Ayurveda Philosophie

Aus Yogawiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Philosophie des Ayurveda beruht auf den vedischen - traditionellen indischen Schriften. Die Eigenschaften der Natur und des Kosmos (Makrokosmos) spiegeln sich im Individuum (Mikrokosmos) Deshalb befasst sich auch die Ayurveda Medizin - genauso wie die 6 indischen Weltanschauungen - mit den Theorien zur Entstehung des Kosmos und zur Evolution.

Gott Dhanvantari - der Urvater des Ayurveda

Einführung in die Philosophie der Ayurveda

Es gibt 6 indische Weltanschauungen (Darshanas genannt) oder Philosophien. Darshana bedeutet Sichtweise. Diese Darshanas sind aber nicht die absolute Wahrheit. Wahrheit kann man nicht fassen, aber erfahren wie Ayurveda-Heilung. Ayurveda hat sich nicht diese Thesen, sondern verschiedene zu Nutze gemacht, auch andere philosophische und religiöse Systeme wie Buddhismus, Tantra und Jainismus.

Die 6 indischen Philosophien sind:

Ayurveda übernimmt die vedische Anschauung, dass der Mikrokosmos (das Individuum) und der Makrokosmos (das Weltall) identisch sind, das heißt, der Mensch ist ein Miniaturabbild der Natur.

Die 6 indischen Philosophien leiten sich von den Veden ab und heißen deshalb vedische oder orthodoxe Systeme und die anderen wie Materialismus oder Neutralismus, Buddhismus und Jainismus sind nicht-vedische oder heterodoxe Systeme. Außer dem Naturalismus haben alle Systeme 2 Gemeinsamkeiten – sie glauben an Karma-Doktrin und Moksha, die spirituelle Befreiung.

Überblick über die 6 vedischen Philosophiesysteme

Purva Mimamsa - Gott hat die Welt geschaffen. Das Ziel des Lebens ist es, in den Himmel zu kommen. Man soll es vermeiden, in die Hölle zu kommen, indem man Punya (gute Taten) ansammelt und Papa (Sünden) vermeidet, sowie vorgeschriebene Rituale ausführt, wenn man etwas erreichen will. Purva Mimamsa sagt, die Welt ist real, was das Gegenteil von Vedanta ist.

Vaisheshika ist ein materialistisches Philosophiesystem, welches das Universum als Zusammenspiel von Atomen (Anu), Energiekräften, Naturgesetzen und auf logischem Denken basiert sieht. Die Welt besteht aus Anus, Shaktis und Energien. Es gibt mehrere Richtungen, eine davon ist die Materie: die Seele wird als Ausfluss der Materie verstanden. Das Lebensziel besteht darin, sich zu vergnügen, dabei jedoch immer auf das Recht des anderen zu achten. Es gibt kein höheres Ziel. Alles basiert auf logischem Denken.

Nyaya besteht aus 2 Philosophien:

  • a) Logik: logische Schlussfolgerungen
  • b) Bhakti orientierte dualistische Philosophie der Hingabe: Gott hat die Menschen geschaffen, aber Gott und die Menschen sind auf ewig getrennt. Ursache des Leidens ist die Entfernung und Trennung von Gott. Das Lebensziel ist, Gott möglichst nahe zu kommen.

Sankhya ist eine dualistische und atheistische Philosophie. Gott kommt nicht in ihr vor, sondern Purusha (Urseele) und Prakriti (Urnatur). Purusha verhält sich wie Gott, wird nur als Bewusstsein bezeichnet. Prakriti ist die Welt.

Yoga basiert auf der Sankya Philosophie. Yoga ist das Zur-Ruhe-bringen der Gedanken im Geist, um Moksha zu erreichen.

Uttara Mimamsa: Vedanta besagt ganz einfach, dass alles, was wir sehen, Illusion (Maya) ist. Es gibt nur Brahman.

Philosophische Grundlage der Ayurveda Medizin

Aspekte des Ayurveda - Doshas und Elemente

Indische Philosophien basieren nicht nur auf Logik, wie die westlichen, sondern auf tiefe meditative Erfahrung.

Die Grundlagen der Ayurveda Medizin, wie auch die der indischen Philosophien, basieren auf Eigenschaften und Vorgänge der Natur und des Weltalls, das heißt, die ayurvedische Medizin übernimmt die vedische Anschauung, dass der Mikrokosmos (das Individuum) identisch sind. Das heißt, der Mensch ist ein Miniaturabbild der Natur. Genauso, wie die indischen Philosophen befasst sich die ayurvedische Medizin mit den Theorien über die Entstehung des Weltalls und über die Evolution.

Die sechs indischen Philosophien haben jeder ihre eigene Anschauung über den Schöpfungsprozess. Es gibt die, die sich von den Veden leiten lassen und daher vedische Systeme sind und die anderen ohne Anlehnung an die Veden: nicht vedische Systeme.

Für die ayurvedische Medizin sind die vedischen Systeme hauptsächlich interessant: Nyaya-Vaisheshika, Sankhya-Yoga.

Nyaya-Vaisheshikas Beitrag zu Ayurveda

In der Nyaya Philosophie werden die 4 Mittel, durch die man Wissen erlangen kann, beschrieben, das heißt Pramanas:

Im Ayurveda bedient man sich auch dieser vier Wege, um die Wahrheit der Dinge zu erlangen.

Die Vaishesika Philosophie hat sechs erfahrbare Kategorien der Erkenntnis definiert:

Die ayurvedische pharmazeutische Theorie basiert auf diesem hergestellten Zusammenhang von Dravya, Guna, Karma, das heißt, Substanzen (Dravya) rufen die Wirkungen (Karma) entsprechend ihrer Eigenschaften (Guna) hervor. Das heißt, Gleiches verstärkt Gleiches, dies bedeutet, nach diesem Prinzip werden Krankheiten (Vyadhi) und Störungen durch ihr Gegensatzpaar geheilt oder ausgeglichen.

Im Ayurveda werden die 5 Mahabhutas (große Elemente: Luft, Raum oder Äther, Feuer, Wasser, Erde) 20 solcher Qualitäten (Guna) zugeordnet.

Grundlage der ayurvedischen Anatomie

Die „biologische Uhr“ des Universums kontrolliert die physische, übersinnliche und kosmische Sprache unseres Körpers. Diese ist entstanden, als die 5 Mahabhutas (die großen Elemente) entstanden sind. Diese 5 großen (Maha) Elemente (Bhuta): Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde bilden die Grundlage unseres Körpers und auch die Grundlage der vedischen Wissenschaften.

Sankhya und Yoga und ihre Beiträge zu Ayurveda

Hatha Yoga

Obwohl Vaisheshika einige wesentliche Grundzüge ab Ayurveda beigetragen hat, sind die entscheidenden Beiträge von Sankhya Philosophie und Yoga. Denn die Sankhya Theorie der Schöpfung, welche auch von Yoga übernommen wurde, beschränkt sich nicht, wie Vaisheshika auf die 5 Elemente, sondern geht weiter, tiefer in die feinstoffliche Ebene: Kosmische Intelligenz (Mahat), kosmisches Ego (Ahankara), die 5 Urenergien (Tanmatras), die 3 Eigenschaften (Gunas).

Nach der Sankhya-Theorie der Schöpfung ordnet das göttliche Bewusstsein die kosmische Intelligenz (Mahat) jede Sinnesempfindung in 3 Kategorien: erfreulich, schmerzhaft oder neutral (Sattva, Rajas, Tamas) – die 3 Eigenschaften (Gunas). Die ausgeglichene Form dieser Eigenschaft ist die Urnatur (Prakriti) und diese Urnatur legt den materiellen Anteil der Schöpfung zu Grunde. Für die reine Intelligenz (reines Wissen) ist Purusha zuständig. Prurusha ist die Urseele.

Wenn Purusha und Prikriti sich verbinden, beginnt der Schöpfungsprozess und bei ihrer Trennung wird der Prozess unterbrochen. Das endgültige Ende des Prozesses ist, wenn sich Prurusha seiner Reinheit bewußt ist und sich befreit (Moksha). Nach dem Gesetz der Verwandlung ist Prakriti immer in Bewegung und mit ihr die endlosen Kombinationsmöglichkeiten der drei Eigenschaften (Gunas), welche dann zu Umwandlungsvorgängen im Körper und in der Außenwelt führen.

Ayurveda nutzte diese Erkenntnis, um die Entstehung und Vernichtung von Stoffen im Körper wie in der Außenwelt zu erklären.

Zusammenhang zwischen den 5 Elementen, 3 Eigenschaften (Gunas), 5 Sinnesorganen (Tanmatras) und 5 Handlungsorganen

Element Äther (Akasha) Eigenschaft Sattva Sinnesorgan Hörbarkeit (Ohren) Handlungsorgan Mund Zusatzeigenschaft Fehlen v.Widerstand Urbild Austausch

Element Luft (Vayu) Eigenschaft Rajas Sinnesorgan Tastbarkeit (Haut)Handlungsorgan Hände Zusatzeigenschaft Schwingung Urbild Bewegung

Element Feuer (Tejas) Eigenschaft Sattva und rajas Sinnesorgan Sichtbarkeit (Augen)Handlungsorgan Füße Zusatzeigenschaft Temperaturänderung Urbild Umwandlung

Element Wasser (Apa) Eigenschaft Sattva und tamas Sinnesorgan Geschmack (Zunge) Handlungsorgan Geschlechtsorgane Zusatzeigenschaft Flüssigkeit Urbild Fließender Zustand

Element Erde (Prithvi) Eigenschaft Tamas Sinnesorgan Geruch (Nase)Handlungsorgan Ausscheidungsorgane Zusatzeigenschaft Festigkeit Urbild Form

Beiträge der Purva Mimamsa und Uttara Mimamsa (Vedanta)

Purva Mimamsa geht von dem Gesetz der Ursache und Wirkung aus – Karma.

Purva Mimamsa sagt, dass jede Seele ewig lebt und im großen Zyklus von Geburt und Tod unterwegs ist. Leid und Glück erfährt man als Konsequenz der Taten, die man in seinem Leben ausgeführt hatte. Die Unheilbarkeit bestimmter Krankheiten wird durch dieses Gesetz des Karma erklärt. Man kann nicht alle Gebrechen durch körperliche oder psychologische Behandlungen kurieren. Denn sie sind vielleicht durch Karma bedingt und müssen nur durch spirituelle oder religiöse Reinigungsmethoden durchgestanden werden.

Uttara Mimamsa (Vedanta genannt), geht davon aus, dass die Seele (Atma) frei von allen Abhängigkeiten ist, die durch Leid und Freude zustande gekommen sind. Vedanta sagt auch, dass die individuelle Seele letztendlich Eins mit der universellen Seele wird. Dies sollte zu Selbsterkenntnis führen – indem man auch das göttliche Selbst in allen Dingen sieht oder erkennt.

Ayurveda übernimmt – in Abweichung von Sankhya Philosophie – das Vedanta Konzept, dass sich jedes grobstoffliche Element aus der Kombination aller 5 Urenergien (Tanmatras) bildet.

Beitrag nicht-vedischer Schule

Buddha

Ayurveda basiert hauptsächlich auf vedischen Philosophien, hat aber einige Standpunkte von nicht-vedischen Schulen, wie der Buddhisten, Jainas und Naturalisten übernommen.

Jainas:

Nach dem Gesetz der Unsicherheiten oder Wahrscheinlichkeiten der Jainas ist es möglich, eine beliebige Zahl von Anschauungen über die Erschaffung des Weltalls festzulegen.

In der ayurvedischen Medizin kann man dieses Gesetz auf Entstehung von Krankheiten sowie ihrer Symptome, Prognosen und Behandlungen übertragen. Alle diese Faktoren lassen sich nicht mit Bestimmtheit wissen und die bleiben deshalb Wahrscheinlichkeiten.

Buddhismus:

In dieser Lehre wird gesagt, dass die Schöpfung eine momentane Sache ist und dass sie in jedem Moment zerstört werden kann.

Dieses Gesetz ist in der ayurvedischen Medizin als Teil der Behandlung übernommen, in dem man Faktoren vermeidet, die Krankheiten hervorrufen. Ein krankhafter Zustand zerstört sich selbst, wenn der krankheitshervorrufende Faktor eliminiert ist und man wird gesund. Die ayurvedische Behandlung besteht auf diese Feststellung.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Seminare