Yogalehrerausbildung

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Yogalehrer Ausbildung

Erfahrungsbericht - vom Manager zum Yogalehrer

Höhen und Tiefen eines Aspiranten - von Gerrit Kirstein

Was bringt einen Mann im fortgeschrittenen Lebensalter dazu, nach einer langjährigen Managementkarriere eine zweijährige Ausbildung zum Yogalehrer zu beginnen und sich quasi vom Chefsessel auf die Matte zu legen? Sind es immer noch das Bedürfnis nach Anerkennung und der Wunsch zu führen und zu motivieren? Oder steht dahinter eine tiefe Sehnsucht nach Sinnstiftung und innerer Harmonie? Möchte man(n), wenn er materielle Fülle erreicht hat, nun auch spirituell Erfüllung finden?

Auf diese Fragen habe ich noch keine endgültige Antwort - aber ich spüre, dass ich sie finden werde. Ich hatte mich schon während meines Berufslebens mit spirituellen Themen beschäftigt, mit bioenergetischer Selbsterfahrung, Yoga und Fasten, das ich seit einigen Jahren praktiziere. Immer geht und ging es ja um die Begegnung mit dem Ego und die Suche nach dem Selbst, diesem göttlichen Kern in uns, dem sich zu nähern so schwer fällt. Wobei wir doch ahnen, dass dort unsere Erfüllung und Erlösung, die tiefe innere Zufriedenheit wohnt.

Trotz Schlüsselerlebnis kein einfacher Schritt

Mein Schlüsselerlebnis hatte ich während eines Yogaseminars in Indien als ich eine Engel-Karte von Diana Cooper zog. Diese gab mir einen Impuls zum Thema „STREBEN“. Mein ganzes Leben hatte ich danach gestrebt, erfolgreich zu sein, etwas zu erreichen. Eigentlich wollte ich jetzt - zum Ende meiner Karriere - nicht mehr streben. Was sollte diese Kartenbotschaft mir also sagen? Es war die Aufforderung, mich nicht mit dem bisher Erreichten zufrieden zu geben, sondern weitere Fähigkeiten auszuschöpfen, die mir gegeben sind. Mir wurde klar, dass ich es mir selbst schuldig bin, mein Bewusstsein auf eine höhere Ebene zu bringen. War das der wahre Auftrag, mit dem ich in diese Welt geschickt wurde? Während der Tage in Indien entschied ich mich, eine Yoga-Ausbildung zu beginnen und Business-Anzug und Blackberry gegen Yogahose und Sitzkissen einzutauschen.

Das war kein einfacher Schritt und er war durchaus von Zweifeln begleitet. Mein Leben trug bisher die Überschrift „Speed“: Meetings, Zeit- u. Erwartungsdruck, multifunktionales Agieren, Reisestress, Fremdbestimmung. Nun folgte die Entschleunigung: Sonnengruß, stille Meditation, Mantra-Singen, Askese und Kontemplation. War das tatsächlich das, was ich wollte? Und wie würde ich damit klarkommen?

Zwischenbilanz nach dem ersten Jahr als Aspirant

Inzwischen liegt das erste Ausbildungsjahr hinter mir, und ich bin froh, den Yoga-Weg zu gehen. Er gibt mir viel, fordert und verändert mich - mehr, als ich erwartet hatte. Schließlich geht es ja nicht nur um die Asanas, die mich meinen Körper gut spüren lassen oder Kapalabhati (Schnellatmung) und Wechselatmung, die den Zugang zu meinem inneren Wohl- fühlraum ermöglichen. Besondere Erfahrungen und Einsichten haben mir die Meditation, die Rezitation von Mantras und die intensive Auseinandersetzung mit der Lebensphilosophie des Yoga gebracht. Ich entdecke immer mehr, dass echter, integraler Yoga unendlich viel mehr ist als das, was heute üblicherweise über die „Trendsportart Yoga“ publiziert und vielfach praktiziert wird.

Deshalb bin ich dankbar dafür, dass ich mit Hatha-, Kundalini-, Raja-, Jnana-, Bhakti- und Karma Yoga ein ganzheitliches System vermittelt bekomme, das mich in die Lage versetzt, meinen künftigen Schülern wahren, ursprünglichen Yoga näher zu bringen. Ich möchte ihnen nicht nur weitergeben, wie man die Körperhaltungen korrekt ausführt und bewusst ein- und ausatmet, sondern sie sollen auch Anregungen erhalten, wie sie ihr Leben gesünder, sinnvoller, freudiger und letztlich lebenswerter gestalten können.

Denn das ist doch das Wesentliche, was Yoga uns lehren will: eine friedvolle und liebevolle Geisteshaltung mit in den Alltag hineinzunehmen und Yoga nicht nur auf Körperhaltungen und Atmung zu reduzieren. Yoga ist doch vor allem ein Weg der Erkenntnis: Wer bin ich? Worin liegen meine Begrenzungen? Welche Fähigkeiten zeichnen mich aus? Wohin gehe ich? Was gibt meinem Leben Sinn? Wieviel Liebe ist in mir, und was kann ich geben? Wer auf diese elementaren Fragen schlüssige Antworten findet und danach lebt, der kann die Einheit und Harmonie finden, die viele im Yoga suchen.

Die Ausbildung ist nicht einfach für mich. Ich erkenne meine körperlichen Einschränkungen, und obwohl sich meine Mobilität verbessert hat, fallen mir einige Asanas schwer. Ich merke, dass ich noch immer auf Leistung getrimmt bin, gehe oft über meine Grenzen hinaus und muss dies mit Muskel- und Gelenkschmerzen bezahlen. Aber nach und nach lerne ich, was ich meinem Körper zumuten darf und wie die Körperhaltungen richtig auszuführen sind.

Neue Gestaltungsfreiheiten, aber auch neue Ansprüche an sich selbst?

Probleme habe ich nach wie vor damit, die richtige Balance zwischen meinen bequemen Alltagsgewohnheiten und den Bedingungen eines spirituellen Lebens zu finden. Nur mühsam schaffe ich es, gravierende Veränderungen einzuführen und süßen Verlockungen nach und nach zu widerstehen. Aber ich merke, dass mich bewusster, selbst auferlegter Verzicht stärker und freier macht.

Die Tatsache, dass ich fünf Kilo leichter bin, ist schon ein kleines Erfolgserlebnis. Und das Bewusstsein, dass ich gesünder, stressfreier und achtsamer lebe, gibt mir Zuversicht. Letztlich ist ja auch im Yoga vieles eine Sache der Disziplin, und darin müsste ich eigentlich aus meinem Berufsleben geübt und gefestigt sein. Aber ganz so einfach ist es nicht; ich habe neue Gestaltungsfreiheiten gewonnen - aber diese muss ich auch praktizieren, und zwar regelmäßig. Es ist ja nicht damit getan, zweimal pro Woche zum Yoga-Unterricht ins Ausbildungscenter zu fahren und einmal im Vierteljahr ein Wochenende im Ashram zu üben. Entscheidend ist die tägliche Praxis, am besten früh morgens, wenn der Geist noch klar ist und unbewegt von den Ereignissen des Tages.

Ein intensiveres Lebensgefühl

Wenn ich darüber nachdenke, was mir die Yoga-Ausbildung gibt, dann ist es vor allem ein intensiveres Lebensgefühl. Durch die Atem- und Körperarbeit hat sich mein Energielevel stark erhöht. Die Meditation und das Studium der Yogaphilosophie bereichern mich ungemein. Ich nehme das Leben deutlicher wahr, sehe Natur und Menschen mit anderen Augen, gehe irgendwie anders durch die Welt. Teilweise befinde ich mich in einem beglückenden Zustand von freudiger Anspannung und gleichzeitig seliger Entspannung. Kann man das als friedvolle Gelassenheit bezeichnen?

Sehr wertvoll ist die Erkenntnis, dass Yoga viel mit Frieden, Liebe, Hingabe und Demut zu tun hat. Ich denke, dass mir dies zum Ende meiner Ausbildung noch bewusster sein wird. Letztlich ist das erhabenste Ziel des Yoga doch die Verwirklichung unseres Selbst und wenn wir das Leben auf dieses Ziel ausrichten, dann werden wir immer stärker das Göttliche, Einmalige unserer Persönlichkeit erfühlen. Und wir werden uns auch Gott wieder nähern und die Erfahrung wahrer Liebe, reinen Seins, vollkommenen Wissens und unbeschränkter Glückseligkeit machen können, „Sat-Chid-Ananda“ - "Sein-Wissen-Glückseligkeit."

Über Gerrit Kirstein

Gerrit Kirstein, war mehr als 20 Jahre als Marketingmanager tätig. Mit Eintritt in den Ruhestand hat er eine Ausbildung zum Yogalehrer im Yoga Vidya Center Melle begonnen und arbeitet als freier Journalist.

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Siehe auch

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