Jyotishka

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aus „Buddhistische Legenden“ von Heinrich Zimmer

Der Erhabene Buddha weilte zu Radschagriha im Bambushaine am »Futterplatz der Eichhörnchen«. — In der Stadt Radschagriha wohnte ein Hausvater mit Namen Subhadra, der war reich, groß an Geld, groß an Einkünften. Er war dem Bettelorden der Nirgranthas (»der Fessellosen«) über die Maßen zugetan. Der nahm sich eine Frau aus ebenbürtiger Familie. Mit ihr zusammen pflog er die Kunst der Liebe, vergnügte sich mit ihr und gab sich mit ihr ab. Wie er nun so mit ihr der Liebe pflog, sich mit ihr vergnügte und sich abgab, ward seine Frau nach einiger Zeit schwanger. — Der Erhabene, der sich in der Frühe angekleidet hatte, nahm Bettelschale und Obergewand und begab sich nach Radschagriha auf den Bettelgang. Wie er bettelnd Radschagriha durchwandelte, kam er der Wohnung des Hausvaters Subhadra nahe. Der Hausvater Subhadra gewahrte den Erhabenen schon von fern und wie er sein gewahr wurde, holte er seine Frau und ging mit ihr auf den Erhabenen zu. Er trat vor den Erhabenen hin und sagte zu ihm: »Erhabener, meine Gattin hier ist schwanger geworden. Was wird sie zu Welt bringen?«

Der Erhabene sprach: »Hausvater, sie wird einen Sohn zur Welt bringen. Er wird dein Haus in flammenden Glanz tauchen. Göttliches und menschliches Glück wird er erfahren. In meiner Lehre wird er das Mönchskleid nehmen. Er wird alle leidvolle Unvollkommenheit hinter sich lassen und erlösende Heiligkeit an sich selbst erschauen.«

Der Hausvater füllte dem Erhabenen die Almosenschale mit reiner und feiner, fester und weicher Speise. Der Erhabene wünschte ihm Gesundheit und schritt mit seiner Almosenspeise von dannen.

Die Weissag des Erhabenen

Nicht weit davon stand ein gelehrter Nirgrantha Mönch. Der erwog: »Wenn wir nur ein einziges Haus zum Betteln haben, taucht der Asket Gautama auch dort auf. Ich will gehen und sehen, was der Asket Gautama geweissagt hat.« Er ging hin und fragte: »Hausvater, war der Asket Gautama hier?« — »Er war hier.« — »Was hat er geweissagt?« — »Ehrwürdiger, ich habe ihm meine Frau gezeigt: „Was wird sie zur Welt bringen?“ und er hat gesagt: „Sie wird einen Sohn zur Welt bringen. Er wird dein Haus in flammenden Glanz tauchen. Göttliches und menschliches Glück wird er erfahren. In meiner Lehre wird er das Mönchskleid nehmen. Er wird alle leidvolle Unvollkommenheit hinter sich lassen und erlöste Heiligkeit an sich selbst erschauen.“« Der gelehrte Mönch nahm sein astrologisches Gerät zur Hand und fing an zu berechnen. Er sah: »Wie der Erhabene geweissagt hat, so ist das alles.«

Er erwog: »Wenn ich es ebenso ausmale, wird unser Hausvater hier den Asketen Gautama noch mehr prei¬sen; darum muss ich einiges davon ebenso ausmalen, anderes abweichend.« Als er sich so bedacht hatte, fuhr er mit den Händen umeinander und verzog das Ge¬sicht. Der Hausvater Subhadra fragte: »Ehrwürdiger, was fährst du so mit den Händen umeinander und ver¬ziehst das Gesicht?« — Der sagte: »Hausvater, einiges daran ist wahr, anderes ist falsch.« — »Ehrwürdiger, was ist daran wahr und was ist falsch?« — »Hausvater,

wenn er sagt, „sie wird einen Sohn zu Welt bringen“ — das ist wahr. Wenn er sagt, „er wird dein Haus in flam¬menden Glanz tauchen“ —, auch das ist wahr: »Agre Dschyotir«, »Flammenglanz am Anfang« wird das unselige Geschöpf heißen und wird, kaum geboren, dein Haus in Flammen verbrennen. Wenn er sagt, „göttliches und menschliches Glück wird er erfahren“ —, das ist falsch. Hausvater, hast du jemals ein Wesen gesehen, das als Mensch geboren, göttliches und menschliches Glück erfahren hätte? — Wenn er sagt, „in meiner Lehre wird er das Mönchskleid nehmen“ —, das ist wahr. Wenn er nichts zu essen und nichts anzuziehen haben wird, dann wird er ganz gewiss unter dem Asketen Gautama das Mönchskleid nehmen. „Er wird alle leidvolle Unvollkommenheit hinter sich lassen und erlö-sende Heiligkeit an sich selbst erschauen“ — das ist falsch. Wo schon beim Asketen Gautama kein Dahintenlassen aller leidvollen Unvollkommenheit und keine erlösende Heiligkeit zu finden ist, wie kann da bei ihm davon die Rede sein!«

Subhadra war ganz verzweifelt und fragte: »Ehrwür¬diger, was soll ich da machen?« — Der gelehrte Mönch sagte: »Hausvater, wir haben der Welt entsagt und üben uns in ruhevoller Enthaltung von allem Tun. Du weißt Bescheid.« Sprach's und ging von dannen. Subhadra überlegte: »Dieses Kind muss ich mir unter allen Umständen vom Halse schaffen.« Als er sich so bedacht hatte, begann er seiner Frau Mittel einzugeben, »das ist ein Wesen, das zum letzten Male in ein Leben wiederkehrt«, dachte er dabei, »dies mag es davon kurieren«. — Er hub an, den Leib der Frau auf der linken

Seite zu pressen. Das Ungeborene ging auf die rechte Seite hinüber. Subhadra begann den Leib auf der rech¬ten Seite zu pressen. Das Ungeborene ging auf die linke Seite hinüber. — Es ist keine Stelle, kein Raum dafür da, dass ein Wesen, das in seinem letzten Leben angelangt ist, vorzeitig entwurzelt dahin stirbt, ehe es völliges Versiegen der Zuflüsse erlangt hat, aus denen sich der Strom seines Lebens speist.

Die Frau hub an, laut zu schreien, wie ihr der Leib gepresst wurde. Das hörten die Nachbarn. Flink, flink kamen sie herzu und fragten: »Verehrter, was schreit die Frau so laut?« — Subhadra sagte: »Sie ist schwanger und jetzt ist die Stunde ihrer Entbindung gekommen.« — Da gingen sie wieder.

Subhadra erwog: »Hier kann ich sie nicht behandeln. Ich will sie hinaus in den Wald führen.« — Er führte sie in den Wald hinaus und behandelte sie dort so, dass sie starb. Er schaffte sie heimlich ins Haus zurück und sagte seinen Freunden, Verschwägerten und Blutsver-wandten: »Verehrte, meine Frau ist gestorben.« Die huben an, laut zu klagen. Laut klagend schmückten sie eine Bahre mit blauen, gelben, roten und weißen Tüchern und trugen die Frau zum Leichenverbrennungs¬acker Shitavana hinaus. Das hörten die Nirgranthas. Erfreut, zufrieden und beglückt hoben sie Sonnen-schirme und Banner in die Höhe und zogen rings in der Stadt Radschagriha auf den Wagenstraßen, Basarstraßen, Vierecksplätzen und Kreuzwegen umher und verkündeten: »Hört uns, Verehrte! Der Asket Gautama hat über die Frau des Hausvaters Subhadra geweissagt: „Sie wird einen Sohn zur Welt bringen. Er wird sein

Haus in flammenden Glanz tauchen. Göttliches und menschliches Glück wird er erfahren. In meiner Lehre wird er das Mönchskleid nehmen. Er wird alle leidvolle Unvollkommenheit hinter sich lassen und erlösende Heiligkeit an sich selbst erschauen.“ Und diese Frau ist gestorben und zum Leichenverbrennungsacker Shitavana hinausgetragen worden. Wer schon die Wurzel eines Baumes nicht hat, wie soll der zu Zweigen, Blättern und Früchten kommen?«

Die Buddhanatur

Indessen gibt es nichts, was den Erhabenen Buddhas unerkannt, unerschaut, unbemerkt und unbewusst bliebe. Das gehört zum Wesen der Erhabenen Buddhas.

Sie sind die Allbarmherzigen und wandeln, aller Welt zu genügen. Ihr Wesen ist: ganz und gar Hüter zu

sein.

Sie weilen in Geduldigkeit und fernster Überschau,
sie sind kundig der drei Bereiche der Selbstbeherrschung: Tat, Rede und Gedanken,
sie haben die vier Ströme des Verdienstes überquert, die Sohlen ihrer Füße haben festen Grund gefasst in den vier Wunderkräften,
viererlei gute Werke haben sie lange Zeit aufgehäuft,
sie vertrauen in vierfachem Selbstvertrauen auf ihre eigene Vollendung,
sie haben die fünf Glieder wahnvollen Daseins hinter sich gelassen,
sind hinaus über die fünf Pfade des Lebens als Gott, Mensch oder Tier, als Gespenst oder Höllenwesen,
sie haben die sechs übermenschlichen Fähigkeiten,
sind ganz erfüllt von den sechs Vollkommenheiten und leben von allem gelöst,
sie haben die Blumen der sieben Glieder der Erleuchtung,
sie lehren den achtgliedrigen Pfad der Erlösung und sind mit den neun Stufen übersinnlicher Erkenntnis, wie sie einander folgen, vertraut, und,
sie lehren den achtgliedrigen Pfad der Erlösung und sind mit den neun Stufen übersinnlicher Erkenntnis, wie sie einander folgen, vertraut,
sie haben die Kraft der zehn Kräfte, ihr Ruhm erfüllt alle zehn Richtungen des Weltraums,
sie sind erhabener als zehnmal hundert Götter, die „nach Willen walten“.
Dreimal des Nachts und dreimal des Tages überschauen sie rings mit ihrem Buddhaauge die Welt, und Wissens¬schau breitet sich in ihnen: »wer nimmt ab? wer wächst? wer ist in Ungemach geraten? wer ist in Enge geraten? wer ist in Bedrängnis geraten? wer ist in Unge-mach und Enge und Bedrängnis geraten? wer neigt sich dem Untergange zu? wer drängt dem Untergange zu? wer fällt dem Untergange zu? wen soll ich aus dem Untergange herausheben und in Himmel und Erlösung versetzen? in wen soll ich Wurzeln des Guten pflanzen, der ihrer bar ist? bei wem soll ich eingepflanzte Wurzeln des Guten zur Entfaltung bringen? bei wem soll ich die entfalteten der Erlösung dienen lassen?«

Und er sprach:

»Das Meer wird eher überschreiten die Grenze, die es ewig hält, eh' aus den Grenzen seiner Zeiten der Buddha einen ließe gleiten,
den zur Erlösung zu geleiten ihm gefällt.«

Da ließ der Erhabene — er weilte irgendwo abseits — ein Lächeln über sein Antlitz gleiten

Das ist fürwahr immer so: wenn Erhabene Buddhas ein Lächeln über ihr Antlitz gleiten lassen, dann brechen blaue, gelbe, rote und weiße Strahlen aus ihrem Angesicht hervor. Ein Teil von ihnen geht niederwärts, ein Teil von ihnen geht aufwärts.

Die niederwärts gehen, brechen hinab in die Höllenwelten, wo zerfleischte Opfer zu neuer Qual wieder aufleben, wo sie fadendünn zerschnitten werden, wo sie zwischen glühenden Bergen zerquetscht werden, wo das Wehegeschrei erschallt, wo das Große Wehegeschrei erschallt, in die Hölle der Glut, in die Hölle der Großen Glut, in die Hölle »Wellenlos«, in die Höllen »Knoten« und »Knotenlos«, in die Höllen Atata, Hahava und Huhuva, in die beiden Lotushöllen und in die Hölle des Großen Lotus. In alle diese glühenden Höllen brechen sie kühlend ein. Damit finden die unterschiedlichen Martern der Höllenopfer ihr Ende. Es wird ihnen eigen zumute: »Wie ist uns, Freunde, sind wir von hier abgeschieden und in einer anderen Welt in ein neues Leben getreten?« — Um ihnen den Frieden zu geben, strahlt der Erhabene ein Scheinbild von sich aus. Sie werden des Scheinbildes gewahr und sagen sich: »Freunde, nicht sind wir von hier abgeschieden, auch nicht in einer anderen Welt in ein neues Leben getreten. Aber dieses Wesen hier, das wir zuvor niemals gesehen haben —, dank seiner Macht sind unsere unterschiedlichen Martern zu Ende. — Im Anblick dieses Scheinbil¬des bringen sie ihren Geist zu seliger Ruhe und dabei lösen sich ihre früheren Taten, die sie in den Höllen kosten müssen, auf, sie erheben sich zu den Sphären von Göttern und Menschen und werden dort zu Gefä¬ßen der heiligen Wahrheiten.

Die Strahlen, die aufwärts gehen, kommen in die
Götterwelten der vier Großen Königlichen Welthüter und der dreiunddreißig Götter,
in den Himmel des ersten uranfänglichen Toten und in die Welt der Seligen Götter,
in die Welt der Götter, die lustvoll Scheinbilder von sich schaffen und
der Götter, die Macht über die Scheinbilder anderer haben,
in die Welt der Götter mit Brahmaleibern, der Götter, deren Priester Brahma ist, in die Welt des Großen Brahma in die Welt der Götter, deren lichter Schein endlich ist, in die Welt der Götter, deren lichter Schein unermessen ist, in die Welt der hell leuchtenden Götter, in die Welt der Götter endlichen Strahlenglanzes, der Götter unermessenen Strahlenglanzes, der Götter, die ganz strahlender Glanz sind, in die Welt der Wolkenlosen Götter, der Götter reinen Ursprungs, der Götter, die großen Lohn ernten, der Götter ohne Leid, in die Welt der Götter schönen Aussehens, der Göt¬ter schönen Anblicks, in die Welt der allerhöchsten Götter.
Sie kommen und tönen: »Alles ist unstet, Alles ist Leiden, Alles ist leer, Alles ist wesenlos«, und singen das Strophenpaar:
»Hebt an, im Abschiedsgange schreitet vor, gesellt euch zu des Buddha Lehre, und wie ein Elefant ein Haus von Rohr zermalmt vor euch des Todes Heere.
Denn wer in dieser Lehre unbeirrt und ihrem Wandel schreiten wird, entwächst dem Banne ewig zu entstehen: er wird des Leidens Ende sehen.«

Dann folgen die Strahlen, wie sie die dreitausendfache, viel tausendfache Weltsphäre ringsum durchlaufen haben, dem Erhabenen rückwärts auf seinem Gange nach und verschwinden im Antlitz des Erhabenen. Da legte der ehrwürdige Ananda seine hohlen Hände zusammen und fragte den Erhabenen:

»Tausendfarbig ein Strahlenband schimmernd deinen Lippen entfließt und wie die Sonne am östlichen Rand Licht all über die Welt ergießt«

und sprach die Strophen:

»Die Erleuchteten, denen Freuden,
Kleinmut wie Übermut unvertraut,
auf deren Grunde die Welt sich baut,
die Sieger über der Feinde Heer,
lächeln kein Lächeln von ungefähr
wie Muschel und Lotusfaser gleißend.
Zeit ist es drum: dein weißer Geist
nimmt deiner Jünger Frage wahr,
Herrscher der Weisen, den Zweifel zerreißend,
Stier der Seher, sag uns klar
letztes Wort, das uns unterweist.
Denn kein Lächeln von ungefähr
lächeln die Völlig Erleuchteten Weisen,
die den Bergen und Meeren verwandt
in Höhe und Tiefe geruhig ragen.
Aber warum die Hohen lächeln,
wüssten die Menschen gern rings umher,
dass sie es sagen.«

der Erhabene macht sich auf zum Leichenverbrennungsacker

Der Erhabene sprach: »So ist es, Ananda, so ist es. Nicht ohne Ursache, nicht ohne Beziehung, Ananda, lassen In der Wahrheit Gekommene, Wahrhaft Erleuchtete ein Lächeln über ihr Antlitz gleiten. — Geh, Ananda, und tu den Mönchen kund: „Ihr Mönche, der In der Wahrheit Gekommene will einen Gang zum Leichenverbrennungsacker tun. Wer es von euch vermag, zusammen mit dem In der Wahrheit Gekommenen den Gang zum Leichenverbrennungsacker zu tun, der nehme Mantel und Obergewand.« — »So sei es, Verehrter«, gab der ehrwürdige Ananda dem Erhabenen zur Antwort und tat den Mönchen kund: »Ehrwürdige, der In der Wahrheit Gekommene will einen Gang zum Leichenverbrennungsacker tun. Wer es von euch vermag, zusammen mit dem In der Wahrheit Gekommenen den Gang zum Leichenverbrennungsacker zu tun, der nehme Mantel und Obergewand.« — »So sei es, Ehrwürdiger«, gaben die Mönche einmütig zur Antwort und begaben sich allesamt zum Erhabenen. Da machte sich der Erhabene auf zum großen Leichenverbrennungsacker Shitavana:

beherrscht inmitten Beherrschter, ruhevoll inmitten Ruhevoller,
erlöst inmitten Erlöster, getrost inmitten Getroster, zuchtvoll inmitten Zuchtvoller, ein erlöster Heiliger inmitten erlöster Heiliger,
leidenschaftslos inmitten Leidenschaftsloser, heiter
inmitten Heiterer, wie ein Stier inmitten seiner Herde Kühe, wie ein Elefant inmitten seiner Schar Elefantenkälber, wie ein Löwe inmitten einer Schar Raubtiere, wie ein :Schwanenkönig inmitten einer Schar wilder Schwäne, wie der König der Vögel »Schönbeschwingt« inmitten einer Vogelschar,
wie ein gelehrter Brahmane inmitten einer Schülerschar,
wie ein großer Arzt inmitten einer Schar von Leidenden,
wie ein Held inmitten einer Schar von Kriegern, wie ein Wegweiser inmitten einer Schar von Wanderern,
wie ein Karawanen-Kaufherr inmitten einer Schar mitreisender Kaufleute,
wie ein Vasall auf seiner Burg inmitten der Schar seiner Räte,
wie ein Weltbeherrscher im Kreise seiner tausend Söhne,
wie der Mond inmitten der Sternenschar, wie die Sonne von tausend Strahlen umgeben,
wie der Götterkönig Dhritaraschtra inmitten der
Schar seiner Geister,
wie der Götterkönig Virudhaka inmitten der Schar der »Kübelhoden«,
wie der Götterkönig »Reichtumspender« inmitten der Schar Schatz hütender Dämonen,
wie der Götterkönig Vematschitrin inmitten der Schar der »Wider-Götter«,
wie Indra inmitten der dreiunddreißig Götter,
wie Brahma inmitten der Götter mit Brahmaleibern,
wie ein Weltmeer, das keine Welle kräuselt,
wie eine regenschwere Regenwolke,
wie ein Elefant, der frei vom Rausch der Brunst seiner Herde voranschreitet,
mit gebändigten Sinnen, im Wandel und Gehaben unerschüttert,
geschmückt mit den zweiunddreißig körperlichen Zeichen des Vollkommenen Menschen und mit den achtzig Merkmalen, die sie begleiten,
strahlenden Leibes,
um Armeslänge an seiner ganzen Gestalt von lichtem Schein umflossen,
leuchtender als tausend Sonnen, wie ein wandelnder Juwelenberg,
ringsum glückverheißend,
voll der zehn Wunderkräfte und der vier Klarheiten des Geistes und der drei übermenschlichen Allgegen¬warten des Geistes in Tat, Wort und Gedanke,
voll des Allerbarmens,
umgeben von Kaundinya, zubenannt »ich hab's er¬kannt!«, von Aschvadschit, Vaschpa, Mahanaman, Bha¬drika, Schariputra, Maudgalyayana, Kaschyapa, Purna und anderen Großen seiner Schüler und von einer gro¬ßen Schar von Mönchen und vielen hunderttausend Wesen.

»Achtzehnerlei Heil bringt es, mit dem Buddha zu wandeln« — so bedachten sich viele Hunderttausende von Göttern und folgten dem Erhabenen rückwärts auf seinem Gange nach. Und die Winde huben an in der Richtung auf den Leichenverbrennungsacker hin zu wehen. —

Zwei Knaben gingen im Spiel aus Radscha¬griha hinaus, ein Brahmanenkind und ein Kind von Adel. Der adlige Knabe hatte den Glauben, nicht so der Brahmanenknabe. Der Brahmanenknabe sagte zum adligen: »Freund, der Erhabene hat von der Frau des Hausvaters Subhadra geweissagt: „sie wird einen Sohn zur Welt bringen, er wird sein Haus in flammenden Glanz tauchen, göttliches und menschliches Glück wird er erfahren, in meiner Lehre wird er das Mönchskleid nehmen, er wird alle leidvolle Unvollkommenheit hinter sich lassen und erlösende Heilig¬keit an sich selbst erschauen“ —, und diese Frau ist gestorben und auf den Leichenverbrennungsacker Shitavana hinausgetragen worden. Ist etwa das Wort des Erhabenen unwahr?« Der adlige Knabe sprach die Strophe:

»Eher stürzt mit Mond und Sternen niederwärts das Himmelszelt, eher wächst mit Wald und Felsen himmelwärts die Erdenwelt, eher trockneten der Meere Fluten aus bis auf den Grund, eh' ein Wort, das unwahr wäre, käme aus der Heiligen Mund.«

Und der Brahmanenknabe sagte: »Freund, wenn dem so ist, lass uns auf den Großen Leichenverbrennungsacker Shitavana hinausgehen und sehen! — Komm, Freund!« Sie machten sich auf.

Und der Erhabene verließ Radschagriha. Der adlige Knabe sah den Erhabenen, und wie er ihn von fern sah, sprach er wieder eine Strophe:

»Er geht inmitten der Menschenschar:
ein Weiser, von Erregung frei
und aller Leidenschaften bar.
Gewiß erhebt er den Löwenschrei,
den hohen, der die Feinde vernichtet.
Es wehn zur Leichenstätte gerichtet
die Winde kühl wie schmelzender Schnee,
viel Götter wandeln in der Höh'
mit uns hinaus, das Wunder zu sehn,
das Schakya der Weise verrichtet.«

König Bimbisara und sein Gefolge

König Bimbisara hörte: »Der Erhabene hat von der Frau des Hausvaters Subhadra geweissagt: „sie wird einen Sohn zur Welt bringen, er wird sein Haus in flammenden Glanz tauchen, göttliches und menschliches Glück wird er erfahren, in meiner Lehre wird er das Mönchskleid nehmen, er wird alle leidvolle Unvollkommenheit hinter sich lassen und erlösende Helligkeit an sich selbst erschauen“— und diese Frau ist gestorben und auf den Leichenverbrennungsacker Shitavana hinausgetragen worden. Und der Erhabene hat sich mit einer Schar seiner Jünger zum Shitavana aufgemacht« —, so hörte er und es kam ihm der Gedanke: »Nicht umsonst geht der Erhabene zum Shitavana. Gewiss will der Erhabene an der Gattin des Hausvaters Subhadra ein Bekehrung wirkendes Wunder tun. Das will ich sehen. Da machte auch er sich aus Radschagriha auf, gefolgt von seinem Harem, von Prinzen, Kronbeamten und Stadtvolk.

Der adlige Knabe sah Schrenya Bimbisara, den Kö¬nig von Magadha von fern, und wie er ihn von fern sah, sprach der wieder eine Strophe:

»Wie Schrenya, König von Magadha, aus Radschagriha kommt herfür, umgeben von den Seinen, lebt fester Glaube im Herzen mir: der Vollkommene wird uns da von neuem als Sieger erscheinen.«

Leichenverbrennungsacker

Als die Menge den Erhabenen sah, gab sie ringsum Raum. Der Erhabene trat mitten unter die große Menschenmenge, und der Schatten eines aufkeimenden Lä¬chelns spielte über sein Gesicht. Als die Nirgranthas diesen Schatten eines aufkeimenden Lächelns über das Gesicht des Erhabenen spielen sahen, erwogen sie: »Da der Asket Gautama mit dem Schatten eines aufkeimenden Lächelns auf dem Gesicht sich mitten in die große Menschenmenge begeben hat, ist dieser werdende Buddha gewiss nicht gestorben.« Sie sagten zu Subhadra: »Es scheint, dieses unselige Wesen ist doch nicht gestorben.« Er sagte: »Verehrte, wenn dem so ist, was ist dabei zu machen?« — Sie sagten: »Hausvater, wir üben uns in ruhevoller Enthaltung von allem Tun. Du selbst wirst Bescheid wissen.«

Er hob seine Frau auf den Scheiterhaufen und übergab sie den Flammen. Ihr ganzer Körper verbrannte, nur ihr Unterleib blieb ringsum unversehrt. Ja dieser Unterleib zersprang und ein Lotus erhob sich aus ihm, und auf dem Samenboden dieser Lotusblume saß ein Knäblein, das war lieblich, schön und reizend.

Viele hunderttausend Wesen wurden von höchstem Staunen erfüllt, als sie den Knaben sahen. Den Nir¬granthas schwand Übermut und Stolz, und keine Wunderkräfte wuchsen ihnen. Da sprach der Erhabene zum Hausvater Subhadra: »Hausvater, nimm den Knaben.« Er aber wandte seinen Blick auf den Mund der Nirgranthas. Die sagten: »Hausvater, wenn du in diesen brennenden Scheiterhaufen eingehst, wirst du mit Haut und Haar zu Asche.« — Er nahm das Kind nicht. Da sprach der Erhabene zu Dschivaka, dem Leibarzt des Königs, zubenannt »des Prinzen Pflegesohn«: »Dschivaka, nimm das Knäblein.« — Der erwog: »Es ist keine Stelle, kein Raum dafür da, dass der Erhabene mich beauftragt, „nimm“, wenn es unmöglich ist.« Unverzagt tauchte er sich in den flammenden Scheiterhaufen und nahm das Kind.

Er tauchte auf des Siegers Geheiß in den Scheiterhaufen und nahm das Kind, durch des Siegers Macht ward das Feuer heiß wie schmelzender Schnee so lind.

Darauf sprach der Erhabene zu Dschivaka, »des Prinzen Pflegesohn«: »Dschivaka, du bist doch nicht verletzt oder hast Schaden genommen?« — Er sagte: »Im Königspalast, Verehrter, bin ich zur Welt gekommen, im Königspalaste groß geworden, aber ich entsinne mich nicht, dass Sandel und Sandelpuder von so lieblicher Kühle sind wie dieser Scheiterhaufen, über den der Erhabene Macht hat.«

Da redete der Erhabene den Hausvater Subhadra an:

»Nimm jetzt den Knaben, Hausvater.« — Aber der war von der Irrlehre verstört und ergab sich auch jetzt noch nicht: er sah wieder den Nirgranthas auf den Mund. Die sagten: »Hausvater, dies ist ein ganz unseliges Geschöpf. Nicht einmal das Feuer, das alles verzehrt, hat es verbrannt. Wozu viele Worte: Nimmst du es in dein Haus auf, wird es gewiss dein Haus entwurzeln und du selbst findest den Tod dabei.«

Keine Liebe kommt der Liebe zum Ich gleich. Darum nahm er den Knaben nicht an. Da sprach der Erhabene zum König Bimbisara: »Nimm du den Knaben, Großer König.« In freudiger Hast streckte der König beide Hände aus und nahm den Knaben. Darauf betrachtete er ihn von allen Seiten und sagte: »Erhabener, wie soll der Name des Knaben sein?« Der Erhabene sprach: »Großer König, weil dieser Knabe mitten aus Flammen (dschyotis) geholt ist, soll sein Name Jyotishka sein.« So wurde ihm der Na¬me Jyotishka gegeben.

Die Unterweisung des Erhabenen

Darauf hub der Erhabene eine Unterweisung in der Lehre an; er erkannte nämlich, dass die Volksmenge voll innerer Bewegung und Einkehr war, und sah ihre na¬türliche Artung und den Rohstoff in ihr, der auf Um¬bildung harrte.

In vielen Hunderten von Wesen, die sie vernahmen, ging eine große Wandlung vor:
einigen reifte die Frucht, in den Strom zu gelangen, der zur Erlösung führt,
anderen die Frucht, nur mehr ein einziges Mal wiederzukehren ins Erdenleben,
anderen die Frucht, noch in diesem Leben erlöst zu werden, andere ließen
alle leidvolle Unvollkommenheit hinter sich und erschauten erlösende Heiligkeit an sich selbst,
einige brachten glühende Wurzeln des Guten hervor, andere Gipfelgefühle, andere aufkeimende und mächti¬gere Geduldigkeit,
die einen gelobten sich in ihrem Sinn Erleuchtung als Jünger, andere als Erleuchtet-Einsame,
wieder andere gelobten sich die allerhöchste Wahrhafte Erleuchtung,
die einen nahmen die Vorschriften für den rechten Wandel an, andere die Gebote der Zucht —
kurz, die ganze Versammlung neigte sich dem Buddha zu, drängte der Lehre zu, fiel dem Orden zu.

Der Knabe Jyotishka

Der Knabe Jyotishka ward vom König Bimbisara acht Ammen übergeben: zweien, die ihn auf der Schulter trugen, zweien, die ihn nährten, zweien, die ihn sauber hielten, und zweien, die mit ihm spielten. Von acht Ammen wurde er aufgezogen und genährt mit süßer und saurer Milch, mit frischer Butter und Schmelzbutter und Schaum von heißer Butter und anderen wohl gekochten Zuspeisen von mancherlei Art. Und wuchs dabei schnell wie ein Lotus im Teiche. Ein Bruder seiner Mutter reiste mit Tauschwaren in irgendeine Gegend. Er hörte: »Meine Schwester ist schwanger geworden, und der Erhabene hat von ihr geweissagt: „sie wird einen Sohn zur Welt bringen, er wird sein Haus in flammenden Glanz tauchen, göttliches und menschliches Glück wird er erfahren. In meiner Lehre wird er das Mönchskleid nehmen. Er wird alle leidvolle Unvollkommenheit hinter sich lassen und erlösende Hei¬ligkeit an sich selbst erschauen.“« Da entledigte er sich seiner Tauschwaren, nahm andere dafür und kam damit nach Radschagriha. Da hörte er: »Meine Schwester ist gestorben.« Wie er das hörte, bedachte er sich: »Der Buddha hat von ihr geweissagt: „sie wird einen Sohn zur Welt bringen, er wird sein Haus in flammenden Glanz tauchen, göttliches und menschliches Glück wird er erfahren. In meiner Lehre wird er das Mönchskleid nehmen. Er wird alle leidvolle Unvollkommen¬heit hinter sich lassen und erlösende Heiligkeit an sich selbst erschauen.“ Was der Erhabene gesagt hat, kann doch nicht unwahr sein.« Er fragte die Nachbarn: »Ich habe gehört: meine Schwester ist schwanger geworden, und der Erhabene hat von ihr geweissagt: „sie wird einen Sohn zur Welt bringen, er wird sein Haus in flammenden Glanz tauchen, göttliches und menschliches Glück wird er erfahren. In meiner Lehre wird er das Mönchskleid nehmen. Er wird alle leidvolle Unvollkommenheit hinter sich lassen und erlösende Heiligkeit an sich selbst erschauen“ — so hörte ich und war sehr glücklich. Nun höre ich: „sie ist gestorben und dahin“. Was der Erhabene gesprochen hat, kann doch nicht un-wahr sein.« — Die Nachbarn sprachen die Strophe:

»Eher stürzt mit Mond und Sternen niederwärts das Himmelszelt, eher wächst mit Wald und Felsen himmelwärts die Erdenwelt, eher trockneten der Meere Fluten aus bis auf den Grund, eh' ein Wort, das unwahr wäre, käme aus der Heiligen Mund.

Nicht ist, was der Erhabene gesagt hat, unwahr. Wie sollte unwahr sein, was der Erhabene gesagt hat? Aber sie ist von ihrem Gatten so behandelt worden, dass sie gestorben ist. Der wunderkräftige hochherrliche Knabe ist auch vom Feuer nicht verzehrt worden und wächst jetzt im Königspalast auf.« Da ging er zum Hausvater Subhadra und sprach zu ihm: »Was du getan hast, Hausvater, ist nicht recht. Was hast du getan? Du hast dich in den Streit der Nirgranthas verstricken lassen und hast meine Schwester, als sie schwanger war, so behandelt, dass sie gestorben ist. Jetzt steht es so: wenn du den Knaben herbeischaffst, ist es gut so. Tust du es nicht, so werfen wir dich aus unserer Verwandtschaft hinaus, stoßen dich aus unserer Welt hinab und lassen deine Schande laut werden auf den Wagenstraßen und Basarstraßen, Vierecksplätzen und Kreuzwegen: „unsere Schwester ist vom Hausvater Subhadra umgebracht worden. Er ist ein Frauenmörder, niemand soll mit ihm sprechen.“ Auch im Königspalast werden wir dir Ungelegenheiten schaffen.«

Der hörte das und verlor seine Haltung. Er kam zum Entschluss, »ich will tun, wie er mich mahnt«, warf sich dem Könige zu Füßen und sagte: »Göttliche Majestät, meine Verwandten mahnen mich, „wenn du nur den Knaben herbeischaffst, ist es gut so. Tust du es nicht, so werfen wir dich aus unserer Verwandtschaft hinaus, stoßen dich aus unserer Welt hinab und lassen deine Schande laut werden auf den Wagenstraßen und Basarstraßen, Vierecksplätzen und Kreuzwegen: „unsere Schwester ist vom Hausvater Subhadra umgebracht worden. Er ist ein Frauenmörder, niemand soll mit ihm sprechen.“ Auch im Königspalast werden wir dir Ungelegenheiten schaffen. Darum musst du mir den Knaben Jyotishka geben.« Der König sagte: »Hausvater, ich habe den Knaben Jyotishka nicht von dir bekommen, sondern der Erhabene hat ihn mir anvertraut. Wenn du den Knaben willst, geh zum Erhabenen.« Er ging zum Erhabenen, fiel ihm zu Füßen und sagte: »Erhabener, meine Verwandten mahnen mich, „wenn du nur den Knaben herbeischaffst, ist es gut. Tust du es nicht, so werfen wir dich aus unserer Verwandschaft hinaus, stoßen dich aus unserer Welt hinab und lassen deine Schande laut werden auf den Wagen¬straßen und Basarstraßen, Vierecksplätzen und Kreuz-wegen: „unsere Schwester ist von Hausvater Subhadra umgebracht worden. Er ist ein Frauenmörder, niemand soll mit ihm sprechen.“ Auch im Königspalast werden wir dir Ungelegenheiten schaffen.“ Darum musst du dafür sorgen, dass mir der Knabe Jyotishka gegeben wird.«

Der Erhabene erwog: »Wenn Subhadra den Knaben Jyotishka nicht bekommt, kann es geschehen, dass er heißes Blut speit und stirbt.« Als er sich so bedacht hatte, sprach er zum ehrwürdigen Ananda: »Geh, Ananda, wünsche dem Könige Bimbisara von mir aus Gesundheit und sprich zu ihm: „Großer Kö¬nig, übergib dem Hausvater Subhadra den Knaben Jyotishka. Wenn der Hausvater Subhadra den Knaben Jyotishka nicht bekommt, kann es geschehen, dass er heißes Blut speit und stirbt.“« » So sei es, Verehrter«, gab der ehrwürdige Ananda dem Erhabenen zur Antwort und begab sich zum König Bimbisara. Er trat vor König Bimbisara hin und sprach: »Der Erhabene wünscht dir Gesundheit, Großer König, und spricht: „Großer König, übergib dem Hausvater Subhadra den Knaben Jyotishka. Wenn der Hausvater Subhadra den Knaben Jyotishka nicht bekommt, kann es geschehen, dass er heißes Blut speit und stirbt.« Der König sagte: »Ich neige mich, Verehrter, in Ehrerbietung vor dem Erhabenen Buddha. Wie der Erhabene mich heißt, so will ich tun.« Der ehrwürdige Ananda wünschte ihm Gesundheit und ging von dannen.

König Bimbisara sagte: »Hausvater, ich habe diesen Knaben aufgezogen. Er ist mir lieb und wert. Unter einer Bedingung gebe ich ihn her: dass er mich Tag für Tag dreimal besuchen kommt.« — Der sagte: »Göttliche Majestät, er wird kommen. Wen anders sollte er besuchen.« Jyotishka wurde vom König aufs herrlichste geschmückt, auf die Schulter eines Elefanten gesetzt und entlassen. Das ist so Herkommen in der Welt: des Sohnes Name wird nicht bekannt, solange der Vater am Leben ist. Da starb zu einer anderen Zeit der Hausvater Subhadra, und der junge Jyotishka trat in den Besitz des Hauses. Er war dem Buddha ergeben, war der Lehre und dem Orden ergeben und hatte als Laienjünger »sein Heil im Buddha gesucht, sein Heil in der Lehre und im Orden gesucht«. An der Stelle, wo Subhadra seine Frau umgebracht hatte, ließ er ein Kloster errichten, versah es mit allem Bedarf und schenkte es dem ehrwürdigen Mönchsorden aller Weltgegenden. Und Älteste des Ordens verfassten dort Lehrtexte.

Der Erhabene weilte in Radschagriha in eben diesem Haine zum »Gepressten Leibe«. Leute des Hausvaters Subhadra, die mit Tauschwaren irgendwohin gezogen waren, hörten: »Der Hausvater Subhadra ist gestorben und der junge Jyotishka in den Besitz des Hauses getreten. Er ist dem Buddha ergeben, der Lehre und dem Orden ergeben und hat als Laienjünger sein Heil im Buddha gesucht, in der Lehre und im Orden gesucht.« Und sie waren im Besitz einer Schale aus kostbarem Sandelholz. Die füllten sie mit Edelsteinen und sandten sie dem Hausvater Jyotishka als Geschenk. Er ließ sie auf eine hohe Säule stellen und ließ ausschellen: »Niemand darf sie mit einer Schlinge oder einem Strick oder einer Zange herunterholen. Aber wenn ein Asket oder Brahmane, groß an Zauberkraft oder Wundermacht, sie dank seiner Wunderkraft herunterholt, mag er mit ihr tun, was ihm beliebt.« Asketen, die im Baden das Heil sahen, gingen, wie sie frühmorgens aufgestanden waren, des Weges, ihr Bad zu nehmen, und sahen die Schale. Sie sahen sie und fragten den Hausvater Jyotishka: »Hausvater, was bedeutet das?« — Er erklärte es ihnen ausführlich Sie sagten: »Hausvater, du bist den Asketen, die „Söhne des Schakya“ sind, ergeben, die werden sie herunterholen.« Sprachen's und gingen.

Später kamen die Ältesten der Mönche, um sich ihr Mahl zu erbetteln, nach Radschagriha herein. Sie sahen die Schale, und auch sie fragten den Hausvater Jyotishka: »Was bedeutet das?. — Wie vorher erklärte er es ihnen ausführlich. Sie sagten: »Hausvater, sollen wir um nichts als dieser Schale willen unser Wesen offenbaren? Der Erhabene hat gesagt: „Schönes an euch verhüllend, Schlechtes von euch abschüttelnd, sollt ihr Mönche leben.“« Sprachen's und gingen von dannen.

Danach kam der ehrwürdige Kaschyapa, der »Zehn-Wunderkräftige«, zu ihm. Er fragte: »Hausvater, was bedeutet das?« — Der erzählte ihm, was sich mit der Schale zugetragen hatte. Der ehrwürdige Zehn-Wunderkräftige Kaschyapa erwog: »Weil ich die Schar leidvoller Unvollkommenheiten, die sich in Zeiten ohne Anfang aufgehäuft haben, ausgespien, aufgegeben, erbrochen und wieder von mir getan habe, ruft mich der Hausvater mit meiner Wunderkraft auf, die auch An-hängern von Irrlehren eigen ist. Ich will ihm seinen Wunsch erfüllen.« Er reckte seinen Arm wie einen Elefantenrüssel aus und nahm die Schale.

Er kam mit ihr ins Revier des Ordens und die Mönche redeten ihn an: »Ältester, woher hast du die Schale aus kostbarem Sandelholz?« — Er erzählte, was geschehen war. Die Mönche sagten: »Ältester, schickt es sich für dich, um nichts als solch einer Schale willen deine Wunderkraft zu zeigen?« — Er sagte: »Ehrwürdige, es mag sich schicken oder nicht schicken: es ist geschehen. Was soll jetzt geschehen?« — Die Mönche berichteten dem Erhabenen den Gegenstand ihres Gespräches. Der Erhabene sprach: »Nicht darf ein Mönch vor einem Laien seine Wunderkraft zeigen. Zeigt er sie, belädt er sich mit einer Übertretung.

Viererlei Schalen gibt es: aus Gold, Silber, Beryll und Kristall, und viererlei andere: aus Messing, Kupfer, Glockenmetall und Glimmer. Die ersten vier Schalen sind nicht in Gebrauch und sollen nicht in Gebrauch genommen werden. Sind sie in Gebrauch genommen, so sollen sie weggetan werden. Die letzten vier Schalen sind nicht in Gebrauch und sollen nicht in Gebrauch genommen werden. Sind sie aber in Gebrauch genommen, so sollen sie als Arzneigefäße benutzt werden. In Gebrauch sind zweierlei Schalen: eiserne und irdene.«

Göttliches und menschliches Glück des Jyotishka

Danach zu einer anderen Zeit ward göttliches und menschliches Glück am Hausvater Jyotishka offenbar. Zwischen Radschagriha und Tschampa liegt mitten-inne ein Zollhaus. Der Zolleinnehmer dieses Hauses starb. Er erstand zu neuem Leben bei den Schätze hütenden Dämonen, den »Boshaften«. Er erschien seinen Söhnen im Traume: »Söhne, errichtet hier am Platze ein Heiligtum der Schatzdämonen. Bringt in ihm eine Glocke an, die ihr frei hängen lasst. Falls jemand von hier weiterzieht, ohne seine Ware verzollt zu haben, wird die Glocke solange läuten, bis er zurückgeholt ist und seinen Zoll hat entrichten müssen.« Sie teilten diesen Traum Verschwägerten und Blutsverwandten mit und errichteten an einem günstigen Tage des Sonnen- und Mondkalenders zu einer günstigen Stunde an eben der Stelle ein Heiligtum der Schatzdämonen und brachten in ihm eine Glocke an, die sie frei hängen ließen. —

In Tschampa lebte ein Brahmane, der nahm sich eine Frau aus ebenbürtigem Hause. Diese Brahmanenfrau überlegte sich: »Dieser Brahmane bringt auf mancherlei Weise Geld zusammen, und ich verzehre es. Es schickt sich nicht für mich, dass ich untätig bleibe.« Sie ging in den Basar und kaufte Baumwolle. Die reinigte sie und spaltete sie zu feinen Fäden und ließ von einem ausgezeichneten Weber davon ein zweiteiliges Gewand weben, das tausend Goldstücke wert war. Sie sagte zum Brahmanen: »Nimm dieses zweiteilige Gewand, es ist tausend Goldstücke wert, und geh in den Basar. Wenn jemand es haben will, gib es ihm um tausend Goldstücke. Will's keiner haben, so lass laut verkünden, diese Stadt „sei keine Stadt“, und geh anderswohin.« — Er nahm das zweiteilige Gewand und ging in den Basar. Niemand nahm es um tausend Goldstücke. Da ließ er verkünden, die Stadt „sei keine Stadt“, steckte das zweiteilige Gewand in den Stock seines Sonnenschirmes und machte sich mit einer Karawane von Kaufleuten nach Radschagriha auf.

Unterwegs kam er an das Zollhaus. Der Zolleinnehmer erhob seinen Zoll von der Karawane. Die Karawa¬ne entrichtete ihren Zoll und brach auf. Da fing die Glocke zu läuten an. Die Zollwächter sagten: »Verehrte, da diese Glocke läutet, hat die Karawane ihren Zoll nicht reinlich entrichtet. Wir wollen die Zolluntersuchung wiederholen.« Sie ließen die Karawane umkehren, prüften sie noch einmal auf verzollbares Gut, fanden aber nichts Unverzolltes. Aber die Glocke läutete. Da ließen sie die Karawane noch einmal umkehren und sahen noch einmal nach. Es fand sich aber wieder nichts.

Die Karawanenkaufleute huben an, sie zu verwünschen: »Ihr wollt uns wohl bestehlen, dass ihr uns wieder und wieder umkehren lasst?« — Da teilten sie die Karawane in zwei Gruppen und ließen sie abziehen. Die Kaufleute, bei denen der Brahmane sich nicht be¬fand, kamen davon; aber als die anderen abzogen, fing die Glocke wie vorher zu läuten an. Sie wurden von den Zollwächtern wieder zurückgeholt und wie vorher solange in zwei Gruppen geteilt, bis der Brahmane allein übrig blieb. Den hielten sie fest. Er sagte: »Durchsucht mich, ob irgend etwas da ist.« — Sie durchsuchten ihn um und um und ließen ihn ge¬hen. Aber die Glocke läutete. Da holten sie den Brahmanen wieder zurück und sagten: »Brahmane, erkläre uns das. Wir erheben kei¬nen Zoll von dir, aber es ist offenbar, dass der Gott zugegen ist.« — Er sagte: »Ist das wahr: ihr erhebt keinen Zoll von mir?« —

»Wir erheben keinen Zoll.« — Da zog er das zweiteili¬ge Gewand aus dem Stocke seines Sonnenschirms her¬aus und zeigte es. Sie waren aufs höchste verwundert: »Verehrte, solches ist die Gegenwart des Gottes.« Sie entfalteten eines der beiden Gewandstücke und um¬hüllten damit das Götterbild. Der Brahmane sagte: »Ihr sagt: „wir erheben keinen Zoll von dir“ und jetzt nehmt ihr mir alle meine Habe.« — Sie sagten: »Brahmane, wir nehmen es dir nicht weg. Wir haben den Gott nur damit umhüllt, weil wir dachten: „das ist des Gottes Gegenwart“. Nimm es und geh!« Er nahm das Gewand zurück, steckte es wieder in den Rohrstab seines Son¬nenschirms und ging von dannen.

Er zog seines Wegs und kam nach Radschagriha. Er stand im Basar und breitete seine Ware aus. Aber auch dort wollte sie niemand um tausend Goldstücke haben. Da ließ er auch in Radschagriha verkünden, »es sei keine Stadt«. Und der junge Jyotishka, der aus dem Königspalast kam, begab sich gerade, auf der Schulter eines Elefanten sitzend, mitten durch den Basar nach Hause. Er hörte es und sagte: »Verehrte, warum lässt der Brahmane ausrufen, hier „sei keine Stadt“? Ruft ihn an, ich will ihn befragen.« Seine Leute riefen den Brah-manen an, und Jyotishka sagte zu ihm: »Brahmane, warum lässt du ausrufen, hier „sei keine Stadt“?« — »Hausvater, dieses zweiteilige Gewand hat einen Wert von tausend Goldstücken, und niemand will es haben.«

Jyotishka sagte: »Zeig her, ich will es sehen.« Der zeigte es ihm. Jyotishka sagte: »So ist es zwar, aber eines der beiden Gewänder ist schon getragen, das andere noch nicht getragen. Das ungetragene ist fünfhundert Goldstücke wert, das getragene aber nur drittehalbhundert.« — Der Brahmane sagte: »Wie sollte dem so sein.« — Jyotishka sagte: »Das will ich dir zeigen, Brahmane. Sieh her!« — und warf das ungetragene Gewand hoch in die Luft. Es entfaltete sich wie ein Baldachin und blieb schweben. Er warf das getragene in die Luft, und es fiel, wie es geworfen ward, glatt zu Boden. Als der Brahmane das sah, war er aufs höchste verwundert und sagte: »Hausvater, groß ist deine Zauberkraft, groß ist deine Wundermacht!« Jyotishka sagte: »Brahmane, sieh noch einmal das ungetragene Gewand!« Über eine Dornenhecke geworfen, flog es weiter, ohne hängen zu bleiben.

Das andere verfing sich im Dorn, wie es geworfen wurde. Das vermehrte den großartigen Eindruck bei dem Brahmanen, und er sagte: »Hausvater, groß ist deine Zauberkraft, groß ist deine Wundermacht! Zahle mir, was dir gefällt.. — Jyotishka sagte: »Brahmane du bist ein Gast in unserer Stadt, darum gebührt dir ehrerbietige Begrüßung: ich gebe dir tausend Gold¬stücke.« Der Brahmane nahm sie und ging von dannen. Jyotishka gab das getragene der beiden Gewänder einem seiner Knaben, das ungetragene nahm er als Badetuch.

Der Palast des Jyotishka

Danach saß einmal der König Bimbisara, von seinen Kronbeamten umgeben, auf einer Terrasse seines Pala¬stes. Jyotishkas Badetuch, das auf dem Dache seines Hauses zum Trocknen hing, ward vom Winde entführt und senkte sich auf König Bimbisara nieder. Der König sagte: »Verehrte, dieses Gewand ist eines Königs würdig. Wo kommt es her?« — Seine Kronbeamten sagten: »Göttliche Majestät, wir hören in der Überlieferung, dass auf König Mandhatar sieben Tage lang ein Regen von Gold niedergefallen sei. Auf die Göttliche Majestät hub jetzt ein Regen von Stoffen an, niederzufallen; nicht lange, und es wird ein Regen von Gold niederfallen.« — Der König sagte: »Der Erhabene hat vom Hausvater Jyotishka geweissagt, „er wird göttliches und menschliches Glück erfahren“, und hier ist ein göttliches Gewand vom Himmel gefallen. Hebt es auf, ich will es ihm geben, wenn er kommt.« Während sie noch so redeten, kam Jyotishka.

Der König sagte: »Jüngling, der Erhabene hat von dir geweissagt: „er wird göttliches und menschliches Glück erfahren“, und hier ist mir dieses göttliche Gewand vom Himmel herabgefallen. Nimm es! — Er streckte die Hand aus: »Göttliche Majestät, zeig es mir, ich will es ansehen.« Er hub an, es zu betrachten, und erkannte, dass es sein eigenes Badetuch sei. Er verwunderte sich und sagte: »Göttliche Majestät, das ist mein Badetuch, das vom Winde entführt hierher geflogen ist.« — »Jüng-ling, ist göttliches und menschliches Glück an dir offenbar geworden?« — »Göttliche Majestät, es ist offenbar geworden.« — »Jüngling, wenn dem so ist, warum lädst du mich nicht ein?« — »Göttliche Majestät, sei eingeladen!« — »Geh und rüste das Mahl!« — »Göttliche Majestät, an wem göttliches und menschliches Glück offenbar geworden ist, was braucht der das Mahl zu rüsten: es ist gerüstet. Also komm!«

Der König ging in Jyotishkas Haus. Er sah die Dienerinnen des äußeren Hauses und wandte in Hast die Augen ab. — »Göttliche Majestät, warum wendest du in Hast die Augen ab?« — Er sagte: »Jüngling, ich dachte, das sei dein Frauenvolk.« — »Göttliche Maje¬stät, das ist nicht mein Frauenvolk, das sind die Dienerinnen des äußeren Hauses.« — Da war er aufs höchste verwundert, und als er darauf das mittlere Dienerin¬nenvolk sah, wandte er wieder in Hast die Augen ab. Jyotishka fragte ihn wie vordem, und der König gab ihm dieselbe Antwort. Jyotishka sagte: »Göttliche Majestät, auch das ist nicht mein Frauen¬volk, es ist das mittlere Dienstvolk.« Da war er noch mehr aufs höchste verwundert.

In der mittleren Türhalle befand sich ein Estrich, aus Edelstein gefertigt. In ihm waren Fische zu sehen, die dank einer kunstreichen Vorrichtung wie in einem Wasserbecken herumzuschwimmen schienen. Der König wollte eintreten und dachte, »das ist ein Teich« und hub an, seine Sandalen zu lösen. Jyotishka sagte: »Göttliche Majestät, warum legst du die Sandalen ab?« — Er sagte: »Jüngling, hier geht es durch Wasser.« — Jyotishka sagte: »Göttliche Majestät, das ist kein Wasser, das ist ein Estrich aus Edelstein.« — Er sagte: »Jüngling, hier sind Fische zu sehen, die umher schwimmen.« — »Göttliche Majestät, dank einer kunst¬reichen Vorrichtung schwimmen sie umher.« — Er glaubte es nicht und warf seinen Siegelring zu Boden. Mit einem klirrenden Geräusch fiel er auf die Erde. — Verwundert trat er ein und nahm auf dem Löwen¬throne Platz. Jyotishkas Frauenvolk trat herzu, um sich zu seinen Füßen zu verneigen. Den Frauen traten Tränen in die Augen. Der König sagte: »Jüngling, warum weint dies Frauenvolk?« — »Göttliche Majestät, das Frauenvolk weint nicht, aber die Gewänder der Göttlichen Majestät sind mit dem Rauche von duftendem Holze durchräuchert, davon kommen den Frauen die Tränen.« —

Dort wurde dem König mit göttlichem und menschlichem Glanze aufgewartet, und er verlor sich ganz darin und ging nicht wieder fort. Die Königsgeschäfte, die Königspflichten fingen an, vernachlässigt zu werden. Die Kronbeamten sprachen zum Prinzen Adshatashatru: »Prinz, die göttliche Majestät hat das Haus Jyotishkas betreten und sich dort verloren. Geh und berichte ihm!« —

Er ging und sprach zum König: »Göttliche Majestät, was verziehst du hier? Die Kronbeamten sagen: „Die Königsgeschäfte, die Königspflichten werden vernachlässigt.“« — Er sagte: »Prinz, kannst du nicht einen einzigen Tag lang des Reiches walten?« — »Was meint die göttliche Majestät?« — »Dass ich einen Tag hier bin.« — »Heut ist der siebente Tag, göttliche Majestät.« — Der König sah Jyotishka ins Gesicht und fragte: »Jüngling, ist das wahr?« — »Göttliche Majestät, es ist wahr. Es ist der siebente Tag.« — »Jüngling, woran ist hier die Nacht zu erkennen oder der Tag?« — »Göttliches Majestät, daran, dass Blumen sich schließen und öffnen, Edelsteine leuchten und nicht leuchten und Vögel schreien und nicht schreien. Es gibt Blumen, die sich nachts öffnen und tags den Kopf hängen lassen, und andere, die sich tags öffnen und nachts den Kopf hängen lassen. Es gibt Edelsteine, die nachts leuchten und nicht bei Tage, und andere, die tags leuchten und nicht bei Nacht. Es gibt Vögel, die nachts schreien und nicht bei Tage, und andere, die des Tages schreien und nicht bei Nacht.«

Der König ward voll Verwunderung und sagte: »Jüngling, der Erhabene spricht die Wahrheit. Wie der Erhabene von dir geweissagt hat, so ist es und nicht anders.« So sprach er und ging aus Jyotishkas Haus von dannen.

Prinz Adshatashatru

Prinz Adshatashatru hatte ein Juwel, das Jyotishka gehörte, entwendet und seinem Knaben in die Hand gegeben. Aber aus ihr kehrte das Juwel dorthin zurück, wo er es weggenommen hatte. Adshatashatru sagte: »Knabe, zeig mir das Juwel, ich will es an sehen.« Der öffnete die Faust und sagte: »Prinz, ich weiß nicht, wo es hingekommen ist.« Da hub er an, ihn zu schlagen. Jyotishka fragte: »Prinz, warum schlägst du ihn?« — »Hausvater, ich bin ein Dieb, aber der hier ist ein großer Dieb. Ich habe dir ein Juwel entwendet, und er hat es mir wieder entwendet.« — Jyotishka sagte: »Prinz, du hast es nicht entwendet, und auch er nicht. Vielmehr ist es dahin zurückgekehrt, woher du es genommen hast. Übrigens ist dieses Haus das deine, Prinz, soviel Juwelen oder was du sonst brauchen kannst, nimm dir, soviel dir beliebt.« — Geteilten Sinnes erwog der Prinz: »Wenn ich nach mei¬nes Vater Tode König bin, dann werde ich es mir nehmen.« —

Als Adshatashatru, von Devadatta, dem bösen Vetter Buddhas, aufgestachelt, seinen gerechten Vater, der ein König in Gerechtigkeit war, ums Leben gebracht und sich selbst die königliche Stirnbinde umgebunden hatte und die Königsherrschaft angetreten hat¬te, sprach er zu Jyotishka: »Hausvater, du bist mein Bruder. Wir wollen unser Haus teilen.« — Der erwog: »Der seinen gerechten Vater, der ein König in Gerechtigkeit war, umgebracht hat, der wird mich verschonen — wie ginge das zu? Darum soll er jetzt in mein Haus kommen, ich schenke es ihm gern.« So bedachte er sich und sagte: »Göttliche Majestät, es ist schon geteilt. Was ist da zu teilen? Komm in mein Haus, ich gehe in dein Haus.« — Der ging in sein Haus, und Jyotishka in das Haus Adshatashatrus. Da schwand der Glanz aus seinem Hause und erschien ebendort, wo Jyotishka sich aufhielt.

Siebenmal verschwand er auf solche Weise und ward wieder offenbar. —

Adshatashatru erwog: »Das hatte ich nicht erwartet. Ich will eine andere List anwenden, Jyotishkas Juwelen zu entwenden. Er beauftragte Diebe: »Geht und entwendet die Juwelen aus dem Hause Jyotishkas.« Mittels Stricken und Zangen began¬nen sie einzusteigen. Sie wurden von einer Frau des Ha¬rems, die sich oben auf einer Terrasse befand, gesehen. Sie erhob ein Geschrei: »Diebe, Diebe!« Jyotishka hörte es. Von seinem Bett aus rief er die Worte: »Steht, ihr Diebe!« Wo ein jeder von ihnen sich gerade beim Einsteigen befand, da blieb er stehen, bis die Nacht zur Helle wurde. Eine große Menschenmenge sah sie und sagte: »Verehrte, dieser König schlechtester Zeiten hat seinen gerechten Vater, der ein König in Ge¬rechtigkeit war, ums Leben gebracht, jetzt lässt er auch noch in den Häusern stehlen —, wird er mich nicht auch bestehlen?« Es gab einen Aufruhr in der Stadt. Adshatashatru schickte einen Boten zu Jyotishka: »Gebt sie frei. Die Untat ist mein.« Jyotishka rief von seinem Bette aus die Worte: »Geht ihr Diebe!« —Sie gingen. —

Jyotishka wird Mönch

Jyotishka erwog: »Der seinen Vater ums Leben gebracht hat, wird mich nicht umbringen. Warum? Alleweile hat der Erhabene von mir geweissagt, „in meiner Lehre wird er das Mönchskleid nehmen, er wird alle leidvolle Unvollkommenheit hinter sich lassen und erlösende Heiligkeit an sich selbst erschauen“. Ich will gehen und das Mönchskleid nehmen.« Alle Art Habe schenkte er den Armen, Waisen und Elenden und machte die Habelosen habereich. Dann nahm der Hausvater Jyotishka Abschied von Freunden, Verschwägerten und Blutsverwandten und begab sich zum Erhabenen.

Er trat vor den Erhabenen hin, neigte ehrfürchtig das Haupt zu seinen Füßen und setzte sich seitwärts von ihm nieder. Zur Seite sitzend sprach der Hausvater Jyotishka zum Erhabenen: »Möchte ich, Verehrter, in der wahr verkündeten Lehre und in der Mönchs-ordnung das Mönchsgewand empfangen und die Aufnahme in den Orden und den Stand eines Mönches. Möchte ich beim Erhabenen den Wandel im Wesen wandeln.« —

Der Erhabene redete ihn mit der »Komm Mönch!«-Formel an: »Komm Mönch, und wandle den Wandel im Wesen!« Als der Erhabene diese Worte gesprochen hatte, stand er schon kahlgeschoren und im Mönchsgewand da, die Almosenschale in der Hand. Sieben Tage, nachdem ihm Haupt- und Barthaar abge-nommen war, hatte er bereits die Haltung eines Mönches, der vor hundert Jahren seine Mönchsweihe empfangen hat.

»Komm«, hatte der In der Wahrheit Gekommene zu ihm gesagt, und er stand geschoren und vom Mönchs¬gewand bekleidet da, und seine Sinne waren alsbald ruhevoll. Nicht beseelte ihn der Wunsch, ein Buddha zu werden. Der Erhabene erteilte ihm Unterweisung. Er rang und kämpfte und erkannte, wie überaus unstet das Rad des Samsara ist, das in den Lebensformen von Göttern, Menschen, Tieren, Gespenstern und Höllenwesen fünffach verkröpft ist.

Er verwarf die Wege alles sich Gestaltenden,
an denen Morden, Fallen, Auflösen und Vernichten hängt,
ließ alle leidvolle Unvollkommenheit hinter sich, erschaute erlösende Heiligkeit an sich selbst und ward ein erlöster Heiliger,
leidenschaftslos in Tat, Wort und Gedanken, wie Gold wesensverschieden von Lehm, wie der Äther ungreifbar für die Hand, ward sein
Geist für das Weltliche,
rein wie duftender Sandel,
zerspaltete er die Eischale des Nichtwissens,
ward begabt mit Wissen, übermenschlicher Einsicht und wunderbaren Kräften und wusste um alles bis in seine letzten Falten,
war jenseits der Welt, jenseits von Gewinn, Verlangen und Ehrung,
verehrungswürdig, ehrwürdig, der Huldigung wert für die Götter, samt Indra und Upendra.

Da wurden die Mönche von Verwunderung und Zweifel erfasst und fragten Buddha, den Erhabenen, den Lö¬ser aller Zweifel: »Verehrter, welche Tat hat der ehrwürdige Jyotishka getan, dass er auf den Scheiterhaufen gelegt wurde, dass göttliches und menschliches Glück an ihm offenbar ward, dass er in der Lehre des Erhabenen das Mönchskleid nahm, alle leidvolle Unvollkommenheit hinter sich ließ und erlösende Heiligkeit an sich selbst erschaut hat?« Der Erhabene sprach: »Ihr Mönche, die Taten, die Jyotishka getan und auf einander gehäuft hat, ha¬ben sich selbst aufgehoben, ihre Ursachen haben sich

erschöpft. Mit Notwendigkeit ihr Dasein auswirkend, sind sie wie eine Flut in Erscheinung getreten. Wer wird die Taten, die Jyotishka getan und aufeinander gehäuft hat, wie er zu schmecken bekommen? Taten, ihr Mönche, die getan und aufeinander gehäuft sind, reifen nicht außer uns im Erdreich, nicht im Wasser, nicht im Feuer und nicht im Luftreich, an eben den Stellen, wo wir ihre Stoffe in uns aufgenommen haben, reifen uns die Taten, die wir getan und aufeinander gehäuft haben, reine, wie unreine.

Nicht in alle Ewigkeit
geht, was wir getan, zugrunde. Alles reift zu seiner Zeit.
und wird Frucht zu seiner Stunde.

Erläuterung der Legende des „Jyotishka“ von Heinrich Zimmer

König Kanakavarna und der Erleuchtet-Einsame, der erbarmungsvoll den Empfänger geringer Gabe spielt, um dem freudig Spendenden vom Überflusse seiner Wunderkraft zu gewähren, was die Menschheit und ihren königlichen Hüter aus aller Not befreit, wissen um die steile Bahn zur Erleuchtung. Mittwegs auf seinem Wandel zur allerhöchsten Wahrhaften Erleuchtung be-gegnet der Werdende Buddha einem anderen, der seinen Weg in Einsamkeit vollendet hat und, im allerhöchsten Wissen erloschen, seinem allerletzten, Völligen Erlöschen nicht mehr fern ist. Bescheidener ist die Bahn, die Jyotishka im Gange der Weltalter beschreibt. Als er nach wunderbarem Weltleben in den Orden tritt, »erfüllte ihn nicht der Wunsch, ein Buddha zu werden«. Einundneunzig Weltalter vor seinem Erlöschen als Schüler des Erleuchteten hatte er sich selbst dieses Ziel im Kreislauf des Samsara gesetzt und seiner eigenen Entwicklung damit die Grenzen gezogen. Als Hausvater Anangana übte er die Tugend der Selbstentäußerung durch Schenken wie jener Gildenälteste von Kschemavati, aber im Angesicht des göttlichen Glanzes, den ihm die Himmlischen liehen, blieben weltbefangene Wünsche in ihm lebendig, die sich mit dem Wunsche nach erlösender Heiligkeit zu Füßen eines Wahrhaft-Erleuchteten wundersam mischten. Seine Wünsche und Worte von ehedem erfüllten sich an ihm: so will es das Gesetz des Karma, das Wünsche vergessener Leben so unentrinnbar an uns bindet wie alte Schuld — wie Glück und Glanz, die keines Königs Willkür rauben kann, sind sie unveräußerliches Erbe, das wir uns selbst vermachten.

Aber kein Schatten der Geringschätzung fällt auf ihn, dass er sich selbst kein höheres Ziel erkor. So wird seine Geschichte zu einer heiteren Verklärung idealen Laienwandels. Sein letztes Dasein ist wie eine lichte Abendstunde, in deren Beginn noch die Schatten abklingenden Gewitters fallen. Mit seiner wunderbaren Geburt aus Tod und Flammen ist vergangene alte Schuld endgültig befriedet, weil abgebüßt, und keine Ränke vermag ihn um die Frucht guter Tat und reiner Wünsche zu bringen. Kampflos glückhaft rollt sein Leben zu Ende, getragen von den Schwingen wunderbarer aber verständlicher Schickung. Dieselben Mönche, die das Pathos der Laufbahn zur Erleuchtung in einzelnen Lebensperioden Werdender Buddhas den Laien vorhalten, segnen im Angesicht des Weges zu übermenschlicher Vollkommenheit auch die bescheidenen,weniger steilen Bahnen, auf denen Weltkinder, die ihnen in Ehrfurcht verbunden sind, zur ewigen Ruhe wandeln mögen: gläubiges Schenken, begeisterte Hingabe weltlichen Gutes an die Jüngerschar des Erleuchteten, an Werdende Buddhas und Wahrhaft Vollendete trägt Wesen reinen Herzens und guten Willens kampflos in den Schoß des höchsten Friedens.

Inhaltlich übertrifft die Jyotishka-Legende bei annähernd gleichem Umfang den um Dharmarutschi gruppierten Geschichtenkreis noch an Buntheit der Motive. An solchen größeren Erzählungseinheiten, die mehrere Leben, sie ausführlich umreißend, überspan¬nen, um an ihren Beziehungen aufeinander die Karma-Lehre zu illustrieren, wird die verschiedene Herkunft des Stoffs und seine lässliche Verknüpfung zu einem lehrhaften Ganzen deutlich. Die eigentlich erbaulichen Motive: der Wettkampf des gebefreudigen Herrschers mit seinen Untertanen, wie die Werkfrömmigkeit des Gildenältesten von Kschemavati und die Ehrerbietung König Dipas, sind aus dem Kreis der Erfahrungen und Bedürfnisse, der Wünsche und Geltungsansprüche des Ordens erwachsen; die lustige Geschichte des Zollschwindels, wie das Bild der göttlichen Wunderpracht auf Erden, scheinen im Jyotishka-Zyklus weltlichem Erzählungsschatz entlehnt zu sein — wie unter den Themen der Dharmarutschi¬ Geschichten die Seefahrermär mit dem Meerungeheuer und die Meistererzählung von der verbrecherischen Leidenschaft zwischen Mutter und Sohn kaum von den Mönchen erfunden, sondern übernommen und nur mit ihren Anschauungen durchtränkt worden sind. Der

Jyotishka-Zyklus erhält eingangs eine besondere Note durch die Verunglimpfung der Nirgranthas (oder Dschainas), deren Orden, älter als der buddhistische, zu Lebzeiten Buddhas durch die Reform seines großen »Furt-Weisers« Mahavira einen neuen Aufschwung nahm und mit verwandtem Ethos aber engerem Geiste, die Seelen umwarb. (Er lebt noch im gegenwärtigen Indien fort.) Solche Propaganda für den Orden durch billige Polemik gegen rivalisierende Gemeinschaften — ein weltweiter Zug mönchischer Volkserzählungen — nimmt keinen großen Raum in der buddhistischen Legendenliteratur ein, wie sie auch dem eigentlichen Geiste der Lehre Buddhas nicht entspricht; typisch da¬gegen ist die Charakteristik des zoll-schwindelnden Brahmanen als ein Ausbund von Habgier und Schamlosigkeit: — die Brahmanen von Kschemavati sind ganz ähnlich gezeichnet. Hier lebt sich ein mehr als tausendjähriges Ressentiment unterer Volksschichten gegen den Druck der obersten Kaste aus, das im jüngeren Buddhismus Stimme gewinnt, wo die steile mönchische Erlösungslehre sich nach unten zur Volksreligion verbreitert.

Eine Vorschrift über Almosenschalen — wie alle solche Regeln dem Buddha in den Mund gelegt — ist ein Stück Mönchsdisziplin und hat in Verbindung mit dem Wunder Kaschyapas, das als ihre geschichtlich-kasuistische Begründung mit ihr verwachsen ist, den Weg aus der Regelsammlung ins losgelöste Erzählungsgut mitgemacht, als dieses innerhalb des »Korbs der Disziplin« unabhängig von den Regeln zu besonderen Sammlungen zusammengefasst wurde.

Die Buntheit dieser Themen und Stimmungen und die Gleichmütigkeit mit der sie aneinandergereiht sind, um schließlich im Rahmen einer übergreifenden Idee ein sinnvolles Ganzes zu bilden, gemahnt an jene Flickengewänder der buddhistischen Mönche, die sie sich aus weggeworfenen Fetzen und Kehrichtlumpen zusammenstücken durften und deren Scheckigkeit die gelbrote Farbe des Weltverzichts, in die sie ihr Gewand tauchten, zusammenschmolz. Buntscheckig ist auch der Stil der Jyotishka-Geschichte. Eingang und Mitte beherrscht im ganzen der knappe, bei einiger Formelhaftigkeit schnell fortschreitende Erzählungsstil, der im Dharmarutschi waltet. Aber er wird von Prunkstücken der Rhetorik unterbrochen, die im Fluss der Begebenheiten Ruhepunkte schaffen und der Darstellung des Buddha im Getriebe Daseins verwobener, willensverstrickter Menschen eine seiner unendlich ruhigen und gelassenen Erscheinung würdige Stilform leihen. Diese Prunkstücke sind fertiges Gut: Im Laufe jahrhunderte langer Erzählungstradition ausgebildet und bis ins einzelne geschliffen, wie jene anderen stehenden Wendungen, die den Fluss des Berichts zwangsläufig und bescheiden in ihrer kurzen Windung fassen und weiterleiten; sie finden sich in Legenden gleichen Stils bei verwandten Gelegenheiten. Lehrhaftes und Poetisches fließen in ihnen zusammen: dogmatische Begrifflichkeit, die das Wesen des Vollendeten umschreibt, türmt sich mit steigenden Zahlen übereinander, anderwärts stürzen Katarakte von Vergleichen, Verse schwimmen dazwischen, die vielleicht gleichzeitiger frommer Dichtung mit höheren literarischen Ansprächen entstammen.

Hier wirken diese Kunstwerke langer Feilarbeit, die wie Edelsteine über fließenden Stoff dem Band der Fabel aufgestreut sind, als pathetische Verzögerungen, die neben anderen geschickten Ritardandi's die Auflösung einer ersten, schnell beschworenen Spannung hinausschieben helfen.

Der Vortrag des Schlussteils ist schwerflüssiger und steht dem Stil der Kanakavarna-Geschichte nahe. Es sind gewiss Zufälle literarischer Tradition, die dem Wettstreit König Bandhumants mit dem Hausvater Anangana diesen anderen Ton geliehen haben, und nicht der Umstand, dass der Buddha, der in der Geschichte Jyotishkas Mitspieler war, hier zum Sprecher wird. Denn anderwärts, wo seine Rede fließt, ist kein Stilwechsel vollzogen: Die Geschichte von Mutter und Sohn im Dharmarutschi-Zyklus wird vom Buddha im selben beschwingten Tone vorgetragen wie das einleitende Abenteuer mit Timingila vom mönchi-schen Erzähler. Aber es waren glückliche Zufälle, denen die Geschichte Ananganas ihren abweichenden Stil verdankt wie ihre Stelle am Schluss und im Munde des Buddha. Wer mag sich der wunderbaren Wirkung des Tempowechsels und dem Reiz einer bewusst einfacheren, in sich gleichförmigeren Vortragsart im Munde des Buddha entziehen, der zeitlos frei verschlungene Fäden entwirrt — auch wenn er weiß, dass hier glückliche Fügung, nicht künstlerische Weisheit im Spiel war?

Siehe auch

Literatur

  • Buddhistische Legenden von Heinrich Zimmer, Insel Verlag Frankfurt am Main, 1985, 1. Auflage