Das gesamte vierte Kapitel ([[Upadesha]]) der [[Hatha Yoga Pradipika]] ist den zu Samadhi führenden Meditationstechniken gewidmet. In den Versen 5 - 7 dieses Kapitels werden drei Definitionen von Samadhi gegeben. Von diesen beziehen sich gemäß [[Brahmananda]] die ersten beiden auf den [[Samprajnata Samadhi]] des [[Yogasutra]] und die dritte Definition auf den [[Asamprajnata Samadhi]] [[Patanjali]]s.
== Was ist Samadhi? - Hatha Yoga Pradipika - ==[[Datei:Shiva09 web.jpg|thumb|Shiva der Ur-Yogi]]
''- Ein Vortrag von Sukadev Bretz 2019 -''
'''Vers 1'''
Svatmarama Swatmarama schreibt:
: namah shivaya gurave nada bindu kalatmane
=== Anrufung des Gurus für Führung und Segen ===
Svatmarana [[Swatmarama]] beginnt also mit der [[Anrufung]]. Er bittet den [[Guru ]] und [[Shiva ]] um Segen. Der Guru, der [[Spiritueller Lehrer|spirituelle Lehrer]], an diesen wollen wir uns immer wenden. Shiva ist [[Gott]]. Gott manifestiert sich als unser menschlicher Lehrer, Du kannst dich auch direkt an Gott wenden und ihm um [[Führung ]] bitten.
==== Aspekte von Shiva ====
Was ist Shiva, was ist der Lehrer? Er ist in seiner Essenz [[Atma]]. Er hat in seiner Seele also sowohl [[Nada]]. Nada ist der kosmische Klang, aus dem alles entstanden ist. Shiva ist auch [[Bindu]], das heißt, er ist der Same von allem. Letztlich die [[Essenz ]] von allem. Shiva ist auch [[Kala]]. Das ist zum einen das [[Mond ]] Sechzehntel, wie manchmal gesagt wird. Manchmal ist es auch die [[Wahrnehmung]]. Kala ist aber auch die [[Zeit]]. Man könnte auch sagen, dass das Ganze auch ein wenig ein Wortspiel ist. Also es heißt oft, dass der [[Lehrer ]] jenseits ist von Zeit, [[Raum ]] und [[Kausalität]]. Hier im ersten Vers wird gesagt, der Lehrer ist sowohl in [[Atman]], der Essenz, als auch der kosmische Klang, Nada. Er ist aber auch Bindu und damit die Essenz. Er ist jenseits aller Zeit, aber er ist auch die Wahrnehmung von allem, Kala. Großen Meistern folgen und selbst Erleuchtung erlangen.
==== Hingabe an den Guru kultivieren ====
Wenn man Shiva und dem Guru hingegeben ist, dann wird man [[rein ]] sein und wird in seinen Fußstapfen wandeln um damit zur höchsten [[Erleuchtung ]] zu kommen. So gilt es also jenseits zu gehen von allem. Du kannst dir auch [[bewusst ]] machen, diese [[Gottverwirklichung ]] und die Erleuchtung, die wir erreichen wollen, haben große [[Meister ]] schon erreicht. So wie [[Swami Sivananda]], [[Swami Vishnu-devanandaDevananda]]. Wir wollen diesen großen Meistern folgen und so selbst zur Gottverwirklichung kommen.
==== Der Vers hat Mantra Charakter ====
Dieser Vers hat auch [[Mantra ]] Charakter. Er wurde so geschrieben, dass er einer der bekanntesten Verse aus der [[Guru Gita ]] sehr ähnelt, den wir bei [https://www.yoga-vidya.de/ Yoga Vidya ] ja auch im Rahmen des [[Gajananam Stotram ]] regelmäßig rezitieren.
=== Prozess um Samadhi zu erreichen - den Tod überwinden ===
[[Datei:Tod Totenkopf Vergaenglichkeit Pieter Claesz 002.jpg|thumb|Der Körper ist vergänglich - geh über den Tod hinaus]]
'''Vers 2:'''
In diesem Vers auf Sanskrit bezieht sich Svatmarama wieder auf einen Vers aus der Guru Gita
[[Atha ]] bedeutet Jetzt. Viele Schriften beginnen mit Atha. Wie beispielsweise auch das [[Yoga Sutra ]] mit Atha Yoga beginnt. Hier im 2. Vers sagt Svatmarama Atha, und will jetzt Samadhi erklären. Und zwar will er UthamaUttama, (die beste), [[Krama ]] (Methode) finden für Samadhi.
Svatmarama macht uns den [[Mund ]] wässrig und will uns jetzt zeigen, wie wir auf die beste Weise auf Samadhi kommen. Was ist die [[Wirkung ]] von Samadhi? Zum einen ist es MrtyughnamMrityughnam. Mrtyu [[Mrityu]] ist der [[Tod ]] und Ghnam [[Ghna]]m ist die [[Überwindung]]. Ich hatte ja schon in den vorherigen Versen, insbesondere im 3. Kapitel davon gesprochen, warum Svatmarama immer wieder auf die Überwindung des Todes eingeht. Alles was ein Anfang hat, hat auch ein Ende. Wenn wir den Tod [[überwinden ]] wollen, müssen wir die [[Identifikation ]] überwinden, von dem was ein Anfang hat. Deshalb gilt es zu verwirklichen, wir sind nicht der [[Körper]]. Dabei hilft die Samadhi [[Erfahrung ]] wirklich und [[vollständig ]] zu erfahren, ich bin nicht der Körper. Und ich bin auch nicht die [[Psyche]].
==== Sukha und Dukha ====
Als zweites sagt er „Sukhopaya“, also er ist auch die Ursache, uphaya[[upaya]], von [[Sukha]]. Sukha heißt [[Glück]], Wohlbefinden und Freude. Im Sanskrit gibt es unterschiedlichen Gebrauch von Sukha. Es gibt Sukha und [[Dukha]]. Wenn diese beiden in dieser [[Polarität ]] beschrieben sind, dann steht Sukha für Vergnügen und Dukha ist [[Schmerz]]. Auch die Baghavad [[Bhagavad Gita ]] sagt uns immer wieder, wir sollen jenseits dieser Polarität von Sukha und Dukha gehen. Mal wollen wir [[Vergnügen ]] erreichen, dann kommt aber Schmerz. Wir wollen Schmerz vermeiden, usw. Man könnte auch sagen, [[Raga]], die Gier, ist das was an Sukha hängt. Und [[Dvesha]], Abneigung, ist das was versucht Dukha zu vermeiden. So beschreibt es auch [[Patanjali ]] im Yoga Sutra. Also hier ist Sukha/Dukha ein Gegensatz Paar. In dem Rahmen von [[Viveka]], Unterscheidung, wird auch manchmal unterschieden zwischen Sukha und [[Ananda]]. Sukha steht hier als vorübergehende Freude und Ananda ist tiefe Freude.
==== Durch Samadhi wirkliches Glück erfahren ====
Aber hier im 2. Vers spricht Svatmarama von Sukha im Sinne von Ananda. Sukha kann also auch Ananda bedeuten, also [[Freude]]. Wenn er hier von Sukho payam spricht, dann ist damit gemeint, das Erreichen von höchstem [[Wohlbefinden]]. Also nicht nur von vorübergehenden Vergnügen. Und dass man wirklich weiß, was damit gemeint ist, sagt er „Brahmananda karam param“. Was so viel heißt wie, das ist der beste und höchste (param[[para]]m) Verursacher (Karam) von Brahmananda, also von göttlicher [[göttlich]]er Wonne. Wenn du also wirkliches [[Glück ]] erfahren willst, dann strebe nach Samadhi. Alle anderen Glückserfahrungen sind vorübergehend und werden abgelöst von Dukha. Wenn du wirklich [[Sicherheit ]] haben willst, dann lerne über deinen Körper hinaus zu wachsen. Dieser Körper ist immer vergänglich. Und wenn du wirklich vollständig Erfüllung erfahren willst, strebe nach Samadhi. Im weltlichen [[weltlich]]en [[Leben ]] wirst du dies niemals finden, denn alles im weltlichen Leben hört irgendwann auf.
==== Hindernisse im weltlichen Leben ====
[[Datei:Buddha im inneren Glück.JPG|thumb|Buddha: Alles Leben ist Leiden - hier im inneren Glück]]Du magst eine zufriedenstellende Aufgabe haben, aber es wird immer irgendwelche Grenzen geben und du wirst immer feststellen, dass das was du aufgebaut hast irgendwann wieder zu Ende geht. Wenn du Menschen zusammen bist, mit denen du sehr gerne zusammen bist, gibt es trotzdem irgendwann Konflikte[[Konflikt]]e. Selbst wenn es keine Konflikte gibt, dann wird es umso schwieriger [[schwierig]]er wenn du dich von einem dieser Menschen trennen musst. Sei es, dass er woanders hinzieht, sei es dass er stirbt, sei es dass du woanders hinziehst. In dieser relativen Welt gibt es keine [[Erfüllung]], keine [[Sicherheit]], keine dauerhafte Freude. Es gilt, sich dies immer wieder bewusst zu machen. Denn der [[Geist ]] wandert immer wieder weg und denkt immer, ich brauche noch dieses, ich brauche noch jenes. Der Geist beschwert sich darüber, dass ein anderer etwas gemacht hat, was nicht richtig ist. Er beschwert sich darüber, dass er [[ungerecht ]] behandelt wird. Der Geist leidet auch mit, mit anderen. Was natürlich schon eine spirituelle [[spirituell]]e [[Manifestation ]] des Geistes ist. Aber letztlich geht es darum zu Samadhi zu kommen. Durch mrityughnam, also die Überwindung des Todes und der [[Sterblichkeit]]. Hier im Vers spricht er von Sukhopaya, also dem Erreichen von wirklichem Glück. Hier ist [[Brahmananda]], das ist die höchste Wonne. Und Samadhi ist karam param. Das höchste Mittel, zum höchsten Glück.  === Verschiedene Bezeichnungen für Samadhi ===
'''Vers 3:'''
''amanaskaṁ tathādvaitaṁ nirālambaṁ nirañjanam jīvanmuktiś ca sahajā turyā cety eka-vācakāḥ''
=== Verschiedene Bezeichnungen für Samadhi === Svatmarama sagt „königliches Yoga, [[Raja Yoga]], Samadhi“ und „unmani und manonmani“, was so viel bedeutet wie [[Unsterblichkeit]], [[Auflösung]], das Reine sein. Die absolute Lehre. Höchster Weg. Dieses ohne Wahrnehmung und ohne Dualität, der unbefleckte [[unbefleckt]]e Zustand, der reine Zustand. [[Befreiung]]. Das natürliche [[Bewusstsein. Der 4. ]], der vierte Zustand des Geistes. Diese Begriffe sprechen alle von ein und demselben Zustand. Svatmarama sagt uns hier, dass es viele Bezeichnungen für Samadhi, für Erleuchtung, für Befreiung gibt.
[[Swami Vishnu]], mein Meister wurde mal gefragt, warum haben die Yogi so viele Ausdrücke für das Gleiche, insbesondere für Samadhi, für die Erleuchtung? Dann hat er gesagt, das was Menschen besonders gerne haben, dem geben sie viele verschiedene Namen. Manchmal, wenn zwei ineinander verliebt sind, dann finden sie so viele Kosenamen und Komplimente[[Kompliment]]e. Yogis sind letztlich [[verliebt ]] in Gott und in Samadhi. Und finden deshalb viele verschiedene Ausdrücke dafür. Hier Beispiele dafür.
'''Raja Yoga'''
Zum einen nennt er Raja Yoga. Du kennst zunächst mal Raja Yoga als der königliche Yoga. Der Yoga des Geistes und der Yoga der [[Psyche]]. Raja Yoga hier heißt aber „königliche Vereinigung“. Yoga heißt ja auch [[Vereinigung]]. Raja heißt königlich. Raja Yoga, als königliche Vereinigung bedeutet damit Samadhi.
'''Ashtanga'''
Samadhi wird gerne bezeichnet als [[Versenkung]]. Du kennst den Ausdruck Samadhi als [[Überbewusstsein]]. Also ein Zustand von vollkommener [[Ruhe]]. Die achte Stufe der Ashtanga. [[Yama]], [[Niyama]], [[Asana]], [[Pranayama]], [[Pratyahara]], [[Dharana]], [[Dhyana ]] und Samadhi. Samadhi wird manchmal einfach auch nur als Versenkung bezeichnet, als [https://www.yoga-vidya.de/meditation/ Meditation ] an sich. Aber hier sagt er natürlich, wirkliches Samadhi ist diese königliche Vereinigung.
'''Unmani und Manomani'''
Und dann steht da [[Unmani]]. Das ist der Zustand jenseits des Geistes. Unmani wird manchmal auch als [[Selbstvergessenheit ]] bezeichnet. Unmani, also das was jenseits von Mani ist. Was Patanjali auch Patanjali bezeichnet als [[Nirodha]] bezeichnet. Also der Zustand vollkommener Ruhe des Geistes. Dann sagt Svatmarama noch [[Manomani]]. Damit ist auch wieder der Zustand jenseits des Geistes gemeint. Ähnlich wie Unmani, ein anderer Ausdruck ist für das gleiche.
'''Amar RathvaAmaratva'''
Dann gibt es Amar rathvaAmaratva. Amar rathva Amaratva ist ein weiteren Ausdruck für Samadhi. Amar Rahtvhah Amaratva ist der Zustand der Unsterblichkeit und der [[Göttlichkeit]]. [[Amara ]] heißt zum einen unsterblich. Es ist auch eine Bezeichnung für die [[Götter ]] und die [[Engelswesen]]. Amara auch der/die Unsterbliche.
'''Laya und TathvaTattva'''
[[Laya ]] ist vollkommene Auflösung von allem. Aber auch tathva[[tattva]], die höchste [[Wahrheit]]. Tattva hat wieder verschiedene BedeutungBedeutungen. Tattva können die [[Elemente ]] sein. Es gibt auch zum Beispiel auch im [[Sankhya gibt es ]] die 24 Tattvas. Manchmal wird auch von 25 Tattvas gesprochen. Das sind dann Seins Zustände[[Seinszustand|Seinszustände]]. Aber Tattva in der [[Einheit ]] ist das was in Tatt verwurzelt ist und damit in der höchsten Wahrheit.
'''ShunjaShunya, Param Pada'''
Dann wird Samadhi auch als Shunja Shunja [[Shunya]] bezeichnet, als die absolute [[Leere]]. Es ist die Leere, die sogar die Nicht-Leere mit einschließt. Dann ist es param pada. [[Param ]] ist höchster. [[Pada ]] ist Zustand.
'''Amanaska'''
Was ist Samadhi noch? Samadhi ist [[Amanaska]]. Das ist der Zustand ohne den Geist. [[Manas ]] ist Geist. [[Amanas ]] ist ohne Geist. Amanaska ist also der Zustand ohne den Geist. Was Patanjali bezeichnet als Nirodha und was wir auch schon vorher hatten als Unmani oder Manomani.
'''Advaita'''
Samadha ist auch [[Advaita]]. Was so viel bedeutet „ohne Dualität“. Also jenseits von aller Dualität. Also wenn du den höchsten Samadhi erreicht hast, ist es vollkommene [[vollkommen]]e Einheit.
'''Nirahlamba'''
Nirahlamba [[Niralamba]] beschreibt den Zustand, der nichts braucht. [[Alamba ]] heißt ja Stütze. Nirahlamba Niralamba heißt ohne irgendeine Stütze.
'''Niranjana, Jivan Mukta, Sahaja, Turiya'''
Samadhi ist auch [[Niranjana]], rein und unbefleckt. Und er führt dazu, dass man Jivan Mukti [[Jivanmukti]] ist. Also im Zustand der Befreiung. Wenn du Jivan Mukta [[Jivanmukta]] erreicht hast, dann bist du ein Jivan MuktiJivanmukti. Jivan Mukti Jivanmukti ist die Befreiung. Und so ist Jivan Mukti Jivanmukti ein anderer Ausdruck für Samadhi. Jivan Mukti Jivanmukti heißt auch Sahadscha[[Sahaja]], der natürliche Zustand. Es ist der Zustand, in dem wir eigentlich sind. Und dieser ist auch [[Turiya]], der vierte Zustand, jenseits wachen, träumen, tiefschlafen.
==== Zusammenfassung - Namen für Samadhi ====
Es gibt also verschiedene Namen für Samadhi. Ich will sie alle nochmal erwähnen. Du kannst dir dann auch nochmal bewusst, das willst du erreichen. Verschiedene Aspekte des gleichen Zustandes.
* Unmani – Zustand jenseits des Geistes
* Mano mani- Zustand jenseits des Geistes
* AmarathvaAmaratva - Unsterblichkeit
* Laya – Auflösung
* Tatvah Tattvah – das reine [[Sosein]]* Shunja shunja –die Shunya – die reine Lehre
* Param pada – der höchste Zustand
* Amanaska – der Zustand jenseits des Geistes
* Advaita – der Zustand der reinen Einheit – Nichtdualität
* Nirahlamba Niralamba – der unbedingte Zustand
* Niranjana – der unbefleckte Zustand
* Jivan Mukti Jivanmukti – Befreiung zu Lebzeiten
* Sahaja – natürlicher Zustand
* Turiya – der 4. Zustand das Überbewusstsein
„So wie sich Salz gleichmäßig verteilt, in Wasser auflöst. So entsteht die Einheit von Geist und Selbst. Dies wird genannt Samadhi und damit Erleuchtung“.
Wenn also die Einheit des Geistes mit dem Atman entsteht, dann sind wir in Erleuchtung. Sayndava, das Salz, löst sich auf in [[Wasser]]. Das Wasser ist überall, im [[Meer ]] zum Beispiel. So ähnlich auch Atma, die [[Seele]], auch sie ist [[überall]]. Manas ist der Geist. Über Manas gibt es verschiedene Wesen. Jeder hat so seine eigene Psyche. Das Manas ist natürlich für jeden anders, untereinander [[verbunden]]. Wenn sich Manas auflöst in Atman, dann entsteht Samadhi. Das Überbewusstsein. === Den Geist zur Ruhe bringen ===
=== Ein aufgelöster Geist bringt Samadhi hervor ===
[[Datei:Kundalini Chakra Bewusstsein Einheit.jpg|thumb|Erweckung der Kundalini mit [https://www.yoga-vidya.de/kundalini-yoga/ Kundalini Yoga] unterstützen]]
'''6. Vers'''
„Wenn Prana und Geist vollkommen verebbt sind und der Geist aufgelöst ist, nennt man den harmonischen Zustand, der daraus hervorgeht, Samadhi.“
Also wie kommst du zu Samadhi? Zum einen muss das [https://www.yoga-vidya.de/prana/ Prana ] zur Ruhe kommen. Ist das Prana unruhig, dann ist auch der Geist unruhig. Dann identifizierst du dich mit deinen [[Gedanken]]. So sagt es auch Patanjal im zweiten Vers des Yoga Sutras „Yogas Citta vritti nivrodaha nirodha tadadrastu svarupe vasthanam“. Was so viel heißt wie „Yoga heißt das zur Ruhe bringen der Gedanken des Geistes. Dann ruht der Sehende in seinem wahren Wesen.“
Im 4. Vers sagt Patanjali“ Vritti sarupyam itaratra“. Also „ist der Geist nicht zur Ruhe gebracht, dann identifiziert sich der Sehende mit seinen Gedanken“. Solange der Geist unruhig ist, ist auch eine gewisse Identifikation da. Deshalb bringe den Geist zur Ruhe, dann erreichst du deine wahre Natur. Svatmarama Swatmarama ergänzt hier „bringe dein [[Prana ]] zur Ruhe“. Das erreichst du, indem du das Prana in die [[Sushumna ]] hineinbringst und damit kommst du aus der Dualität heraus. Die Dualität ist [[Ida ]] und [[Pingala]], ist [[Sonne ]] und [[Mond]]. Aus dieser Dualität heraus werden alle 72.000 [[Nadis ]] belebt. Und du hast hundert Tausend Ideen, was du alles tun willst. Wenn du das Prana zur [[Ruhe ]] bringst, das Prana von Ida und Pingala in die Sushumna einführst, verschwindet die Dualität. Dann erwacht die [[Kundalini]]. Ist diese erwacht, wird der Geist ruhig. Ist der Geist ruhig, dann erreichst du die Erleuchtung und damit Samadhi.
=== Die Auflösung aller Gedanken bringt Einheit ===
'''Vers 7:'''
„Dieser Zustand der Einheit wird durch die Vereinigung von Jivatmam und Paramatman sowie durch die Auflösung aller Gedanken herbeigeführt.“
Der Samadhi Zustand wird also erreicht, indem [[Jivatman ]] und Paramatmam [[Paramatman]] als Einheit wahrgenommen werden. Es gibt die [[Weltenseele]], Paramatma, das höchste Bewusstsein. Eins in allem. Die einzelnen Seelen empfinden sich als Individuum, als [[Jiva]]. Auch als Jivatma Jivatman bezeichnet. Also Individualseele. Wenn die Individualseele aufhört sich mit den [https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/sivananda/die-kraft-der-gedanken/ Gedanken ] zu [[identifizieren ]] und damit mit dem Körper, erkennt sie, dass sie Paramatma Paramatman ist. Also die Universalseele, die höchste Seele, die kosmische Seele. Dies geschieht wenn alle Ideen, wenn Pranoshta Pranashta verschwunden ist. Sarava [[Sankalpa]], alle Vorstellungen, alle [[Ideen]], alle [[Wünsche ]] und alle mentalen Konstruktionen aufgelöst sind. Sankalpa ist ein sehr vielfältiger Ausdruck. Er kann [[Vorsatz ]] bedeuten, oder [[Affirmation]], oder auch Wünsche. Sankalpa kann auch heißen, alle Gedanken.
==== Alle Wünsche, Vorstellungen und Vorsätze fallen lassen ====
Samadhi ist wenn alle Wünsche, Vorstellungen und Vorsätze zum Stillstand gekommen sind. Natürlich ist es richtig, sich gute Vorsätze zu fassen. Aber im Samadhi bist du über alle Vorsätze hinausgewachsen. Du hörst auf, dich als [[Individuum ]] zu identifizieren. Mache dir immer wieder bewusst, du bist das [[unsterbliche Selbst]]. Öfters erkennst du, da sind Wünsche, da sind Gedanken, da sind Vorstellungen, Erwartungen[[Erwartung]]en, Hoffnungen[[Hoffnung]]en. All das sind Sankalpas, die bezogen sind auf Jivatman, also auf die Individuelle Seele. Lasse sie ab und zu einfach mal los. Pranashta, das Verschwinden. Lass alle Sankalpas verschwinden und erfahre Samadhi. Selbst wenn du noch nicht gleich Samadhi erfährst, kannst du dir mindestens ab und zu mal vornehmen, Gedanken, Wünsche, Hoffnungen loszulassen. Einen Moment lang mal im [[Hier und Jetzt ]] sein.
Vielleicht magst du jetzt auch mal einen Moment innehalten und eine Lesepause einlegen. Einen Moment lang Gedanken, Wünsche loslassen, Erwartungen loslassen, Hoffnungen loslassen, Vorsätze loslassen. Alles [[loslassen ]] was du denkst, was du noch alles machen musst. Einen Moment in die Ruhe gehen. Die Tiefe deiner [[Seele ]] spüren, [[verbunden ]] sein mit Allem.
=== Raja Yoga und Samadhi ===
„Derjenige, der die Großartigkeit von Raja Yoga kennt, erlangt mit der Gunst des Gurus Jnana, Mukti, Stitti und Siddhi“.
Im Sanskrit Text kann man das auch als Frage formulieren. In einer anderen Übersetzung heißt es „Wahrlich, wer kennt die wahre [[Essenz ]] dieses großartigen Zustands von Raja Yoga“?
Wer kennt die Essenz des großartigen Zustandes von Raja Yoga? Natürlich derjenige, der Samadhi erlangt hat. Svatmarama Swatmarama spielt jetzt mit dem Ausdruck Raja Yoga. Raja Yoga ist ja zum einen der Yoga der Kontrolle des Geistes. Raja Yoga ist auch der [https://www.yoga-vidya.de/yoga/ Yoga], mit dem du schrittweise lernst den Geist zu beherrschen. Aber Raja Yoga heißt auch der königliche Zustand der Einheit. Es ist , hat also eine Doppelbedeutung. Wie so häufig. Yoga heißt ja sowohl Einheit als auch [[Verbindung]], als auch alle Praktiken, mit denen man zu Harmonie und Einheit hinkommt.
Also wer kennt wirklich Raja Yoga? Es ist eine Essenz. Er sagt dazu auch Mahatmja[[Mahatmya]]. Das heißt zum einen die Größe oder die [[Macht ]] des Raja Yoga. Auch das ist wieder ein Wortspiel. Maha heißt groß, Atma heißt Seele. MahatmjaMahatmya, ist die Größe. Aber , aber es ist auch der Zustand des Großartigen [[großartig]]en [[Selbst]]. Wer kennt diesen Zustand? Natürlich erreicht derjenige diesen Zustand, der Vakja[[Vakya]], die Worte des Gurus befolgt.
=== Selbstverwirklichte Lehrer – Wort und Gnade ===
[[Datei:Sivananda-Bunt.jpg|thumb|Sadguru Swami Sivananda]]
Es gilt, dass du deinen Lehrer ehrst und du dich öfter auf deinen Lehrer einstimmst. Der [[Sadguru]] ist natürlich ein Selbstverwirklichter Lehrer, wie Swami [[Sivananda]]. Auf ihn können wir uns immer wieder [[konzentrieren]]. Von ihm können wir immer wieder lernen, immer wieder etwas lesen. Wir können sein Bild anschauen und um seinen [[Segen]] bitten. Es sind sowohl die Unterweisungen des Lehrers. Dafür brauchst du vielleicht einen Lehrer, der dir sagt, was zu tun ist. Vielleicht auch die [https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/sivananda/ Bücher von Swami Sivananda] lesen. Aber du brauchst auch die [[Gnade]] des Lehrers.
Es gilt, dass du deinen Lehrer ehrst und du dich öfter auf deinen Lehrer einstimmst. Der Sadguru ist natürlich ein Selbstverwirklichter Lehrer. Wie Swami Sivananda. Auf ihn können wir uns immer wieder konzentrieren. Von ihm können wir immer wieder lernen, immer wieder etwas lesen. Wir können sein Bild anschauen und um seinen Segen bitten. Es sind sowohl die Unterweisungen des Lehrers. Dafür brauchst du vielleicht einen Lehrer, der dir sagt, was zu tun ist. Vielleicht auch die Bücher von Swami Sivananda lesen. Aber du brauchst eben auch die Gnade des Lehrers.  Svatmarama Swatmarama spricht hier mehr von SvakjaSvakya, also vom Wort des Lehrers. Aber es ist eben auch die Gnade. Was erreicht man durch das Wort des Lehrers? Dort erreicht man [[Jnana]]. Jnana heißt [[Wissen ]] und [[Erkenntnis]]. Man erreicht [[Mukti]]. Mukti heißt Befreiung, also die [[Erlösung]]. Die vollkommene Freiheit von allen Bindungen, Wünschen und [https://www.yoga-vidya.de/karma/ Karma]. Von allen Identifikationen und damit von allem Leid. Man erreicht auch Stitti[[Sthiti]], [[Beständigkeit]], [[Dauerhaftigkeit]]. Der Zustand der Erleuchtung, wenn er vollständig erreicht ist, ist auch von Dauer. Der Körper wird weiter durch Höhen und Tiefen gehen. Auch ein Sadguru, oder auch ein Jivanmukta, ein [[lebendig Befreiter]], werden auch körperliche [[Krankheiten ]] haben. Der Körper wird irgendwann [[sterben]]. Auch der Geist wird weiter in der Lage sein [[Emotionen ]] zu erzeugen, vielleicht sogar auch Wünsche.
Aber der Mensch, der Jivanmukta erreicht, wird davon nicht mehr berührt. Er ist dann StittiSthiti. Er hat die vollkommende vollkommene Ruhe erreicht. Und er hat auch [[Siddhi ]] erreicht, was Erfolg und [[Vollkommenheit ]] bedeutet. Mit Siddhi sind natürlich auch besondere [[Fähigkeiten ]] gemeint. Aber hier steht Siddhi mehr in der Einzahl, und steht für Vollkommenheit.
=== Verehrung und Gnade des spirituellen Meister ===
„Ohne die gütige Gnade des Gurus und ohne Gleichgültigkeit gegen über weltlichen Vergnügungen, sind die wirkliche Erkenntnis der Wahrheit und der Zustand des Samadhi, der Erleuchtung ganz und gar unmöglich oder auch schwer zu erlangen, Dhurlabha“.
Svatmarama Swatmarama sagt also DuhrlabaDhurlabha, schwer zu erlangen. Es gibt verschiedene Übersetzungen. In einer anderen Übersetzung heißt es „Schwer zu erlangen (also DuhrlabaDhurlabha) ist zum Einen Vishaja tjagaVishaya tyaga. Tjaga Tyaga heißt die Entsagung. Und Vishjaja Vishyaya ist alles Sichtbare, alle Sinnesobjekte. Also Vishaja tjaga Vishaya tyaga ist schon mal schwer zu erlangen. Ebenfalls schwer zu erlangen ist Tatva Tattva Dharshana. Also die unmittelbare Erkenntnis dharshana, von Tava , höchster Wahrheit. Dhurlabha, in der Bedeutung von „schwer zu erlangen“ ist auch Sahajavasta, also der natürliche Zustand der Erleuchtung. Und zwar alles schwer zu erlangen, vina, ohne [[Karuna]], also der Gnade, des [[Mitgefühl]], der [[Liebe ]] eines Sadgurus. Eines [[Selbstverwirklichter Meister|selbstverwirklichten Meisters]].
Mit anderen Worten, verehre den Sadguru, den spirituellen Meister. Er wird dir [[helfen ]] zur Erleuchtung zu kommen. Ohne diese Gnade ist es schwer. Swami Vishnu hat es sogar übersetzt mit „ es ist ganz und gar unmöglich“. Svatmarama Swatmarama beschreibt es mit dhurla bahdhurlabha, womit „schwer zu erlangen“ gemeint ist.
Um zur Erleuchtung zu kommen, muss man zunächst die [[Gleichgültigkeit ]] gegenüber den Sinnesobjekten bekommen. In einem nächsten Schritt kommt man dann zur Erkenntnis der Wahrheit. Und damit zum höchsten Zustand der Erleuchtung.Rezitation des letzten Verses
Zum Abschluss dieser Ausführungen über Samadhi in der [https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/yoga-schriften/hatha-yoga-pradipika/ Hatha Yoga Pradipika ] will ich nochmals den letzten Vers rezitieren :
''durlabho vishaya-tyago durlabham tattva-darshanam durlabha sahajavastha sad-guroh karunam vina''
: Om [[Shanti]], Shanti, Shanti
: Om Bolo Sadguru Sivananda Maharaj Ji Ki Jaya
: Om Bolo Shri Guru [[Vishnu-devananda ]] Maharaj Ji Ki Jay
=== Hinweise ===
Das waren die Verse über Samadhi in der Hatha Yoga Pradipika. Dies ist ein Text aus der Reihe Kommentare zur Hatha Yoga Pradipika. Er ist auch Teil der [[Yoga Vidya Schulung ]] und Begleitmaterial der [https://www.yoga-vidya.de/ausbildung-weiterbildung/yogalehrer-ausbildung/ Yogalehrer Ausbildung ] bei Yoga Vidya.
Alle Verse der Hatha Yoga Pradipika findest du in unserem [https://schriften.yoga-vidya.de/ Schriftenportal].
Alle Verse der Hatha Yoga Pradipika werden auch kommentiert in unserer neun [https://www.yoga-vidya.de/seminare/seminar/yogalehrer-weiterbildung-intensiv-b-hatha-yoga-pradipika-b190802-3/ 9-tägigen Weiterbildungen Weiterbildung zur Hatha Yoga Pradipika]. Gerade wenn du in einer Gruppe zusammen bist, dann entsteht auch ein besonders besonderes Prana, eine besondere [https://www.yoga-vidya.de/kundalini-yoga/yoga-der-energie/ Energie]. Du hörst dann nicht nur diese Vorträge, sondern du wirst auch angeleitet zu den Übungen. Du erfährst die Essenz dieser Verse auch über praktische Übungen. Auch wenn du so vielleicht nicht gleich Samadhi erreichen wirst, erfährst du mehr über Prana, die Sushumna und den Zustand der Ruhe, zu den höheren Aspekte der Psychologischen [[psychologisch]]en und spirituellen [[Entwicklung]]. Die neuntägige Hatha Yoga Pradipika Weiterbildung findet nicht jedes Jahr statt, sondern alle zwei oder drei Jahre. Jedes Jahr haben wir bei Yoga Vidya eine neuntägige [https://www.yoga-vidya.de/seminare/interessengebiet/9-tage-weiterbildung-bausteine/ 9-tägige Intensiv Weiterbildung ] über einen der Hatha Yoga Texte. , zum Beispiel:
* [https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/yoga-schriften/hatha-yoga-pradipika/ Hatha Yoga Pradipika], * [https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/yoga-schriften/gheranda-samhita/ Gheranda Samhita], * [https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/yoga-schriften/shiva-samhita/ Shiva samhita Samhita] und * [https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/yoga-schriften/goraksha-shataka/ Goraksha Shataka].
Das sind die vier Hauptwerke über Hatha Yoga aus der klassischen Tradition und diese kannst du im Laufe der Jahre alle bei Yoga Vidya lernen im Rahmen einer [https://www.yoga-vidya.de/ausbildung-weiterbildung/yogalehrer-weiterbildung/yogalehrer-9-tage-intensiv-weiterbildung/ neuntägige Weiterbildung neuntägigen Yogalehrer Weiterbildung]. Alle Informationen dazu findest du auf unserer [https://www.yoga-vidya.de/ Yoga Vidya Internetseite].
=== Video - Was ist Samadhi - HYP ===
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Samadhi

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Was ist Samadhi? - Hatha Yoga Pradipika -
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