'''Selbstbeherrschung''' ist die Fähigkeit, seine [[Emotion]]en, sein Verhalten und seine Wünsche zu kontrollieren, um eine bestimmte [[Belohnung]] zu erhalten oder um eine Bestrafung zu vermeiden. Wahrscheinlich geht eine kleinere Belohnung oder Bestrafung einer größeren voraus, die erst später eintreffen wird. In der Psychologie wird das manchmal auch als „Selbstregulation“ "Selbstregulation" bezeichnet.
[[Datei:CARO-TAENZER.jpg|rechts|thumb|Tänzer]]
==Swami Sivananda über Selbstbeherrschung==
 [[Datei:Swami Shivananda Liebe.jpg|thumb|Der große [[Yoga]] [[Lehrer]] und [[Meister]] [[Swami]] [[Sivananda]]]] '''Auszug aus "Die Botschaft"''': "Selbstbeherrschung ist das beste Gelübde. Süße der Sprache, Wohlwollen, [[Freiheit]] von Bosheit, [[Ärger]] und [[Hass]], sowie [[Vergebung]], Geduld, Nachsicht, [[Gewaltlosigkeit]], [[Bescheidenheit]], Höflichkeit, gutes Benehmen, [[Wahrhaftigkeit]], [[Geradlinigkeit]] und Beständigkeit - die Verbindung von alledem ergibt Selbstbeherrschung.  Die höchste Tugend ist Selbstbeherrschung. Sie führt zur höchsten [[Glückseligkeit]]. Selbstbeherrschung ist die ewige Pflicht eines Anwärters oder Wahrheitsuchers. Selbstbeherrschung und Selbstaufopferung sind wesentlich, um das gottnahe Leben oder die vollkommene Freiheit zu erlangen. Selbstbeherrschung vermehrt die [[Energie]] des Menschen. Wer sie übt wird ohne Sünde und Furcht sein und erwirbt große Verdienste.  Ein beherrschter Mensch ist frei von Rachsucht und jeder Art von Arglist. Er benimmt sich richtig. Lob und Tadel berühren ihn nicht. Er ist stark. Er ist völlig Herr seiner Leidenschaften. Kein Leid, keine Sorge, keine Not befällt den Menschen, der seinen Zorn zügelt, der seinen Stolz aufgegeben hat, der an nichts mehr hängt und nichts sein eigen nennt. Überall gibt es [[Ragadwesha]] (Sympathie und Antipathie). Überall wird jemand sein, der dir Ärger bereitet. Übe Selbstbeherrschung, dann kannst du an jedem Ort glücklich sein."
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==Selbstbeherrschung als hilfreiche Tugend==
'''Aus einem Vortrag von Sukadev Bretz'''
 
Selbstbeherrschung ist ein wichtiger Aspekt, gerade auch im [[Yoga]] und in allen [[spirituell]]en [[Tradition]]en und auch in der [[Psychologie]]. Es gab mal in den 70er und 80er Jahren die [[Vorstellung]], dass man sich ohne Selbstbeherrschung, psychologisch weiterentwickeln kann. Da ist es so ein bisschen in eine andere Richtung gegangen, denn dort hat man gesagt: "Tue einfach, was deine Herzenswünsche sind, finde heraus, was in deinem Inneren ist, entspanne dich, lasse los und schreie eventuell und lebe alles aus, lebe deine [[Sexualität]] frei aus, lebe alles aus und dann ist alles in Ordnung."
 
Das war wie eine Gegenbewegung zu der [[Bewegung]] der Selbstbeherrschung, die es gerade in bürgerlichen Kreisen des 19. Jahrhunderts gab und in weiten Teilen des 20. Jahrhunderts. Da ging es darum, dass man sich selbst beherrscht und da gab es strenge Normen und Kleidungsvorschriften, strenge Sitten und besondere Vorstellungen über [[Moralität]].
 
Und [[Sigmund Freud]] hat dann postuliert, dass viele [[Problem]]e durch [[Unterdrückung]] kommen und Nicht-Leben von [[Bedürfnis]]sen. Und da war dort irgendwann diese entgegengesetzte Strömung, wo Selbstbeherrschung so ein bisschen verpönt wurde. Aber heutzutage weiß man, Selbstbeherrschung ist sehr wohl auch wichtig.
 
Selbstbeherrschung ist nicht alles, es gehört auch dazu, sich zu entspannen, es gehört auch dazu, zu schauen: "Was sind meine inneren Anliegen?" Es gehört auch dazu, den Kräften der [[Seele]] Ausdruck zu verleihen. Es ist gut, positive Sehnsüchte zu kultivieren, es ist gut, [[Schwärmerei]] zu haben, es ist auch gut, manche der [[Bedürfnis]]se auszuleben und oft ist es gut, [[Spontanität]], [[Intuition]], [[Kreativität]] usw. anzuwenden. Das gibt [[Dynamik]].
 
[[Emotion]]en haben positive [[Eigenschaft]]en, man muss keine Emotionen bekämpfen. Selbstbeherrschung ist etwas anderes. Es gibt einen [[Yoga]], den Yoga der Selbstbeherrschung, der nennt sich [[Raja Yoga]]. Raj heißt [[Herrschaft]], Raja ist der Herrscher. Raja [[Yogi]] ist derjenige, der sich [[selbst]] beherrschen lernt. Ein Raja Yogi ist derjenige, der lernt, geschickt mit sich umzugehen.
 
Aber Selbstbeherrschung heißt nicht, jederzeit seinen [[Geist]] beherrschen zu können. Da muss ich zugeben, da habe ich noch keinen getroffen. Vielleicht der [[Swami Chidananda]], vielleicht konnte der jederzeit seinen Geist beherrschen, einer der großen [[Meister]], den ich kannte. Aber es ist auch nicht nötig, jederzeit deinen Geist zu beherrschen, sondern es steckt auch irgendwo Steuern dahinter.
 
Beherrschung heißt, erstmal eine positive Ansicht über dich [[selbst]] zu haben und irgendwo zu sagen: "Ja, in mir [[selbst]] sind so viele positive Kräfte. Ich habe [[Gerechtigkeitssinn]], ich habe [[Einfühlungsvermögen]], ich habe den [[Wunsch]], [[Gute]]s zu bewirken, ich habe einen [[Überlebensinstinkt]], ich habe [[Fürsorge]] für andere, ich habe [[Musikalität]], [[Künstlertum]] usw."
 
Angenommen, du willst ein guter Mitarbeiterführer sein, eine gute [[Führungspersönlichkeit]], dann ist es erstmal gut, bewusst zu werden: "Wen habe ich denn alles in meinem Team? Und was sind ihre [[Stärke]]n?" So schaue in dein eigenes Team hinein: "Was hat mein Team für Stärken? Wer ist alles da?" Und dann kannst du auch noch nachdenken: "Und was habe ich in mir, was ich nicht mag?" Das kannst du auch überlegen: "Was ist da?" Man kann auch sagen: "Welche Mitarbeiter habe ich, die sich momentan nicht so gut ausdrücken?"
 
Du kannst ihnen nicht kündigen, das ist eben das Interessante in der menschlichen [[Psyche]], du kannst keinen in deiner Psyche irgendwo kündigen, du kannst sie auch nicht abschaffen, du kannst sie auch nicht vernichten. Aber du kannst [[lernen]], geschickter damit umzugehen. Und dann gilt es, zu schauen, du kannst überlegen: "Was sind meine übergeordneten Anliegen? Was sind meine übergeordneten [[Ziel]]e? Was sind meine wichtigen Sehnsüchte?"
 
Und dann kannst du überlegen: "Vor dem Hintergrund meiner wichtigen [[Sehnsucht]], vor dem Hintergrund meiner Ziele, vor dem Hintergrund meiner Anliegen, was ist dort angemessen?" Und wenn du dir dessen bewusst bist, wirst du manchmal sagen: "Ja, hier braucht es auch [[Disziplin]], hier braucht es auch [[Selbstdisziplin]], hier braucht es Selbstbeherrschung."
 
Wenn du übergeordnete [[Ziel]]e hast, Sehnsüchte, die dich motivieren, wenn du etwas hast, wofür es sich rentiert, es zu leben und sich einzusetzen, dann fällt es auch leichter, in dem einen oder anderen Gebiet, Selbstbeherrschung zu üben. Auch hierbei gilt es, geschickt vorzugehen.
 
Ich habe ja ein ganzes Buch geschrieben, "Der Königsweg zur [[Gelassenheit]]" und dort sind viele [[Technik]]en für die Selbstbeherrschung, denn um ein gelassener [[Mensch]] zu sein, braucht es auch Selbstbeherrschung. Keine kalte Selbstbeherrschung, keine moralische Selbstbeherrschung, sondern geschickte Vorgehensweise im Umgang mit dir [[selbst]] und mit deinen [[Stärke]]n und mit deinen [[Schwäche]]n.
 
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==In der Verhaltensforschung==
====Dorsaler vorderer cingulärer Cortex====
Cameron S. Carter und Vincent van Veen theoretisieren, dass der dorsale vordere cinguläre Cortex (ACC) und der dorsolaterale präfrontale Cortex (DLPFC) eine wichtige Rolle im zielorientierten Verhalten spielen. Sie ziehen Beweise aus ereignisbezogenen potentiellen Studien und fMRI-Studien hinzu, um argumentieren, dass der ACC und der DLPFC eine „Konflikt"Konflikt-Kontroll-Schleife“ Schleife" bilden. Der ACC findet widersprüchliche Dinge heraus und der DLPFC löst die Konflikte, indem er die Aufmerksamkeit von Stimuli, die für das Ziel nicht von Bedeutung sind zu jenen, die dafür von Bedeutung sind, verschiebt.
====Orbitofrontaler Cortex====
====Lateraler präfrontaler Cortex====
Masataka Watanabe und Masamichi Sakagami führen Beweise aus neuronalen Aufnahmen von Affen heran, um zu argumentieren, dass der laterale präfrontale Cortex innerhalb des anwendbaren zielgerichteten Verhaltens eine wichtige Rolle bei der „Integration "Integration des kognitiven und anregenden Kontextes“ Kontextes" spielt.
===Das Ergebnis bestimmt die Selbstbeherrschung===
===Manipulation emotionaler Umstände===
Wenn man eine Situation verlässt, ändern sich auch die emotionalen Stimulanzien. So kann man auch Ungerechtigkeit einüben, um später eine stärkere Reaktion zu bekommen. Wenn man eine Handlung als “Arbeit” "Arbeit” oder “Spaß” "Spaß” behandelt, kann das einen Einfluss auf die Fähigkeit der Selbstbeherrschung haben.
===Einsatz aversiver Stimulanzien===
==="Etwas anderes tun"===
Skinner stellte fest, dass unterschiedliche Philosophien und Religionen, dieses Prinzip als Beispiel nehmen, um ihren Gläubigen beizubringen, ihre Feinde zu lieben. Wenn wir voller Wut oder Hass sind, könnten wir uns selbst kontrollieren, indem wir „etwas "etwas anderes tun“tun", oder indem wir etwas tun, das mit unserer Antwort nicht übereinstimmt.
==Weblinks==
Änderungen – Yogawiki

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Selbstbeherrschung

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