zu erreichen! Das war das Besondere an seinem Stil. Viele auf diese Weise inspirierte Menschen kamen in den Ashram. Oft liefen sie los, ohne sich umzuziehen, denn in Swami Sivanandas „How to Get Vairagya“ hatten sie gelesen „renounce everything“ (entsage allem) – und so entsagten sie allem. „seek solitude“ (suche die Einsamkeit, Abgeschiedenheit) – und so suchten sie Abgeschiedenheit im Ashram. Einige von ihnen könnten beim Betreten des Ashrams  entdeckt haben, dass andere, die schon vor ihnen angekommen sind, einen schönen Mantel trugen. Und dann dachten sie manchmal: „Aha, sie sind vom Wege abgekommen, sie sind gescheitert. Seht her, wie leidenschaftslos ich bin. Meine Sehnsucht ist viel größer als die Sehnsucht von diesen Leuten, die schon seit so langem mit Swami Sivananda zusammen sind. Sie wissen nicht, was tapas (Askese), vairagya (Wunschlosigkeit) und brennendes Verlangen ist. Jeden Morgen sitze ich hier um 4 Uhr und meditiere. Schau all die alten Ashrambewohner an!“  Swamiji beobachtete sie und schätzte sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Egal, was der Aspirant machte, zuerst kam die Ermutigung. Danach würde er ein wenig antreiben. „Enthusiasmus ist sehr gut. Du hat eine wunderbare Sehnsucht. Du bist großartig, Du bist wie Sukadeva. Aber jugendlicher Enthusiasmus ist nicht gut.“ Zuerst eine große Menge Lob, danach eine kleine bittere Pille, das war seine Methode. Niemand sollte entmutigt werden oder das Gefühl bekommen dass das, was er tat, völlig falsch sei. Seine Einstellung war: „Nein, mach das, es ist wunderbar, aber stelle sicher, dass es nicht nur jugendlicher Enthusiasmus ist, etwas, das später ein Rückschlag sein könnte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Aspiraten nicht nur noch ganz roh waren, sondern auch noch in keiner Weise erwacht, musste auch das Erwachen vom Meister beeinflusst werden. Bei einer Gelegenheit gingen sehr erfahrene Schüler mit allerhand Beschwerden zu Swamiji. Er  musste auch sie zufriedenstellen, also gab er vor, wirkllch ärgerlich zu sein. Sehr zufrieden gingen die erfahrenen Schüler davon und dachten, dass Swamiji sich nun den jungen Aspiranten vornehmen würde. Genau das Gegenteil geschah: der Mann, über den sie sich beschwert hatten, bekam als erstes einige Bananen.  Damals gab es im Ashram einen kleinen Jungen, der Swami Sivananda diente, und der kam dann angelaufen und sagte: „Swamiji gibt Dir Früchte“. Eine halbe Stunde später würde jemand anderes kommen: „Swamiji lässt Dir Kaffee bringen.“ Und eine Stunde später würde er persönlich erscheinen und sagen: „Du bist hervorragend und glänzend. Meditierst Du gut? Machst Du Japa (Mantrawiederholung)?  Gut. Studierst Du vedanta? Sehr gut“  Was wurde nun aus all den Beschwerden?  Swamiji würde beobachten, ob all die Ermunterungen wirken würden. Anstatt zu sagen: „Du bist ein schlechter Kerl.“ Bestand Swamiji darauf, sich auf die guten Eigenschaften in Dir zu konzentrieren, Dir zu sagen, dass Du ein guter Arbeiter bist, auch wenn Du kein spirituelles Verlangen und keine Hingabe hattest. Er würde sagen: „Du bist ein großartiger Arbeiter. Da ist niemand, der so hart arbeitet wie Du.“  Dann würde er freundlich hinzufügen: „Immer, wenn Du arbeitest, sehe Gott in allem. Warum hilfst Du nicht in der Küche und gibst Essen aus? Du bist ein großartiger Mann, Du hast einen hübschen Körper und eine schöne Stimme. Wenn Du roti servierst, sage Bhagavan roti, roti Narayan, roti Maharaj.“  In diesem Moment wurde die Saat der spirituellen Sehnsucht gesät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji tat für Aspiranten, was sogar die liebevollsten Eltern nicht immer tun würden. In dem Moment, in dem sich auch nur die leiseste Spur eines Talentes bei einem Aspiranten zeigen würde, widmete er sich persönlich dem Erwecken und vollen Entfaltung dieses Talentes des Aspiranten. Tag und Nacht würde er  über Mittel und Wege  nachsinnen, wie der sadhaka sich entfalten könnte;  letztendlich zum Segen der ganzen Menschheit. Auf diese Weise wurden einige Abteilungen im Ananda Kutir gegründet und fortgeführt. 1948  trat ein junger Mann dem Ashram bei; er sagte, dass er sich mit Papierherstellung auskennen würde. Am folgenden Morgen ließ Swamiji eine Grube ausheben und ließ Rohmaterialien anliefern, damit dieser junge Mann, der keinerlei Qualifikationen (Swamiji fragte auch niemals danach) nachweisen konnte, seine Ideen verwirklichen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji nahm so ein aufrichtiges Interesse in all diese Unternehmungen, dass man denken könnte, er hätte gerade darauf gewartet, dass eine Person kommt und ihm genau bei dieser Arbeit hilft. So umfassend und gründlich war seine Begeisterung, dass er in kurzer Zeit Vorschläge machen konnte, wie man diese Arbeit, in der der Aspirant ja eigentlich der Experte war, besser erledigen könnte. So war es auch mit dem Fotostudio im Ashram.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Läuterung/Reinigung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji hat manchmal betont, dass atma jnana (Selbstverwirklichung) denkbar einfach ist. Es ist ganz einfach, ABER die vorbereitende Reinigung, die eine Voraussetzung ist, ist extrem schwierig. Wenn die Reinigungsübungen anstanden, wendete er sehr einfache Methoden an, die aber sehr tiefgreifend in ihrer Wirkung waren. Die Übungen mussten kontinuierlich gemacht werden (im Sinne von Wiederholung). Swamiji musste sie wieder und wieder und wieder machen. Er hatte eine solche Geduld, dass er niemals jemanden als hoffnungslosen Fall betrachtete. Wenn ein Schüler den Sinn auf die eine Weise nicht einsehen konnte, würde Swamiji es so oder so abwandeln. Swamiji drehte und wendete es, bis eines Tages, so hoffte er, der Schüler einsehen würde, was er ihm versuchte beizubringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jemand eine Schwäche hatte, war Swamiji demgegenüber blind und sagte: „Er hat einige Schwächen, aber er hat auch einige großartigen Fähigkeiten.“  Er wählte die Methode, niemals die Fehler einer Person hervorzuheben, es sei denn, dass es nötig wäre.  – Zum Beispiel im Falle einer Konfrontation  mit einem anderen Schüler, wenn man Swamiji  die Angelegenheit vorgetragen hatte und beide vor ihm erscheinen mussten. Und wenn er einen Tadel aussprechen musste, tat er es ganz liebenswürdig. Als erstes würde er den Aspiranten loben. „Du hast diese und jene gute Eigenschaft. Als erstes ist es  Dein größtes Glück, dass Du der Welt entsagt hast, hierher gekommen bist und im Ganges gebadet hast. Du musst in hunderten von vergangenen Leben spirituell praktiziert haben, um so spirituell veranlagt zu sein. Und Du musst Dir die Gnade von Tausenden von Heiligen verdient haben, um hierher in den Ashram geführt zu werden, damit Du ein spirituelles Leben leben kannst.“  Dann würde er hinzufügen: „Warum möchtest Du streiten? Es ist nur ein kleiner Fehler. Werde nicht gereizt. Wenn Du gereizt bist, könntest es all Deine Bemühungen vereiteln. Hast Du schon gefrühstückt? Was hattest Du? Kaffee oder Tee? Soll ich Dir noch etwas besorgen?“  Ein Bündel Bananen kamen zuerst, dann ein klein wenig prick gefolgt von Butter und Honig.  Nachdem die Bananen verdaut waren und auch die Butter und der Honig gegessen, dämmerte Erkenntnis: „DIES wollte mir Swamiji sagen!“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji hielt seine Schüler nie in einem Zustand der Anspannung. Er machte Druck, sein Training voranzutreiben, aber sobald er merkte, dass ein Schüler zusammenbrach, lockerte er alle Regeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das grundlegende Prinzip in all dem war, dass niemand jemals von Swamiji kritisiert wurde. Kritik hätte alles ineffektiv gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Wohlergehen der Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tag und Nacht hatte Swamiji nur einen Gedanken: Wohlergehen, Wachstum und Fortschritt (weltlich und spirituell) seiner Schüler. Oftmals erhob er sich zu einem leidenschaftlichen Appell an seine geliebten Schüler, er drängte sie mit feurigen Worten, alle Spuren von persönlicher Wichtigkeit auszurotten und sich  der edlen Idee des Dienstes an der Welt hinzugeben. Er schilderte ihnen auf packende und mitreißende Weise die Herrlichkeit des selbstlosen Dienens und der Verehrung Gottes als das Größte und Großartigste von allem Yoga. Wie alle Aspiranten fühlten sie sich manches mal bestürzt über die Endlosigkeit und  Weite der menschlichen Probleme und des Leidens. Dann munterte Swamiji sie auf mit der ausdrücklichen Versicherung, dass ein Leben des selbstlosen Dienens nie ein Misserfolg sei. Er rüttelte sie auf mit Worten wie diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kümmert Euch nicht darum, ob Selbstverwirklichung kommt oder nicht. Strengt Euch größtmöglich an, Euch ethisch zu verbessern und macht Euch perfekt für den Dienst an der Menschheit. Seht Gott in jedem Menschen. Betrachtet jeden Menschen als Gott. Wenn Eure Vorstellung von Gott beinhaltet, dass ER alldurchdringend ist, warum könnt Ihr IHN dann nicht in allen Wesen erkennen? Was hindert Euch daran, Euren Glauben in die Tat umzusetzen? Ihr müsst die Vorstellung aufgeben, dass ER nur hinter geschlossenen Augen und Türen vorhanden ist. Fühle SEINE Gegenwart in jedem und allem während Du dienst; und schaue dann, ob ER nicht im Grunde Deines Herzens strahlt in SEINEM eigenen Klang.  Wenn das Herz noch nicht frei ist von allen Unreinheiten und die niedere Natur nicht befreit ist von Schmutz, wie kann dann spirituelle Erfahrung zu Dir kommen? Bevor Du nicht Deine eigene Natur perfekt gemacht hast, kannst Du unmöglich die Wahrheit eines Wesens erkennen, das die reine Essenz der Vollendung ist. Rotte zuerst Egoismus, Ärger, Hass, Gier und Doppelzüngigkeit aus und sei aufrichtig und von ganzem Herzen  bei Deinem selbstlosen  Dienst. Wenn  Du es schaffst, zehn Menschen ein klein wenig Gutes zu tun, wenn Du erfolgreich einen schlechten Charakterzug  völlig ausrotten kannst und dafür eine einzige edle Tugend vollständig entwickeln kannst, sei sicher, dass Dein Leben nicht umsonst gelebt wurde. Und sogar nur zehn Menschen von einer Million erreichen kaum jemals dies. Was soll’s, wenn Du nicht samadhi und Selbstverwirkllichung erreichst?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kopf hoch, sei guten Mutes! Sei mit Leib und Seele bei der Arbeit. Ich garantiere Dir, dass Du Dich gesegnet und glücklich fühlen wirst. Sei nicht unzufrieden mit Deinem Los oder niedergeschlagen wegen Deinem Fortschritt. Handle nach meinem Wort. Habe ich nicht über Dein spirituelles Wohl nachgedacht?  Dann, wenn Du nur könntest, würdest Du sehen, dass Tag und Nacht, in jedem Augenblick, mein Herz in Sorge über Dein Wohlergehen schlägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer dem „direkten Familienkreis“ von Aspiranten, Studenten und Arbeitern gab es viele Suchenden in anderen Ländern, die große Zuneigung  zu Swami Sivananda hatten und ihn verehrten. Ihnen war er ein spiritueller Führer und Meister. Swamiji beantwortete ihre Briefe prompt, ging auf alle ihre Fragen ein und leitete sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dazu schrieb Swami Sahajanandaji  aus Durban, Südafrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Anhänger und Verehrer von Swamiji muss erfahren haben, dass man die grenzenlose Gnade und Barmherzigkeit nur stillen Herzens und nicht mit Worten ausdrücken kann. Irgendwo habe ich gelesen, dass Swamijis Wohltätigkeit als „unbesonnen“ bezeichnet wurde. Aber ich denke, dass seine Gnade und Liebe sogar noch reichlicher vorhanden waren als die Wohltätigkeit.  Es ist nicht bemerkenswert, wenn ein Erster-Klasse-Aspirant die Gnade eines Meisters erhält. Aber wenn jemand sich qualvoll abmüht auf dem Weg zur Gottverwirklichung und erfährt dann ganz direkt die liebevolle Beachtung eines großen Heiligen, wird dieser Mensch sicherlich vor Ehrfurcht erzittern und eine unausprechliche Dankbarkeit wird ihn erfüllen. Leider war ich auch jemand, der nicht „rein“ geboren wurde oder mit einer großen Portion spiritueller samskaras  (= geistige Eindrücke aus dem jetzigen und den früheren Leben, die im Unterbewussten liegen) ausgestattet war. Aber durch Swamijis Gnade erreicht man langsam aber sicher das Ziel. Die Liebe und Fürsorge , die Swamiji einem fünftklassigen Aspiranten wie mir hat angedeihen lassen,  weist ihn als gottverwirklichten Heiligen aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl wir tausende von Meilen entfernt von seiner physischen Gegenwart lebten, kümmerte sich Swamiji um uns auf die gleiche Weise, wenn nicht noch besser, als um diejenigen, die in seiner Umgebung im Ashram lebten.  Hier einige Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor einiger Zeit schrieb ich ihm einen dringenden Brief wegen physischer Beschwerden. Das war gerade zu der Zeit, als Swamiji von seiner „All-India“-Reise zurückgekehrt war. Obwohl er sicherlich hunderte von Briefen zu beantworten hatte, war er so gütig, mir noch am selben Tag zu antworten. Neulich schrieb ich ihm von einer Veränderung meiner sadhana Praxis. Zurück kam eine zweiseitige Antwort in seiner eigenen Handschrift. Und noch bemerkenswerter war, dass Swamiji selbst den Brief adressiert und zur Post gebracht hatte; und das rührte mein Herz und ließ es zutiefst erbeben. Stellt Euch einen  bedeutungslosen Menschen vor wie mich, der mit so viel von seiner Liebe überschüttet wird! Und was für aufmunternde und tröstende Worte sein Brief erhielt! Jedes Wort ist durchtränkt mit der Wärme seiner grenzenlosen Liebe. Es ist diese Liebe, die dazu führt, das wir uns unwürdig fühlen, seinen kostbaren Segen zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamijis Buchgeschenke erreichten uns dutzendweise. Wenn ich ihn um ein Buch bat, schickte er sechs. Auch wenn beantragt war, dass die Bücher erst nach der Bezahlung geschickt werden sollten, kamen sie mit unverzagter Beharrlichkeit an. Nicht nur die Geschenk-Bücher erreichten die Gestade meines Landes, sondern auch herrlich frisches, süßes prasad kam, in Dosen verpackt, hier an. Es ist sicherlich nicht fehl am Platze, hier eine Erfahrung widerzugeben, die mein Freund, Sri G. V. Naidoo, bei einem Ashram-Besuch gemacht hat. Sobald er Swamiji traf, wurde er buchstäblich mit Liebe überschüttet. Swamiji widmete sich ihm persönlich, und mein Freund ging dann mit einem Stapel Bücher in den Händen. Dann erzählte er noch, wie er ein Bild von Swamiji bewunderte, das an der Wand hing – eine Ansicht von Swamijis tapas (Askese-Übungen) -   und Swamiji hatte es von der Wand abgenommen und ihm geschenkt. Welch eine außerordentlich seltene Großzügigkeit strahlt aus Swamijis Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamijis Heilkräfte wurden auch im entfernten Südafrika bewiesen. Zwei Fälle habe ich persönlich erlebt. Einer meiner Freunde, der ein Patient im T. B. Settlement war, litt an einer schweren Schlafstörung. Ich schrieb deswegen an Swamiji. Seine sofortige Antwort enthielt Anweisungen, wie man das Problem beseitigen könnte. Obwohl der Patient nicht den Anweisungen folgte, schlief er daraufhin gut. Nach einigen Wochen, wurde er wieder von Schlaflosigkeit geplagt. Es ist ein Jammer, dass die Anweisungen nicht befolgt wurden.  Das andere Beispiel betraf einen persönlichen Freund von mir, der an schlimmen und schmerzhaften Leberflecken auf den Händen litt. Wieder schrieb ich an Swamiji. Das von ihm empfohlene einfache Mittel wurde angewendet und die Leberflecken meines Freundes gingen vollkommen zurück. Das ist nun Monate her und die Probleme sind nicht wieder aufgetaucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie löst Swamiji die Alltagsprobleme der Aspiranten, die nicht in der glücklichen Lage sind, seine mündlichen Anweisungen zu hören? Das geschieht auf eigentümliche Weise. Wenn ich manchmal mit einem schwerwiegenden Problem konfrontiert bin, nehme ich einfach eins von Swamijis Büchern in die Hand und schlage irgend eine Seite auf – und schon springt mir die genaue Lösung für meine Probleme in die Augen! Manchmal vielleicht erreicht mich Swamijis innere Führung während der Meditation; oder es kann passieren, dass ein Ereignis oder eine Person mir die richtige Antwort gibt. Man muss allerdings wachsam sein, die richtige Führung zu empfangen. Aber in den meisten Fällen würden Swamijis Bücher uns helfen. Dies war auch die Erfahrung der anderen Anhänger hier. Es passiert so oft, dass wir keinen Zweifel daran haben, dass Swamiji all unsere Schwierigkeiten kennt  und dass seine Führung immer bei uns ist, egal wie viele Meilen uns von ihm trennen. Swamiji hat auch vollkommene Einsicht in unsere Herzen und unseren Geist, und niemand kann ihm etwas vormachen. Einmal schrieb ich ihm einen Brief und suchte Antworten auf einige Fragen spiritueller Natur. Swamiji fand die Wahrheit heraus, dass nämlich die Antworten dafür benötigt wurden, jemand anderes herabzuwürdigen – und er gab keine direkte Antwort. Von da an traute ich mich nicht  mehr, irgendwas vor ihm zu verheimlichen. Wir haben auch festgestellt, dass alles, was er sagte, früher oder später auch eintreffen würde. Seine Worte waren unfehlbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Geheimnis, wie man Swamijis Gnade erreichen kann, ist ihm von ganzem Herzen zu dienen. Ein kleiner Dienst an Kranken hier oder das Verteilen von einigen Schriften  dort – und schon hast Du einen Platz in seinem großen Herzen eingenommen. Jeder einzelne von den Tausenden von Schülern und Anhängern kennt diese Wahrheit. Dienst an Swamiji (ich nenne das Sivayoga) ist der großartigste Yoga dieser Zeit. Lass all diejenigen, die den vielen Wegen zu Gott folgen wollen, dies tun. Aber meine größte Freude ist es, Swamiji zu dienen, egal, ob es zur Gottesverwirklichung führt oder nicht.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Karli</name></author>
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		<title>Schüler</title>
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		<updated>2012-12-28T16:45:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Karli: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Zusammengestellt von Sri [[Swami Venkatesananda]]   (*29.12.1921 in [[Tanjore]], [[Südindien]], †2.12.1982 in Johannesburg, Südafrika)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Meister]] und Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen [[Buch|Büchern]] hat [[Swami]]ji das Wesentliche des traditionellen [[Lehre]]ns vermittelt, und in diesen [[Unterweisung]]en hat er die geheime [[Botschaft]] preisgegeben, wie man mit der [[Wahrheit ]] in [[Verbindung]] bleiben kann und wie man sie zu einem ganzheitlichen Aspekt seines [[Leben]]s machen kann. Er verkörperte dieses Lehren.  Zum  Beispiel, obwohl sein ganzes Leben im wahrsten [[Sinn]]e des [[Wort]]es aus [[Karma Yoga]] bestand, waren seine Schriften zu Karma Yoga sehr spärlich. Obwohl er nicht viel unterrichtete, waren die wenigen Worte der Unterweisung, die seine Schüler von ihm hörten, unvergesslich. Er selbst war meistens die lebendige Wahrheit.  Durch seine Taten sprach er lauter als durch einen  Lautsprecher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erleuchtete [[Guru]] kann seine wesentlichen [[Erfahrung]]en nicht in Worte fassen. Was niedergeschrieben wurde oder was in Worten ausgedrückt wurde,  ist nur ein Bruchstück der Erfahrung des Weisen. Da ist etwas, das er erfahren hat, das unaussprechlich ist. Sogar der kleine Teil, den er ausdrücken kann, geht bei der Übermittlung verloren, da der Schüler nicht achtsam ist. Daher hat Swamiji nur selten die Zuhörer aufgefordert, eigene Notizen zu machen, sondern sie sollten den [[Dialog]] oder die Unterhaltung hinterher aufschreiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kommunikation]] ist fast immer non-verbal. Oft hat man gemerkt, dass ein hoch inspirierender Dialog, wenn er schnell niedergeschrieben wurde, nicht mehr so inspirierend war, weil Swamijis „hm“, ein Lächeln und ein Ausdruck von Gesicht und Augen eine gewaltige Wirkung und [[Bedeutung]] hatten. In diesem Bereich fand die Kommunikation statt! Kommunikation kann nur stattfinden, wenn Meister und Schüler miteinander verschmelzen, wenn sie auf der gleichen Ebene und Wellenlänge sind. Dann wird die Lehre aufgenommen, ohne dass ein Wort nötig wäre. In den [[Katha Upanishad]] heißt es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uttishtata jagrata prapya varan nibodhata. (Arise, awake, be vigilant; then approach a great master and attain enlightment = erhebe Dich, erwache,  sei achtsam; dann trete an einen großen Meister heran und erlange [[Erleuchtung]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erheben und Erwachen sind Sache des Schülers und nicht des Meisters; aber Swamiji wich von dieser Regel ab und gewährte auch [[Mensch]]en Zugang zum Ashram, die nicht all diese Qualifikationen aufwiesen. Er verbarg die spirituelle Weisheit nicht – sie war da, öffentlich – und er stellte sie nicht zur Schau. Das war ein außergewöhnlicher Wesenszug an ihm.  Viele Swamis und [[Yogi]]s würden auf eine einfache Frage wie „Kann man im [[Winter]] im [[Ganges]] baden?“  eine lange Rede über [[Vedanta]] halten: „Du bist nicht der [[Körper]], Du bist nicht der [[Geist]]. Du bist das unsterbliche [[Selbst]]. Es ist nicht das unsterbliche Selbst, das die [[Kälte]] spürt, es sind Körper und Geist, die die Kälte fühlen!“ Swamiji sprach nie so. If at all, he erred on the other side. Er war mehr an dem körperlichen und intellektuellen Wohlergehen der [[Aspirant]]en interessiert, anstatt bei jedem Husten oder Niesen jedesmal irgendwelche religiösen Anweisungen auszusprechen. Er wartete darauf, dass der Aspirant eine spirituelle Frage stellt, und wenn der Fragende eifrig und begeistert war, kommunizierte er Wissen auf unerklärliche Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals war es für Heilige [[Tradition]], sich in einer [[Höhle]] zu verbergen und zu warten, bis ein qualifizierter Aspirant sich nähern würde. Ein Aspirant, der schon ein inneres Erwachen erfahren hatte, der aufmerksam und begeistert war und der unter Einsatz von viel [[Kraft]] und [[Zeit]] sich die Mühe gemacht hat, zu ihm zu gelangen, um den Heiligen um Unterweisung zu bitten. Im Großen und Ganzen übernahm Swami Sivananda diese Tradition, indem er „seine Weisheit unter einem großen Mantel verbarg“. Die Menschen, die zu ihm kamen,  erinnerten sich an seine Zuneigung und Liebe und seine großen Sorge um ihr körperliches und materielles Wohlergehen. Dies waren seine Hauptsorgen – Weisheit oder atma jnana kamen zu ihrer Zeit. Wenn aber ein Schüler in vollkommener Hingabe und Liebe mit ihm verschmolz, konnte non-verbale Kommunikation sehr leicht geschehen. Dies war sein Geheimnis. Denn er hatte erkannt, dass keine mündlichen Unterweisungen irgendwie fruchten würden, solange der Aspirant nicht Weisheit, Leidenschaftslosigkeit, edle und tugendhafte Eigenschaften und ein beständiges Streben nach Befreiung hat – und somit die non-verbale Kommunikation unmöglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Anhängerschaft&#039;&#039;&#039; (discipleship)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Leute in der Anfangszeit nach Rishikesh kamen, fanden sie Swami Sivananda, wie er Glückseligkeit, Frieden und Freude verströmte, obwohl all die Dinge fehlten, von denen man denkt, dass sie für Frieden, Freude und Wohlstand  nötig sind. Es gab absolut nichts. Unter solchen Umständen lebend verströmte er trotzdem Freude. Wie konnte er so leben? Der Blick in seinen Augen verriet, das er die Wahrheit gefunden hatte. Wenn man in seine Augen schaute erkannte man, dass er die Wahrheit gefunden hatte und man selber nicht.  Das allein machte demütig und man warf sich nieder zu seinen Füßen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang 1947 saß Swami Sivananda in seinem Büro. Ein junger Mann aus Südafrika, der im Ashram für 2 oder 3 Monate gelebt hatte, musste an diesem Tag abreisen. Er trat ein, fiel vor Swami Sivananda auf die Knie und begann zu weinen. Mit höchster Liebe und Zuneigung schaute Swamiji ihn an. Der junge Mann sagte: „Swamiji, ich muss heute abreisen. Aber wo in Afrika werde ich einen Meister wie Dich finden?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich veränderte sich Swamijis Gesichtsausdruck, und mit einem unheimlich schönen, vielsagenden und verschmitztem Lächeln sagte er: „Hm, Du findest keinen Meister in Afrika?“ In diesem Moment verschwand der Kummer des jungen Mannes und seine Tränen trockneten. Swamiji lachte, blickte ihn fest an und sagte: „Es ist sehr leicht, einen Meister zu finden, aber es ist schwer, einen Schüler zu finden. Sei ein Schüler! Vom Scheitel bis zur Sohle sei ein Schüler! Dann wirst Du einen Meister finden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji sagte niemals „Ich bin Dein Meister“. Manchmal pflegte er zu sagen „Du bist mein Schüler“  oder „er ist mein Schüler“. Seinen ersten Schülern schrieb er: „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen, ich werde Dir dienen und Dich leiten.“ Wenn er sagte „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen“, dachten die Schüler, sie dürften Swamiji in Anspruch nehmen und könnten ihm freizügig schreiben. Genau das wollte er auch. Der nächste Satz war „ich werde Dir dienen“. Der Schüler sollte eigentlich dem Meister dienen! In dieser Formulierung hob er die Vorstellung von ihm als Guru auf. Er betrachtete sich selbst nie als Guru. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Meister zu dienen ist besonders wichtig. Indem man dem Meister dient, entdeckt man seine Wellenlänge und wie man sich zu ihr erheben kann. Der Schüler macht etwas auf bestimmte Weise, in einer bestimmten Geisteshaltung – aber der Meister macht es anders, es mag sogar seine Eigenart sein. Aber wenn es der Schüler nicht lernt, Dinge in der Art und Weise des Meisters zu tun, wird er sich nicht auf die Wellenlänge des Meisters einstellen können. Trotzdem ist sein Dienst wertvoll. Auch wenn Swamiji den Schülern das Gefühl gab, dass ihre Arbeit ein wichtiger Beitrag für die Mission war, wollte er ihnen  tatsächlich nur Möglichkeiten bieten, sich auf ihn einzustimmen und an ihm auszurichten, - und nicht, weil er ihren Dienst benötigt hätte. Er arbeitete hart daran, Arbeitsbereiche zu erstellen, in denen sie ihre Talente ausüben konnten, um ihnen so zu helfen, innerlich zu wachsen, damit die Kommunikation stattfinden könnte.   Zum Beispiel kamen einige Musiker in den Ashram. Zu ihrem Segen organisierte Swamiji Musikunterricht, kaufte die nötigen Instrumente, stellte einen Raum bereit usw. Auf diese Weise verwandelte sich der Sender in einen Empfänger. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji betonte immer wieder, dass sich der Schüler dem Meister unterwerfen sollte, aber er wusste auch, dass dies weder von Seiten des Schülers noch von Seiten des Meisters erzwungen werden konnte. Es musste geschehen; aber auch dies begünstigte er, indem er die notwendigem Umstände schuf für das Üben der Unterwerfung. Er könnte zum Beispiel ein Anliegen vorbringen, das er gerne erledigt hätte und dann eine ganze Reihe von Alternativen aufzählen. Selbstverständlich würde der Schüler sich für etwas entscheiden, und daran konnte Swamiji genau erkennen, wo der Schüler stand – war er arrogant oder nur eitel, gleichgültig oder heuchlerisch demütig oder war er wahrhaftig demütig im Geiste der Unterwerfung.  Gleichzeitig ermöglichte er es dem Schüler wahrzunehmen, wo er wirklich stand und gab ihm die Gelegenheit, sich selbst in der Situation zu studieren. Somit war der Schüler in die Lage versetzt, sein Ego und dessen Spiel zu erkennen. Wenn ihm dann das hässliche Treiben des Egos bewusst wurde, erwachte Unterwerfung in ihm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren, war Swamiji sehr streng in der Zulasssung von Aspiranten im Ashram; denn sie mussten ein sehr hartes Leben leben. Er erläuterte Anwärtern in ganz klaren Worten, was die Bedingungen für ein Leben dort waren. Aber nachdem er den Ashram aufgebaut hatte und das leibliche Wohl der Sadhaks sichergestellt war, bemühte er sich eifrig darum, mehr und mehr Menschen im Ashram zuzulassen, damit alle eine Möglichkeit zu spirituellem Wachstum haben könnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji arbeitete ohne Unterlass, damit die Aspiranten, die zu seinen Füßen Zuflucht gesucht hatten, vor den Schwierigkeiten bewahrt würden, denen er in der ersten Zeit in Rishikesh ausgesetzt war. Mit aller Macht wollte er verhindern, dass sie kostbare, mentale Energie vergeuden in Gedanken an das leibliche Wohl  - Essen, Kleidung, Unterkunft und medizinische Versorgung. Sie sollten frei sein, den Weg zu verfolgen, den sie eingeschlagen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da er selbst die Gefahr von Extremen erfahren hatte, sagte er: „Es ist gut, wenn ihr Luxus ablehnt, aber zögert nicht, einfachen Komfort anzunehmen, der die Mindestnotwendigkeit  der physischen, menschlichen Existenz abdeckt.  Wenn Du für eine gewisse Zeit tüchtig arbeiten musst, dann versage Dir nicht  die notwendige, nahrhafte Nahrung. Während Du geistig arbeitest, halte etwas kühlendes Öl wie brahmi amla oil für Deinen Kopf parat . Lehne nicht das Obst ab, wenn ich es Dir anbiete.“  Daher drängte Swamiji die sadhakas, die mit Studier- und Schreibarbeiten beschäftigt waren, eine kleine Extraportion Milch und Ghee zu nehmen und bot ihnen auch Mandeln und Nüsse an. Wenn sie es ablehnten, war Swamijis Rat: „Das ist keine Weisheit. Wollt Ihr Diabetes und Nervenkrankheit herausfordern? Schaut her, was meine Entsagung bewirkt hat. Trockenes Brot und einfaches dhal sind nicht der einzige Test für „sadhuism“.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemand im Ashram hatte größere Gebrechen als Swamiji selbst, und trotzdem war da niemand, der härter gearbeitet hätte als er. Wenn er einen Aspiranten traf, dem es gerade nicht gut ging, und wenn es auch nur ein wenig Kopfweh war, sagte er: „Bitte geh‘ und ruhe dich aus!“ und er würde einen Arzt schicken und noch ein halbes Dutzend andere, die ihm beistehen sollten. Wenn aber er jedoch krank war, fegte er streng des Doktors Bitte beiseite, er solle doch dem Körper ein wenig Ruhe gönnen. In diesem einen Aspekt war ein riesiger Unterschied zwischen Swamijis Grundsatz und seiner eigenen Praxis. Er lebte selbst aufopfernden Dienst vor und predigte anderen: „Bitte kümmert Euch um Eure Gesundheit!“ Seine Liebe zu aufrichtigen sprirituellen Aspiranten war unvergleichlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1946 war der Ashram ziemlich arm und es gab nur wenige Zimmer und keine Annehmlichkeiten und keinen Komfort. Es gab noch nicht einmal einen Schutz vor den Affen, die regelmäßig den Ashram überfielen. Ein sehr kleiner Raum  mit klapprigen Türen wurde „das Büro“ genannt, daran schloss sich ein kleiner Raum an mit niedriger Decke und niedrigem Eingang (Swamiji nannte diesem Raum Demuts-Eingang). Wenn man sich nicht niederbeugen würde, verlöre man den Kopf. An einem Mittag im Hochsommer war es so heiß, dass drei oder vier der Büroarbeiter sowohl die Bürotüre als auch die Verbindungstüren geschlossen hatten, und sich im hinteren Teil aufhielten. Wenn Swamiji zu Mittag aß, fragte er immer nach einem extra Teller. Darauf legte er dann einen Teil seines Essens. Nachdem er seine Mahlzeit gegessen hatte, bedeckte er seinen kahlen Schädel mit einem dünnen Stück Stoff und ging  unverzüglich mit dem Teller los, von Raum zu Raum und gab jedem seiner Schüler etwas von seiner Speise (In diesen Tagen war dies eine außergewöhnliche Sache, denn viele Swamis würden weder ihren Schülern noch sonst jemanden wissen lassen, was sie gegessen hatten).  Er riet ihnen mit mütterlicher Zuneigung: „Kommt bitte nicht raus, es ist zu heiß.“ An diesem besonderen Tag so gegen 1 Uhr mittags ging er in der sengenden Sonne zum Büro, den Teller in der Hand.  Als er sah, dass alle Türen geschlossen waren, nahm er an, die Schüler würden schlafen. So ging er in die Küche, die nebenan war, und fand dort einen Swami. Er gab ihm Essen und sagte: „Die drei Jungs ruhen sich im Büro aus. Bitte störe sie nicht, aber wenn sie aufwachen, gib ihnen dies hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein ganzes Leben lang war Swamiji mehr um andere besorgt als um sich selbst. Vielleicht bekam sein Körper dadurch so viele Krankheiten. Wie er nach seinen Schülern schaute,  die mütterliche Liebe, die seine Einstellung zu ihnen prägte, darin könnten sich sogar die warmherzigsten Eltern  von ihm unterweisen lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal, als Swamiji aus seiner Hütte heraustrat, kam ein Ashram-Arbeiter auf seinem Fahrrad vorbei. Sobald er Swamiji bemerkte, stieg er vom Fahrrad ab und ging zu Fuß weiter. Swamiji sagte: „All diese Formalitäten sind nicht nötig für mich. Liebe und Respekt haben ihren Sitz ihm Herzen; und Du solltest immer Liebe und Respekt für Ältere in Deinem Herzen haben. Dies werde ich wissen! Diese äußeren Formalitäten haben keine große Bedeutung für mich. Du gehst in der heißen Sonne umher, machst Einkäufe in Rishikesh und überwachst die Bauarbeiten. Zögere nicht, an Dich zu denken. Du musst jetzt etwas Kaltes trinken, und in einer halben Stunde solltest Du etwas Heißes trinken. Und wenn Du gerne etwas Obst vom Bazar hättest, so nimm gerne! Du hast die absolute Freiheit alles zu tun, um Deinen Körper in bester Gesundheit zu erhalten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji betrachtete das Leben an den Ufern des heiligen Flusses Ganges zu Füßen des Himalya als einen Segen – mit ein wenig Mantra-Wiederholung (japa), Meditaiton und selbstlosem Dienst, und er war eifrig bemüht, die Tore dazu allen zu öffnen. Unzählige junge Männer suchten Schutz zu Swamijis Füßen als  Zuflucht in ihrer Not und Verzweiflung.  Swamiji hat niemanden nach seiner Vorgeschichte ausgefragt. In dem Moment, wenn Swamiji auch nur den Hauch von Verzweiflung in den Augen eines Neuankömmlings sah, bekam dieser das Gefühl, dass Swamiji genau auf ihn gewartet hat und dass er ihm einen großen Gefallen tun könnte, dem Ashram beizutreten. Welche psychologische Kraft dies gab ist nicht vorstellbar. Der notleidenden Person wurde das Gefühl von Größe gegeben und unmittelbar fühlte dieser Mensch, dass seine Vergangenheit ein schlechter Traum gewesen war und dass eine wunderbare Zukunft vor ihm läge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1945 ersuchte eine Frau Zuflucht im Ashram, die von ihrem Mann misshandelt worden war und die Familie  verlassen hatte. Selbst die leitenden Personen des Ashrams, die von Swamiji geschult waren, zögerten, der Frau Asyl zu gewähren.  Aber Swamiji blieb fest entschlossen, dass sie bleiben durfte. Allein der Gedanke daran, dass diese Frau ansonsten ihr Leben verlieren könnte reichte ihm aus, die ganze Welt zu ignorieren und nur diesem einen Menschen zu dienen. Ganze Bücher könnten damit gefüllt werden, auf welch wunderbare Weise Swamiji sie lehrte, ihre Leiden zu vergessen, ihren Geist zu beherrschen und letztendlich auf ihren eigenen Füßen zu stehen als eine unabhängige Stimme unter den Frauen Indiens. Von einer Belastung verwandelte Swamiji sie zu einer Bereicherung der Gesellschaft: ein wahrhaftiges Beispiel der Rehabilitation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1955 begrüßte Swamiji einen Koch im Ashram. Der Koch hatte gar nicht vor, da zu bleiben und war überrascht, dass Swamiji bei der ersten Begegnung sagte: „Bitte bleibe hier. Du kannst ein Hotel in der Nachbarschaft eröffnen. Ich werde alles tun, Dich zu unterstützen.“   Er verfolgte die Sache weiterhin und bat den Sekretär, dem Koch einen Raum und die nötigen Utensilien für das Kochen zu besorgen, damit dieser seine Unternehmung starten könnte. Und er bot ihm sogar an: „Du kannst Lebensmittel vom Ashram nehmen und zu Deinem eigenen Gewinn verwenden.“  Etwas später verdeutlichte er seine Einstellung: „Es ist ein Segen, hier an den Ufern des Ganges, in Rishikesh, zu leben. Eines Tages könnte er die Sehnsucht verspüren, zu entsagen. Bis dahin ist es gut, ihn zu ermutigen, auch in seinem Streben nach Geld. Als erstes sorgen wir dafür, dass er hier bleibt, und dann bringen wir ihn langsam zu sadhana.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau hatte ihren Mann verloren und war rastlos. Daher kam sie nach Rishikesh und blieb in der Nähe des Ashrams. Sie sagte zu Swamiji: „Ich habe Juwelen im Wert von vier- bis fünftausend Rupien und dazu noch ein Haus. Ich möchte für immer hier bleiben. Wenn Du mir das erlaubst, werde ich das Haus und die Juwelen verkaufen.“ Swamiji antwortete: „Behalte das Haus und die Juwelen. Du kannst in Brindavan bleiben.“ Er gab ihr ein Empfehlungsschreiben mit für einen guten Sadhu in Brindavan und schickte sie dorthin. Und er wies sie an: „Bereise die umliegenden Ortschaften. Verbreite den Ruhm von Gottes Namen. Leite Kirtans an in jedem Haus. Unterrichte die kleinen Kinder.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einige Zeit folgte sie Swamijis Anweisungen. Dann wurde sie psychisch krank. Sie kam zurück nach Rishikesh und machte verliebte Annäherungsversuche an Swamiji. Durch das Fenster warf sie Parfüm auf Swamijis Bett. Und wenn Swamiji die Tür zu seiner Hütte öffnete, kam sie herein um bei ihm zu sitzen. Er fuhr einfach fort mit seiner Arbeit, ohne auch nur daran zu denken, dass sie da war. Nach einer Weile ging sie dann aus eigenen Stücken wieder weg. Swamiji hätte sie auch auffordern können zu gehen; aber nein, er würde nie jemanden auch nur die kleinste Verletzung zufügen. Er war erfüllt von Liebe zu allen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem die Belästigungen heftiger wurden, bat uns Swamiji, einen Stacheldrahtzaun um seine Hütte zu errichten. Wenn sie den Zaun um Swamijis Hütte sah, verfiel sie oft in Raserei. Dann warf sie Steine auf Swamijis Hütte. Auch da bewahrte er seine Ruhe. Nach einiger Zeit verschwand sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Jahren kehrte sie im Mönchsgewand nach Rishikesh zurück. Sie war alt geworden. Swamiji wurde nie von einem Vorurteil  beeinflusst. „Sie könnte sich geändert haben. Jede Sekunde entwickelt man sich. Wir sollten niemanden nach seiner Vergangenheit beurteilen.“, sagte er. Das war sein Leitprinzip. Er erlaubte ihr, in der Nähe des Ashrams zu bleiben. Normalerweise ging sie täglich in den Bazar von Rishikesh, und eine zeitlang sang sie irgendwelchen Unsinn über Swami Sivananda vor jedem Geschäft. Sie beschimpfte und beleidigte ihn sogar in der Öffentlichkeit. Abends kam sie dann in den Ashram. Swamiji sandte ihr Früchte und Mandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Saat säen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen, die sich inmitten von Zwietracht, Streit und Angst nach Frieden und Glück sehnten, fanden in „Sivananda Swami of Ananda Kutir“ (wie er von den Leuten in und um Rishikesh normalerweise genannt wurde) eine Vater-Figur, lieber als der eigene. Diejenigen  von religiösem und spirituellem Temperament , die sadhana zu ihrem einzigen Lebensziel gemacht hatten, fanden in ihm eine immerwährende Quelle der Weisheit und des Lichtes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit unterschiedlichen Menschen hatte Swamiji auch unterschiedliche Beziehungen. Einige weit entwickelte Aspiranten kamen zu ihm und in ihnen loderte das Feuer der Entsagung, der Verhaftungslosigkeit und der Unterscheidung. Sie zu lehren geschah auf anderen Kanälen. Swamiji wurde nur sehr selten mit ihnen gesehen, auch zogen sie nicht sehr nah zu ihm. Ihre Beziehung zu Swamiji war auf einer völlig anderen Ebene – der spirituellen Ebene. Es gab nur wenige solche Schüler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Mehrheit der anderen, mit denen Swamiji arbeitete und dichtauf lebte, waren unreife Aspiranten.  (Einige hatten nicht die geringste spirituelle Sehnsucht. Sie hatten bei Swamiji Unterschlupf gefunden, weil materielles Versagen sie von zu Hause vertrieben hatte und sie sonst umgekommen wären.)  Swamiji musste oft ihn ihnen den Samen von vairagya (Wunschlosigkeit, Verhaftungslosigkeit,Leidenschaftslosigkeit) säen! „Ihn abzuweisen, das kann ich nicht. Gebt ihm wenigstens die Möglichkeit, sich in einen besseren und glücklicheren Menschen zu verwandeln. Falls er versagt – macht nichts. Ein Versuch muss in jedem Fall gemacht werden.“ Solcher Art waren Swamijis Bemerkungen, wenn ein verstörter junger Mann dem Ashram beitreten durfte. So wurde von keinem Aspiranten eine Qualifikation gefordert. Es war eine Art Witz: wenn ein junger Mann sein Examen nicht bestanden hat oder sein Geschäft ruiniert hat – sucht nach ihm im Sivananda Ashram! Swamiji nahm sie großzügig auf und versuchte, sie zum Erwachen zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht alle Menschen, die bei Swamiji Zuflucht suchten, waren gute Menschen; aber er sah nur das Gute in ihnen; gegenüber dem Bösen war er blind. Wenn jemand einen schlechten Charakterzug hatte, würde er ihn nie verurteilen oder hart zu ihm sein. Normalerweise sagte er: „Macht Euch nichts daraus, wenn dieser Mann sogar bösartig ist; indem ich ihn herkommen lasse und ihm Obdach gewähre stelle ich sicher, dass es einen Schurken weniger gibt in Delhi!“ Das war seine Philosophie! „Allein die Tatsache, dass  derjenige hergekommen ist, zeigt, dass da eine kleine Öffnung ist, egal wie klein, durch die ein wenig Kommunikation stattfinden kann.  Lasst ihn hier bleiben, ich werde einen Samen säen. Während dieser Geburt, der nächsten Geburt, kümmert Euch nicht; diese Saat wird jetzt oder viele Jahre später aufgehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji sagte, dass es wohl zu viel verlangt ist von einer Person, die in der modernen Welt lebt und von alles Seiten mit Ablenkungen und Versuchungen überflutet wird, Leidenschaftslosigkeit und Unterscheidungsvermögen zu entwickeln. Er meinte, dass es möglich sein muss bei einem Menschen, der vor seinem eigenen Scheitern davonläuft,  einen Funken zu finden den man anfachen kann zu einer großen Flamme. Sogar wenn gar kein Funken vorhanden war, konnte er eine Flamme entfachen. Das war das Einmalige an Swami Sivananda. Er pflanzte die Samen der Güte, er nährte sie, goss sie und ließ sie wachsen und gedeihen; auch wenn dies ihm selbst ungeheure Schwierigkeiten bereitete, ihm machte das alles gar nichts aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht leicht nachzuvollziehen, was die Suchenden in den frühen 1940-er Jahren empfanden, wenn sie in den Ashram kamen. Einige hatten wohl Swami Sivanandas leidenschaftliche Worte in seinen Originalschriften gelesen, die so inspirierend waren, dass man auf der Stelle seine Kleider ablegen  wollte, um zum Himalaya zu eilen und dort Enthaltsamkeit zu praktizieren und sofort Selbstverwirklichung zu erreichen! Das war das Besondere an seinem Stil. Viele auf diese Weise inspirierte Menschen kamen in den Ashram. Oft liefen sie los, ohne sich umzuziehen, denn in Swami Sivanandas „How to Get Vairagya“ hatten sie gelesen „renounce everything“ (entsage allem) – und so entsagten sie allem. „seek solitude“ (suche die Einsamkeit, Abgeschiedenheit) – und so suchten sie Abgeschiedenheit im Ashram. Einige von ihnen könnten beim Betreten des Ashrams  entdeckt haben, dass andere, die schon vor ihnen angekommen sind, einen schönen Mantel trugen. Und dann dachten sie manchmal: „Aha, sie sind vom Wege abgekommen, sie sind gescheitert. Seht her, wie leidenschaftslos ich bin. Meine Sehnsucht ist viel größer als die Sehnsucht von diesen Leuten, die schon seit so langem mit Swami Sivananda zusammen sind. Sie wissen nicht, was tapas (Askese), vairagya (Wunschlosigkeit) und brennendes Verlangen ist. Jeden Morgen sitze ich hier um 4 Uhr und meditiere. Schau all die alten Ashrambewohner an!“  Swamiji beobachtete sie und schätzte sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Egal, was der Aspirant machte, zuerst kam die Ermutigung. Danach würde er ein wenig antreiben. „Enthusiasmus ist sehr gut. Du hat eine wunderbare Sehnsucht. Du bist großartig, Du bist wie Sukadeva. Aber jugendlicher Enthusiasmus ist nicht gut.“ Zuerst eine große Menge Lob, danach eine kleine bittere Pille, das war seine Methode. Niemand sollte entmutigt werden oder das Gefühl bekommen dass das, was er tat, völlig falsch sei. Seine Einstellung war: „Nein, mach das, es ist wunderbar, aber stelle sicher, dass es nicht nur jugendlicher Enthusiasmus ist, etwas, das später ein Rückschlag sein könnte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Aspiraten nicht nur noch ganz roh waren, sondern auch noch in keiner Weise erwacht, musste auch das Erwachen vom Meister beeinflusst werden. Bei einer Gelegenheit gingen sehr erfahrene Schüler mit allerhand Beschwerden zu Swamiji. Er  musste auch sie zufriedenstellen, also gab er vor, wirkllch ärgerlich zu sein. Sehr zufrieden gingen die erfahrenen Schüler davon und dachten, dass Swamiji sich nun den jungen Aspiranten vornehmen würde. Genau das Gegenteil geschah: der Mann, über den sie sich beschwert hatten, bekam als erstes einige Bananen.  Damals gab es im Ashram einen kleinen Jungen, der Swami Sivananda diente, und der kam dann angelaufen und sagte: „Swamiji gibt Dir Früchte“. Eine halbe Stunde später würde jemand anderes kommen: „Swamiji lässt Dir Kaffee bringen.“ Und eine Stunde später würde er persönlich erscheinen und sagen: „Du bist hervorragend und glänzend. Meditierst Du gut? Machst Du Japa (Mantrawiederholung)?  Gut. Studierst Du vedanta? Sehr gut“  Was wurde nun aus all den Beschwerden?  Swamiji würde beobachten, ob all die Ermunterungen wirken würden. Anstatt zu sagen: „Du bist ein schlechter Kerl.“ Bestand Swamiji darauf, sich auf die guten Eigenschaften in Dir zu konzentrieren, Dir zu sagen, dass Du ein guter Arbeiter bist, auch wenn Du kein spirituelles Verlangen und keine Hingabe hattest. Er würde sagen: „Du bist ein großartiger Arbeiter. Da ist niemand, der so hart arbeitet wie Du.“  Dann würde er freundlich hinzufügen: „Immer, wenn Du arbeitest, sehe Gott in allem. Warum hilfst Du nicht in der Küche und gibst Essen aus? Du bist ein großartiger Mann, Du hast einen hübschen Körper und eine schöne Stimme. Wenn Du roti servierst, sage Bhagavan roti, roti Narayan, roti Maharaj.“  In diesem Moment wurde die Saat der spirituellen Sehnsucht gesät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji tat für Aspiranten, was sogar die liebevollsten Eltern nicht immer tun würden. In dem Moment, in dem sich auch nur die leiseste Spur eines Talentes bei einem Aspiranten zeigen würde, widmete er sich persönlich dem Erwecken und vollen Entfaltung dieses Talentes des Aspiranten. Tag und Nacht würde er  über Mittel und Wege  nachsinnen, wie der sadhaka sich entfalten könnte;  letztendlich zum Segen der ganzen Menschheit. Auf diese Weise wurden einige Abteilungen im Ananda Kutir gegründet und fortgeführt. 1948  trat ein junger Mann dem Ashram bei; er sagte, dass er sich mit Papierherstellung auskennen würde. Am folgenden Morgen ließ Swamiji eine Grube ausheben und ließ Rohmaterialien anliefern, damit dieser junge Mann, der keinerlei Qualifikationen (Swamiji fragte auch niemals danach) nachweisen konnte, seine Ideen verwirklichen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji nahm so ein aufrichtiges Interesse in all diese Unternehmungen, dass man denken könnte, er hätte gerade darauf gewartet, dass eine Person kommt und ihm genau bei dieser Arbeit hilft. So umfassend und gründlich war seine Begeisterung, dass er in kurzer Zeit Vorschläge machen konnte, wie man diese Arbeit, in der der Aspirant ja eigentlich der Experte war, besser erledigen könnte. So war es auch mit dem Fotostudio im Ashram.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Läuterung/Reinigung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji hat manchmal betont, dass atma jnana (Selbstverwirklichung) denkbar einfach ist. Es ist ganz einfach, ABER die vorbereitende Reinigung, die eine Voraussetzung ist, ist extrem schwierig. Wenn die Reinigungsübungen anstanden, wendete er sehr einfache Methoden an, die aber sehr tiefgreifend in ihrer Wirkung waren. Die Übungen mussten kontinuierlich gemacht werden (im Sinne von Wiederholung). Swamiji musste sie wieder und wieder und wieder machen. Er hatte eine solche Geduld, dass er niemals jemanden als hoffnungslosen Fall betrachtete. Wenn ein Schüler den Sinn auf die eine Weise nicht einsehen konnte, würde Swamiji es so oder so abwandeln. Swamiji drehte und wendete es, bis eines Tages, so hoffte er, der Schüler einsehen würde, was er ihm versuchte beizubringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jemand eine Schwäche hatte, war Swamiji demgegenüber blind und sagte: „Er hat einige Schwächen, aber er hat auch einige großartigen Fähigkeiten.“  Er wählte die Methode, niemals die Fehler einer Person hervorzuheben, es sei denn, dass es nötig wäre.  – Zum Beispiel im Falle einer Konfrontation  mit einem anderen Schüler, wenn man Swamiji  die Angelegenheit vorgetragen hatte und beide vor ihm erscheinen mussten. Und wenn er einen Tadel aussprechen musste, tat er es ganz liebenswürdig. Als erstes würde er den Aspiranten loben. „Du hast diese und jene gute Eigenschaft. Als erstes ist es  Dein größtes Glück, dass Du der Welt entsagt hast, hierher gekommen bist und im Ganges gebadet hast. Du musst in hunderten von vergangenen Leben spirituell praktiziert haben, um so spirituell veranlagt zu sein. Und Du musst Dir die Gnade von Tausenden von Heiligen verdient haben, um hierher in den Ashram geführt zu werden, damit Du ein spirituelles Leben leben kannst.“  Dann würde er hinzufügen: „Warum möchtest Du streiten? Es ist nur ein kleiner Fehler. Werde nicht gereizt. Wenn Du gereizt bist, könntest es all Deine Bemühungen vereiteln. Hast Du schon gefrühstückt? Was hattest Du? Kaffee oder Tee? Soll ich Dir noch etwas besorgen?“  Ein Bündel Bananen kamen zuerst, dann ein klein wenig prick gefolgt von Butter und Honig.  Nachdem die Bananen verdaut waren und auch die Butter und der Honig gegessen, dämmerte Erkenntnis: „DIES wollte mir Swamiji sagen!“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji hielt seine Schüler nie in einem Zustand der Anspannung. Er machte Druck, sein Training voranzutreiben, aber sobald er merkte, dass ein Schüler zusammenbrach, lockerte er alle Regeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das grundlegende Prinzip in all dem war, dass niemand jemals von Swamiji kritisiert wurde. Kritik hätte alles ineffektiv gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Wohlergehen der Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tag und Nacht hatte Swamiji nur einen Gedanken: Wohlergehen, Wachstum und Fortschritt (weltlich und spirituell) seiner Schüler. Oftmals erhob er sich zu einem leidenschaftlichen Appell an seine geliebten Schüler, er drängte sie mit feurigen Worten, alle Spuren von persönlicher Wichtigkeit auszurotten und sich  der edlen Idee des Dienstes an der Welt hinzugeben. Er schilderte ihnen auf packende und mitreißende Weise die Herrlichkeit des selbstlosen Dienens und der Verehrung Gottes als das Größte und Großartigste von allem Yoga. Wie alle Aspiranten fühlten sie sich manches mal bestürzt über die Endlosigkeit und  Weite der menschlichen Probleme und des Leidens. Dann munterte Swamiji sie auf mit der ausdrücklichen Versicherung, dass ein Leben des selbstlosen Dienens nie ein Misserfolg sei. Er rüttelte sie auf mit Worten wie diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kümmert Euch nicht darum, ob Selbstverwirklichung kommt oder nicht. Strengt Euch größtmöglich an, Euch ethisch zu verbessern und macht Euch perfekt für den Dienst an der Menschheit. Seht Gott in jedem Menschen. Betrachtet jeden Menschen als Gott. Wenn Eure Vorstellung von Gott beinhaltet, dass ER alldurchdringend ist, warum könnt Ihr IHN dann nicht in allen Wesen erkennen? Was hindert Euch daran, Euren Glauben in die Tat umzusetzen? Ihr müsst die Vorstellung aufgeben, dass ER nur hinter geschlossenen Augen und Türen vorhanden ist. Fühle SEINE Gegenwart in jedem und allem während Du dienst; und schaue dann, ob ER nicht im Grunde Deines Herzens strahlt in SEINEM eigenen Klang.  Wenn das Herz noch nicht frei ist von allen Unreinheiten und die niedere Natur nicht befreit ist von Schmutz, wie kann dann spirituelle Erfahrung zu Dir kommen? Bevor Du nicht Deine eigene Natur perfekt gemacht hast, kannst Du unmöglich die Wahrheit eines Wesens erkennen, das die reine Essenz der Vollendung ist. Rotte zuerst Egoismus, Ärger, Hass, Gier und Doppelzüngigkeit aus und sei aufrichtig und von ganzem Herzen  bei Deinem selbstlosen  Dienst. Wenn  Du es schaffst, zehn Menschen ein klein wenig Gutes zu tun, wenn Du erfolgreich einen schlechten Charakterzug  völlig ausrotten kannst und dafür eine einzige edle Tugend vollständig entwickeln kannst, sei sicher, dass Dein Leben nicht umsonst gelebt wurde. Und sogar nur zehn Menschen von einer Million erreichen kaum jemals dies. Was soll’s, wenn Du nicht samadhi und Selbstverwirkllichung erreichst?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kopf hoch, sei guten Mutes! Sei mit Leib und Seele bei der Arbeit. Ich garantiere Dir, dass Du Dich gesegnet und glücklich fühlen wirst. Sei nicht unzufrieden mit Deinem Los oder niedergeschlagen wegen Deinem Fortschritt. Handle nach meinem Wort. Habe ich nicht über Dein spirituelles Wohl nachgedacht?  Dann, wenn Du nur könntest, würdest Du sehen, dass Tag und Nacht, in jedem Augenblick, mein Herz in Sorge über Dein Wohlergehen schlägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer dem „direkten Familienkreis“ von Aspiranten, Studenten und Arbeitern gab es viele Suchenden in anderen Ländern, die große Zuneigung  zu Swami Sivananda hatten und ihn verehrten. Ihnen war er ein spiritueller Führer und Meister. Swamiji beantwortete ihre Briefe prompt, ging auf alle ihre Fragen ein und leitete sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dazu schrieb Swami Sahajanandaji  aus Durban, Südafrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Anhänger und Verehrer von Swamiji muss erfahren haben, dass man die grenzenlose Gnade und Barmherzigkeit nur stillen Herzens und nicht mit Worten ausdrücken kann. Irgendwo habe ich gelesen, dass Swamijis Wohltätigkeit als „unbesonnen“ bezeichnet wurde. Aber ich denke, dass seine Gnade und Liebe sogar noch reichlicher vorhanden waren als die Wohltätigkeit.  Es ist nicht bemerkenswert, wenn ein Erster-Klasse-Aspirant die Gnade eines Meisters erhält. Aber wenn jemand sich qualvoll abmüht auf dem Weg zur Gottverwirklichung und erfährt dann ganz direkt die liebevolle Beachtung eines großen Heiligen, wird dieser Mensch sicherlich vor Ehrfurcht erzittern und eine unausprechliche Dankbarkeit wird ihn erfüllen. Leider war ich auch jemand, der nicht „rein“ geboren wurde oder mit einer großen Portion spiritueller samskaras  (= geistige Eindrücke aus dem jetzigen und den früheren Leben, die im Unterbewussten liegen) ausgestattet war. Aber durch Swamijis Gnade erreicht man langsam aber sicher das Ziel. Die Liebe und Fürsorge , die Swamiji einem fünftklassigen Aspiranten wie mir hat angedeihen lassen,  weist ihn als gottverwirklichten Heiligen aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl wir tausende von Meilen entfernt von seiner physischen Gegenwart lebten, kümmerte sich Swamiji um uns auf die gleiche Weise, wenn nicht noch besser, als um diejenigen, die in seiner Umgebung im Ashram lebten.  Hier einige Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor einiger Zeit schrieb ich ihm einen dringenden Brief wegen physischer Beschwerden. Das war gerade zu der Zeit, als Swamiji von seiner „All-India“-Reise zurückgekehrt war. Obwohl er sicherlich hunderte von Briefen zu beantworten hatte, war er so gütig, mir noch am selben Tag zu antworten. Neulich schrieb ich ihm von einer Veränderung meiner sadhana Praxis. Zurück kam eine zweiseitige Antwort in seiner eigenen Handschrift. Und noch bemerkenswerter war, dass Swamiji selbst den Brief adressiert und zur Post gebracht hatte; und das rührte mein Herz und ließ es zutiefst erbeben. Stellt Euch einen  bedeutungslosen Menschen vor wie mich, der mit so viel von seiner Liebe überschüttet wird! Und was für aufmunternde und tröstende Worte sein Brief erhielt! Jedes Wort ist durchtränkt mit der Wärme seiner grenzenlosen Liebe. Es ist diese Liebe, die dazu führt, das wir uns unwürdig fühlen, seinen kostbaren Segen zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamijis Buchgeschenke erreichten uns dutzendweise. Wenn ich ihn um ein Buch bat, schickte er sechs. Auch wenn beantragt war, dass die Bücher erst nach der Bezahlung geschickt werden sollten, kamen sie mit unverzagter Beharrlichkeit an. Nicht nur die Geschenk-Bücher erreichten die Gestade meines Landes, sondern auch herrlich frisches, süßes prasad kam, in Dosen verpackt, hier an. Es ist sicherlich nicht fehl am Platze, hier eine Erfahrung widerzugeben, die mein Freund, Sri G. V. Naidoo, bei einem Ashram-Besuch gemacht hat. Sobald er Swamiji traf, wurde er buchstäblich mit Liebe überschüttet. Swamiji widmete sich ihm persönlich, und mein Freund ging dann mit einem Stapel Bücher in den Händen. Dann erzählte er noch, wie er ein Bild von Swamiji bewunderte, das an der Wand hing – eine Ansicht von Swamijis tapas (Askese-Übungen) -   und Swamiji hatte es von der Wand abgenommen und ihm geschenkt. Welch eine außerordentlich seltene Großzügigkeit strahlt aus Swamijis Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamijis Heilkräfte wurden auch im entfernten Südafrika bewiesen. Zwei Fälle habe ich persönlich erlebt. Einer meiner Freunde, der ein Patient im T. B. Settlement war, litt an einer schweren Schlafstörung. Ich schrieb deswegen an Swamiji. Seine sofortige Antwort enthielt Anweisungen, wie man das Problem beseitigen könnte. Obwohl der Patient nicht den Anweisungen folgte, schlief er daraufhin gut. Nach einigen Wochen, wurde er wieder von Schlaflosigkeit geplagt. Es ist ein Jammer, dass die Anweisungen nicht befolgt wurden.  Das andere Beispiel betraf einen persönlichen Freund von mir, der an schlimmen und schmerzhaften Leberflecken auf den Händen litt. Wieder schrieb ich an Swamiji. Das von ihm empfohlene einfache Mittel wurde angewendet und die Leberflecken meines Freundes gingen vollkommen zurück. Das ist nun Monate her und die Probleme sind nicht wieder aufgetaucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie löst Swamiji die Alltagsprobleme der Aspiranten, die nicht in der glücklichen Lage sind, seine mündlichen Anweisungen zu hören? Das geschieht auf eigentümliche Weise. Wenn ich manchmal mit einem schwerwiegenden Problem konfrontiert bin, nehme ich einfach eins von Swamijis Büchern in die Hand und schlage irgend eine Seite auf – und schon springt mir die genaue Lösung für meine Probleme in die Augen! Manchmal vielleicht erreicht mich Swamijis innere Führung während der Meditation; oder es kann passieren, dass ein Ereignis oder eine Person mir die richtige Antwort gibt. Man muss allerdings wachsam sein, die richtige Führung zu empfangen. Aber in den meisten Fällen würden Swamijis Bücher uns helfen. Dies war auch die Erfahrung der anderen Anhänger hier. Es passiert so oft, dass wir keinen Zweifel daran haben, dass Swamiji all unsere Schwierigkeiten kennt  und dass seine Führung immer bei uns ist, egal wie viele Meilen uns von ihm trennen. Swamiji hat auch vollkommene Einsicht in unsere Herzen und unseren Geist, und niemand kann ihm etwas vormachen. Einmal schrieb ich ihm einen Brief und suchte Antworten auf einige Fragen spiritueller Natur. Swamiji fand die Wahrheit heraus, dass nämlich die Antworten dafür benötigt wurden, jemand anderes herabzuwürdigen – und er gab keine direkte Antwort. Von da an traute ich mich nicht  mehr, irgendwas vor ihm zu verheimlichen. Wir haben auch festgestellt, dass alles, was er sagte, früher oder später auch eintreffen würde. Seine Worte waren unfehlbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Geheimnis, wie man Swamijis Gnade erreichen kann, ist ihm von ganzem Herzen zu dienen. Ein kleiner Dienst an Kranken hier oder das Verteilen von einigen Schriften  dort – und schon hast Du einen Platz in seinem großen Herzen eingenommen. Jeder einzelne von den Tausenden von Schülern und Anhängern kennt diese Wahrheit. Dienst an Swamiji (ich nenne das Sivayoga) ist der großartigste Yoga dieser Zeit. Lass all diejenigen, die den vielen Wegen zu Gott folgen wollen, dies tun. Aber meine größte Freude ist es, Swamiji zu dienen, egal, ob es zur Gottesverwirklichung führt oder nicht.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Karli</name></author>
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		<id>https://wiki.yoga-vidya.de/index.php?title=Sch%C3%BCler&amp;diff=39434</id>
		<title>Schüler</title>
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		<updated>2012-12-28T16:37:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Karli: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Zusammengestellt von Sri [[Swami Venkatesananda]]   (*29.12.1921 in [[Tanjore]], [[Südindien]], †2.12.1982 in Johannesburg, Südafrika)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;[[Meister]] und Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen [[Buch|Büchern]] hat Swamiji das Wesentliche des traditionellen Lehrens vermittelt, und in diesen Unterweisungen hat er die geheime Botschaft preisgegeben, wie man mit der Wahrheit  in Verbindung bleiben kann und wie man sie zu einem ganzheitlichen Aspekt seines Lebens machen kann. Er verkörperte dieses Lehren.  Zum  Beispiel, obwohl sein ganzes Leben im wahrsten Sinne des Wortes aus Karma Yoga bestand, waren seine Schriften zu Karma Yoga sehr spärlich. Obwohl er nicht viel unterrichtete, waren die wenigen Worte der Unterweisung, die seine Schüler von ihm hörten, unvergesslich. Er selbst war meistens die lebendige Wahrheit.  Durch seine Taten sprach er lauter als durch einen  Lautsprecher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erleuchtete Guru kann seine wesentlichen Erfahrungen nicht in Worte fassen. Was niedergeschrieben wurde oder was in Worten ausgedrückt wurde,  ist nur ein Bruchstück der Erfahrung des Weisen. Da ist etwas, das er erfahren hat, das unaussprechlich ist. Sogar der kleine Teil, den er ausdrücken kann, geht bei der Übermittlung verloren, da der Schüler nicht achtsam ist. Daher hat Swamiji nur selten die Zuhörer aufgefordert, eigene Notizen zu machen, sondern sie sollten den Dialog oder die Unterhaltung hinterher aufschreiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommunikation ist fast immer non-verbal. Oft hat man gemerkt, dass ein hoch inspirierender Dialog, wenn er schnell niedergeschrieben wurde, nicht mehr so inspirierend war, weil Swamijis „hm“, ein Lächeln und ein Ausdruck von Gesicht und Augen eine gewaltige Wirkung und Bedeutung hatten. In diesem Bereich fand die Kommunikation statt! Kommunikation kann nur stattfinden, wenn Meister und Schüler miteinander verschmelzen, wenn sie auf der gleichen Ebene und Wellenlänge sind. Dann wird die Lehre aufgenommen, ohne dass ein Wort nötig wäre. In den Katha Upanishad heißt es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uttishtata jagrata prapya varan nibodhata. (Arise, awake, be vigilant; then approach a great master and attain enlightment = erhebe Dich, erwache,  sei achtsam; dann trete an einen großen Meister heran und erlange Erleuchtung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erheben und Erwachen sind Sache des Schülers und nicht des Meisters; aber Swamiji wich von dieser Regel ab und gewährte auch Menschen Zugang zum Ashram, die nicht all diese Qualifikationen aufwiesen. Er verbarg die spirituelle Weisheit nicht – sie war da, öffentlich – und er stellte sie nicht zur Schau. Das war ein außergewöhnlicher Wesenszug an ihm.  Viele Swamis und Yogis würden auf eine einfache Frage wie „Kann man im Winter im Ganges baden?“  eine lange Rede über Vedanta halten: „Du bist nicht der Körper, Du bist nicht der Geist. Du bist das unsterbliche Selbst. Es ist nicht das unsterbliche Selbst, das die Kälte spürt, es sind Körper und Geist, die die Kälte fühlen!“ Swamiji sprach nie so. If at all, he erred on the other side. Er war mehr an dem körperlichen und intellektuellen Wohlergehen der Aspiranten interessiert, anstatt bei jedem Husten oder Niesen jedesmal irgendwelche religiösen Anweisungen auszusprechen. Er wartete darauf, dass der Aspirant eine spirituelle Frage stellt, und wenn der Fragende eifrig und begeistert war, kommunizierte er Wissen auf unerklärliche Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals war es für Heilige Tradition, sich in einer Höhle zu verbergen und zu warten, bis ein qualifizierter Aspirant sich nähern würde. Ein Aspirant, der schon ein inneres Erwachen erfahren hatte, der aufmerksam und begeistert war und der unter Einsatz von viel Kraft und Zeit sich die Mühe gemacht hat, zu ihm zu gelangen, um den Heiligen um Unterweisung zu bitten. Im Großen und Ganzen übernahm Swami Sivananda diese Tradition, indem er „seine Weisheit unter einem großen Mantel verbarg“. Die Menschen, die zu ihm kamen,  erinnerten sich an seine Zuneigung und Liebe und seine großen Sorge um ihr körperliches und materielles Wohlergehen. Dies waren seine Hauptsorgen – Weisheit oder atma jnana kamen zu ihrer Zeit. Wenn aber ein Schüler in vollkommener Hingabe und Liebe mit ihm verschmolz, konnte non-verbale Kommunikation sehr leicht geschehen. Dies war sein Geheimnis. Denn er hatte erkannt, dass keine mündlichen Unterweisungen irgendwie fruchten würden, solange der Aspirant nicht Weisheit, Leidenschaftslosigkeit, edle und tugendhafte Eigenschaften und ein beständiges Streben nach Befreiung hat – und somit die non-verbale Kommunikation unmöglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Anhängerschaft&#039;&#039;&#039; (discipleship)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Leute in der Anfangszeit nach Rishikesh kamen, fanden sie Swami Sivananda, wie er Glückseligkeit, Frieden und Freude verströmte, obwohl all die Dinge fehlten, von denen man denkt, dass sie für Frieden, Freude und Wohlstand  nötig sind. Es gab absolut nichts. Unter solchen Umständen lebend verströmte er trotzdem Freude. Wie konnte er so leben? Der Blick in seinen Augen verriet, das er die Wahrheit gefunden hatte. Wenn man in seine Augen schaute erkannte man, dass er die Wahrheit gefunden hatte und man selber nicht.  Das allein machte demütig und man warf sich nieder zu seinen Füßen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang 1947 saß Swami Sivananda in seinem Büro. Ein junger Mann aus Südafrika, der im Ashram für 2 oder 3 Monate gelebt hatte, musste an diesem Tag abreisen. Er trat ein, fiel vor Swami Sivananda auf die Knie und begann zu weinen. Mit höchster Liebe und Zuneigung schaute Swamiji ihn an. Der junge Mann sagte: „Swamiji, ich muss heute abreisen. Aber wo in Afrika werde ich einen Meister wie Dich finden?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich veränderte sich Swamijis Gesichtsausdruck, und mit einem unheimlich schönen, vielsagenden und verschmitztem Lächeln sagte er: „Hm, Du findest keinen Meister in Afrika?“ In diesem Moment verschwand der Kummer des jungen Mannes und seine Tränen trockneten. Swamiji lachte, blickte ihn fest an und sagte: „Es ist sehr leicht, einen Meister zu finden, aber es ist schwer, einen Schüler zu finden. Sei ein Schüler! Vom Scheitel bis zur Sohle sei ein Schüler! Dann wirst Du einen Meister finden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji sagte niemals „Ich bin Dein Meister“. Manchmal pflegte er zu sagen „Du bist mein Schüler“  oder „er ist mein Schüler“. Seinen ersten Schülern schrieb er: „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen, ich werde Dir dienen und Dich leiten.“ Wenn er sagte „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen“, dachten die Schüler, sie dürften Swamiji in Anspruch nehmen und könnten ihm freizügig schreiben. Genau das wollte er auch. Der nächste Satz war „ich werde Dir dienen“. Der Schüler sollte eigentlich dem Meister dienen! In dieser Formulierung hob er die Vorstellung von ihm als Guru auf. Er betrachtete sich selbst nie als Guru. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Meister zu dienen ist besonders wichtig. Indem man dem Meister dient, entdeckt man seine Wellenlänge und wie man sich zu ihr erheben kann. Der Schüler macht etwas auf bestimmte Weise, in einer bestimmten Geisteshaltung – aber der Meister macht es anders, es mag sogar seine Eigenart sein. Aber wenn es der Schüler nicht lernt, Dinge in der Art und Weise des Meisters zu tun, wird er sich nicht auf die Wellenlänge des Meisters einstellen können. Trotzdem ist sein Dienst wertvoll. Auch wenn Swamiji den Schülern das Gefühl gab, dass ihre Arbeit ein wichtiger Beitrag für die Mission war, wollte er ihnen  tatsächlich nur Möglichkeiten bieten, sich auf ihn einzustimmen und an ihm auszurichten, - und nicht, weil er ihren Dienst benötigt hätte. Er arbeitete hart daran, Arbeitsbereiche zu erstellen, in denen sie ihre Talente ausüben konnten, um ihnen so zu helfen, innerlich zu wachsen, damit die Kommunikation stattfinden könnte.   Zum Beispiel kamen einige Musiker in den Ashram. Zu ihrem Segen organisierte Swamiji Musikunterricht, kaufte die nötigen Instrumente, stellte einen Raum bereit usw. Auf diese Weise verwandelte sich der Sender in einen Empfänger. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji betonte immer wieder, dass sich der Schüler dem Meister unterwerfen sollte, aber er wusste auch, dass dies weder von Seiten des Schülers noch von Seiten des Meisters erzwungen werden konnte. Es musste geschehen; aber auch dies begünstigte er, indem er die notwendigem Umstände schuf für das Üben der Unterwerfung. Er könnte zum Beispiel ein Anliegen vorbringen, das er gerne erledigt hätte und dann eine ganze Reihe von Alternativen aufzählen. Selbstverständlich würde der Schüler sich für etwas entscheiden, und daran konnte Swamiji genau erkennen, wo der Schüler stand – war er arrogant oder nur eitel, gleichgültig oder heuchlerisch demütig oder war er wahrhaftig demütig im Geiste der Unterwerfung.  Gleichzeitig ermöglichte er es dem Schüler wahrzunehmen, wo er wirklich stand und gab ihm die Gelegenheit, sich selbst in der Situation zu studieren. Somit war der Schüler in die Lage versetzt, sein Ego und dessen Spiel zu erkennen. Wenn ihm dann das hässliche Treiben des Egos bewusst wurde, erwachte Unterwerfung in ihm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren, war Swamiji sehr streng in der Zulasssung von Aspiranten im Ashram; denn sie mussten ein sehr hartes Leben leben. Er erläuterte Anwärtern in ganz klaren Worten, was die Bedingungen für ein Leben dort waren. Aber nachdem er den Ashram aufgebaut hatte und das leibliche Wohl der Sadhaks sichergestellt war, bemühte er sich eifrig darum, mehr und mehr Menschen im Ashram zuzulassen, damit alle eine Möglichkeit zu spirituellem Wachstum haben könnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji arbeitete ohne Unterlass, damit die Aspiranten, die zu seinen Füßen Zuflucht gesucht hatten, vor den Schwierigkeiten bewahrt würden, denen er in der ersten Zeit in Rishikesh ausgesetzt war. Mit aller Macht wollte er verhindern, dass sie kostbare, mentale Energie vergeuden in Gedanken an das leibliche Wohl  - Essen, Kleidung, Unterkunft und medizinische Versorgung. Sie sollten frei sein, den Weg zu verfolgen, den sie eingeschlagen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da er selbst die Gefahr von Extremen erfahren hatte, sagte er: „Es ist gut, wenn ihr Luxus ablehnt, aber zögert nicht, einfachen Komfort anzunehmen, der die Mindestnotwendigkeit  der physischen, menschlichen Existenz abdeckt.  Wenn Du für eine gewisse Zeit tüchtig arbeiten musst, dann versage Dir nicht  die notwendige, nahrhafte Nahrung. Während Du geistig arbeitest, halte etwas kühlendes Öl wie brahmi amla oil für Deinen Kopf parat . Lehne nicht das Obst ab, wenn ich es Dir anbiete.“  Daher drängte Swamiji die sadhakas, die mit Studier- und Schreibarbeiten beschäftigt waren, eine kleine Extraportion Milch und Ghee zu nehmen und bot ihnen auch Mandeln und Nüsse an. Wenn sie es ablehnten, war Swamijis Rat: „Das ist keine Weisheit. Wollt Ihr Diabetes und Nervenkrankheit herausfordern? Schaut her, was meine Entsagung bewirkt hat. Trockenes Brot und einfaches dhal sind nicht der einzige Test für „sadhuism“.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemand im Ashram hatte größere Gebrechen als Swamiji selbst, und trotzdem war da niemand, der härter gearbeitet hätte als er. Wenn er einen Aspiranten traf, dem es gerade nicht gut ging, und wenn es auch nur ein wenig Kopfweh war, sagte er: „Bitte geh‘ und ruhe dich aus!“ und er würde einen Arzt schicken und noch ein halbes Dutzend andere, die ihm beistehen sollten. Wenn aber er jedoch krank war, fegte er streng des Doktors Bitte beiseite, er solle doch dem Körper ein wenig Ruhe gönnen. In diesem einen Aspekt war ein riesiger Unterschied zwischen Swamijis Grundsatz und seiner eigenen Praxis. Er lebte selbst aufopfernden Dienst vor und predigte anderen: „Bitte kümmert Euch um Eure Gesundheit!“ Seine Liebe zu aufrichtigen sprirituellen Aspiranten war unvergleichlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1946 war der Ashram ziemlich arm und es gab nur wenige Zimmer und keine Annehmlichkeiten und keinen Komfort. Es gab noch nicht einmal einen Schutz vor den Affen, die regelmäßig den Ashram überfielen. Ein sehr kleiner Raum  mit klapprigen Türen wurde „das Büro“ genannt, daran schloss sich ein kleiner Raum an mit niedriger Decke und niedrigem Eingang (Swamiji nannte diesem Raum Demuts-Eingang). Wenn man sich nicht niederbeugen würde, verlöre man den Kopf. An einem Mittag im Hochsommer war es so heiß, dass drei oder vier der Büroarbeiter sowohl die Bürotüre als auch die Verbindungstüren geschlossen hatten, und sich im hinteren Teil aufhielten. Wenn Swamiji zu Mittag aß, fragte er immer nach einem extra Teller. Darauf legte er dann einen Teil seines Essens. Nachdem er seine Mahlzeit gegessen hatte, bedeckte er seinen kahlen Schädel mit einem dünnen Stück Stoff und ging  unverzüglich mit dem Teller los, von Raum zu Raum und gab jedem seiner Schüler etwas von seiner Speise (In diesen Tagen war dies eine außergewöhnliche Sache, denn viele Swamis würden weder ihren Schülern noch sonst jemanden wissen lassen, was sie gegessen hatten).  Er riet ihnen mit mütterlicher Zuneigung: „Kommt bitte nicht raus, es ist zu heiß.“ An diesem besonderen Tag so gegen 1 Uhr mittags ging er in der sengenden Sonne zum Büro, den Teller in der Hand.  Als er sah, dass alle Türen geschlossen waren, nahm er an, die Schüler würden schlafen. So ging er in die Küche, die nebenan war, und fand dort einen Swami. Er gab ihm Essen und sagte: „Die drei Jungs ruhen sich im Büro aus. Bitte störe sie nicht, aber wenn sie aufwachen, gib ihnen dies hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein ganzes Leben lang war Swamiji mehr um andere besorgt als um sich selbst. Vielleicht bekam sein Körper dadurch so viele Krankheiten. Wie er nach seinen Schülern schaute,  die mütterliche Liebe, die seine Einstellung zu ihnen prägte, darin könnten sich sogar die warmherzigsten Eltern  von ihm unterweisen lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal, als Swamiji aus seiner Hütte heraustrat, kam ein Ashram-Arbeiter auf seinem Fahrrad vorbei. Sobald er Swamiji bemerkte, stieg er vom Fahrrad ab und ging zu Fuß weiter. Swamiji sagte: „All diese Formalitäten sind nicht nötig für mich. Liebe und Respekt haben ihren Sitz ihm Herzen; und Du solltest immer Liebe und Respekt für Ältere in Deinem Herzen haben. Dies werde ich wissen! Diese äußeren Formalitäten haben keine große Bedeutung für mich. Du gehst in der heißen Sonne umher, machst Einkäufe in Rishikesh und überwachst die Bauarbeiten. Zögere nicht, an Dich zu denken. Du musst jetzt etwas Kaltes trinken, und in einer halben Stunde solltest Du etwas Heißes trinken. Und wenn Du gerne etwas Obst vom Bazar hättest, so nimm gerne! Du hast die absolute Freiheit alles zu tun, um Deinen Körper in bester Gesundheit zu erhalten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji betrachtete das Leben an den Ufern des heiligen Flusses Ganges zu Füßen des Himalya als einen Segen – mit ein wenig Mantra-Wiederholung (japa), Meditaiton und selbstlosem Dienst, und er war eifrig bemüht, die Tore dazu allen zu öffnen. Unzählige junge Männer suchten Schutz zu Swamijis Füßen als  Zuflucht in ihrer Not und Verzweiflung.  Swamiji hat niemanden nach seiner Vorgeschichte ausgefragt. In dem Moment, wenn Swamiji auch nur den Hauch von Verzweiflung in den Augen eines Neuankömmlings sah, bekam dieser das Gefühl, dass Swamiji genau auf ihn gewartet hat und dass er ihm einen großen Gefallen tun könnte, dem Ashram beizutreten. Welche psychologische Kraft dies gab ist nicht vorstellbar. Der notleidenden Person wurde das Gefühl von Größe gegeben und unmittelbar fühlte dieser Mensch, dass seine Vergangenheit ein schlechter Traum gewesen war und dass eine wunderbare Zukunft vor ihm läge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1945 ersuchte eine Frau Zuflucht im Ashram, die von ihrem Mann misshandelt worden war und die Familie  verlassen hatte. Selbst die leitenden Personen des Ashrams, die von Swamiji geschult waren, zögerten, der Frau Asyl zu gewähren.  Aber Swamiji blieb fest entschlossen, dass sie bleiben durfte. Allein der Gedanke daran, dass diese Frau ansonsten ihr Leben verlieren könnte reichte ihm aus, die ganze Welt zu ignorieren und nur diesem einen Menschen zu dienen. Ganze Bücher könnten damit gefüllt werden, auf welch wunderbare Weise Swamiji sie lehrte, ihre Leiden zu vergessen, ihren Geist zu beherrschen und letztendlich auf ihren eigenen Füßen zu stehen als eine unabhängige Stimme unter den Frauen Indiens. Von einer Belastung verwandelte Swamiji sie zu einer Bereicherung der Gesellschaft: ein wahrhaftiges Beispiel der Rehabilitation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1955 begrüßte Swamiji einen Koch im Ashram. Der Koch hatte gar nicht vor, da zu bleiben und war überrascht, dass Swamiji bei der ersten Begegnung sagte: „Bitte bleibe hier. Du kannst ein Hotel in der Nachbarschaft eröffnen. Ich werde alles tun, Dich zu unterstützen.“   Er verfolgte die Sache weiterhin und bat den Sekretär, dem Koch einen Raum und die nötigen Utensilien für das Kochen zu besorgen, damit dieser seine Unternehmung starten könnte. Und er bot ihm sogar an: „Du kannst Lebensmittel vom Ashram nehmen und zu Deinem eigenen Gewinn verwenden.“  Etwas später verdeutlichte er seine Einstellung: „Es ist ein Segen, hier an den Ufern des Ganges, in Rishikesh, zu leben. Eines Tages könnte er die Sehnsucht verspüren, zu entsagen. Bis dahin ist es gut, ihn zu ermutigen, auch in seinem Streben nach Geld. Als erstes sorgen wir dafür, dass er hier bleibt, und dann bringen wir ihn langsam zu sadhana.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau hatte ihren Mann verloren und war rastlos. Daher kam sie nach Rishikesh und blieb in der Nähe des Ashrams. Sie sagte zu Swamiji: „Ich habe Juwelen im Wert von vier- bis fünftausend Rupien und dazu noch ein Haus. Ich möchte für immer hier bleiben. Wenn Du mir das erlaubst, werde ich das Haus und die Juwelen verkaufen.“ Swamiji antwortete: „Behalte das Haus und die Juwelen. Du kannst in Brindavan bleiben.“ Er gab ihr ein Empfehlungsschreiben mit für einen guten Sadhu in Brindavan und schickte sie dorthin. Und er wies sie an: „Bereise die umliegenden Ortschaften. Verbreite den Ruhm von Gottes Namen. Leite Kirtans an in jedem Haus. Unterrichte die kleinen Kinder.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einige Zeit folgte sie Swamijis Anweisungen. Dann wurde sie psychisch krank. Sie kam zurück nach Rishikesh und machte verliebte Annäherungsversuche an Swamiji. Durch das Fenster warf sie Parfüm auf Swamijis Bett. Und wenn Swamiji die Tür zu seiner Hütte öffnete, kam sie herein um bei ihm zu sitzen. Er fuhr einfach fort mit seiner Arbeit, ohne auch nur daran zu denken, dass sie da war. Nach einer Weile ging sie dann aus eigenen Stücken wieder weg. Swamiji hätte sie auch auffordern können zu gehen; aber nein, er würde nie jemanden auch nur die kleinste Verletzung zufügen. Er war erfüllt von Liebe zu allen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem die Belästigungen heftiger wurden, bat uns Swamiji, einen Stacheldrahtzaun um seine Hütte zu errichten. Wenn sie den Zaun um Swamijis Hütte sah, verfiel sie oft in Raserei. Dann warf sie Steine auf Swamijis Hütte. Auch da bewahrte er seine Ruhe. Nach einiger Zeit verschwand sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Jahren kehrte sie im Mönchsgewand nach Rishikesh zurück. Sie war alt geworden. Swamiji wurde nie von einem Vorurteil  beeinflusst. „Sie könnte sich geändert haben. Jede Sekunde entwickelt man sich. Wir sollten niemanden nach seiner Vergangenheit beurteilen.“, sagte er. Das war sein Leitprinzip. Er erlaubte ihr, in der Nähe des Ashrams zu bleiben. Normalerweise ging sie täglich in den Bazar von Rishikesh, und eine zeitlang sang sie irgendwelchen Unsinn über Swami Sivananda vor jedem Geschäft. Sie beschimpfte und beleidigte ihn sogar in der Öffentlichkeit. Abends kam sie dann in den Ashram. Swamiji sandte ihr Früchte und Mandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Saat säen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen, die sich inmitten von Zwietracht, Streit und Angst nach Frieden und Glück sehnten, fanden in „Sivananda Swami of Ananda Kutir“ (wie er von den Leuten in und um Rishikesh normalerweise genannt wurde) eine Vater-Figur, lieber als der eigene. Diejenigen  von religiösem und spirituellem Temperament , die sadhana zu ihrem einzigen Lebensziel gemacht hatten, fanden in ihm eine immerwährende Quelle der Weisheit und des Lichtes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit unterschiedlichen Menschen hatte Swamiji auch unterschiedliche Beziehungen. Einige weit entwickelte Aspiranten kamen zu ihm und in ihnen loderte das Feuer der Entsagung, der Verhaftungslosigkeit und der Unterscheidung. Sie zu lehren geschah auf anderen Kanälen. Swamiji wurde nur sehr selten mit ihnen gesehen, auch zogen sie nicht sehr nah zu ihm. Ihre Beziehung zu Swamiji war auf einer völlig anderen Ebene – der spirituellen Ebene. Es gab nur wenige solche Schüler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Mehrheit der anderen, mit denen Swamiji arbeitete und dichtauf lebte, waren unreife Aspiranten.  (Einige hatten nicht die geringste spirituelle Sehnsucht. Sie hatten bei Swamiji Unterschlupf gefunden, weil materielles Versagen sie von zu Hause vertrieben hatte und sie sonst umgekommen wären.)  Swamiji musste oft ihn ihnen den Samen von vairagya (Wunschlosigkeit, Verhaftungslosigkeit,Leidenschaftslosigkeit) säen! „Ihn abzuweisen, das kann ich nicht. Gebt ihm wenigstens die Möglichkeit, sich in einen besseren und glücklicheren Menschen zu verwandeln. Falls er versagt – macht nichts. Ein Versuch muss in jedem Fall gemacht werden.“ Solcher Art waren Swamijis Bemerkungen, wenn ein verstörter junger Mann dem Ashram beitreten durfte. So wurde von keinem Aspiranten eine Qualifikation gefordert. Es war eine Art Witz: wenn ein junger Mann sein Examen nicht bestanden hat oder sein Geschäft ruiniert hat – sucht nach ihm im Sivananda Ashram! Swamiji nahm sie großzügig auf und versuchte, sie zum Erwachen zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht alle Menschen, die bei Swamiji Zuflucht suchten, waren gute Menschen; aber er sah nur das Gute in ihnen; gegenüber dem Bösen war er blind. Wenn jemand einen schlechten Charakterzug hatte, würde er ihn nie verurteilen oder hart zu ihm sein. Normalerweise sagte er: „Macht Euch nichts daraus, wenn dieser Mann sogar bösartig ist; indem ich ihn herkommen lasse und ihm Obdach gewähre stelle ich sicher, dass es einen Schurken weniger gibt in Delhi!“ Das war seine Philosophie! „Allein die Tatsache, dass  derjenige hergekommen ist, zeigt, dass da eine kleine Öffnung ist, egal wie klein, durch die ein wenig Kommunikation stattfinden kann.  Lasst ihn hier bleiben, ich werde einen Samen säen. Während dieser Geburt, der nächsten Geburt, kümmert Euch nicht; diese Saat wird jetzt oder viele Jahre später aufgehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji sagte, dass es wohl zu viel verlangt ist von einer Person, die in der modernen Welt lebt und von alles Seiten mit Ablenkungen und Versuchungen überflutet wird, Leidenschaftslosigkeit und Unterscheidungsvermögen zu entwickeln. Er meinte, dass es möglich sein muss bei einem Menschen, der vor seinem eigenen Scheitern davonläuft,  einen Funken zu finden den man anfachen kann zu einer großen Flamme. Sogar wenn gar kein Funken vorhanden war, konnte er eine Flamme entfachen. Das war das Einmalige an Swami Sivananda. Er pflanzte die Samen der Güte, er nährte sie, goss sie und ließ sie wachsen und gedeihen; auch wenn dies ihm selbst ungeheure Schwierigkeiten bereitete, ihm machte das alles gar nichts aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht leicht nachzuvollziehen, was die Suchenden in den frühen 1940-er Jahren empfanden, wenn sie in den Ashram kamen. Einige hatten wohl Swami Sivanandas leidenschaftliche Worte in seinen Originalschriften gelesen, die so inspirierend waren, dass man auf der Stelle seine Kleider ablegen  wollte, um zum Himalaya zu eilen und dort Enthaltsamkeit zu praktizieren und sofort Selbstverwirklichung zu erreichen! Das war das Besondere an seinem Stil. Viele auf diese Weise inspirierte Menschen kamen in den Ashram. Oft liefen sie los, ohne sich umzuziehen, denn in Swami Sivanandas „How to Get Vairagya“ hatten sie gelesen „renounce everything“ (entsage allem) – und so entsagten sie allem. „seek solitude“ (suche die Einsamkeit, Abgeschiedenheit) – und so suchten sie Abgeschiedenheit im Ashram. Einige von ihnen könnten beim Betreten des Ashrams  entdeckt haben, dass andere, die schon vor ihnen angekommen sind, einen schönen Mantel trugen. Und dann dachten sie manchmal: „Aha, sie sind vom Wege abgekommen, sie sind gescheitert. Seht her, wie leidenschaftslos ich bin. Meine Sehnsucht ist viel größer als die Sehnsucht von diesen Leuten, die schon seit so langem mit Swami Sivananda zusammen sind. Sie wissen nicht, was tapas (Askese), vairagya (Wunschlosigkeit) und brennendes Verlangen ist. Jeden Morgen sitze ich hier um 4 Uhr und meditiere. Schau all die alten Ashrambewohner an!“  Swamiji beobachtete sie und schätzte sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Egal, was der Aspirant machte, zuerst kam die Ermutigung. Danach würde er ein wenig antreiben. „Enthusiasmus ist sehr gut. Du hat eine wunderbare Sehnsucht. Du bist großartig, Du bist wie Sukadeva. Aber jugendlicher Enthusiasmus ist nicht gut.“ Zuerst eine große Menge Lob, danach eine kleine bittere Pille, das war seine Methode. Niemand sollte entmutigt werden oder das Gefühl bekommen dass das, was er tat, völlig falsch sei. Seine Einstellung war: „Nein, mach das, es ist wunderbar, aber stelle sicher, dass es nicht nur jugendlicher Enthusiasmus ist, etwas, das später ein Rückschlag sein könnte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Aspiraten nicht nur noch ganz roh waren, sondern auch noch in keiner Weise erwacht, musste auch das Erwachen vom Meister beeinflusst werden. Bei einer Gelegenheit gingen sehr erfahrene Schüler mit allerhand Beschwerden zu Swamiji. Er  musste auch sie zufriedenstellen, also gab er vor, wirkllch ärgerlich zu sein. Sehr zufrieden gingen die erfahrenen Schüler davon und dachten, dass Swamiji sich nun den jungen Aspiranten vornehmen würde. Genau das Gegenteil geschah: der Mann, über den sie sich beschwert hatten, bekam als erstes einige Bananen.  Damals gab es im Ashram einen kleinen Jungen, der Swami Sivananda diente, und der kam dann angelaufen und sagte: „Swamiji gibt Dir Früchte“. Eine halbe Stunde später würde jemand anderes kommen: „Swamiji lässt Dir Kaffee bringen.“ Und eine Stunde später würde er persönlich erscheinen und sagen: „Du bist hervorragend und glänzend. Meditierst Du gut? Machst Du Japa (Mantrawiederholung)?  Gut. Studierst Du vedanta? Sehr gut“  Was wurde nun aus all den Beschwerden?  Swamiji würde beobachten, ob all die Ermunterungen wirken würden. Anstatt zu sagen: „Du bist ein schlechter Kerl.“ Bestand Swamiji darauf, sich auf die guten Eigenschaften in Dir zu konzentrieren, Dir zu sagen, dass Du ein guter Arbeiter bist, auch wenn Du kein spirituelles Verlangen und keine Hingabe hattest. Er würde sagen: „Du bist ein großartiger Arbeiter. Da ist niemand, der so hart arbeitet wie Du.“  Dann würde er freundlich hinzufügen: „Immer, wenn Du arbeitest, sehe Gott in allem. Warum hilfst Du nicht in der Küche und gibst Essen aus? Du bist ein großartiger Mann, Du hast einen hübschen Körper und eine schöne Stimme. Wenn Du roti servierst, sage Bhagavan roti, roti Narayan, roti Maharaj.“  In diesem Moment wurde die Saat der spirituellen Sehnsucht gesät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji tat für Aspiranten, was sogar die liebevollsten Eltern nicht immer tun würden. In dem Moment, in dem sich auch nur die leiseste Spur eines Talentes bei einem Aspiranten zeigen würde, widmete er sich persönlich dem Erwecken und vollen Entfaltung dieses Talentes des Aspiranten. Tag und Nacht würde er  über Mittel und Wege  nachsinnen, wie der sadhaka sich entfalten könnte;  letztendlich zum Segen der ganzen Menschheit. Auf diese Weise wurden einige Abteilungen im Ananda Kutir gegründet und fortgeführt. 1948  trat ein junger Mann dem Ashram bei; er sagte, dass er sich mit Papierherstellung auskennen würde. Am folgenden Morgen ließ Swamiji eine Grube ausheben und ließ Rohmaterialien anliefern, damit dieser junge Mann, der keinerlei Qualifikationen (Swamiji fragte auch niemals danach) nachweisen konnte, seine Ideen verwirklichen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji nahm so ein aufrichtiges Interesse in all diese Unternehmungen, dass man denken könnte, er hätte gerade darauf gewartet, dass eine Person kommt und ihm genau bei dieser Arbeit hilft. So umfassend und gründlich war seine Begeisterung, dass er in kurzer Zeit Vorschläge machen konnte, wie man diese Arbeit, in der der Aspirant ja eigentlich der Experte war, besser erledigen könnte. So war es auch mit dem Fotostudio im Ashram.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Läuterung/Reinigung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji hat manchmal betont, dass atma jnana (Selbstverwirklichung) denkbar einfach ist. Es ist ganz einfach, ABER die vorbereitende Reinigung, die eine Voraussetzung ist, ist extrem schwierig. Wenn die Reinigungsübungen anstanden, wendete er sehr einfache Methoden an, die aber sehr tiefgreifend in ihrer Wirkung waren. Die Übungen mussten kontinuierlich gemacht werden (im Sinne von Wiederholung). Swamiji musste sie wieder und wieder und wieder machen. Er hatte eine solche Geduld, dass er niemals jemanden als hoffnungslosen Fall betrachtete. Wenn ein Schüler den Sinn auf die eine Weise nicht einsehen konnte, würde Swamiji es so oder so abwandeln. Swamiji drehte und wendete es, bis eines Tages, so hoffte er, der Schüler einsehen würde, was er ihm versuchte beizubringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jemand eine Schwäche hatte, war Swamiji demgegenüber blind und sagte: „Er hat einige Schwächen, aber er hat auch einige großartigen Fähigkeiten.“  Er wählte die Methode, niemals die Fehler einer Person hervorzuheben, es sei denn, dass es nötig wäre.  – Zum Beispiel im Falle einer Konfrontation  mit einem anderen Schüler, wenn man Swamiji  die Angelegenheit vorgetragen hatte und beide vor ihm erscheinen mussten. Und wenn er einen Tadel aussprechen musste, tat er es ganz liebenswürdig. Als erstes würde er den Aspiranten loben. „Du hast diese und jene gute Eigenschaft. Als erstes ist es  Dein größtes Glück, dass Du der Welt entsagt hast, hierher gekommen bist und im Ganges gebadet hast. Du musst in hunderten von vergangenen Leben spirituell praktiziert haben, um so spirituell veranlagt zu sein. Und Du musst Dir die Gnade von Tausenden von Heiligen verdient haben, um hierher in den Ashram geführt zu werden, damit Du ein spirituelles Leben leben kannst.“  Dann würde er hinzufügen: „Warum möchtest Du streiten? Es ist nur ein kleiner Fehler. Werde nicht gereizt. Wenn Du gereizt bist, könntest es all Deine Bemühungen vereiteln. Hast Du schon gefrühstückt? Was hattest Du? Kaffee oder Tee? Soll ich Dir noch etwas besorgen?“  Ein Bündel Bananen kamen zuerst, dann ein klein wenig prick gefolgt von Butter und Honig.  Nachdem die Bananen verdaut waren und auch die Butter und der Honig gegessen, dämmerte Erkenntnis: „DIES wollte mir Swamiji sagen!“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji hielt seine Schüler nie in einem Zustand der Anspannung. Er machte Druck, sein Training voranzutreiben, aber sobald er merkte, dass ein Schüler zusammenbrach, lockerte er alle Regeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das grundlegende Prinzip in all dem war, dass niemand jemals von Swamiji kritisiert wurde. Kritik hätte alles ineffektiv gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Wohlergehen der Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tag und Nacht hatte Swamiji nur einen Gedanken: Wohlergehen, Wachstum und Fortschritt (weltlich und spirituell) seiner Schüler. Oftmals erhob er sich zu einem leidenschaftlichen Appell an seine geliebten Schüler, er drängte sie mit feurigen Worten, alle Spuren von persönlicher Wichtigkeit auszurotten und sich  der edlen Idee des Dienstes an der Welt hinzugeben. Er schilderte ihnen auf packende und mitreißende Weise die Herrlichkeit des selbstlosen Dienens und der Verehrung Gottes als das Größte und Großartigste von allem Yoga. Wie alle Aspiranten fühlten sie sich manches mal bestürzt über die Endlosigkeit und  Weite der menschlichen Probleme und des Leidens. Dann munterte Swamiji sie auf mit der ausdrücklichen Versicherung, dass ein Leben des selbstlosen Dienens nie ein Misserfolg sei. Er rüttelte sie auf mit Worten wie diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kümmert Euch nicht darum, ob Selbstverwirklichung kommt oder nicht. Strengt Euch größtmöglich an, Euch ethisch zu verbessern und macht Euch perfekt für den Dienst an der Menschheit. Seht Gott in jedem Menschen. Betrachtet jeden Menschen als Gott. Wenn Eure Vorstellung von Gott beinhaltet, dass ER alldurchdringend ist, warum könnt Ihr IHN dann nicht in allen Wesen erkennen? Was hindert Euch daran, Euren Glauben in die Tat umzusetzen? Ihr müsst die Vorstellung aufgeben, dass ER nur hinter geschlossenen Augen und Türen vorhanden ist. Fühle SEINE Gegenwart in jedem und allem während Du dienst; und schaue dann, ob ER nicht im Grunde Deines Herzens strahlt in SEINEM eigenen Klang.  Wenn das Herz noch nicht frei ist von allen Unreinheiten und die niedere Natur nicht befreit ist von Schmutz, wie kann dann spirituelle Erfahrung zu Dir kommen? Bevor Du nicht Deine eigene Natur perfekt gemacht hast, kannst Du unmöglich die Wahrheit eines Wesens erkennen, das die reine Essenz der Vollendung ist. Rotte zuerst Egoismus, Ärger, Hass, Gier und Doppelzüngigkeit aus und sei aufrichtig und von ganzem Herzen  bei Deinem selbstlosen  Dienst. Wenn  Du es schaffst, zehn Menschen ein klein wenig Gutes zu tun, wenn Du erfolgreich einen schlechten Charakterzug  völlig ausrotten kannst und dafür eine einzige edle Tugend vollständig entwickeln kannst, sei sicher, dass Dein Leben nicht umsonst gelebt wurde. Und sogar nur zehn Menschen von einer Million erreichen kaum jemals dies. Was soll’s, wenn Du nicht samadhi und Selbstverwirkllichung erreichst?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kopf hoch, sei guten Mutes! Sei mit Leib und Seele bei der Arbeit. Ich garantiere Dir, dass Du Dich gesegnet und glücklich fühlen wirst. Sei nicht unzufrieden mit Deinem Los oder niedergeschlagen wegen Deinem Fortschritt. Handle nach meinem Wort. Habe ich nicht über Dein spirituelles Wohl nachgedacht?  Dann, wenn Du nur könntest, würdest Du sehen, dass Tag und Nacht, in jedem Augenblick, mein Herz in Sorge über Dein Wohlergehen schlägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer dem „direkten Familienkreis“ von Aspiranten, Studenten und Arbeitern gab es viele Suchenden in anderen Ländern, die große Zuneigung  zu Swami Sivananda hatten und ihn verehrten. Ihnen war er ein spiritueller Führer und Meister. Swamiji beantwortete ihre Briefe prompt, ging auf alle ihre Fragen ein und leitete sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dazu schrieb Swami Sahajanandaji  aus Durban, Südafrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Anhänger und Verehrer von Swamiji muss erfahren haben, dass man die grenzenlose Gnade und Barmherzigkeit nur stillen Herzens und nicht mit Worten ausdrücken kann. Irgendwo habe ich gelesen, dass Swamijis Wohltätigkeit als „unbesonnen“ bezeichnet wurde. Aber ich denke, dass seine Gnade und Liebe sogar noch reichlicher vorhanden waren als die Wohltätigkeit.  Es ist nicht bemerkenswert, wenn ein Erster-Klasse-Aspirant die Gnade eines Meisters erhält. Aber wenn jemand sich qualvoll abmüht auf dem Weg zur Gottverwirklichung und erfährt dann ganz direkt die liebevolle Beachtung eines großen Heiligen, wird dieser Mensch sicherlich vor Ehrfurcht erzittern und eine unausprechliche Dankbarkeit wird ihn erfüllen. Leider war ich auch jemand, der nicht „rein“ geboren wurde oder mit einer großen Portion spiritueller samskaras  (= geistige Eindrücke aus dem jetzigen und den früheren Leben, die im Unterbewussten liegen) ausgestattet war. Aber durch Swamijis Gnade erreicht man langsam aber sicher das Ziel. Die Liebe und Fürsorge , die Swamiji einem fünftklassigen Aspiranten wie mir hat angedeihen lassen,  weist ihn als gottverwirklichten Heiligen aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl wir tausende von Meilen entfernt von seiner physischen Gegenwart lebten, kümmerte sich Swamiji um uns auf die gleiche Weise, wenn nicht noch besser, als um diejenigen, die in seiner Umgebung im Ashram lebten.  Hier einige Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor einiger Zeit schrieb ich ihm einen dringenden Brief wegen physischer Beschwerden. Das war gerade zu der Zeit, als Swamiji von seiner „All-India“-Reise zurückgekehrt war. Obwohl er sicherlich hunderte von Briefen zu beantworten hatte, war er so gütig, mir noch am selben Tag zu antworten. Neulich schrieb ich ihm von einer Veränderung meiner sadhana Praxis. Zurück kam eine zweiseitige Antwort in seiner eigenen Handschrift. Und noch bemerkenswerter war, dass Swamiji selbst den Brief adressiert und zur Post gebracht hatte; und das rührte mein Herz und ließ es zutiefst erbeben. Stellt Euch einen  bedeutungslosen Menschen vor wie mich, der mit so viel von seiner Liebe überschüttet wird! Und was für aufmunternde und tröstende Worte sein Brief erhielt! Jedes Wort ist durchtränkt mit der Wärme seiner grenzenlosen Liebe. Es ist diese Liebe, die dazu führt, das wir uns unwürdig fühlen, seinen kostbaren Segen zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamijis Buchgeschenke erreichten uns dutzendweise. Wenn ich ihn um ein Buch bat, schickte er sechs. Auch wenn beantragt war, dass die Bücher erst nach der Bezahlung geschickt werden sollten, kamen sie mit unverzagter Beharrlichkeit an. Nicht nur die Geschenk-Bücher erreichten die Gestade meines Landes, sondern auch herrlich frisches, süßes prasad kam, in Dosen verpackt, hier an. Es ist sicherlich nicht fehl am Platze, hier eine Erfahrung widerzugeben, die mein Freund, Sri G. V. Naidoo, bei einem Ashram-Besuch gemacht hat. Sobald er Swamiji traf, wurde er buchstäblich mit Liebe überschüttet. Swamiji widmete sich ihm persönlich, und mein Freund ging dann mit einem Stapel Bücher in den Händen. Dann erzählte er noch, wie er ein Bild von Swamiji bewunderte, das an der Wand hing – eine Ansicht von Swamijis tapas (Askese-Übungen) -   und Swamiji hatte es von der Wand abgenommen und ihm geschenkt. Welch eine außerordentlich seltene Großzügigkeit strahlt aus Swamijis Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamijis Heilkräfte wurden auch im entfernten Südafrika bewiesen. Zwei Fälle habe ich persönlich erlebt. Einer meiner Freunde, der ein Patient im T. B. Settlement war, litt an einer schweren Schlafstörung. Ich schrieb deswegen an Swamiji. Seine sofortige Antwort enthielt Anweisungen, wie man das Problem beseitigen könnte. Obwohl der Patient nicht den Anweisungen folgte, schlief er daraufhin gut. Nach einigen Wochen, wurde er wieder von Schlaflosigkeit geplagt. Es ist ein Jammer, dass die Anweisungen nicht befolgt wurden.  Das andere Beispiel betraf einen persönlichen Freund von mir, der an schlimmen und schmerzhaften Leberflecken auf den Händen litt. Wieder schrieb ich an Swamiji. Das von ihm empfohlene einfache Mittel wurde angewendet und die Leberflecken meines Freundes gingen vollkommen zurück. Das ist nun Monate her und die Probleme sind nicht wieder aufgetaucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie löst Swamiji die Alltagsprobleme der Aspiranten, die nicht in der glücklichen Lage sind, seine mündlichen Anweisungen zu hören? Das geschieht auf eigentümliche Weise. Wenn ich manchmal mit einem schwerwiegenden Problem konfrontiert bin, nehme ich einfach eins von Swamijis Büchern in die Hand und schlage irgend eine Seite auf – und schon springt mir die genaue Lösung für meine Probleme in die Augen! Manchmal vielleicht erreicht mich Swamijis innere Führung während der Meditation; oder es kann passieren, dass ein Ereignis oder eine Person mir die richtige Antwort gibt. Man muss allerdings wachsam sein, die richtige Führung zu empfangen. Aber in den meisten Fällen würden Swamijis Bücher uns helfen. Dies war auch die Erfahrung der anderen Anhänger hier. Es passiert so oft, dass wir keinen Zweifel daran haben, dass Swamiji all unsere Schwierigkeiten kennt  und dass seine Führung immer bei uns ist, egal wie viele Meilen uns von ihm trennen. Swamiji hat auch vollkommene Einsicht in unsere Herzen und unseren Geist, und niemand kann ihm etwas vormachen. Einmal schrieb ich ihm einen Brief und suchte Antworten auf einige Fragen spiritueller Natur. Swamiji fand die Wahrheit heraus, dass nämlich die Antworten dafür benötigt wurden, jemand anderes herabzuwürdigen – und er gab keine direkte Antwort. Von da an traute ich mich nicht  mehr, irgendwas vor ihm zu verheimlichen. Wir haben auch festgestellt, dass alles, was er sagte, früher oder später auch eintreffen würde. Seine Worte waren unfehlbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Geheimnis, wie man Swamijis Gnade erreichen kann, ist ihm von ganzem Herzen zu dienen. Ein kleiner Dienst an Kranken hier oder das Verteilen von einigen Schriften  dort – und schon hast Du einen Platz in seinem großen Herzen eingenommen. Jeder einzelne von den Tausenden von Schülern und Anhängern kennt diese Wahrheit. Dienst an Swamiji (ich nenne das Sivayoga) ist der großartigste Yoga dieser Zeit. Lass all diejenigen, die den vielen Wegen zu Gott folgen wollen, dies tun. Aber meine größte Freude ist es, Swamiji zu dienen, egal, ob es zur Gottesverwirklichung führt oder nicht.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Karli</name></author>
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		<title>Schüler</title>
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		<updated>2012-12-28T16:36:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Karli: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Zusammengestellt von Sri [[Swami Venkatesananda]]   (*29.12.1921 in [[Tanjore]], [[Südindien]], †2.12.1982 in Johannesburg, Südafrika)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Meister und Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen Büchern hat Swamiji das Wesentliche des traditionellen Lehrens vermittelt, und in diesen Unterweisungen hat er die geheime Botschaft preisgegeben, wie man mit der Wahrheit  in Verbindung bleiben kann und wie man sie zu einem ganzheitlichen Aspekt seines Lebens machen kann. Er verkörperte dieses Lehren.  Zum  Beispiel, obwohl sein ganzes Leben im wahrsten Sinne des Wortes aus Karma Yoga bestand, waren seine Schriften zu Karma Yoga sehr spärlich. Obwohl er nicht viel unterrichtete, waren die wenigen Worte der Unterweisung, die seine Schüler von ihm hörten, unvergesslich. Er selbst war meistens die lebendige Wahrheit.  Durch seine Taten sprach er lauter als durch einen  Lautsprecher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erleuchtete Guru kann seine wesentlichen Erfahrungen nicht in Worte fassen. Was niedergeschrieben wurde oder was in Worten ausgedrückt wurde,  ist nur ein Bruchstück der Erfahrung des Weisen. Da ist etwas, das er erfahren hat, das unaussprechlich ist. Sogar der kleine Teil, den er ausdrücken kann, geht bei der Übermittlung verloren, da der Schüler nicht achtsam ist. Daher hat Swamiji nur selten die Zuhörer aufgefordert, eigene Notizen zu machen, sondern sie sollten den Dialog oder die Unterhaltung hinterher aufschreiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommunikation ist fast immer non-verbal. Oft hat man gemerkt, dass ein hoch inspirierender Dialog, wenn er schnell niedergeschrieben wurde, nicht mehr so inspirierend war, weil Swamijis „hm“, ein Lächeln und ein Ausdruck von Gesicht und Augen eine gewaltige Wirkung und Bedeutung hatten. In diesem Bereich fand die Kommunikation statt! Kommunikation kann nur stattfinden, wenn Meister und Schüler miteinander verschmelzen, wenn sie auf der gleichen Ebene und Wellenlänge sind. Dann wird die Lehre aufgenommen, ohne dass ein Wort nötig wäre. In den Katha Upanishad heißt es: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uttishtata jagrata prapya varan nibodhata. (Arise, awake, be vigilant; then approach a great master and attain enlightment = erhebe Dich, erwache,  sei achtsam; dann trete an einen großen Meister heran und erlange Erleuchtung).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erheben und Erwachen sind Sache des Schülers und nicht des Meisters; aber Swamiji wich von dieser Regel ab und gewährte auch Menschen Zugang zum Ashram, die nicht all diese Qualifikationen aufwiesen. Er verbarg die spirituelle Weisheit nicht – sie war da, öffentlich – und er stellte sie nicht zur Schau. Das war ein außergewöhnlicher Wesenszug an ihm.  Viele Swamis und Yogis würden auf eine einfache Frage wie „Kann man im Winter im Ganges baden?“  eine lange Rede über Vedanta halten: „Du bist nicht der Körper, Du bist nicht der Geist. Du bist das unsterbliche Selbst. Es ist nicht das unsterbliche Selbst, das die Kälte spürt, es sind Körper und Geist, die die Kälte fühlen!“ Swamiji sprach nie so. If at all, he erred on the other side. Er war mehr an dem körperlichen und intellektuellen Wohlergehen der Aspiranten interessiert, anstatt bei jedem Husten oder Niesen jedesmal irgendwelche religiösen Anweisungen auszusprechen. Er wartete darauf, dass der Aspirant eine spirituelle Frage stellt, und wenn der Fragende eifrig und begeistert war, kommunizierte er Wissen auf unerklärliche Weise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals war es für Heilige Tradition, sich in einer Höhle zu verbergen und zu warten, bis ein qualifizierter Aspirant sich nähern würde. Ein Aspirant, der schon ein inneres Erwachen erfahren hatte, der aufmerksam und begeistert war und der unter Einsatz von viel Kraft und Zeit sich die Mühe gemacht hat, zu ihm zu gelangen, um den Heiligen um Unterweisung zu bitten. Im Großen und Ganzen übernahm Swami Sivananda diese Tradition, indem er „seine Weisheit unter einem großen Mantel verbarg“. Die Menschen, die zu ihm kamen,  erinnerten sich an seine Zuneigung und Liebe und seine großen Sorge um ihr körperliches und materielles Wohlergehen. Dies waren seine Hauptsorgen – Weisheit oder atma jnana kamen zu ihrer Zeit. Wenn aber ein Schüler in vollkommener Hingabe und Liebe mit ihm verschmolz, konnte non-verbale Kommunikation sehr leicht geschehen. Dies war sein Geheimnis. Denn er hatte erkannt, dass keine mündlichen Unterweisungen irgendwie fruchten würden, solange der Aspirant nicht Weisheit, Leidenschaftslosigkeit, edle und tugendhafte Eigenschaften und ein beständiges Streben nach Befreiung hat – und somit die non-verbale Kommunikation unmöglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Anhängerschaft&#039;&#039;&#039; (discipleship)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Leute in der Anfangszeit nach Rishikesh kamen, fanden sie Swami Sivananda, wie er Glückseligkeit, Frieden und Freude verströmte, obwohl all die Dinge fehlten, von denen man denkt, dass sie für Frieden, Freude und Wohlstand  nötig sind. Es gab absolut nichts. Unter solchen Umständen lebend verströmte er trotzdem Freude. Wie konnte er so leben? Der Blick in seinen Augen verriet, das er die Wahrheit gefunden hatte. Wenn man in seine Augen schaute erkannte man, dass er die Wahrheit gefunden hatte und man selber nicht.  Das allein machte demütig und man warf sich nieder zu seinen Füßen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfang 1947 saß Swami Sivananda in seinem Büro. Ein junger Mann aus Südafrika, der im Ashram für 2 oder 3 Monate gelebt hatte, musste an diesem Tag abreisen. Er trat ein, fiel vor Swami Sivananda auf die Knie und begann zu weinen. Mit höchster Liebe und Zuneigung schaute Swamiji ihn an. Der junge Mann sagte: „Swamiji, ich muss heute abreisen. Aber wo in Afrika werde ich einen Meister wie Dich finden?“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich veränderte sich Swamijis Gesichtsausdruck, und mit einem unheimlich schönen, vielsagenden und verschmitztem Lächeln sagte er: „Hm, Du findest keinen Meister in Afrika?“ In diesem Moment verschwand der Kummer des jungen Mannes und seine Tränen trockneten. Swamiji lachte, blickte ihn fest an und sagte: „Es ist sehr leicht, einen Meister zu finden, aber es ist schwer, einen Schüler zu finden. Sei ein Schüler! Vom Scheitel bis zur Sohle sei ein Schüler! Dann wirst Du einen Meister finden.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji sagte niemals „Ich bin Dein Meister“. Manchmal pflegte er zu sagen „Du bist mein Schüler“  oder „er ist mein Schüler“. Seinen ersten Schülern schrieb er: „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen, ich werde Dir dienen und Dich leiten.“ Wenn er sagte „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen“, dachten die Schüler, sie dürften Swamiji in Anspruch nehmen und könnten ihm freizügig schreiben. Genau das wollte er auch. Der nächste Satz war „ich werde Dir dienen“. Der Schüler sollte eigentlich dem Meister dienen! In dieser Formulierung hob er die Vorstellung von ihm als Guru auf. Er betrachtete sich selbst nie als Guru. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Meister zu dienen ist besonders wichtig. Indem man dem Meister dient, entdeckt man seine Wellenlänge und wie man sich zu ihr erheben kann. Der Schüler macht etwas auf bestimmte Weise, in einer bestimmten Geisteshaltung – aber der Meister macht es anders, es mag sogar seine Eigenart sein. Aber wenn es der Schüler nicht lernt, Dinge in der Art und Weise des Meisters zu tun, wird er sich nicht auf die Wellenlänge des Meisters einstellen können. Trotzdem ist sein Dienst wertvoll. Auch wenn Swamiji den Schülern das Gefühl gab, dass ihre Arbeit ein wichtiger Beitrag für die Mission war, wollte er ihnen  tatsächlich nur Möglichkeiten bieten, sich auf ihn einzustimmen und an ihm auszurichten, - und nicht, weil er ihren Dienst benötigt hätte. Er arbeitete hart daran, Arbeitsbereiche zu erstellen, in denen sie ihre Talente ausüben konnten, um ihnen so zu helfen, innerlich zu wachsen, damit die Kommunikation stattfinden könnte.   Zum Beispiel kamen einige Musiker in den Ashram. Zu ihrem Segen organisierte Swamiji Musikunterricht, kaufte die nötigen Instrumente, stellte einen Raum bereit usw. Auf diese Weise verwandelte sich der Sender in einen Empfänger. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji betonte immer wieder, dass sich der Schüler dem Meister unterwerfen sollte, aber er wusste auch, dass dies weder von Seiten des Schülers noch von Seiten des Meisters erzwungen werden konnte. Es musste geschehen; aber auch dies begünstigte er, indem er die notwendigem Umstände schuf für das Üben der Unterwerfung. Er könnte zum Beispiel ein Anliegen vorbringen, das er gerne erledigt hätte und dann eine ganze Reihe von Alternativen aufzählen. Selbstverständlich würde der Schüler sich für etwas entscheiden, und daran konnte Swamiji genau erkennen, wo der Schüler stand – war er arrogant oder nur eitel, gleichgültig oder heuchlerisch demütig oder war er wahrhaftig demütig im Geiste der Unterwerfung.  Gleichzeitig ermöglichte er es dem Schüler wahrzunehmen, wo er wirklich stand und gab ihm die Gelegenheit, sich selbst in der Situation zu studieren. Somit war der Schüler in die Lage versetzt, sein Ego und dessen Spiel zu erkennen. Wenn ihm dann das hässliche Treiben des Egos bewusst wurde, erwachte Unterwerfung in ihm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den ersten Jahren, war Swamiji sehr streng in der Zulasssung von Aspiranten im Ashram; denn sie mussten ein sehr hartes Leben leben. Er erläuterte Anwärtern in ganz klaren Worten, was die Bedingungen für ein Leben dort waren. Aber nachdem er den Ashram aufgebaut hatte und das leibliche Wohl der Sadhaks sichergestellt war, bemühte er sich eifrig darum, mehr und mehr Menschen im Ashram zuzulassen, damit alle eine Möglichkeit zu spirituellem Wachstum haben könnten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji arbeitete ohne Unterlass, damit die Aspiranten, die zu seinen Füßen Zuflucht gesucht hatten, vor den Schwierigkeiten bewahrt würden, denen er in der ersten Zeit in Rishikesh ausgesetzt war. Mit aller Macht wollte er verhindern, dass sie kostbare, mentale Energie vergeuden in Gedanken an das leibliche Wohl  - Essen, Kleidung, Unterkunft und medizinische Versorgung. Sie sollten frei sein, den Weg zu verfolgen, den sie eingeschlagen hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da er selbst die Gefahr von Extremen erfahren hatte, sagte er: „Es ist gut, wenn ihr Luxus ablehnt, aber zögert nicht, einfachen Komfort anzunehmen, der die Mindestnotwendigkeit  der physischen, menschlichen Existenz abdeckt.  Wenn Du für eine gewisse Zeit tüchtig arbeiten musst, dann versage Dir nicht  die notwendige, nahrhafte Nahrung. Während Du geistig arbeitest, halte etwas kühlendes Öl wie brahmi amla oil für Deinen Kopf parat . Lehne nicht das Obst ab, wenn ich es Dir anbiete.“  Daher drängte Swamiji die sadhakas, die mit Studier- und Schreibarbeiten beschäftigt waren, eine kleine Extraportion Milch und Ghee zu nehmen und bot ihnen auch Mandeln und Nüsse an. Wenn sie es ablehnten, war Swamijis Rat: „Das ist keine Weisheit. Wollt Ihr Diabetes und Nervenkrankheit herausfordern? Schaut her, was meine Entsagung bewirkt hat. Trockenes Brot und einfaches dhal sind nicht der einzige Test für „sadhuism“.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Niemand im Ashram hatte größere Gebrechen als Swamiji selbst, und trotzdem war da niemand, der härter gearbeitet hätte als er. Wenn er einen Aspiranten traf, dem es gerade nicht gut ging, und wenn es auch nur ein wenig Kopfweh war, sagte er: „Bitte geh‘ und ruhe dich aus!“ und er würde einen Arzt schicken und noch ein halbes Dutzend andere, die ihm beistehen sollten. Wenn aber er jedoch krank war, fegte er streng des Doktors Bitte beiseite, er solle doch dem Körper ein wenig Ruhe gönnen. In diesem einen Aspekt war ein riesiger Unterschied zwischen Swamijis Grundsatz und seiner eigenen Praxis. Er lebte selbst aufopfernden Dienst vor und predigte anderen: „Bitte kümmert Euch um Eure Gesundheit!“ Seine Liebe zu aufrichtigen sprirituellen Aspiranten war unvergleichlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahre 1946 war der Ashram ziemlich arm und es gab nur wenige Zimmer und keine Annehmlichkeiten und keinen Komfort. Es gab noch nicht einmal einen Schutz vor den Affen, die regelmäßig den Ashram überfielen. Ein sehr kleiner Raum  mit klapprigen Türen wurde „das Büro“ genannt, daran schloss sich ein kleiner Raum an mit niedriger Decke und niedrigem Eingang (Swamiji nannte diesem Raum Demuts-Eingang). Wenn man sich nicht niederbeugen würde, verlöre man den Kopf. An einem Mittag im Hochsommer war es so heiß, dass drei oder vier der Büroarbeiter sowohl die Bürotüre als auch die Verbindungstüren geschlossen hatten, und sich im hinteren Teil aufhielten. Wenn Swamiji zu Mittag aß, fragte er immer nach einem extra Teller. Darauf legte er dann einen Teil seines Essens. Nachdem er seine Mahlzeit gegessen hatte, bedeckte er seinen kahlen Schädel mit einem dünnen Stück Stoff und ging  unverzüglich mit dem Teller los, von Raum zu Raum und gab jedem seiner Schüler etwas von seiner Speise (In diesen Tagen war dies eine außergewöhnliche Sache, denn viele Swamis würden weder ihren Schülern noch sonst jemanden wissen lassen, was sie gegessen hatten).  Er riet ihnen mit mütterlicher Zuneigung: „Kommt bitte nicht raus, es ist zu heiß.“ An diesem besonderen Tag so gegen 1 Uhr mittags ging er in der sengenden Sonne zum Büro, den Teller in der Hand.  Als er sah, dass alle Türen geschlossen waren, nahm er an, die Schüler würden schlafen. So ging er in die Küche, die nebenan war, und fand dort einen Swami. Er gab ihm Essen und sagte: „Die drei Jungs ruhen sich im Büro aus. Bitte störe sie nicht, aber wenn sie aufwachen, gib ihnen dies hier.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein ganzes Leben lang war Swamiji mehr um andere besorgt als um sich selbst. Vielleicht bekam sein Körper dadurch so viele Krankheiten. Wie er nach seinen Schülern schaute,  die mütterliche Liebe, die seine Einstellung zu ihnen prägte, darin könnten sich sogar die warmherzigsten Eltern  von ihm unterweisen lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal, als Swamiji aus seiner Hütte heraustrat, kam ein Ashram-Arbeiter auf seinem Fahrrad vorbei. Sobald er Swamiji bemerkte, stieg er vom Fahrrad ab und ging zu Fuß weiter. Swamiji sagte: „All diese Formalitäten sind nicht nötig für mich. Liebe und Respekt haben ihren Sitz ihm Herzen; und Du solltest immer Liebe und Respekt für Ältere in Deinem Herzen haben. Dies werde ich wissen! Diese äußeren Formalitäten haben keine große Bedeutung für mich. Du gehst in der heißen Sonne umher, machst Einkäufe in Rishikesh und überwachst die Bauarbeiten. Zögere nicht, an Dich zu denken. Du musst jetzt etwas Kaltes trinken, und in einer halben Stunde solltest Du etwas Heißes trinken. Und wenn Du gerne etwas Obst vom Bazar hättest, so nimm gerne! Du hast die absolute Freiheit alles zu tun, um Deinen Körper in bester Gesundheit zu erhalten.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji betrachtete das Leben an den Ufern des heiligen Flusses Ganges zu Füßen des Himalya als einen Segen – mit ein wenig Mantra-Wiederholung (japa), Meditaiton und selbstlosem Dienst, und er war eifrig bemüht, die Tore dazu allen zu öffnen. Unzählige junge Männer suchten Schutz zu Swamijis Füßen als  Zuflucht in ihrer Not und Verzweiflung.  Swamiji hat niemanden nach seiner Vorgeschichte ausgefragt. In dem Moment, wenn Swamiji auch nur den Hauch von Verzweiflung in den Augen eines Neuankömmlings sah, bekam dieser das Gefühl, dass Swamiji genau auf ihn gewartet hat und dass er ihm einen großen Gefallen tun könnte, dem Ashram beizutreten. Welche psychologische Kraft dies gab ist nicht vorstellbar. Der notleidenden Person wurde das Gefühl von Größe gegeben und unmittelbar fühlte dieser Mensch, dass seine Vergangenheit ein schlechter Traum gewesen war und dass eine wunderbare Zukunft vor ihm läge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1945 ersuchte eine Frau Zuflucht im Ashram, die von ihrem Mann misshandelt worden war und die Familie  verlassen hatte. Selbst die leitenden Personen des Ashrams, die von Swamiji geschult waren, zögerten, der Frau Asyl zu gewähren.  Aber Swamiji blieb fest entschlossen, dass sie bleiben durfte. Allein der Gedanke daran, dass diese Frau ansonsten ihr Leben verlieren könnte reichte ihm aus, die ganze Welt zu ignorieren und nur diesem einen Menschen zu dienen. Ganze Bücher könnten damit gefüllt werden, auf welch wunderbare Weise Swamiji sie lehrte, ihre Leiden zu vergessen, ihren Geist zu beherrschen und letztendlich auf ihren eigenen Füßen zu stehen als eine unabhängige Stimme unter den Frauen Indiens. Von einer Belastung verwandelte Swamiji sie zu einer Bereicherung der Gesellschaft: ein wahrhaftiges Beispiel der Rehabilitation. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1955 begrüßte Swamiji einen Koch im Ashram. Der Koch hatte gar nicht vor, da zu bleiben und war überrascht, dass Swamiji bei der ersten Begegnung sagte: „Bitte bleibe hier. Du kannst ein Hotel in der Nachbarschaft eröffnen. Ich werde alles tun, Dich zu unterstützen.“   Er verfolgte die Sache weiterhin und bat den Sekretär, dem Koch einen Raum und die nötigen Utensilien für das Kochen zu besorgen, damit dieser seine Unternehmung starten könnte. Und er bot ihm sogar an: „Du kannst Lebensmittel vom Ashram nehmen und zu Deinem eigenen Gewinn verwenden.“  Etwas später verdeutlichte er seine Einstellung: „Es ist ein Segen, hier an den Ufern des Ganges, in Rishikesh, zu leben. Eines Tages könnte er die Sehnsucht verspüren, zu entsagen. Bis dahin ist es gut, ihn zu ermutigen, auch in seinem Streben nach Geld. Als erstes sorgen wir dafür, dass er hier bleibt, und dann bringen wir ihn langsam zu sadhana.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Frau hatte ihren Mann verloren und war rastlos. Daher kam sie nach Rishikesh und blieb in der Nähe des Ashrams. Sie sagte zu Swamiji: „Ich habe Juwelen im Wert von vier- bis fünftausend Rupien und dazu noch ein Haus. Ich möchte für immer hier bleiben. Wenn Du mir das erlaubst, werde ich das Haus und die Juwelen verkaufen.“ Swamiji antwortete: „Behalte das Haus und die Juwelen. Du kannst in Brindavan bleiben.“ Er gab ihr ein Empfehlungsschreiben mit für einen guten Sadhu in Brindavan und schickte sie dorthin. Und er wies sie an: „Bereise die umliegenden Ortschaften. Verbreite den Ruhm von Gottes Namen. Leite Kirtans an in jedem Haus. Unterrichte die kleinen Kinder.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für einige Zeit folgte sie Swamijis Anweisungen. Dann wurde sie psychisch krank. Sie kam zurück nach Rishikesh und machte verliebte Annäherungsversuche an Swamiji. Durch das Fenster warf sie Parfüm auf Swamijis Bett. Und wenn Swamiji die Tür zu seiner Hütte öffnete, kam sie herein um bei ihm zu sitzen. Er fuhr einfach fort mit seiner Arbeit, ohne auch nur daran zu denken, dass sie da war. Nach einer Weile ging sie dann aus eigenen Stücken wieder weg. Swamiji hätte sie auch auffordern können zu gehen; aber nein, er würde nie jemanden auch nur die kleinste Verletzung zufügen. Er war erfüllt von Liebe zu allen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem die Belästigungen heftiger wurden, bat uns Swamiji, einen Stacheldrahtzaun um seine Hütte zu errichten. Wenn sie den Zaun um Swamijis Hütte sah, verfiel sie oft in Raserei. Dann warf sie Steine auf Swamijis Hütte. Auch da bewahrte er seine Ruhe. Nach einiger Zeit verschwand sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Jahren kehrte sie im Mönchsgewand nach Rishikesh zurück. Sie war alt geworden. Swamiji wurde nie von einem Vorurteil  beeinflusst. „Sie könnte sich geändert haben. Jede Sekunde entwickelt man sich. Wir sollten niemanden nach seiner Vergangenheit beurteilen.“, sagte er. Das war sein Leitprinzip. Er erlaubte ihr, in der Nähe des Ashrams zu bleiben. Normalerweise ging sie täglich in den Bazar von Rishikesh, und eine zeitlang sang sie irgendwelchen Unsinn über Swami Sivananda vor jedem Geschäft. Sie beschimpfte und beleidigte ihn sogar in der Öffentlichkeit. Abends kam sie dann in den Ashram. Swamiji sandte ihr Früchte und Mandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Saat säen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Menschen, die sich inmitten von Zwietracht, Streit und Angst nach Frieden und Glück sehnten, fanden in „Sivananda Swami of Ananda Kutir“ (wie er von den Leuten in und um Rishikesh normalerweise genannt wurde) eine Vater-Figur, lieber als der eigene. Diejenigen  von religiösem und spirituellem Temperament , die sadhana zu ihrem einzigen Lebensziel gemacht hatten, fanden in ihm eine immerwährende Quelle der Weisheit und des Lichtes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit unterschiedlichen Menschen hatte Swamiji auch unterschiedliche Beziehungen. Einige weit entwickelte Aspiranten kamen zu ihm und in ihnen loderte das Feuer der Entsagung, der Verhaftungslosigkeit und der Unterscheidung. Sie zu lehren geschah auf anderen Kanälen. Swamiji wurde nur sehr selten mit ihnen gesehen, auch zogen sie nicht sehr nah zu ihm. Ihre Beziehung zu Swamiji war auf einer völlig anderen Ebene – der spirituellen Ebene. Es gab nur wenige solche Schüler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die große Mehrheit der anderen, mit denen Swamiji arbeitete und dichtauf lebte, waren unreife Aspiranten.  (Einige hatten nicht die geringste spirituelle Sehnsucht. Sie hatten bei Swamiji Unterschlupf gefunden, weil materielles Versagen sie von zu Hause vertrieben hatte und sie sonst umgekommen wären.)  Swamiji musste oft ihn ihnen den Samen von vairagya (Wunschlosigkeit, Verhaftungslosigkeit,Leidenschaftslosigkeit) säen! „Ihn abzuweisen, das kann ich nicht. Gebt ihm wenigstens die Möglichkeit, sich in einen besseren und glücklicheren Menschen zu verwandeln. Falls er versagt – macht nichts. Ein Versuch muss in jedem Fall gemacht werden.“ Solcher Art waren Swamijis Bemerkungen, wenn ein verstörter junger Mann dem Ashram beitreten durfte. So wurde von keinem Aspiranten eine Qualifikation gefordert. Es war eine Art Witz: wenn ein junger Mann sein Examen nicht bestanden hat oder sein Geschäft ruiniert hat – sucht nach ihm im Sivananda Ashram! Swamiji nahm sie großzügig auf und versuchte, sie zum Erwachen zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht alle Menschen, die bei Swamiji Zuflucht suchten, waren gute Menschen; aber er sah nur das Gute in ihnen; gegenüber dem Bösen war er blind. Wenn jemand einen schlechten Charakterzug hatte, würde er ihn nie verurteilen oder hart zu ihm sein. Normalerweise sagte er: „Macht Euch nichts daraus, wenn dieser Mann sogar bösartig ist; indem ich ihn herkommen lasse und ihm Obdach gewähre stelle ich sicher, dass es einen Schurken weniger gibt in Delhi!“ Das war seine Philosophie! „Allein die Tatsache, dass  derjenige hergekommen ist, zeigt, dass da eine kleine Öffnung ist, egal wie klein, durch die ein wenig Kommunikation stattfinden kann.  Lasst ihn hier bleiben, ich werde einen Samen säen. Während dieser Geburt, der nächsten Geburt, kümmert Euch nicht; diese Saat wird jetzt oder viele Jahre später aufgehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji sagte, dass es wohl zu viel verlangt ist von einer Person, die in der modernen Welt lebt und von alles Seiten mit Ablenkungen und Versuchungen überflutet wird, Leidenschaftslosigkeit und Unterscheidungsvermögen zu entwickeln. Er meinte, dass es möglich sein muss bei einem Menschen, der vor seinem eigenen Scheitern davonläuft,  einen Funken zu finden den man anfachen kann zu einer großen Flamme. Sogar wenn gar kein Funken vorhanden war, konnte er eine Flamme entfachen. Das war das Einmalige an Swami Sivananda. Er pflanzte die Samen der Güte, er nährte sie, goss sie und ließ sie wachsen und gedeihen; auch wenn dies ihm selbst ungeheure Schwierigkeiten bereitete, ihm machte das alles gar nichts aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nicht leicht nachzuvollziehen, was die Suchenden in den frühen 1940-er Jahren empfanden, wenn sie in den Ashram kamen. Einige hatten wohl Swami Sivanandas leidenschaftliche Worte in seinen Originalschriften gelesen, die so inspirierend waren, dass man auf der Stelle seine Kleider ablegen  wollte, um zum Himalaya zu eilen und dort Enthaltsamkeit zu praktizieren und sofort Selbstverwirklichung zu erreichen! Das war das Besondere an seinem Stil. Viele auf diese Weise inspirierte Menschen kamen in den Ashram. Oft liefen sie los, ohne sich umzuziehen, denn in Swami Sivanandas „How to Get Vairagya“ hatten sie gelesen „renounce everything“ (entsage allem) – und so entsagten sie allem. „seek solitude“ (suche die Einsamkeit, Abgeschiedenheit) – und so suchten sie Abgeschiedenheit im Ashram. Einige von ihnen könnten beim Betreten des Ashrams  entdeckt haben, dass andere, die schon vor ihnen angekommen sind, einen schönen Mantel trugen. Und dann dachten sie manchmal: „Aha, sie sind vom Wege abgekommen, sie sind gescheitert. Seht her, wie leidenschaftslos ich bin. Meine Sehnsucht ist viel größer als die Sehnsucht von diesen Leuten, die schon seit so langem mit Swami Sivananda zusammen sind. Sie wissen nicht, was tapas (Askese), vairagya (Wunschlosigkeit) und brennendes Verlangen ist. Jeden Morgen sitze ich hier um 4 Uhr und meditiere. Schau all die alten Ashrambewohner an!“  Swamiji beobachtete sie und schätzte sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Egal, was der Aspirant machte, zuerst kam die Ermutigung. Danach würde er ein wenig antreiben. „Enthusiasmus ist sehr gut. Du hat eine wunderbare Sehnsucht. Du bist großartig, Du bist wie Sukadeva. Aber jugendlicher Enthusiasmus ist nicht gut.“ Zuerst eine große Menge Lob, danach eine kleine bittere Pille, das war seine Methode. Niemand sollte entmutigt werden oder das Gefühl bekommen dass das, was er tat, völlig falsch sei. Seine Einstellung war: „Nein, mach das, es ist wunderbar, aber stelle sicher, dass es nicht nur jugendlicher Enthusiasmus ist, etwas, das später ein Rückschlag sein könnte.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Aspiraten nicht nur noch ganz roh waren, sondern auch noch in keiner Weise erwacht, musste auch das Erwachen vom Meister beeinflusst werden. Bei einer Gelegenheit gingen sehr erfahrene Schüler mit allerhand Beschwerden zu Swamiji. Er  musste auch sie zufriedenstellen, also gab er vor, wirkllch ärgerlich zu sein. Sehr zufrieden gingen die erfahrenen Schüler davon und dachten, dass Swamiji sich nun den jungen Aspiranten vornehmen würde. Genau das Gegenteil geschah: der Mann, über den sie sich beschwert hatten, bekam als erstes einige Bananen.  Damals gab es im Ashram einen kleinen Jungen, der Swami Sivananda diente, und der kam dann angelaufen und sagte: „Swamiji gibt Dir Früchte“. Eine halbe Stunde später würde jemand anderes kommen: „Swamiji lässt Dir Kaffee bringen.“ Und eine Stunde später würde er persönlich erscheinen und sagen: „Du bist hervorragend und glänzend. Meditierst Du gut? Machst Du Japa (Mantrawiederholung)?  Gut. Studierst Du vedanta? Sehr gut“  Was wurde nun aus all den Beschwerden?  Swamiji würde beobachten, ob all die Ermunterungen wirken würden. Anstatt zu sagen: „Du bist ein schlechter Kerl.“ Bestand Swamiji darauf, sich auf die guten Eigenschaften in Dir zu konzentrieren, Dir zu sagen, dass Du ein guter Arbeiter bist, auch wenn Du kein spirituelles Verlangen und keine Hingabe hattest. Er würde sagen: „Du bist ein großartiger Arbeiter. Da ist niemand, der so hart arbeitet wie Du.“  Dann würde er freundlich hinzufügen: „Immer, wenn Du arbeitest, sehe Gott in allem. Warum hilfst Du nicht in der Küche und gibst Essen aus? Du bist ein großartiger Mann, Du hast einen hübschen Körper und eine schöne Stimme. Wenn Du roti servierst, sage Bhagavan roti, roti Narayan, roti Maharaj.“  In diesem Moment wurde die Saat der spirituellen Sehnsucht gesät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji tat für Aspiranten, was sogar die liebevollsten Eltern nicht immer tun würden. In dem Moment, in dem sich auch nur die leiseste Spur eines Talentes bei einem Aspiranten zeigen würde, widmete er sich persönlich dem Erwecken und vollen Entfaltung dieses Talentes des Aspiranten. Tag und Nacht würde er  über Mittel und Wege  nachsinnen, wie der sadhaka sich entfalten könnte;  letztendlich zum Segen der ganzen Menschheit. Auf diese Weise wurden einige Abteilungen im Ananda Kutir gegründet und fortgeführt. 1948  trat ein junger Mann dem Ashram bei; er sagte, dass er sich mit Papierherstellung auskennen würde. Am folgenden Morgen ließ Swamiji eine Grube ausheben und ließ Rohmaterialien anliefern, damit dieser junge Mann, der keinerlei Qualifikationen (Swamiji fragte auch niemals danach) nachweisen konnte, seine Ideen verwirklichen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji nahm so ein aufrichtiges Interesse in all diese Unternehmungen, dass man denken könnte, er hätte gerade darauf gewartet, dass eine Person kommt und ihm genau bei dieser Arbeit hilft. So umfassend und gründlich war seine Begeisterung, dass er in kurzer Zeit Vorschläge machen konnte, wie man diese Arbeit, in der der Aspirant ja eigentlich der Experte war, besser erledigen könnte. So war es auch mit dem Fotostudio im Ashram.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Läuterung/Reinigung&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji hat manchmal betont, dass atma jnana (Selbstverwirklichung) denkbar einfach ist. Es ist ganz einfach, ABER die vorbereitende Reinigung, die eine Voraussetzung ist, ist extrem schwierig. Wenn die Reinigungsübungen anstanden, wendete er sehr einfache Methoden an, die aber sehr tiefgreifend in ihrer Wirkung waren. Die Übungen mussten kontinuierlich gemacht werden (im Sinne von Wiederholung). Swamiji musste sie wieder und wieder und wieder machen. Er hatte eine solche Geduld, dass er niemals jemanden als hoffnungslosen Fall betrachtete. Wenn ein Schüler den Sinn auf die eine Weise nicht einsehen konnte, würde Swamiji es so oder so abwandeln. Swamiji drehte und wendete es, bis eines Tages, so hoffte er, der Schüler einsehen würde, was er ihm versuchte beizubringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn jemand eine Schwäche hatte, war Swamiji demgegenüber blind und sagte: „Er hat einige Schwächen, aber er hat auch einige großartigen Fähigkeiten.“  Er wählte die Methode, niemals die Fehler einer Person hervorzuheben, es sei denn, dass es nötig wäre.  – Zum Beispiel im Falle einer Konfrontation  mit einem anderen Schüler, wenn man Swamiji  die Angelegenheit vorgetragen hatte und beide vor ihm erscheinen mussten. Und wenn er einen Tadel aussprechen musste, tat er es ganz liebenswürdig. Als erstes würde er den Aspiranten loben. „Du hast diese und jene gute Eigenschaft. Als erstes ist es  Dein größtes Glück, dass Du der Welt entsagt hast, hierher gekommen bist und im Ganges gebadet hast. Du musst in hunderten von vergangenen Leben spirituell praktiziert haben, um so spirituell veranlagt zu sein. Und Du musst Dir die Gnade von Tausenden von Heiligen verdient haben, um hierher in den Ashram geführt zu werden, damit Du ein spirituelles Leben leben kannst.“  Dann würde er hinzufügen: „Warum möchtest Du streiten? Es ist nur ein kleiner Fehler. Werde nicht gereizt. Wenn Du gereizt bist, könntest es all Deine Bemühungen vereiteln. Hast Du schon gefrühstückt? Was hattest Du? Kaffee oder Tee? Soll ich Dir noch etwas besorgen?“  Ein Bündel Bananen kamen zuerst, dann ein klein wenig prick gefolgt von Butter und Honig.  Nachdem die Bananen verdaut waren und auch die Butter und der Honig gegessen, dämmerte Erkenntnis: „DIES wollte mir Swamiji sagen!“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamiji hielt seine Schüler nie in einem Zustand der Anspannung. Er machte Druck, sein Training voranzutreiben, aber sobald er merkte, dass ein Schüler zusammenbrach, lockerte er alle Regeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das grundlegende Prinzip in all dem war, dass niemand jemals von Swamiji kritisiert wurde. Kritik hätte alles ineffektiv gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Das Wohlergehen der Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tag und Nacht hatte Swamiji nur einen Gedanken: Wohlergehen, Wachstum und Fortschritt (weltlich und spirituell) seiner Schüler. Oftmals erhob er sich zu einem leidenschaftlichen Appell an seine geliebten Schüler, er drängte sie mit feurigen Worten, alle Spuren von persönlicher Wichtigkeit auszurotten und sich  der edlen Idee des Dienstes an der Welt hinzugeben. Er schilderte ihnen auf packende und mitreißende Weise die Herrlichkeit des selbstlosen Dienens und der Verehrung Gottes als das Größte und Großartigste von allem Yoga. Wie alle Aspiranten fühlten sie sich manches mal bestürzt über die Endlosigkeit und  Weite der menschlichen Probleme und des Leidens. Dann munterte Swamiji sie auf mit der ausdrücklichen Versicherung, dass ein Leben des selbstlosen Dienens nie ein Misserfolg sei. Er rüttelte sie auf mit Worten wie diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kümmert Euch nicht darum, ob Selbstverwirklichung kommt oder nicht. Strengt Euch größtmöglich an, Euch ethisch zu verbessern und macht Euch perfekt für den Dienst an der Menschheit. Seht Gott in jedem Menschen. Betrachtet jeden Menschen als Gott. Wenn Eure Vorstellung von Gott beinhaltet, dass ER alldurchdringend ist, warum könnt Ihr IHN dann nicht in allen Wesen erkennen? Was hindert Euch daran, Euren Glauben in die Tat umzusetzen? Ihr müsst die Vorstellung aufgeben, dass ER nur hinter geschlossenen Augen und Türen vorhanden ist. Fühle SEINE Gegenwart in jedem und allem während Du dienst; und schaue dann, ob ER nicht im Grunde Deines Herzens strahlt in SEINEM eigenen Klang.  Wenn das Herz noch nicht frei ist von allen Unreinheiten und die niedere Natur nicht befreit ist von Schmutz, wie kann dann spirituelle Erfahrung zu Dir kommen? Bevor Du nicht Deine eigene Natur perfekt gemacht hast, kannst Du unmöglich die Wahrheit eines Wesens erkennen, das die reine Essenz der Vollendung ist. Rotte zuerst Egoismus, Ärger, Hass, Gier und Doppelzüngigkeit aus und sei aufrichtig und von ganzem Herzen  bei Deinem selbstlosen  Dienst. Wenn  Du es schaffst, zehn Menschen ein klein wenig Gutes zu tun, wenn Du erfolgreich einen schlechten Charakterzug  völlig ausrotten kannst und dafür eine einzige edle Tugend vollständig entwickeln kannst, sei sicher, dass Dein Leben nicht umsonst gelebt wurde. Und sogar nur zehn Menschen von einer Million erreichen kaum jemals dies. Was soll’s, wenn Du nicht samadhi und Selbstverwirkllichung erreichst?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kopf hoch, sei guten Mutes! Sei mit Leib und Seele bei der Arbeit. Ich garantiere Dir, dass Du Dich gesegnet und glücklich fühlen wirst. Sei nicht unzufrieden mit Deinem Los oder niedergeschlagen wegen Deinem Fortschritt. Handle nach meinem Wort. Habe ich nicht über Dein spirituelles Wohl nachgedacht?  Dann, wenn Du nur könntest, würdest Du sehen, dass Tag und Nacht, in jedem Augenblick, mein Herz in Sorge über Dein Wohlergehen schlägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer dem „direkten Familienkreis“ von Aspiranten, Studenten und Arbeitern gab es viele Suchenden in anderen Ländern, die große Zuneigung  zu Swami Sivananda hatten und ihn verehrten. Ihnen war er ein spiritueller Führer und Meister. Swamiji beantwortete ihre Briefe prompt, ging auf alle ihre Fragen ein und leitete sie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Dazu schrieb Swami Sahajanandaji  aus Durban, Südafrika&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Anhänger und Verehrer von Swamiji muss erfahren haben, dass man die grenzenlose Gnade und Barmherzigkeit nur stillen Herzens und nicht mit Worten ausdrücken kann. Irgendwo habe ich gelesen, dass Swamijis Wohltätigkeit als „unbesonnen“ bezeichnet wurde. Aber ich denke, dass seine Gnade und Liebe sogar noch reichlicher vorhanden waren als die Wohltätigkeit.  Es ist nicht bemerkenswert, wenn ein Erster-Klasse-Aspirant die Gnade eines Meisters erhält. Aber wenn jemand sich qualvoll abmüht auf dem Weg zur Gottverwirklichung und erfährt dann ganz direkt die liebevolle Beachtung eines großen Heiligen, wird dieser Mensch sicherlich vor Ehrfurcht erzittern und eine unausprechliche Dankbarkeit wird ihn erfüllen. Leider war ich auch jemand, der nicht „rein“ geboren wurde oder mit einer großen Portion spiritueller samskaras  (= geistige Eindrücke aus dem jetzigen und den früheren Leben, die im Unterbewussten liegen) ausgestattet war. Aber durch Swamijis Gnade erreicht man langsam aber sicher das Ziel. Die Liebe und Fürsorge , die Swamiji einem fünftklassigen Aspiranten wie mir hat angedeihen lassen,  weist ihn als gottverwirklichten Heiligen aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl wir tausende von Meilen entfernt von seiner physischen Gegenwart lebten, kümmerte sich Swamiji um uns auf die gleiche Weise, wenn nicht noch besser, als um diejenigen, die in seiner Umgebung im Ashram lebten.  Hier einige Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor einiger Zeit schrieb ich ihm einen dringenden Brief wegen physischer Beschwerden. Das war gerade zu der Zeit, als Swamiji von seiner „All-India“-Reise zurückgekehrt war. Obwohl er sicherlich hunderte von Briefen zu beantworten hatte, war er so gütig, mir noch am selben Tag zu antworten. Neulich schrieb ich ihm von einer Veränderung meiner sadhana Praxis. Zurück kam eine zweiseitige Antwort in seiner eigenen Handschrift. Und noch bemerkenswerter war, dass Swamiji selbst den Brief adressiert und zur Post gebracht hatte; und das rührte mein Herz und ließ es zutiefst erbeben. Stellt Euch einen  bedeutungslosen Menschen vor wie mich, der mit so viel von seiner Liebe überschüttet wird! Und was für aufmunternde und tröstende Worte sein Brief erhielt! Jedes Wort ist durchtränkt mit der Wärme seiner grenzenlosen Liebe. Es ist diese Liebe, die dazu führt, das wir uns unwürdig fühlen, seinen kostbaren Segen zu empfangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamijis Buchgeschenke erreichten uns dutzendweise. Wenn ich ihn um ein Buch bat, schickte er sechs. Auch wenn beantragt war, dass die Bücher erst nach der Bezahlung geschickt werden sollten, kamen sie mit unverzagter Beharrlichkeit an. Nicht nur die Geschenk-Bücher erreichten die Gestade meines Landes, sondern auch herrlich frisches, süßes prasad kam, in Dosen verpackt, hier an. Es ist sicherlich nicht fehl am Platze, hier eine Erfahrung widerzugeben, die mein Freund, Sri G. V. Naidoo, bei einem Ashram-Besuch gemacht hat. Sobald er Swamiji traf, wurde er buchstäblich mit Liebe überschüttet. Swamiji widmete sich ihm persönlich, und mein Freund ging dann mit einem Stapel Bücher in den Händen. Dann erzählte er noch, wie er ein Bild von Swamiji bewunderte, das an der Wand hing – eine Ansicht von Swamijis tapas (Askese-Übungen) -   und Swamiji hatte es von der Wand abgenommen und ihm geschenkt. Welch eine außerordentlich seltene Großzügigkeit strahlt aus Swamijis Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swamijis Heilkräfte wurden auch im entfernten Südafrika bewiesen. Zwei Fälle habe ich persönlich erlebt. Einer meiner Freunde, der ein Patient im T. B. Settlement war, litt an einer schweren Schlafstörung. Ich schrieb deswegen an Swamiji. Seine sofortige Antwort enthielt Anweisungen, wie man das Problem beseitigen könnte. Obwohl der Patient nicht den Anweisungen folgte, schlief er daraufhin gut. Nach einigen Wochen, wurde er wieder von Schlaflosigkeit geplagt. Es ist ein Jammer, dass die Anweisungen nicht befolgt wurden.  Das andere Beispiel betraf einen persönlichen Freund von mir, der an schlimmen und schmerzhaften Leberflecken auf den Händen litt. Wieder schrieb ich an Swamiji. Das von ihm empfohlene einfache Mittel wurde angewendet und die Leberflecken meines Freundes gingen vollkommen zurück. Das ist nun Monate her und die Probleme sind nicht wieder aufgetaucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie löst Swamiji die Alltagsprobleme der Aspiranten, die nicht in der glücklichen Lage sind, seine mündlichen Anweisungen zu hören? Das geschieht auf eigentümliche Weise. Wenn ich manchmal mit einem schwerwiegenden Problem konfrontiert bin, nehme ich einfach eins von Swamijis Büchern in die Hand und schlage irgend eine Seite auf – und schon springt mir die genaue Lösung für meine Probleme in die Augen! Manchmal vielleicht erreicht mich Swamijis innere Führung während der Meditation; oder es kann passieren, dass ein Ereignis oder eine Person mir die richtige Antwort gibt. Man muss allerdings wachsam sein, die richtige Führung zu empfangen. Aber in den meisten Fällen würden Swamijis Bücher uns helfen. Dies war auch die Erfahrung der anderen Anhänger hier. Es passiert so oft, dass wir keinen Zweifel daran haben, dass Swamiji all unsere Schwierigkeiten kennt  und dass seine Führung immer bei uns ist, egal wie viele Meilen uns von ihm trennen. Swamiji hat auch vollkommene Einsicht in unsere Herzen und unseren Geist, und niemand kann ihm etwas vormachen. Einmal schrieb ich ihm einen Brief und suchte Antworten auf einige Fragen spiritueller Natur. Swamiji fand die Wahrheit heraus, dass nämlich die Antworten dafür benötigt wurden, jemand anderes herabzuwürdigen – und er gab keine direkte Antwort. Von da an traute ich mich nicht  mehr, irgendwas vor ihm zu verheimlichen. Wir haben auch festgestellt, dass alles, was er sagte, früher oder später auch eintreffen würde. Seine Worte waren unfehlbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Geheimnis, wie man Swamijis Gnade erreichen kann, ist ihm von ganzem Herzen zu dienen. Ein kleiner Dienst an Kranken hier oder das Verteilen von einigen Schriften  dort – und schon hast Du einen Platz in seinem großen Herzen eingenommen. Jeder einzelne von den Tausenden von Schülern und Anhängern kennt diese Wahrheit. Dienst an Swamiji (ich nenne das Sivayoga) ist der großartigste Yoga dieser Zeit. Lass all diejenigen, die den vielen Wegen zu Gott folgen wollen, dies tun. Aber meine größte Freude ist es, Swamiji zu dienen, egal, ob es zur Gottesverwirklichung führt oder nicht.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Karli</name></author>
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		<title>Schüler</title>
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		<updated>2012-12-28T13:49:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Karli: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Meister und Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Zusammengestellt von Sri [[Swami Venkatesananda]]   (*29.12.1921 in [[Tanjore]], [[Südindien]], †2.12.1982 in Johannesburg, Südafrika)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen Büchern hat Swamiji das Wesentliche des traditionellen Lehrens vermittelt, und in diesen Unterweisungen hat er die geheime Botschaft preisgegeben, wie man mit der Wahrheit  in Verbindung bleiben kann und wie man sie zu einem ganzheitlichen Aspekt seines Lebens machen kann. Er verkörperte dieses Lehren.  Zum  Beispiel, obwohl sein ganzes Leben im wahrsten Sinne des Wortes aus Karma Yoga bestand, waren seine Schriften zu Karma Yoga sehr spärlich. Obwohl er nicht viel unterrichtete, waren die wenigen Worte der Unterweisung, die seine Schüler von ihm hörten, unvergesslich. Er selbst war meistens die lebendige Wahrheit.  Durch seine Taten sprach er lauter als durch einen  Lautsprecher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erleuchtete Guru kann seine wesentlichen Erfahrungen nicht in Worte fassen. Was niedergeschrieben wurde oder was in Worten ausgedrückt wurde,  ist nur ein Bruchstück der Erfahrung des Weisen. Da ist etwas, das er erfahren hat, das unaussprechlich ist. Sogar der kleine Teil, den er ausdrücken kann, geht bei der Übermittlung verloren, da der Schüler nicht achtsam ist. Daher hat Swamiji nur selten die Zuhörer aufgefordert, eigene Notizen zu machen, sondern sie sollten den Dialog oder die Unterhaltung hinterher aufschreiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommunikation ist fast immer non-verbal. Oft hat man gemerkt, dass ein hoch inspirierender Dialog, wenn er schnell niedergeschrieben wurde, nicht mehr so inspirierend war, weil Swamijis „hm“, ein Lächeln und ein Ausdruck von Gesicht und Augen eine gewaltige Wirkung und Bedeutung hatten. In diesem Bereich fand die Kommunikation statt! Kommunikation kann nur stattfinden, wenn Meister und Schüler miteinander verschmelzen, wenn sie auf der gleichen Ebene und Wellenlänge sind. Dann wird die Lehre aufgenommen, ohne dass ein Wort nötig wäre. In den Katha Upanishad heißt es: &lt;br /&gt;
Uttishtata jagrata prapya varan nibodhata. (Arise, awake, be vigilant; then approach a great master and attain enlightment = erhebe Dich, erwache,  sei achtsam; dann trete an einen großen Meister heran und erlange Erleuchtung).&lt;br /&gt;
Das Erheben und Erwachen sind Sache des Schülers und nicht des Meisters; aber Swamiji wich von dieser Regel ab und gewährte auch Menschen Zugang zum Ashram, die nicht all diese Qualifikationen aufwiesen. Er verbarg die spirituelle Weisheit nicht – sie war da, öffentlich – und er stellte sie nicht zur Schau. Das war ein außergewöhnlicher Wesenszug an ihm.  Viele Swamis und Yogis würden auf eine einfache Frage wie „Kann man im Winter im Ganges baden?“  eine lange Rede über Vedanta halten: „Du bist nicht der Körper, Du bist nicht der Geist. Du bist das unsterbliche Selbst. Es ist nicht das unsterbliche Selbst, das die Kälte spürt, es sind Körper und Geist, die die Kälte fühlen!“ Swamiji sprach nie so. If at all, he erred on the other side. Er war mehr an dem körperlichen und intellektuellen Wohlergehen der Aspiranten interessiert, anstatt bei jedem Husten oder Niesen jedesmal irgendwelche religiösen Anweisungen auszusprechen. Er wartete darauf, dass der Aspirant eine spirituelle Frage stellt, und wenn der Fragende eifrig und begeistert war, kommunizierte er Wissen auf unerklärliche Weise.&lt;br /&gt;
Damals war es für Heilige Tradition, sich in einer Höhle zu verbergen und zu warten, bis ein qualifizierter Aspirant sich nähern würde. Ein Aspirant, der schon ein inneres Erwachen erfahren hatte, der aufmerksam und begeistert war und der unter Einsatz von viel Kraft und Zeit sich die Mühe gemacht hat, zu ihm zu gelangen, um den Heiligen um Unterweisung zu bitten. Im Großen und Ganzen übernahm Swami Sivananda diese Tradition, indem er „seine Weisheit unter einem großen Mantel verbarg“. Die Menschen, die zu ihm kamen,  erinnerten sich an seine Zuneigung und Liebe und seine großen Sorge um ihr körperliches und materielles Wohlergehen. Dies waren seine Hauptsorgen – Weisheit oder atma jnana kamen zu ihrer Zeit. Wenn aber ein Schüler in vollkommener Hingabe und Liebe mit ihm verschmolz, konnte non-verbale Kommunikation sehr leicht geschehen. Dies war sein Geheimnis. Denn er hatte erkannt, dass keine mündlichen Unterweisungen irgendwie fruchten würden, solange der Aspirant nicht Weisheit, Leidenschaftslosigkeit, edle und tugendhafte Eigenschaften und ein beständiges Streben nach Befreiung hat – und somit die non-verbale Kommunikation unmöglich ist.&lt;br /&gt;
Anhängerschaft (discipleship)&lt;br /&gt;
Wenn die Leute in der Anfangszeit nach Rishikesh kamen, fanden sie Swami Sivananda, wie er Glückseligkeit, Frieden und Freude verströmte, obwohl all die Dinge fehlten, von denen man denkt, dass sie für Frieden, Freude und Wohlstand  nötig sind. Es gab absolut nichts. Unter solchen Umständen lebend verströmte er trotzdem Freude. Wie konnte er so leben? Der Blick in seinen Augen verriet, das er die Wahrheit gefunden hatte. Wenn man in seine Augen schaute erkannte man, dass er die Wahrheit gefunden hatte und man selber nicht.  Das allein machte demütig und man warf sich nieder zu seinen Füßen. &lt;br /&gt;
Anfang 1947 saß Swami Sivananda in seinem Büro. Ein junger Mann aus Südafrika, der im Ashram für 2 oder 3 Monate gelebt hatte, musste an diesem Tag abreisen. Er trat ein, fiel vor Swami Sivananda auf die Knie und begann zu weinen. Mit höchster Liebe und Zuneigung schaute Swamiji ihn an. Der junge Mann sagte: „Swamiji, ich muss heute abreisen. Aber wo in Afrika werde ich einen Meister wie Dich finden?“&lt;br /&gt;
Plötzlich veränderte sich Swamijis Gesichtsausdruck, und mit einem unheimlich schönen, vielsagenden und verschmitztem Lächeln sagte er: „Hm, Du findest keinen Meister in Afrika?“ In diesem Moment verschwand der Kummer des jungen Mannes und seine Tränen trockneten. Swamiji lachte, blickte ihn fest an und sagte: „Es ist sehr leicht, einen Meister zu finden, aber es ist schwer, einen Schüler zu finden. Sei ein Schüler! Vom Scheitel bis zur Sohle sei ein Schüler! Dann wirst Du einen Meister finden.“&lt;br /&gt;
Swamiji sagte niemals „Ich bin Dein Meister“. Manchmal pflegte er zu sagen „Du bist mein Schüler“  oder „er ist mein Schüler“. Seinen ersten Schülern schrieb er: „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen, ich werde Dir dienen und Dich leiten.“ Wenn er sagte „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen“, dachten die Schüler, sie dürften Swamiji in Anspruch nehmen und könnten ihm freizügig schreiben. Genau das wollte er auch. Der nächste Satz war „ich werde Dir dienen“. Der Schüler sollte eigentlich dem Meister dienen! In dieser Formulierung hob er die Vorstellung von ihm als Guru auf. Er betrachtete sich selbst nie als Guru. &lt;br /&gt;
Dem Meister zu dienen ist besonders wichtig. Indem man dem Meister dient, entdeckt man seine Wellenlänge und wie man sich zu ihr erheben kann. Der Schüler macht etwas auf bestimmte Weise, in einer bestimmten Geisteshaltung – aber der Meister macht es anders, es mag sogar seine Eigenart sein. Aber wenn es der Schüler nicht lernt, Dinge in der Art und Weise des Meisters zu tun, wird er sich nicht auf die Wellenlänge des Meisters einstellen können. Trotzdem ist sein Dienst wertvoll. Auch wenn Swamiji den Schülern das Gefühl gab, dass ihre Arbeit ein wichtiger Beitrag für die Mission war, wollte er ihnen  tatsächlich nur Möglichkeiten bieten, sich auf ihn einzustimmen und an ihm auszurichten, - und nicht, weil er ihren Dienst benötigt hätte. Er arbeitete hart daran, Arbeitsbereiche zu erstellen, in denen sie ihre Talente ausüben konnten, um ihnen so zu helfen, innerlich zu wachsen, damit die Kommunikation stattfinden könnte.   Zum Beispiel kamen einige Musiker in den Ashram. Zu ihrem Segen organisierte Swamiji Musikunterricht, kaufte die nötigen Instrumente, stellte einen Raum bereit usw. Auf diese Weise verwandelte sich der Sender in einen Empfänger. &lt;br /&gt;
Swamiji betonte immer wieder, dass sich der Schüler dem Meister unterwerfen sollte, aber er wusste auch, dass dies weder von Seiten des Schülers noch von Seiten des Meisters erzwungen werden konnte. Es musste geschehen; aber auch dies begünstigte er, indem er die notwendigem Umstände schuf für das Üben der Unterwerfung. Er könnte zum Beispiel ein Anliegen vorbringen, das er gerne erledigt hätte und dann eine ganze Reihe von Alternativen aufzählen. Selbstverständlich würde der Schüler sich für etwas entscheiden, und daran konnte Swamiji genau erkennen, wo der Schüler stand – war er arrogant oder nur eitel, gleichgültig oder heuchlerisch demütig oder war er wahrhaftig demütig im Geiste der Unterwerfung.  Gleichzeitig ermöglichte er es dem Schüler wahrzunehmen, wo er wirklich stand und gab ihm die Gelegenheit, sich selbst in der Situation zu studieren. Somit war der Schüler in die Lage versetzt, sein Ego und dessen Spiel zu erkennen. Wenn ihm dann das hässliche Treiben des Egos bewusst wurde, erwachte Unterwerfung in ihm. &lt;br /&gt;
In den ersten Jahren, war Swamiji sehr streng in der Zulasssung von Aspiranten im Ashram; denn sie mussten ein sehr hartes Leben leben. Er erläuterte Anwärtern in ganz klaren Worten, was die Bedingungen für ein Leben dort waren. Aber nachdem er den Ashram aufgebaut hatte und das leibliche Wohl der Sadhaks sichergestellt war, bemühte er sich eifrig darum, mehr und mehr Menschen im Ashram zuzulassen, damit alle eine Möglichkeit zu spirituellem Wachstum haben könnten. &lt;br /&gt;
Swamiji arbeitete ohne Unterlass, damit die Aspiranten, die zu seinen Füßen Zuflucht gesucht hatten, vor den Schwierigkeiten bewahrt würden, denen er in der ersten Zeit in Rishikesh ausgesetzt war. Mit aller Macht wollte er verhindern, dass sie kostbare, mentale Energie vergeuden in Gedanken an das leibliche Wohl  - Essen, Kleidung, Unterkunft und medizinische Versorgung. Sie sollten frei sein, den Weg zu verfolgen, den sie eingeschlagen hatten.&lt;br /&gt;
Da er selbst die Gefahr von Extremen erfahren hatte, sagte er: „Es ist gut, wenn ihr Luxus ablehnt, aber zögert nicht, einfachen Komfort anzunehmen, der die Mindestnotwendigkeit  der physischen, menschlichen Existenz abdeckt.  Wenn Du für eine gewisse Zeit tüchtig arbeiten musst, dann versage Dir nicht  die notwendige, nahrhafte Nahrung. Während Du geistig arbeitest, halte etwas kühlendes Öl wie brahmi amla oil für Deinen Kopf parat . Lehne nicht das Obst ab, wenn ich es Dir anbiete.“  Daher drängte Swamiji die sadhakas, die mit Studier- und Schreibarbeiten beschäftigt waren, eine kleine Extraportion Milch und Ghee zu nehmen und bot ihnen auch Mandeln und Nüsse an. Wenn sie es ablehnten, war Swamijis Rat: „Das ist keine Weisheit. Wollt Ihr Diabetes und Nervenkrankheit herausfordern? Schaut her, was meine Entsagung bewirkt hat. Trockenes Brot und einfaches dhal sind nicht der einzige Test für „sadhuism“.“&lt;br /&gt;
Niemand im Ashram hatte größere Gebrechen als Swamiji selbst, und trotzdem war da niemand, der härter gearbeitet hätte als er. Wenn er einen Aspiranten traf, dem es gerade nicht gut ging, und wenn es auch nur ein wenig Kopfweh war, sagte er: „Bitte geh‘ und ruhe dich aus!“ und er würde einen Arzt schicken und noch ein halbes Dutzend andere, die ihm beistehen sollten. Wenn aber er jedoch krank war, fegte er streng des Doktors Bitte beiseite, er solle doch dem Körper ein wenig Ruhe gönnen. In diesem einen Aspekt war ein riesiger Unterschied zwischen Swamijis Grundsatz und seiner eigenen Praxis. Er lebte selbst aufopfernden Dienst vor und predigte anderen: „Bitte kümmert Euch um Eure Gesundheit!“ Seine Liebe zu aufrichtigen sprirituellen Aspiranten war unvergleichlich.&lt;br /&gt;
Im Jahre 1946 war der Ashram ziemlich arm und es gab nur wenige Zimmer und keine Annehmlichkeiten und keinen Komfort. Es gab noch nicht einmal einen Schutz vor den Affen, die regelmäßig den Ashram überfielen. Ein sehr kleiner Raum  mit klapprigen Türen wurde „das Büro“ genannt, daran schloss sich ein kleiner Raum an mit niedriger Decke und niedrigem Eingang (Swamiji nannte diesem Raum Demuts-Eingang). Wenn man sich nicht niederbeugen würde, verlöre man den Kopf. An einem Mittag im Hochsommer war es so heiß, dass drei oder vier der Büroarbeiter sowohl die Bürotüre als auch die Verbindungstüren geschlossen hatten, und sich im hinteren Teil aufhielten. Wenn Swamiji zu Mittag aß, fragte er immer nach einem extra Teller. Darauf legte er dann einen Teil seines Essens. Nachdem er seine Mahlzeit gegessen hatte, bedeckte er seinen kahlen Schädel mit einem dünnen Stück Stoff und ging  unverzüglich mit dem Teller los, von Raum zu Raum und gab jedem seiner Schüler etwas von seiner Speise (In diesen Tagen war dies eine außergewöhnliche Sache, denn viele Swamis würden weder ihren Schülern noch sonst jemanden wissen lassen, was sie gegessen hatten).  Er riet ihnen mit mütterlicher Zuneigung: „Kommt bitte nicht raus, es ist zu heiß.“ An diesem besonderen Tag so gegen 1 Uhr mittags ging er in der sengenden Sonne zum Büro, den Teller in der Hand.  Als er sah, dass alle Türen geschlossen waren, nahm er an, die Schüler würden schlafen. So ging er in die Küche, die nebenan war, und fand dort einen Swami. Er gab ihm Essen und sagte: „Die drei Jungs ruhen sich im Büro aus. Bitte störe sie nicht, aber wenn sie aufwachen, gib ihnen dies hier.“&lt;br /&gt;
Sein ganzes Leben lang war Swamiji mehr um andere besorgt als um sich selbst. Vielleicht bekam sein Körper dadurch so viele Krankheiten. Wie er nach seinen Schülern schaute,  die mütterliche Liebe, die seine Einstellung zu ihnen prägte, darin könnten sich sogar die warmherzigsten Eltern  von ihm unterweisen lassen. &lt;br /&gt;
Einmal, als Swamiji aus seiner Hütte heraustrat, kam ein Ashram-Arbeiter auf seinem Fahrrad vorbei. Sobald er Swamiji bemerkte, stieg er vom Fahrrad ab und ging zu Fuß weiter. Swamiji sagte: „All diese Formalitäten sind nicht nötig für mich. Liebe und Respekt haben ihren Sitz ihm Herzen; und Du solltest immer Liebe und Respekt für Ältere in Deinem Herzen haben. Dies werde ich wissen! Diese äußeren Formalitäten haben keine große Bedeutung für mich. Du gehst in der heißen Sonne umher, machst Einkäufe in Rishikesh und überwachst die Bauarbeiten. Zögere nicht, an Dich zu denken. Du musst jetzt etwas Kaltes trinken, und in einer halben Stunde solltest Du etwas Heißes trinken. Und wenn Du gerne etwas Obst vom Bazar hättest, so nimm gerne! Du hast die absolute Freiheit alles zu tun, um Deinen Körper in bester Gesundheit zu erhalten.“&lt;br /&gt;
Swamiji betrachtete das Leben an den Ufern des heiligen Flusses Ganges zu Füßen des Himalya als einen Segen – mit ein wenig Mantra-Wiederholung (japa), Meditaiton und selbstlosem Dienst, und er war eifrig bemüht, die Tore dazu allen zu öffnen. Unzählige junge Männer suchten Schutz zu Swamijis Füßen als  Zuflucht in ihrer Not und Verzweiflung.  Swamiji hat niemanden nach seiner Vorgeschichte ausgefragt. In dem Moment, wenn Swamiji auch nur den Hauch von Verzweiflung in den Augen eines Neuankömmlings sah, bekam dieser das Gefühl, dass Swamiji genau auf ihn gewartet hat und dass er ihm einen großen Gefallen tun könnte, dem Ashram beizutreten. Welche psychologische Kraft dies gab ist nicht vorstellbar. Der notleidenden Person wurde das Gefühl von Größe gegeben und unmittelbar fühlte dieser Mensch, dass seine Vergangenheit ein schlechter Traum gewesen war und dass eine wunderbare Zukunft vor ihm läge.&lt;br /&gt;
1945 ersuchte eine Frau Zuflucht im Ashram, die von ihrem Mann misshandelt worden war und die Familie  verlassen hatte. Selbst die leitenden Personen des Ashrams, die von Swamiji geschult waren, zögerten, der Frau Asyl zu gewähren.  Aber Swamiji blieb fest entschlossen, dass sie bleiben durfte. Allein der Gedanke daran, dass diese Frau ansonsten ihr Leben verlieren könnte reichte ihm aus, die ganze Welt zu ignorieren und nur diesem einen Menschen zu dienen. Ganze Bücher könnten damit gefüllt werden, auf welch wunderbare Weise Swamiji sie lehrte, ihre Leiden zu vergessen, ihren Geist zu beherrschen und letztendlich auf ihren eigenen Füßen zu stehen als eine unabhängige Stimme unter den Frauen Indiens. Von einer Belastung verwandelte Swamiji sie zu einer Bereicherung der Gesellschaft: ein wahrhaftiges Beispiel der Rehabilitation. &lt;br /&gt;
1955 begrüßte Swamiji einen Koch im Ashram. Der Koch hatte gar nicht vor, da zu bleiben und war überrascht, dass Swamiji bei der ersten Begegnung sagte: „Bitte bleibe hier. Du kannst ein Hotel in der Nachbarschaft eröffnen. Ich werde alles tun, Dich zu unterstützen.“   Er verfolgte die Sache weiterhin und bat den Sekretär, dem Koch einen Raum und die nötigen Utensilien für das Kochen zu besorgen, damit dieser seine Unternehmung starten könnte. Und er bot ihm sogar an: „Du kannst Lebensmittel vom Ashram nehmen und zu Deinem eigenen Gewinn verwenden.“  Etwas später verdeutlichte er seine Einstellung: „Es ist ein Segen, hier an den Ufern des Ganges, in Rishikesh, zu leben. Eines Tages könnte er die Sehnsucht verspüren, zu entsagen. Bis dahin ist es gut, ihn zu ermutigen, auch in seinem Streben nach Geld. Als erstes sorgen wir dafür, dass er hier bleibt, und dann bringen wir ihn langsam zu sadhana.“  &lt;br /&gt;
Eine andere Frau hatte ihren Mann verloren und war rastlos. Daher kam sie nach Rishikesh und blieb in der Nähe des Ashrams. Sie sagte zu Swamiji: „Ich habe Juwelen im Wert von vier- bis fünftausend Rupien und dazu noch ein Haus. Ich möchte für immer hier bleiben. Wenn Du mir das erlaubst, werde ich das Haus und die Juwelen verkaufen.“ Swamiji antwortete: „Behalte das Haus und die Juwelen. Du kannst in Brindavan bleiben.“ Er gab ihr ein Empfehlungsschreiben mit für einen guten Sadhu in Brindavan und schickte sie dorthin. Und er wies sie an: „Bereise die umliegenden Ortschaften. Verbreite den Ruhm von Gottes Namen. Leite Kirtans an in jedem Haus. Unterrichte die kleinen Kinder.“&lt;br /&gt;
Für einige Zeit folgte sie Swamijis Anweisungen. Dann wurde sie psychisch krank. Sie kam zurück nach Rishikesh und machte verliebte Annäherungsversuche an Swamiji. Durch das Fenster warf sie Parfüm auf Swamijis Bett. Und wenn Swamiji die Tür zu seiner Hütte öffnete, kam sie herein um bei ihm zu sitzen. Er fuhr einfach fort mit seiner Arbeit, ohne auch nur daran zu denken, dass sie da war. Nach einer Weile ging sie dann aus eigenen Stücken wieder weg. Swamiji hätte sie auch auffordern können zu gehen; aber nein, er würde nie jemanden auch nur die kleinste Verletzung zufügen. Er war erfüllt von Liebe zu allen.&lt;br /&gt;
Nachdem die Belästigungen heftiger wurden, bat uns Swamiji, einen Stacheldrahtzaun um seine Hütte zu errichten. Wenn sie den Zaun um Swamijis Hütte sah, verfiel sie oft in Raserei. Dann warf sie Steine auf Swamijis Hütte. Auch da bewahrte er seine Ruhe. Nach einiger Zeit verschwand sie. &lt;br /&gt;
Nach einigen Jahren kehrte sie im Mönchsgewand nach Rishikesh zurück. Sie war alt geworden. Swamiji wurde nie von einem Vorurteil  beeinflusst. „Sie könnte sich geändert haben. Jede Sekunde entwickelt man sich. Wir sollten niemanden nach seiner Vergangenheit beurteilen.“, sagte er. Das war sein Leitprinzip. Er erlaubte ihr, in der Nähe des Ashrams zu bleiben. Normalerweise ging sie täglich in den Bazar von Rishikesh, und eine zeitlang sang sie irgendwelchen Unsinn über Swami Sivananda vor jedem Geschäft. Sie beschimpfte und beleidigte ihn sogar in der Öffentlichkeit. Abends kam sie dann in den Ashram. Swamiji sandte ihr Früchte und Mandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Saat säen&lt;br /&gt;
Viele Menschen, die sich inmitten von Zwietracht, Streit und Angst nach Frieden und Glück sehnten, fanden in „Sivananda Swami of Ananda Kutir“ (wie er von den Leuten in und um Rishikesh normalerweise genannt wurde) eine Vater-Figur, lieber als der eigene. Diejenigen  von religiösem und spirituellem Temperament , die sadhana zu ihrem einzigen Lebensziel gemacht hatten, fanden in ihm eine immerwährende Quelle der Weisheit und des Lichtes. &lt;br /&gt;
Mit unterschiedlichen Menschen hatte Swamiji auch unterschiedliche Beziehungen. Einige weit entwickelte Aspiranten kamen zu ihm und in ihnen loderte das Feuer der Entsagung, der Verhaftungslosigkeit und der Unterscheidung. Sie zu lehren geschah auf anderen Kanälen. Swamiji wurde nur sehr selten mit ihnen gesehen, auch zogen sie nicht sehr nah zu ihm. Ihre Beziehung zu Swamiji war auf einer völlig anderen Ebene – der spirituellen Ebene. Es gab nur wenige solche Schüler.&lt;br /&gt;
Die große Mehrheit der anderen, mit denen Swamiji arbeitete und dichtauf lebte, waren unreife Aspiranten.  (Einige hatten nicht die geringste spirituelle Sehnsucht. Sie hatten bei Swamiji Unterschlupf gefunden, weil materielles Versagen sie von zu Hause vertrieben hatte und sie sonst umgekommen wären.)  Swamiji musste oft ihn ihnen den Samen von vairagya (Wunschlosigkeit, Verhaftungslosigkeit,Leidenschaftslosigkeit) säen! „Ihn abzuweisen, das kann ich nicht. Gebt ihm wenigstens die Möglichkeit, sich in einen besseren und glücklicheren Menschen zu verwandeln. Falls er versagt – macht nichts. Ein Versuch muss in jedem Fall gemacht werden.“ Solcher Art waren Swamijis Bemerkungen, wenn ein verstörter junger Mann dem Ashram beitreten durfte. So wurde von keinem Aspiranten eine Qualifikation gefordert. Es war eine Art Witz: wenn ein junger Mann sein Examen nicht bestanden hat oder sein Geschäft ruiniert hat – sucht nach ihm im Sivananda Ashram! Swamiji nahm sie großzügig auf und versuchte, sie zum Erwachen zu bringen.&lt;br /&gt;
Nicht alle Menschen, die bei Swamiji Zuflucht suchten, waren gute Menschen; aber er sah nur das Gute in ihnen; gegenüber dem Bösen war er blind. Wenn jemand einen schlechten Charakterzug hatte, würde er ihn nie verurteilen oder hart zu ihm sein. Normalerweise sagte er: „Macht Euch nichts daraus, wenn dieser Mann sogar bösartig ist; indem ich ihn herkommen lasse und ihm Obdach gewähre stelle ich sicher, dass es einen Schurken weniger gibt in Delhi!“ Das war seine Philosophie! „Allein die Tatsache, dass  derjenige hergekommen ist, zeigt, dass da eine kleine Öffnung ist, egal wie klein, durch die ein wenig Kommunikation stattfinden kann.  Lasst ihn hier bleiben, ich werde einen Samen säen. Während dieser Geburt, der nächsten Geburt, kümmert Euch nicht; diese Saat wird jetzt oder viele Jahre später aufgehen.“&lt;br /&gt;
Swamiji sagte, dass es wohl zu viel verlangt ist von einer Person, die in der modernen Welt lebt und von alles Seiten mit Ablenkungen und Versuchungen überflutet wird, Leidenschaftslosigkeit und Unterscheidungsvermögen zu entwickeln. Er meinte, dass es möglich sein muss bei einem Menschen, der vor seinem eigenen Scheitern davonläuft,  einen Funken zu finden den man anfachen kann zu einer großen Flamme. Sogar wenn gar kein Funken vorhanden war, konnte er eine Flamme entfachen. Das war das Einmalige an Swami Sivananda. Er pflanzte die Samen der Güte, er nährte sie, goss sie und ließ sie wachsen und gedeihen; auch wenn dies ihm selbst ungeheure Schwierigkeiten bereitete, ihm machte das alles gar nichts aus.&lt;br /&gt;
Es ist nicht leicht nachzuvollziehen, was die Suchenden in den frühen 1940-er Jahren empfanden, wenn sie in den Ashram kamen. Einige hatten wohl Swami Sivanandas leidenschaftliche Worte in seinen Originalschriften gelesen, die so inspirierend waren, dass man auf der Stelle seine Kleider ablegen  wollte, um zum Himalaya zu eilen und dort Enthaltsamkeit zu praktizieren und sofort Selbstverwirklichung zu erreichen! Das war das Besondere an seinem Stil. Viele auf diese Weise inspirierte Menschen kamen in den Ashram. Oft liefen sie los, ohne sich umzuziehen, denn in Swami Sivanandas „How to Get Vairagya“ hatten sie gelesen „renounce everything“ (entsage allem) – und so entsagten sie allem. „seek solitude“ (suche die Einsamkeit, Abgeschiedenheit) – und so suchten sie Abgeschiedenheit im Ashram. Einige von ihnen könnten beim Betreten des Ashrams  entdeckt haben, dass andere, die schon vor ihnen angekommen sind, einen schönen Mantel trugen. Und dann dachten sie manchmal: „Aha, sie sind vom Wege abgekommen, sie sind gescheitert. Seht her, wie leidenschaftslos ich bin. Meine Sehnsucht ist viel größer als die Sehnsucht von diesen Leuten, die schon seit so langem mit Swami Sivananda zusammen sind. Sie wissen nicht, was tapas (Askese), vairagya (Wunschlosigkeit) und brennendes Verlangen ist. Jeden Morgen sitze ich hier um 4 Uhr und meditiere. Schau all die alten Ashrambewohner an!“  Swamiji beobachtete sie und schätzte sie.&lt;br /&gt;
Egal, was der Aspirant machte, zuerst kam die Ermutigung. Danach würde er ein wenig antreiben. „Enthusiasmus ist sehr gut. Du hat eine wunderbare Sehnsucht. Du bist großartig, Du bist wie Sukadeva. Aber jugendlicher Enthusiasmus ist nicht gut.“ Zuerst eine große Menge Lob, danach eine kleine bittere Pille, das war seine Methode. Niemand sollte entmutigt werden oder das Gefühl bekommen dass das, was er tat, völlig falsch sei. Seine Einstellung war: „Nein, mach das, es ist wunderbar, aber stelle sicher, dass es nicht nur jugendlicher Enthusiasmus ist, etwas, das später ein Rückschlag sein könnte.“&lt;br /&gt;
Da die Aspiraten nicht nur noch ganz roh waren, sondern auch noch in keiner Weise erwacht, musste auch das Erwachen vom Meister beeinflusst werden. Bei einer Gelegenheit gingen sehr erfahrene Schüler mit allerhand Beschwerden zu Swamiji. Er  musste auch sie zufriedenstellen, also gab er vor, wirkllch ärgerlich zu sein. Sehr zufrieden gingen die erfahrenen Schüler davon und dachten, dass Swamiji sich nun den jungen Aspiranten vornehmen würde. Genau das Gegenteil geschah: der Mann, über den sie sich beschwert hatten, bekam als erstes einige Bananen.  Damals gab es im Ashram einen kleinen Jungen, der Swami Sivananda diente, und der kam dann angelaufen und sagte: „Swamiji gibt Dir Früchte“. Eine halbe Stunde später würde jemand anderes kommen: „Swamiji lässt Dir Kaffee bringen.“ Und eine Stunde später würde er persönlich erscheinen und sagen: „Du bist hervorragend und glänzend. Meditierst Du gut? Machst Du Japa (Mantrawiederholung)?  Gut. Studierst Du vedanta? Sehr gut“  Was wurde nun aus all den Beschwerden?  Swamiji würde beobachten, ob all die Ermunterungen wirken würden. Anstatt zu sagen: „Du bist ein schlechter Kerl.“ Bestand Swamiji darauf, sich auf die guten Eigenschaften in Dir zu konzentrieren, Dir zu sagen, dass Du ein guter Arbeiter bist, auch wenn Du kein spirituelles Verlangen und keine Hingabe hattest. Er würde sagen: „Du bist ein großartiger Arbeiter. Da ist niemand, der so hart arbeitet wie Du.“  Dann würde er freundlich hinzufügen: „Immer, wenn Du arbeitest, sehe Gott in allem. Warum hilfst Du nicht in der Küche und gibst Essen aus? Du bist ein großartiger Mann, Du hast einen hübschen Körper und eine schöne Stimme. Wenn Du roti servierst, sage Bhagavan roti, roti Narayan, roti Maharaj.“  In diesem Moment wurde die Saat der spirituellen Sehnsucht gesät.&lt;br /&gt;
Swamiji tat für Aspiranten, was sogar die liebevollsten Eltern nicht immer tun würden. In dem Moment, in dem sich auch nur die leiseste Spur eines Talentes bei einem Aspiranten zeigen würde, widmete er sich persönlich dem Erwecken und vollen Entfaltung dieses Talentes des Aspiranten. Tag und Nacht würde er  über Mittel und Wege  nachsinnen, wie der sadhaka sich entfalten könnte;  letztendlich zum Segen der ganzen Menschheit. Auf diese Weise wurden einige Abteilungen im Ananda Kutir gegründet und fortgeführt. 1948  trat ein junger Mann dem Ashram bei; er sagte, dass er sich mit Papierherstellung auskennen würde. Am folgenden Morgen ließ Swamiji eine Grube ausheben und ließ Rohmaterialien anliefern, damit dieser junge Mann, der keinerlei Qualifikationen (Swamiji fragte auch niemals danach) nachweisen konnte, seine Ideen verwirklichen konnte. &lt;br /&gt;
Swamiji nahm so ein aufrichtiges Interesse in all diese Unternehmungen, dass man denken könnte, er hätte gerade darauf gewartet, dass eine Person kommt und ihm genau bei dieser Arbeit hilft. So umfassend und gründlich war seine Begeisterung, dass er in kurzer Zeit Vorschläge machen konnte, wie man diese Arbeit, in der der Aspirant ja eigentlich der Experte war, besser erledigen könnte. So war es auch mit dem Fotostudio im Ashram.&lt;br /&gt;
Läuterung/Reinigung&lt;br /&gt;
Swamiji hat manchmal betont, dass atma jnana (Selbstverwirklichung) denkbar einfach ist. Es ist ganz einfach, ABER die vorbereitende Reinigung, die eine Voraussetzung ist, ist extrem schwierig. Wenn die Reinigungsübungen anstanden, wendete er sehr einfache Methoden an, die aber sehr tiefgreifend in ihrer Wirkung waren. Die Übungen mussten kontinuierlich gemacht werden (im Sinne von Wiederholung). Swamiji musste sie wieder und wieder und wieder machen. Er hatte eine solche Geduld, dass er niemals jemanden als hoffnungslosen Fall betrachtete. Wenn ein Schüler den Sinn auf die eine Weise nicht einsehen konnte, würde Swamiji es so oder so abwandeln. Swamiji drehte und wendete es, bis eines Tages, so hoffte er, der Schüler einsehen würde, was er ihm versuchte beizubringen.&lt;br /&gt;
Wenn jemand eine Schwäche hatte, war Swamiji demgegenüber blind und sagte: „Er hat einige Schwächen, aber er hat auch einige großartigen Fähigkeiten.“  Er wählte die Methode, niemals die Fehler einer Person hervorzuheben, es sei denn, dass es nötig wäre.  – Zum Beispiel im Falle einer Konfrontation  mit einem anderen Schüler, wenn man Swamiji  die Angelegenheit vorgetragen hatte und beide vor ihm erscheinen mussten. Und wenn er einen Tadel aussprechen musste, tat er es ganz liebenswürdig. Als erstes würde er den Aspiranten loben. „Du hast diese und jene gute Eigenschaft. Als erstes ist es  Dein größtes Glück, dass Du der Welt entsagt hast, hierher gekommen bist und im Ganges gebadet hast. Du musst in hunderten von vergangenen Leben spirituell praktiziert haben, um so spirituell veranlagt zu sein. Und Du musst Dir die Gnade von Tausenden von Heiligen verdient haben, um hierher in den Ashram geführt zu werden, damit Du ein spirituelles Leben leben kannst.“  Dann würde er hinzufügen: „Warum möchtest Du streiten? Es ist nur ein kleiner Fehler. Werde nicht gereizt. Wenn Du gereizt bist, könntest es all Deine Bemühungen vereiteln. Hast Du schon gefrühstückt? Was hattest Du? Kaffee oder Tee? Soll ich Dir noch etwas besorgen?“  Ein Bündel Bananen kamen zuerst, dann ein klein wenig prick gefolgt von Butter und Honig.  Nachdem die Bananen verdaut waren und auch die Butter und der Honig gegessen, dämmerte Erkenntnis: „DIES wollte mir Swamiji sagen!“ &lt;br /&gt;
Swamiji hielt seine Schüler nie in einem Zustand der Anspannung. Er machte Druck, sein Training voranzutreiben, aber sobald er merkte, dass ein Schüler zusammenbrach, lockerte er alle Regeln.&lt;br /&gt;
Das grundlegende Prinzip in all dem war, dass niemand jemals von Swamiji kritisiert wurde. Kritik hätte alles ineffektiv gemacht.&lt;br /&gt;
Das Wohlergehen der Schüler&lt;br /&gt;
Tag und Nacht hatte Swamiji nur einen Gedanken: Wohlergehen, Wachstum und Fortschritt (weltlich und spirituell) seiner Schüler. Oftmals erhob er sich zu einem leidenschaftlichen Appell an seine geliebten Schüler, er drängte sie mit feurigen Worten, alle Spuren von persönlicher Wichtigkeit auszurotten und sich  der edlen Idee des Dienstes an der Welt hinzugeben. Er schilderte ihnen auf packende und mitreißende Weise die Herrlichkeit des selbstlosen Dienens und der Verehrung Gottes als das Größte und Großartigste von allem Yoga. Wie alle Aspiranten fühlten sie sich manches mal bestürzt über die Endlosigkeit und  Weite der menschlichen Probleme und des Leidens. Dann munterte Swamiji sie auf mit der ausdrücklichen Versicherung, dass ein Leben des selbstlosen Dienens nie ein Misserfolg sei. Er rüttelte sie auf mit Worten wie diesen:&lt;br /&gt;
Kümmert Euch nicht darum, ob Selbstverwirklichung kommt oder nicht. Strengt Euch größtmöglich an, Euch ethisch zu verbessern und macht Euch perfekt für den Dienst an der Menschheit. Seht Gott in jedem Menschen. Betrachtet jeden Menschen als Gott. Wenn Eure Vorstellung von Gott beinhaltet, dass ER alldurchdringend ist, warum könnt Ihr IHN dann nicht in allen Wesen erkennen? Was hindert Euch daran, Euren Glauben in die Tat umzusetzen? Ihr müsst die Vorstellung aufgeben, dass ER nur hinter geschlossenen Augen und Türen vorhanden ist. Fühle SEINE Gegenwart in jedem und allem während Du dienst; und schaue dann, ob ER nicht im Grunde Deines Herzens strahlt in SEINEM eigenen Klang.  Wenn das Herz noch nicht frei ist von allen Unreinheiten und die niedere Natur nicht befreit ist von Schmutz, wie kann dann spirituelle Erfahrung zu Dir kommen? Bevor Du nicht Deine eigene Natur perfekt gemacht hast, kannst Du unmöglich die Wahrheit eines Wesens erkennen, das die reine Essenz der Vollendung ist. Rotte zuerst Egoismus, Ärger, Hass, Gier und Doppelzüngigkeit aus und sei aufrichtig und von ganzem Herzen  bei Deinem selbstlosen  Dienst. Wenn  Du es schaffst, zehn Menschen ein klein wenig Gutes zu tun, wenn Du erfolgreich einen schlechten Charakterzug  völlig ausrotten kannst und dafür eine einzige edle Tugend vollständig entwickeln kannst, sei sicher, dass Dein Leben nicht umsonst gelebt wurde. Und sogar nur zehn Menschen von einer Million erreichen kaum jemals dies. Was soll’s, wenn Du nicht samadhi und Selbstverwirkllichung erreichst?&lt;br /&gt;
Kopf hoch, sei guten Mutes! Sei mit Leib und Seele bei der Arbeit. Ich garantiere Dir, dass Du Dich gesegnet und glücklich fühlen wirst. Sei nicht unzufrieden mit Deinem Los oder niedergeschlagen wegen Deinem Fortschritt. Handle nach meinem Wort. Habe ich nicht über Dein spirituelles Wohl nachgedacht?  Dann, wenn Du nur könntest, würdest Du sehen, dass Tag und Nacht, in jedem Augenblick, mein Herz in Sorge über Dein Wohlergehen schlägt. &lt;br /&gt;
Außer dem „direkten Familienkreis“ von Aspiranten, Studenten und Arbeitern gab es viele Suchenden in anderen Ländern, die große Zuneigung  zu Swami Sivananda hatten und ihn verehrten. Ihnen war er ein spiritueller Führer und Meister. Swamiji beantwortete ihre Briefe prompt, ging auf alle ihre Fragen ein und leitete sie. &lt;br /&gt;
Dazu schrieb Swami Sahajanandaji  aus Durban, Südafrika.&lt;br /&gt;
Jeder Anhänger und Verehrer von Swamiji muss erfahren haben, dass man die grenzenlose Gnade und Barmherzigkeit nur stillen Herzens und nicht mit Worten ausdrücken kann. Irgendwo habe ich gelesen, dass Swamijis Wohltätigkeit als „unbesonnen“ bezeichnet wurde. Aber ich denke, dass seine Gnade und Liebe sogar noch reichlicher vorhanden waren als die Wohltätigkeit.  Es ist nicht bemerkenswert, wenn ein Erster-Klasse-Aspirant die Gnade eines Meisters erhält. Aber wenn jemand sich qualvoll abmüht auf dem Weg zur Gottverwirklichung und erfährt dann ganz direkt die liebevolle Beachtung eines großen Heiligen, wird dieser Mensch sicherlich vor Ehrfurcht erzittern und eine unausprechliche Dankbarkeit wird ihn erfüllen. Leider war ich auch jemand, der nicht „rein“ geboren wurde oder mit einer großen Portion spiritueller samskaras  (= geistige Eindrücke aus dem jetzigen und den früheren Leben, die im Unterbewussten liegen) ausgestattet war. Aber durch Swamijis Gnade erreicht man langsam aber sicher das Ziel. Die Liebe und Fürsorge , die Swamiji einem fünftklassigen Aspiranten wie mir hat angedeihen lassen,  weist ihn als gottverwirklichten Heiligen aus. &lt;br /&gt;
Obwohl wir tausende von Meilen entfernt von seiner physischen Gegenwart lebten, kümmerte sich Swamiji um uns auf die gleiche Weise, wenn nicht noch besser, als um diejenigen, die in seiner Umgebung im Ashram lebten.  Hier einige Beispiele:&lt;br /&gt;
Vor einiger Zeit schrieb ich ihm einen dringenden Brief wegen physischer Beschwerden. Das war gerade zu der Zeit, als Swamiji von seiner „All-India“-Reise zurückgekehrt war. Obwohl er sicherlich hunderte von Briefen zu beantworten hatte, war er so gütig, mir noch am selben Tag zu antworten. Neulich schrieb ich ihm von einer Veränderung meiner sadhana Praxis. Zurück kam eine zweiseitige Antwort in seiner eigenen Handschrift. Und noch bemerkenswerter war, dass Swamiji selbst den Brief adressiert und zur Post gebracht hatte; und das rührte mein Herz und ließ es zutiefst erbeben. Stellt Euch einen  bedeutungslosen Menschen vor wie mich, der mit so viel von seiner Liebe überschüttet wird! Und was für aufmunternde und tröstende Worte sein Brief erhielt! Jedes Wort ist durchtränkt mit der Wärme seiner grenzenlosen Liebe. Es ist diese Liebe, die dazu führt, das wir uns unwürdig fühlen, seinen kostbaren Segen zu empfangen.&lt;br /&gt;
Swamijis Buchgeschenke erreichten uns dutzendweise. Wenn ich ihn um ein Buch bat, schickte er sechs. Auch wenn beantragt war, dass die Bücher erst nach der Bezahlung geschickt werden sollten, kamen sie mit unverzagter Beharrlichkeit an. Nicht nur die Geschenk-Bücher erreichten die Gestade meines Landes, sondern auch herrlich frisches, süßes prasad kam, in Dosen verpackt, hier an. Es ist sicherlich nicht fehl am Platze, hier eine Erfahrung widerzugeben, die mein Freund, Sri G. V. Naidoo, bei einem Ashram-Besuch gemacht hat. Sobald er Swamiji traf, wurde er buchstäblich mit Liebe überschüttet. Swamiji widmete sich ihm persönlich, und mein Freund ging dann mit einem Stapel Bücher in den Händen. Dann erzählte er noch, wie er ein Bild von Swamiji bewunderte, das an der Wand hing – eine Ansicht von Swamijis tapas (Askese-Übungen) -   und Swamiji hatte es von der Wand abgenommen und ihm geschenkt. Welch eine außerordentlich seltene Großzügigkeit strahlt aus Swamijis Herz!&lt;br /&gt;
Swamijis Heilkräfte wurden auch im entfernten Südafrika bewiesen. Zwei Fälle habe ich persönlich erlebt. Einer meiner Freunde, der ein Patient im T. B. Settlement war, litt an einer schweren Schlafstörung. Ich schrieb deswegen an Swamiji. Seine sofortige Antwort enthielt Anweisungen, wie man das Problem beseitigen könnte. Obwohl der Patient nicht den Anweisungen folgte, schlief er daraufhin gut. Nach einigen Wochen, wurde er wieder von Schlaflosigkeit geplagt. Es ist ein Jammer, dass die Anweisungen nicht befolgt wurden.  Das andere Beispiel betraf einen persönlichen Freund von mir, der an schlimmen und schmerzhaften Leberflecken auf den Händen litt. Wieder schrieb ich an Swamiji. Das von ihm empfohlene einfache Mittel wurde angewendet und die Leberflecken meines Freundes gingen vollkommen zurück. Das ist nun Monate her und die Probleme sind nicht wieder aufgetaucht. &lt;br /&gt;
Wie löst Swamiji die Alltagsprobleme der Aspiranten, die nicht in der glücklichen Lage sind, seine mündlichen Anweisungen zu hören? Das geschieht auf eigentümliche Weise. Wenn ich manchmal mit einem schwerwiegenden Problem konfrontiert bin, nehme ich einfach eins von Swamijis Büchern in die Hand und schlage irgend eine Seite auf – und schon springt mir die genaue Lösung für meine Probleme in die Augen! Manchmal vielleicht erreicht mich Swamijis innere Führung während der Meditation; oder es kann passieren, dass ein Ereignis oder eine Person mir die richtige Antwort gibt. Man muss allerdings wachsam sein, die richtige Führung zu empfangen. Aber in den meisten Fällen würden Swamijis Bücher uns helfen. Dies war auch die Erfahrung der anderen Anhänger hier. Es passiert so oft, dass wir keinen Zweifel daran haben, dass Swamiji all unsere Schwierigkeiten kennt  und dass seine Führung immer bei uns ist, egal wie viele Meilen uns von ihm trennen. Swamiji hat auch vollkommene Einsicht in unsere Herzen und unseren Geist, und niemand kann ihm etwas vormachen. Einmal schrieb ich ihm einen Brief und suchte Antworten auf einige Fragen spiritueller Natur. Swamiji fand die Wahrheit heraus, dass nämlich die Antworten dafür benötigt wurden, jemand anderes herabzuwürdigen – und er gab keine direkte Antwort. Von da an traute ich mich nicht  mehr, irgendwas vor ihm zu verheimlichen. Wir haben auch festgestellt, dass alles, was er sagte, früher oder später auch eintreffen würde. Seine Worte waren unfehlbar.&lt;br /&gt;
Das Geheimnis, wie man Swamijis Gnade erreichen kann, ist ihm von ganzem Herzen zu dienen. Ein kleiner Dienst an Kranken hier oder das Verteilen von einigen Schriften  dort – und schon hast Du einen Platz in seinem großen Herzen eingenommen. Jeder einzelne von den Tausenden von Schülern und Anhängern kennt diese Wahrheit. Dienst an Swamiji (ich nenne das Sivayoga) ist der großartigste Yoga dieser Zeit. Lass all diejenigen, die den vielen Wegen zu Gott folgen wollen, dies tun. Aber meine größte Freude ist es, Swamiji zu dienen, egal, ob es zur Gottesverwirklichung führt oder nicht.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Karli</name></author>
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		<title>Schüler</title>
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		<updated>2012-12-28T13:24:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Karli: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Meister und Schüler&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Zusammengestellt von Sri [[Swami Venkatesananda]]   (*29.12.1921 in [[Tanjore]], [[Südindien]], †2.12.1982 in Johannesburg, Südafrika)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinen Büchern hat Swamiji das Wesentliche des traditionellen Lehrens vermittelt, und in diesen Unterweisungen hat er die geheime Botschaft preisgegeben, wie man mit der Wahrheit  in Verbindung bleiben kann und wie man sie zu einem ganzheitlichen Aspekt seines Lebens machen kann. Er verkörperte dieses Lehren.  Zum  Beispiel, obwohl sein ganzes Leben im wahrsten Sinne des Wortes aus Karma Yoga bestand, waren seine Schriften zu Karma Yoga sehr spärlich. Obwohl er nicht viel unterrichtete, waren die wenigen Worte der Unterweisung, die seine Schüler von ihm hörten, unvergesslich. Er selbst war meistens die lebendige Wahrheit.  Durch seine Taten sprach er lauter als durch einen  Lautsprecher. &lt;br /&gt;
Der erleuchtete Guru kann seine wesentlichen Erfahrungen nicht in Worte fassen. Was niedergeschrieben wurde oder was in Worten ausgedrückt wurde,  ist nur ein Bruchstück der Erfahrung des Weisen. Da ist etwas, das er erfahren hat, das unaussprechlich ist. Sogar der kleine Teil, den er ausdrücken kann, geht bei der Übermittlung verloren, da der Schüler nicht achtsam ist. Daher hat Swamiji nur selten die Zuhörer aufgefordert, eigene Notizen zu machen, sondern sie sollten den Dialog oder die Unterhaltung hinterher aufschreiben. &lt;br /&gt;
Kommunikation ist fast immer non-verbal. Oft hat man gemerkt, dass ein hoch inspirierender Dialog, wenn er schnell niedergeschrieben wurde, nicht mehr so inspirierend war, weil Swamijis „hm“, ein Lächeln und ein Ausdruck von Gesicht und Augen eine gewaltige Wirkung und Bedeutung hatten. In diesem Bereich fand die Kommunikation statt! Kommunikation kann nur stattfinden, wenn Meister und Schüler miteinander verschmelzen, wenn sie auf der gleichen Ebene und Wellenlänge sind. Dann wird die Lehre aufgenommen, ohne dass ein Wort nötig wäre. In den Katha Upanishad heißt es: &lt;br /&gt;
Uttishtata jagrata prapya varan nibodhata. (Arise, awake, be vigilant; then approach a great master and attain enlightment = erhebe Dich, erwache,  sei achtsam; dann trete an einen großen Meister heran und erlange Erleuchtung).&lt;br /&gt;
Das Erheben und Erwachen sind Sache des Schülers und nicht des Meisters; aber Swamiji wich von dieser Regel ab und gewährte auch Menschen Zugang zum Ashram, die nicht all diese Qualifikationen aufwiesen. Er verbarg die spirituelle Weisheit nicht – sie war da, öffentlich – und er stellte sie nicht zur Schau. Das war ein außergewöhnlicher Wesenszug an ihm.  Viele Swamis und Yogis würden auf eine einfache Frage wie „Kann man im Winter im Ganges baden?“  eine lange Rede über Vedanta halten: „Du bist nicht der Körper, Du bist nicht der Geist. Du bist das unsterbliche Selbst. Es ist nicht das unsterbliche Selbst, das die Kälte spürt, es sind Körper und Geist, die die Kälte fühlen!“ Swamiji sprach nie so. If at all, he erred on the other side. Er war mehr an dem körperlichen und intellektuellen Wohlergehen der Aspiranten interessiert, anstatt bei jedem Husten oder Niesen jedesmal irgendwelche religiösen Anweisungen auszusprechen. Er wartete darauf, dass der Aspirant eine spirituelle Frage stellt, und wenn der Fragende eifrig und begeistert war, kommunizierte er Wissen auf unerklärliche Weise.&lt;br /&gt;
Damals war es für Heilige Tradition, sich in einer Höhle zu verbergen und zu warten, bis ein qualifizierter Aspirant sich nähern würde. Ein Aspirant, der schon ein inneres Erwachen erfahren hatte, der aufmerksam und begeistert war und der unter Einsatz von viel Kraft und Zeit sich die Mühe gemacht hat, zu ihm zu gelangen, um den Heiligen um Unterweisung zu bitten. Im Großen und Ganzen übernahm Swami Sivananda diese Tradition, indem er „seine Weisheit unter einem großen Mantel verbarg“. Die Menschen, die zu ihm kamen,  erinnerten sich an seine Zuneigung und Liebe und seine großen Sorge um ihr körperliches und materielles Wohlergehen. Dies waren seine Hauptsorgen – Weisheit oder atma jnana kamen zu ihrer Zeit. Wenn aber ein Schüler in vollkommener Hingabe und Liebe mit ihm verschmolz, konnte non-verbale Kommunikation sehr leicht geschehen. Dies war sein Geheimnis. Denn er hatte erkannt, dass keine mündlichen Unterweisungen irgendwie fruchten würden, solange der Aspirant nicht Weisheit, Leidenschaftslosigkeit, edle und tugendhafte Eigenschaften und ein beständiges Streben nach Befreiung hat – und somit die non-verbale Kommunikation unmöglich ist.&lt;br /&gt;
Anhängerschaft (discipleship)&lt;br /&gt;
Wenn die Leute in der Anfangszeit nach Rishikesh kamen, fanden sie Swami Sivananda, wie er Glückseligkeit, Frieden und Freude verströmte, obwohl all die Dinge fehlten, von denen man denkt, dass sie für Frieden, Freude und Wohlstand  nötig sind. Es gab absolut nichts. Unter solchen Umständen lebend verströmte er trotzdem Freude. Wie konnte er so leben? Der Blick in seinen Augen verriet, das er die Wahrheit gefunden hatte. Wenn man in seine Augen schaute erkannte man, dass er die Wahrheit gefunden hatte und man selber nicht.  Das allein machte demütig und man warf sich nieder zu seinen Füßen. &lt;br /&gt;
Anfang 1947 saß Swami Sivananda in seinem Büro. Ein junger Mann aus Südafrika, der im Ashram für 2 oder 3 Monate gelebt hatte, musste an diesem Tag abreisen. Er trat ein, fiel vor Swami Sivananda auf die Knie und begann zu weinen. Mit höchster Liebe und Zuneigung schaute Swamiji ihn an. Der junge Mann sagte: „Swamiji, ich muss heute abreisen. Aber wo in Afrika werde ich einen Meister wie Dich finden?“&lt;br /&gt;
Plötzlich veränderte sich Swamijis Gesichtsausdruck, und mit einem unheimlich schönen, vielsagenden und verschmitztem Lächeln sagte er: „Hm, Du findest keinen Meister in Afrika?“ In diesem Moment verschwand der Kummer des jungen Mannes und seine Tränen trockneten. Swamiji lachte, blickte ihn fest an und sagte: „Es ist sehr leicht, einen Meister zu finden, aber es ist schwer, einen Schüler zu finden. Sei ein Schüler! Vom Scheitel bis zur Sohle sei ein Schüler! Dann wirst Du einen Meister finden.“&lt;br /&gt;
Swamiji sagte niemals „Ich bin Dein Meister“. Manchmal pflegte er zu sagen „Du bist mein Schüler“  oder „er ist mein Schüler“. Seinen ersten Schülern schrieb er: „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen, ich werde Dir dienen und Dich leiten.“ Wenn er sagte „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen“, dachten die Schüler, sie dürften Swamiji in Anspruch nehmen und könnten ihm freizügig schreiben. Genau das wollte er auch. Der nächste Satz war „ich werde Dir dienen“. Der Schüler sollte eigentlich dem Meister dienen! In dieser Formulierung hob er die Vorstellung von ihm als Guru auf. Er betrachtete sich selbst nie als Guru. &lt;br /&gt;
Dem Meister zu dienen ist besonders wichtig. Indem man dem Meister dient, entdeckt man seine Wellenlänge und wie man sich zu ihr erheben kann. Der Schüler macht etwas auf bestimmte Weise, in einer bestimmten Geisteshaltung – aber der Meister macht es anders, es mag sogar seine Eigenart sein. Aber wenn es der Schüler nicht lernt, Dinge in der Art und Weise des Meisters zu tun, wird er sich nicht auf die Wellenlänge des Meisters einstellen können. Trotzdem ist sein Dienst wertvoll. Auch wenn Swamiji den Schülern das Gefühl gab, dass ihre Arbeit ein wichtiger Beitrag für die Mission war, wollte er ihnen  tatsächlich nur Möglichkeiten bieten, sich auf ihn einzustimmen und an ihm auszurichten, - und nicht, weil er ihren Dienst benötigt hätte. Er arbeitete hart daran, Arbeitsbereiche zu erstellen, in denen sie ihre Talente ausüben konnten, um ihnen so zu helfen, innerlich zu wachsen, damit die Kommunikation stattfinden könnte.   Zum Beispiel kamen einige Musiker in den Ashram. Zu ihrem Segen organisierte Swamiji Musikunterricht, kaufte die nötigen Instrumente, stellte einen Raum bereit usw. Auf diese Weise verwandelte sich der Sender in einen Empfänger. &lt;br /&gt;
Swamiji betonte immer wieder, dass sich der Schüler dem Meister unterwerfen sollte, aber er wusste auch, dass dies weder von Seiten des Schülers noch von Seiten des Meisters erzwungen werden konnte. Es musste geschehen; aber auch dies begünstigte er, indem er die notwendigem Umstände schuf für das Üben der Unterwerfung. Er könnte zum Beispiel ein Anliegen vorbringen, das er gerne erledigt hätte und dann eine ganze Reihe von Alternativen aufzählen. Selbstverständlich würde der Schüler sich für etwas entscheiden, und daran konnte Swamiji genau erkennen, wo der Schüler stand – war er arrogant oder nur eitel, gleichgültig oder heuchlerisch demütig oder war er wahrhaftig demütig im Geiste der Unterwerfung.  Gleichzeitig ermöglichte er es dem Schüler wahrzunehmen, wo er wirklich stand und gab ihm die Gelegenheit, sich selbst in der Situation zu studieren. Somit war der Schüler in die Lage versetzt, sein Ego und dessen Spiel zu erkennen. Wenn ihm dann das hässliche Treiben des Egos bewusst wurde, erwachte Unterwerfung in ihm. &lt;br /&gt;
In den ersten Jahren, war Swamiji sehr streng in der Zulasssung von Aspiranten im Ashram; denn sie mussten ein sehr hartes Leben leben. Er erläuterte Anwärtern in ganz klaren Worten, was die Bedingungen für ein Leben dort waren. Aber nachdem er den Ashram aufgebaut hatte und das leibliche Wohl der Sadhaks sichergestellt war, bemühte er sich eifrig darum, mehr und mehr Menschen im Ashram zuzulassen, damit alle eine Möglichkeit zu spirituellem Wachstum haben könnten. &lt;br /&gt;
Swamiji arbeitete ohne Unterlass, damit die Aspiranten, die zu seinen Füßen Zuflucht gesucht hatten, vor den Schwierigkeiten bewahrt würden, denen er in der ersten Zeit in Rishikesh ausgesetzt war. Mit aller Macht wollte er verhindern, dass sie kostbare, mentale Energie vergeuden in Gedanken an das leibliche Wohl  - Essen, Kleidung, Unterkunft und medizinische Versorgung. Sie sollten frei sein, den Weg zu verfolgen, den sie eingeschlagen hatten.&lt;br /&gt;
Da er selbst die Gefahr von Extremen erfahren hatte, sagte er: „Es ist gut, wenn ihr Luxus ablehnt, aber zögert nicht, einfachen Komfort anzunehmen, der die Mindestnotwendigkeit  der physischen, menschlichen Existenz abdeckt.  Wenn Du für eine gewisse Zeit tüchtig arbeiten musst, dann versage Dir nicht  die notwendige, nahrhafte Nahrung. Während Du geistig arbeitest, halte etwas kühlendes Öl wie brahmi amla oil für Deinen Kopf parat . Lehne nicht das Obst ab, wenn ich es Dir anbiete.“  Daher drängte Swamiji die sadhakas, die mit Studier- und Schreibarbeiten beschäftigt waren, eine kleine Extraportion Milch und Ghee zu nehmen und bot ihnen auch Mandeln und Nüsse an. Wenn sie es ablehnten, war Swamijis Rat: „Das ist keine Weisheit. Wollt Ihr Diabetes und Nervenkrankheit herausfordern? Schaut her, was meine Entsagung bewirkt hat. Trockenes Brot und einfaches dhal sind nicht der einzige Test für „sadhuism“.“&lt;br /&gt;
Niemand im Ashram hatte größere Gebrechen als Swamiji selbst, und trotzdem war da niemand, der härter gearbeitet hätte als er. Wenn er einen Aspiranten traf, dem es gerade nicht gut ging, und wenn es auch nur ein wenig Kopfweh war, sagte er: „Bitte geh‘ und ruhe dich aus!“ und er würde einen Arzt schicken und noch ein halbes Dutzend andere, die ihm beistehen sollten. Wenn aber er jedoch krank war, fegte er streng des Doktors Bitte beiseite, er solle doch dem Körper ein wenig Ruhe gönnen. In diesem einen Aspekt war ein riesiger Unterschied zwischen Swamijis Grundsatz und seiner eigenen Praxis. Er lebte selbst aufopfernden Dienst vor und predigte anderen: „Bitte kümmert Euch um Eure Gesundheit!“ Seine Liebe zu aufrichtigen sprirituellen Aspiranten war unvergleichlich.&lt;br /&gt;
Im Jahre 1946 war der Ashram ziemlich arm und es gab nur wenige Zimmer und keine Annehmlichkeiten und keinen Komfort. Es gab noch nicht einmal einen Schutz vor den Affen, die regelmäßig den Ashram überfielen. Ein sehr kleiner Raum  mit klapprigen Türen wurde „das Büro“ genannt, daran schloss sich ein kleiner Raum an mit niedriger Decke und niedrigem Eingang (Swamiji nannte diesem Raum Demuts-Eingang). Wenn man sich nicht niederbeugen würde, verlöre man den Kopf. An einem Mittag im Hochsommer war es so heiß, dass drei oder vier der Büroarbeiter sowohl die Bürotüre als auch die Verbindungstüren geschlossen hatten, und sich im hinteren Teil aufhielten. Wenn Swamiji zu Mittag aß, fragte er immer nach einem extra Teller. Darauf legte er dann einen Teil seines Essens. Nachdem er seine Mahlzeit gegessen hatte, bedeckte er seinen kahlen Schädel mit einem dünnen Stück Stoff und ging  unverzüglich mit dem Teller los, von Raum zu Raum und gab jedem seiner Schüler etwas von seiner Speise (In diesen Tagen war dies eine außergewöhnliche Sache, denn viele Swamis würden weder ihren Schülern noch sonst jemanden wissen lassen, was sie gegessen hatten).  Er riet ihnen mit mütterlicher Zuneigung: „Kommt bitte nicht raus, es ist zu heiß.“ An diesem besonderen Tag so gegen 1 Uhr mittags ging er in der sengenden Sonne zum Büro, den Teller in der Hand.  Als er sah, dass alle Türen geschlossen waren, nahm er an, die Schüler würden schlafen. So ging er in die Küche, die nebenan war, und fand dort einen Swami. Er gab ihm Essen und sagte: „Die drei Jungs ruhen sich im Büro aus. Bitte störe sie nicht, aber wenn sie aufwachen, gib ihnen dies hier.“&lt;br /&gt;
Sein ganzes Leben lang war Swamiji mehr um andere besorgt als um sich selbst. Vielleicht bekam sein Körper dadurch so viele Krankheiten. Wie er nach seinen Schülern schaute,  die mütterliche Liebe, die seine Einstellung zu ihnen prägte, darin könnten sich sogar die warmherzigsten Eltern  von ihm unterweisen lassen. &lt;br /&gt;
Einmal, als Swamiji aus seiner Hütte heraustrat, kam ein Ashram-Arbeiter auf seinem Fahrrad vorbei. Sobald er Swamiji bemerkte, stieg er vom Fahrrad ab und ging zu Fuß weiter. Swamiji sagte: „All diese Formalitäten sind nicht nötig für mich. Liebe und Respekt haben ihren Sitz ihm Herzen; und Du solltest immer Liebe und Respekt für Ältere in Deinem Herzen haben. Dies werde ich wissen! Diese äußeren Formalitäten haben keine große Bedeutung für mich. Du gehst in der heißen Sonne umher, machst Einkäufe in Rishikesh und überwachst die Bauarbeiten. Zögere nicht, an Dich zu denken. Du musst jetzt etwas Kaltes trinken, und in einer halben Stunde solltest Du etwas Heißes trinken. Und wenn Du gerne etwas Obst vom Bazar hättest, so nimm gerne! Du hast die absolute Freiheit alles zu tun, um Deinen Körper in bester Gesundheit zu erhalten.“&lt;br /&gt;
Swamiji betrachtete das Leben an den Ufern des heiligen Flusses Ganges zu Füßen des Himalya als einen Segen – mit ein wenig Mantra-Wiederholung (japa), Meditaiton und selbstlosem Dienst, und er war eifrig bemüht, die Tore dazu allen zu öffnen. Unzählige junge Männer suchten Schutz zu Swamijis Füßen als  Zuflucht in ihrer Not und Verzweiflung.  Swamiji hat niemanden nach seiner Vorgeschichte ausgefragt. In dem Moment, wenn Swamiji auch nur den Hauch von Verzweiflung in den Augen eines Neuankömmlings sah, bekam dieser das Gefühl, dass Swamiji genau auf ihn gewartet hat und dass er ihm einen großen Gefallen tun könnte, dem Ashram beizutreten. Welche psychologische Kraft dies gab ist nicht vorstellbar. Der notleidenden Person wurde das Gefühl von Größe gegeben und unmittelbar fühlte dieser Mensch, dass seine Vergangenheit ein schlechter Traum gewesen war und dass eine wunderbare Zukunft vor ihm läge.&lt;br /&gt;
1945 ersuchte eine Frau Zuflucht im Ashram, die von ihrem Mann misshandelt worden war und die Familie  verlassen hatte. Selbst die leitenden Personen des Ashrams, die von Swamiji geschult waren, zögerten, der Frau Asyl zu gewähren.  Aber Swamiji blieb fest entschlossen, dass sie bleiben durfte. Allein der Gedanke daran, dass diese Frau ansonsten ihr Leben verlieren könnte reichte ihm aus, die ganze Welt zu ignorieren und nur diesem einen Menschen zu dienen. Ganze Bücher könnten damit gefüllt werden, auf welch wunderbare Weise Swamiji sie lehrte, ihre Leiden zu vergessen, ihren Geist zu beherrschen und letztendlich auf ihren eigenen Füßen zu stehen als eine unabhängige Stimme unter den Frauen Indiens. Von einer Belastung verwandelte Swamiji sie zu einer Bereicherung der Gesellschaft: ein wahrhaftiges Beispiel der Rehabilitation. &lt;br /&gt;
1955 begrüßte Swamiji einen Koch im Ashram. Der Koch hatte gar nicht vor, da zu bleiben und war überrascht, dass Swamiji bei der ersten Begegnung sagte: „Bitte bleibe hier. Du kannst ein Hotel in der Nachbarschaft eröffnen. Ich werde alles tun, Dich zu unterstützen.“   Er verfolgte die Sache weiterhin und bat den Sekretär, dem Koch einen Raum und die nötigen Utensilien für das Kochen zu besorgen, damit dieser seine Unternehmung starten könnte. Und er bot ihm sogar an: „Du kannst Lebensmittel vom Ashram nehmen und zu Deinem eigenen Gewinn verwenden.“  Etwas später verdeutlichte er seine Einstellung: „Es ist ein Segen, hier an den Ufern des Ganges, in Rishikesh, zu leben. Eines Tages könnte er die Sehnsucht verspüren, zu entsagen. Bis dahin ist es gut, ihn zu ermutigen, auch in seinem Streben nach Geld. Als erstes sorgen wir dafür, dass er hier bleibt, und dann bringen wir ihn langsam zu sadhana.“  &lt;br /&gt;
Eine andere Frau hatte ihren Mann verloren und war rastlos. Daher kam sie nach Rishikesh und blieb in der Nähe des Ashrams. Sie sagte zu Swamiji: „Ich habe Juwelen im Wert von vier- bis fünftausend Rupien und dazu noch ein Haus. Ich möchte für immer hier bleiben. Wenn Du mir das erlaubst, werde ich das Haus und die Juwelen verkaufen.“ Swamiji antwortete: „Behalte das Haus und die Juwelen. Du kannst in Brindavan bleiben.“ Er gab ihr ein Empfehlungsschreiben mit für einen guten Sadhu in Brindavan und schickte sie dorthin. Und er wies sie an: „Bereise die umliegenden Ortschaften. Verbreite den Ruhm von Gottes Namen. Leite Kirtans an in jedem Haus. Unterrichte die kleinen Kinder.“&lt;br /&gt;
Für einige Zeit folgte sie Swamijis Anweisungen. Dann wurde sie psychisch krank. Sie kam zurück nach Rishikesh und machte verliebte Annäherungsversuche an Swamiji. Durch das Fenster warf sie Parfüm auf Swamijis Bett. Und wenn Swamiji die Tür zu seiner Hütte öffnete, kam sie herein um bei ihm zu sitzen. Er fuhr einfach fort mit seiner Arbeit, ohne auch nur daran zu denken, dass sie da war. Nach einer Weile ging sie dann aus eigenen Stücken wieder weg. Swamiji hätte sie auch auffordern können zu gehen; aber nein, er würde nie jemanden auch nur die kleinste Verletzung zufügen. Er war erfüllt von Liebe zu allen.&lt;br /&gt;
Nachdem die Belästigungen heftiger wurden, bat uns Swamiji, einen Stacheldrahtzaun um seine Hütte zu errichten. Wenn sie den Zaun um Swamijis Hütte sah, verfiel sie oft in Raserei. Dann warf sie Steine auf Swamijis Hütte. Auch da bewahrte er seine Ruhe. Nach einiger Zeit verschwand sie. &lt;br /&gt;
Nach einigen Jahren kehrte sie im Mönchsgewand nach Rishikesh zurück. Sie war alt geworden. Swamiji wurde nie von einem Vorurteil  beeinflusst. „Sie könnte sich geändert haben. Jede Sekunde entwickelt man sich. Wir sollten niemanden nach seiner Vergangenheit beurteilen.“, sagte er. Das war sein Leitprinzip. Er erlaubte ihr, in der Nähe des Ashrams zu bleiben. Normalerweise ging sie täglich in den Bazar von Rishikesh, und eine zeitlang sang sie irgendwelchen Unsinn über Swami Sivananda vor jedem Geschäft. Sie beschimpfte und beleidigte ihn sogar in der Öffentlichkeit. Abends kam sie dann in den Ashram. Swamiji sandte ihr Früchte und Mandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Saat säen&lt;br /&gt;
Viele Menschen, die sich inmitten von Zwietracht, Streit und Angst nach Frieden und Glück sehnten, fanden in „Sivananda Swami of Ananda Kutir“ (wie er von den Leuten in und um Rishikesh normalerweise genannt wurde) eine Vater-Figur, lieber als der eigene. Diejenigen  von religiösem und spirituellem Temperament , die sadhana zu ihrem einzigen Lebensziel gemacht hatten, fanden in ihm eine immerwährende Quelle der Weisheit und des Lichtes. &lt;br /&gt;
Mit unterschiedlichen Menschen hatte Swamiji auch unterschiedliche Beziehungen. Einige weit entwickelte Aspiranten kamen zu ihm und in ihnen loderte das Feuer der Entsagung, der Verhaftungslosigkeit und der Unterscheidung. Sie zu lehren geschah auf anderen Kanälen. Swamiji wurde nur sehr selten mit ihnen gesehen, auch zogen sie nicht sehr nah zu ihm. Ihre Beziehung zu Swamiji war auf einer völlig anderen Ebene – der spirituellen Ebene. Es gab nur wenige solche Schüler.&lt;br /&gt;
Die große Mehrheit der anderen, mit denen Swamiji arbeitete und dichtauf lebte, waren unreife Aspiranten.  (Einige hatten nicht die geringste spirituelle Sehnsucht. Sie hatten bei Swamiji Unterschlupf gefunden, weil materielles Versagen sie von zu Hause vertrieben hatte und sie sonst umgekommen wären.)  Swamiji musste oft ihn ihnen den Samen von vairagya (Wunschlosigkeit, Verhaftungslosigkeit,Leidenschaftslosigkeit) säen! „Ihn abzuweisen, das kann ich nicht. Gebt ihm wenigstens die Möglichkeit, sich in einen besseren und glücklicheren Menschen zu verwandeln. Falls er versagt – macht nichts. Ein Versuch muss in jedem Fall gemacht werden.“ Solcher Art waren Swamijis Bemerkungen, wenn ein verstörter junger Mann dem Ashram beitreten durfte. So wurde von keinem Aspiranten eine Qualifikation gefordert. Es war eine Art Witz: wenn ein junger Mann sein Examen nicht bestanden hat oder sein Geschäft ruiniert hat – sucht nach ihm im Sivananda Ashram! Swamiji nahm sie großzügig auf und versuchte, sie zum Erwachen zu bringen.&lt;br /&gt;
Nicht alle Menschen, die bei Swamiji Zuflucht suchten, waren gute Menschen; aber er sah nur das Gute in ihnen; gegenüber dem Bösen war er blind. Wenn jemand einen schlechten Charakterzug hatte, würde er ihn nie verurteilen oder hart zu ihm sein. Normalerweise sagte er: „Macht Euch nichts daraus, wenn dieser Mann sogar bösartig ist; indem ich ihn herkommen lasse und ihm Obdach gewähre stelle ich sicher, dass es einen Schurken weniger gibt in Delhi!“ Das war seine Philosophie! „Allein die Tatsache, dass  derjenige hergekommen ist, zeigt, dass da eine kleine Öffnung ist, egal wie klein, durch die ein wenig Kommunikation stattfinden kann.  Lasst ihn hier bleiben, ich werde einen Samen säen. Während dieser Geburt, der nächsten Geburt, kümmert Euch nicht; diese Saat wird jetzt oder viele Jahre später aufgehen.“&lt;br /&gt;
Swamiji sagte, dass es wohl zu viel verlangt ist von einer Person, die in der modernen Welt lebt und von alles Seiten mit Ablenkungen und Versuchungen überflutet wird, Leidenschaftslosigkeit und Unterscheidungsvermögen zu entwickeln. Er meinte, dass es möglich sein muss bei einem Menschen, der vor seinem eigenen Scheitern davonläuft,  einen Funken zu finden den man anfachen kann zu einer großen Flamme. Sogar wenn gar kein Funken vorhanden war, konnte er eine Flamme entfachen. Das war das Einmalige an Swami Sivananda. Er pflanzte die Samen der Güte, er nährte sie, goss sie und ließ sie wachsen und gedeihen; auch wenn dies ihm selbst ungeheure Schwierigkeiten bereitete, ihm machte das alles gar nichts aus.&lt;br /&gt;
Es ist nicht leicht nachzuvollziehen, was die Suchenden in den frühen 1940-er Jahren empfanden, wenn sie in den Ashram kamen. Einige hatten wohl Swami Sivanandas leidenschaftliche Worte in seinen Originalschriften gelesen, die so inspirierend waren, dass man auf der Stelle seine Kleider ablegen  wollte, um zum Himalaya zu eilen und dort Enthaltsamkeit zu praktizieren und sofort Selbstverwirklichung zu erreichen! Das war das Besondere an seinem Stil. Viele auf diese Weise inspirierte Menschen kamen in den Ashram. Oft liefen sie los, ohne sich umzuziehen, denn in Swami Sivanandas „How to Get Vairagya“ hatten sie gelesen „renounce everything“ (entsage allem) – und so entsagten sie allem. „seek solitude“ (suche die Einsamkeit, Abgeschiedenheit) – und so suchten sie Abgeschiedenheit im Ashram. Einige von ihnen könnten beim Betreten des Ashrams  entdeckt haben, dass andere, die schon vor ihnen angekommen sind, einen schönen Mantel trugen. Und dann dachten sie manchmal: „Aha, sie sind vom Wege abgekommen, sie sind gescheitert. Seht her, wie leidenschaftslos ich bin. Meine Sehnsucht ist viel größer als die Sehnsucht von diesen Leuten, die schon seit so langem mit Swami Sivananda zusammen sind. Sie wissen nicht, was tapas (Askese), vairagya (Wunschlosigkeit) und brennendes Verlangen ist. Jeden Morgen sitze ich hier um 4 Uhr und meditiere. Schau all die alten Ashrambewohner an!“  Swamiji beobachtete sie und schätzte sie.&lt;br /&gt;
Egal, was der Aspirant machte, zuerst kam die Ermutigung. Danach würde er ein wenig antreiben. „Enthusiasmus ist sehr gut. Du hat eine wunderbare Sehnsucht. Du bist großartig, Du bist wie Sukadeva. Aber jugendlicher Enthusiasmus ist nicht gut.“ Zuerst eine große Menge Lob, danach eine kleine bittere Pille, das war seine Methode. Niemand sollte entmutigt werden oder das Gefühl bekommen dass das, was er tat, völlig falsch sei. Seine Einstellung war: „Nein, mach das, es ist wunderbar, aber stelle sicher, dass es nicht nur jugendlicher Enthusiasmus ist, etwas, das später ein Rückschlag sein könnte.“&lt;br /&gt;
Da die Aspiraten nicht nur noch ganz roh waren, sondern auch noch in keiner Weise erwacht, musste auch das Erwachen vom Meister beeinflusst werden. Bei einer Gelegenheit gingen sehr erfahrene Schüler mit allerhand Beschwerden zu Swamiji. Er  musste auch sie zufriedenstellen, also gab er vor, wirkllch ärgerlich zu sein. Sehr zufrieden gingen die erfahrenen Schüler davon und dachten, dass Swamiji sich nun den jungen Aspiranten vornehmen würde. Genau das Gegenteil geschah: der Mann, über den sie sich beschwert hatten, bekam als erstes einige Bananen.  Damals gab es im Ashram einen kleinen Jungen, der Swami Sivananda diente, und der kam dann angelaufen und sagte: „Swamiji gibt Dir Früchte“. Eine halbe Stunde später würde jemand anderes kommen: „Swamiji lässt Dir Kaffee bringen.“ Und eine Stunde später würde er persönlich erscheinen und sagen: „Du bist hervorragend und glänzend. Meditierst Du gut? Machst Du Japa (Mantrawiederholung)?  Gut. Studierst Du vedanta? Sehr gut“  Was wurde nun aus all den Beschwerden?  Swamiji würde beobachten, ob all die Ermunterungen wirken würden. Anstatt zu sagen: „Du bist ein schlechter Kerl.“ Bestand Swamiji darauf, sich auf die guten Eigenschaften in Dir zu konzentrieren, Dir zu sagen, dass Du ein guter Arbeiter bist, auch wenn Du kein spirituelles Verlangen und keine Hingabe hattest. Er würde sagen: „Du bist ein großartiger Arbeiter. Da ist niemand, der so hart arbeitet wie Du.“  Dann würde er freundlich hinzufügen: „Immer, wenn Du arbeitest, sehe Gott in allem. Warum hilfst Du nicht in der Küche und gibst Essen aus? Du bist ein großartiger Mann, Du hast einen hübschen Körper und eine schöne Stimme. Wenn Du roti servierst, sage Bhagavan roti, roti Narayan, roti Maharaj.“  In diesem Moment wurde die Saat der spirituellen Sehnsucht gesät.&lt;br /&gt;
Swamiji tat für Aspiranten, was sogar die liebevollsten Eltern nicht immer tun würden. In dem Moment, in dem sich auch nur die leiseste Spur eines Talentes bei einem Aspiranten zeigen würde, widmete er sich persönlich dem Erwecken und vollen Entfaltung dieses Talentes des Aspiranten. Tag und Nacht würde er  über Mittel und Wege  nachsinnen, wie der sadhaka sich entfalten könnte;  letztendlich zum Segen der ganzen Menschheit. Auf diese Weise wurden einige Abteilungen im Ananda Kutir gegründet und fortgeführt. 1948  trat ein junger Mann dem Ashram bei; er sagte, dass er sich mit Papierherstellung auskennen würde. Am folgenden Morgen ließ Swamiji eine Grube ausheben und ließ Rohmaterialien anliefern, damit dieser junge Mann, der keinerlei Qualifikationen (Swamiji fragte auch niemals danach) nachweisen konnte, seine Ideen verwirklichen konnte. &lt;br /&gt;
Swamiji nahm so ein aufrichtiges Interesse in all diese Unternehmungen, dass man denken könnte, er hätte gerade darauf gewartet, dass eine Person kommt und ihm genau bei dieser Arbeit hilft. So umfassend und gründlich war seine Begeisterung, dass er in kurzer Zeit Vorschläge machen konnte, wie man diese Arbeit, in der der Aspirant ja eigentlich der Experte war, besser erledigen könnte. So war es auch mit dem Fotostudio im Ashram.&lt;br /&gt;
Läuterung/Reinigung&lt;br /&gt;
Swamiji hat manchmal betont, dass atma jnana (Selbstverwirklichung) denkbar einfach ist. Es ist ganz einfach, ABER die vorbereitende Reinigung, die eine Voraussetzung ist, ist extrem schwierig. Wenn die Reinigungsübungen anstanden, wendete er sehr einfache Methoden an, die aber sehr tiefgreifend in ihrer Wirkung waren. Die Übungen mussten kontinuierlich gemacht werden (im Sinne von Wiederholung). Swamiji musste sie wieder und wieder und wieder machen. Er hatte eine solche Geduld, dass er niemals jemanden als hoffnungslosen Fall betrachtete. Wenn ein Schüler den Sinn auf die eine Weise nicht einsehen konnte, würde Swamiji es so oder so abwandeln. Swamiji drehte und wendete es, bis eines Tages, so hoffte er, der Schüler einsehen würde, was er ihm versuchte beizubringen.&lt;br /&gt;
Wenn jemand eine Schwäche hatte, war Swamiji demgegenüber blind und sagte: „Er hat einige Schwächen, aber er hat auch einige großartigen Fähigkeiten.“  Er wählte die Methode, niemals die Fehler einer Person hervorzuheben, es sei denn, dass es nötig wäre.  – Zum Beispiel im Falle einer Konfrontation  mit einem anderen Schüler, wenn man Swamiji  die Angelegenheit vorgetragen hatte und beide vor ihm erscheinen mussten. Und wenn er einen Tadel aussprechen musste, tat er es ganz liebenswürdig. Als erstes würde er den Aspiranten loben. „Du hast diese und jene gute Eigenschaft. Als erstes ist es  Dein größtes Glück, dass Du der Welt entsagt hast, hierher gekommen bist und im Ganges gebadet hast. Du musst in hunderten von vergangenen Leben spirituell praktiziert haben, um so spirituell veranlagt zu sein. Und Du musst Dir die Gnade von Tausenden von Heiligen verdient haben, um hierher in den Ashram geführt zu werden, damit Du ein spirituelles Leben leben kannst.“  Dann würde er hinzufügen: „Warum möchtest Du streiten? Es ist nur ein kleiner Fehler. Werde nicht gereizt. Wenn Du gereizt bist, könntest es all Deine Bemühungen vereiteln. Hast Du schon gefrühstückt? Was hattest Du? Kaffee oder Tee? Soll ich Dir noch etwas besorgen?“  Ein Bündel Bananen kamen zuerst, dann ein klein wenig prick gefolgt von Butter und Honig.  Nachdem die Bananen verdaut waren und auch die Butter und der Honig gegessen, dämmerte Erkenntnis: „DIES wollte mir Swamiji sagen!“ &lt;br /&gt;
Swamiji hielt seine Schüler nie in einem Zustand der Anspannung. Er machte Druck, sein Training voranzutreiben, aber sobald er merkte, dass ein Schüler zusammenbrach, lockerte er alle Regeln.&lt;br /&gt;
Das grundlegende Prinzip in all dem war, dass niemand jemals von Swamiji kritisiert wurde. Kritik hätte alles ineffektiv gemacht.&lt;br /&gt;
Das Wohlergehen der Schüler&lt;br /&gt;
Tag und Nacht hatte Swamiji nur einen Gedanken: Wohlergehen, Wachstum und Fortschritt (weltlich und spirituell) seiner Schüler. Oftmals erhob er sich zu einem leidenschaftlichen Appell an seine geliebten Schüler, er drängte sie mit feurigen Worten, alle Spuren von persönlicher Wichtigkeit auszurotten und sich  der edlen Idee des Dienstes an der Welt hinzugeben. Er schilderte ihnen auf packende und mitreißende Weise die Herrlichkeit des selbstlosen Dienens und der Verehrung Gottes als das Größte und Großartigste von allem Yoga. Wie alle Aspiranten fühlten sie sich manches mal bestürzt über die Endlosigkeit und  Weite der menschlichen Probleme und des Leidens. Dann munterte Swamiji sie auf mit der ausdrücklichen Versicherung, dass ein Leben des selbstlosen Dienens nie ein Misserfolg sei. Er rüttelte sie auf mit Worten wie diesen:&lt;br /&gt;
Kümmert Euch nicht darum, ob Selbstverwirklichung kommt oder nicht. Strengt Euch größtmöglich an, Euch ethisch zu verbessern und macht Euch perfekt für den Dienst an der Menschheit. Seht Gott in jedem Menschen. Betrachtet jeden Menschen als Gott. Wenn Eure Vorstellung von Gott beinhaltet, dass ER alldurchdringend ist, warum könnt Ihr IHN dann nicht in allen Wesen erkennen? Was hindert Euch daran, Euren Glauben in die Tat umzusetzen? Ihr müsst die Vorstellung aufgeben, dass ER nur hinter geschlossenen Augen und Türen vorhanden ist. Fühle SEINE Gegenwart in jedem und allem während Du dienst; und schaue dann, ob ER nicht im Grunde Deines Herzens strahlt in SEINEM eigenen Klang.  Wenn das Herz noch nicht frei ist von allen Unreinheiten und die niedere Natur nicht befreit ist von Schmutz, wie kann dann spirituelle Erfahrung zu Dir kommen? Bevor Du nicht Deine eigene Natur perfekt gemacht hast, kannst Du unmöglich die Wahrheit eines Wesens erkennen, das die reine Essenz der Vollendung ist. Rotte zuerst Egoismus, Ärger, Hass, Gier und Doppelzüngigkeit aus und sei aufrichtig und von ganzem Herzen  bei Deinem selbstlosen  Dienst. Wenn  Du es schaffst, zehn Menschen ein klein wenig Gutes zu tun, wenn Du erfolgreich einen schlechten Charakterzug  völlig ausrotten kannst und dafür eine einzige edle Tugend vollständig entwickeln kannst, sei sicher, dass Dein Leben nicht umsonst gelebt wurde. Und sogar nur zehn Menschen von einer Million erreichen kaum jemals dies. Was soll’s, wenn Du nicht samadhi und Selbstverwirkllichung erreichst?&lt;br /&gt;
Kopf hoch, sei guten Mutes! Sei mit Leib und Seele bei der Arbeit. Ich garantiere Dir, dass Du Dich gesegnet und glücklich fühlen wirst. Sei nicht unzufrieden mit Deinem Los oder niedergeschlagen wegen Deinem Fortschritt. Handle nach meinem Wort. Habe ich nicht über Dein spirituelles Wohl nachgedacht?  Dann, wenn Du nur könntest, würdest Du sehen, dass Tag und Nacht, in jedem Augenblick, mein Herz in Sorge über Dein Wohlergehen schlägt. &lt;br /&gt;
Außer dem „direkten Familienkreis“ von Aspiranten, Studenten und Arbeitern gab es viele Suchenden in anderen Ländern, die große Zuneigung  zu Swami Sivananda hatten und ihn verehrten. Ihnen war er ein spiritueller Führer und Meister. Swamiji beantwortete ihre Briefe prompt, ging auf alle ihre Fragen ein und leitete sie. &lt;br /&gt;
Dazu schrieb Swami Sahajanandaji  aus Durban, Südafrika.&lt;br /&gt;
Jeder Anhänger und Verehrer von Swamiji muss erfahren haben, dass man die grenzenlose Gnade und Barmherzigkeit nur stillen Herzens und nicht mit Worten ausdrücken kann. Irgendwo habe ich gelesen, dass Swamijis Wohltätigkeit als „unbesonnen“ bezeichnet wurde. Aber ich denke, dass seine Gnade und Liebe sogar noch reichlicher vorhanden waren als die Wohltätigkeit.  Es ist nicht bemerkenswert, wenn ein Erster-Klasse-Aspirant die Gnade eines Meisters erhält. Aber wenn jemand sich qualvoll abmüht auf dem Weg zur Gottverwirklichung und erfährt dann ganz direkt die liebevolle Beachtung eines großen Heiligen, wird dieser Mensch sicherlich vor Ehrfurcht erzittern und eine unausprechliche Dankbarkeit wird ihn erfüllen. Leider war ich auch jemand, der nicht „rein“ geboren wurde oder mit einer großen Portion spiritueller samskaras  (= geistige Eindrücke aus dem jetzigen und den früheren Leben, die im Unterbewussten liegen) ausgestattet war. Aber durch Swamijis Gnade erreicht man langsam aber sicher das Ziel. Die Liebe und Fürsorge , die Swamiji einem fünftklassigen Aspiranten wie mir hat angedeihen lassen,  weist ihn als gottverwirklichten Heiligen aus. &lt;br /&gt;
Obwohl wir tausende von Meilen entfernt von seiner physischen Gegenwart lebten, kümmerte sich Swamiji um uns auf die gleiche Weise, wenn nicht noch besser, als um diejenigen, die in seiner Umgebung im Ashram lebten.  Hier einige Beispiele:&lt;br /&gt;
Vor einiger Zeit schrieb ich ihm einen dringenden Brief wegen physischer Beschwerden. Das war gerade zu der Zeit, als Swamiji von seiner „All-India“-Reise zurückgekehrt war. Obwohl er sicherlich hunderte von Briefen zu beantworten hatte, war er so gütig, mir noch am selben Tag zu antworten. Neulich schrieb ich ihm von einer Veränderung meiner sadhana Praxis. Zurück kam eine zweiseitige Antwort in seiner eigenen Handschrift. Und noch bemerkenswerter war, dass Swamiji selbst den Brief adressiert und zur Post gebracht hatte; und das rührte mein Herz und ließ es zutiefst erbeben. Stellt Euch einen  bedeutungslosen Menschen vor wie mich, der mit so viel von seiner Liebe überschüttet wird! Und was für aufmunternde und tröstende Worte sein Brief erhielt! Jedes Wort ist durchtränkt mit der Wärme seiner grenzenlosen Liebe. Es ist diese Liebe, die dazu führt, das wir uns unwürdig fühlen, seinen kostbaren Segen zu empfangen.&lt;br /&gt;
Swamijis Buchgeschenke erreichten uns dutzendweise. Wenn ich ihn um ein Buch bat, schickte er sechs. Auch wenn beantragt war, dass die Bücher erst nach der Bezahlung geschickt werden sollten, kamen sie mit unverzagter Beharrlichkeit an. Nicht nur die Geschenk-Bücher erreichten die Gestade meines Landes, sondern auch herrlich frisches, süßes prasad kam, in Dosen verpackt, hier an. Es ist sicherlich nicht fehl am Platze, hier eine Erfahrung widerzugeben, die mein Freund, Sri G. V. Naidoo, bei einem Ashram-Besuch gemacht hat. Sobald er Swamiji traf, wurde er buchstäblich mit Liebe überschüttet. Swamiji widmete sich ihm persönlich, und mein Freund ging dann mit einem Stapel Bücher in den Händen. Dann erzählte er noch, wie er ein Bild von Swamiji bewunderte, das an der Wand hing – eine Ansicht von Swamijis tapas (Askese-Übungen) -   und Swamiji hatte es von der Wand abgenommen und ihm geschenkt. Welch eine außerordentlich seltene Großzügigkeit strahlt aus Swamijis Herz!&lt;br /&gt;
Swamijis Heilkräfte wurden auch im entfernten Südafrika bewiesen. Zwei Fälle habe ich persönlich erlebt. Einer meiner Freunde, der ein Patient im T. B. Settlement war, litt an einer schweren Schlafstörung. Ich schrieb deswegen an Swamiji. Seine sofortige Antwort enthielt Anweisungen, wie man das Problem beseitigen könnte. Obwohl der Patient nicht den Anweisungen folgte, schlief er daraufhin gut. Nach einigen Wochen, wurde er wieder von Schlaflosigkeit geplagt. Es ist ein Jammer, dass die Anweisungen nicht befolgt wurden.  Das andere Beispiel betraf einen persönlichen Freund von mir, der an schlimmen und schmerzhaften Leberflecken auf den Händen litt. Wieder schrieb ich an Swamiji. Das von ihm empfohlene einfache Mittel wurde angewendet und die Leberflecken meines Freundes gingen vollkommen zurück. Das ist nun Monate her und die Probleme sind nicht wieder aufgetaucht. &lt;br /&gt;
Wie löst Swamiji die Alltagsprobleme der Aspiranten, die nicht in der glücklichen Lage sind, seine mündlichen Anweisungen zu hören? Das geschieht auf eigentümliche Weise. Wenn ich manchmal mit einem schwerwiegenden Problem konfrontiert bin, nehme ich einfach eins von Swamijis Büchern in die Hand und schlage irgend eine Seite auf – und schon springt mir die genaue Lösung für meine Probleme in die Augen! Manchmal vielleicht erreicht mich Swamijis innere Führung während der Meditation; oder es kann passieren, dass ein Ereignis oder eine Person mir die richtige Antwort gibt. Man muss allerdings wachsam sein, die richtige Führung zu empfangen. Aber in den meisten Fällen würden Swamijis Bücher uns helfen. Dies war auch die Erfahrung der anderen Anhänger hier. Es passiert so oft, dass wir keinen Zweifel daran haben, dass Swamiji all unsere Schwierigkeiten kennt  und dass seine Führung immer bei uns ist, egal wie viele Meilen uns von ihm trennen. Swamiji hat auch vollkommene Einsicht in unsere Herzen und unseren Geist, und niemand kann ihm etwas vormachen. Einmal schrieb ich ihm einen Brief und suchte Antworten auf einige Fragen spiritueller Natur. Swamiji fand die Wahrheit heraus, dass nämlich die Antworten dafür benötigt wurden, jemand anderes herabzuwürdigen – und er gab keine direkte Antwort. Von da an traute ich mich nicht  mehr, irgendwas vor ihm zu verheimlichen. Wir haben auch festgestellt, dass alles, was er sagte, früher oder später auch eintreffen würde. Seine Worte waren unfehlbar.&lt;br /&gt;
Das Geheimnis, wie man Swamijis Gnade erreichen kann, ist ihm von ganzem Herzen zu dienen. Ein kleiner Dienst an Kranken hier oder das Verteilen von einigen Schriften  dort – und schon hast Du einen Platz in seinem großen Herzen eingenommen. Jeder einzelne von den Tausenden von Schülern und Anhängern kennt diese Wahrheit. Dienst an Swamiji (ich nenne das Sivayoga) ist der großartigste Yoga dieser Zeit. Lass all diejenigen, die den vielen Wegen zu Gott folgen wollen, dies tun. Aber meine größte Freude ist es, Swamiji zu dienen, egal, ob es zur Gottesverwirklichung führt oder nicht.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Karli</name></author>
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		<updated>2012-12-28T13:20:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Karli: Die Seite wurde neu angelegt: „Schüler Schüler / Meister und Schüler Zusammengestellt von Sri Swami Venkatesananda   (*29.12.1921 in Tanjore, Südindien, †2.12.1982 in Johannesburg, Südaf…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Schüler&lt;br /&gt;
Schüler / Meister und Schüler&lt;br /&gt;
Zusammengestellt von Sri Swami Venkatesananda   (*29.12.1921 in Tanjore, Südindien, †2.12.1982 in Johannesburg, Südafrika)&lt;br /&gt;
In seinen Büchern hat Swamiji das Wesentliche des traditionellen Lehrens vermittelt, und in diesen Unterweisungen hat er die geheime Botschaft preisgegeben, wie man mit der Wahrheit  in Verbindung bleiben kann und wie man sie zu einem ganzheitlichen Aspekt seines Lebens machen kann. Er verkörperte dieses Lehren.  Zum  Beispiel, obwohl sein ganzes Leben im wahrsten Sinne des Wortes aus Karma Yoga bestand, waren seine Schriften zu Karma Yoga sehr spärlich. Obwohl er nicht viel unterrichtete, waren die wenigen Worte der Unterweisung, die seine Schüler von ihm hörten, unvergesslich. Er selbst war meistens die lebendige Wahrheit.  Durch seine Taten sprach er lauter als durch einen  Lautsprecher. &lt;br /&gt;
Der erleuchtete Guru kann seine wesentlichen Erfahrungen nicht in Worte fassen. Was niedergeschrieben wurde oder was in Worten ausgedrückt wurde,  ist nur ein Bruchstück der Erfahrung des Weisen. Da ist etwas, das er erfahren hat, das unaussprechlich ist. Sogar der kleine Teil, den er ausdrücken kann, geht bei der Übermittlung verloren, da der Schüler nicht achtsam ist. Daher hat Swamiji nur selten die Zuhörer aufgefordert, eigene Notizen zu machen, sondern sie sollten den Dialog oder die Unterhaltung hinterher aufschreiben. &lt;br /&gt;
Kommunikation ist fast immer non-verbal. Oft hat man gemerkt, dass ein hoch inspirierender Dialog, wenn er schnell niedergeschrieben wurde, nicht mehr so inspirierend war, weil Swamijis „hm“, ein Lächeln und ein Ausdruck von Gesicht und Augen eine gewaltige Wirkung und Bedeutung hatten. In diesem Bereich fand die Kommunikation statt! Kommunikation kann nur stattfinden, wenn Meister und Schüler miteinander verschmelzen, wenn sie auf der gleichen Ebene und Wellenlänge sind. Dann wird die Lehre aufgenommen, ohne dass ein Wort nötig wäre. In den Katha Upanishad heißt es: &lt;br /&gt;
Uttishtata jagrata prapya varan nibodhata. (Arise, awake, be vigilant; then approach a great master and attain enlightment = erhebe Dich, erwache,  sei achtsam; dann trete an einen großen Meister heran und erlange Erleuchtung).&lt;br /&gt;
Das Erheben und Erwachen sind Sache des Schülers und nicht des Meisters; aber Swamiji wich von dieser Regel ab und gewährte auch Menschen Zugang zum Ashram, die nicht all diese Qualifikationen aufwiesen. Er verbarg die spirituelle Weisheit nicht – sie war da, öffentlich – und er stellte sie nicht zur Schau. Das war ein außergewöhnlicher Wesenszug an ihm.  Viele Swamis und Yogis würden auf eine einfache Frage wie „Kann man im Winter im Ganges baden?“  eine lange Rede über Vedanta halten: „Du bist nicht der Körper, Du bist nicht der Geist. Du bist das unsterbliche Selbst. Es ist nicht das unsterbliche Selbst, das die Kälte spürt, es sind Körper und Geist, die die Kälte fühlen!“ Swamiji sprach nie so. If at all, he erred on the other side. Er war mehr an dem körperlichen und intellektuellen Wohlergehen der Aspiranten interessiert, anstatt bei jedem Husten oder Niesen jedesmal irgendwelche religiösen Anweisungen auszusprechen. Er wartete darauf, dass der Aspirant eine spirituelle Frage stellt, und wenn der Fragende eifrig und begeistert war, kommunizierte er Wissen auf unerklärliche Weise.&lt;br /&gt;
Damals war es für Heilige Tradition, sich in einer Höhle zu verbergen und zu warten, bis ein qualifizierter Aspirant sich nähern würde. Ein Aspirant, der schon ein inneres Erwachen erfahren hatte, der aufmerksam und begeistert war und der unter Einsatz von viel Kraft und Zeit sich die Mühe gemacht hat, zu ihm zu gelangen, um den Heiligen um Unterweisung zu bitten. Im Großen und Ganzen übernahm Swami Sivananda diese Tradition, indem er „seine Weisheit unter einem großen Mantel verbarg“. Die Menschen, die zu ihm kamen,  erinnerten sich an seine Zuneigung und Liebe und seine großen Sorge um ihr körperliches und materielles Wohlergehen. Dies waren seine Hauptsorgen – Weisheit oder atma jnana kamen zu ihrer Zeit. Wenn aber ein Schüler in vollkommener Hingabe und Liebe mit ihm verschmolz, konnte non-verbale Kommunikation sehr leicht geschehen. Dies war sein Geheimnis. Denn er hatte erkannt, dass keine mündlichen Unterweisungen irgendwie fruchten würden, solange der Aspirant nicht Weisheit, Leidenschaftslosigkeit, edle und tugendhafte Eigenschaften und ein beständiges Streben nach Befreiung hat – und somit die non-verbale Kommunikation unmöglich ist.&lt;br /&gt;
Anhängerschaft (discipleship)&lt;br /&gt;
Wenn die Leute in der Anfangszeit nach Rishikesh kamen, fanden sie Swami Sivananda, wie er Glückseligkeit, Frieden und Freude verströmte, obwohl all die Dinge fehlten, von denen man denkt, dass sie für Frieden, Freude und Wohlstand  nötig sind. Es gab absolut nichts. Unter solchen Umständen lebend verströmte er trotzdem Freude. Wie konnte er so leben? Der Blick in seinen Augen verriet, das er die Wahrheit gefunden hatte. Wenn man in seine Augen schaute erkannte man, dass er die Wahrheit gefunden hatte und man selber nicht.  Das allein machte demütig und man warf sich nieder zu seinen Füßen. &lt;br /&gt;
Anfang 1947 saß Swami Sivananda in seinem Büro. Ein junger Mann aus Südafrika, der im Ashram für 2 oder 3 Monate gelebt hatte, musste an diesem Tag abreisen. Er trat ein, fiel vor Swami Sivananda auf die Knie und begann zu weinen. Mit höchster Liebe und Zuneigung schaute Swamiji ihn an. Der junge Mann sagte: „Swamiji, ich muss heute abreisen. Aber wo in Afrika werde ich einen Meister wie Dich finden?“&lt;br /&gt;
Plötzlich veränderte sich Swamijis Gesichtsausdruck, und mit einem unheimlich schönen, vielsagenden und verschmitztem Lächeln sagte er: „Hm, Du findest keinen Meister in Afrika?“ In diesem Moment verschwand der Kummer des jungen Mannes und seine Tränen trockneten. Swamiji lachte, blickte ihn fest an und sagte: „Es ist sehr leicht, einen Meister zu finden, aber es ist schwer, einen Schüler zu finden. Sei ein Schüler! Vom Scheitel bis zur Sohle sei ein Schüler! Dann wirst Du einen Meister finden.“&lt;br /&gt;
Swamiji sagte niemals „Ich bin Dein Meister“. Manchmal pflegte er zu sagen „Du bist mein Schüler“  oder „er ist mein Schüler“. Seinen ersten Schülern schrieb er: „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen, ich werde Dir dienen und Dich leiten.“ Wenn er sagte „Ich habe Dich als meinen geliebten Schüler angenommen“, dachten die Schüler, sie dürften Swamiji in Anspruch nehmen und könnten ihm freizügig schreiben. Genau das wollte er auch. Der nächste Satz war „ich werde Dir dienen“. Der Schüler sollte eigentlich dem Meister dienen! In dieser Formulierung hob er die Vorstellung von ihm als Guru auf. Er betrachtete sich selbst nie als Guru. &lt;br /&gt;
Dem Meister zu dienen ist besonders wichtig. Indem man dem Meister dient, entdeckt man seine Wellenlänge und wie man sich zu ihr erheben kann. Der Schüler macht etwas auf bestimmte Weise, in einer bestimmten Geisteshaltung – aber der Meister macht es anders, es mag sogar seine Eigenart sein. Aber wenn es der Schüler nicht lernt, Dinge in der Art und Weise des Meisters zu tun, wird er sich nicht auf die Wellenlänge des Meisters einstellen können. Trotzdem ist sein Dienst wertvoll. Auch wenn Swamiji den Schülern das Gefühl gab, dass ihre Arbeit ein wichtiger Beitrag für die Mission war, wollte er ihnen  tatsächlich nur Möglichkeiten bieten, sich auf ihn einzustimmen und an ihm auszurichten, - und nicht, weil er ihren Dienst benötigt hätte. Er arbeitete hart daran, Arbeitsbereiche zu erstellen, in denen sie ihre Talente ausüben konnten, um ihnen so zu helfen, innerlich zu wachsen, damit die Kommunikation stattfinden könnte.   Zum Beispiel kamen einige Musiker in den Ashram. Zu ihrem Segen organisierte Swamiji Musikunterricht, kaufte die nötigen Instrumente, stellte einen Raum bereit usw. Auf diese Weise verwandelte sich der Sender in einen Empfänger. &lt;br /&gt;
Swamiji betonte immer wieder, dass sich der Schüler dem Meister unterwerfen sollte, aber er wusste auch, dass dies weder von Seiten des Schülers noch von Seiten des Meisters erzwungen werden konnte. Es musste geschehen; aber auch dies begünstigte er, indem er die notwendigem Umstände schuf für das Üben der Unterwerfung. Er könnte zum Beispiel ein Anliegen vorbringen, das er gerne erledigt hätte und dann eine ganze Reihe von Alternativen aufzählen. Selbstverständlich würde der Schüler sich für etwas entscheiden, und daran konnte Swamiji genau erkennen, wo der Schüler stand – war er arrogant oder nur eitel, gleichgültig oder heuchlerisch demütig oder war er wahrhaftig demütig im Geiste der Unterwerfung.  Gleichzeitig ermöglichte er es dem Schüler wahrzunehmen, wo er wirklich stand und gab ihm die Gelegenheit, sich selbst in der Situation zu studieren. Somit war der Schüler in die Lage versetzt, sein Ego und dessen Spiel zu erkennen. Wenn ihm dann das hässliche Treiben des Egos bewusst wurde, erwachte Unterwerfung in ihm. &lt;br /&gt;
In den ersten Jahren, war Swamiji sehr streng in der Zulasssung von Aspiranten im Ashram; denn sie mussten ein sehr hartes Leben leben. Er erläuterte Anwärtern in ganz klaren Worten, was die Bedingungen für ein Leben dort waren. Aber nachdem er den Ashram aufgebaut hatte und das leibliche Wohl der Sadhaks sichergestellt war, bemühte er sich eifrig darum, mehr und mehr Menschen im Ashram zuzulassen, damit alle eine Möglichkeit zu spirituellem Wachstum haben könnten. &lt;br /&gt;
Swamiji arbeitete ohne Unterlass, damit die Aspiranten, die zu seinen Füßen Zuflucht gesucht hatten, vor den Schwierigkeiten bewahrt würden, denen er in der ersten Zeit in Rishikesh ausgesetzt war. Mit aller Macht wollte er verhindern, dass sie kostbare, mentale Energie vergeuden in Gedanken an das leibliche Wohl  - Essen, Kleidung, Unterkunft und medizinische Versorgung. Sie sollten frei sein, den Weg zu verfolgen, den sie eingeschlagen hatten.&lt;br /&gt;
Da er selbst die Gefahr von Extremen erfahren hatte, sagte er: „Es ist gut, wenn ihr Luxus ablehnt, aber zögert nicht, einfachen Komfort anzunehmen, der die Mindestnotwendigkeit  der physischen, menschlichen Existenz abdeckt.  Wenn Du für eine gewisse Zeit tüchtig arbeiten musst, dann versage Dir nicht  die notwendige, nahrhafte Nahrung. Während Du geistig arbeitest, halte etwas kühlendes Öl wie brahmi amla oil für Deinen Kopf parat . Lehne nicht das Obst ab, wenn ich es Dir anbiete.“  Daher drängte Swamiji die sadhakas, die mit Studier- und Schreibarbeiten beschäftigt waren, eine kleine Extraportion Milch und Ghee zu nehmen und bot ihnen auch Mandeln und Nüsse an. Wenn sie es ablehnten, war Swamijis Rat: „Das ist keine Weisheit. Wollt Ihr Diabetes und Nervenkrankheit herausfordern? Schaut her, was meine Entsagung bewirkt hat. Trockenes Brot und einfaches dhal sind nicht der einzige Test für „sadhuism“.“&lt;br /&gt;
Niemand im Ashram hatte größere Gebrechen als Swamiji selbst, und trotzdem war da niemand, der härter gearbeitet hätte als er. Wenn er einen Aspiranten traf, dem es gerade nicht gut ging, und wenn es auch nur ein wenig Kopfweh war, sagte er: „Bitte geh‘ und ruhe dich aus!“ und er würde einen Arzt schicken und noch ein halbes Dutzend andere, die ihm beistehen sollten. Wenn aber er jedoch krank war, fegte er streng des Doktors Bitte beiseite, er solle doch dem Körper ein wenig Ruhe gönnen. In diesem einen Aspekt war ein riesiger Unterschied zwischen Swamijis Grundsatz und seiner eigenen Praxis. Er lebte selbst aufopfernden Dienst vor und predigte anderen: „Bitte kümmert Euch um Eure Gesundheit!“ Seine Liebe zu aufrichtigen sprirituellen Aspiranten war unvergleichlich.&lt;br /&gt;
Im Jahre 1946 war der Ashram ziemlich arm und es gab nur wenige Zimmer und keine Annehmlichkeiten und keinen Komfort. Es gab noch nicht einmal einen Schutz vor den Affen, die regelmäßig den Ashram überfielen. Ein sehr kleiner Raum  mit klapprigen Türen wurde „das Büro“ genannt, daran schloss sich ein kleiner Raum an mit niedriger Decke und niedrigem Eingang (Swamiji nannte diesem Raum Demuts-Eingang). Wenn man sich nicht niederbeugen würde, verlöre man den Kopf. An einem Mittag im Hochsommer war es so heiß, dass drei oder vier der Büroarbeiter sowohl die Bürotüre als auch die Verbindungstüren geschlossen hatten, und sich im hinteren Teil aufhielten. Wenn Swamiji zu Mittag aß, fragte er immer nach einem extra Teller. Darauf legte er dann einen Teil seines Essens. Nachdem er seine Mahlzeit gegessen hatte, bedeckte er seinen kahlen Schädel mit einem dünnen Stück Stoff und ging  unverzüglich mit dem Teller los, von Raum zu Raum und gab jedem seiner Schüler etwas von seiner Speise (In diesen Tagen war dies eine außergewöhnliche Sache, denn viele Swamis würden weder ihren Schülern noch sonst jemanden wissen lassen, was sie gegessen hatten).  Er riet ihnen mit mütterlicher Zuneigung: „Kommt bitte nicht raus, es ist zu heiß.“ An diesem besonderen Tag so gegen 1 Uhr mittags ging er in der sengenden Sonne zum Büro, den Teller in der Hand.  Als er sah, dass alle Türen geschlossen waren, nahm er an, die Schüler würden schlafen. So ging er in die Küche, die nebenan war, und fand dort einen Swami. Er gab ihm Essen und sagte: „Die drei Jungs ruhen sich im Büro aus. Bitte störe sie nicht, aber wenn sie aufwachen, gib ihnen dies hier.“&lt;br /&gt;
Sein ganzes Leben lang war Swamiji mehr um andere besorgt als um sich selbst. Vielleicht bekam sein Körper dadurch so viele Krankheiten. Wie er nach seinen Schülern schaute,  die mütterliche Liebe, die seine Einstellung zu ihnen prägte, darin könnten sich sogar die warmherzigsten Eltern  von ihm unterweisen lassen. &lt;br /&gt;
Einmal, als Swamiji aus seiner Hütte heraustrat, kam ein Ashram-Arbeiter auf seinem Fahrrad vorbei. Sobald er Swamiji bemerkte, stieg er vom Fahrrad ab und ging zu Fuß weiter. Swamiji sagte: „All diese Formalitäten sind nicht nötig für mich. Liebe und Respekt haben ihren Sitz ihm Herzen; und Du solltest immer Liebe und Respekt für Ältere in Deinem Herzen haben. Dies werde ich wissen! Diese äußeren Formalitäten haben keine große Bedeutung für mich. Du gehst in der heißen Sonne umher, machst Einkäufe in Rishikesh und überwachst die Bauarbeiten. Zögere nicht, an Dich zu denken. Du musst jetzt etwas Kaltes trinken, und in einer halben Stunde solltest Du etwas Heißes trinken. Und wenn Du gerne etwas Obst vom Bazar hättest, so nimm gerne! Du hast die absolute Freiheit alles zu tun, um Deinen Körper in bester Gesundheit zu erhalten.“&lt;br /&gt;
Swamiji betrachtete das Leben an den Ufern des heiligen Flusses Ganges zu Füßen des Himalya als einen Segen – mit ein wenig Mantra-Wiederholung (japa), Meditaiton und selbstlosem Dienst, und er war eifrig bemüht, die Tore dazu allen zu öffnen. Unzählige junge Männer suchten Schutz zu Swamijis Füßen als  Zuflucht in ihrer Not und Verzweiflung.  Swamiji hat niemanden nach seiner Vorgeschichte ausgefragt. In dem Moment, wenn Swamiji auch nur den Hauch von Verzweiflung in den Augen eines Neuankömmlings sah, bekam dieser das Gefühl, dass Swamiji genau auf ihn gewartet hat und dass er ihm einen großen Gefallen tun könnte, dem Ashram beizutreten. Welche psychologische Kraft dies gab ist nicht vorstellbar. Der notleidenden Person wurde das Gefühl von Größe gegeben und unmittelbar fühlte dieser Mensch, dass seine Vergangenheit ein schlechter Traum gewesen war und dass eine wunderbare Zukunft vor ihm läge.&lt;br /&gt;
1945 ersuchte eine Frau Zuflucht im Ashram, die von ihrem Mann misshandelt worden war und die Familie  verlassen hatte. Selbst die leitenden Personen des Ashrams, die von Swamiji geschult waren, zögerten, der Frau Asyl zu gewähren.  Aber Swamiji blieb fest entschlossen, dass sie bleiben durfte. Allein der Gedanke daran, dass diese Frau ansonsten ihr Leben verlieren könnte reichte ihm aus, die ganze Welt zu ignorieren und nur diesem einen Menschen zu dienen. Ganze Bücher könnten damit gefüllt werden, auf welch wunderbare Weise Swamiji sie lehrte, ihre Leiden zu vergessen, ihren Geist zu beherrschen und letztendlich auf ihren eigenen Füßen zu stehen als eine unabhängige Stimme unter den Frauen Indiens. Von einer Belastung verwandelte Swamiji sie zu einer Bereicherung der Gesellschaft: ein wahrhaftiges Beispiel der Rehabilitation. &lt;br /&gt;
1955 begrüßte Swamiji einen Koch im Ashram. Der Koch hatte gar nicht vor, da zu bleiben und war überrascht, dass Swamiji bei der ersten Begegnung sagte: „Bitte bleibe hier. Du kannst ein Hotel in der Nachbarschaft eröffnen. Ich werde alles tun, Dich zu unterstützen.“   Er verfolgte die Sache weiterhin und bat den Sekretär, dem Koch einen Raum und die nötigen Utensilien für das Kochen zu besorgen, damit dieser seine Unternehmung starten könnte. Und er bot ihm sogar an: „Du kannst Lebensmittel vom Ashram nehmen und zu Deinem eigenen Gewinn verwenden.“  Etwas später verdeutlichte er seine Einstellung: „Es ist ein Segen, hier an den Ufern des Ganges, in Rishikesh, zu leben. Eines Tages könnte er die Sehnsucht verspüren, zu entsagen. Bis dahin ist es gut, ihn zu ermutigen, auch in seinem Streben nach Geld. Als erstes sorgen wir dafür, dass er hier bleibt, und dann bringen wir ihn langsam zu sadhana.“  &lt;br /&gt;
Eine andere Frau hatte ihren Mann verloren und war rastlos. Daher kam sie nach Rishikesh und blieb in der Nähe des Ashrams. Sie sagte zu Swamiji: „Ich habe Juwelen im Wert von vier- bis fünftausend Rupien und dazu noch ein Haus. Ich möchte für immer hier bleiben. Wenn Du mir das erlaubst, werde ich das Haus und die Juwelen verkaufen.“ Swamiji antwortete: „Behalte das Haus und die Juwelen. Du kannst in Brindavan bleiben.“ Er gab ihr ein Empfehlungsschreiben mit für einen guten Sadhu in Brindavan und schickte sie dorthin. Und er wies sie an: „Bereise die umliegenden Ortschaften. Verbreite den Ruhm von Gottes Namen. Leite Kirtans an in jedem Haus. Unterrichte die kleinen Kinder.“&lt;br /&gt;
Für einige Zeit folgte sie Swamijis Anweisungen. Dann wurde sie psychisch krank. Sie kam zurück nach Rishikesh und machte verliebte Annäherungsversuche an Swamiji. Durch das Fenster warf sie Parfüm auf Swamijis Bett. Und wenn Swamiji die Tür zu seiner Hütte öffnete, kam sie herein um bei ihm zu sitzen. Er fuhr einfach fort mit seiner Arbeit, ohne auch nur daran zu denken, dass sie da war. Nach einer Weile ging sie dann aus eigenen Stücken wieder weg. Swamiji hätte sie auch auffordern können zu gehen; aber nein, er würde nie jemanden auch nur die kleinste Verletzung zufügen. Er war erfüllt von Liebe zu allen.&lt;br /&gt;
Nachdem die Belästigungen heftiger wurden, bat uns Swamiji, einen Stacheldrahtzaun um seine Hütte zu errichten. Wenn sie den Zaun um Swamijis Hütte sah, verfiel sie oft in Raserei. Dann warf sie Steine auf Swamijis Hütte. Auch da bewahrte er seine Ruhe. Nach einiger Zeit verschwand sie. &lt;br /&gt;
Nach einigen Jahren kehrte sie im Mönchsgewand nach Rishikesh zurück. Sie war alt geworden. Swamiji wurde nie von einem Vorurteil  beeinflusst. „Sie könnte sich geändert haben. Jede Sekunde entwickelt man sich. Wir sollten niemanden nach seiner Vergangenheit beurteilen.“, sagte er. Das war sein Leitprinzip. Er erlaubte ihr, in der Nähe des Ashrams zu bleiben. Normalerweise ging sie täglich in den Bazar von Rishikesh, und eine zeitlang sang sie irgendwelchen Unsinn über Swami Sivananda vor jedem Geschäft. Sie beschimpfte und beleidigte ihn sogar in der Öffentlichkeit. Abends kam sie dann in den Ashram. Swamiji sandte ihr Früchte und Mandeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Saat säen&lt;br /&gt;
Viele Menschen, die sich inmitten von Zwietracht, Streit und Angst nach Frieden und Glück sehnten, fanden in „Sivananda Swami of Ananda Kutir“ (wie er von den Leuten in und um Rishikesh normalerweise genannt wurde) eine Vater-Figur, lieber als der eigene. Diejenigen  von religiösem und spirituellem Temperament , die sadhana zu ihrem einzigen Lebensziel gemacht hatten, fanden in ihm eine immerwährende Quelle der Weisheit und des Lichtes. &lt;br /&gt;
Mit unterschiedlichen Menschen hatte Swamiji auch unterschiedliche Beziehungen. Einige weit entwickelte Aspiranten kamen zu ihm und in ihnen loderte das Feuer der Entsagung, der Verhaftungslosigkeit und der Unterscheidung. Sie zu lehren geschah auf anderen Kanälen. Swamiji wurde nur sehr selten mit ihnen gesehen, auch zogen sie nicht sehr nah zu ihm. Ihre Beziehung zu Swamiji war auf einer völlig anderen Ebene – der spirituellen Ebene. Es gab nur wenige solche Schüler.&lt;br /&gt;
Die große Mehrheit der anderen, mit denen Swamiji arbeitete und dichtauf lebte, waren unreife Aspiranten.  (Einige hatten nicht die geringste spirituelle Sehnsucht. Sie hatten bei Swamiji Unterschlupf gefunden, weil materielles Versagen sie von zu Hause vertrieben hatte und sie sonst umgekommen wären.)  Swamiji musste oft ihn ihnen den Samen von vairagya (Wunschlosigkeit, Verhaftungslosigkeit,Leidenschaftslosigkeit) säen! „Ihn abzuweisen, das kann ich nicht. Gebt ihm wenigstens die Möglichkeit, sich in einen besseren und glücklicheren Menschen zu verwandeln. Falls er versagt – macht nichts. Ein Versuch muss in jedem Fall gemacht werden.“ Solcher Art waren Swamijis Bemerkungen, wenn ein verstörter junger Mann dem Ashram beitreten durfte. So wurde von keinem Aspiranten eine Qualifikation gefordert. Es war eine Art Witz: wenn ein junger Mann sein Examen nicht bestanden hat oder sein Geschäft ruiniert hat – sucht nach ihm im Sivananda Ashram! Swamiji nahm sie großzügig auf und versuchte, sie zum Erwachen zu bringen.&lt;br /&gt;
Nicht alle Menschen, die bei Swamiji Zuflucht suchten, waren gute Menschen; aber er sah nur das Gute in ihnen; gegenüber dem Bösen war er blind. Wenn jemand einen schlechten Charakterzug hatte, würde er ihn nie verurteilen oder hart zu ihm sein. Normalerweise sagte er: „Macht Euch nichts daraus, wenn dieser Mann sogar bösartig ist; indem ich ihn herkommen lasse und ihm Obdach gewähre stelle ich sicher, dass es einen Schurken weniger gibt in Delhi!“ Das war seine Philosophie! „Allein die Tatsache, dass  derjenige hergekommen ist, zeigt, dass da eine kleine Öffnung ist, egal wie klein, durch die ein wenig Kommunikation stattfinden kann.  Lasst ihn hier bleiben, ich werde einen Samen säen. Während dieser Geburt, der nächsten Geburt, kümmert Euch nicht; diese Saat wird jetzt oder viele Jahre später aufgehen.“&lt;br /&gt;
Swamiji sagte, dass es wohl zu viel verlangt ist von einer Person, die in der modernen Welt lebt und von alles Seiten mit Ablenkungen und Versuchungen überflutet wird, Leidenschaftslosigkeit und Unterscheidungsvermögen zu entwickeln. Er meinte, dass es möglich sein muss bei einem Menschen, der vor seinem eigenen Scheitern davonläuft,  einen Funken zu finden den man anfachen kann zu einer großen Flamme. Sogar wenn gar kein Funken vorhanden war, konnte er eine Flamme entfachen. Das war das Einmalige an Swami Sivananda. Er pflanzte die Samen der Güte, er nährte sie, goss sie und ließ sie wachsen und gedeihen; auch wenn dies ihm selbst ungeheure Schwierigkeiten bereitete, ihm machte das alles gar nichts aus.&lt;br /&gt;
Es ist nicht leicht nachzuvollziehen, was die Suchenden in den frühen 1940-er Jahren empfanden, wenn sie in den Ashram kamen. Einige hatten wohl Swami Sivanandas leidenschaftliche Worte in seinen Originalschriften gelesen, die so inspirierend waren, dass man auf der Stelle seine Kleider ablegen  wollte, um zum Himalaya zu eilen und dort Enthaltsamkeit zu praktizieren und sofort Selbstverwirklichung zu erreichen! Das war das Besondere an seinem Stil. Viele auf diese Weise inspirierte Menschen kamen in den Ashram. Oft liefen sie los, ohne sich umzuziehen, denn in Swami Sivanandas „How to Get Vairagya“ hatten sie gelesen „renounce everything“ (entsage allem) – und so entsagten sie allem. „seek solitude“ (suche die Einsamkeit, Abgeschiedenheit) – und so suchten sie Abgeschiedenheit im Ashram. Einige von ihnen könnten beim Betreten des Ashrams  entdeckt haben, dass andere, die schon vor ihnen angekommen sind, einen schönen Mantel trugen. Und dann dachten sie manchmal: „Aha, sie sind vom Wege abgekommen, sie sind gescheitert. Seht her, wie leidenschaftslos ich bin. Meine Sehnsucht ist viel größer als die Sehnsucht von diesen Leuten, die schon seit so langem mit Swami Sivananda zusammen sind. Sie wissen nicht, was tapas (Askese), vairagya (Wunschlosigkeit) und brennendes Verlangen ist. Jeden Morgen sitze ich hier um 4 Uhr und meditiere. Schau all die alten Ashrambewohner an!“  Swamiji beobachtete sie und schätzte sie.&lt;br /&gt;
Egal, was der Aspirant machte, zuerst kam die Ermutigung. Danach würde er ein wenig antreiben. „Enthusiasmus ist sehr gut. Du hat eine wunderbare Sehnsucht. Du bist großartig, Du bist wie Sukadeva. Aber jugendlicher Enthusiasmus ist nicht gut.“ Zuerst eine große Menge Lob, danach eine kleine bittere Pille, das war seine Methode. Niemand sollte entmutigt werden oder das Gefühl bekommen dass das, was er tat, völlig falsch sei. Seine Einstellung war: „Nein, mach das, es ist wunderbar, aber stelle sicher, dass es nicht nur jugendlicher Enthusiasmus ist, etwas, das später ein Rückschlag sein könnte.“&lt;br /&gt;
Da die Aspiraten nicht nur noch ganz roh waren, sondern auch noch in keiner Weise erwacht, musste auch das Erwachen vom Meister beeinflusst werden. Bei einer Gelegenheit gingen sehr erfahrene Schüler mit allerhand Beschwerden zu Swamiji. Er  musste auch sie zufriedenstellen, also gab er vor, wirkllch ärgerlich zu sein. Sehr zufrieden gingen die erfahrenen Schüler davon und dachten, dass Swamiji sich nun den jungen Aspiranten vornehmen würde. Genau das Gegenteil geschah: der Mann, über den sie sich beschwert hatten, bekam als erstes einige Bananen.  Damals gab es im Ashram einen kleinen Jungen, der Swami Sivananda diente, und der kam dann angelaufen und sagte: „Swamiji gibt Dir Früchte“. Eine halbe Stunde später würde jemand anderes kommen: „Swamiji lässt Dir Kaffee bringen.“ Und eine Stunde später würde er persönlich erscheinen und sagen: „Du bist hervorragend und glänzend. Meditierst Du gut? Machst Du Japa (Mantrawiederholung)?  Gut. Studierst Du vedanta? Sehr gut“  Was wurde nun aus all den Beschwerden?  Swamiji würde beobachten, ob all die Ermunterungen wirken würden. Anstatt zu sagen: „Du bist ein schlechter Kerl.“ Bestand Swamiji darauf, sich auf die guten Eigenschaften in Dir zu konzentrieren, Dir zu sagen, dass Du ein guter Arbeiter bist, auch wenn Du kein spirituelles Verlangen und keine Hingabe hattest. Er würde sagen: „Du bist ein großartiger Arbeiter. Da ist niemand, der so hart arbeitet wie Du.“  Dann würde er freundlich hinzufügen: „Immer, wenn Du arbeitest, sehe Gott in allem. Warum hilfst Du nicht in der Küche und gibst Essen aus? Du bist ein großartiger Mann, Du hast einen hübschen Körper und eine schöne Stimme. Wenn Du roti servierst, sage Bhagavan roti, roti Narayan, roti Maharaj.“  In diesem Moment wurde die Saat der spirituellen Sehnsucht gesät.&lt;br /&gt;
Swamiji tat für Aspiranten, was sogar die liebevollsten Eltern nicht immer tun würden. In dem Moment, in dem sich auch nur die leiseste Spur eines Talentes bei einem Aspiranten zeigen würde, widmete er sich persönlich dem Erwecken und vollen Entfaltung dieses Talentes des Aspiranten. Tag und Nacht würde er  über Mittel und Wege  nachsinnen, wie der sadhaka sich entfalten könnte;  letztendlich zum Segen der ganzen Menschheit. Auf diese Weise wurden einige Abteilungen im Ananda Kutir gegründet und fortgeführt. 1948  trat ein junger Mann dem Ashram bei; er sagte, dass er sich mit Papierherstellung auskennen würde. Am folgenden Morgen ließ Swamiji eine Grube ausheben und ließ Rohmaterialien anliefern, damit dieser junge Mann, der keinerlei Qualifikationen (Swamiji fragte auch niemals danach) nachweisen konnte, seine Ideen verwirklichen konnte. &lt;br /&gt;
Swamiji nahm so ein aufrichtiges Interesse in all diese Unternehmungen, dass man denken könnte, er hätte gerade darauf gewartet, dass eine Person kommt und ihm genau bei dieser Arbeit hilft. So umfassend und gründlich war seine Begeisterung, dass er in kurzer Zeit Vorschläge machen konnte, wie man diese Arbeit, in der der Aspirant ja eigentlich der Experte war, besser erledigen könnte. So war es auch mit dem Fotostudio im Ashram.&lt;br /&gt;
Läuterung/Reinigung&lt;br /&gt;
Swamiji hat manchmal betont, dass atma jnana (Selbstverwirklichung) denkbar einfach ist. Es ist ganz einfach, ABER die vorbereitende Reinigung, die eine Voraussetzung ist, ist extrem schwierig. Wenn die Reinigungsübungen anstanden, wendete er sehr einfache Methoden an, die aber sehr tiefgreifend in ihrer Wirkung waren. Die Übungen mussten kontinuierlich gemacht werden (im Sinne von Wiederholung). Swamiji musste sie wieder und wieder und wieder machen. Er hatte eine solche Geduld, dass er niemals jemanden als hoffnungslosen Fall betrachtete. Wenn ein Schüler den Sinn auf die eine Weise nicht einsehen konnte, würde Swamiji es so oder so abwandeln. Swamiji drehte und wendete es, bis eines Tages, so hoffte er, der Schüler einsehen würde, was er ihm versuchte beizubringen.&lt;br /&gt;
Wenn jemand eine Schwäche hatte, war Swamiji demgegenüber blind und sagte: „Er hat einige Schwächen, aber er hat auch einige großartigen Fähigkeiten.“  Er wählte die Methode, niemals die Fehler einer Person hervorzuheben, es sei denn, dass es nötig wäre.  – Zum Beispiel im Falle einer Konfrontation  mit einem anderen Schüler, wenn man Swamiji  die Angelegenheit vorgetragen hatte und beide vor ihm erscheinen mussten. Und wenn er einen Tadel aussprechen musste, tat er es ganz liebenswürdig. Als erstes würde er den Aspiranten loben. „Du hast diese und jene gute Eigenschaft. Als erstes ist es  Dein größtes Glück, dass Du der Welt entsagt hast, hierher gekommen bist und im Ganges gebadet hast. Du musst in hunderten von vergangenen Leben spirituell praktiziert haben, um so spirituell veranlagt zu sein. Und Du musst Dir die Gnade von Tausenden von Heiligen verdient haben, um hierher in den Ashram geführt zu werden, damit Du ein spirituelles Leben leben kannst.“  Dann würde er hinzufügen: „Warum möchtest Du streiten? Es ist nur ein kleiner Fehler. Werde nicht gereizt. Wenn Du gereizt bist, könntest es all Deine Bemühungen vereiteln. Hast Du schon gefrühstückt? Was hattest Du? Kaffee oder Tee? Soll ich Dir noch etwas besorgen?“  Ein Bündel Bananen kamen zuerst, dann ein klein wenig prick gefolgt von Butter und Honig.  Nachdem die Bananen verdaut waren und auch die Butter und der Honig gegessen, dämmerte Erkenntnis: „DIES wollte mir Swamiji sagen!“ &lt;br /&gt;
Swamiji hielt seine Schüler nie in einem Zustand der Anspannung. Er machte Druck, sein Training voranzutreiben, aber sobald er merkte, dass ein Schüler zusammenbrach, lockerte er alle Regeln.&lt;br /&gt;
Das grundlegende Prinzip in all dem war, dass niemand jemals von Swamiji kritisiert wurde. Kritik hätte alles ineffektiv gemacht.&lt;br /&gt;
Das Wohlergehen der Schüler&lt;br /&gt;
Tag und Nacht hatte Swamiji nur einen Gedanken: Wohlergehen, Wachstum und Fortschritt (weltlich und spirituell) seiner Schüler. Oftmals erhob er sich zu einem leidenschaftlichen Appell an seine geliebten Schüler, er drängte sie mit feurigen Worten, alle Spuren von persönlicher Wichtigkeit auszurotten und sich  der edlen Idee des Dienstes an der Welt hinzugeben. Er schilderte ihnen auf packende und mitreißende Weise die Herrlichkeit des selbstlosen Dienens und der Verehrung Gottes als das Größte und Großartigste von allem Yoga. Wie alle Aspiranten fühlten sie sich manches mal bestürzt über die Endlosigkeit und  Weite der menschlichen Probleme und des Leidens. Dann munterte Swamiji sie auf mit der ausdrücklichen Versicherung, dass ein Leben des selbstlosen Dienens nie ein Misserfolg sei. Er rüttelte sie auf mit Worten wie diesen:&lt;br /&gt;
Kümmert Euch nicht darum, ob Selbstverwirklichung kommt oder nicht. Strengt Euch größtmöglich an, Euch ethisch zu verbessern und macht Euch perfekt für den Dienst an der Menschheit. Seht Gott in jedem Menschen. Betrachtet jeden Menschen als Gott. Wenn Eure Vorstellung von Gott beinhaltet, dass ER alldurchdringend ist, warum könnt Ihr IHN dann nicht in allen Wesen erkennen? Was hindert Euch daran, Euren Glauben in die Tat umzusetzen? Ihr müsst die Vorstellung aufgeben, dass ER nur hinter geschlossenen Augen und Türen vorhanden ist. Fühle SEINE Gegenwart in jedem und allem während Du dienst; und schaue dann, ob ER nicht im Grunde Deines Herzens strahlt in SEINEM eigenen Klang.  Wenn das Herz noch nicht frei ist von allen Unreinheiten und die niedere Natur nicht befreit ist von Schmutz, wie kann dann spirituelle Erfahrung zu Dir kommen? Bevor Du nicht Deine eigene Natur perfekt gemacht hast, kannst Du unmöglich die Wahrheit eines Wesens erkennen, das die reine Essenz der Vollendung ist. Rotte zuerst Egoismus, Ärger, Hass, Gier und Doppelzüngigkeit aus und sei aufrichtig und von ganzem Herzen  bei Deinem selbstlosen  Dienst. Wenn  Du es schaffst, zehn Menschen ein klein wenig Gutes zu tun, wenn Du erfolgreich einen schlechten Charakterzug  völlig ausrotten kannst und dafür eine einzige edle Tugend vollständig entwickeln kannst, sei sicher, dass Dein Leben nicht umsonst gelebt wurde. Und sogar nur zehn Menschen von einer Million erreichen kaum jemals dies. Was soll’s, wenn Du nicht samadhi und Selbstverwirkllichung erreichst?&lt;br /&gt;
Kopf hoch, sei guten Mutes! Sei mit Leib und Seele bei der Arbeit. Ich garantiere Dir, dass Du Dich gesegnet und glücklich fühlen wirst. Sei nicht unzufrieden mit Deinem Los oder niedergeschlagen wegen Deinem Fortschritt. Handle nach meinem Wort. Habe ich nicht über Dein spirituelles Wohl nachgedacht?  Dann, wenn Du nur könntest, würdest Du sehen, dass Tag und Nacht, in jedem Augenblick, mein Herz in Sorge über Dein Wohlergehen schlägt. &lt;br /&gt;
Außer dem „direkten Familienkreis“ von Aspiranten, Studenten und Arbeitern gab es viele Suchenden in anderen Ländern, die große Zuneigung  zu Swami Sivananda hatten und ihn verehrten. Ihnen war er ein spiritueller Führer und Meister. Swamiji beantwortete ihre Briefe prompt, ging auf alle ihre Fragen ein und leitete sie. &lt;br /&gt;
Dazu schrieb Swami Sahajanandaji  aus Durban, Südafrika.&lt;br /&gt;
Jeder Anhänger und Verehrer von Swamiji muss erfahren haben, dass man die grenzenlose Gnade und Barmherzigkeit nur stillen Herzens und nicht mit Worten ausdrücken kann. Irgendwo habe ich gelesen, dass Swamijis Wohltätigkeit als „unbesonnen“ bezeichnet wurde. Aber ich denke, dass seine Gnade und Liebe sogar noch reichlicher vorhanden waren als die Wohltätigkeit.  Es ist nicht bemerkenswert, wenn ein Erster-Klasse-Aspirant die Gnade eines Meisters erhält. Aber wenn jemand sich qualvoll abmüht auf dem Weg zur Gottverwirklichung und erfährt dann ganz direkt die liebevolle Beachtung eines großen Heiligen, wird dieser Mensch sicherlich vor Ehrfurcht erzittern und eine unausprechliche Dankbarkeit wird ihn erfüllen. Leider war ich auch jemand, der nicht „rein“ geboren wurde oder mit einer großen Portion spiritueller samskaras  (= geistige Eindrücke aus dem jetzigen und den früheren Leben, die im Unterbewussten liegen) ausgestattet war. Aber durch Swamijis Gnade erreicht man langsam aber sicher das Ziel. Die Liebe und Fürsorge , die Swamiji einem fünftklassigen Aspiranten wie mir hat angedeihen lassen,  weist ihn als gottverwirklichten Heiligen aus. &lt;br /&gt;
Obwohl wir tausende von Meilen entfernt von seiner physischen Gegenwart lebten, kümmerte sich Swamiji um uns auf die gleiche Weise, wenn nicht noch besser, als um diejenigen, die in seiner Umgebung im Ashram lebten.  Hier einige Beispiele:&lt;br /&gt;
Vor einiger Zeit schrieb ich ihm einen dringenden Brief wegen physischer Beschwerden. Das war gerade zu der Zeit, als Swamiji von seiner „All-India“-Reise zurückgekehrt war. Obwohl er sicherlich hunderte von Briefen zu beantworten hatte, war er so gütig, mir noch am selben Tag zu antworten. Neulich schrieb ich ihm von einer Veränderung meiner sadhana Praxis. Zurück kam eine zweiseitige Antwort in seiner eigenen Handschrift. Und noch bemerkenswerter war, dass Swamiji selbst den Brief adressiert und zur Post gebracht hatte; und das rührte mein Herz und ließ es zutiefst erbeben. Stellt Euch einen  bedeutungslosen Menschen vor wie mich, der mit so viel von seiner Liebe überschüttet wird! Und was für aufmunternde und tröstende Worte sein Brief erhielt! Jedes Wort ist durchtränkt mit der Wärme seiner grenzenlosen Liebe. Es ist diese Liebe, die dazu führt, das wir uns unwürdig fühlen, seinen kostbaren Segen zu empfangen.&lt;br /&gt;
Swamijis Buchgeschenke erreichten uns dutzendweise. Wenn ich ihn um ein Buch bat, schickte er sechs. Auch wenn beantragt war, dass die Bücher erst nach der Bezahlung geschickt werden sollten, kamen sie mit unverzagter Beharrlichkeit an. Nicht nur die Geschenk-Bücher erreichten die Gestade meines Landes, sondern auch herrlich frisches, süßes prasad kam, in Dosen verpackt, hier an. Es ist sicherlich nicht fehl am Platze, hier eine Erfahrung widerzugeben, die mein Freund, Sri G. V. Naidoo, bei einem Ashram-Besuch gemacht hat. Sobald er Swamiji traf, wurde er buchstäblich mit Liebe überschüttet. Swamiji widmete sich ihm persönlich, und mein Freund ging dann mit einem Stapel Bücher in den Händen. Dann erzählte er noch, wie er ein Bild von Swamiji bewunderte, das an der Wand hing – eine Ansicht von Swamijis tapas (Askese-Übungen) -   und Swamiji hatte es von der Wand abgenommen und ihm geschenkt. Welch eine außerordentlich seltene Großzügigkeit strahlt aus Swamijis Herz!&lt;br /&gt;
Swamijis Heilkräfte wurden auch im entfernten Südafrika bewiesen. Zwei Fälle habe ich persönlich erlebt. Einer meiner Freunde, der ein Patient im T. B. Settlement war, litt an einer schweren Schlafstörung. Ich schrieb deswegen an Swamiji. Seine sofortige Antwort enthielt Anweisungen, wie man das Problem beseitigen könnte. Obwohl der Patient nicht den Anweisungen folgte, schlief er daraufhin gut. Nach einigen Wochen, wurde er wieder von Schlaflosigkeit geplagt. Es ist ein Jammer, dass die Anweisungen nicht befolgt wurden.  Das andere Beispiel betraf einen persönlichen Freund von mir, der an schlimmen und schmerzhaften Leberflecken auf den Händen litt. Wieder schrieb ich an Swamiji. Das von ihm empfohlene einfache Mittel wurde angewendet und die Leberflecken meines Freundes gingen vollkommen zurück. Das ist nun Monate her und die Probleme sind nicht wieder aufgetaucht. &lt;br /&gt;
Wie löst Swamiji die Alltagsprobleme der Aspiranten, die nicht in der glücklichen Lage sind, seine mündlichen Anweisungen zu hören? Das geschieht auf eigentümliche Weise. Wenn ich manchmal mit einem schwerwiegenden Problem konfrontiert bin, nehme ich einfach eins von Swamijis Büchern in die Hand und schlage irgend eine Seite auf – und schon springt mir die genaue Lösung für meine Probleme in die Augen! Manchmal vielleicht erreicht mich Swamijis innere Führung während der Meditation; oder es kann passieren, dass ein Ereignis oder eine Person mir die richtige Antwort gibt. Man muss allerdings wachsam sein, die richtige Führung zu empfangen. Aber in den meisten Fällen würden Swamijis Bücher uns helfen. Dies war auch die Erfahrung der anderen Anhänger hier. Es passiert so oft, dass wir keinen Zweifel daran haben, dass Swamiji all unsere Schwierigkeiten kennt  und dass seine Führung immer bei uns ist, egal wie viele Meilen uns von ihm trennen. Swamiji hat auch vollkommene Einsicht in unsere Herzen und unseren Geist, und niemand kann ihm etwas vormachen. Einmal schrieb ich ihm einen Brief und suchte Antworten auf einige Fragen spiritueller Natur. Swamiji fand die Wahrheit heraus, dass nämlich die Antworten dafür benötigt wurden, jemand anderes herabzuwürdigen – und er gab keine direkte Antwort. Von da an traute ich mich nicht  mehr, irgendwas vor ihm zu verheimlichen. Wir haben auch festgestellt, dass alles, was er sagte, früher oder später auch eintreffen würde. Seine Worte waren unfehlbar.&lt;br /&gt;
Das Geheimnis, wie man Swamijis Gnade erreichen kann, ist ihm von ganzem Herzen zu dienen. Ein kleiner Dienst an Kranken hier oder das Verteilen von einigen Schriften  dort – und schon hast Du einen Platz in seinem großen Herzen eingenommen. Jeder einzelne von den Tausenden von Schülern und Anhängern kennt diese Wahrheit. Dienst an Swamiji (ich nenne das Sivayoga) ist der großartigste Yoga dieser Zeit. Lass all diejenigen, die den vielen Wegen zu Gott folgen wollen, dies tun. Aber meine größte Freude ist es, Swamiji zu dienen, egal, ob es zur Gottesverwirklichung führt oder nicht.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Karli</name></author>
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