Mansoor

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Mansoor, Heiliger und Sufi-Meister aus Bagdad, der im 16. Jahrhundert lebte und bis zu seinem Tod verkündete: "Anal Hauq" - "Ich bin Gott"

Swami Sivananda über Mansoor

Er schreibt in seinem Buch Lives of Saints:

Mansoor ist als der „Heilige von Bagdad“ bekannt. Er lebte vor vierhundert Jahren (vom Erscheinen des Buches „Lives of Saints“ von Swami Sivananda an rückwärts gerechnet) zu Zeiten Haroon-al-Rashids, dem Kalifen von Bagdad. Er war ein armer, aber frommer und rechtschaffener muslimischer Fakir. Er praktizierte unablässig Meditation und sah Gott in allen Namen und Formen. Außerdem besaß er die kosmische Sichtweise der „Überseele“. Das göttliche Licht stieg auf ihn herab, er realisierte dieses als sein Selbst und identifizierte sich damit.

Folgende Lehre verkündete er der Welt: „Anal Hauq“. Das bedeutet „Ich bin Gott“, und der von Gott durchdrungene Mansoor murmelte „Anal Hauq“ wo auch immer er sich befand.

Anal Hauq korrespondiert mit dem Soham, dem Shivoham oder dem Aham Brahma Asmi der Vedantalehrer. Die Moslems aber betrachteten Mansoor als einen Ungläubigen, einen "Kaffir". Sie bezeichneten ihn als Heuchler.

Nachdem er aber ein angesehener Mann war, waren die Maulvis(Priester) zuerst nachsichtig mit ihm und versuchten, ihn davon zu überzeugen, dass es falsch war, Anal Hauq zu murmeln. Aber Mansoor blieb fest in seiner Überzeugung. Daraufhin wurde er von den Maulvins zum öffentlichen Tod durch Zerstückelung verurteilt. Seine Hände und Füße wurden an einen Pfosten gefesselt und noch einmal wurde er aufgefordert, Anal Hauq abzuschwören und zwischen seinem falschen Glauben und seinem Leben zu wählen. Doch sogar in dieser Situation blieb Mansoor unnachgiebig und wich zur größten Verwunderung des Publikums keinen Millimeter von seiner inneren Wahrheit ab.

Zuerst wurden Mansoors Beine abgeschnitten. Aber Mansoor lächelte und flüsterte Anal Hauq. Dann wurden seine Augen entfernt. Immer noch lächelte er, mit Anal Hauq auf den Lippen. Dann sollten seine Hände abgeschnitten werden. Die Zuseher bekamen Mitleid und baten die Maulvis, Mansoors Leben zu verschonen. Millionen Menschen rezitierten Anal Hauq, zur größten Freude Mansoors, aber trotz der Bitten der Leute wurde er am Ende enthauptet. Das Blut, das aus seinem Rumpf strömte, rief Anal Hauq. Sein Körper wurde verbrannt und auch die Asche rief Anal Hauq.

Das entsetzte die Maulvis und ließ sie ihre Tat bereuen, denn nun erkannten sie, dass sie einen Heiligen verbrannt hatten. Sie sahen, dass Mansoors Geist immer noch lebte, obwohl sein Körper nur mehr ein Haufen Asche war. Mansoor bezahlte also den höchstmöglichen Preis für seine Überzeugung und um seine radikale Glaubenslehre einzuführen. Er machte seinen Namen und Anal Hauq dadurch unsterblich: Auch wenn er vor hunderten von Jahren bereits seinen Körper verlasen hat, wird es immer noch rezitiert. Es gibt keinen einzigen Moslem, der nicht mit dem Leben dieses großen Heiligen vertraut ist, der für seine innerste Wahrheit ein stand, obwohl ihm das einen grausamen, gewaltsamen Tod bescherte.

Der edle Mansoor lebt also immer noch in unser aller Herz, und nirgends in den geschichtlichen Aufzeichnungen über Heilige findet man einen, der ihm gleicht.

Ehre sei ihm!

Dieser Abschnitt stammt aus dem Buch "Lives of Saints" von Swami Sivananda, Divine Live Society, Sivananda Ashram

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