Migräne

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Migräne (aus dem Altgriechischen hemikrania, Schädelhälfte, halber Schädel) ist eine unangenehme Form periodisch wiederkehrenden, oft halbseitigen Kopfschmerzes, der anfallsartig durch sogenannte Trigger ausgelöst wird und mit dem zusammen auch andere körperliche Beschwerden wie Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit auftreten können. Man unterscheidet Grundformen der Migräne ohne und mit Aura (früher: einfache und klassische Migräne), bei besonders starken Ausfällen auch als retinale Migräne oder komplizierte Migräne bezeichnet. Migräneattacken werden durch Bewegung verstärkt. Migräneanfälle treten erst ein, nachdem der größte Stress vorüber ist und die Anspannung nachlässt ("post stress disorder").

Yoga, Meditation, Entspannung helfen gegen Migräne

Frauen sind (aber erst nach Eintreten der Geschlechtsreife) von Migräne dreimal häufiger betroffen als Männer; auch Kinder können schon an Migräne leiden. Die meisten Migräneattacken treten jedoch im Alterszeitraum von etwa 35 - 45 Jahren auf.

Durch Wissenschaftliche Studien konnte belegt werden, dass Entspannungsübungen wie Yoga und Meditation gegen Migräne helfen - regelmäßige Yoga-Praxis führt dazu, dass Anfälle von Migräne seltener und schwächer werden (siehe Wissenschaftliche Studien, Punkt 3.8). Auch Yogatherapie, Verhaltenstherapie und Ayurveda helfen bei Migräne. Im Gegensatz zur allopathischen Medizin haben diese Behandlungsformen keine Nebenwirkungen.

Krankheitsursachen - Was geschieht bei der Migräne?

Die eigentlichen Ursachen der Migräne sind noch immer zu wenig erforscht; nachgewiesen wurde mittlerweile ein genetischer Zusammenhang; innerhalb einer Familie kann Migräne daher öfter auftreten. Viele Experten sehen einen klaren Zusammenhang mit Stress und Überlastung; es ist erwiesen, dass durch Yoga, Meditation und Entspannung Migräneanfälle seltener und schwächer werden (siehe Einleitung oben). Der konkrete Migräneanfall wird dann durch sogenannte Trigger wie Schokolade, Käse und Alkohol (insbesondere Rotwein) ausgelöst. Auch bestimmte Medikamente, die Pille, die monatliche Periode und Störungen des Hormonhaushalts können Migräne auslösen.

Bei der Migräne sind die Gefäße im Gehirn weit gestellt und nach einer Theorie auch entzündlich verändert. Bei den Botenstoffen liegt eine Fehlregulation vor, durch die die Schmerzhemmung im Hirnstamm gestört ist - dadurch entsteht der übermäßig starke Migränekopfschmerz, der vielen Menschen zu schaffen macht.

Symptome

The Head Ache, Cruikshank, 1819

Vorboten der Migräne

Die meisten Anfälle von Migräne kündigen sich Stunden, in manchen Fällen Tage vorher durch Müdigkeit und Gähnen, Übelkeit, leichte Sehstörungen, Licht- oder Lärmüberempfindlichkeit, Konzentrationsstörungen und Nackenbeschwerden an. Dies gilt sowohl für die Migräne mit Aura wie auch für die Migräne ohne Aura. Die leichten Sehstörungen sind jedoch nicht mit den neurologischen Ausfällen zu verwechseln, die bei einer Migräne mit Aura auftreten.

Migräne ohne Aura

Einseitiger und/oder pulsierender Kopfschmerz, der durch körperliche Tätigkeiten (auch einfache wie Treppensteigen) verstärkt wird, oft begleitet von Übelkeit, Lärm- und Lichtempfindlichkeit; mäßiger bis starker Schmerz. Auch Schwitzen, Herzrasen, Durchfall können auftreten. Die Attacken bei Migräne dauern im Schnitt 4 - 72 Stunden.

Migräne mit Aura

Die Migräne mit Aura beginnt mit neurologischen Ausfallserscheinungen in Form von Flimmern und farbigem Schillern, (gezackten) Lichtblitzen, Skotomen (teilweisem Gesichtsfeldausfall), Taubheitsgefühlen (im Extremfall bis hin zu vorübergehenden Lähmungen), motorischen und Sprachstörungen. Nach etwa 20 bis maximal 60 Minuten tritt dann starker, meist halbseitiger/pulsierender Kopfschmerz ein, der den Symptomen der Migräne ohne Aura entspricht (also begleitet ist von Übelkeit, Erbrechen, Ekel vor Gerüchen, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit).

Retinale Migräne

Von einer retinalen Migräne spricht man dann, wenn die Sicht des Patienten durch Flimmern, Teilausfälle des Gesichtsfelds (- (a) negative Skotome, der Patient sieht dann nur noch Teile des Gesamtbildes, das er normalerweise sehen würde, oder aber (b) positive Skotome, der Patient sieht zusätzliche Teile, die im normalen Bild gar nicht zu sehen sind) besonders stark eingeschränkt ist. Dabei kann sogar vorübergehende reversible Blindheit eintreten.

Komplikationen von Migräne

Zu den Komplikationen von Migräne gehören:

  • die chronische Migräne, die über einen Zeitraum von drei Monaten an mehr als 15 Tagen im Monat auftritt;
  • der Migräne ohne Aura ähnliche Zustände, die aber länger als 72 Stunden anhalten;
  • die Auslösung epilepsieartiger Anfälle, die sich während des Migräneanfalls oder innerhalb einer Stunde nach der Migräne ereignen;
  • migränöser Infarkt (Hirninfarkt im Verlauf einer Migräne mit Aura);
  • länger als 1 Woche anhaltende Aura, ohne Nachweis eines Hirninfarktes, u.a.

Abklingen der Migräne (sogenannte Rückbildung)

Die Rückbildungsphase, in der Schmerz und Übelkeit allmählich abklingen und der Patient erschöpft und angespannt ist, kann bis zu 24 Stunden dauern.

Diagnostik

Die Migräne als primäre Erkrankung wird auf der Grundlage der Angaben des Patienten diagnostiziert, wobei natürlich auch mögliche körperliche Ausfallerscheinungen wie Sehstörungen, Taubheitsgefühle/Kribbeln, Lähmungserscheinungen etc. berücksichtigt werden.

Bildgebende Verfahren werden nur bei Vermutung der Migräne als sekundäre Erkrankung (Folge von Hirnblutungen, Traumata, Tumoren..) eingesetzt.

Therapie

Im akuten Zustand brauchen Patienten mit Migräne vor allem Ruhe und die Abschirmung in einem abgedunkelten Raum, in dem sie besonders vor Licht, Lärm und Gerüchen geschützt sind.

Nicht pharmakologische Behandlung

Sanftes Pranayama tut gut bei Migräne

Entspannung, Yoga, Meditation, Lebensstil, Verhaltenstherapie

Wie oben schon erwähnt, hängt Migräne stark mit Stress und Anspannung zusammen und Yoga und Meditation sind besonders geeignet , um Stresshormone abzubauen. Im klinischen Versuch wurde die direkte, positive Einwirkung von Yoga auf Migräne nachgewiesen (siehe Wissenschaftliche Studien, Punkt 3.8).

Der Patient sollte auch beachten, welche Seite des Gehirns von den Schmerzen betroffen ist - die weibliche oder die männliche - und untersuchen, ob er in seinem Leben einer Seite keinen Platz eingeräumt hat, wie Rüdiger Dahlke in seinem Buch "Krankheit als Sprache der Seele" betont.

Auch im nachfolgenden Video des südindischen Yogatherapeuten Harilalji weist Harilalji darauf hin, dass Migräne insbesondere eine Krankheit falschen Lebensstils ist, mit einem Zuviel an Stress, falscher Ernährung, falschem Verhalten und zu vielen Suchtstoffen. Er empfiehlt, Yoga und Meditation zu praktizieren, um Stress abzubauen, einer gesunden vegetarischen Ernährung mit vielen Ballaststoffen zu folgen, auf Milchprodukte, weißen Zucker, Alkohol, Nikotin und Kaffee zu verzichten. Der Verzicht soll allerdings langsam beginnen, da ein plötzlicher Entzug zu einem erneuten Anfall von Migräne führen kann.

Durch bestimmte Rollübungen des Kopfes erhält der Kopf eine Massage, die auch während der Migräne angewendet werden kann. Auch Kriyas wie Kunjal Kriya kommen zur Anwendung.

Bei Pranayama-Übungen sollte der Patient mit Migräne keine fortgeschrittenen Übungen wie Bhastrika praktizieren, sondern eher sanfte, Stress reduzierende Übungen wie Nadi Shodana (ohne Luftanhalten, nur bewusst und langsam atmen), Chandra Anuloma und Ujjayi. Langes Anhalten der Luft sollte ebenfalls vermieden werden.

Harilalji empfiehlt auch Verhaltenstherapie; er sieht einen Zusammenhang von Migräne mit dem im Zusammenwirken mit Familie und Gesellschaft erlernten Verhalten. Die Verhaltenstherapie basiert auf Lerntheorien und der klassischen Konditionierung und geht davon aus, dass ein Verhalten, das zu einer bestimmten Erkrankung geführt hat, wieder "verlernt" werden kann.

Schließlich erteilt Harilalji yogische Ratschläge, wie man sich in schwierigen Situationen des Lebens verhält.

Wer den Ratschlägen folgt und täglich etwas praktiziert, soll seine Beschwerden innerhalb von 6 Monaten beträchtlich senken und innerhalb von 1-2 Jahren gänzlich loswerden können.

Im Bereich Entspannung zeigten sich Erfolge bei der auch bei Yoga Vidya in der Entspannungsphase praktizierten progessiven Muskelentspannung.

Video Harilalji: Yogatherapie gegen Migräne

Ayurveda: Suryavarta

Migräne, Suryavarta, ist auch im Ayurveda eine gefürchtete Krankheit und wird erfolgreich behandelt durch Behandlungsformen wie Purgieren und Nasya, eventuell in Kombination mit heißen Sesamwickeln und gebratenen Kräutern (Dr. H.H. Rhyner, Das neue Ayurveda Praxis Handbuch, S. 527). Zuvor ist jedoch eine gründliche Anamnese des Patienten erforderlich, da im Ayurveda , mehr als in der allopathischen Medizin, auch Vorgeschichte, Lebensstil und Ernährung des Patienten einbezogen werden und die Behandlung individuell darauf abgestimmt wird.

In der Ayurveda-Oase in Bad Meinberg praktiziert eine erfahrene ayurvedische Ärztin, die Patienten individuell berät und auch Tipps zum Lebensstil und zur Ernährung erteilt.

Biofeedback

Beim Biofeedback lernen Patienten mit Migräne, mittels Computer die eigenen Körperfunktionen durch Messung bestimmter Werte (Puls, Blutdruck, Gehirnströme, Hautleitwert etc.) wahrzunehmen, die ihnen durch Signale oder am Computer angezeigte Graphiken bewusst gemacht werden, und sie zu beeinflussen. Im konkreten Fall mit Migräne lernen sie, ihre Blutgefäße im Gehirn zu verengen. Die Methode funktioniert recht gut und wird auch zum Coaching (Sportler, Musiker usw.) angewandt (siehe auch Video der Uni Rostock oben).

Akupunktur

In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden Migräne und Kopfschmerzen erfolgreich mit Akupunktur behandelt. Die feinen Nadeln zeigten, wie sich in Studien zeigte, auch in der Migräne-Prophylaxe Wirkung. Es gibt heute auch allopathische Ärzte, die Akupunktur bei Migräne einsetzen.

Pharmakologische Behandlung

Pharmakologisch wird Migräne vor allem mit Triptanen behandelt, die ebenfalls die Blutgefäße im Gehirn verengen, aber Nebenwirkungen haben (chronischer arzneimittelinduzierter Kopfschmerz). Bei leichteren Attacken von Migräne werden daher auch Schmerzmittel (Analgetika ohne Opioide), auch in Kombination mit Antiemetika (Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen), verabreicht. Auch für Antiepileptika, Betablocker (prophylaktisch eingesetzt), opiathaltige und andere Medikamentengruppen wurde eine positive Wirkung auf Migräne nachgewiesen; allerdings sind die meisten dieser Medikamente mit starken Nebenwirkungen verbunden, so dass sich nicht pharmakologische Behandlungsformen oder eine Kombination beider Formen empfehlen.

Pestwurz (Petasites hybridus)

Die Europäische Neurologische Fachgesellschaft und die American Headache Society (AHS) empfehlen seit 2012 auch Pestwurz (Petasites hybridus) als Vorbeugung für Migräne; Pestwurz enthält die Wirkstoffe Petasin und Isopetasin, die krampflösend und entzündungshemmend wirken. Klinische Studien aus dem Jahr 2004 zeigten, dass eine sechsmonatige Kur mit Pestwurz-Präparaten die Zahl der Anfälle und den Verbrauch an Schmerzmitteln verringern konnte.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

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