Phobie

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Als Phobie (aus dem Griechischen: φόβος, Phobos, "Angst" oder "krankhafte Angst") bezeichnet man in der klinischen Psychologie einen bestimmten Typ von Angststörung. Sie wird in der Regel als anhaltende Angst vor einem Objekt oder einer Situation definiert, die der Kranke um jeden Preis vermeiden will und die in keinem Verhältnis zu der tatsächlichen Gefahr steht und oft als irrational erkannt wird.

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Kann jemand die Phobie (fast) vollständig vermeiden, wird die Lage oder das Objekt auch ohne erheblichen negativen Stress (Distress) und signifikante Störungen bei der Ausübung der sozialen oder beruflichen Tätigkeiten ertragen. Bei den Begriffen Distress und Beeinträchtigung, so wie sie im "Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders", 4. Auflage, (DSM-IV-TR) stehen, soll bei der Stellung der Diagnose auch das Umfeld des Kranken berücksichtigt werden. Im DSM-IV-TR wird darauf hingewiesen, dass eine Diagnose nicht gestellt werden kann, wenn ein phobischer Reiz, sei es nun ein Objekt oder eine (soziale) Situation, in einem Umfeld vollständig fehlt. Ein Beispiel für eine solche Situation wäre eine Person, die sich vor Mäusen fürchtet (Suriphobia), aber in einer Umgebung lebt, die frei von Mäusen ist.

Auch wenn die Vorstellung von Mäusen bei der Person ausgeprägten Distress und erhebliche Beinträchtigungen verursacht, werden kein echter Distress und keine wirklichen Beeinträchtigungen erlebt, da die Person in ihrer Umgebung keinen Mäusen begegnet. Auch die Nähe zum Auslöser des phobischen Reizes und der Grad des Wunsches vor dem phobischen Reiz zu fliehen, sollten berücksichtigt werden. Nähert sich der Kranke dem Auslöser eines phobischen Reizes, so intensivieren sich seine Angstzustände (z.B. wächst bei Ophidiophobie die Angst, wenn der Kranke einer Schlange näher kommt) und der Grad des Wunsches nach Flucht vor dem phobischen Reiz ist begrenzt und bewirkt unterschiedliche Stufen der Angst wie zum Beispiel beim Fahrstuhl fahren (z.B. steigt die Angst auf halbem Weg zwischen zwei Stockwerken und nimmt ab, wenn das Stockwerk erreicht ist und die Türen geöffnet sind).

Schließlich noch die grundlegende Feststellung, dass der Begriff Phobie ein alles einschließender Begriff ist und dass man im Bereich der Phobie zwischen spezifischen Phobien und sozialen Phobien unterscheidet. Bei den spezifischen Phobien finden wir etwa die Arachnophobie (Angst vor Spinnen) oder die Akrophobie (Höhenangst). Soziale Phobien beziehen sich auf Situationen im sozialen Bereich wie öffentliches Reden und Menschenmengen.

Klinische Phobien

Psychologen und Psychiater ordnen die meisten Phobien drei Kategorien zu; nach dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 4. Auflage (DSM-IV), werden diese Phobien als Untergruppen der Angststörung bezeichnet. Die drei Kategorien sind:

1.Soziale Phobie: Angst vor anderen Menschen oder sozialen Situationen wie Lampenfieber oder Beklemmung angesichts der Beobachtung durch andere, etwa beim Essen in der Öffentlichkeit. Die Überwindung einer sozialen Phobie ist ohne die Hilfe von Therapie oder Selbsthilfegruppen oft sehr schwierig. Soziale Phobie kann weiter unterteilt werden in:

  • allgemeine soziale Phobie (auch als soziale Angststörung oder einfach soziale Angst bezeichnet);
  • spezifische soziale Phobie, in denen Angst nur in spezifischen Situationen ausgelöst wird.

Die Symptome können auch psychosomatische Erscheinungen physischer Probleme umfassen. So findet beispielsweise ein an Paruresis (Urinierhemmung) Erkrankter es schwierig oder unmöglich, an einem Ort zu urinieren, an dem keine völlige Privatsphäre gegeben ist. Dies geht weit über eine bloße Präferenz hinaus: Wenn die Phobie ausgelöst wird, ist es der Person physisch unmöglich, die Blase zu entleeren.

2. Spezifische Phobien: Angst vor einem einzelnen, bestimmten Panikauslöser wie Spinnen, Schlangen, Hunde, Wasser, Höhe, Fliegen, Angst vor der Erkrankung an einer bestimmten Krankheit, etc. Viele Menschen haben diese Ängste, jedoch in geringerem Maße als eine Person, die unter einer spezifischen Phobie leidet. Ein an einer Phobie Erkrankter meidet gezielt das, was er fürchtet.

3. Agoraphobie: Eine generalisierte Angst vor dem Verlassen des Hauses oder eines kleinen vertrauten „sicheren“ Bereiches und vor möglichen darauf folgenden Panikattacken. Sie kann auch durch verschiedene spezifische Phobien wie Angst vor offenen Plätzen, soziale Agoraphobie (Platzangst), Angst vor Ansteckung (Angst vor Keimen, möglicherweise durch Zwangsstörungen kompliziert) oder eine posttraumatische Belastungsstörung nach einem im Freien aufgetretenen Trauma verursacht werden. Phobien zeigen bei den Erkrankten unterschiedliche Intensitätsgrade. Einigen Personen gelingt es einfach, ihr Angstthema zu meiden und sie leiden daher nur unter relativ gemäßigten Ängsten. Andere erleiden volle Panikattacken mit all den damit verbundenen behindernden Symptomen. Die meisten Individuen wissen, dass sie an einer irrationalen Angst leiden, aber es gelingt ihnen nicht, sich über ihre anfängliche Panikreaktion hinwegzusetzen.

Spezifische Phobien

Wie oben schon kurz erwähnt ist eine spezifische Phobie eine deutliche und anhaltende Angst vor einem Objekt oder einer Situation, die zu einer übermäßigen oder irrationalen Angst beim Vorhandensein oder der Erwartung eines bestimmten Objektes führt. Darüber hinaus können spezifische Phobien auch Angst vor Kontrollverlust, Panikattacken und Ohnmacht einschließen, was das direkte Ergebnis einer Begegnung mit der Phobie ist. Der wichtige Unterschied zu sozialen Phobien ist, dass spezifische Phobien sich auf Objekte oder Situationen beziehen, während soziale Phobien sich mehr auf soziale Angst und die eventuell daraus folgende Bewertung beziehen.

Diagnose

Die diagnostischen Kriterien für spezifische Phobien lauten nach dem DSM-IV-TR wie folgt:

  • 1. Deutliche und anhaltende Angst, die übertrieben oder irrational ist, genährt durch das Vorhandensein oder die Erwartung eines bestimmten Objektes oder einer Situation (z.B. Fliegen, Höhe, Tiere, Angst vor der Spritze, vor Blut).
  • 2. Die Gegenüberstellung mit einem phobischen Reiz führt fast immer zu einer sofortigen Angstreaktion, die die Form einer situativ gebundenen oder situativ predisponierten Panikattacke annehmen kann. Hinweis: Bei Kindern kann die Angst durch Weinen, Wutanfälle, Erstarren oder Klammern zum Ausdruck kommen.
  • 3. Die Person erkennt, dass die Angst übertrieben oder irrational ist. Hinweis: Bei Kindern kann diese Erkenntnis auch fehlen.
  • 4. Die phobische Situation wird vermieden oder aber mit intensiver Angst oder Distress durchgestanden.
  • 5. Die Vermeidung, die angstvolle Erwartung oder der Distress in der gefürchteten Situation wirkt sich signifikant auf den normalen Alltag der Person, auf die berufliche oder akademische Funktionsweise, auf soziale Aktivitäten oder Beziehungen aus, oder es besteht starker Distress darüber, an der Phobie zu leiden.
  • 6. Bei Personen unter 18 Jahren dauert eine Phobie mindestens 6 Monate an.
  • 7. Die Angst, Panikattacke, oder phobische Vermeidung, die mit einem spezifischen Objekt oder einer Situation assoziiert ist, kann auch durch eine andere psychische Störung verstärkt werden, wie Zwangsstörung (z.B. Angst vor Schmutz bei einer Person mit zwanghafter Angst vor Keimen/Verunreinigung), posttraumatische Belastungsstörung (z. B. Vermeidung von mit einem schweren Stressor verbundenen Reizen), Störung aufgrund von Trennungsangst (z.B. Vermeidung von Schule), soziale Phobie (z.B. Vermeidung sozialer Situationen aus Angst vor Beklemmung), Panikstörung mit Agoraphobie oder Agoraphobie ohne eine frühere Panikstörung.

Soziale Phobien

Der wesentliche Unterschied zwischen spezifischen Phobien und sozialen Phobien ist, dass soziale Phobien Angst vor öffentlichen Situationen und öffentlicher Beobachtung einschließen, die nach den diagnostischen Kriterien zu Beklemmung oder Erniedrigung führt. Bei sozialen Phobien gibt es auch eine ebenfalls hinzuzuzählende allgemeine Kategorie, wie unten näher bezeichnet.

Diagnose

Die diagnostischen Kriterien für Soziale Phobien lauten nach dem DSM-IV-TR wie folgt:

  • 1. Deutliche und anhaltende Angst vor einer oder mehreren sozialen oder Leistungssituationen, in denen die Person ihr nicht vertrauten Menschen oder möglichen Beobachtungen durch andere ausgesetzt ist. Die Person befürchtet, in einer Weise zu handeln (oder Symptome der Angst zu zeigen), die zu Erniedrigung oder Beklemmung führt. Hinweis: Bei Kindern muss die klare Fähigkeit zu altersgerechten sozialen Beziehungen mit vertrauten Personen vorliegen und die Angst muss auch in der Beziehung zu Gleichaltrigen auftreten, nicht nur in der Interaktion mit Erwachsenen.
  • 2. Die Konfrontation mit der gefürchteten Situation führt fast immer zu einer sofortigen Angstreaktion, die die Form einer situativ gebunden oder situativ predisponierten Panikattacke annehmen kann. Hinweis: Bei Kindern kann die Angst durch Weinen, Wutanfälle, Erstarren oder Zurückweichen vor sozialen Situationen mit nicht vertrauten Personen zum Ausdruck kommen.
  • 3. Die Person erkennt, dass die Angst übertrieben oder irrational ist. Hinweis: Bei Kindern kann diese Erkenntnis auch fehlen.
  • 4. Die gefürchteten sozialen oder Leistungssituationen werden vermieden oder mit großer Angst oder intensivem Distress durchgestanden.
  • 5. Die Vermeidung, die angstvolle Erwartung oder der Distress in der gefürchteten sozialen oder Leistungssituation wirkt sich signifikant auf den normalen Alltag der Person, auf die berufliche oder akademische Funktionsweise, auf soziale Aktivitäten oder Beziehungen aus, oder es besteht starker Distress darüber, an der Phobie zu leiden.
  • 6. Bei Personen unter 18 Jahren dauert eine Phobie mindestens 6 Monate an.
  • 7. Die Vermeidung ist nicht auf die direkte physiologische Wirkung einer Substanz (z.B. Missbrauchsdroge, Verabreichung eines Medikaments) oder allgemeine Beschwerden zurückzuführen und kann durch eine andere psychische Störung verstärkt werden (z.B. Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie, Störung durch Trennungsangst, Körperwahrnehmungsstörung, tiefgreifende Entwicklungsstörung, schizoide Persönlichkeitsstörung).
  • 8. Liegt eine allgemeine Erkrankung oder eine andere psychische Störung vor, dann hängt die Angst bei Kriterium A (Die Konfrontation mit der sozialen oder Leistungssituation führt fast immer zu einer sofortigen Angstreaktion) damit nicht zusammen, z. B. Stottern, Zittern bei Parkinson oder anormales Essverhalten bei Magersucht oder Bulimie.

Anzugeben ist:

Im Fall der Generalisierung:

Ob die Ängste die meisten sozialen Situationen einschließen (hier ist auch die zusätzliche Diagnose der vermeidenden Persönlichkeitsstörung zu berücksichtigen). Beachten Sie die bezeichnende starke Überlappung von spezifischen und sozialen Phobien. Es herrscht Einigkeit darüber, dass die Unterschiede zu den spezifischen Phobien nur in der Bezeichnung "sozial" liegen.

Krankheitsursachen

Umgebungsbedingte Ursachen

Viele der Fortschritte bei dem Versuch, das Erlernen von Angstreaktionen bei Phobien zu verstehen, sind dem Pawlowschen Modell zu verdanken, das auch als Klassische Konditionierung bekannt ist. Nach Myers und Davis (2007) entsteht Angst, wenn ein konditionierter Reiz (z.B. ein spezieller Ort) mit einem aversiven, d.h. unangenehmem, unkonditionierten Reiz (z.B. einem Elektroschock) zu einem Endergebnis gekoppelt wird, bei dem das Subjekt mit einer konditionierten Angstreaktion auf den speziellen Ort reagiert (CS +UCS= CR). CS (konditionierter Reiz) und UCS (unkonditionierter Reiz) führen zu einer konditionierten Reaktion (CR).

Um zu verstehen, wie dieses Modell im Zusammenhang mit einer Phobie funktioniert, braucht man sich nur das Phänomen der Höhenangst oder Akrophobie zu vergegenwärtigen. Bei dieser Phobie ist die Höhe, wie etwa die oberen Etagen eines Hochhauses oder einer Achterbahn, der konditionierte Reiz (CS). Der unkonditionierte Reiz (UCS) geht auf ein aversives oder traumatisierendes Ereignis im Leben der Person zurück, wie z.B. als Kind in einer Achterbahn oder in einem Aufzug in der obersten Etage eines Gebäudes festgesteckt zu haben. Das Ergebnis der Kombination dieser beiden Reize führt zu einer neuen, als CR bezeichneten Assoziation (Höhenangst), bei der es sich um den durch den aversiven UCS (Gefangensein im Fahrstuhl oder in der Achterbahn) umgewandelten CS (Höhe) handelt, und die schließlich zu der gefürchteten konditionierten Antwort führt.

Dieses Modell unterstellt nicht, dass man an einer Phobie leidet, sobald eine konditionierte Angstreaktion auf ein Objekt oder eine Situation vorliegt. Wie oben aufgeführt müssen nach den Kriterien für die Diagnose einer Phobie auch die Symptome der Beeinträchtigung und der Vermeidung gegeben sein. Beim obigen Beispiel müsste es Anzeichen für eine Beeinträchtigung durch Vermeidung geben, sofern der CR als Phobie eingeordnet werden soll. Beeinträchtigung, die von einem klinischen Standpunkt aus auch als Behinderung betrachtet werden kann, wird so definiert, dass eine Person nicht in der Lage ist, Aufgaben des täglichen Lebens wahrzunehmen, seien sie nun beruflich, schulisch/wissenschaftlich oder sozial.

Im jüngsten Beispiel könnte eine Beeinträchtigung der Beschäftigung so aussehen, dass eine Person eine Arbeit nur deshalb nicht annimmt, weil die Büros sich im obersten Stockwerk eines Gebäudes befinden, oder bei der sozialen Phobie, dass sie an einem gesellschaftlichen Ereignis in einem Freizeitpark nicht teilnimmt. Der Vermeidungsaspekt wird als Verhalten definiert, das zum Wegfall des aversiven Ereignisses führt, das ansonsten mit dem Ziel der Prävention von Angst auftreten würde.

Das obige Modell direkter Konditionierung, sollte, wenngleich es für die Theorie des Erlernens von Angst von großer Bedeutung ist, nicht als einziger Weg der Entstehung einer Phobie betrachtet werden. Rachman nennt drei Hauptwege zur Entstehung von Angst: Direkte Konditionierung, vikariierendes Erlernen und Erlernen durch Information oder Erziehung. Im Rahmen weiterer Experimente mit dem oben erwähnten Modell der direkten Konditionierung wurde immer deutlicher, dass mehr als nur klassische Konditionierung die Entstehung einer Phobie begünstigen kann.

Rachman vertrat (1978) die Ansicht, dass vikariierendes Erlernen ein entscheidendes Element bei der Entstehung von Phobien ist; daher beschloss man, Informationen und Anweisungen von Eltern und Familienangehörigen mit einzubeziehen, um ein besseres Verständnis über die Entstehung von Phobien zu erlangen. Schaut man sich die in diesem Bereich vorgenommene Forschung an, so ist eines der besten Beispiele dafür, wie vikariierendes Erlernen, genauer gesagt das Erlernen nach einem Vorbild, das Erwerben einer Phobie bewirkt, Cook & Minekas (1989) Arbeit über Rhesusaffen. Bei diesem Experiment haben Cook & Mineka, durch den Einsatz von Video, bei 22 Rhesusaffen deren Angstreaktionen auf evolutionär relevante Reize (z.B. Krokodile und Schlangen) und evolutionär irrelevante Reize (z.B. Blumen und künstliche Kaninchen) ausgewertet, um feststellen zu können, ob Konditionierung von Angst mit dem Modell der direkten Konditionierung (Pawlowsches Modell) zum Erlernen von Angst (genauer gesagt der konditionierten Angstreaktion) führt.

Die Ergebnisse der Untersuchungen ergaben nach 12 Sitzungen, dass die Rhesusaffen Angst angesichts der evolutionär relevanten Reize und nicht angesichts der evolutionär irrelevanten Reize erlernt hatten; ferner zeigte das Experiment auch, dass, wenn sie Affen mit anderen Affen konfrontierten, die auf Schlangen nicht mit Furcht reagierten, diese Gruppe keine Angst erlernte, was die Theorie der vikariierenden Konditionierung durch Nachahmung eines Vorbilds unterstützt.

Nach der Pawlowschen Theorie der klassischen Konditionierung hätte es den Experimentatoren möglich gewesen sein sollen, bei den Rhesusaffen eine Angstreaktion auf evolutionär irrelevante Reize bei den Rhesusaffen auszulösen, weil mit dem Pawlowschen Modell die Behauptung aufgestellt wird, dass jeder UCS eine CR auslösen kann. Die Ergebnisse zeigen, dass das Pawlowsche Modell um das Modell des vikariierenden Erlernens erweitert werden muss.

Evolutionsbedingte Ursachen

Die Tatsache, dass spezifische Phobien sich in unverhältnismäßiger Weise gegen bestimmte Objekte wie Schlangen und Spinnen richten, kann evolutionäre Gründe haben. Aus Sicht der Evolution sind Phobien Anpassungen, die in der Welt unserer Vorfahren ihre Berechtigung gehabt haben mögen. In der Savanne sind Schlangen und Spinnen, im Gegensatz zu Gefahren wie etwa den großen Raubtieren, oft gut versteckt und erst in unmittelbarer Nähe zu sehen und können besonders Säuglingen und Kleinkindern gefährlich werden und daher die Entwicklung einer instinktiven Angstreaktion begünstigen.

Diese Ansicht impliziert nicht notwendigerweise, dass Phobien genetisch unvermeidlich sind. Vielmehr besteht möglicherweise eine genetische Veranlagung, bestimmte Dinge mehr fürchten zu lernen als andere. In gleicher Weise kann primäre Agoraphobie dadurch entstanden sein, dass es einst ein evolutionärer Vorteil war, weite offene Gebiete ohne Möglichkeit der Deckung oder Tarnung zu meiden. Allgemeine soziale Phobie kann darauf zurückzuführen sein, dass es einst in der Regel sehr gefährlich war, sich plötzlich einer großen Gruppe starrender, nicht zur Sippe gehörender, unbekannter und nicht lächelnder Fremder gegenüberzusehen.

Neurobiologische Ursachen

Phobien werden in der Regel durch ein Ereignis verursacht, das von der Amygdala und dem Hippocampus gespeichert und als tödlich oder gefährlich eingestuft wird, so dass der Körper, wann immer eine bestimmte Situation erneut näher kommt, so reagiert, als ob das Ereignis später wiederholt aufträte. Die Behandlung soll auf die eine oder andere Weise die Erinnerung und die Reaktion auf das vorhergehende, als tödlich eingestufte Ereignis durch eine realistischere und rationalere Vorstellung ersetzen.

In der Realität sind die meisten Phobien irrational, und zwar insofern, als die unbewusste Assoziation weit mehr Angst erzeugt, als es in Anbetracht der aktuellen Gefahr oder des aktuellen Reizes gerechtfertigt ist. Eine Person mit einer Wasserphobie kann zwar einräumen, dass die physiologische Erregung irrational ist und eine Überreaktion darstellt, doch davon allein ist sie von der Phobie nicht geheilt.

Phobien sind nicht immer, aber häufig, mit der Amygdala verknüpft, einem Bereich des Gehirns hinter der Hypophyse (Hirnanhangdrüse). Die Amygdala kann Hormone ausschütten, die eine Rolle im Zusammenhang mit Angst und Aggression spielen.

Wird die Angst- oder Aggressionsreaktion eingeleitet, so kann die Amygdala Hormone ausschütten, um den menschlichen Körper in einen Alarmzustand zu versetzen, so dass der Mensch in der Lage ist, sich zu bewegen, zu laufen, zu kämpfen, etc. Dieser defensive Alarmzustand wird in der Psychologie im Allgemeinen als Flucht- oder Kampfmechanismus bezeichnet.

Behandlungsformen/Therapie

Es gibt zahlreiche Therapieformen für die Behandlung von Phobien, deren Nutzen von Person zu Person unterschiedlich ausfallen kann. Manche Therapeuten nutzen die virtuelle Realität oder Bildmaterial, um Patienten hinsichtlich des Gegenstandes der Furcht zu desensibilisieren; dies ist Teil einer systematischen Desensibilisierungstherapie.

Mit der kognitiven Verhaltenstherapie werden ebenfalls gute Ergebnisse erzielt. Sie macht es dem Patienten möglich, dysfunktionelle Gedanken oder Überzeugungen durch aufmerksames Achten auf die eigenen Gefühle anzugehen, mit dem Ziel, dass der Patient die Furcht als irrational erkennt. Kognitive Verhaltenstherapie kann als Gruppentherapie durchgeführt werden. Schrittweise Desensibilisierung und kognitive Verhaltenstherapie sind oft erfolgreich, vorausgesetzt der Patient ist bereit, ein gewisses Unbehagen auszuhalten. Im klinischen Versuch sind bei 90% der Patienten nach erfolgreicher Behandlung mit kognitiver Verhaltenstherapie keine phobischen Reaktionen mehr beobachtet worden.

Desensibilisierung und Aufarbeitung durch Augenbewegungen (EMDR) erwies sich bei einem von Fachleuten überprüften klinischen Versuch als wirksam bei der Behandlung einiger Phobien. EMDR wird in erster Linie zur Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen verwendet, zeigte jedoch ebenso viel Wirkung bei der Linderung phobischer Symptome nach einem spezifischen Trauma, wie etwa bei Angst vor Hunden nach einem Hundebiss.

Hypnotherapie in Verbindung mit NLP (Neurolinguistisches Programmieren) kann gleichfalls herangezogen werden, um die Assoziationen zu beseitigen, die eine phobische Reaktion auslösen. Es fehlt jedoch noch am nötigen Nachweis aus Forschung und wissenschaftlichen Testreihen, um den Status als effektive Behandlung untermauern zu können.

Antidepressiva können bei einigen Fällen von Phobie hilfreich sein. Benzodiazepine können zur akuten Behandlung schwerwiegender Symptome herangezogen werden, aber das Nutzen-Risiko-Verhältnis spricht gegen ihren langfristigen Einsatz bei phobischen Störungen.

Es gibt auch neue pharmakologische Ansätze; so zeigte sich, dass Glukokortikoide sich auf psychotherapeutische Umlern- und Speicherprozesse auswirken und die auf Auslöschung von negativen Erinnerungen basierte Psychotherapie unterstützen können.

Die Emotional Freedom Technique (EFT), eine Behandlungsform der psychotherapeutischen alternativen Medizin, soll ebenfalls wirksam sein, wird von der Schulmedizin jedoch als eher pseudowissenschaftlich eingestuft.

Eine andere Methode, derer sich Psychologen und Psychiater bedienen, um Patienten mit extremen Phobien zu therapieren, ist die Konfrontation über einen längeren Zeitraum. Diese Konfrontation über einen längeren Zeitraum wird in der Psychotherapie dann angewandt, wenn der an der Phobie leidende Patient dem Gegenstand seiner Furcht über einen langen Zeitraum ausgesetzt ist. Die Technik kommt erst zum Einsatz, wenn der Patient die Reaktion der Vermeidung oder Flucht vor dem die Phobie auslösenden Objekt oder der die Phobie auslösenden Situation überwunden hat.

Personen, die bei ihrer Phobie nur leichten Distress empfinden, benötigen im Allgemeinen keine längere Konfrontation mit dem Gegenstand ihrer Furcht.

Die genannten verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten schließen sich nicht gegenseitig aus. Es kommt oft vor, dass Therapeuten mehrere Therapieformen kombinieren.

Epidemiologie

Phobien sind eine weit verbreitete Form der Angststörung. Eine amerikanische Studie des National Institute of Mental Health kam zu dem Ergebnis, dass 8,7% bis 18,1% der Amerikaner an Phobien leiden. Die nach Alter und Geschlecht aufgeschlüsselte Studie ergab, dass Phobien die häufigste psychische Erkrankung bei Frauen aller Altersgruppen und die zweithäufigste Erkrankung bei Männern über 25 waren.

Andere Bedeutungen des Wortes Phobie

Das Wort Phobie kann auch andere Phänomene als Furcht bezeichnen. So bedeutet der Begriff Hydrophobie zwar "Furcht vor Wasser", er kann jedoch auch eine krankheitsbedingte Unfähigkeit zu trinken bezeichnen, oder die chemische Neigung eines Stoffes, sich nicht mit Wasser zu binden.

Weitere Gedanken zum Thema

Phobie ist die unbegründete Angst vor Objekten oder Situationen. Sie ist zu unterscheiden von Angst, die ihrem Ursprung nach einen bestimmten Auslösegrund hat, z.B. eine giftige Schlange im Dschungel löst einen Erstarrungsreflex aus, oder ein unkontrolliertes Feuer den Fluchtreflex. Angst dient dem Überleben des Individuums. Phobie hingegen wird willkürlich in bestimmten Situationen ausgelöst, die potentiell nicht (lebens)bedrohlich sind: auf freien Plätzen, in Aufzügen, vor harmlosen Hausspinnen. Trotzdem fühlt der Betroffene ein tiefes Gefühl der Furcht, zeigt körperliche Reaktionen (Schwitzen), Fluchtreflex, Schreien, Zittern, etc.) und kann mit rationalen, logischen Argumenten nicht wieder beruhigt werden. Aus diesem Grund müssen Phobien möglichst schnell vom Fachmann behandelt werden; insbesondere dann, wenn die Phobie(n) das alltägliche Leben einschränken, im Extremfall können Betroffene ihre Wohnung nicht mehr verlassen.

Die Erfolgsaussichten sind gut, die Krankheit ist gut erforscht, es gibt verschiedene Methoden, u. a. beim Psychologen oder beim Psychiater. Meist werden Behandlungen von der Krankenkasse übernommen. Hilfreich bei jeder Art von Angststörung ist auch Yoga und Entspannung, speziell die Psychologische Yogatherapie als ein Zweig des Yoga kann hier angesprochen werden.

Die von vielen gefürchtete Konfrontations-Therapie muss nicht immer Anwendung finden. Es ist auch möglich, die fehlerhaften Programme im Gehirn durch andere zu ersetzen. Phobien entstehen wahrscheinlich durch Fehlverknüpfungen im Gehirn. In der heutigen Zeit, v.a. im Westen, wo Phobien vorwiegend auftreten, gibt es das Gefühl „lebensbedrohlich“ im alltäglichen Leben fast nicht mehr, so dass die bereitgestellte „Not-Energie" nicht mehr zur Anwendung kommt; jedoch grundsätzlich vorhanden ist. So kann es passieren, dass sich diese Energie an alltägliche Situationen anknüpft und so ihren Ausdruck findet. Phobien haben somit spirituell gesehen mit Energiearbeit zu tun.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Multimedia

Furcht und Phobien – mp3 Kurzvortrag

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Atemübung bei Angst und Panik

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Entspannung. Kriyas zur Befreiung von starken Emotionen